Castillo del Mar auf La Gomera

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Es ist Sonntag und heute könnte ich ausschlafen, denn das Zimmermädchen hat heute frei. Grundsätzlich nichts schlechtes, aber heute gibt es deshalb auch kein Frühstück. Am Vortag habe ich im Supermarkt inige sehr leckere Orangen gekauft. Fünf Stück haben 1,07 Euro gekostet. Sie sind hier preiswert und die Qualität ist mehr als überzeugend. In meiner kleinen Küche im Appartement #408 gibt es eine kleine Saftpresse. Es kleben noch ein paar alte Orangen-Fusseln daran, aber ich habe Spülmittel und eine Spülbürste zur Hand. So kann ich kurz drauf meinen ersten selbst gemachten „Zumo Naranja Natural“ kosten, lecker! Dazu ein paar Spiegeleier auf Toast und schon bin ich für den Tag gerüstet.

Heute will ich mit meinem Motorrad den Norden von La Gomera erkunden. Im Internet habe ich gelesen, dass es bei Vallehermoso eine nette kleine Burg geben soll. In der Presse wurde sie auch als Heimat der Ritter der Bananenburg bezeichnet. Dies kommt wohl daher, dass es natürlich keine alte Ritterburg ist, vielmehr wurden hier seit 1890 allerlei Früchte auf Schiffe verladen. Wegen der exponierten Lage, konnten die Schiffe hier direkt anlegen, was die Verladearbeiten stark vereinfach hat. Im Jahr 1981 war der Ort verfallen und fast in Vergessenheit geraten. Frisches Obst wurde längst an anderen Orten verschifft. Der deutsche Fotograf Thomas Müller war zu diesem Zeitpunkt schon seit einigen Jahren auf La Gomera und hatte bereits viele schöne Postkartenmotive fotografiert. Mit dem Verkauf seiner Postkarten hatte er ein kleines Vermögen angehäuft, das er letztlich in die Renovierung dieser stark verfallenen Verladestation am Strand von Vallehermoso investierte. Für einige Jahre erstrahlte die Burg drauf in neuem Glanz und war bei Künstlern und Besuchern sehr beliebt. Jedoch gab es von Anfang an ein Problem mit der fehlenden Stromversorgung. Der Storm für das Gebäude musste teuer mit Dieselgeneratoren erzeugt werden. Schließlich gab es noch ein weiteres Problem mit einer fehlenden Konzession. Das Castillo musste geschlossen werden und wartet nun schon seit vielen Jahren drauf wieder neu belebt zu werden.

Mit diesem Wissen im Kopf soll es nach dem Frühstück ins Tal von Valle Hermosa gehen.

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Das Leben auf La Gomera

Meine Reise steuert langsam aber sicher auf den einhundertsten Tag zu. Dennoch bin ich gelassen, denn es war nie mein Ziel genau einhundert Tage lang zu verreisen und danach sofort wieder Tag für Tag in einem Büro zu sitzen und Software zu entwicklen. 100 Tage sind eine lange Zeit und Ewan McGregor und Charley Boorman sind in der gleichen Zeit einmal um die Erde gereist, aber auch das war nie mein Ziel. Vielmehr will ich Abstand gewinnen und ausloten wie sich das Leben ohne überflüssigen Firlefanz anfühlt. Alles was ich habe sind ein paar T-Shirts. Dazu noch ein lange sowie eine kurze Hose. Ein Paar Turnschuhe, Sandalen und etwas Unterwäsche. Mehr brauche ich nicht, denn ich bin eh fast täglich in meiner Motorradkombi unterwegs. Es ist ein einfaches Leben ganz ohne Ballast und es fühlt sich gut an.

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Von Anfang wollte ich im wesentlichen die Inseln der Kanaren besuchen, die ich bislang noch nicht kannte. Ich wollte mit meinem schönen blauen Motorrad bei wunderbarem Wetter durch Europa fahren und das solange es eben geht. Ob dies nun 100 oder ein paar Tage mehr oder weniger sind, das war nie wirklich wichtig. Trotzdem ist es aber cool, dass meine Reisezeit nun bald dreistellig wird. In drei Tagen lässt sich vieles auch leichter rechnen. Ich bin dann seit 2.400 Stunden bzw. 144.000 Minuten unterwegs. Bei einem Puls von 100 pro Minute hätte mein Herz sagenhafte 14.400.000 mal das Blut durch meinen Körper gepumpt. In 100 Tagen bin ich rund 12.000 Kilometer gefahren, also nur etwa 120 Kilometer pro Tag. Das ist nicht wirklich viel und manch ein Biker wird dabei ein Grinsen im Gesicht haben. Aber hey, ich habe an einem Stück mehr als einhundert mal mein Motorrad bestiegen, mir ein Ziel gesucht und bin an fast allen Abenden todmüde und glücklich ins Bett gefallen. Welcher Biker kann das schon von sich sagen?

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Der Sternenhimmel über La Gomera

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Tagelang habe ich gewartet und heute werde ich endlich belohnt. Alle Wolken sind weg und ich habe die Hoffnung auf einen wunderbar klaren Sternenhimmel. Weil der Abend sicher sehr lang werden wird, verbringe ich den ganzen Tag in meinem kleinen Appartement. Obwohl draußen ganz herrlich die Sonne scheint und ich eigentlich ein schlechtes Gewissen habe, arbeite ich einige Stunden am Buch zu dieser Reise. Als die Nacht langsam aber sicher hereinbricht mache ich mich auf den Weg zu einem Aussichtspunkt, den ich in den letzten Tagen erkundet habe. Dort habe ich einen schönen Blick auf Teneriffa und die Bucht unterhalb von Hermigua. Im Gepäck habe ich heute meine Fuji X-T1, die Fuji X-E2 und mehrere lichtstarke Festbrennweiten.

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La Gomera erkunden: Vallehermoso & Alojera

Es ist Anfang Oktober und ich bin jetzt den vierten Tag auf La Gomera. Inzwischen habe ich einiges gesehen und kenne mich schon recht gut aus. Ein GPS bräuchte ich inzwischen nicht mehr, denn so irre viele Straßen gibt es hier nicht. Außerdem sind alle Orte gut ausgeschildert, es ist einfach sich hier zurechtzufinden. Für heute habe ich mir einen Besuch im Örtchen Vallehermoso vorgenommen. Übersetzt bedeutet das etwa soviel wie „Schönes Tal“, das will ich mir genauer anschauen. Ganz in der Nähe ist der Alojera. Wenn ich schon mal im Norden der Insel unterwegs bin, kann ich diesem Ort auch besuchen.

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In den Highlands von La Gomera

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Als ich am Morgen des zweiten Tages auf La Gomera von der Sonne geweckt werde, fühle ich mich gut. Toll sind hier die schönen großen Betten. Nirgendwo stoße ich mit den Füßen an, das ist nach den Tagen auf El Hierro eine ganz neue Erfahrung. Auf dem Balkongeländer ist meine GoPro 4 noch immer aktiv und schießt Bild um Bild. Aber inzwischen ist es hell und ich habe ISO-800 und eine Belichtungszeit von 30s eingestellt, daher sind alle Fotos die sie jetzt noch aufnimmt hoffnungslos überbelichtet. Also stoppe ich das kleine Wunderding und schaue mal auf meinem Notebook was sich in den letzten sechs Stunden alles auf der Speicherkarte angesammelt hat. Wirklich großartig sieht es nicht aus. In der Nacht sind fast nur Wolken durchgezogen. Als Zeitraffer ist es vielleicht ganz wirkungsvoll sobald es erst einmal aufgearbeitet ist, aber so im Schnelldurchlauf macht es nicht viel her. Aber auch damit muss man leben können.

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