Fuji X100 – Praxistest in der Schweiz – Tag 1

Fuji X100 - Infrarot Sunset in Buochs am Vierwaldstätter See

Nach einigen Monaten ohne Urlaub freuen wir uns unbändig auf ein paar freie Tage. Es soll in die Schweiz gehen, ein genaues Ziel haben wir nicht, irgendwas in der Nähe von Luzern wäre schön. Luzern kenne ich sehr gut, dort habe ich mehrere Jahre gearbeitet und bin rund um Luzern schon viele tausend Kilometer mit dem Motorrad unterwegs gewesen.

Als wir in Mainz starten zeigt das Thermometer 21°C, Sekunden später ist das Dach geöffnet. Unser erstes Ziel ist Ebersheim. Dort interessiere ich mich für eine kleine Wohnung und es könne mein neues Zuhause werden. Nach einer kurzen Stippvisite und einem Frühstück in der Nähe von Nieder-Olm geht es weiter. Im Navigationssystem gebe ich Colmar in Frankreich als Zwischenziel ein. So sucht sich das Navigationssystem einen schönen Weg durch das östliche Frankreich. Auf den französischen Autobahnen ist nicht viel los, auch mutet es so an als hätten die Franzosen heute keinen Feiertag.

Kurz vor Basel wechseln wir über den Rhein zurück auf die A5. Beim letzten Rastplatz vor der Grenze halten wir kurz an und kaufen für 35 Euro eine Vignette. Es ist bereits Juni und diese Vignette ist schon zur Hälfte abgelaufen. Eigentlich ist es total unfair, dass man den vollen Preis bezahlen muss, auch wenn man sie nur noch 7 Monate nutzen kann!

Aber ich will einen kleinen Trick versuchen. Im Handschuhfach habe ich etwas TESA-Film. Damit kleben wir die Vignette vorsichtig von innen in die Windschutzscheibe. So kann ich sie später „spurlos“ entfernen und sie vielleicht bei einer Herbsttour mit dem Motorrad erneut benutzen.

An der Grenze bei Basel müssen wir eine Weile warten, das Thermometer klettert auf fast 30 Grad. Wir kühlen uns die Füße mit der Klimaanlage. Als wir an der Reihe sind will ich unsere Reisepässe zeigen aber einer der drei Grenzbeamten winkt uns durch. Als ich gerade auf das Gaspedal treten will reißt er den Arm hoch und springt vor mein Auto. Was ist jetzt? Wie Terroristen sehen wir doch gar nicht aus, eher wie übergewichtige Spießbürger.

Aus dem Augenwinkel hat er gesehen, dass die Vignette verkehrt herum am Fenster klebt. Die „12“ ist auf der Klebeseite ROT auf der Innenseite WEISS. Auf der Innenseite ist noch das schützende Stück Papier und ihm ist es aufgefallen. „Das ist nicht zulässig!“ sagt er mir mit bestimmter Stimme. Wir müssen die teure zur Hälfte abgelaufene Vignette von der Scheibe lösen. er zieht das Papier der Unterseite ab und dann wird sie so in die Windschutzscheibe geklebt, dass man sie garantier nicht abbekommt ohne sie zu zerstören. Na prima…

Ziemlich verärgert setzen wir unserer Reise fort. Stau haben wir bis Luzern nicht mehr und ich bin erstaunt, dass die Großbaustellen rund um Luzern inzwischen alle fertig sind. Durch blitzblanke neue Tunnel fahren wir in Richtung Buochs. Dort kenne ich das kleine Hotel „Rigiblick am See“. Als wir dort ankommen ist es fast 17h, wir sind hungrig und so bin ich froh, dass wir ein Doppelzimmer für 208,- Euro bekommen. Schnell sind unsere Koffer hoch getragen. Kurz darauf genießen wir ein tolles Essen mit Vorspeise, tollem Schweizer Weißwein und einer großen Portion Fischknusperli mit Salat. Zum Dessert gibt es einen Espresso und eine gebrannte Creme mit Rahm. Was für eine Kalorienbombe…

Als wir gerade fertig sind fallen die ersten Regentropfen und wir helfen den Kellnerinnen schnell die Sitzkissen einzusammeln. Kurz drauf kommt die nette Dame die mir das Zimmer 35 gezeigt hat, gesekten Blickes auf mich zu. „Ich habe gerade einen Rüffel vom Chef bekommen. Er meint das Zimmer 35 wäre nicht so schön und ich soll ihnen doch das Zimmer 31 mit Seeblick geben. Ich hoffe sie haben noch nicht ausgepackt?“

Das haben wir nicht! Und so sitzen wir ein paar Minuten später mit einem breiten Grinsen auf einem Balkon in der 3. Etage und haben einen vorzüglichen freien Blick auf den Vierwaldstätter See und einige Viertausender am Horizont. Was für ein schöner Tag.

Auch wenn ich mich nach der vielen Futterei kaum noch bewegen kann, so zücke ich doch meine Fuji X100, montiere sie auf mein kleines leichtes Manfrotto Stativ und schraube verschiedene Filter vor das Objektiv. Später am Notebook gefallen mir dann die Bilder die ich mit dem Infrarot-Filter gemacht habe irgendwo am allerbesten. Das Geniale dabei ist, dass die Camera das wenige Licht das den Filter auf den Chip fällt so gut aufbereitet, dass man entweder im Hybridsucher oder auf dem rückwärtigen Display sein Motiv ganz perfekt komponieren kann. Bei der Nikon D700 geht dies beispielsweise nicht. Da muss man sein Bild OHNE den Infrarotfilter komponieren und den Filter ständig an- und wieder abschrauben. Das ist sehr lästig und wer es mal gemacht hat wird die X100 speziell bei der Infrarot-Fotografie sehr zu schätzen wissen!

Hier noch ein Infrarot-Bild aus der genialen kleinen Fuji Finepix X100.

Fuji X100 - Infrarot Sunset in Buochs am Vierwaldstätter See

Während wir den Abend bei einigen Leckereien aus der Minibar ausklingen lassen sind wir froh und glücklich, dass diese Reise so wunderbar begonnen hat.

Fuji X100 – Praxistest in der Schweiz

Es ist Donnerstag und wir haben lange geschlafen weil heute ein Feiertag ist. Den Freitag haben wir frei und die nächste Woche können wir auch machen was wir wollen. Was für ein Luxus 🙂

So (ähnlich) wird unsere Route aussehen:

Reiseroute von Mainz nach Luzern

In den nächsten Tagen wir die geniale kleine Fuji X100 beweisen müssen was in ihre steckt. Mit im Gepäck sind verschiedene Speicherkarten, Verlaufsfilter, ein Polfilter und endlich einmal wieder ein Infrarotfilter. Natürlich noch ein Stativ und ein Drahtauslöser. Das Wetter soll sehr durchwachsen sein. Wenn es zu fies wird, fahren wir einfach weiter nach Italien. Schließlich sind wir frei wie die Vögel und keine Pauschaltouristen 🙂

Hier ein kleiner Vorgeschmack, diese Fotos habe ich Mai 2008 mit einer Nikon D300 rund um Luzern aufgenommen. Alle Fotos sind wieder 1000 Pixel breit, also anklicken wenn es größer sein soll.

Mit der Gongel hoch zur RIGI - Blick auf den Pilatus

Blick von der RIGI hinüber zum Pilatus

In Luzern an der Reuss

Abendstimmung mit Blick auf den Pilatus bei Weggis am Vierwaldstätter See

Abendstimmung mit Blick auf den Pilatus bei Weggis am Vierwaldstätter See

Ja, dann mal los…

Fuji X100 – Bilder ohne Nachbearbeitung, geht das?

Inzwischen kennen die meisten unter Euch die „Erste Regel“ der digitalen Fotografie „Shoot RAW!“ Doch RAW-Bilder sind auch groß und manchmal unhandlich. Ist man auf langen Reisen unterwegs und möchte nur hier und da eine kleine Erinnerung aufzeichnen, so muss es nicht immer das RAW-Format sein. Der Schlüssel zum Erfolg liegt hier in der sofortigen kritischen Kontrolle der Ergebnisse und der Beherrschung aller für die kamerainterne RAW-Konvertierung relevanten Parameter.

Macht man hier alles richtig, so liefert die kleine Fuji Finepix X100 überraschend gute Ergebnisse. Die Möglichkeiten der Nachbearbeitung sind wegen des kleineren Farbraums usw. gegenüber den RAW-Bildern aber deutlich eingeschränkt, oft jedoch durchaus ausreichend. Die wichtigen Parameter sind Weißabgleich, Belichtung, Filmsimulation, Schärfe, Sättigung, Dynamik usw. Mit ein wenig Übung findet man hier die für das gewünschte Bildergebnis passenden Einstellungen und kann in Ausnahmesituationen auch mal gegen die „Erste Regel“ verstoßen 🙂

Hier habe ich einige Beispielbilder die für Euch vor einigen Tagen in Monschau an der Grenze zu Belgien aufgenommen habe. Alles ist komplett unbearbeitet, so wie die Kamera die Bilder auf die Speicherkarte geschrieben hat. Ich habe alle Bilder zusätzlich im RAW-Format aufgenommen, daher sind die JPG-Dateien auf 3 Megapixel reduziert. Um daraus ein Bild im Format 10×15 für das Fotoalbum zu machen ist das noch immer mehr als ausreichend.

Aber seht selbst – Die Bilder einfach anklicken um sie im Original zu öffnen…

 

Hier noch ein „Negativbeispiel“ für ein Bild mit „irreparablen“ Überstrahlungen. Die grelle Sonne macht es hier dem Belichtungsmesser besonders schwer. Da hilft nur die sofortige kritische Bildkontrolle. Fallen dabei starke Überstrahlungen auf, so kann man den Belichtungsmesser entsprechend korrigieren, das geht bei der X100 ganz besonders einfach. Oder man nimmt einfach gezielt einzelne Fotos im RAW-Format auf. Auch hier ist die korrekte Belichtung essentiell wichtig, aber es ist einfach mehr Spielraum vorhanden um dunkle Bildbereiche so aufzuhellen, dass sich letztlich noch ein gutes Resultat erzielen lässt.

Hier noch ein Beispiel für ein Motiv das ich im Abstand von etwa zwei Stunden für Euch aufgenommen habe. Beim ersten Bild steht die Sonne noch sehr hoch und die Schatten sind wirklich krass. Der Eingangsbereich der kleinen Kapelle liegt fast komplett im Schatten des Vordachs. Ein idyllisches Motiv, aber nicht schön eingefangen.

Hier ist der Stand der Sonne günstiger, aber die Belichtung ist etwas zu knapp gewählt, das Ergebnis ist unbefriedigend.

Hier das gleiche Bild nach der RAW-Konvertierung und voller Auflösung – einfach anklicken…

Konvertiertes RAW-Bild aus Fuji Finepix X100 - Beispielbild - Monschau

Die Steine im Wasser sind nicht mehr überstrahlt und die dunklen Bildbereiche rechts im Bild haben noch deutlich Zeichnung und zeigen keine Artefakte. Der Weißabgleich ist zu dem etwas wärmer gewählt und die Abbildungsfehler des Objektives sind korrigiert. Schaut man sich das Bild in Originalgröße an, so ist es scharf bis in die Ecken und jedes einzelne Blatt ist deutlich erkennbar. Die RAW-Konvertierung ist nicht unbedingt perfekt aber sie zeigt wie viel mehr in den RAW-Bildern steckt.

Mein Fazit

Bilder „Out-of-the-Cam“ – ich denke es geht solange die Lichtsituation nicht zu schwierig ist. Wer mit Speicherplatz geizen muss und keine sehr hohen Ansprüche an die technische Qualität seiner Bilder stellt, der kann zwischendurch auch einfach mal nur den JPG-Modus benutzen. Im wesentlichen müssen hier die Belichtung und der Weißabgleich kontrolliert eingesetzt werden. Dann sind die Ergebnisse in der Regel ganz brauchbar.

Wer aber aus seiner Kamera das letzte BIT herausholen möchte, der kommt auch bei der X100 nicht um die Nutzung des RAW-Modus herum.

Also: SHOOT RAW – IF POSSIBLE

10 Jahre Nikon-Fotografie

Das Vorhaben alle meine CD’s in die Apple iCloud zu kopieren gestaltet sich zunehmend als schwierig. Hunderte von CD’s warten noch in Kisten und Kartons auf den Weg in die iCloud aber sie ist voll! Da heißt es jetzt „selektieren“ – auch wenn es weh tut – der Schrott muss weg – definitiv! Doch das gestaltet sich mehr und mehr als Abenteuer. iTunes produziert eine Fehlermeldung nach der anderen und mein „Hauptrechner“ ist unter Windows 7 seit zwei Wochen damit beschäftigt genau die Songs in die Cloud zu „pumpen“, die via iTunes-Match nicht erkannt wurden.

Es muss in großem Stil aufgeräumt werden! Zu blöd, das iTunes sogar auf dem Mac gern einfach mal abschmiert wenn man mehrere hundert Dubletten, ungeeignete Dateien und anderen Schrott aus seiner Mediathek und der iCloud löschen möchte. Aber in all dem Chaos gibt es auch kleine Lichtblicke! So ist mir doch heute eine winzig kleine MP3-Datei ins „Auge gesprungen“ die ich vor sage und schreibe 11 Jahren auf meinem Klavier im meinem Wohnzimmer mit 5 Mikrophonen, einem Mackie-Mischpult und einem DAT-Recorder aufgenommen habe.

Mit dem neuen AKG Kopfhörer klingt das gar nicht mal schlecht, eigentlich sogar gut genug um es nicht auf der 2001er Weihnachts-CD versauern zu lassen. Man könnte diese „meditative kleine Perle“ bei YouTube einstellen, dann kann sie jeder hören und mir sagen wie es ihm gefällt. Mit Final Cut Pro X ist schnell ein Titel gemacht und das Lied darunter gelegt, aber das Ergebnis ist super langweilig. Eigentlich wäre eine Diashow ganz nett? Ich gebe bei der Google-Bildersuche einfach mal Ansgar Hillebrand fotocommunity ein und finde auf einen Schlag viele viele Fotos die ich im Laufe der letzten Jahre in der fotocommunity abgelegt habe. Gleich neben meinen Safari-Webbrowser ist ein Fenster des „Finders“ geöffnet. Via Drag & Drop wandert so ein Bild nach dem anderen in einen Ordner auf der lokalen Festplatte.

Doch wie macht man aus den vielen Bildern ohne großen Aufwand eine ansprechende Diashow? Da kommt mir eine Idee – auf dem Mac gibt es doch iPhoto! Damit habe ich mich schon mehrfach beschäftigt und versucht ansehnliche Fotobücher zu erstellen. Diese habe ich letztlich alle wieder verworfen weil iPhoto bei vielen Fotos kein vernünftiges Fotobuch mehr hinbekommt – Sorry Annette – es waren die Bilder Deines 50. Geburtstages – ich schäme mich ja auch – aber iPhoto kriegt das einfach nicht so hin wie ich es mir gewünscht habe… 😦

Aber vielleicht klappt es ja mit einer Diashow? Und siehe da, das ist gar nicht schwer. Es gibt verschiedene nette Vorlagen, man kann die Musik selbst auswählen, alles ganz einfach. Doch dann dauert es doch etwas länger weil ich die Fotos sortieren möchte. Einen richtigen Leuchttisch hätte ich gern, aber iPhoto stellt einfach nur alle Bilder in einer langen Reihe nebeneinander dar. Man kann sie verschieben, doch wenn es viele Bilder sind, gerät das zur Geduldsprobe. Doch letztlich ist es dann fertig! Ich exportiere die Diashow in Full HD mit allerhöchster Auflösung, das dauert eine ganze Weile, aber es klappt! Doch das Ergebnis haut mich um! Keine 5 Minuten dauert das Video und es hat 2,27 GB – was für ein Wahnsinn dieses HD-Zeitalter doch ist… Also versuche ich mich mit anderen Einstellungen. Schließlich wähle ich „Exportieren für Monitor“. Damit entsteht nach etwa 20 Minuten eine 0,23 GB große Datei – das ist ok! Man sieht zwar deutliche Spuren der krassen Kompression, aber YouTube würde auch die gewaltige Video-Datei auf eine Qualität eindampfen die nur wenig besser wäre, wenn überhaupt… Also ab damit in Richtung YouTube.

Und hier ist sie nun, meine erste iPhoto-Diashow mit lauter selbst fotografierten Bildern (relativ wahllos ausgewählt) und einem kleinen selbst gespielten Präludium von Johann Sebastian Bach aus dem Jahr 2001 – Violà…

Fuji X100 – Fotografieren bei Available-Light

Das Thema „Fotografieren bei vorhandenem Licht“ ist so alt wie die Fotografie selbst. Irgendwie ist der Titel ein wenig paradox, wie soll man ohne das vorhandene Licht fotografieren? Aber lassen wir diese Spitzfindigkeiten, es geht darum lediglich das vorhandene Licht zu nutzen und keine zusätzlichen Lichtquellen wie Blitzlichter oder Scheinwerfer einzusetzen um die Szenerie auszuleuchten. Der Einsatz von Reflektoren oder ähnlichen Hilfsmitteln ist dabei durchaus legitim, ist bei Hardcore-Available-Light-Fotografen aber verpönt.

Heute möchte  ich Euch kurz zeigen wie man mit der Fuji Finepix X100 ohne jeglichen zusätzlichen Schnickschnack sehr schön ausdrucksstarke Momentaufnahmen hinbekommt.

Als Beispiel habe ich einige Fotos die heute ganz spontan zur Mittagszeit in meinem Büro entstanden sind. Meine X100 hatte ich mehr oder wenig zufällig dabei, geplant war nichts und eigentlich wollte ich meinem Kollegen Niklas nur kurz demonstrieren, dass man mit dieser kleinen unscheinbaren Kamera im Retrokleid mehre als nur Knipsbilder machen kann. Nach dem ersten Bild hat er mich dann gefragt warum ich die Kamera zur Seite geschwenkt habe. Ganz einfach, es sieht bei den meisten Portrait nicht gut aus wenn der portraitierte Mensch mittig im Bild zu sehen ist. Schaut man bei Kinofilmen berühmter Regisseure und Kameraleute bewusst hin stellt man fest, dass auch sie diese Regel praktisch immer befolgen. In der Mitte der Fotos sind die „Verlierer“ der Filme. Die Stars und Helden stehen meist im linken oder rechten Drittel des verfügbaren Ausschnitts.

Nachdem einer kurzen Diskussion dann das gleiche Fotos mit Niklas in der Bildmitte. Die Aussage ist gänzlich anders. Dann fällt uns auf, dass die Leuchtstoffröhren an der Ecke einen (umgekehrten) V-förmigen Lichtschein auf die Wand bringen. Als Niklas mittig davor stand sah es coole aus, fast wie ein Heiligenschein. So entstanden innerhalb kürzester Zeit drei sehr unterschiedliche Fotos die Ihr hier seht. Diese Bilder könnt ihr hier sehen. Ich habe sie nur auf 590 Pixel Seitenbreite verkleinert, sie sind also völlig „ungeschminkt“. Die „getunten“ Versionen sehr ihr in etwas höherer Auflösung weiter unten. Aber nun zur Diskussion dieser Bilder…

Bild 1 - Fuji FinePix X100 - Available Light

Bild 2 - Fuji FinePix X100 - Available Light

Bild 3 - Fuji FinePix X100 - Available Light

Schaut man sich Bild 1 und 2 im Vergleich sehr genau an, wird eine Schwäche der Fuji X100 im Bezug auf die Portrait-Fotogafie sichtbar. Diese Kamera hat ein eingebautes Weitwinkelobjektiv mit fixer Brennweite. Diese Objektive sind für Portraits aus nächster Nähe meist recht ungeeignet weil sie die Proportionen der Gesichter der fotografierten Personen verzerren. Je näher man einem Gesicht kommt umso mehr tritt der Abstand zwischen Nasenspitze und Ohren negativ in Erscheinung. Fotografiert man ein Gesicht beispielsweise mit einem extremen Weitwinkelobjektiv aus nur 2-3 cm Entfernung, so wäre die Nase riesengroß abgebildet, die Ohren aber unverhältnismäßig klein. Das Ergebnis sind die „Knollnasen-Bilder“ die tagtäglich mit den Handys dieser Welt geknipst werden. Schön sind sie nicht. Wer mit der X100 ein Portrait fotografieren möchte sollte dies immer im Hinterkopf behalten – Abstand – das hier ganz wichtig.

Doch durch den Abstand gelangen auch mehr Elemente der Umgebung auf das Bild, dies lenkt oft von der portraitierten Person ab. Profis nutzen deshalb meist ein leichtes Teleobjektiv. Durch den engen Blickwinkel hebt sich die fotografierte Person schön von der Umgebung ab. Auch kann bei komplett geöffneter Blende die Tiefenschärfe so weit reduziert werden, dass Bildelemente des Hintergrundes sehr schön in Unschärfe verschwimmen. Ob diese Unschärfe schön aussieht oder nicht, daran reiben sich ebenfalls viele Fotografen. Die Hintergrundunschärfe wird meist als „Bokeh“ bezeichnet. Makroobjektive sind für höchsten Detailreichtum ausgelegt und haben oft kein wirklich tolles Bokeh, sind also für Portraits meist nicht die erste Wahl. Objektive wie das Nikon AF-D 1.4/85mm sind speziell für die Portraitfotografie konstruiert und ihr Bokeh ist meist wirklich umwerfend. Diese Objektive heben die Personen schön vom Hintergrund ab und lenken das Auge des Betrachters implizit auf das Wesentliche.

Wie sieht es diesbezüglich bei der Fuji X100 aus? Das Objektiv dieser Kamera ist 1:2.0 relativ lichtstark und liefert bei geöffneter Blende ein brauchbares Bokeh. Es ist nicht mit dem Nikon 1.4/85 zu vergleichen, aber wie man in den Beispielbildern sieht durchaus brauchbar.

Um mit der X100 ohne Stativ und Blitzlicht fotografieren zu können habe ich spontan ISO-400 eingestellt. Bei Blende 2.0 hat die Kamera dann 1/420s belichtet. Eine Bewegungsunschärfe ist damit fast ausgeschlossen, schaut man sich die Bilder im der 100% Ansicht an, so sind sie erstaunlich scharf und detailreich.

Hier ein 100% Ausschnitt:

Schaut man genau hin so sieht man, dass die Nasenspitze nicht wirklich scharf ist, die Bartstoppeln und die Wimpern aber sehr deutlich abgebildet sind. Damit wären wir beim nächsten Aspekt der Portrait-Fotografie angekommen. Die Augen der Menschen sind oft der wesentliche Aspekt eines Portraitfotos. Die Augen sollten scharf abgebildet sein, aber wie man hier sieht, beträgt die Tiefenschärfe selbst bei der X100 mit voll geöffneter Blende nur wenige Zentimeter. Hier sind Erfahrung und Präzision die besten Helfer. Es ist oft auch hilfreich mehrere Fotos nacheinander zu machen. Zum einen „entkrampft“ sich das Modell, denn es tut ja gar „nicht weh“. Zum anderen steigt mit jedem Bild die Chance, dass die Schärfeebene perfekt dort liegt wo man sie haben möchte, auf den Augen.

Fotografiert man ein Gesicht von der Seite ist es oft kaum möglich beide Augen scharf abzubilden. Hier muss man sich also entscheiden, die meisten Fotografen entschließen sich in dieser Situation das Auge scharf abzubilden welches der Kamera am nächsten ist. Das kann man machen, muss man aber nicht. Oft ist auch eine etwas andere Perspektive eine gute Option.

Nun zur Ausarbeitung der Fotos. Die drei oben gezeigten Bilder haben einen gelblichen Farbstich. Mit den Farben nimmt es die X100 sowieso nicht so ganz genau. Hier müsste man eigentlich mit Tools wie beispielsweise dem X-Rite Colorchecker Passport zu Beginn der Session ein Referenzbild aufnehmen aus dem sich ein zur Session passendes ICC-Profil für die RAW-Konertierung ableiten lässt. Hat man all das nicht zur Verfügung, so ist kann man jedoch später bei der RAW-Konvertierung viele Schwächen der Bilder ausgleichen.

Hier habe ich Bild 3 mit Adobe Camera-RAW Version 6.6 in ein JPG konvertiert. Die Farbsättigung habe ich verringert, die Objektivkorrektur hat Vignettierung und Verzeichnungen des Objektivs verschwinden lassen. Dann habe ich noch die knallig rote Ecke des Bürostuhl und ein paar kleine Unschönheiten mit dem Kopierstempel entfernt. That’s it! (1000 Pixel breit – einfach anklicken)

Zum Abschluss hier noch die Schwarz-Weiss Version dieses Bildes. Hier habe ich in Photoshop CS 5.1 den Black&White Dialog verwendet. Ausgehend von der Simulation eines Gelbfilters habe ich die Graustufen so angepasst, dass sich ein harmonisches Gesamtbild ergibt. Zum Abschluss habe ich einen ganz leichten Sepia-Farbton ergänzt.

Ob der Lichtschein im Hintergrund nun cool ist oder nicht muss jeder für sich selbst entscheiden. Je öfter ich ihn anschaue umso weniger gut gefällt er mir inzwischen, aber das ist eben „Available Light“. Hier hilft nur die gezielte Beurteilung der Bilder im Rahmen der Aufnahmesession. Durch Änderung der Perspektive und „Wandern im Raum“  können unterschiedliche Stimmungen eingefangen werden. Später bei der Ausarbeitung des Bildmaterials kann man sich dann in Ruhe für einzelne Bilder der Session entscheiden.