“The clinic is over there” – Oder: Mein erster Kontakt mit dem amerikanischen Gesundheitssystem

Nach einer schlimmen Nacht, in der ich kaum geschlafen habe weil mein rechtes Auge so weh tat, hatte ich heute morgen nur wenig Hoffnung, dass es hier einen Arzt geben könnte der mit schnell helfen kann. Eigentlich bin ich ja nur wegen der Knipserei hier. Was ist ein Amateurfotograf ohne das rechte Auge schon wert…

Also aufstehen, ab in die Waschanlage, bloggen (das muss sein – auch mit nur einem Auge!) und dann rüber in den Supermarkt. Vielleicht haben die da ja Augentropen, sowas wie Berberil vielleicht? Na, viel Hoffnung hatte ich ja nicht. Und es gab natürlich nur Aspirin und ein paar Standardmedikamente. Aber es gab frisches Obst, Bananen, Apfel, Keske – ähäm…

Der netten Dame an der Kasse versuche ich dann zu erklären, dass mein rechtes Auge kaum noch zu gebrauchen ist und frage nach einem Arzt oder einer Apotheke. Sie beugt sich vor, mustert das dick angeschwollene rote Auge, lehnt sich zurück und schaut mich mitleidsvoll an. Dann dreht sie sich um 90° und weist auf die verglaste Tür des Hintereinganges. “The Clinic is over there, maybe they can help you! Good luck!” Das ist ja cool, damit hatte ich nicht gerechnet. Also die Einkäufe schnell ins Auto und dann rüber zur Clinic. Das was hier Clinic heißt ist ein geräumiger Bungalow mit spitzem Dach, wahrscheinlich aus Holz gebaut. Hinter der Eingangstüre ein kleiner Wartebereich und dann sehe ich Laury! Sie ist vielleicht 60 Jahre alt und sitzt in einer Art Aquarium bei dem man die Glasscheiben wegschieben kann. Laury ist sehr nett und ich habe schnell erklärt was los ist. Wieder dieser Blick, dann sagt sie mir, dass ich bis zum späten Nachmittag warten muss, weil der einzige Arzt derzeit unterwegs sei. Ich bin wenig begeistert und sie sieht es mir wohl an. Dann sagt sie, es sei aber eine Krankenschwester da! “Oh ja, bitte bitte, vielleicht kann sie sich das kurz anschauen?” Dann kommt die Krankenschwester – ihren Namen habe ich leider vergessen, nennen wir sie Nursy. Ok, ich erkläre nun Nursy was los ist, wieder dieser Blick, erst nach vor beugen, schauen, leichtes Entsetzen, dann Mitleid. Auch sie erklärt mir, dass Arzt erst am späten Nachmittag wieder da ist. “Did you scatch?” Ja, ich habe mir die Augen gerieben und zwischen den Wimpern waren wohl ein paar Sandkörner und die habe ich jetzt im Auge – “It hurts!!” “Maybe you need some antibiotic drops!” Genau das wollte ich hören! Leider gibt es in Escalante keine Apotheke. Die nächste Apotheke die das haben könnte ist in westlicher Richtung, "…some miles beyond the Bryce Canyon!” (Bitte immer schön laut lesen und vorher eine Kartoffel in den Mund stecken, nur dann klingt es echt authentisch.) Nursy bittet Laury mal dort anzurufen. Laury schnappt sich den Telefonhörer und weiß nach einigen wenigen Augenblicken, dass es dort keine antibiotischen Augentropfen gibt!

“Ok, maybe we can call the Wayne Country Clinic in Bicknell!” – Laury greift wieder zum Hörer und ruft in Bicknell an – ein paar Sätze, sie erklärt wen sie hier vor sich hat – dann Erleichterung, sie haben Augentropfen! Bicknell ist nur 70 Meilen entfernt – ein Katzensprung, gemessen an amerikanischen Maßstäben. Nursy schreibt mir alles auf einen Zettel. “Do you have a map?” Ja und ein GPS habe ich auch – ich werde es finden!! “Ok, please start instantly, take highway 12 and take care, it might be breezy up there! It’s easy to find, you don’t need more than one eye and you have two!!” “Thank you so much, what do I have to pay?” “Nothing today, bye!” – So kann das gehen, Laury demonstriert mir vereinfachte Kommunikation unter Frauen (es geht!!) ich werde schon angemeldet (Telefonnummer, Name, Adresse etc.) und das alles ist hier kostenlos! Stark!

Also in Auto, ab zur Tankstelle. Diesmal ist es die Tanke am Ortsausgang. Ich drücke auf “Pay outside”, stecke brav meine Kreditkarte, nehme den 91 Oktanrüssel und stecke ihn in den Tank meines tollen Mietwagens. Passieren tut leider nichts, absolut gar nichts! Auf der Zapfsäule steht irgendwas mit “Thank you” – was mache ich wieder falsch? Also rüber zur Kasse. Die Kassiererin ist voll total super hochschwanger. Sie erklärt mir, dass es mit den Kreditkarten hier manchmal Probleme gibt. Ich gebe ihr meine Kreditkarte, sie zieht sie durch den Kartenleser und sagt die netten Worte “Ok, try again now!” Ich versuche es erneut und stehe wieder wie ein Ochs vorm Berg an dieser blöden Zapfpistole. Das kann doch nicht so schwer sein, Mist Mist Mist. Wieder zurück, die schwangere Lady kommt mir raus, geht ums Auto, schaut, grinst und kippt die Halterung in die man die Zapfpistole einhakt nach oben. Prompt springt eine Punpe an und der kostbare Saft fließt – war doch ganz einfach – peinlich für mich, dass links und rechts neben allen Zapfpistolen rote Pfeile angeklebt sind unter denen das schöne Wort “LIFT” prangt. Wer lesen kann ist im Vorteil!!

Ok, nach dem Tanken rein, Kreditkarte holen, unterschreiben, entschuldigen, bedanken und Tschüss…

Die Fahrt nach Bicknell ist echt lang. 70 Meilen sind über 100 Kilometer und das wegen ein paar Augentropfen!! Egal, ich kenne ja schon die Hälfte des Weges und die ist echt schön. Die zweite Hälfte ist aber fast noch schöner. Der Highway 12 schraubt sich bis auf 9600 Fuß hoch, das sind mehr als 300 Meter über dem Meeresspiegel! Dort oben liegt hoch Schnee und ich komme mir vor wie im Winterurlaub! Auf der anderen Seite geht es wieder abwärts und ich bin froh als ich in Bicknell ankomme. Die Clinic ist gut ausgeschildert, der Ort ist winzig und ich parke nach nur einem Fehlversuch direkt neben dem Eingang, perfekt!

Beim Öffnen der Eingangstüre fallen mir eine Reihe von Aufklebern in linke Auge: VISA, MASTERCARD, AMERIC…. Am Schalter erkläre ich erneut was denn los ist. Der freundliche schaut mir fragend an, also käme ich von einem anderen Planeten. Ok, ohne Kartoffel im Mund muss sich mein Englisch für ihn so anhören als käme ich tatsächlich von einem anderen Planeten. Irgendwann blicke ich dann, dass das gar nicht die Anmeldung sondern die Inhouse-Pharmacy ist – hätte man ja auch gleich sehen können. Der Zahnarzt ist rechts, wo ich hin will ist links. Also wieder vor das Aquarium treten und tief Luft holen um erneut die Geschichte vom Sandkorn um Auge, den Schmerzen und der üblen Nacht zu erzählen. “Ah, you are the guy with the eye!” – Perfekt, mein Ruf eilt mir voraus und ich muss gar nichts erklären. Dann bekomme ich ein gelbes, ein grünes, ein weißes Formular und einen Briefumschlag. Ich fülle alles brav aus, unterschreibe dass ich keine Drogen nehme (wie auch, das Bier haben sie mir ja geklaut und im Supermarkt gibt es keines…) und auf den Briefumschlag schreibe ich meine Adresse in Deutschland, damit man mir die Rechnung schicken kann.

Nach ein paar Minuten ruft jemand das Wort “Husgar” – ja das bin ich – Ansgar kann man mit einer Kartoffel im Mund eben nicht aussprechen! Die Krankenschwester weist mit den Weg auf die Waage – hä? Eigentlich habe ich es am Auge? Egal, sie schiebt die Gewichte hin und her und macht sich am Schluss grinsend eine Notiz – Übergewicht?? Dann gehen wir ins Behandlungszimmer. Das ganze ist eine Mischung aus den Behandlungszimmern die von Allgemeinmedizinern und Zahnärzten kenne. In der Ecke steht eine riesige halb rostige halb grüne Gasflasche – ob da Sauerstoff drin ist – oder Lachgas?? Egal, sie sieht komisch aus. Die Krankenschwester schaut mir nun ins Ohr – Hä? Dann in die Nase, den Hals, misst den Blutdruck, den Puls, den Sauerstoffgehalt des Blutes… Sie tippt fleißig auf einem Laptop alles ein und verschwindet dann. Kurz drauf kommt dann die Ärztin. Sie hat nach 2 Sätzen erkannt, dass ich keine Kartoffeln habe und aus Deutschland komme. Mein Denglisch verrät mich sofort! Sie erklärt mir, dass ihre Vorfahren aus Deutschland kommen, dass sie in der Nähe von Escalante wohnt und dass Ihr Name Sherree Rechtsteiner ist – ist schon lustig wie sie versucht hat ihren Namen nach Deutschland klingen zu lassen 🙂

Ok, ich erkläre wieder was los ist. Sie holt dann eine gelbe Plastikschale mit den Apparaturen für Augenuntersuchungen. Sie tropft mir was ins Auge was ziemlich brennt, löscht das Licht, zieht die Lieder weit auseinander und leuchtet mit einer UV-Lampe an meinem rechten Auge herum. “I can see some little scatches under the iris…” Ja sag ich doch, ich habe oder hatte eben Sand im Auge. Sie erklärt mir dann, dass alles rot und angeschwollen ist. Das hat die Kassiererin im Supermarkt auch schon gesehen. Danach wir dann das Auge gespült und sie hat so kleine Stäbchen die aussehen wie platt gedrückte Streichhölzer. Als sie fertig ist tut es fast gar nicht mehr weh, perfekt – ich liebe Amerika – God save the Queen – sorry – the President!

Später warte ich dann artig auf das Rezept, zahle 117 Dollar mit Kreditkarte und amüsiere mich als es nicht möglich ist eine zweite Rechnung zu drucken, nachdem es mit der ersten einen Papierstau gab. Der Service wird angerufen, später stehen vier ratlose Frauen vor einem HP-Laserjet mir vier Papierfächern. Dann wird auf das neue System geschimpft, da ist alles anders und nichts funktioniert mehr so wie früher – wie bekannt mir das doch vorkommt – aber ich habe Urlaub!!

Schließlich kriege ich einen kleinen Zettel auf dem Betrag, Datum, Name usw. stehen. Das sollte reichen…

Leider hat die Apotheke gerade Mittagspause! Also Zeit für ein paar Fotos in Bicknell! Diese Stadt ist typisch für den mittlere Westen. Jeder hat seinen privaten Schrottplat, überall stehen kaputte Autos in der Gegend herum. Einige Straßenschilder haben Einschußlöcher, einige Autowracks auch… Am Straßenrand lieft eine tote Kuh, auf der Wiese daneben noch Eine. Die Schafe sind frisch geschoren, auf der anderen Seite des Zaunes das Fell eines nicht mehr zu erkennenden Tieres, so ist das hier eben…

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Eine Stunde später stehe ich wieder am Schalter der Inhouse-Pharmacy, wieder produziere ich Verwirrung und wieder werde ich weggeschickt – diesmal zu einem anderen Schalter. Dort sitzt eine ebenfalls hochschwangere junge Frau. Sie fragt mich was, ich sage zweimal NO – dann darf ich wieder Platz nehmen…

Schließlich ruft der Man am ersten Schalter nach “Husgar” – prima das bin ich – meine Medizin ist fertig und es ist 13h30. Viermwal am Tag ins rechte Auge, mindestens zwei Tage lang. Dann die Kreditkarte – 87 Dollar!! Ich bekomme eine Rechnung für die Krankenversicherung, bei ihm geht das ganz einfach – keine Ahnung warum vier Frauen das nicht auch hinbekommen…

Ich bedanke mich tausendfach und erkläre, dass er mich gerettet hat. Was ist schon ein Fotograf mit nur einem Auge…

Auf dem Rückweg steigt die Laune merklich. Das Auge tut kaum noch weh, ich kann gut schauen und alles wird wie immer wieder gut! Am ersten Scenic Viewpoint halte ich an und bin von der verschneiten Bergkulisse tief beeindruckt. Es halten ein paar Autos, schließlich bittet mich ein junges Paar um ein paar Fotos. Ich frage aus Spaß ob ich sie mit meiner Kamera machen soll? Sie verstehen mich nicht… “Oh yeah, your camera is much better than mine!” Sie verstehen meinen Spaß echt nicht – eigentlich wollte ich drauf hinaus, dass es für sie komplett nutzlos ist wenn ich sie mit meiner Kamera fotografiere, aber so ist das eben. Also frage ich die Frage aller Fragen “So, where are you from?” Sie kommen aus Belgien und sind für 14 Tage hier. Im Arches Nationalpark waren sie schon. Im Antelope Canyon auch und nun sind sie ratlos was sie noch machen sollen. Der Brye Canyon steht noch auf dem Programm. Nun kann ich voll punkten, endlich mal! Wolfgang hat mir so vieles gezeigt und erklärt – es sprudelt und sprudelt – schließlich machen sie einen verwirrten Eindruck und betonen, dass sie ja nur 14 Tage hier sind und nur noch einige wenige Tage haben. Ok, und tschüss…

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Am nächsten Scenic Viewpoint sehen wir uns wieder und am nächsten und am nächsten… Schließlich sehe ich ein Schild das den Weg zum Burr Trail weist! Davon hat Wolfgang schon geschwärmt, also einfach mal links abbiegen und schauen was kommt. Was kommt ist die große Überraschung, der Trail ist genial. Immer wieder halte ich an und mache ein paar Fotos. Ich bin total allein, niemand außer mir auf dieser wunderbaren Straße!! Es geht weiter und weiter und plötzlich habe ich den Capitol Reef Nationalpark gefunden!!

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Dort quellen mir im Abendlicht fast die Augen über – toll ist es dort. So schön und so riesig – zu viel im es in eine Foto packen zu können, man muss einfach dort gewesen sein! Ich nehme irgendwann einen kleinen Jeep Trail und lande an einem Trailhead. Da laufe ich dann eine Weile herum und mache meine Knipsbilder. Zurück im Auto ist es 18h30 und die Sonne steht schon tief, also zurück. Die Rückfahrt ist großartig und ich bin gar nicht frustig, dass es in Escalante meine Augentropfen nicht gab 🙂

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Am Ortseingang dann ein kurzer Stopp an der Tankstelle vom Morgen. Und siehe da, dort gibt es Bier, sogar mein Amber-Bock!! Im Motel lasse ich fünf Flaschen davon im Auto, eine nehme ich mit rein – tut das gut nach diesem Tag…

Trackanalyse

Man beachte den Weg durchs Gebirge – das GPS hat 2930 Meter/ÜNN gemessen!

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Das KMZ in Google Earth:

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Offroad-Tipps – Für Oliver:

Nachdem ich mich rund um Page anfangs gewundert und auch manchmal über die vielen vielen Kilometer Stacheldraht links und rechts von allen Straßen geärgert habe bin ich nun versöhnt. In Utah gibt es deutlich weniger Stacheldraht. Hier kann man praktisch überall anhalten und ein paar Meter ins Gelände laufen um eine Position für ein schönes Foto zu finden. Auch gibt es hier echt coole Offroad-Strecken. Die Hole-In-The-Rock-Road (HITRR) ist solch ein Beispiel. Anfangs ist sie toll ausgebaut, geschottert und sehr eben, nach 20 Meilen wird sie echt hart! Der Burr Trail heute ist ganz ähnlich. Zunächst geteert und sehr gut zu befahren, später staubig und holprig mit vielen Abzweigen die sehr eng und sehr sandig sind. Wer hier mit dem Monstertruck kreuz und quer durch die Rabatte fahren möchte wird hier sicher fündig!

Bei Page hat die House-Rock-Road ein ähnliches Kaliber, auch hier zweigen viele kleine schwierige Jeep-Trails ab. Mit dem richtigen Auto macht das echt Spaß!

Bedenke:

Mit einem normalen Mietwagen ist ein Schaden auf diesen Wegen nicht versichert! Platzt ein Reifen oder rutscht man gegen einen Baum, so ist das PP – Persönliches Pech!

Mein Nissan XTerra hat reichlich Bodenfreiheit und sehr kurze Überhänge vorn und hinten. Man kommt damit eigentlich überall durch. Aber er ist unspektakulär und gewöhnlich! Wie hat Wolfgang es formuliert “Zum Leben reicht das!” – dem würde ich mich anschließen. Die richtig coolen Typen die wir hier bislang gesehen haben, hatten alle einen Hummer H3. Der ist meiner Meinung nach perfekt für allerschwierigstes Gelände. Aber er braucht doppelt soviel Sprit wie der Nissan! Je nachdem wie viel man unterwegs ist, kann das also ganz schön ins Geld gehen. Auch dürfte die Miete etwa das Doppelte kosten! Zusätzlich kann es schwierig werden überhaupt einen Hummer zu kriegen, weil viele Vermieter nur Fahrzeuge einer bestimmten Klasse anbieten. Ich hatte ursprünglich einen Full-Size-SUV gebucht. Alamo in Las Vegas hatte aber an meinem Anreisetag keine richtig großen SUVs, also habe ich mir den Wagen mit der meisten Bodenfreiheit und den kürzesten Überhängen ausgesucht. Zum Leben reicht es, Spaß macht es auch und ich bin erst der zweite Mieter. Die Kiste riecht also noch nach Plastik und nicht nach fiesem Zigarettenqualm oder nassem Hund 🙂

Und noch was, beim Anmieten unbedingt gründlich schauen ob auch nichts defekt ist. Bei Wolfgangs Toyota haben wir einen Schaden festgestellt und ich bin gespannt wie es ausgeht.

So, nun aber ab ins Bett – es ist 23h32…

Schlecht geschlafen – Oder: Need help

Das Sandkorn vom Abschiedsessen hat sich zu einem Problem ausgeweitet. Die halbe Nacht konnte ich nicht schlafen, das rechte Auge ist dick angeschwollen, tränt und ich kann damit sicher nicht fotografieren – warum ausgerechnet das Rechte?? Nun steht mir wohl der erste Kontakt mit dem amerikanischen Gesundheitssystem bevor. Gott sei Dank habe ich zwei Kreditkarten, das reicht hoffentlich aus…

Mein naiver Versuch via Google Maps und Google Earth und den Microsoft Live-Maps eine Apotheke oder einen Arzt hier in Escalante zu finden sind fehlgeschlagen. Dann noch eine Mail von Alamo in der sie diverse Rückfragen haben. Dabei habe ich ihnen doch geschrieben, dass die 30-Tage Zulassung meines Autos abgelaufen ist. Die haben eine Vertragsnummer, die Nummer des Temporary 30 Days Permit usw. eigentlich alles. Nun wollen sie eine Reservierungsnummer, die Abholstation usw. Au Backe…

Unter der Dusche ist mir eben der lustige Duschvorhang aufgefallen. In Augenhöhe gibt es ein etwa 40 cm breitest “Sichtfenster”. Da hat der Designer wohl mal scharf nachgedacht und überlegt welche Urängste in jedem Amerikaner schlummern der mal Alfred Hitchcocks Psycho gesehen hat. Welche Szene ich meine muss ich sicher nicht weiter erläutern 🙂

Bei youtube gibt es ein ganz lustige Remake…

 

Oder doch gleich das Original?

 

Na jedenfalls ist man in diesem Motel im Fall der Fälle vorbereitet! Bevor es wirklich ernst wird kann man sehen wer auf dem anderen Quadratmeter steht…

Beim Durchsuchen meines Koffers ist eben erstaunliches an Tageslicht gekommen. Paracetamol, Nasenspray, Heftpflaster, nur keine Augentropen. Die Augentropfen von Wolfgang sind Artificial Tears – die helfen jetzt nicht mehr wirklich… Scheiße was tut das weh – ich suche jetzt mal eine Apotheke oder einen Arzt.

cu talk soon…

Der letzte Tag mit Wolfgang – Oder: A good hike!

Ja, morgen reist Wolfgang dann wieder ab und ich bin noch ein paar Tage allein im Südwesten. Schade, es war eine tolle Zeit und es hat Spaß gemacht einen erfahrenen “Tourguide” zu haben – Auch an dieser Stelle ein großes DANKESCHÖN!!

Der Tag begann wie die meisten Tage hier mit einem ausgiebigen Frühstück. Diesmal “Diet for strong man” (So heißt es auf der Karte!!) –> Zwei Spiegeleier, gebratener Speck, Toast und Marmelade. Kaffe bis zum Abwinken und O-Saft – langsam gewöhne ich mich daran 🙂

Um 9h30 ging es dann los in Richtung “Hole in the Rock Road” – ich habe gelernt, dass die Mehrzahl der Beautypoints der Umgebung über diese “Straße” zu erreichen sind. Nach einer Weile sahen wir dann auf der rechten Seite einen roten Felsen, der mich an den Ayers Rock in Australien erinnert hat. Also mal anhalten und gucken! Wolfgang ist mal los gewandert und hat das Gelände erkundet während ich zur Abwechslung mal wieder ein paar Dias gemacht habe. Ein paar Minuten später kam er wieder “Das musst Du sehen – nimm ein Weitwinkel mit….” Also sind wir da eine Weile herum gekrakselt und ich muss sagen, ich war von unserem Fund zutiefst beeindruckt. Dieser Felsen ist der von der Straße aus sichtbare Teiler einer großartigen Formation. Klettert man ein wenig darauf herum findet man tiefe Löcher in denen Gras und Bäume wachsen. Wer dort hineinfällt hat keine Chance je wieder heraus zu kommen. Also waren wir sehr vorsichtig! Der Sandstein ist nicht immer so griffig wie er aussieht und keiner von uns wollte in einem dieser Löcher die letzten Tage fristen. Während ich also fleißig geknipst habe rief mir Wolfgang irgendwann zu “Wenn wir noch zum Broken Bow Arch wollen müssen wir los!!” “Willst Du da wirklich noch hin, hier ist es doch sowas von genial? Meinst Du das schaffen wir noch?” “Mit so einer lahmen Ente wie Dir ganz bestimmt NICHT!!!” Das will ich nicht auf mir sitzen lassen – Lahme Ente – Pah!! Also schnell noch ein paar Bilder und dann unten rum zur Straße und wieder zum Auto. Da gab es noch kalte Cola aus dem Kofferraum und ein paar Kekse – perfekt! Nach einer halben Stunde war ich aber immer noch allein. "Wo bleibt der nur – mal hupen! Nichts passiert, wieder hupen, warten nichts passiert, hupen warten hupen – keine Wolfgang.

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Langsam wurde ich unruhig!! Weil die kalte Cola so gut tat habe ich mir noch ein gegriffen und bin losgezogen um Wolfgang zu suchen. Irgendwie hatte ich doch Angst er könnte in eines der riesigen Löcher gerutscht sein! Auf laute Rufe keine Antwort – “Wooooooolllffaaaaaaannnnggg” – nichts!! “Wooooooooooooooooooooooooolllllllffffggggaaaaaaaaaaaaaaaaaannnggg” – nichts!

Während die Cola in meiner Hand langsam warm wird wandere ich also von einem Loch zum anderen und schaue mal hinein ob da vielleicht der Wolfgang drin liegt. Nach einer echt langen Viertelstunde dann eine Stimme am Horizont – Da ist er ja! Gott sei dank! In Gedanken hatte ich schon überlegt wie ich am Telefon erkläre wo wir sind und was passiert ist… Gut, dass das nicht nötig war!!

Also endlich rein ins Auto und durchstarten zum Broken Bow Arch. Die Straße wird zunehmend schlechter und ab 40 Meilen springt das Auto (Blattfedern) richtig durch die Gegend und verliert nahezu jegliche Bodenhaftung. Nicht gut! Also langsamer fahren, die Geräusche von der Ladefläche stimmen dabei nicht glücklich. Die verbliebenen Cola Dosen und Wasserflaschen etc. springen munter lustig im offenen Kofferraum herum. In Wolfgangs Toyota ist das besser, dort ist die Ladefläche mit Teppich ausgelegt – das dämpft sehr gut! Der Nissan XTerra ist das weniger komfortabel, aber hoffentlich robuster!

Nach insgesamt rund 70 Kilometern Holperstrecke geht es dann links ab zum Parkplatz am Broken Bow Arch. Der Abstieg in den Canyon ist steil und sandig “Da müssen wir später wieder hoch!!!” schießt es mir durch den Kopf… Der Rest des Weges ist dann ganz zauberhaft. Mitten in er Wüste wandern wir an einem kleinen Flusslauf entlang, es plätschert und ist überirdisch! Gestern am Calf Creek war es je schon cool – heute ist es noch besser!

Nach etwa 90 Minuten sind wir dann am Broken Bow Arch und ich bin beeindruckt von dessen Dimensionen. Das Ding ist so riesig, da könnten mehrere Familien ihren Häuser drunter stellen. Allerdings wäre das keine gute Idee, merke: Auf dem Rückweg geht es steil bergauf. Außerdem wären die Garagen nur als Abstellfläche zu gebrauchen – Ok, tun wir ja in Deutschland meistens auch… Spaß beiseite, der Arch sieht aus als würden vom Frost gelöste Gesteinsbrocken ihn immer wieder vergrößern. Die Kolosse die unten am Boden liegen verheißen jedenfalls nichts gutes! Also dort lieber nicht bauen, auch wenn es lustig aussehen  würde…

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Während ich den Arch von allen Seiten abknipse trudelt auch Wolfgang langsam ein. Später fragt er mich warum ich denn so losgerannt sei – Na warum wohl, schließlich will ich ja keine lahme Ente sein 🙂 Und so konnte er  mich bei seiner Ankunft auch wunderbar unter diesem gewaltigen Arch fotografieren. Da hat man dann einen schönen Maßstab – nämlich MICH 🙂

Der Rückweg war dann beschaulicher, wir quatschen und laufen dann wieder an einem der netten Steinmännchen vorbei. Während wir dort vorbeilaufen erzählt mir Wolfgang, dass sie beim letzten Besuch einen wichtigen Abzweig verpasst haben und eine ganze Weile in die falsche Richtung gelaufen sind. In diesem Augenblick bleibt er stehen, schaut auf das neue GPS und sagt “Na sowas, nun machen wir den gleichen Fehler schon wieder. Da hat man zwei GPS dabei und vor lauter Gequatsche schaut keiner drauf…” Also zurück, es waren nur ein paar Meter – aber lustig war es trotzdem!

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Am Auto angekommen geht es nach einer kurzen Pause mit Warp-Geschwindigkeit nach Escalante. “We close at eight o’clock!” Das habe ich noch im Ohr und schließlich will ich mir das kleine Abschiedsessen nicht nehmen lassen! Also “Stoff geben”…

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Um kurz nach 18h sind wir dann auch schon in Escalante – die HITRR zieht sich wie Kaugummi. Unterwegs gibt es noch ein paar Tourentipps für die nächsten Tage und ich beschließe das Zimmer im Motel bis nächsten Mittwoch zu verlängern. Es gibt hier einfach noch zu viele zu sehen um morgen schon abzureisen.

Im Motel angekommen schnell rein in frische Klamotten und rüber ins Restaurant. Ich freue mich auf eine großes saftiges Steak und ein riesige Glas mit kaltem Bier – Ahhhhh, das wird ein Fest! Die kurze Konversation mit der Kellnerin offenbart, auch hier gibt es kein Bier! Auf der Speisekarte stehen auch nicht Softdrinks. Hm, ob es vorgestern doch nicht an der fehlenden Konzession gelegen hat? Ob die Restaurants in Utah grundsätzlich kein Bier ausschänken dürfen? Ein kurzer Blick ins Internet offenbart mir die Ausmaße der Misere!!

Es gibt spezielle Clubs, bei denen man eine Genehmigung erwerben kann um dort Alkohol zu trinken. Oft braucht die Person, die diese Genehmigung erwerben möchte, so etwas wie einen Bürgen. Jemand, der einem schriftlich bestätigt ein guter Mensch zu sein. So glaube ich, Utah ist der Ideale State für Leute mit einem Alkoholproblem!

Es gibt hier also kein Bier! Also bestelle ich zu meinem überaus wohlschmeckenden saftigen Steak ein 7up 😐 Das Kaltgetränk kommt sehr schnell, kurz danach der Salat zum Steak. Der Salat ist echt lecker, das Steak kommt dann auch. Doch was ist denn das? Das Ding ist ja paniert und obendrauf ist sowas wie eine Bechamel Sauce???? – Hallo?? Die French Fries heißen so, weil sie den Namen “Pommes Frites” nicht verdienen, sie sind laff und schlabbrig. Kein Ersatz für die auf der HITRR so heiß ersehnte Ofenkartoffel 😐 Das Steak schmeckt wie eine frittierte panierte Frikadelle – oder mehr wie in Schnitzel – jedenfalls nicht genau definierbar. Aber es macht satt, auch ohne Fritten und ohne Sauce! Nach einem kostenlosen 7up Refill und der Rechnungsbegleichungszeremonie freue ich mich auf eine der drei Bierflaschen die ich auf die Veranda gestellt habe, schließlich ist es dort kühl und mein Zimmer hat ja keinen Kühlschrank. Lecker!

Im Restaurant habe ich mir wohl ein Sandkorn ins rechte Auge gerieben, es tränt und ist dick angeschwollen als wir am Motel ankommen. Wolfgang ist wie immer “Well prepared” und hat Augentropen dabei! Genial! Nach der Behandlung ist das Auge immer noch dich aber es tut nicht mehr so weh. Also rüber zum Chefe und das Zimmer verlängern. Sonntag – Montag – Dienstag?? Ich entscheide spontan bis Mittwoch nächster Woche zu bleiben. Die goldene Kreditkarte macht ihn glücklich und ich darf bleiben. So jetzt das Bier und dann Fotos angucken!!!

Im Zimmer schnell das Notebook rauskramen, Kamera anschließen, externe Festplatte anschließen, Netzteil anschließen, Vista starten, klick klick klick – Bilder werden kopiert. Jetzt das Bier – endlich das Bier!! Während das Notebook auf dem Queen-Size-Bed die Bilder des Tages hin und her schaufelt öffne ich die Türe und erlebe den Schock des Tages? Hier leben Mormonen und die dürfen keinen Alkohol trinken! Trotzdem hat mir irgendwer mein Bier geklaut – Sowas! Na, gerechnet hatte ich ja damit – aber ein wenig Hoffung und Glauben an das Gute im Menschen hatte ich trotzdem! Nu ist es weg! Und ich habe nur lauwarmes Wasser aus kleinen Plastikflaschen – Bäh!

Ok, nochmal die Augen tropfen, das Blog schreiben und dann mal an der Tanke schauen ob es dort  Bier gibt. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob es dort welches geben wird… Allerdings macht mir dieser Artikel Hoffnung! Nur wie soll ich es kühlen ohne, dass es wieder geklaut wird? Besser man stellt nicht alles nach draußen oder über Nacht uns Auto? Nur einzelne Falschen? Ich werde eine Lösung finden, auch wenn es nicht wirklich wichtig ist und ich auch gut ohne Bier auskommen kann. Aber es ist halt eine Frage des Urlaubsgefühls. Ein Bier am Abend macht den Abend rund und ich probiere mich gern durch die einzelnen Marken durch. Eben habe ich gelesen, dass das Bier an Tankstellen maximal 4% Alkohol haben darf. Derjenige der mein Bockbier mit 18% Alkohol geklaut hat ist hoffentlich überrascht über dessen Wirkung :-]

Eben fällt mir ein wie gut es ist, dass Page wenn auch nur um Haaresbreite im Norden von Arizona liegt!

Hier die Diashow des Tages.

Hier die Trackanalyse:

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Planung, Route und gewanderter Track:

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Darstellung des Tracks (KMZ) in Google Earth:

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Hier gibt es das KMZ für die Ansicht in Google-Earth.

 

Ein Video des Tages gibt es leider nicht, weil auf mysteriöse Art und Weise die SD-Karte der Hosentaschenkamera nicht mehr unter Windows Vista gelesen werden kann – komisch – vielleicht kann ich es ja reparieren…

 

Es wäre schön zu wissen wer denn diesen BLOG überhaupt liest! Bitte schickt mir doch mal eine kleine Motivationsfeedbackichfindetollwasdudamachstemail…

Ansgar.Hillebrand@web.de

Wandertag – Oder: Besser geht’s nicht!

In der Nähe von Escalante gibt es einen sehr schönen Wasserfall. Wolfgang hat ihn im letzten September und vielleicht auch früher schon besucht. Daher wäre es für ihn langweilig gewesen nochmal dorthin zu wandern. Also haben wir heute mal getrenntes Programm gemacht. Er war auf großer Erkundungstour, ich war am Calf Creek wandern. Abends zuvor hatte ich mir noch die Wegpunkte zusammengestellt und eine Route in mein GPS geladen, was sich aber als vollkommen überflüssig erwies. Der Weg ist ausgeschildert und sehr gut begehbar, ein reines Vergnügen! Morgens so um 8h wurde ich mit einem deutlichen Klopfzeichen geweckt, wir schlafen gerade Kopf an Kopf und die Wand ist sicher nicht viel mehr als eine Spanplatte, jedenfalls hört man hier abends ständig die rollenden Discos auf- und abfahren – nicht sonderlich lustig. Die Kids hier haben echt Langeweile, was auch sonst, hier ist der Hund begraben! Aber schöne Wanderungen kann man hier machen…

Vor die Wanderung haben die Götter aber das Frühstück gestellt und das war wie immer echt reichlich! Danach bin ich dann ins Motel gelaufen und habe mein Auto startklar gemacht. So um 10 ging es dann los, Highway No. 12 – eine tolle Strecke! Auf den Schildern wird er auch als “Scenic Byway” bezeichnet – sehr passend! Ein paar Meilen nordöstlich (oben/rechts) von Escalante kreuzt man dann schon den Calf Creek. Es ist ein Campingplatz ausgeschildert. Das kann man parken und los geht die Wanderung. Auf dem Rückweg habe ich dann bemerkt, dass ich mich für 2 Dollar hätte selbst registrieren müssen – Permititis – ich habe es übersehen und das Auto hat auch niemand abgeschleppt. Die zwei Dollar kriegt dann morgen das Zimmermädchen. Am Parkplatz sind gleich ein paar nette Grillplätze. Ein nettes Pärchen war auch schon da. Der Blick auf die Ladefläche ihres SUV war erschütternd. Sie waren zu zweit und hatten Essen für ein ganzes Footballteam dabei. Aber so ist das hier ja üblich…

Der Weg zum den Lower Calf Creek Falls startet dann auch schön asphaltiert. Nach 500 Metern geht es dann in einen Wanderweg über. Dort steht auch das übliche rostige aufklappbare Pult in dem ein Block mit einem Bleistift liegt auf dem man sich bitte eintragen soll. Wenn schon kein Permit, dann wenigsten eine Registrierung. Auf dem Rückweg kann man dann ein Lob loswerden, feine Sache!

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Weitere 500 Meter später geht es einen kleinen Felsen hoch und es verliert sich ein wenig die Spur, weil es auf dem Felsen keinen Trampelpfad gibt. Da war ich erst einmal ratlos. Weiter unten sah es nach Trampelpfad aus, also runter. Keine gute Idee, ein Weg für echte Individualisten! Zwischen trockenem mannhohem Schilf durch weichen bis matschigen Boden, das kann es nicht sein. Plötzlich fegt mir ein Zweig wie ein Peitschenhieb zurück ins Gesicht. Voll auf die Oberlippe – Autsch – das tut richtig weh! 10 Minuten später stehe ich mitten im Schilf und vor mit der Calf Creek , vielleicht zwei Meter breit und sicher einen halben Meter tief. “Hm, da komme ich nicht mit trockenen Füßen rüber! Das kann doch alles gar nicht wahr sein, gestern Modder im Zebra Canyon, heute ein Wanderweg der nach ein paar Hundert Metern endet??” Also links am Ufer durch das Schilf kämpfen – Wumms – wieder ein Schlag ins Gesicht – wenn das so weiter geht habe ich gleicht Tränen in den Augen. Dann ein Stück Fels, sehr steil, sehr sandig, sehr rutschig. Egal, alles ist besser als ständig eins auf die Nuschel zu bekommen.  Nach kurzer Kletterei ein Weg, ein guter Weg – DER WANDERWEG! Ich hatte ihn wieder gefunden – Yeah!

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Das GPS zeigt in freundlichen großen Zahlen die restliche Entfernung an, Luftlinie – versteht sich – Topografische Karten beherrschen in der Regel kein Routing! Die ganze Wanderung ist ca. 6 Meilen lang, also knapp 10 Kilometer. Hin und zurück sind es dann etwa 20 Kilometer und man ist gute vier Stunden unterwegs. Weil alles so zauberhaft ist und noch überall Schneereste von Vortag liegen, muss ich überall stehen bleiben und ein Bild nach dem anderen knipsen. Ich bin begeistert, solch eine schöne Wanderung habe ich in den letzten 44 Jahren nicht gemacht! Statt nach zwei Stunden komme ich also nach 3 Stunden an. Der Wasserfall erinnert mich ein wenig an den Barranco del Infierno im Süden von Teneriffa. Nur führt dieser Wasserfall derzeit viel mehr Wasser. Die Doku besagt, dass er 120 Fuß hoch ist – also gut 40 Meter – das ist schon mal was! Und er rauscht ganz paradiesisch! Weil ich so lange herum geklüngelt habe liegt der Wasserfall zur Hälfte im Schatten, schade. Aber er wird trotzdem ausgiebig abgeknipst und zwar mit alle verfügbaren Objektiven und aus diversen Perspektiven. Schließlich soll es im Blog ja gut aussehen 🙂

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Da rund herum noch Schnee liegt ist es im Schatten schnell echt kalt. Das Unterhemd ist am Rücken ganz schwitzig vom Fotorucksack. Gut wenn man vorbereitet ist und ein Ersatzhemd dabei hat! Also schnell umziehen. Während ich dann so in Hosen und oben ohne im Wald stehe höre ich von hinten ein freundliches “Haaaaiii” – Da kommt nativer Besuch! Na, nun kennt er mich gleich von meiner schönsten Seite 🙂 Der Besuch packt dann auch eine Reihe von Kameras aus und wir schießen jetzt mit drei Kisten aus vollen Rohren – oder sagt man Linsen? Egal, die Spiegel klappern überall und die Vögel kriegen langsam die Krise…

Eine Stunde später habe ich mehrere Hundert Bilder auf der Speicherkarte und ein wenig Smalltalk hinter mir. Ist schon witzig, dass man sich als Nikonian doch mit Canonistas unterhalten kann. Speziell über mein Lensbaby konnten wir sehr lange plauschen 🙂

Auf dem Rückweg ist die andere Seite der Schlucht von der Sonne beschienen und es sieht einfach alles nur gut aus. Das ist Urlaub – so kann das noch eine Weile weitergehen! Auf dem Trail ist man echt allein – zumindest im März – und es macht so richtig Spaß mal kurz am Creek zu sitzen die Fische anzuschauen, die Vögel zu knipsen und ein Murmeltier abzulichten das in einem Baum nach seiner Mama ruft. Wenn man mal pinkeln muss, kein Problem, hier kann man sogar seine Initialen in den Sand schreiben, viel besser als anderswo. Keine Ahnung warum, aber hier geht es besser – Klingt zwar komisch, iss aber so!

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Zurück am Auto war alles perfekt. Ich war gut ausgestattet, hatte nichts vergessen und im Kofferraum gab es noch jede Menge kalte Getränke! Das ist der Vorteil wenn man im Winter hier ist! Nach einer kleinen Verschnaufpause geht es dann mit dem Auto über den “Scenic Byway” nach Boulder. Nur ein paar Kilometer, aber die sind echt großartig. Boulder war die letzte Stadt der vereinigten Staaten die ihre Post noch mit dem Esel angeliefert bekommen hat. Seit es den Highway 12 gibt, sind die Esel in Rente und ich weiss nun auch warum sie noch so lange arbeiten mussten! Das Terrain ist zerklüftet, die Ausblicke links und rechts der Straße grandios. Ich kann von oben in den Canyon schauen, den ich zuvor durchwandert habe, stark! In Boulder gibt es noch weniger als gar nichts, ok vieleicht doch ein bisschen was, aber es ist noch kleiner als Escalante. Also nicht lange aufhalten sondern wenden und mit ein paar kurzen Stopps zum Devils Garden.

Im Devils Garden angekommen ist es noch etwa eine Stunde bis Sonnenuntergang, also das große Stativ auf die Schulter und den Rucksack auf den Rücken. Eine halbe Stunde später stehe ich wie ein Feldherr auf einem Hügel und kann das ganze Terrain überblicken. Langsam geht die Sonne unter und ich mache alle paar Sekunden ein Bild nach dem Anderen – Fein! Doch genau in dem Augenblick in dem die Sonne am tiefsten steht, schiebt sich eine dicke Wolke davor und es gibt an diesem Tag keine leuchtenden Sandsteinskulpturen mehr, schade! Also zurück nach Escalante, vielleicht ist Wolfgang ja schon am Motel._DSC6909  _DSC6940

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Im Circle D angekommen ist kein weißer Toyota auf dem Parkplatz, also schnell zurück zur großen Tankstelle am anderen Ende des Ortes. Dort gibt es ein reichhaltiges Angebot an Knabberkrams und Getränken. Wer will kann sich sogar einen Hamburger selbst belegen und frisch Sandwiches kann man sich auch machen lassen. Zurück am Motel ist Wolfgang auch schon da. Er war gegenüber was essen. Also rein in die Bude, die Heizung eingeschaltet und den Computerkrams angeworfen…

Ein perfekter Tag! Hier habe ich eine kleine Diashow zusammen gestellt.

Hier der Hike dazu. Sehr schön kann man dort sehen, wie ich mich ganz am Anfang ein wenig verlaufen habe 🙂

Zebra Canyon – Oder: Be Prepared!!

Nach dem Aufstehen und dem Morgenblog ging es dann heute erst einmal zum Frühstücken in die Kneipe neben an. Irgendwie sah es da drinnen eher aus wie in einem Saloon den man aus alten Western kennt. Auch die Gäste sahen aus wie aus einem alten Western, einige zumindest! Lustige Hüte, Bärte, Stiefel, karierte Hemden, alle Klischees wurden bedient! In die Küche konnte man hineinschauen, so wie man es aus dem Kino kennt. Zwischen Küche und Barbereich war ein Karussell für Bestellungen angebracht. Leider war die Bedienung auch die Köchin. Und gut drauf war sie auch nicht, weil der Laden so voll war. Sicher ungewöhnlich für diese Jahreszeit. Also ist sie ordentlich hin und her geflitzt. Bestellung aufnehmen, ans Karussell klatschen, durch die Schwingtüre in die Küche, Eier & Speck braten, schnell was rausbringen… Das volle Programm.

Um 9h07 kam dann plötzlich Verstärkung hereingestürmt. Sie sah aus als hätte sie verschlafen, jedenfalls war sie echt hektisch. Später hat sie uns dann erzählt, dass sie eigentlich immer viel später anfängt, heute aber einen Hilferuf von ihrer Chefin erhalten habe. Das Frühstück war wie immer, Scrambled Eggs, Bacon, Hash Browns (Nun weiß ich auch wie man das schreibt…). Kaffee, O-Saft – alles was das Herz begehrt.

Frisch gestärkt ging es dann los in Richtung Osten! nach vier Meilen dann in Richtung Süd Westen auf die “Hole in the Rock Road”. Wolfgang hat mir erzählt, dass diese Straße ihren Namen vor langer Zeit erhielt, als die ersten Siedler fassungslos vor dem Grand Canyon standen und nicht wussten wie sie ihn überqueren sollten. Schließlich haben sie eine gemäßigte Stelle gefunden und dort alles in den Canyon abgeseilt und auf der anderen Seite wieder herauf gezogen. Was für eine Arbeit, heute gibt es Brücken oder Boote. Aus dieser Zeit stammt jedenfalls der Name der Straße. Und was soll ich sagen, es ist eine nicht geteerte Straße, aber eine gut zu befahrende.

Das Wetter war echt krass heute morgen. Überall lag Schnee, die Straßen waren glatt und der Himmel so blau wie man ihn sich nur denken kann. Nach ein Meilen über frischesten Neuschnee dann der Abzweig in Richtung Zebra Canyon. Auto parken uns los…

Hoppla, in dem Durcheinander am Morgen hatte ich mein Stativ vergessen, meine Wanderstöcke, die Getränke, wer weiß was noch – MIST. Eigentlich dachte ich, ich sei “Prepared” – war ich aber nicht! Wolfgang sagte nur “Nun komm schon, das sind nur ein paar Meter.” Also egal und los. Erst später habe ich gemerkt, dass es jeweils 8 Kilometer waren – Luftlinie – mit Verlaufen und allen Schlenkern also gut und gern 18 Kilometer oder mehr. Das alles in tiefem Sand, Schnee und Modder. Ich bin jetzt sowas von fertig… Jedenfalls war die Wanderung toll. Schnee in der Wüste, das hatte ich nicht zu erhoffen gewagt. Wir waren ca. 1600 Meter über dem Meeresspiegel – wenn es hier mal regnet, dann gibt es oft auch Schnee. Geht dann die Sonne auf ist es wunderbar. Die karge Landschaft, überall Felsformationen aus rotem Sandstein und alles weiß überzogen – Stark!

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Warm angezogen war ich ja. Ich wollte ja gut vorbereitet sein. Leider war es in der Sonne dann viel zu warm. Also habe ich alle paar Meter angehalten, Handschuhe weg, Mütze weg, Halstuch weg, Jacke weg, nächste Jacke auf, Weste auf… So ging es dann in einem trockenen Flussbett bist zum Zebra Canyon. Am Eingang des Canyons dann deutliche frische Fußspuren, in beiden Richtungen! Rein UND raus! Da war jemand vor uns dort!! Voller Freude auf den zebrafarbenen Canyon bin ich Wolfgang hinterher gestapft. Leider nur ein paar Meter. Dann stand Wolfgang mit enttäuschter Miene vor mir. “Was ist?” “Wasser!” “Mist!” –> Vereinfachte Kommunikation unter Männern! Man konnte in Wasser und Matsch deutliche Fußspuren sehen – frische Fußspuren! Unser “Vorgänger” ist also durch den Schlamm hindurch gewatet. “Habe ich nicht eine Plastiktüte im Rucksack?” – Jau, da war eine! Leider nur eine und ganz dünne dazu. Egal ich versuche es mal. Also den rechten Fuß in die Tüte und das ganze dann oben mit einem elastischen Klettband verschlossen. Vielleicht kann ich ja auf einem Bein hindurch hüpfen und mich mit den Händen an den Wänden abstützen. Das klappte ganz vorzüglich, leider nur etwa 50 Zentimeter weit! Dann war der Modder so tief, dass der ganze Fuß versank, samt der Tüte – versteht sich! Also wieder rausgehumpelt – huch – die Tüte war schon komplett voll mit Wasser und Schlamm. Der Schuh sah entsprechend aus. Ein neuer Wanderschuh – ok am 20. Februar war er noch ganz neu! Nun war er jedenfalls nass und schlammig.

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Ja, da ging es nicht weiter! Da sind wir gut 10 Kilometer durch Sand und Schnee gestapft um dann 20 Meter vor dem Ziel umzukehren. Aber das ist das Leben – GUT VORBEREITET hätten wir Gummistiefle dabei gehabt. Kann man sich ja eigentlich denken, dass es in einem schmalen Canyon nach einer Nacht mit Regen und Schnee nicht ganz trocken sein wird… Wieder was gelernt!

Also wieder raus und dann mal hoch auf den Felsen den Moki-Hill. Dort oben liegen tausende kleiner Moki-Kugeln (auch Moqui-Marble genannt) die von Wind und Wetter aus dem Felsen herausgewaschen wurden. Im Canyon konnte man sie schon in der Wand stecken sehen. Witzig sind sie und sowas von fest – unglaublich. Einen Hinweis wie sie entstanden sind konnte ich im Internet finden. Die Kugeln sind vor vielen Millionen Jahren im Meer entstanden und aufgrund ihres Gewichtes dann auf dem Meeres vom Sand bedeckt worden. Der Fels auf dem wir sie gefunden haben war also vielleicht mal ein Strand an dem die Dinosaurier ihre Schulferien verbracht haben. Sehr spannend! Wind und Wetter haben sie dann freigelegt. Sicher werden in den nächsten 100.000 Jahren weitere Mokis an die Oberfläche kommen 🙂

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Ich war von diesen viele millionen Jahre alten Kugeln so beeindruckt, dass ich eine Weile mit dem Makroobjektiv an der Kamera auf der Erde gelegen habe. Als ich dann den Berg wieder herunter geklettert war, konnte ich Wolfgang nicht mehr sehen. Also ein flüchtiger Blick auf das GPS – man(n) ist ja gut vorbereitet – und los. Eine ganze Weile später dann ein zweiter flüchtiger Blick… “Mist, falscher Canyon, die Fußspuren sind nicht die von Wolfgang!!” Also kehrt marsch und das in dem tiefen schweren Sand, echt anstrengend!

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Auf dem Hinweg habe ich mich noch mit Wolfgang darüber unterhalten, dass man mit ein wenig Fantasie in vielen der Gesteinsformationen Gesichter sehen kann. An den White Pockets gibt es beispielsweise einen Felsen der aussieht wie ein grinsender Weihnachtsmann! Wolfgang sagte dazu nur “Das ist die erste Stufe, danach härt man dann Stimmen!” – Während ich versuche den richtigen Weg wieder zu finden höre ich plötzlich Stimmen. “Die zweite Stufe? Jetzt schon? Ich bin noch nicht mal 45!!!” Doch es war nicht die zweite Stufe, es war Wolfgang von der anderen Seite des breiten Flusslaufes! Er hatte auf mich gewartet und dann eine blaue Mütze in die falsche Richtung laufen sehen.

Dieser kleine Umweg war mehr als überflüssig. Zurück am Auto war ich so erledigt, dass ich kaum noch Piep sagen konnte. Nach einer kleinen Pause ging es dann weiter zum “Devils Garden”. Diese Gesteinsformation ist wirklich witzig, und nicht weit vom Zebra Canyon entfernt. Als wir dort ankommen fallen die ersten Schritte entsetzlich schwer! Ich knipse ein bisschen herum – aber es ist noch zu früh, die Sonne steht noch sehr hoch. Wolfgang seilt sich also für eine Stunde ab und erkundet einen neuen kürzeren Weg zum Escalante Volcano. Den besuchen wir dann vielleicht übermorgen.

Im Abendlicht versuche ich noch einen kleinen Arch zu fotografieren und muss sagen, die Dinger sind spröde! Jedenfalls aus fotografischer Sicht!

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Zurück in Escalante sehen wir, dass das kleine Mexikanische Restaurant mit der lustigen Inhaberin geöffnet ist. Also nix wie hin! Sie ist sowas von nett und witzig, es macht richtig Spaß dort! Es gibt zwei riesige Burritos, Bohnen, Reis und Cola. Bier hat sie nicht, darf sie vielleicht auch nicht. Ich mutmaße, dass man dafür wieder eine spezielle Genehmigung braucht. Touristen mit schlechtem Essen mästen darf jeder, aber ein harmloses kaltes Bier verkaufen, dafür braucht man eine Lizenz – so stelle ich mir das vor – so stelle ich mir Amerika vor! 🙂

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Im Motel bin ich eigentlich nur noch froh, dass ich im Bett liegen und meinen Blog schreiben kann…

Hier die Diashow zum heutigen Tag.

Und noch das Video des Tages 🙂