Nikon D800 – Videos professionell produzieren

Atomos Ninja 2

Moderne Kameras wie die Nikon D800 bzw. D800E ermöglichen neben qualitativ hochwertiger Bildaufzeichnung auch Videoaufzeichnungen. Doch jeder der schon einmal versucht hat eine etwas längere Video-Sequenz mit einer DSLR aufzunehmen kennt das Problem der kurzen Aufzeichnungsspannen dieser Kameras. Ich selbst habe mich beispielsweise bei den Videos zum Thema „Nikon History“ schon oft darüber geärgert, dass meine Nikon D7000 nach 20 Minuten die Videoaufzeichnung einstellt und man keinen entsprechenden Hinweis erkennen kann, solange man VOR der Kamera steht.

Das ist oft wirklich störend besonders wenn man gerade im Fluss ist und einige komplexe Sachverhalte schön auf den Punkt gebracht hat. Die Enttäuschung ist dann immer wieder groß wenn man feststellen muss, dass große Teile der Moderation nicht aufgenommen wurden.

Wer sich fragt warum es diese Begrenzungen gibt und ein wenig bei google & Co. auf die Suche geht findet schnell heraus, dass dies eine bewusste Beschränkung ist, die von den Kameraherstellern in die Software der Kameras integriert wurde. Für eine DSLR die Videos aufzeichnen kann die länger als 30 Minuten laufen, werden nämlich zusätzliche Abgaben fällig.

Ich selbst habe mich beim Filmen mit der Nikon D7000 oder meiner D800E auch schon oft darüber geärgert, dass man auf dem Display bei hellem Sonnenlicht praktisch nichts erkennen kann. Man muss ich mit Lichtschächten und Lupen behelfen die auf das Display geklebt werden, wirklich schön ist das alles nicht.

Wenn ich allein bin und bspw. ein YouTube-Video erstellen möchte, so habe ich auch immer das Problem, dass ich während der Aufnahme gar nicht sehen kann ob ich im Bild bin oder nicht. Aus diesem Grunde habe ich mir im letzten Jahr die wirklich tolle Panasonic HC-X909 angeschafft. Dieses Gerät ist ein spezielle Videokamera die sowohl über ein Schwenkdisplay als auch über eine Infrarot-Fernbedienung verfügt. Damit gelingen wirklich brauchbare Videos aber die Kamera hat auch ein paar Einschränkungen. So kann ich beispielsweise keine Objektive tauschen. Zwar verfügt die HC-X909 über drei getrennte Bildsensoren, doch sind diese Sensoren sehr klein ausgelegt, denn nur so ist ein kompakte Bauform erreichbar. Die geringe Größe der Sensoren führt bei schwacher Ausleuchtung schnell zu sehr störendem Bildrauschen. Für ein wirklich hochwertiges YouTube Video brauche ich also stets eine „komplette Festbeleuchtung“.

Hier habe ich ein Beispiel, dass ich vor einigen Wochen zusammen mit meinem Freund Fabian alias „Rainer Schauder“ aufgenommen habe. Dabei kam nur die Panasonic HC-X909 zum Einsatz. Den Ton haben wir ausschließlich mit einem preiswerten Nikon ME-1 Mikrofon aufgenommen, das über ein billiges Verlängerungskabel an den Panasonic angeschlossen war. Für die Ausleuchtung haben wir zwei spezielle recht lichtstarke Video-Lampen verwendet. Die Qualität ist meiner Meinung nach ganz brauchbar und vor allem konnten wir uns während der Aufnahmen kontrollieren und alles in einem Take aufnehmen.

Wer bereits ein Nikon D800 oder eine ähnliche TOP-Kamera sein eigen nennen darf, wird sich vielleicht auch schon über die beschriebenen Einschränkungen geärgert haben. Für alle die nicht gleich zu einer separaten „richtigen“ Videokamera greifen wollen, bietet der australische Hersteller Atomos mit dem Ninja 2 einen HDMI Recorder zum Preis von ca. 600 Euro an. Mit dem Ninja 2 können Videos über viele Stunden aufgezeichnet werden. Das Gerät beherrscht unterschiedliche Codecs für die Kompression des Bildmaterials. Zeichnet man beispielsweise mit ProRes 422 auf, so hat man ein Format das bspw. Final Cut Pro X sehr gut und ohne Einschränkungen direkt verarbeiten kann. Zwar sind die Videodateien dann etwa zehnmal so groß wie sie innerhalb der Kamera auf eine Speicherkarte aufgenommen würden, aber die Qualität ist wegen der geringeren Kompression auch sichtbar besser.

Der Qualitätsgewinn hängt allerdings stark von den gefilmten Motiven ab. Bei einem YouTube-Vortrag in dem man recht still vor der Kamera steht und sich fast nur die Lippen bewegen wird man keinen Unterschied feststellen können. Aber bereits bei einem zügigen Kameraschwenk sind besonders an den Kanten des gefilmten Motivs deutliche Unterschiede erkennbar. Sehr cool ist auch, dass der Ninja 2 eine eigene Stromversorgung über zwei Akkus hat, die sogar während des laufenden Betriebs gewechselt werden können. Ein weiterer großer Pluspunkt ist, dass man im Gegensatz zu HDMI-Recordern die ihre Signal unkomprimiert aufzeichnen mit einfachen 2,5″ Festplatten auskommt. Statt mehrere tausend Euro für eine ganze Batterie von SSDs ausgeben zu müssen, reicht hier eine flotte 2,5″ 1-TB Festplatte (ca. 80 Euro) um mehr als 20h Videomaterial in toller Qualität speichern zu können.

Zum Ninja 2 Lieferumfang gehört ein kleines Gehäuse samt einer Docking-Stating mit USB 3.0 Anschluss. So kann man das Video-Material sehr schnell für den Videoschnitt verfügbar machen.

In diesem Video wird die Arbeit mit dem Atomos Ninja 2 sehr schön präsentiert und die Vorzüge des Systems werden sehr gut erläutert.

Ob die eigene Kamera den Atomos Ninja 2 unterstützt sollte man vor dem Kauf allerdings klären, hier wird man via google & Co. schnell fündig werden.

Bei amazon.de ist der Ninja 2 derzeit in kleinen Stückzahlen verfügbar.

Hier habe ich noch ein Beispiel-Video das mit einer Nikon D800 aufgenommen wurde. Dabei kamen auch externe HDMI-Aufnahmegeräte zum Einsatz. Wer sich dieses Video aufmerksam anschaut wird schnell die tolle Bildqualität bemerken. Einen Video-Clip in dieser Qualität wird keine Sendeanstalt ablehnen. Und dieses Video ist der beste Beweis, dass bereits mit einer relativ preiswerten DSLR professionelle Videoaufnahmen möglich sind.

Hier ist das Making of…

Nik Color Efex Pro – Teil 3

Nikon D800E - SAMYANG 2.8/14mm

(Foto aus dem Beispiel-Video – Anklicken für HD-Auflösung)

In den beiden letzten Artikeln habe ich Euch bereits einige Features der Bildbearbeitungsprogramme NIK Color Efex und NIK HDR Efex vorgestellt. Gestern hatte ich zu fortgeschrittener Stunde endlich die Möglichkeit meine neue Hauppauge HD-PVR2 auszupacken und zwischen mein Apple TV und meinen Fernseher zu hängen. Die Verkabelung ist recht einfach. Vom HDMI-Ausgang des Apple-TV geht es in den HDMI-Eingang der HD-PVR2. Von dort dann mit einem zweiten HDMI Kabel direkt in den Fernseher. Die Hauppauge HD-PVR2 hat noch einen USB-Anschluß. Dort wird ein recht langes USB-Kabel eingesteckt über das das Video-Signal aufgenommen werden kann.

Für die Aufnahme gibt es vom Hersteller sogar eine Software die auf meinem MacBook Pro sehr gut funktioniert. Um für einen ersten Test ein Signal zu haben das sich via HD-PVR2 aufzeichnen lässt, habe ich einfach bei einem neuen MacBook das Airplay via Apple-TV aktiviert. Das MacBook kann man so konfigurieren, dass es automatisch die Auflösung des Fernsehers übernimmt. So hatte ich ein schönes FULL HD Signal, das ich gleich wieder mit dem Notebook aufgenommen habe das dieses Signal eigentlich produziert hat.

Das war gewissermaßen „von hinten durch das Auge geschossen“ – aber es sollte ja auch nur ein kleiner Test sein. Beim Anschauen des Test-Videos kam mir dann die Idee, daraus ein kleines Tutorial zu machen. Final Cut Pro X war gerade frisch installiert und so konnte ich gleich schauen wie sich diese Software mit dem extrem hochauflösenden Retina-Display (2880 x 1800 Pixel) schlägt. Die Tonspur habe ich übrigens mit meinem t.bone USB Mikrofon aufgenommen. Hier habe ich einen Screenshot der Video-Bearbeitungssoftware in voller Retina-Auflösung – das ist schon cool! (Einfach anklicken…)

Bildschirmfoto 2013-09-26 um 00.03.21

Hier nun das fertige YouTube-Video in voller HD-Auflösung:

Sowohl Photoshop CS6, als auch die Tools der NIK Collection und Final Cut Pro X funktionieren mit dem Retina Display wirklich gut. Überraschend gut funktioniert auch die Skalierung des Retina Displays. Aufgrund der extrem hohen Pixeldichte kann man endlich auf in Auflösungen arbeiten die von der nativen Auflösung des Displays abweichen. Bei „normalen“ LCDs wird dann meist alles Unscharf und unschön, ganz anders beim Retina Display. Dieses Display ist das mit großem Abstand allerbeste Display das ich in den letzten 30 Jahren benutzen durfte!!

Einige Leser haben mich gefragt ob die NIK Tools denn auch mit Aperture von Apple funktionieren? Um dies zu testen habe ich eben eine etwas ältere Version von Apple Aperture installiert (Version 3.1.4). Wohlgemerkt habe ich Aperture NACH den NIK Tools installiert. Und siehe da, die NIK PlugIns sind trotzdem auf Anhieb verfügbar – Super!

Bildschirmfoto 2013-09-26 um 18.22.13

Bisher habe ich Euch nur die Color Efex und HDR Efex vorgestellt. Hier habe ich jetzt noch einen Screenshot der Silver Efex, die wirklich tolle Möglichkeiten für die Schwarz-Weiss Konvertierung digitaler Fotos bieten. Wer mehr über die einzelnen Komponenten der NIK Collection wissen möchte, der sollte sich die Videos anschauen, die ich im letzten Artikel verknüpft habe.

Bildschirmfoto 2013-09-26 um 18.22.49

Fazit

Es funktioniert alles zusammen wirklich gut. Das neue MacBook verrichtet seine Arbeit in jeder Beziehung ganz ausgezeichnet. Das AirPlay via FritzBox klappt mit einer Verzögerung von etwa 0,5s ganz vorzüglich. Die Skalierung auf das Format des Full-HD Fernsehers klappt automatisch und das Abgreifen des Signals via Hauppauge HD-PVR2 ist sensationell einfach. Es ist eine passende Software für OS-X verfügbar und mit einem speziellen HDMI-Kabel kann ich auch viele digitale Kameras an die HD-PVR2 anschließen.

In den nächsten Wochen werde ich mal schauen wie sich diese Features für die Erstellung von Reviews usw. einsetzen lassen. Endlich kann man bspw. APPs für das iPad in guter Qualität vorstellen und durch die Menüstrukturen einer Nikon D800 navigieren ohne das Geschehen mit einer zweiten Kamera vom Display der D800 abfilmen zu müssen. Für den Winter bin ich also gerüstet und es wird mir während der langen kalten dunklen Nächte die uns sehr bald bevorstehen werden nicht langweilig werden 🙂

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich mich im Video etwas vertan habe. Das SAMYANG-Objektiv hat natürlich 14mm nicht 15mm Brennweite – wie konnte ich das nur vergessen…

Nikon D800E – Sonnenuntergänge fotografieren

Die Sonne ist der Quell des Lebens und Sonnenuntergänge mit kräftigen Farben ziehen tagtäglich viele Millionen Menschen in ihren Bann. Ganz gleich wo man sich in Gesellschaft anderer Menschen einen Sonnenuntergang anschaut, es zückt immer wieder der eine oder andere ein Handy, eine Kompaktkamera oder anderes fotografisches Gerät um den Moment festzuhalten. Gleiches gilt natürlich auch für Sonnenaufgänge, nur ist man dort meist „unter Gleichgesinnten“ weil sich kaum ein Urlauber früh am Morgen aus dem Bett quält um einen Sonnenaufgang zu fotografieren.

Leider versauert die Mehrzahl dieser Fotos später auf den Festplatten dieser Welt. Die Gründe sind vielfältig, doch oft sehr ähnlich – die extremen Kontraste sind zu heftig, es gibt fiese Lensflares, die Farben sind blass, das Bild ist hoffnungslos unterbelichtet usw. Dass es mit einfachen Mitteln auch anders geht, das will ich Euch heute zeigen.

Der Zeitpunkt

Hier habe ich nun ein Beispielfoto in voller 36 MPix Auflösung für Euch. Es ist im letzten Dezember am westlichsten Zipfel von Teneriffa entstanden und zeigt einen Sonnenuntergang über La Gomera.

La Gomera Sunset - Nikon D800E - Full Size

Welche Zutaten braucht man für ein solches Foto? Ich denke zuallererst braucht man eine ordentliche Portion GLÜCK. Denn ohne eine „lockere Bewölkung“ ist die Mehrzahl der Sonnenuntergänge völlig langweilig. Dann braucht man ein Gespür für den richtigen Zeitpunkt. Meist ist etwa 15 bis 20 Minuten NACH dem Untergang der Sonne das Licht ganz wunderbar, die Kontraste sind mild und die Farben kräftig. Hat man das Gespür für den richtigen Moment noch nicht, so kann man es sich mit etwas Zeit erarbeiten. Man stellt sich etwa 30 Minuten VOR Sonnenuntergang an eine zuvor ausgesuchte Position und nimmt dann etwa 90 Minuten lang alle 5 bis 10 Minuten eine kleine Belichtungsreihe auf, falls die verwendete Kamera dies hergibt.

Später schaut man sich die Fotos in aller Ruhe an und findet so anhand des „Zeitstempels“ der Fotos heraus welche Zeit für ein eindrucksvolles Foto wirklich perfekt war. Bei der nächsten abendlichen Fotosession versucht man nun genau diesen Moment abzupassen. Wer einfach ein paar Bilder schießt und „gleich wieder abhaut“ ist meistens selber schuld! Das Spiel von Licht und Farbe verändert sich während eines Sonnenuntergangs oft im Minutentakt. Für ein wirklich gelungenes Foto braucht man also auch etwas Geduld!

Der Sonnenaufgang

Es stellt sich nun die Frage, ob diese Regeln auch für einen Sonnenaufgang gelten? Meiner Meinung nach kann man dies mit einem klaren JA beantworten. Allerdings sind die Randbedingungen oft ganz anders. Nach einer kalten Nacht kann es schon mal ein mehr als frostiges Vergnügen sein irgendwo in der Wüste auf einen Sonnenaufgang zu warten. Da ist die wohlige Wärme am Ende eines langen Sommertages oft deutlich angenehmer. Aber, bis auf die Tatsache, dass das Licht von der „anderen Seite“ kommt, sind die Regeln identisch. Man sollte allerdings beachten, dass viele Motive nur morgens oder eben nur abends gut aussehen.

Hier habe ich zwei Fotos die ich im Jahr 2009 am sehr exponiert gelegenen Dead Horse Point aufgenommen habe. Man sieht sehr schön, dass das Foto bevor die Sonne herauskam schönere und deutlich kräftigere Farben zeigt.

La Sal Sunrise 1 - Nikon D300

Doch der Zeitpunkt wenn die Sonne so gerade eben zu sehen ist hat manchmal etwas magisches. Will man hier ein Foto mit schönen kräftigen Farben erzielen, so ist der richtige Zeitpunkt von allergrößter Bedeutung. Hier entscheiden einige wenige Minuten über die Qualität des Bildes. Wer auf Nummer sicher gehen will, der schießt in kurzer Folge Belichtungsreihen. Dabei sollte man den RAW-Modus aktivieren, den Autofokus abstellen, Blende 8 oder 11 wählen, die Zeitautomatik aktivieren und die Kamera auf einem Stativ positionieren. Auch einen ggfs. vorhandenen VR sollte man deaktivieren. So passen später alle Fotos perfekt deckungsgleich übereinander und man kann sich ggfs. aus zwei oder mehr Bildern via DRI-Technik das nehmen was man braucht. Alternativ kann man auch ein HDR bspw. mit Photomatix Pro erstellen.

Im folgenden Beispiel habe ich in Photoshop einfach nur zwei Bilder übereinander gelegt, bei denen die Belichtung einen Unterschied von etwa zwei Lichtwerten aufwies. Also ein „dunkles Bild“ mit bspw. 1/500s und ein „helles Bild“ mit 1/125s Belichtungszeit. Beide Bilder legt man nach der RAW-Konvertierung bspw. in Photoshop übereinander und erstellt mit dem Verlaufswerkzeug eine einfache Ebenenmaske. Im folgenden Beispiel habe ich das „helle Bild“ über das dunkle Bild gelegt und via Verlaufswerkzeug und Ebenenmaske den unteren Teil des „hellen Bildes“ sichtbar gemacht.

La Sal Sunrise 2 - Nikon D300

Das Motiv

Eine weitere Zutat für ein gelungenes Foto sind Objekte im Vordergrund des Bildes. Ist hier ein schönes Tal mit Weinbergen, eine alte Burg, ein Leuchtturm oder ähnliches zu sehen, so wertet dies die meisten Fotos ungemein auf. Wer seine Sonnenuntergänge so fotografiert, dass man nur knallig bunte Wolken sieht, der muss sich über langweilige Ergebnisse nicht wundern.

Hier habe ich ein Beispielfoto das ich im Jahr 2010 am Horse Shoe Bend nahe der Stadt Page in Arizona aufgenommen habe. Am Rande einer mehrere hundert Meter tiefen Schlucht kann von oben auf den Colorado River sehen, der später durch den Grand Canyon fließen wird. Der Horse Shoe Bend ist eher eine „Evening-Location“ – die besten Fotos macht man dort also eher zum Sonnenuntergang. Im Frühling geht die Sonne nahezu in der Mitte über dieser gewaltigen Gesteinsformation unter.

Hier braucht man nun wieder eine Portion Glück und einen schönen Wolkenhimmel. In Verbindung mit dem richtigen Augenblick, dem Wissen um die perfekte Einstellung seiner Kamera und ein wenig Erfahrung mit der digitalen Bildbearbeitung lassen sich so beeindruckende Fotos erstellen.

Auch dieses Bild habe ich aus zwei unterschiedlich belichteten Bilder zusammengefügt. Der obere Bildbereich ist wieder etwa 2 Lichtwerte geringer belichtet als der untere Bildbereich. Die „Naht“ verläuft ganz knapp unter dem Horizont und sie wurde ganz einfach mit dem Verlaufswerkzeug und einer Ebenenmaske erstellt. Alternativ könnte man auch einen dichten Grauverlaufsfilter einsetzen. Dieser sollte aber nach Möglichkeit verschieben lassen, wie bspw. ein Cokin-Filter. Nur so lässt sich ein Teil des Bildes gezielt abdunkeln ohne dass man beim Bildaufbau den Filter berücksichtigen muss.

Horse Shoe Bend Sunset - Nikon D300

Der Bildaufbau

Die Sonne ist meist auch der Mittelpunkt unseres Lebens und das mag der Grund sein warum viele Fotofreunde bei Sonnenaufgängen oder Sonnenuntergängen wenig über den Aufbau ihrer Bilder nachdenken und die Sonne einfach in der Bildmitte anordnen. Hier habe ich ein Foto das ich im Jahr 2009 im Canyonlands Nationalpark direkt vor dem sogenannten MESA Arch aufgenommen habe. Es war Winter und die Sonne geht in dieser Jahreszeit sehr weit „rechts“ auf. Würde man an gleicher Stelle etwa 4 Monate später das gleiche Foto versuchen, so wäre die Sonne bei gleicher Perspektive etwa in der Bildmitte.

Seine Spannung schöpft dieses Bild genau daraus, dass die Sonne NICHT in der Bildmitte sondern im rechten Drittel des Bildes angeordnet ist. Doch was dem Bildaufbau zuträglich ist, quittiert praktisch jedes Objektiv mit starken Spiegelungen und Reflektionen an den Linsenoberflächen. Diese so genannten „Lensflares“ sehen nicht nur blöd aus, sie reduzieren auch drastisch den Bildkontrast und führen zu flauen Farben.

Um dennoch ein  brauchbares Ergebnis zu erzielen habe ich bei diesem Bild den „Fingertrick“ benutzt und bei manuell eingestellter Zeit & Blende zwei Belichtungsreihen mit jeweils 9 Bildern mit 1.0 EV (Ein Lichtwert) Unterschied bei der Belichtung aufgenommen. Wie der „Fingertrick“ funktioniert, das könnt ihr HIER nachlesen.

Mesa Arch - La Sal Sunrise

Die andere Seite

Meiner Meinung nach wir die „andere Seite“ der Sonnenuntergänge viel zu häufig sträflich vernachlässigt. Denn erst im milden letzten Abendlicht zeigen sich viele Motive von ihrer schönsten Seite. Hier habe ich ein Foto des Delicate Arch im Arches Nationalpark in Utah, das ich im Jahr 2009 mit meiner Nikon D300 aufgenommen habe. Die Sonne war längst weg und das weiche  Licht verleiht der Szenerie etwas unwirkliches.

Arches NP #6 - Nikon D300

Das nächste Beispielfoto habe ich ebenfalls im gleich Jahr am Dead Horse Point aufgenommen. Es stammt aus der gleichen Fotosession wie die beiden Sonnenaufgangsfotos weiter oben. Allerdings ist es etwa 15 Minuten nach Sonnenaufgang entstanden. Zeigen will ich Euch damit, dass es sich durchaus lohnen kann nachdem das Schauspiel vorbei ist Ausschau nach Motiven zu halten die im ersten Morgenlicht gut aussehen. In diesem Bild ist sind besonders der Schattenwurf an den Klippen des Colorado River interessant. Wegen des weichen Lichts kommt dieses Foto ohne weitere technische Tricks aus.

Canyonlands Sunrise - Nikon D300

Und man sieht auch hier, dieses Motiv ist eher eine „Morning-Location“.

Zum Abschluss habe ich hier noch ein Foto das ich im Juli  2013 im Süd-Westen von La Palma aufgenommen habe. Der Himmel war mehr als langweilig, aber der Gesteinsbogen im Vordergrund hat mich sehr fasziniert. Wirklich cool waren die beiden Jungs die sich mit kleinen Surfboards im warmen Wasser des Atlantiks vergnügt haben. Der Boden war glitschig, die Hitze immens und es fielen  immer wieder kleine Steine von der Felsenklippe auf mich hinab. Trotzdem war dies einer der schönsten Momente dieser Reise.

Nikon D800E - Nikkor AF-S VR 4/16-35mm

Um den Gesteinsbogen komplett abbilden zu können, habe ich für das Foto eine sehr kurzen Brennweite verwendet. Dadurch wird die Sonne nur noch als winzig kleiner heller Punkt abgebildet. Dieser Umstand verringert die Bildung störender Lensflares ganz enorm. Man könnte sagen, je kürzer die Brennweite ist, umso einfacher lässt es sich direkt in die Sonne fotografieren.

ABER: Wer mit sehr kurzen Brennweiten direkt in die Sonne fotografiert, der muss meist sehr kurz belichten und am Objektiv eine sehr kleine Blende einstellen. Dies führt bei extremen Weitwinkelobjektiven dazu, dass selbst kleine Staubpartikel oder Wassertropfen auf der Frontlinse deutlich sichtbar werden. Die Schärfentiefe eines extremen Weitwinkel-Objektives sollte man nicht unterschätzen! Wer wirklich schöne Ergebnisse erzielen will muss hier also sehr penibel auf eine saubere Frontlinse achten!

Fazit

In der Landschaftsfotografen ist das Licht die wichtigste aller Zutaten für gelungene Fotos. Mit ein wenig Planung und Glück lassen sich tolle Fotos erzielen, aber man muss auch wissen was man tut. Einfach die Kamera in die Sonne zu halten und abzudrücken, das reicht für wirklich stimmungsvolle Fotos nicht aus.

Im Vorteil ist, wer die Location kennt und seine Motive planen kann. Hilfreich ist hier auch die kostenlose Software „Google Earth“. Wer sich ein wenig damit beschäftigt wird schnell die Simulation des Sonnenstandes zu schätzen lernen. Für aktuelle Smartphones gibt es außerdem hilfreiche APPs mit denen sich der Winkel des einfallenden Lichts in Abhängigkeit von Jahreszeit, Uhrzeit und Geo-Location bestimmen lässt. Mit diesen kleinen Hilfsmitteln muss man sich auseinander setzen, aber wenn man den Knoten erst einmal durchtrennt hat, so gelingen immer wieder stimmungsvolle Fotos die vielen Betrachtern ähnliche Laute wie beim Anblick eines schönen Feuerwerk zu entlocken vermögen. Und genau das ist es ja was wir Fotografen suchen, den WOW-Effekt bei den Betrachtern unserer Fotos 🙂

 

La Palma – Tag 13

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Am nächsten Morgen spüre ich alle Knochen. Zwar habe ich mein Bett etwas umgerüstet und schlafe seit drei Tagen AUF der Wolldecke die ich zwischen Laken und Matratze platziert habe, aber dennoch tut mir alles weh. Auf dem ersten Weg ins Bad fühlen sich Beine und Füße noch ganz unbeweglich an, ich bin noch gar nicht wach…

Später nach dem Frühstück entschließt sich Sandra erstmals allein mit unserem Mietwagen zum Laden für Handwerkskunst weit oben in Los Canarios hinauf zu fahren. Ich gebe ihr noch eine kurze Beschreibung mit auf den Weg, so dass sie unser Auto auch findet. Derweil sichte ich meine Beute des Vorabends und freue mich schon sehr darauf bei korrekten Lichtverhältnissen an einem kalibrierten Monitor die besten Fotos auszusuchen und dann in aller Ruhe auszuarbeiten.

(Die Fotos aus der Nikon D800E sind auf 1920 Pixel Seitenlänge verkleinert, einfach anklicken)

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Gegen 13h ist Sandra zurück und hat lauter Tüten dabei. Sie hat etwas zu trinken gekauft. Das ist oben im Supermarkt alles mehr als 50% billiger als im Laden hier in der Hotelanlage. Die Fahrt mit dem kleinen Diesel hat gut geklappt und sie ist ganz überrascht mit wie viel Kraft dieses Auto die Berge hinaufzieht. Drehmomentstarke Dieselmotoren sind auf dieser Insel auf der es eigentlich fast nur auf und ab geht wirklich genau in ihrem Element. Hier zählen weniger die Endgeschwindigkeit als vielmehr Kraft und Durchzugsvermögen. Wer also vor der Wahl steht hier einen Benziner oder einen Diesel zu mieten, ich würde hier zu einem Diesel raten!

Aktuell kostet ein Liter Diesel hier etwa 1,06 Euro/Liter, man ist mit einem Diesel also nicht nur recht preiswert unterwegs, die Autos haben auch eine große Reichweite, was beim weniger dichten Tankstellennetz auf der Insel darüber hinaus sehr praktisch ist.

Daran einen BLOG-Artikel zu veröffentlichen ist aktuell leider nicht zu denken. Es gab am Morgen mehrere kurze Stromausfälle und nun funktioniert der WLAN-Accesspoint aus irgendeinem Grund nicht mehr. Ich habe jetzt für 19 Euro Internet-Guthaben gekauft und kann es nicht nutzen weil es kein WLAN gibt 😦

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Ich versuche mich nicht weiter darüber zu ärgern und während Sandra mit dem Teleobjektiv Jagd nach Libellen und Eidechsen macht, streife mich mit der Nikon D800E auf dem BILORA-Stativ durch die Anlage.

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An der D800E ist das Rokinon 3,5/24mm Shift & Tilt Objektiv, das ich vor ein paar Wochen in den USA bestellt habe. Vor ein paar Tagen habe ich es erstmals abends am Strand des kleinen Fischerdörfchens im Süden der Insel ausprobiert. Heute will ich mal einige Testfotos machen bei denen es darauf ankommt, dass alle vertikalen Linien so gerade und senkrecht wie möglich sind. Am kleinen Wasserfall kann ich ein kleines Demo-Video drehen das zeigt wie sich der Unterschied zwischen einer Belichtungszeit von 1/500s und 1/25s auf das Video auswirkt. Bei vollständig geöffneter Blende lässt sich mit dem Shift-Objektiv ein ausgeprägter „Miniatur-Effekt“ erzielen.

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Sehr praktisch ist auch, dass man das Rokinon-Objektiv in zwei Ebenen um 90° drehen kann. So ist auch ein „senkrechter“ Miniatur-Effekt in Verbindung mit dem Querformat möglich!

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Aber da die Blende geöffnet ist, kann auch viel mir Licht auf den Chip fallen. Dadurch muss die Kamera jedes Bild des Videos sehr kurz belichten. Im Ergebnis werden die Tropfen des Wasserfalls 25-mal pro Sekunde knackscharf „eingefroren“ was im Endergebnis aber nicht wirklich schön aussieht. Blendet man das Objektiv langsam ab, so zieht die D800E die Belichtung sehr schön nach. Irgendwann bin ich bei Blende 22 angekommen. Die Blende ist jetzt vollkommen geschlossen und es kommt kaum noch Licht am Chip an. Die D800E belichtet jetzt jedes Einzelbild mit 1/25s. Bei dieser recht langen Belichtungszeit ergibt sich ein schöner „Fließ-Effekt“. Die einzelnen Wassertropfen bewegen sich während der 1/25s und produzieren so bei jedem Einzelbild eine ganz leichte Bewegungsunschärfe. Das Ergebnis sieht deutlich besser aus als bei vollständig geöffneter Blende. Aber nun ist der auch der „Miniatur-Effekt“ verschwunden, die Tiefenschärfe ist bei Blende 22 so groß, das trotz des leicht nach unten gekippten Objektives alle Bildbereiche scharf abgebildet werden.

Was lernen wir daraus? Ganz einfach, wer flüssige Bewegungen in seinen Videos habe möchte, der sollte versuchen die Einzelbilder relativ lang zu belichten. Optimal ist in der Regel die Hälfte der Bildwiederholfrequenz. Also bei 25 Bildern/s wären das 1/50s Belichtungszeit, bei 30 Bildern/s analog dazu 1/60s.

Will man mit dem Shift & Tilt Objektiv lange belichten UND einen Miniatur-Effekt haben, so braucht man einen passenden neutralen Graufilter mit einem 82mm Filtergewinde. Nachmöglichkeit hat man diese Filter gleich in unterschiedlichen Dichte-Werten. Also 2x, 4x, 8x, 10x usw. Damit kann dann unter fast allen Bedingungen die optimale Belichtungszeit je Einzelbild erzielt werden. Allerdings sind diese Filter wegen des großen Filterdurchmessers nicht ganz billig!

Ach übrigens, wer auf die Idee kommt bei einem Video mit 25 Bildern/s jedes Einzelbild beispielsweise 1/8s zu belichten (um einen noch stärkeren Fließeffekt zu erzielen), der hat in Mathe nicht aufgepasst und sollte nochmals die Schulbank drücken 🙂

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Alle Demo-Videos zu diesem Objektiv werde ich hier posten sobald ich wieder eine vernünftige Internet-Anbindung habe. Dann gibt es einzelne Bilder aus als Original-RAW-Datei für alle die genauer hinsehen möchten, was das Rokinon-Objektiv an der Nikon D800E leistet. Hier habe ich noch einige Beispielbilder für Euch, bei denen ich versucht habe eine perspektivisch korrekte Darstellung zu erzielen. Es gibt hier also ganz bewusst keinen „Miniatur-Effekt“!

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Am späten Nachmittag starten wir einen neuen Anlauf und hoffen, dass wir heute bei der Bodaga „Casa del Volcán“ mehr Glück haben. Als wir dort einige Minuten nach 18h eintreffen ist die Eingangstüre einladend weit geöffnet.

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Unseren Mietwagen können wir sehr gut auf der breiten Zufahrtsstraße zum Volcan San Antonio abstellen. In der Bodega finden wir ein sehr einladendes Ambiente und eine überaus zuvorkommenden und netten Inhaber vor. Ein Tisch direkt am Fenster mit Blick auf den zur Bodega gehörenden Weinberg ist frei. Ein paar Minuten später haben wir von der sehr gut sortierten Karte den filetierten Barsch mit Kanarischen Schrumpelkartoffeln und einem kleinen Salat bestellt. Als Vorspeise gibt es einen typischen Kichererbsenseintopf (Garbanzas). Dieser Eintopf schmeckt uns wirklich gut und Sandra hat ihn daheim in Deutschland schon oft für uns zubereitet. Man könnte also sagen, dass wir uns mit Garbanzas auskennen und daher sehr gespannt sind was wir hier bekommen. Und was soll ich schreiben, diese Garbanzas sind wirklich ganz ausgezeichnet. Besser können wir das selbst nicht, es schmeckt einfach  ganz exzellent.

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Auch der Fisch ist wirklich großartig aber ganz besonders schmeckt und der Wein aus eigenem Anbau. Es ist ein sehr milder fruchtiger Weißwein, fast keine Säure und einfach nur richtig gut! Ein wirklich zauberhafter Weißwein den man daheim in Deutschland in dieser Qualität nur sehr schwer bekommen wird.

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Spannend ist auch, dass es diesen außergewöhnlichen Wein in einer kleinen 0,5l Flasche gibt! Das ist nicht zuviel und passt gut zu einem Essen für zwei Personen. Zum Nachtisch gibt es für Sandra noch ein leckeres kleines Schnäpschen und für mich einen exquisiten Barraquito mit „Kanarischen Vitaminen“ 🙂

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Auf dem Rückweg überlege ich ob ich heute noch einmal zur Location des Vortages fahren soll. Aber heute gibt es keine Wolken, es ist einfach trüb und die Sicht ist wirklich schlecht. Außerdem sind es fast 28°C und die Luftfeuchtigkeit ist hoch. Ich beschließe daher mich mit den Fotos des Vortages zu begnügen und mich seelisch auf die Abreise einzustellen.

Morgen werden wir noch einen sehr ruhigen Tag auf dieser tollen Insel verbringen. Für das Wochenende wird hier eine echte Hitzewelle erwartet. Vielleicht ist es ganz gut, dass wir dann schon ein leckeres Kaltgetränk in einem deutschen Biergarten genießen können.

La Palma ist eine wirklich großartige schöne Insel. Es gibt unerwartet viel zu sehen, aber die echten Highlights muss man erwandern. Und genau das ist hier wirklich anspruchsvoll. Heute morgen hat im Hotel eine TUI-Mitarbeiterin über die Möglichkeiten hier zu wandern informiert. Und dabei kam immer wieder die Sprache auf den Gesundheitszustand. Büroschlaffis wie meine Sandra und ich sollten hier gar nicht erst an einer großen Wanderung versuchen. Erst gestern hat Sandra ein abgekämpftes Paar getroffen die sich über die Wanderung des Tages unterhalten haben. Er war völlig fertig und als sie ihm gesagt hat, es seien doch nur 5 Kilometer gewesen, da sagte er spontan „Es kommt mir aber vor als wären wir 15 Kilometer weit gelaufen!“

Man sollte sich hier also nicht überschätzen. Und nun ist uns auch klar warum die alten Leute mit Pflegestufe 3 alle nach Teneriffa fliegen, während man hier auf La Palma nur die fitten Power-Rentner antrifft. Es wäre spannend zu wissen zu welcher Gruppe wir uns einst zählen werden.

La Palma – Tag 12 Reloaded

In meinem letzten Artikel habe ich geschrieben, dass wir planen vielleicht den Vulkan „San Antonio“ zu besuchen. Irgendwie kam dann doch alles anders und wir haben ihn schon wieder achtlos beiseite liegen lassen. Am Vortag hat Sandra sich in einem kleinen Laden für „Handwerkskunst“ ein paar schöne Kleidungsstücke gekauft. Und wie das bei Mädchen so ist, da gibt es noch mehr! Und das lässt ihr einfach keine Ruhe 🙂 Als wir an dem kleinen Laden ankommen ist es etwa 13h und der Laden hat geschlossen – Mittagspause! Also fahren wir weiter in Richtung Los Llanos, heute wollen wir mal den viel gepriesenen Italiener besuchen.

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Neulich waren wir ja schon dort, hatten dann aber ausgerechnet am Sonntag den Ruhetag erwischt. Kurz vor dem Ortsausgang halte ich kurz rechts an um meine GoPro Actioncam auf der Windschutzscheibe zu positionieren. Danach geht es über den von mir präferierten Teil der LP-2 in Richtung Los Llanos. Das Wetter ist für die Jahreszeit eigentlich zu kühl und heute ist der Himmel bewölkt. Das merkt man besonders hoch oben auf der Ringstraße die uns auf etwa 750 Metern Höhe nach Norden führt. Wir sind ganz knapp unterhalb der Wolken und das Spiel aus Sonnenlicht und Nebel sieht wirklich gut aus. Endlich kann ich das mal mit meiner GoPro einfangen.

Als wir in Los Llanos eintreffen hat sich der Nebel gelichtet. Die Sonne scheint bei lässigen 25°C und uns geht es richtig gut.

Die Einfahrt zum Restaurant ist etwas „ungewöhnlich“. Es geht auf einer kleinen „selbstgebauten“ Betonpiste extrem steil bergauf bis wir nach ein paar Metern am Parkplatz sind. Dort stehen schon einige Autos und als wir das Restaurant betreten ist es dort schon recht gut besucht. Aber die Terrasse ist noch leer und nach einem kurzen Nicken der Kellnerin dürfen wir dort Platz nehmen.

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Die Aussicht ist grandios, wir sehen die Berge und das Meer, hier kann man wirklich weit schauen. Aber zunächst schauen wir mal in die Speisekarte. Sie ist auf spanisch und deutsch, es gibt allerlei Gerichte die für ein italienisches Restaurant typisch sind. Wir entscheiden uns beide für ein Steak. Diesmal ist es wirklich ein Rindersteak, Sandra bestellt die Variante mit Knoblauch, ich entscheide mich für das Pfeffersteak.

Dazu gibt es kaltes Bier aus einem eisgekühlten Bierkrug. Beim ersten Zug kommt mir eine kleine Eisscholle aus gefrorenem Bier vom Grund des Kruges entgegen – cool!

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Nach dem Essen gibt es noch eine Portion Erdbeeren mit Sahne (Frecas con Nata) – lecker!!!

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Nach einer kleinen Fotosession mit der Nikon 1 geht es zurück zum Hotel. Diesmal ganz ohne GoPro und anderen „Kinderkrams“ 🙂 Auf halbem Weg mitten in den Bergen meldet sich dann die Sahne welche in großen Mengen die Erdbeeren umgab. Hui, ich habe echte Bauchkrämpfe und hier kann man weder anhalten, noch ist hier irgendwo eine Toilette in Sicht. So schnell es geht sausen wir zum Hotel. Schnell parken und dann los, bis zum Zimmer schaffe ich es nicht mehr und bin wirklich froh, dass es an der Bar neben der Rezeption eine wunderbar saubere und geräumige Toilette gibt – ich bin gerettet!! Das ist noch einmal gut gegangen – uffff…

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Zurück im Zimmer muss ich mit ein wenig erholen, in meinem Bauch gluckst und grummelt es. So etwa zwei bis drei Stunden später bin ich wieder fit. Meine Fotosachen sind noch im Auto, also schnappe ich mir den Autoschlüssel und los geht es erneut zu der kleinen Bucht die etwa 1.500 Meter nördlich des Hotels gelegen ist. Dort verheißt ein Hinweisschild wenig gutes: „Playa Closed“

Ich sondiere kurz die Lage und entscheide dann, dass man selbst oben von der Klippe noch einen tollen Blick auf Strand und Meer hat. Also geht es voll bepackt wie ein Lastesel  zur abendlichen Fotosession. Mit dabei habe ich die Nikon D800E, vier „erwachsene“ Objektive, die Nikon D300, die Panasonic HC-X909 Videokamera und zwei Stative. Diese beiden Stative werden sich beim Aufstieg später noch als äußerst hilfreich erweisen!

Wie bei der Bucht nebenan gibt es auch hier eine Treppe die von der Klippe etwa 30 bis 40 Meter hinab an den Strand führt. Diese Treppe ist allerdings deutlich älter und am Ende der Treppe wird mir dann auch klar warum dieser Strand aktuell eigentlich geschlossen ist.  Der letzte Teil der Treppe, so etwa 20 Stufen sind komplett weggebrochen und liegen in einem Winkel von etwa 45° einige Meter von ihrer ursprünglichen Stelle entfernt. Voll bepackt mit Fotorucksack, Kameratasche und zwei Stativen ist es fast ein Ding der Unmöglichkeit hier herunter zu kommen. Aber dann findet ich eine Stelle an der ich auf dem Hosenboden auf einem Betonvorsprung sitzen kann. Dort ziehe ich beide Stative komplett aus und benutze sie als Stützen um den etwa einen Meter hohen Absatz zu nehmen. Dort ist alles voller Staub und Geröll und ich muss schwer aufpassen mich dort nicht auf die Nase zu legen.

Am Strand angekommen bin ich dort vollkommen allein – super!! Als Erstes stelle ich die Videokamera auf das kleine Stativ. An der Kamera ist der Filteradapter von 49 auf 52mm angeschraubt und darin steckt ein Polfilter. In den Polfilter schraube ich den Filterhalter für meine Cokin-Filter. Danach wird der Filter mit einem neutral grauen Verlauf eingeschoben. Nun kann ich alles drehen, den Polfilter und den Cokin-Filter. Außerdem lässt sich der Cokin-Filter im Gegensatz zum Vortag nun herauf und herab schieben. So gelingt dann eine schöne Videosequenz dieses tollen Sonnenuntergangs am schwarzen Lavastrand.

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Nach einigen Einstellungen schalte ich die Videokamera in den Zeitraffermodus – alle 10s nimmt sie jetzt ein Bild auf. Später habe ich eine schöne Sonnenuntergangssequenz die etwa 10s dauert und die sich scher schön als letzte Einstellung für meinen Reisebericht eignen wird, super!

Während die Videokamera sich tapfer gegen Wind und Wetter wehrt und eifrig ein Bild nach dem anderen aufnimmt bin ich mit dem größeren neuen BILORA XedriLux white und der Nikon D800E unterwegs. Auf der linken Seite der Bucht gibt es einen Durchbruch in der schwarzen Felsenklippe. Dahinter baden zwei Jungs mit kleinen Surfboards im recht ruhigen Meer. Es ist wieder Ebbe und so ist der Durchbruch unter der Klippe recht gut erreichbar. Allerdings sind die Felsen schwer glitschig und man muss gut aufpassen hier nicht zu stürzen. Das könnte üble Folgen haben, denn man muss hier auf dicken glitschigen Steinen balancieren, wer hier abrutscht hat sich schnell einen Fuß verstaucht oder gar gebrochen. Damit dann die vielen Treppenstufen hinauf zu klettern, das wäre nicht wirklich witzig! Also Vorsicht!!

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Die Sonnen hat den ganzen Tag über die schwarzen Lavawände und den schwarzen Lavastrand aufgeheizt. Durch die unmittelbare Nähe zum Meer ist es unerträglich heiß und schwül. Nach kurzer Zeit habe ich meine Kleidung komplett durchgeschwitzt und das Wasser tropft mit von der Stirn. Es ist wirklich nicht witzig und es fällt schwer sich immer wieder zu bücken und hinter die Kamera zu kauern. Bei Belichtungszeiten von bis zu 30s muss man still und regungslos hinter der Kamera verharren und den Kabelauslöser ruhig in der Hand halten, keine einfache Aufgabe! Aber es entsteht eine Belichtungsreihe nach der Anderen und insgeheim freue ich mich schon darauf meine „Beute“ zu sichten.

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Die fast euphorische Stimmung wird allerdings jäh unterbrochen als mich ein Stein an der Schulter trifft. Er ist vielleicht so groß wie eine Wallnuss und hat meine Schulter dort getroffen wo sie durch den dicken breiten Gurt meines Fotorucksacks geschützt ist, aber es tut trotzdem höllisch weh. Hätte ich diesen Stein auf den Kopf bekommen, so hätte es wohl zu einer Platzwunde geführt.

Es wird mir direkt unterhalb der Klippe zu gefährlich und ich deute diesen Stein als Hinweis der Götter, mich dort schnellstens zu verziehen. Bislang habe ich alle Fotos des Abends mit dem Nikon AF-S VR 4/16-35mm aufgenommen, nun versuche ich mich mal mit dem Nikon AF-D 2.8/10,5mm Objektiv. Eigentlich ist es ja für das kleinere DX-Format gerechnet, aber an der D800E bleiben trotzdem noch satte 18 Megapixel übrig, man kann das Ding also wirklich gut einsetzen. Die Kamera habe ich so eingestellt, dass sie DX-Objektive automatisch erkennt. Im Sucher sieht man zwar „nur die Hälfte“ aber wenn man das echt coole Liveview-Feature verwendet, kann man auf dem rückwärtigen Display der Kamera sehr schön sehen was man fotografieren wird. Richtig cool sehen viele Einstellungen dann aus, wenn die Kamera mit diesem Objektiv sehr nah am Boden ist. Aber dann muss man sich immer wieder hinter der Kamera ganz ganz klein machen und das ist echt anstrengend wenn man mit den Füßen im Wasser steht und noch einen schweren Fotorucksack auf den Schultern hat. Aber ich will nicht klagen, andere Menschen besuchen Fitness-Studios – ich gehe eben ab und zu mal fotografieren :–)

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Während ich so vor mich hin fotografiere vergesse ich die Welt um mich herum. Als ich irgendwann zur Treppe an der Klippen schaue, kann ich sie kaum noch sehen, es ist fast dunkel. Auch meine Panasonic Videokamera kann ich nur noch schemenhaft erkennen. Ich mache mich also auf den Rückweg, doch da fällt mir eine kleine Höhle am Fuß der schwarzen Felsenklippe auf. Am Eingang hat jemand ein paar größere Steine aufgeschichtet, so dass es wie eine kleine Mauer ausschaut. Instinktiv muss ich an meine Besuche bei der False Kiva im Canyonlands Nationalpark in Utah denken.

Der Unterschied ist, dass man in der False Kiva ganz bequem stehen kann, diese kleine schwarze Lava-Höhle ist nur etwa 1,5 Meter hoch und wird nach hinten immer enger. An der D800E ist noch das kleine 10,5mm Fisheye montiert. Damit kann ich den Strand, die Felsen draußen im Meer UND den kompletten Rand der Höhle abbilden. Der Liveview der D800E kommt langsam an seine Grenzen, im Display sieht man das was man „fotografiert“ nur noch schemenhaft. Bei Belichtungszeiten zwischen 15 und 30s entstehen aber tatsächlich Fotos auf denen man das Meer noch schön erkennen kann. Nur ist der Eingang zur Höhle nur ein schwarzer Rand, mehr nicht. Ich überlege kurz und dann habe ich eine Idee. Die D800E hat doch ein eingebautes kleines Blitzlicht mit Leitzahl 12. Das sollte ausreichen um dieses Höhle etwas aufzuhellen. Doch die ersten Testbilder sehen ziemlich komisch aus. Das Problem ist der enge Winkel in dem das Blitzlicht arbeitet. Es ist für die Nutzung leichter Weitwinkelobjektive gedacht, nicht für ein extremes Fisheye! So leuchtet das Blitzlicht nur den mittleren Teil des Bildes aus und dementsprechend sind die Ergebnisse mehr als unbefriedigend. Doch dann habe ich die wirklich zündende Idee. In meiner Hosentasche habe ich ein kleines weißes Stofftaschentuch. Derartige kleine Tücher habe ich fast immer dabei, sie sind sehr hilfreich wenn man mal einen Filter trockenlegen oder eine Frontlinse putzen muss.

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Als ein Teil des Taschentuchs um das kleine Blitzlicht geschlungen ist, wird das Licht so schön gestreut, dass auch der Rand der Höhle „etwas abbekommt“.

Einige Bilder später ist es fast stockfinster und ich muss abbrechen auch wenn ich noch gern weitermachen würde. Vorsichtig taste ich mich aus der Höhle heraus, nun nicht den Kopf stoßen! Meine Videokamera kann ich allerdings nicht mehr sehen. Sie muss aber da draußen irgendwo stehen. Es dauert nicht lange und sie ist gefunden, ich bin einfach meinen Fußspuren an diesem einsamen Strand gefolgt – geht doch!

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Nun kommt die größte Herausforderung des Abends, ich muss wieder hinauf auf diese Treppe und das erweist sich als gar nicht so einfach. Nach zwei vergeblichen Anläufen schaffe ich es dann an einer etwas anderen Stelle hinauf auf den Rest der Treppe. Meine beiden Stative sind dabei eine große Hilfe. Ohne sie hätte ich wohl auf allen Vieren auf den Treppenabsatz hinauf klettern müssen.

Endlich oben am Auto angekommen bin ich so ziemlich am Ende meiner Kräfte angelangt. Meine Hose und mein Hemd sind so nass, dass man sie auswringen könnte. Zwischen den Füßen und meinen Trekking-Sandalen haben sich lauter kleine Steine eingenistet, ich bin echt fertig. Schnell die Fotosachen verstauen und dann einen Schluck Wasser. Das Wasser war den ganzen Tag im Auto und es ist lauwarm, aber ich bin trotzdem dankbar dieses Wasser trinken zu können.

Zurück am Hotel gibt es überhaupt keine Parkplätze mehr. Die Leute parken einfach überall, auf durchgezogenen Linien, auf Sperrflächen, ganz egal, Hauptsache es ist nah am Hotel. Als Zeichen meines stillen Protestes fahre ich noch etwa 100 Meter weiter und stelle meinen Mietwagen als EINZIGES Fahrzeug auf dem leeren Parkplatz ab. Nun muss ich zwar ein paar Meter laufen, aber das wird mir nicht schaden, ich habe eh meist zu wenig Bewegung.

Als ich in unserem Zimmer ankomme ist Sandra schon fast eingeschlafen. Es geht nur schnell unter die Dusche und dann ab ins Bett. Meine stinkenden Sandalen und die verschwitzen Anziehsachen lasse ich einfach in der Badewanne liegen und schließe die Tür des Badezimmers mit aller Sorgfalt.

Endlich im Bett kann ich dann doch nicht schlafen. Mein Puls ist noch immer bei 120 und ich würde mir am Liebsten sofort die Fotos anschauen. Aber es ist schon sehr spät und Sandra möchte gern schlafen. Schließlich erinnere ich mich an alte Zeiten als ich Abends immer mit einem Kopfhörer Musik gehört habe. Meine Kopfhörer ist gleich neben mir in der Schublade und mein Telefon auch. Auf dem Telefon gibt es viele hundert Alben und mehrere tausend Songs. Ich höre mich noch ein wenig durch diese große transportable Mediathek bis ich irgendwann dann doch so müde bin, dass ich mit einem letzten Reflex den Kopfhörer ausschalte und das Handy beiseite lege.

Was für ein Tag….