Teneriffa 2012 – Tag 6

Sterne fotografieren im Gebirge

Der sechste Tag bricht an und die Reise hat schon fast ihren Zenit erreicht. Nach den üblichen Ritualen und einem leckeren Frühstück verabreden wir uns mit Karin und Wolfgang um 13h an der Plaza de Charco in der Altstadt von Puerto de la Cruz. Karin und Wolfgang kennen wir nun schon seit vielen Jahren. Wolfgang habe ich über die Fotocommunity kennengelernt. Wir haben dort viel über die schönsten Locations auf Teneriffa diskutiert. Im Jahr 2007 haben wir uns dann endlich persönlich kennen gelernt. Seit dieser Zeit haben wir mehrmals Weihnachten und Sylvester gemeinsam verbracht. Wenn meine Freundin mit seiner Frau einen Ausritt ins Gebirge unternimmt, treffen wir uns regelmäßig und machen etwas „vernünftiges“ – wie Wolfgang das immer nennt 🙂

Heute treffen wir uns zum Mittagessen und es geht zu einem kleinen Thai-Resturant. Es liegt unterhalb des Busbahnhofs ganz in der Nähe des Hotel Marte. Dort habe ich 2005 gewohnt und kenne diesen Teil von Puerto de la Cruz sehr gut. Aber dieses Restaurant ist seltsam neu. Wolfgang kennt auch hier die Lösung des Rätsels, es ist der Koch. Er ist von seinem „Lieblings-Thai“ hierher gewechselt. Und Wolfgang hat nicht zuviel versprochen, das Essen schmeckt wirklich großartig und es ist trotzdem preiswert. Einmal mehr wird mit klar, man kann hier richtig gut leben, wenn man sich nicht selbst das Leben schwer macht.

(Um den Text etwas aufzulockern habe ich einige Bilder meiner „Beute des Tages “ aus der Nikon D800E eingestreut. Die Bilder sind 1000 Pixel breit, also bei Bedarf einfach in einem neuen TAB öffnen.)

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Vom Hotel zur Plaza de Charco sind Sandra und ich zu Fuß gelaufen, es ist ein ziemlich weiter Weg und daher sind wir froh, dass Karin und Wolfgang uns nach dem Essen mit ihrem Auto „zurück auf unseren Berg“ bringen.

Um etwa 17h mache ich mich dann auf den Weg zu meiner „Männer-Fototour“. Es geht über La Orotava hinauf zu den Canadas del Teide, wieder einmal! Diesen Weg kenne ich schon auswendig und ich habe in den letzten Jahren schon so manche Nacht dort oben verbracht. Im Kofferraum ist ich alles was ich an warmer Kleidung dabei habe. Sobald die Sonne untergegangen ist, kann es hier oben empfindlich kalt werden. Später werde ich die warme Kleidung noch brauchen, denn das Thermometer wird auf 6°C fallen!

Eigentlich ist der Sonnenuntergang laut „Garmin Colorado GPS“ um 18h11. Aber hier oben auf mehr als 2500 Metern Höhe gibt es eine kleine „Reserve“. Hier geht die Sonne etwa eine halbe Stunde später unter. So bleibt mir genug Zeit um einen meiner bevorzugten Aussichtspunkte anzusteuern. Dort wird schnell die kleine Panasonic Kamera aufgestellt. Sie filmt eine Zeitraffersequenz mit einem Raster von 10s. Das ist ein sehr guter Wert wenn man bei etwas Wind Wolken so darstellen möchte, dass sie schnell dahin zu ziehen scheinen. Parallel fotografiere ich mit der D800E und dem AF-S VR 4/16-35mm Weitwinkelzoom einige Belichtungsreihen aus denen ich später einige HDR-Fotografien erstellen möchte. Hier ein Fotos das mit dem billigen SAMYANG 2.8/15mm Weitwinkel entstanden ist.

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Nach etwa 30 Minuten staune ich nicht schlecht als sich plötzlich links oberhalb der Spitze des höchsten Bergs Spaniens der Mond mit einer wunderschönen Sichel zeigt. Wie genial sieht das denn aus? Die Kamera knipst Bild um Bild, als es für die Panasonic zu dunkel wird, tausche ich sie gegen die Nikon D7000 aus. Sie habe ich hier bislang noch gar nicht benutzt. Nun klappen die Spiegel zweier Kameras um die Wette. Gern würde ich auch mit der D800E eine Serie von Intervall-Bildern aufnehmen. Aber das Intervall lässt sich einfach nicht starten. Während es um mich herum dunkle Nacht wird, stehe ich ratlos vor meiner schönen neuen Kamera. Was mache ich bloß falsch? Ich blicke nicht durch und nehme sie mit ins Auto. Dort ist es deutlich wärmer und ich habe etwas Licht. Einige Augenblicke später fällt es mir dann auf, der Drehknopf oben links an der Kamera steht am rechten Anschlag, es ist die Spiegelvorauslösung aktiviert! Damit klappen scheinbar keine Intervall-Aufnahmen. Ich stelle den Knopf auf S wie „Single-Shot“ und schon bin ich wieder im Spiel. Danach wird die D800E mit 2.8/15mm SAMYANG Weitwinkel wieder in die Nacht gestellt. Sie soll 100 Fotos machen und das alle 5 Sekunden. Später im Hotel werde ich nicht schlecht staunen, dass ich damit mehrere Flugzeuge auf ihrem Weg vom Flughafen Teneriffa Nord zur Insel „La Palma“ fotografiert habe. Zeitraffer-Fotografie ist schon cool aber nicht immer kalkulierbar. Was letztlich geschieht und wie die Sequenz aussehen wird ist immer mit einer kleinen Portion Zufall verbunden. Zwischendurch wechsle ich an der D800E immer wieder die Objektive. Mal das 4/16-35, mal das 2.8/24-70 und dann auch mal das gute alte AF-D VR 80-400mm. Eigentlich habe ich es aus Versehen mitgenommen. Bei der Entscheidung was im Tresor bleibt und was mit auf die Reise geht habe ich mich „vergriffen“. Statt des knackscharfen schnellen AF-S VR 2.8/70-200 habe ich versehentlich das 80-400 eingepackt. Es ist ein durchaus brauchbares Objektiv, aber es kann den Chip der D800E nicht wirklich ausreizen. Damit gelingen durchaus gute Bilder, aber das AF-S VR 70-200 ist mit insbesondere in Verbindung mit dem 1.7er Teleconverter irgendwie lieber.

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Gegen 21h ist mir echt kalt und es geht mit WARP-Geschwindigkeit den Berg hinauf zurück zum Hotel. Das ist ein echter Männerspaß, in tiefer Nacht 2500 Höhenmeter im dritten Gang mit bis zu 100 km/h den Berg hinab fegen, das kann Mann nur allein. Während ich den Mietwagen um die Kurven zirkle, dass die Reifen quietschen und die Bremsen verbrannt riechen kommt mir immer wieder in den Sinn, wie eine Beifahrerin panisch rufen würde „Muss das sein, Du rast hier runter wie ein Vollidiot! Gleich bringst Du uns noch beide um! Ahhhhh….“ Aber ich kenne die Strecke, ich habe ein GPS und ich sehe die Spitzkehren lange bevor ich sie erreiche. Die Fahrt ist daher nicht wirklich gefährlich, zumal es hier keine Rehe oder Kühe gibt die plötzlich auf der Straße auftauchen könnten.

Als die Zivilisation mich wieder hat, dreht sich auch mir so langsam der Magen um. Ich muss kurz anhalten, sonst gibt es gleich ein Unglück.

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An der frischen Luft neben dem Auto ist es etwas wärmer. Das Thermometer im Auto zeigt jetzt 11°C. Und mir fällt auf, dass es hier genau so riecht wie in Page-Arizona im letzten Winter. Hier wird mit Holz geheizt und das ich auch wirklich notwendig. Ich bin noch etwa 800 Meter über dem Meer und hier ist es nicht nur nachts wirklich kühl.

Wer mit dem Gedanken spielt sich hier auf Teneriffa ein Haus zu kaufen oder zu mieten der sollte sich genau informieren wie die Lebensbedingungen dort sein werden. Es gibt Siedlungen die sind so hoch gelegen, dass man besonders im Winter viele Wochen mit Nebel und tief hängenden Wolken wird leben müssen. Je tiefer man hinab ans Meer kommt umso wärmer wird es. Aber sehr nah am Meer kann es auch wiederum sehr feucht werden. Eine guter Bereich ist zwischen 100 und 300 Metern über dem Meer. Wer hier also im Hochsommer eine nette kleine Finca anschaut die auf 900 Metern gelegen ist und ein preisgünstiges Schnäppchen zu sein scheint, der sollte unbedingt im Dezember zurück kommen und schauen ob das „kleine Paradies“ halten kann was der geldgierige Verkäufer im Sommer versprochen hat.

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Zurück im Hotel liegt Sandra eingewickelt in eine warme Decke auf dem Sofa vor dem Fernseher. Die Augen sind geschlossen, das Programm ist offensichtlich nicht wirklich spannend. Nachdem sie das auch erkannt hat, habe ich das Wohnzimmer für mich allein. Der Fernseher ist aus, Sandra schläft nebenan und ich schaue mir meine „Beute“ des Tages an. Und die macht mir so richtig viel Spaß. Manchmal ist es genau richtig auf eigene Faust loszuziehen. Nur so kann man abwarten und hin und her probieren wie es einem in den Sinn kommt. Niemand ist genervt, friert, hat Hunger oder schweren Druck auf der Blase. Einfach nur „Du und das Universum“ – das ist schon cool. Leider werden das nur Männer verstehen können. Ich bin mir fast sicher, Frauen fehlt das „Timelapse-Gen“ 🙂

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Hier noch ein Bild aus der Nikon D7000 mit dem AF-S 1.4/50mm „Normal-Objektiv“.

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7 thoughts on “Teneriffa 2012 – Tag 6

  1. Mann, Mann, Mann was bist Du für einer. Wie gerne wäre ich da an Deiner Seite gestanden und hätte, nein nicht Händchen gehalten ;-), auch meinen Kamerapark aufgestellt und mit um die Wette ‚ge-timelapsed‘. Und dann noch die Abfahrt. Einfach cool!

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    1. Ja Heinz, dann kommst Du beim nächsten Mal einfach mit 🙂 Die Mädels schicken wir in eine Bar und wir fahren nachts hoch ins Gebirge zum Sterne fotografieren. Haben wir zusammen eigentlich eine Nikon D1600 ?? Viele Grüße aus Puerto de la Cruz, Ansgar

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  2. Hallo Ansgar,ich bin gerade auf Teneriffa…gut gell. :-))
    Kannst du mir so ungefähr sagen, wo der Standpunkt, den du da in der Nacht angefahren hast war? gerne per mail.
    Wäre toll…dann müsste ich nicht so viel suchen, da ich das erste( aber bestimmt nicht das letzte mal) hier auf der Insel bin.
    Ich hole mir gerade ein paar Insprationen von deienen Teneriffa Bildern.
    Gruss
    Bruno

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    1. Hi Bruno, sehr gut eignet sich der Parkplatz am staatlich geführten Hotel nahe der Los Roques hoch oben in den Canadas del Tiede. Die Fotos aus diesem Artikel sind aber etwas weiter im Osten entstanden. Dieser Aussichtspunkt ist auch ganz einfach zu finden. Einfach über La Orotava hinauf in Richtung Teide fahren, sobald man das erste kleine Restaurant erreicht kann man links abbiegen -> Richtung La Esperanza. Auf dieser Straße fährt man an der Sternwarte vorbei, das ist auch ein toller Punkt um die Sterne zu beobachten, das Observatorium steht dort nicht umsonst 🙂 Wenn man etwa 2-3 Kilometer weiter fährt, erreicht man eine S-Kurve die regelrecht in die Lava gehauen wurde. Von dort hat man den Blick den man auf den Fotos zu diesem Artikel sieht. Viel Glück!!

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  3. Hier die Koordinaten des Hotels in den Canadas del Teide:
    28.223695, -16.627867
    +28° 13′ 25.30″, -16° 37′ 40.32″

    Hier die Koordinaten des Aussichtspunktes:
    28.334151, -16.490157
    +28° 20′ 2.94″, -16° 29′ 24.57″

    Einen Sonnenaufgang über dem Teide sieht man auch sehr schön wenn man ein paar Meter zum Kleinen Gala hinauf steigt. Man fährt über El Tanque auf der TF82 bis zum Restaurant Cruce S.jose Llanos. Ein paar hundert Meter weiter zweigt scharf rechts ein kleiner Weg ab der steil nach oben geht. Da kann man mit dem Auto ein Stück hinauffahren, parken und dann noch ein paar Meter laufen. Das lohnt sich ab 1h vor Sonnenaufgang. Ich habe dort im Dezember die Venus über dem Teide gesehen!!!

    TIPP: Auf dem Smartphone Google-Skymap installieren. Dann kann man sehr schön schauen welche Sterne denn da so besonders hell leuchten!!

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    1. Hallo Ansgar,
      herzlichen Dank für deine Tipps.
      Am kleinen Gala war ich gestern Nachmittag bei gefühlten 35 Grad …kein Wind, und starker Dunst.
      Aber der Weg , den du beschreibst , da war ich gestern schon…Auf alle Fälle ein guter Aussichtspunkt.
      Auf den Teide werde ich am Montag mal ganz normal hochfahren,tagsüber und mich etwas orientieren.
      Momentan ist es aber oben brütend heiss. Man muss sehr früh los um nicht zu braten.
      Aber die Nachtaufnahmen inspirieren mich ungemein.
      Das muss ich zumindest noch versuchen.

      Herzlichen Dank nochmal für deine Mühe
      Adiós
      Bruno

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