Teneriffa 2014/15 – Silvester unter Sternen

The Stone Monster is waiting for new tourists....

Tag 21 – 31. Dezember 2014

Nun bin ich schon seit drei Wochen auf Teneriffa. Kurz vor der Abreise hat mich noch irgend ein Virus erwischt und für fast zwei Wochen umgehauen. So war die Anreise kein Zuckerschlecken und während der ersten Tage habe ich mich noch so richtig krank gefühlt. Das ist inzwischen vergessen, die Lebenslust ist wieder zurück. Ich fühle mich ausgeruht und unternehmenslustig, diese Insel bewirkt Wunder, jedes Jahr aufs Neue.

Weil ich mich wieder recht gut fühle und die überflüssigen und überbewerteten Sylvester-Parties vor der Türe stehen, überlege ich am Morgen was ich den Tag über unternehmen will. So recht fällt mir nichts ein, so gammle ich lange im Hotel herum und verbringe einige Zeit damit auf dem Balkon zu sitzen und zwei Artikel für meinen BLOG zu schreiben. Dabei macht es mich fast wahnsinnig, dass immer wieder die WiFi-Verbindung ausfällt und alles nur im Schneckentempo funktioniert. Später am Abend treffe ich mich mit Ines, André und Wolfgang in La Paz dem deutschen Viertel von Puerto de la Cruz. Wir wollen die Fotos unseres Shootings austauschen.

Auf der Speicherkarte habe ich satte 42 GB Bildmaterial das meine Olympus OM-D E-M1 während unserer Foto-Session am Montag darauf gespeichert hat. André hat eine kleines Notebook dabei, der Akku ist ziemlich am Ende und so landen wir schließlich in einer Pizzeria neben einer Steckdose. Doch der Datentransfer dauert länger als die Pizzeria geöffnet hat und so müssen wir die Segel streichen. Ines und André nehmen meine Speicherkarte mit und wir vereinbaren uns am nächsten Tag um 12h in meinem Hotel zu treffen.

Zurück im Hotel haben schon die Vorbereitungen für die große Sylvester-Gala im Hotel begonnen. Überall rennen die Frauen in aufwändigen Abendkleidern herum, einige der Männer tragen sogar einen Anzug. Bei den meisten Anzügen sieht es allerdings aus als wenn sie vor 5-6 Jahren zuletzt korrekt gesessen hätten. Ich habe nur Turnschuhe und Trekking-Kleidung dabei. So mag ich mich nicht unter das Volk mischen, somit fällt das Abendessen für mich heute aus. Seit dem Frühstück habe ich noch nichts rechtes gegessen. Im Kühlschrank gibt es noch ein Stückchen leckeren Schweizer Käse, das muss für heute reichen.

Gegen 21h geht es los hinauf in die Canadas del Teide. Den ganzen Tag über hatten wir einen wunderbar klaren blauen Himmel, vielleicht kann ich heute mal ein paar Sterne oder die Milchstraße sehen, schauen wir mal…

Der Weg hinauf zum Teide ist sehr einsam, es kommt mir auf der gesamten Strecke nur ein Auto entgegen. Kurz hinter der Repsol-Tankstelle oberhalb von La Orotava steht ein Wegweiser nach „Aguamansa“. Dort ist die Forellenzucht an der ich schon so oft vorbei gefahren bin. Hier beginnt die „Abkürzung“ die ich bis lang erst zweimal bergab gefahren bin. Heute versuche ich es mal bergauf. Mein OPEL Astra hat hier ganz schon zu arbeiten. Die Straße geht über weite Strecken extrem steil bergauf, es kommt mir vor als wären es annähernd 45°. Meist kann ich nur im 1. Gang fahren weil im 2. Gang er Motor abstirbt.

Wieder an der Hauptstraße angekommen hat alles gut geklappt und ich werde die Abkürzung wohl noch des öfteren fahren, so spart man wirklich viel Zeit und etliche Kilometer sowie echt viele Kurven! Mit einem Motorrad würde ich diese Straße allerdings eher nicht fahren wollen. Hier zu wenden ist mit einem schweren Motorrad fast unmöglich und wenn man hier plötzlich halten muss, so ist es nicht abwegig einfach aus versehen umzukippen weil die Schwerkraft stärker ist.

In den Canadas angekommen ist der Himmel mit einzelnen Wolken überzogen. Es könnte also was werden mit den Sternen, aber nur wenn die Wolken abziehen!

Irgendwann so gegen 23h bin ich bei den Los Roques de Garcia. Mit dabei sind die Nikon D800E samt AF-S 2,8/14-24mm und meine Olympus OM-D E-M1 mit einem kleinen Fuhrpark unterschiedlichster Objektive. Außerdem habe ich noch die Nikon 1 V3 im Rucksack, ich will mal schauen wie sich sich bei Nacht so schlägt.

Es ist extrem windig und das Thermometer im Auto zeigt saukalte 3°C. Eigentlich wäre es auf einer guten Party vielleicht doch ganz nett? Egal, ich habe mich gegen gezwungene Fröhlichkeit unter Menschen entschieden die ich eigentlich gar nicht kenne!

Die ersten Fotos mit der Nikon D800E sind dann auch sehr überraschend. Obwohl der Mond nur etwas zur Hälfte zu sehen ist leuchtet er so hell, dass ich bei ISO-800 mit Blende 2.8 und 30s Belichtungszeit völlig korrekt belichtete Fotos hinbekomme, das ist echt cool. Sterne sehe ich indes nur wenige, der Mond ist so hell, dass er einfach alles überstrahlt. Vor ein paar Tagen als ich mit meinem Sohn Leon hier oben war, da wäre es gut gewesen, aber da kam der Calima mit seinem fiesen Sahara-Sandstaub…

Aber auch meine Olympus OM-D E-M1 schlägt sich nicht schlecht. Hier habe ich eines der Fotos das ich mit dem Leica 1,2/42,5mm Nocticron aufgenommen habe.

Roque Chincado at Night - Olympus OM-D E-M1 & Leica Nocticron 1,2/42,5mm

Heute gibt es auch einige Wolken, aber weil es so stürmisch ist, ziehen sie sagenhaft schnell am Himmel dahin. Ich fotografiere mich meinen beiden Kameras parallel, während die Nikon die Rauschunterdrückung ausführt flitze ich zur Olympus, wähle ein etwas anderes Motiv und starte die Belichtung, dann geht es zurück zu D800E. Auf Dauer ist es ein echtes Gehetze und einmal vergesse ich die Kette die einen Teil des Areals umgibt und lege mich beinahe voll auf die Nase.

Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm versus Olympus OM-D E-M1 & Panasonic 4/7-14mm

Der U(m/n)fall

Weil es so extrem windig ist habe ich mich schon in den Windschatten eines großen Felsbrockens zurückgezogen, aber der Wind pfeift hier trotzdem noch ganz ordentlich. Während ist mal wieder an meiner großen schweren Nikon D800E hantiere frischt der Wind erneut auf. Ich muss daran denken wie mir im Jahr 2009 mein Stativ in der Wave bei den Coyote Buttes North umgekippt ist, das will ich nicht noch einmal erleben. Schnell mache ich einige hastige Schritte auf meine schöne Olympus OM-D E-M1 zu, als das Unglaubliche passiert. Der Tragegurt der Kamera weht wie eine Fahne im Wind und plötzlich kippt das ganze Stativ samt Kamera wie von Geisterhand bewegt einfach um. Das Stativ ist ein wunderbar leichtes Modell des Herstellers BENRO das aus einer Mischung aus Aluminium und Magnesium gefertigt ist. Grundsätzlich ist das eine echt feine Sache, aber heute wäre ein schönes schweres GITZO Stativ die bessere Wahl gewesen. 😦

Als ich meine Kamera erreiche liegt sie schon auf dem felsigen Boden. Aber sie ist in einen ganz kleinen Haufen mit etwas Sand gefallen und das 7-14mm Ultraweitwinkel-Objektiv hat nur eine kleine Schrammen abbekommen. Hui das ist noch einmal gut gegangen!

Bei den nächsten Fotos spreize ich die Beine des leichten Stativs deutlich weiter ab, so dass es sicherer steht und die Kamera einen etwas niedrigeren Schwerpunkt hat.

Während ich Bild um Bild aufnehme kommen immer mal wieder Autos vorbei. Es ist kurz vor dem Jahreswechsel, sie fahren zweimal um den Kreisverkehr gleich nehmen mir, es gibt ein paar Knaller und dann ist der Spuk auch schon wieder vorbei. Mich nervt das eher und das Licht de Scheinwerfer stört auch beim Fotografieren.

Also gehe ich ein paar Meter in Richtung Roque Chincado. Aber jetzt kommen sogar ein paar Motorräder angeknattert. Und immer wieder werden Knaller und Raketen gezündet, nicht einmal am Fuße des höchsten Berges der Spanier hat man an Sylvester seine Ruhe…

Gegen 2h am Morgen ist der Spuk dann vorbei, es ist Ruhe eingekehrt. Aber nun ist der Himmel mit dicken Wolken überzogen. Ich mache noch ein paar letzte „Abschiedsfotos“ mit meiner kleinen Nikon 1 V3 und dem 2,8/10mm Objektiv (FX: 27mm). Diese Bilder sehen sogar überraschend gut aus, nur das Fokussieren bereitet in der Dunkelheit Probleme. Während ich mit der Olympus in Verbindung mit dem lichtstarken Leica Nocticron 1,2/42,5mm im Mondlicht sogar sehen kann was ich fotografieren will und irrwitziger Weise sogar der Autofokus funktioniert, sehe ich im Display der Nikon 1 V3 nur Bildrauschen. Ich muss quasi „blind“ fotografieren. Also Kamera aufstellen, Foto abwarten, Position auf dem Stativ verändern, warten, ändern, warten, ändern, das ist nicht wirklich toll. Erst der Wechsel zur ISO-Automatik mit ISO-6500 schafft letztlich Abhilfe. Damit ich das kleine 10mm Objektiv korrekt fokussieren kann, habe ich meinen neuen grünen Laserpointer dabei den ich mir einige Wochen zuvor bei PEARL bestellt habe. Das Ding kann ich via USB aufladen und es sieht aus wie ein Kugelschreiber. Dabei ist der grüne Laserpointer ausreichend hell um auf einem etwa 20 Meter entfernten Felsen einen Lichtfleck zu erzeugen, der vom Autofokus der Nikon 1 V3 erkannt wird. Ich stelle also den Autofokus zunächst auf AF-S und schiebe ein einzelnes Autofokus-Messfeld an eine Stelle an der ein etwa 50 Meter weit entfernter Fels zu sehen ist. Dann peile ich die gleiche Stelle mit dem Laserpointer an und betätige kurz ganz leicht den Auslöser der Kamera. Nachdem sie korrekt auf den „Lichtfleck“ des Laserpointers fokussiert hat, schalte ich den Autofokus wieder auf M wie „Manuell“ zurück. Fortan ändere ich nichts mehr an der Fokussierung und schalte die Kamera auch nicht aus und wieder ein.

Shooting Nikon D800E while shooting El Teide

Die Fotos aus der Nikon 1 V3 zeigen bei ISO-800 ein deutliches Rauschen, das ich aber später mit dem NIK Filter „Define“ recht leicht entfernen kann. Für das eine oder andere gepflegte „Erinnerungsfoto“ ist die Qualität der Fotos aus der Nikon 1 V3 durchaus ausreichend. Bei der Olympus OM-D E-M1 sind die Ergebnisse erwartungsgemäß ein wenig besser. Aber an die Fülle der Details welche die Nikon D800E mit dem 2,8/14-24mm Objektiv selbst bei Mondlicht liefert kommt sie erwartungsgemäß einfach nicht heran. Auch wenn die Olympus Werbestrategen schreiben „Besser als DSLR“, das ist Blödsinn! Physik kann man nicht überlisten und ein viermal größerer Chip wird auch in 100 Jahren noch bessere Bildergebnisse liefern.

Aber die Ergebnisse die sich nachts mit der Olympus OM-D E-M1 können sich trotzdem sehen lassen. Auch sind Features wie Live-BULB und Live-Composite sehr interessant und bei der Nikon D800E gar nicht vorhanden!

Nikon D800E versus Olympus OM-D E-M1 - Olympus

Hier zum Vergleich ein fast identisches Foto aus meiner Nikon D800E.

Nikon D800E versus Olympus OM-D E-M1 - Nikon

Nach etwa vier Stunden in bitterer Kälte und fiesem Wind muss ich die Segel streichen. Ich spüre meine Füße kaum noch und die Kälte kriecht jetzt langsam aber sicher in alle Ritzen. Am Auto fällt es mir schwer meine schweren Wanderstiefel gegen die leichten Turnschuhe zu tauschen. Die Finger sind von der Kälte ganz steif, trotz der Handschuhe.

Diese musste ich immer wieder ausziehen, denn sowohl die Nikon 1 V3 als auch die Olympus OM-D E-M1 kann man mit Handschuhen praktisch nicht bedienen. Auch funktioniert der Touchscreen der Kameras mit Handschuhen nicht. Bei meiner Nikon D800E sind alle Bedienelemente größer und die Abstände dazwischen deutlich weiter. Auch hat der Auslöser einen deutlich fühlbaren Druckpunkt. Hier merkt man eben, dass dieses Kamera von Profis für Profis gemacht wurde. Eine Nikon D800 oder auch die D3, D4 usw. muss eben auch in der Arktis beim Fotografieren von Eisbären und Pinguinen funktionieren. Hier wäre man mit einer Olympus OM-D E-M1 total aufgeschmissen.

Shooting at night with the Nikon 1 V3

Das Verstauen meiner Ausrüstung geschieht fast in Zeitlupe, irgendwie bin ich durch das lange Herumstehen in der Kälte kaum noch in der Lage mich „flüssig“ zu bewegen. Als ich endlich den Motor starte kommt es mir in den Sinn, das ich noch schnell einen neuen Teil  für „Ansgar’s kleine Fotoschule“ aufnehmen könnte. Aber mir ist so kalt, erstmal muss ich mich aufwärmen. So fahre ich einige Kilometer bis ich kurz vor dem Ende der Canadas seitlich neben der Straße anhalte um mit meinem HTC ONE M8 schnell ein kleines YouTube-Video aufzuzeichnen.

Dieses Vorhaben dauert letztlich doch etwas länger, weil ich immer wieder husten muss, die eisige Luft fordert ihren Tribut. Nach etwa 45 Minuten ist aber alles fertig und ich mache mich auf den Weg zum Hotel. Dort angekommen bin ich so aufgekratzt, dass ich erst noch einige der Fotos anschauen und meine vielen Neujahrsgrüße lese und beantworte. Als ich endlich im Bett liege ist es schon fast 5h am Morgen, was für ein abgedrehtes Silvesterfest…

Nikon D800E – Sonnenuntergänge fotografieren

Die Sonne ist der Quell des Lebens und Sonnenuntergänge mit kräftigen Farben ziehen tagtäglich viele Millionen Menschen in ihren Bann. Ganz gleich wo man sich in Gesellschaft anderer Menschen einen Sonnenuntergang anschaut, es zückt immer wieder der eine oder andere ein Handy, eine Kompaktkamera oder anderes fotografisches Gerät um den Moment festzuhalten. Gleiches gilt natürlich auch für Sonnenaufgänge, nur ist man dort meist „unter Gleichgesinnten“ weil sich kaum ein Urlauber früh am Morgen aus dem Bett quält um einen Sonnenaufgang zu fotografieren.

Leider versauert die Mehrzahl dieser Fotos später auf den Festplatten dieser Welt. Die Gründe sind vielfältig, doch oft sehr ähnlich – die extremen Kontraste sind zu heftig, es gibt fiese Lensflares, die Farben sind blass, das Bild ist hoffnungslos unterbelichtet usw. Dass es mit einfachen Mitteln auch anders geht, das will ich Euch heute zeigen.

Der Zeitpunkt

Hier habe ich nun ein Beispielfoto in voller 36 MPix Auflösung für Euch. Es ist im letzten Dezember am westlichsten Zipfel von Teneriffa entstanden und zeigt einen Sonnenuntergang über La Gomera.

La Gomera Sunset - Nikon D800E - Full Size

Welche Zutaten braucht man für ein solches Foto? Ich denke zuallererst braucht man eine ordentliche Portion GLÜCK. Denn ohne eine „lockere Bewölkung“ ist die Mehrzahl der Sonnenuntergänge völlig langweilig. Dann braucht man ein Gespür für den richtigen Zeitpunkt. Meist ist etwa 15 bis 20 Minuten NACH dem Untergang der Sonne das Licht ganz wunderbar, die Kontraste sind mild und die Farben kräftig. Hat man das Gespür für den richtigen Moment noch nicht, so kann man es sich mit etwas Zeit erarbeiten. Man stellt sich etwa 30 Minuten VOR Sonnenuntergang an eine zuvor ausgesuchte Position und nimmt dann etwa 90 Minuten lang alle 5 bis 10 Minuten eine kleine Belichtungsreihe auf, falls die verwendete Kamera dies hergibt.

Später schaut man sich die Fotos in aller Ruhe an und findet so anhand des „Zeitstempels“ der Fotos heraus welche Zeit für ein eindrucksvolles Foto wirklich perfekt war. Bei der nächsten abendlichen Fotosession versucht man nun genau diesen Moment abzupassen. Wer einfach ein paar Bilder schießt und „gleich wieder abhaut“ ist meistens selber schuld! Das Spiel von Licht und Farbe verändert sich während eines Sonnenuntergangs oft im Minutentakt. Für ein wirklich gelungenes Foto braucht man also auch etwas Geduld!

Der Sonnenaufgang

Es stellt sich nun die Frage, ob diese Regeln auch für einen Sonnenaufgang gelten? Meiner Meinung nach kann man dies mit einem klaren JA beantworten. Allerdings sind die Randbedingungen oft ganz anders. Nach einer kalten Nacht kann es schon mal ein mehr als frostiges Vergnügen sein irgendwo in der Wüste auf einen Sonnenaufgang zu warten. Da ist die wohlige Wärme am Ende eines langen Sommertages oft deutlich angenehmer. Aber, bis auf die Tatsache, dass das Licht von der „anderen Seite“ kommt, sind die Regeln identisch. Man sollte allerdings beachten, dass viele Motive nur morgens oder eben nur abends gut aussehen.

Hier habe ich zwei Fotos die ich im Jahr 2009 am sehr exponiert gelegenen Dead Horse Point aufgenommen habe. Man sieht sehr schön, dass das Foto bevor die Sonne herauskam schönere und deutlich kräftigere Farben zeigt.

La Sal Sunrise 1 - Nikon D300

Doch der Zeitpunkt wenn die Sonne so gerade eben zu sehen ist hat manchmal etwas magisches. Will man hier ein Foto mit schönen kräftigen Farben erzielen, so ist der richtige Zeitpunkt von allergrößter Bedeutung. Hier entscheiden einige wenige Minuten über die Qualität des Bildes. Wer auf Nummer sicher gehen will, der schießt in kurzer Folge Belichtungsreihen. Dabei sollte man den RAW-Modus aktivieren, den Autofokus abstellen, Blende 8 oder 11 wählen, die Zeitautomatik aktivieren und die Kamera auf einem Stativ positionieren. Auch einen ggfs. vorhandenen VR sollte man deaktivieren. So passen später alle Fotos perfekt deckungsgleich übereinander und man kann sich ggfs. aus zwei oder mehr Bildern via DRI-Technik das nehmen was man braucht. Alternativ kann man auch ein HDR bspw. mit Photomatix Pro erstellen.

Im folgenden Beispiel habe ich in Photoshop einfach nur zwei Bilder übereinander gelegt, bei denen die Belichtung einen Unterschied von etwa zwei Lichtwerten aufwies. Also ein „dunkles Bild“ mit bspw. 1/500s und ein „helles Bild“ mit 1/125s Belichtungszeit. Beide Bilder legt man nach der RAW-Konvertierung bspw. in Photoshop übereinander und erstellt mit dem Verlaufswerkzeug eine einfache Ebenenmaske. Im folgenden Beispiel habe ich das „helle Bild“ über das dunkle Bild gelegt und via Verlaufswerkzeug und Ebenenmaske den unteren Teil des „hellen Bildes“ sichtbar gemacht.

La Sal Sunrise 2 - Nikon D300

Das Motiv

Eine weitere Zutat für ein gelungenes Foto sind Objekte im Vordergrund des Bildes. Ist hier ein schönes Tal mit Weinbergen, eine alte Burg, ein Leuchtturm oder ähnliches zu sehen, so wertet dies die meisten Fotos ungemein auf. Wer seine Sonnenuntergänge so fotografiert, dass man nur knallig bunte Wolken sieht, der muss sich über langweilige Ergebnisse nicht wundern.

Hier habe ich ein Beispielfoto das ich im Jahr 2010 am Horse Shoe Bend nahe der Stadt Page in Arizona aufgenommen habe. Am Rande einer mehrere hundert Meter tiefen Schlucht kann von oben auf den Colorado River sehen, der später durch den Grand Canyon fließen wird. Der Horse Shoe Bend ist eher eine „Evening-Location“ – die besten Fotos macht man dort also eher zum Sonnenuntergang. Im Frühling geht die Sonne nahezu in der Mitte über dieser gewaltigen Gesteinsformation unter.

Hier braucht man nun wieder eine Portion Glück und einen schönen Wolkenhimmel. In Verbindung mit dem richtigen Augenblick, dem Wissen um die perfekte Einstellung seiner Kamera und ein wenig Erfahrung mit der digitalen Bildbearbeitung lassen sich so beeindruckende Fotos erstellen.

Auch dieses Bild habe ich aus zwei unterschiedlich belichteten Bilder zusammengefügt. Der obere Bildbereich ist wieder etwa 2 Lichtwerte geringer belichtet als der untere Bildbereich. Die „Naht“ verläuft ganz knapp unter dem Horizont und sie wurde ganz einfach mit dem Verlaufswerkzeug und einer Ebenenmaske erstellt. Alternativ könnte man auch einen dichten Grauverlaufsfilter einsetzen. Dieser sollte aber nach Möglichkeit verschieben lassen, wie bspw. ein Cokin-Filter. Nur so lässt sich ein Teil des Bildes gezielt abdunkeln ohne dass man beim Bildaufbau den Filter berücksichtigen muss.

Horse Shoe Bend Sunset - Nikon D300

Der Bildaufbau

Die Sonne ist meist auch der Mittelpunkt unseres Lebens und das mag der Grund sein warum viele Fotofreunde bei Sonnenaufgängen oder Sonnenuntergängen wenig über den Aufbau ihrer Bilder nachdenken und die Sonne einfach in der Bildmitte anordnen. Hier habe ich ein Foto das ich im Jahr 2009 im Canyonlands Nationalpark direkt vor dem sogenannten MESA Arch aufgenommen habe. Es war Winter und die Sonne geht in dieser Jahreszeit sehr weit „rechts“ auf. Würde man an gleicher Stelle etwa 4 Monate später das gleiche Foto versuchen, so wäre die Sonne bei gleicher Perspektive etwa in der Bildmitte.

Seine Spannung schöpft dieses Bild genau daraus, dass die Sonne NICHT in der Bildmitte sondern im rechten Drittel des Bildes angeordnet ist. Doch was dem Bildaufbau zuträglich ist, quittiert praktisch jedes Objektiv mit starken Spiegelungen und Reflektionen an den Linsenoberflächen. Diese so genannten „Lensflares“ sehen nicht nur blöd aus, sie reduzieren auch drastisch den Bildkontrast und führen zu flauen Farben.

Um dennoch ein  brauchbares Ergebnis zu erzielen habe ich bei diesem Bild den „Fingertrick“ benutzt und bei manuell eingestellter Zeit & Blende zwei Belichtungsreihen mit jeweils 9 Bildern mit 1.0 EV (Ein Lichtwert) Unterschied bei der Belichtung aufgenommen. Wie der „Fingertrick“ funktioniert, das könnt ihr HIER nachlesen.

Mesa Arch - La Sal Sunrise

Die andere Seite

Meiner Meinung nach wir die „andere Seite“ der Sonnenuntergänge viel zu häufig sträflich vernachlässigt. Denn erst im milden letzten Abendlicht zeigen sich viele Motive von ihrer schönsten Seite. Hier habe ich ein Foto des Delicate Arch im Arches Nationalpark in Utah, das ich im Jahr 2009 mit meiner Nikon D300 aufgenommen habe. Die Sonne war längst weg und das weiche  Licht verleiht der Szenerie etwas unwirkliches.

Arches NP #6 - Nikon D300

Das nächste Beispielfoto habe ich ebenfalls im gleich Jahr am Dead Horse Point aufgenommen. Es stammt aus der gleichen Fotosession wie die beiden Sonnenaufgangsfotos weiter oben. Allerdings ist es etwa 15 Minuten nach Sonnenaufgang entstanden. Zeigen will ich Euch damit, dass es sich durchaus lohnen kann nachdem das Schauspiel vorbei ist Ausschau nach Motiven zu halten die im ersten Morgenlicht gut aussehen. In diesem Bild ist sind besonders der Schattenwurf an den Klippen des Colorado River interessant. Wegen des weichen Lichts kommt dieses Foto ohne weitere technische Tricks aus.

Canyonlands Sunrise - Nikon D300

Und man sieht auch hier, dieses Motiv ist eher eine „Morning-Location“.

Zum Abschluss habe ich hier noch ein Foto das ich im Juli  2013 im Süd-Westen von La Palma aufgenommen habe. Der Himmel war mehr als langweilig, aber der Gesteinsbogen im Vordergrund hat mich sehr fasziniert. Wirklich cool waren die beiden Jungs die sich mit kleinen Surfboards im warmen Wasser des Atlantiks vergnügt haben. Der Boden war glitschig, die Hitze immens und es fielen  immer wieder kleine Steine von der Felsenklippe auf mich hinab. Trotzdem war dies einer der schönsten Momente dieser Reise.

Nikon D800E - Nikkor AF-S VR 4/16-35mm

Um den Gesteinsbogen komplett abbilden zu können, habe ich für das Foto eine sehr kurzen Brennweite verwendet. Dadurch wird die Sonne nur noch als winzig kleiner heller Punkt abgebildet. Dieser Umstand verringert die Bildung störender Lensflares ganz enorm. Man könnte sagen, je kürzer die Brennweite ist, umso einfacher lässt es sich direkt in die Sonne fotografieren.

ABER: Wer mit sehr kurzen Brennweiten direkt in die Sonne fotografiert, der muss meist sehr kurz belichten und am Objektiv eine sehr kleine Blende einstellen. Dies führt bei extremen Weitwinkelobjektiven dazu, dass selbst kleine Staubpartikel oder Wassertropfen auf der Frontlinse deutlich sichtbar werden. Die Schärfentiefe eines extremen Weitwinkel-Objektives sollte man nicht unterschätzen! Wer wirklich schöne Ergebnisse erzielen will muss hier also sehr penibel auf eine saubere Frontlinse achten!

Fazit

In der Landschaftsfotografen ist das Licht die wichtigste aller Zutaten für gelungene Fotos. Mit ein wenig Planung und Glück lassen sich tolle Fotos erzielen, aber man muss auch wissen was man tut. Einfach die Kamera in die Sonne zu halten und abzudrücken, das reicht für wirklich stimmungsvolle Fotos nicht aus.

Im Vorteil ist, wer die Location kennt und seine Motive planen kann. Hilfreich ist hier auch die kostenlose Software „Google Earth“. Wer sich ein wenig damit beschäftigt wird schnell die Simulation des Sonnenstandes zu schätzen lernen. Für aktuelle Smartphones gibt es außerdem hilfreiche APPs mit denen sich der Winkel des einfallenden Lichts in Abhängigkeit von Jahreszeit, Uhrzeit und Geo-Location bestimmen lässt. Mit diesen kleinen Hilfsmitteln muss man sich auseinander setzen, aber wenn man den Knoten erst einmal durchtrennt hat, so gelingen immer wieder stimmungsvolle Fotos die vielen Betrachtern ähnliche Laute wie beim Anblick eines schönen Feuerwerk zu entlocken vermögen. Und genau das ist es ja was wir Fotografen suchen, den WOW-Effekt bei den Betrachtern unserer Fotos 🙂