Mit dem Motorrad in den Sonnenuntergang

Wer meinen BLOG verfolgt, kennt einige meiner Motorradreisen. Im Jahr 2015/2016 war ich das erste Mal in meinem Leben mehr als ein Jahr unterwegs. Damals mit meiner BMW K1200r Sport, ein Sportmotorrad mit 163PS. Es ist ein geiles PS-Monster, das mir noch immer großen Spaß bereitet. Aber das mit dem Gepäck war unterwegs immer irgendwie doof.

Meine Sandra habe ich im Herbst 2009 kennengelernt. Wir haben lange ein Fernbeziehung geführt, sind dann aber zusammen gezogen. In unserer Tiefgarage hatten wir danach drei Autos und 5 Motorräder, der total Wahnsinn. Ich habe mich dann entschlossen den Fuhrpark zu vereinfachen, habe einiges verkauft und mir letztlich eine BMW R1200GS Baujahr 2013 gekauft. Es war das erste Modell der neuen LC Serie, der laute Rüpel mit der leichten Kurbelwelle, eine geile Drehorgel mit vielen kleinen Schwächen.

Mit der GS war ich im September 2018 auf Korsika. Auf dem Rückweg in den französischen Alpen hat es mich dann vor dem Hotel umgehauen. Bewußtlos, Hubschrauberflug, Stroke Unit, ich hatte einen Schlaganfall. Sprechen und laufen konnte ich nach ein paar Tagen wieder. Die superliebe Dame der Rezeption des Hotels hatte gleich in Nizza einen Hubschrauber geordert und ihren Verdacht auf Schlaganfall geäußert. Damit hat sie mir das Leben gerettet.

Als es mit nach einer OP am Gehirn wieder besser ging, haben meine Sandra und ich geheiratet. Den folgenden Winter haben wir auf den Teneriffa und La Gomera verkürzt. Danach habe ich ein Buch über diese denkwürdige Reise geschrieben.

Mit dem Motorrad nach Korsika – Die Reise mit dem Schlaganfall

Nach einigen Untersuchungen im Frühjahr 2019 stellte sich heraus, dass wieder alles bestens war. Ich musste nun jeden Tag ein paar Pillen schlucken, aber damit kann ich sehr gut leben. Im September bin ich eine neue Tour gefahren. Mit dem lauten Rüpel nach Nizza, ich wollte mal im Krankenhaus und im Hotel Adonis in Valberg „Hallo“ sagen und mich dafür bedanken, dass sich alle so lieb um mich gekümmert haben.

Den darauffolgenden Winter habe ich wieder auf Teneriffa verbraucht, die Kanaren sind einfach mein Ding. Das Wetter ist fast immer schön und angenehm war. Man kann fast jeden Tag in T-Shirt und kurzen Hosen herumlaufen, es ist genial. Im Januar 2020 kam dann Corona und änderte alles. Anfang Februar ging es auf den letzten Drücker zurück nach Deutschland. Dann kam der Lockdown und ich saß nur zuhause. Im April entschloss ich mich den heimischen Fuhrpark erneut zu vereinfachen. Anfang Mai konnte ich mich über eine fabrikneue BMW R1250HS im HP Design freuen. Im Sommer sah es so aus als wäre Corona erledigt, aber es war ein Trugschluss. Projekte gab es keine mehr, ich saß nur daheim und programmierte an einer Software mit der ich meine aufgezeichneten Motorradtouren analysieren und visualisieren konnte.

Mein BMW Motorrad Navigator 6 hatte schon fast drei Jahre lang jeden Kilometer automatisch aufgezeichnet. Nur dieses GPX-Archiv war etwas sperrig. Aber mit meiner Software konnte ich die Tracks einzelner Tage visualisieren. So kam mir schließlich ein Name in den Sinn. Ich nannte meine Windows-App „Track of the day“.

Track of the day – Produktseite

Im Juli 2020 wurde langsam klar, dass es eine zweite Corona-Welle geben wird. Ich saß daheim, meine neue GS stand in der Garage und draußen war es brütend heiß. Meine Sandra arbeitete jeden Tag und kam oft müde und geschafft nach Hause. Gern hätte sie etwas Zeit für sich gehabt, aber meine Wohnung ist nicht sehr groß, es ist kaum möglich sich wirklich aus dem Weg zu gehen. Anfang August schlug meine Frau mir dann vor, dass ich doch einfach mein neues Motorrad nehmen und in den Süden fahren soll. Irgendwohin, wo es schön ist. Sie weiß genau, dass ich an latentem Fernweh leide. Mit einer „Corona Flucht“ könnte ich das tun was ich auf der Welt am liebsten mag, ferne Länder mit meinem Motorrad allein auf eigene Faust erkunden. Und sie hätte mal wieder etwas Zeit für sich, eine Win-Win Situation, wie man das so schön nennt.

Mitte August ging es mit meiner GS noch schnell zum vorgezogenen 10.000 km Service. Eigentlich standen viel weniger Kilometer auf dem Tacho, aber egal. Die öden Bridgestone A41 wurden durch den supergeilen Continental Trail Attack 3 ersetzt und ich war startklar. Am 15 August ging es dann los. Einfach in den Süden, irgendwohin wo es schön ist. Und wenn es schon einen weiteren Lockdown geben würde, dass lieber an einem schönen Ort als in Bonn, wo ich jede Straße kenne und schon alles mit dem Motorrad abgegrast habe was es in der Umgebung zu sehen gibt.

Das Gefühl wieder vogelfrei zu sein, war überwältigend. Es ging immer Rheinaufwärts, immer der Sonne entgegen. Ich habe die Vogesen gestreift, den Schwarzwald, die Schweiz durchquert und war schon wenige Tage später in der Albergo Diana hoch oben in den Bergen über dem Lago Maggiore.

Einige Tage waren meine Freunde Peter und Florian mit ihren Bikes weiter unten am See. Gemeinsam waren wir einige Tage unterwegs, so verschlug es mich nach Sondrio. Ich war jetzt im Hotel Europa und es war super. Der Hotelier und sein Sohn fahren selbst Motorrad. Sie gaben mir viele Tipps, für Ecken, die normale Biker mit ihren Motorrädern nicht finden.

Nach einigen Tagen zog es mich weiter. Passo di Gavia, Passo di Stelvio, es waren Tage im Kurvenrausch. Es geht durch die Dolomiten, in den Süden Österreichs und durch Slovenien nach Triest. Dort wartet schon mein Freund Sergio auf mich. Er hat meine neue Kreditkarte dabei, Sandra hatte sie ihm mit der Post geschickt. Ich bin wieder zahlungsfähig!!!

Vom wunderbaren Triest geht es vorbei an Venedig in die Toskana. Ich bin einige Tage im wunderschönen Motorrad-Hotel „Molino de Montespertoli“. Der Hotelier fährt auch Motorrad, leider viel zu wenig, seine Suzuki ist in beklagenswertem Zustand, er hat einfach keine Zeit. Ich treffe allerlei Gäste aus Deutschland, alles nette Leute, viele waren schon mehrfach dort. Einige haben Anhänger oder Busse in denen sie ihre Motorräder transportieren. Ich helfe mal hier mal dort beim Verladen, nach kurzer Zeit bin ich der einzige Gast.

Mein Freund Florian hat mir den Tipp gegeben, mich mit seinem Kumpel Pitt auf Elba in Verbindung zu setzen. Via Piombino geht es mit der Fähre weiter nach Elba. Pitt ist ein ehemaliger Tauchlehrer. Mit 18 zog es ihn in die Ferne, er war im Sudan, in Kenia und hat viel von der Welt gesehen. In Elba hat er sich aber verliebt. Dort lebt er mit Frau, Katze, Hund und Pferd auf einem Gelände so groß wie ein Park. Er hat einen kleinen eigenen Wald, ein Fluß fließt am Haus vorbei, es gibt einen Brunnen, eine Brücke, ein Haus für die Haflinger Stute in einem Hain aus Korkeichen, es ist wie im Paradies.

Ich beginne mit der Arbeit an meinem neuen Buch und nenne es „Roadbook Elba“. Alle Stationen meiner bisherigen Reise werden dort zusammengefasst und alle Abstecher und Tagestouren detailliert beschrieben.

Roadbook Elba – Die Perle im Mittelmeer

Eigentlich wollte ich nur 3 Tage auf Elba verbringen. Aber Pitt ist ein so guter Kumpel, gemeinsam sind wir Tag für Tag mit meiner BMW und seiner Harley auf Elba unterwegs. Die Insel ist dabei überraschend groß und vielfältig. Durch die verwinkelte Topologie gibt es immer wieder tolle Ausblicke auf andere Teile der Insel. Es ist ein kleines Paradies und ich verstehe gut, warum Pitt sich vor 40 Jahren in diese Insel verliebt hat.

Schließlich werde ich aber doch unruhig, es zieht mich weiter. Aber Corona hat alles geändert. Meine Pläne eine Fähre nach Korsika zu nehmen muss ich mir aus dem Kopf schlagen, alles ist eingestellt. Was noch geht ist zurück zum Festland überzusetzen, durch die südliche Toskana in Richtung Rom zu fahren und im Hafen von Civitavecchia eine Fähre nach Olbia im Norden Sardiniens zu nehmen.

Es wird eine herrliche Tour und als ich um Mitternacht auf der Fähre bin, fühle ich mich überglücklich, trotz Corona. Es macht alles etwas umständlich, aber ich kann noch frei reisen und das fühlt sich einfach gut an.

Am nächsten Morgen läuft die Fähre in aller Frühe in Olbia ein. Alle Hotels sind noch geschlossen, ich drehe meine erste Runde durch den Norden Sardiniens.

In den folgenden 8 Wochen plane ich ich allerlei Routen mit Garmin BaseCamp und ärgere mich immer wieder, dass diese Software so umständlich ist. Wenn ich was mit Google Streetview anschauen will, muss ich immer hin und her wechseln, es nervt irgendwie. Dann habe ich hunderte kleiner Marker in Google Maps, in BaseCamp kann ich sie aber nicht importieren, es kostet mich manchmal den letzten Nerv. Es geht irgendwie, aber Spaß ist etwas anderes.

Sieben Wochen nach meiner Ankunft in Olbia hat es mich in den Süden Sardiniens verschlagen. Corona ist nun in vollem Gange. Alle Gäste sind abgereist, Hotels, Restaurants, Bars, alles ist zu. Ich sitze ganz allein im Hotel Perda Rubia und mein überaus liebenswürdiger Hotelier versorgt seinen einzigen Gast mit Frühstück, Mittagessen und Abendessen. Alles wird auf Wunsch für mich zubereitet und auf dem kleinen Tisch vor meinem Ferienhaus abgestellt.

Wie soll es nun weiter gehen? Die Tage werden langsam aber sicher kürzer, an einigen Tagen regnet es ergiebig. Ganz allein fahre ich noch einige herrliche Touren und entschließe mich dann, mit der letzten Fähre des Jahres von Cagliari nach Palermo weiterzureisen.

Der Plan funktioniert, zwei Tage später treffe ich in Trapani im äußersten Westen Siziliens ein. Ich habe ein großes Apartment direkt am Strand. Es ist toll und Verwalterin Laura bietet mir mir einen echt guten Preis für drei Monate an.

Nach einigen ersten Touren kommt die „Rote Zone“. Kompletter Lockdown, Polizei und Militär fahren auf und ab. Ich gehe jeden Tag allein am Strand spazieren, es ist etwas frustig. Jeden zweiten Tage fahre ich eine kleine Runde, etwas zu Essen und zu Trinken habe ich dabei immer im Topcase, meine GS ist ein praktisches Motorrad.

An Heiligabend lädt mich Michi, eine ältere Dame zum Essen ein. Sie ist in Rente und weil ihr langweilig ist, hat sie begonnen am Goethe Institut in Trapani Deutsch zu lernen. Gemeinsam machen wir ihre Hausaufgaben, es ist witzig. Auch an Silvester bin ich eingeladen, zwei ihrer besten Freunde sind auch da. Wir sprechen einen Mix aus Deutsch, Italienisch und Englisch, es ist wirklich witzig.

ich nutze jede Minute des Lockdowns um an meinem „Roadbook Sardinien – Das Paradies für Motorradfahrer“ zu arbeiten. Parallel erhält meine Software „Track of the day“ täglich neue kleine Erweiterungen und Fehlerkorrekturen. Ich habe mich entschlossen diese Software auch anderen Bikern verfügbar zu machen. Aber es ist komplizierter als gedacht. Ich muss vorher Microsoft Partner werden, eine Zertifizierung durchlaufen, Gewerbeschein und andere Unterlagen hochladen, aber dann klappt es! Ich bin zertifizierter Microsoft Partner.

Anfang Januar 2021 ist Version 1.0 im Micrsosoft Windows-Store verfügbar.

Track of the day – Trackanalyse und Routenplanung für Motorradfahrer

Einige Tage später kann ich auch mein „Roadbook Sardinien“ veröffentlichen. Die Reaktionen der ersten Leser sind überaus positiv und ich entschließe mich den vielen Wünschen nach einem Paperback nachzukommen. Eine Woche später ist auch das Paperback verfügbar.

Roadbook Sardinien – Das Paradies für Motorradfahrer

Inzwischen ist der Januar vorbei und ich bin nach Giardini-Naxos im Osten Siziliens umgezogen. Ich wohne jetzt bei Omar und seiner Familie. Omar hat zwei Ferienwohnungen die er vermietet. Er muss davon irgendwie leben, einen Job haben weder er noch seine Frau bislang in Sizilien gefunden. Es ist eine schwierige Situation, ich bin seine einzige Einnahmequelle und wir feilschen um die Miete wie auf einem türkischen Basar. Schließlich haben wir einen Deal mit dem wir beide leben können.

Februar, März und April sind kalte feuchte Monate. Meine Ferienwohnung hat keinen Keller, keine Heizung und alle Fenster sind nach Norden. Damit ich nicht erfriere schafft Omar Brennholz heran. Er fällt einige abgestorbene Bäume in der Umgebung, sägt alles klein und bringt eine Schubkarre mit Brennholz nach der anderen.

Während das Brennholz knistert, arbeite ich täglich an Track of the day. Einige der ersten Nutzer kennen den Unterschied zwischen Tracks und Routen nicht. Sie wollen mit einer Software die für die Analyse von Tracks gedacht ist ihre Routen öffnen. Das geht natürlich nicht, so war es auch nicht gedacht, aber ich werde trotzdem mit Mails unzufriedener Nutzer überhäuft. Damit auch sie zufrieden sind, investiere ich jede freie Minuten um eine Unterstützung für GPX-Routen zu integrieren. Letztlich entsteht auch eine kleiner Routenplaner und ich veröffentliche alles als Version 2.0.

Viele Nutzer sind nun glücklich und nutzen die neuen Features mit Begeisterung. Aber es gibt auch Nutzer die diese Anwendung überhaupt nicht verstehen und sehr darauf pochen, dass sie hier und dort verbessert werden sollte. Ich nehme alles auf und mache mich an die Arbeit. Es ist eh noch „Rote Zone“ und meine Ferienwohnung darf ich sowieso nicht verlassen.

Alle Schaltflächen erhalten kleine Tooltips, die zeigen, welche Funktion die Schaltfläche hat. Nach und nach baue ich immer neue Features ein und tausche mich sehr lebhaft mit einigen „Power-Usern“ aus. So wird es überhaupt nicht langweilig, es ist immer was zu tun.

Als der Frühling endlich die Oberhand gewonnen hat, ist wieder Gelegenheit nach Lust und Laune Motorrad zu fahren. Ich plane meine Touren jetzt nur noch mit „Track of the day“ das eigentlich inzwischen „Route of the day“ oder „Tour of the day“ heißen müsste.

Im Sommer verbringe ich einige Tage in Petralia Sottana und schaue mir die Gebirgswelt der Madonie an. Sizilien ist irre groß, man kann hunderte von Kilometern an einem Tag fahren ohne das Meer zu sehen. Diese Insel ist echt die Königin im Mittelmeer. Und diese Königin hat so viel zu bieten. Es gibt viele kleine höchst abenteuerliche Straßen, auf denen man den ganzen Tag lang überwiegend allein Motorrad fahren kann. Aber sie sind auch gefährlich. Häufig ist der Fahrbahnbelag so grauenhaft schlecht, dass man eher auf Schotter als auf Asphalt fährt. Mit einer Reise-Enduro mit langen Federwegen ist man hier sehr gut aufgehoben.

In den letzten Monaten bin ich schon sechs mal unfreiwillig abgestiegen. Die Sturzbügel sind auf beiden Seiten großflächig verschrammt, aber hey, eine GS ist eine Abenteuermotorrad. Sie ist nicht dafür gemacht, dass man sie mit der Zahnbürste reinigt und nur zur nächste Eisdiele ausführt. Eine GS darf ruhig etwas schmutzig und nach Abenteuer aussehen. Bei allem Spaß den mir die Straßen in Sizilien bereiten, so habe ich doch stets allergrößten Respekt. Hier zu stürzen und in einem Krankenhaus zu liegen, das mit Corona-Patienten überfüllt ist, das wäre kein Spaß. Also ist Vorsicht bei jeder Tour die Mutter der Porzellankiste, wie es so schön heißt.

Es wird Juli, die Temperaturen steigen und steigen. Nun bin ich froh über meine angenehm kühle Ferienwohnung. Nach immer neuen Höchstwerten klettert das Thermometer schließlich auf 48,8°!!

Es ist sagenhaft, die brütende Hitze steht über Sizilien und die Leute liegen am Strand und genießen die kühle Brise. Langsam ist auch wieder etwas Leben in Sizilien eingekehrt. Masken, Hände desinfizieren, Fieber messen, es gehört inzwischen zum Alltag und ich bin froh, das ich noch immer gesund bin.

Gern würde ich mich impfen lassen. In meinem Gehirn sitzt ein Stent, ein kleines Blutgerinsel könnte mich wieder umhauen. Aber das System ist nicht darauf ausgelegt, dass man sich als Deutscher in Italien impfen lassen kann. Ich brauche eine Italienische Steuernummer, eine Codice Fiscale.

Nach tagelangem hin und her ist es dann endlich geschafft, ich bin geimpft. Am 25. August gibt es die zweite Dosis Biontech. Alles verläuft gut, es gibt absolut keinerlei Nebenwirkungen. Vielleicht kann ich nicht mehr schwanger werden, aber das ist mir egal.

Beim Besuch in Petralia Sottana habe ich Petra und Ivan kennengelernt. Inzwischen sind wir gut Freunde. Gemeinsam übersetzen wir mein Roadbook Sardinien ins Italienische. Und das ist wirklich witzig, es ist spannend zu sehen, wie sehr unsere Wahrnehmung von Italien sich doch unterscheidet. Wir haben viele sehr lustige gemeinsame Momente und es entstehen mehrere Running Gags. Gelegentlich macht es Ivan in einer Eisdiele so, wie es in meinem Buch als „No-Go“ beschrieben wird. Er winkt mit dem rechten Arm in der Luft herum und ruft lauf „Pagare, Pagare…“

Jedesmal schauen die Kellner etwas entsetzt zu uns hinüber, was aber schnell in lautes Lachen umschlägt.

Am 1. Oktober 2021 ist meine Zeit in Sizilien zu Ende. Omar und ich snd inzwischen gute Freunde geworden und haben so vieles gemeinsam erlebt. Den ganzen Sommer über war seine Familie bei den Schwiegereltern in Spanien. Wir zwei waren ganz allein im „La Mora Countryhouse“. Abend für Abend haben wir Weißwein der Marke Rapitala oder auch mal einen Grecanico gesoffen und dabei mit einem schier unendlichen Heer wirklich mieser Mosquitos gekämpft. Wir haben auf meinem iPad Fußball geschaut und es war toll zu sehen, wie Omar mitgefiebert hat, als Italien Europameister wurde.

Seine Frau stammt aus Spanien und ich erinnere mich noch sehr gut, wie er beim ersten Tor der Italiener gegen die Spanier spontan sein Telefon griff und seiner Frau eine Voice-Mail schickte: „Goooooooaaal…“

Aber alles hat ein Ende und mein Ziel für den 1 Oktober ist der Süden Siziliens, eine letztes Mal. Nach der langen Zeit plane ich eine „Roadbook Sizilien“ und da darf der Süden nicht fehlen. Später mache ich mich auf den Weg via Kalabrien nach Rom. Von Civitavecchia nehme ich erneut eine Fähre, diesmal aber nach Barcelona.

Von Barcelona geht es auf herrlich kurvigen Nebenstraßen in mehreren Etappen in Richtung Malaga, dort will ich mich mit Axel Papst treffen. Er ist einer der Jungs vom Enduropark Andalusien und wir kennen uns via Facebook schon seit langem. Nun bin ich eingeladen, mit ihm ein Bier zu trinken. Das will ich mich natürlich nicht entgehen lassen.

Als ich bei der großen Halle eintreffe in der die vielen BMW R1250GS HP geparkt sind, schlägt mein Herz schneller. Es ist wie im Paradies, Bike neben Bike steht dort frisch geputzt und fahrfertig für die Teilnehmer des nächsten Events. Diese treffen auch am nächsten Tag ein. Gemeinsam wohnen wir in einem tollen Hotel in der Nähe, das früher einmal ein Großer Bauernhof war. Es gibt ein Museum und ein tolles Restaurant mit exquisiten Speisen. Während Axel mit seinen Jungs tagsüber in einem Steinbruch über wie man eine BMW nicht, oder gegebenenfalls mit etwas Stil verschrottet, bin ich auf allerlei abenteuerlichen Strecken unterwegs.

Die Planung mit „Track of the day“ funktioniert inzwischen ziemlich gut. Auch Off-Road Passagen kann ich planen. Aber das Kartenmaterial in meinem Navigator 6 kennt einige Straßen nicht. Aber nachdem ich auf die Luftlinien-Navigation gewechselt und einige Wegpunkte übersprungen habe, klappt es sehr gut.

Einige Tage später beginne ich damit, Shaping-Points in „Track of the day“ einzubauen. Diese Form der Routenpunkte ist eine Besonderheit bei Garmin Geräten und mein BMW Navigator 6 wird von Garmin hergestellt. Shaping-Points muss man nicht manuell überspringen. Das Gerät merkt mit etwas Magie, wenn die Distanz zum nächsten Routenpunkt kleiner als der Abstand zum vorherigen Punkt ist. Shaping-Points werden dann einfach still übersprungen. Oft heißt es auch, dass Shaping-Points still sind oder es keinen Alarm gibt. Ein überaus praktisches Feature.

Bei der Integration in meine App fällt mir beim Testen aber auf, dass es überaus nervig sein kann, für jeden Punkt einer Route festzulegen, ob es ein Shaping-Point ist oder nicht. Auch in BaseCamp ist das eine echte Katastrophe. Also erfinde ich das „Auto-Shaping“. Wird es aktiviert, sind alle Punkte, bis auf Start und Ziel automatisch „Shaping-Points“. Definiert man einen der Routenpunkte als „Pause“, ist er automatisch kein Shaping-Point mehr. Garmin Geräte versuchen dann, Locations bei denen man eine Pause einlegen will auch anzufahren. Ein sehr praktisches neues Feature für „Track of the day“.

Nach einem letzten gemeinsamen Abendessen in der Altstadt von Cadíz geht es Mitte Oktober auf die Fähre nach Lanzarote. Die Fähre legt um 16h ab, ich bin schon eine Stunde früher in meiner kleinen Kabine. Das Schiff ist in tollem Zustand, alles wirkt neu und sauber. Während ich mit meinem Telefon Musik höre und es mir in dem kleinen aber bequemen Bett gemütlich mache, vergeht die Zeit. Etwa 30 Stunden später treffen wir nach Sonnenuntergang im Hafen von Arrecife auf Lanazrote ein.

Bis nach Haría im Norden sind es nur wenige Kilometer, nach einer halben Stunde treffe ich Sylvie und ihren Mann. Sie zeigen mir mein neues Zuhause, geben mir die Schlüssel und sind auch schon wieder weg. Für mich beginnt nun der zweite Winter meiner sehr langen Motorradreise.

Tagsüber scheint fast immer die Sonne, es ist meist so zwischen 20° und 25° warm. In der Nacht sinken die Temperaturen auf Werte zwischen 14° und 17°. Meine Wohnung hat keine Heizung, da kann es schon mal etwas frisch werden. Nachdem ich mich einige Tage eingewöhnt habe, tausche ich kurze Hose und T-Shirt gegen etwas wärme Kleidung. Viel habe ich nicht dabei, aber man braucht auch nicht viel. Es gibt eine Waschmaschine und so komme ich mit Kleidung für eine Woche sehr gut über die Runden. Mehrere kleine Supermärkte sind gleich um die Ecke.

Die Tage ziehen ins Land, mein Sohn kommt für zwei Wochen zu Besuch, später kann ich meine liebe Sandra mal wieder in die Arme schließen.

An Heiligabend bin ich bei meiner Nachbarin Ute eingeladen. Sie ist über 80 Jahre alt und lebt schon seit mehr als 25 Jahren auf Lanzarote. Bei Würstchen und Kartoffelsalat verbringen wird den Abend.

Dann kommt Sylvester, ich arbeite wie an eigentlich jedem Tag auch heute den ganzen Tag an meiner Software „Track of the day“.

Inzwischen ist eine Datenbank eingebaut, so kann man alles was man je geplant hat, oder von seinen Kumpels bekommen hat sinnvoll und strukturiert ablegen. Über Sortieren und Filterabfragen findet man alles schnell wieder, es macht Spaß damit und daran zu arbeiten.

Einige Nutzer haben sich einen POI Export gewünscht. Möglichst mit kleinen Vorschaubildern und Annäherungsalarmen. Meine Software ist als „Track of the day“ gestartet, ein Jahr später hätte ich sie ihn „Route of the day“ umbenennen können nun könnte sie „POI of the day“ heißen. Aber ich belasse es einfach beim ursprünglichen Namen, zu viel hängt daran und zu vieles müsste ich ändern.

Und letztlich geht es ja darum, dass man mit seinem Motorrad schöne Touren fährt, entspannt etwas von der Welt sieht und unterwegs viele nette Menschen kennenlernt.

Ja, das war eine kurze Zusammenfassung des bisherigen Verlaufs meiner Reise. Es wurde dann doch eher eine Kurzgeschichte und sie geht weiter. Wenn es mehr Menschen meine Bücher kaufen oder mich bei meinem Projekt „Track of the day“ unterstützen, könnte es noch lange so weitergehen.

Oft werde ich gefragt, ob es mich nicht zurück nach Deutschland zieht. Mir kommen dann die vielen herrlichen Momente in den Sinn und ich antworte meist, dass ich mir gut vorstellen kann, noch einige Monate lange neue schöne Momente einzufangen und mein Leben zu genießen. Es ist kann sehr schnell zu Ende sein, das habe ich im September 2018 sehr deutlich erfahren und diese Erfahrung prägt seitdem jeden Tag meines neuen Lebens.

Eine Antwort auf „Mit dem Motorrad in den Sonnenuntergang

  1. I
    Ich hoffe Du kannst Deinen Traum weiterhin auf den Kanaren genießen.

    Beim Buch bin ich mittlerweile bei 30 %.. Schleppe aber immer noch😎

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