Von La Gomera nach Teneriffa

100 Days of Freedom - Motorradabenteuer - La Gomera - Kanaren

Die letzten Stunden auf La Gomera sind angebrochen. In der Nacht habe ich tief und fest geschlafen, hätte ich mir keinen Wecker gestellt, ich wäre wohl nicht vor 10h aufgewacht. Noch vor dem Frühstück bin ich unter der Dusche und danach heißt es „Koffer packen“ – Wie ich das hasse… Aber es muss ja sein, schließlich will ich neue Abenteuer erleben und die wird es heute geben, leider viel heftiger als es mir lieb sein wird. Aber von Anfang an…

Mein Handwaschmittel ist zur Hälfte aufgebraucht und weil der Karton soviel Platz wegnimmt, wird es in einen freien ZIP-Beutel umgefüllt. Nur gut, dass ich ihn noch in Reserve habe! Weil es cool aussieht und mich an eine Ladung Kokain erinnert, wird es gleich fotografiert und bei Facebook gepostet. „Ready to sell some dope…“ schreibe ich darüber. Kurz drauf kommt mir in den Sinn, dass man das auch schwer missverstehen könnte, also schieße ich noch schnell ein Foto das zeigt, dass es sich nur um einfaches Waschpulver handelt.

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Der letzte Tag auf La Gomera

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Es ist mein vorletzter Abend auf La Gomera und wir haben schon fast Mitternacht, trotzdem ist es noch angenehm warm. In T-Shirt und kurzer Hose sitze ich auf dem Balkon und lasse die letzten Tage Revue passieren. Während ich genüsslich ein Bierchen schlürfe schaue ich mir den Himmel an. Als sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben, kann ich viele tausende Sterne am Himmel sehen. Die Regenwolken der letzten Tage habe sich endlich verzogen. Nun wäre die richtige Zeit für schöne lange nächtliche Fototouren hoch oben im Nationalpark. Aber die Zeit drängt, in zwei Tagen will ich schon auf Gran Canaria sein.

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La Gomera – Mirador Abrante

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Als ich aufwache ist Tag 101 von 100 Tagen bereits seit mehr als 8 Stunden Realität, krass! Nach dem Frühstück will ich mir einige neue Orangen kaufen, da stehe ich im Augenblick total drauf weil sie hier einfach unglaublich gut schmecken. An meiner Fuji X-T1 ist noch das XF 1,2/56mm von der abendlichen Fotosession in meinem Appartement montiert. Es gibt keinen Grund es zu wechseln und so schnappe ich mir etwas Geld, einen Einkaufsbeutel und meine Kamera und mache mich auf den Weg zum Supermarkt.

Weit komme ich nicht, denn da steht sie allein auf der Straße, meine treue Begleiterin auf nunmehr rund 12.000 Kilometern. Schnell ein Foto, das hat sie sich verdient… Bereits beim Blick durch den Sucher bin ich mehr als angetan davon wie wunderbar sich auch große Objekte wie dieses Motorrad mit dem 1,2/56mm freistellen lassen. Eine perfekte Brennweite für schöne Portraits!

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Castillo del Mar auf La Gomera

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Es ist Sonntag und heute könnte ich ausschlafen, denn das Zimmermädchen hat heute frei. Grundsätzlich nichts schlechtes, aber heute gibt es deshalb auch kein Frühstück. Am Vortag habe ich im Supermarkt inige sehr leckere Orangen gekauft. Fünf Stück haben 1,07 Euro gekostet. Sie sind hier preiswert und die Qualität ist mehr als überzeugend. In meiner kleinen Küche im Appartement #408 gibt es eine kleine Saftpresse. Es kleben noch ein paar alte Orangen-Fusseln daran, aber ich habe Spülmittel und eine Spülbürste zur Hand. So kann ich kurz drauf meinen ersten selbst gemachten „Zumo Naranja Natural“ kosten, lecker! Dazu ein paar Spiegeleier auf Toast und schon bin ich für den Tag gerüstet.

Heute will ich mit meinem Motorrad den Norden von La Gomera erkunden. Im Internet habe ich gelesen, dass es bei Vallehermoso eine nette kleine Burg geben soll. In der Presse wurde sie auch als Heimat der Ritter der Bananenburg bezeichnet. Dies kommt wohl daher, dass es natürlich keine alte Ritterburg ist, vielmehr wurden hier seit 1890 allerlei Früchte auf Schiffe verladen. Wegen der exponierten Lage, konnten die Schiffe hier direkt anlegen, was die Verladearbeiten stark vereinfach hat. Im Jahr 1981 war der Ort verfallen und fast in Vergessenheit geraten. Frisches Obst wurde längst an anderen Orten verschifft. Der deutsche Fotograf Thomas Müller war zu diesem Zeitpunkt schon seit einigen Jahren auf La Gomera und hatte bereits viele schöne Postkartenmotive fotografiert. Mit dem Verkauf seiner Postkarten hatte er ein kleines Vermögen angehäuft, das er letztlich in die Renovierung dieser stark verfallenen Verladestation am Strand von Vallehermoso investierte. Für einige Jahre erstrahlte die Burg drauf in neuem Glanz und war bei Künstlern und Besuchern sehr beliebt. Jedoch gab es von Anfang an ein Problem mit der fehlenden Stromversorgung. Der Storm für das Gebäude musste teuer mit Dieselgeneratoren erzeugt werden. Schließlich gab es noch ein weiteres Problem mit einer fehlenden Konzession. Das Castillo musste geschlossen werden und wartet nun schon seit vielen Jahren drauf wieder neu belebt zu werden.

Mit diesem Wissen im Kopf soll es nach dem Frühstück ins Tal von Valle Hermosa gehen.

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Das Leben auf La Gomera

Meine Reise steuert langsam aber sicher auf den einhundertsten Tag zu. Dennoch bin ich gelassen, denn es war nie mein Ziel genau einhundert Tage lang zu verreisen und danach sofort wieder Tag für Tag in einem Büro zu sitzen und Software zu entwicklen. 100 Tage sind eine lange Zeit und Ewan McGregor und Charley Boorman sind in der gleichen Zeit einmal um die Erde gereist, aber auch das war nie mein Ziel. Vielmehr will ich Abstand gewinnen und ausloten wie sich das Leben ohne überflüssigen Firlefanz anfühlt. Alles was ich habe sind ein paar T-Shirts. Dazu noch ein lange sowie eine kurze Hose. Ein Paar Turnschuhe, Sandalen und etwas Unterwäsche. Mehr brauche ich nicht, denn ich bin eh fast täglich in meiner Motorradkombi unterwegs. Es ist ein einfaches Leben ganz ohne Ballast und es fühlt sich gut an.

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Von Anfang wollte ich im wesentlichen die Inseln der Kanaren besuchen, die ich bislang noch nicht kannte. Ich wollte mit meinem schönen blauen Motorrad bei wunderbarem Wetter durch Europa fahren und das solange es eben geht. Ob dies nun 100 oder ein paar Tage mehr oder weniger sind, das war nie wirklich wichtig. Trotzdem ist es aber cool, dass meine Reisezeit nun bald dreistellig wird. In drei Tagen lässt sich vieles auch leichter rechnen. Ich bin dann seit 2.400 Stunden bzw. 144.000 Minuten unterwegs. Bei einem Puls von 100 pro Minute hätte mein Herz sagenhafte 14.400.000 mal das Blut durch meinen Körper gepumpt. In 100 Tagen bin ich rund 12.000 Kilometer gefahren, also nur etwa 120 Kilometer pro Tag. Das ist nicht wirklich viel und manch ein Biker wird dabei ein Grinsen im Gesicht haben. Aber hey, ich habe an einem Stück mehr als einhundert mal mein Motorrad bestiegen, mir ein Ziel gesucht und bin an fast allen Abenden todmüde und glücklich ins Bett gefallen. Welcher Biker kann das schon von sich sagen?

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