Hermigua auf La Gomera

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Es ist Montag der 12. Oktober und heute ist mein Tag Nummer 99. Inzwischen weiß ich nicht mehr so genau ob ich von Anfang an wirklich daran geglaubt habe jemals eine so lange Zeit ganz allein auf Reisen sein zu können. Aber es hat funktioniert und diese Reise ist die beste „Burnout-Prophylaxe“ die man sich vorstellen kann. Nach 99 Tagen bin ich zufrieden und glücklich. Alles ist perfekt, zumindest für mich. Meiner Freundin Sandra geht die lange Trennung inzwischen ziemlich an die Substanz und sie kann es kaum erwarten, dass ich endlich wieder nach Hause komme.

Bei mir schlagen diesbezüglich zwei Herzen in meiner Brust. Auf der einen Seite möchte ich auch nach Hause, aber dann hat dieses „Leben im Paradies“ auch schlagartig ein Ende. Sobald ich wieder in Deutschland bin, wird mich wahrscheinlich sehr schnell die erstbeste Grippewelle erwischen. Während meiner Reise hat sich mein Asthma komplett auskuriert. Ich habe aktuell keinerlei Atembeschwerden mehr. Keine Allergietabletten, kein Asthma-Spray, keine Tabletten gegen zu hohen Blutdruck, ich brauche derzeit keine einzige Pille zu meinem Glück. Sobald ich wieder daheim bin wird sich dies wohl wieder ändern, so zumindest meine Befürchtung. Aber ich weiß jetzt, es liegt nicht an mir, es liegt an den Lebensumständen daheim in Deutschland. Es ist der Mix aus Heizungsluft, schlechten Angewohnheiten und zu wenig Bewegung, der mich dort fertig macht. Den ganzen Tag an einem Schreibtisch zu sitzen, das fällt mir inzwischen richtig schwer.

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Das Leben auf La Gomera

Meine Reise steuert langsam aber sicher auf den einhundertsten Tag zu. Dennoch bin ich gelassen, denn es war nie mein Ziel genau einhundert Tage lang zu verreisen und danach sofort wieder Tag für Tag in einem Büro zu sitzen und Software zu entwicklen. 100 Tage sind eine lange Zeit und Ewan McGregor und Charley Boorman sind in der gleichen Zeit einmal um die Erde gereist, aber auch das war nie mein Ziel. Vielmehr will ich Abstand gewinnen und ausloten wie sich das Leben ohne überflüssigen Firlefanz anfühlt. Alles was ich habe sind ein paar T-Shirts. Dazu noch ein lange sowie eine kurze Hose. Ein Paar Turnschuhe, Sandalen und etwas Unterwäsche. Mehr brauche ich nicht, denn ich bin eh fast täglich in meiner Motorradkombi unterwegs. Es ist ein einfaches Leben ganz ohne Ballast und es fühlt sich gut an.

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Von Anfang wollte ich im wesentlichen die Inseln der Kanaren besuchen, die ich bislang noch nicht kannte. Ich wollte mit meinem schönen blauen Motorrad bei wunderbarem Wetter durch Europa fahren und das solange es eben geht. Ob dies nun 100 oder ein paar Tage mehr oder weniger sind, das war nie wirklich wichtig. Trotzdem ist es aber cool, dass meine Reisezeit nun bald dreistellig wird. In drei Tagen lässt sich vieles auch leichter rechnen. Ich bin dann seit 2.400 Stunden bzw. 144.000 Minuten unterwegs. Bei einem Puls von 100 pro Minute hätte mein Herz sagenhafte 14.400.000 mal das Blut durch meinen Körper gepumpt. In 100 Tagen bin ich rund 12.000 Kilometer gefahren, also nur etwa 120 Kilometer pro Tag. Das ist nicht wirklich viel und manch ein Biker wird dabei ein Grinsen im Gesicht haben. Aber hey, ich habe an einem Stück mehr als einhundert mal mein Motorrad bestiegen, mir ein Ziel gesucht und bin an fast allen Abenden todmüde und glücklich ins Bett gefallen. Welcher Biker kann das schon von sich sagen?

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Der Sternenhimmel über La Gomera

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Tagelang habe ich gewartet und heute werde ich endlich belohnt. Alle Wolken sind weg und ich habe die Hoffnung auf einen wunderbar klaren Sternenhimmel. Weil der Abend sicher sehr lang werden wird, verbringe ich den ganzen Tag in meinem kleinen Appartement. Obwohl draußen ganz herrlich die Sonne scheint und ich eigentlich ein schlechtes Gewissen habe, arbeite ich einige Stunden am Buch zu dieser Reise. Als die Nacht langsam aber sicher hereinbricht mache ich mich auf den Weg zu einem Aussichtspunkt, den ich in den letzten Tagen erkundet habe. Dort habe ich einen schönen Blick auf Teneriffa und die Bucht unterhalb von Hermigua. Im Gepäck habe ich heute meine Fuji X-T1, die Fuji X-E2 und mehrere lichtstarke Festbrennweiten.

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La Gomera erkunden: Vallehermoso & Alojera

Es ist Anfang Oktober und ich bin jetzt den vierten Tag auf La Gomera. Inzwischen habe ich einiges gesehen und kenne mich schon recht gut aus. Ein GPS bräuchte ich inzwischen nicht mehr, denn so irre viele Straßen gibt es hier nicht. Außerdem sind alle Orte gut ausgeschildert, es ist einfach sich hier zurechtzufinden. Für heute habe ich mir einen Besuch im Örtchen Vallehermoso vorgenommen. Übersetzt bedeutet das etwa soviel wie „Schönes Tal“, das will ich mir genauer anschauen. Ganz in der Nähe ist der Alojera. Wenn ich schon mal im Norden der Insel unterwegs bin, kann ich diesem Ort auch besuchen.

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In den Highlands von La Gomera

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Als ich am Morgen des zweiten Tages auf La Gomera von der Sonne geweckt werde, fühle ich mich gut. Toll sind hier die schönen großen Betten. Nirgendwo stoße ich mit den Füßen an, das ist nach den Tagen auf El Hierro eine ganz neue Erfahrung. Auf dem Balkongeländer ist meine GoPro 4 noch immer aktiv und schießt Bild um Bild. Aber inzwischen ist es hell und ich habe ISO-800 und eine Belichtungszeit von 30s eingestellt, daher sind alle Fotos die sie jetzt noch aufnimmt hoffnungslos überbelichtet. Also stoppe ich das kleine Wunderding und schaue mal auf meinem Notebook was sich in den letzten sechs Stunden alles auf der Speicherkarte angesammelt hat. Wirklich großartig sieht es nicht aus. In der Nacht sind fast nur Wolken durchgezogen. Als Zeitraffer ist es vielleicht ganz wirkungsvoll sobald es erst einmal aufgearbeitet ist, aber so im Schnelldurchlauf macht es nicht viel her. Aber auch damit muss man leben können.

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