Nikon D7000 mit 200mm Objektiven

Wer kennt das nicht, irgendwann kauft man sich seine erste Spiegelreflex und ist damit eine Weile ganz glücklich. Nach ein paar Monaten beginnt man dann seine Fotos mit anderen Augen zu sehen. Jedes Bild auf dem ein Tier zu sehen ist, gerät zum „Suchbild“. Bei Portraits ist die Tiefenschärfe so groß, dass es kaum gelingt das Motiv schön freizustellen. Die gezielte Bildgestaltung durch das Spiel mit Schärfe und Unschärfe liefert frustierende Ergebnisse.

Ein Teleobjektiv muss her!

Doch die Dinger sind nicht ganz billig und das Angebot ist riesig. Viele Hersteller versprechen mit Superzooms mit 10-fachem oder noch größeren Zoombereich alles abzudecken was der ambitionierte Amateur so braucht. Doch sind diese Objektive nicht ganz preiswert und in den meisten Disziplinen eher mittelmäßig. Mir ging es genauso! Mit dem Wechsel zur ersten digitalen SLR einer Nikon D100, war mein erstes „Teleobjektiv“ ein kleines leichtes Nikon AF-D 28-200mm. Ganz nett das winzige Ding, aber kein wirkliches Teleobjektiv! Also ging die Suche weiter. Als nächstes Objektiv stand ein Nikon AF-D 70-300 auf der Liste. Ein preiswertes Ding mit viel Plastik, keine echte Offenbarung. Dann ein Sigma 170-500, das war schon besser, aber auch nicht das was ich mir erhoffte. Später dann ein „langes Macro“ – ein Sigma EX DG 3.5/180mm. Dazu ein 1.4x Teleconverter. Endlich klappt das Spiel mit der Unschärfe! Ich verbringe ganze Nachmittage mit meiner Nikon F4 samt Lupensucher und dem neuen Macro zwischen Bienen und Blumen. Egal ob Film oder Digital, mit diesem Objektiv gelingen knackscharfe Fotos, ich bin begeistert!

Das Sigma 170-500 wird ein Jahr später wieder bei eBay verkauft und es kommt ein Nikon AF-D VR 80-400 ins Haus. Ein gutes Objektiv, relativ leicht, recht scharf und bezahlbar. Aber der Autofokus ist damit wirklich langsam. Für schnell bewegte Motive ist es auch nicht das was ich suche. Aber meinen Affen mit den grünen Bohnen habe ich damit fotografiert!

Dann der Schicksalstag, ich werde übermütig und kaufe mit ein Nikon AF-S VR 4/200-400m. Was für eine Granate! Dazu noch ein neuer 1.7x Teleconverter – kein Zoo ist mehr vor mir sicher. Ich bin nur noch mit meinem Stativ und dem langen Tele unterwegs. Einmal darf es sogar mit nach Teneriffa und prompt gibt es Streß am Flughafen. Das Monstrum ist zu schwer! Seitdem benutze ich es fast gar nicht mehr. Zu groß, zu unpraktisch, zu schwer, zu alles…

In vielen Tests lese ich, dass das Nikon AF-S VR 2.8/70-200 ganz ausgezeichnet sein soll. Es dauert nicht lang und dann liegt es auf dem Gabentisch. Es ist wirklich großartig, funktioniert sehr gut mit dem 1.7x Teleconverter und ist zudem halbwegs, bezahlbar, kompakt und tragbar. Es passt in meinen Fotorucksack und ist ab sofort mein ständiger Begleiter.

Wer soll das bloß alles schleppen?

Auf der USA-Reise im Jahr 2009 beginne ich dann auch dieses Ding zu verfluchen. Trotz allem ist es wirklich schwer und auf langen Wanderungen lasse ich es immer öfter zurück im Auto. Ein gutes Gefühl habe ich dabei nicht, aber es ist versichert! Dann vor der USA-Reise im Jahr 2010 kaufe ich mir wieder ein Superzoom, eine Nikon AF-S VR 18-200mm. Die selbsternannten Experten der Fotocommunity bezeichnen es als „Deppenzoom“. Mir ist das egal, es verspricht eine ordentliche Bildqualität und ich erhoffe mir auf den geplanten Wanderungen einfach weniger Gewicht herum zu schleppen. Das 70-200 ist trotzdem im Gepäck und das ist auch gut so!

An einem der ersten Tage der USA-Reise 2010 ist Sandra frustig, weil sie kein Tele dabei hat. Ich leihe ihr das 18-200 und sie ist damit ganz glücklich. Sie ja, ich nicht, denn ich schleppe mich jetzt doch wieder mit dem 70-200 ab. Am Ende der Reise hat Sandra mit nichts anderem mehr fotografiert. Sie liebt das 18-200 VR…

Doch der viele Wüstensand hat seine Spuren hinterlassen. Während das 70-200 nur ein wenig knirscht, hat das 18-200 Probleme bei 200mm auf Motive scharf zu stellen die weit weg sind. Man kann manuell nachhelfen, aber das geht irgendwann auch nicht mehr. Sandra nimmt es 2011 wieder mit in die USA, aber immer wieder löst ihre D3000 nicht aus, weil die Entfernung zu groß und die Brennweite auf 200mm eingestellt ist.

Im Mai 2011 bekomme ich das Superzoom dann zurück, es ist kaputt. Aber es hat noch Garantie! Also ab zum Fotohändler meines Vertrauens und schon wird alles geregelt. Ganz unproblematisch und total kostenlos! Leider kaufe ich im Gegenzug eine Nikon D7000, ein AF-S VR 16-85mm und ein koreanisches 14mm Objektiv… Aber das ist eine andere Geschichte…

Warum erzähle ich das alles?

Ganz einfach, ich will denen unter Euch, die es schaffen das alles hier zu lesen, ein wenig den Frust nehmen und zeigen, dass ihr nicht allein seid! Die Suche nach dem perfekten Objektiv und der perfekten Kamera wird wohl niemals aufhören 🙂 Aber ich bin inzwischen so ziemlich da angekommen wo ich hin will. Zwischendurch habe ich immer mal wieder bei eBay sehr preiswerte alte Objektive gekauft und im Gegenzug anderes wieder abgestoßen. Heute liebe ich die kompakten überaus robusten und lichtstarken Linsen ohne Autofokus. Und das schöne ist, sie sind für wirklich kleines Geld zu haben.

Heute will ich einige der erwähnten Objektive einander gegenüberstellen. Als „Testbody“ habe ich mir die neue Nikon D7000 ausgeguckt…

Hier aber erst einmal einige Bilder der oben erwähnten Objektive:

1. Nikon AF-D 28-200

2. Nikon AF-D 70-300

3.  Sigma 170-500

4. Sigma EX DG 3.5/180

5. Nikon AF-S 55-200

6. Nikon AF-D VR 80-400

7. Nikon AF-S VR 2.8/70-200

8. Nikon TC 17 II-E

9. Nikon AF-S VR 4/200-400

10. Nikon AF-S VR 18-200

So, nun zum eigentlichen Thema, mein 200mm Test! Einige dieser Objektive habe ich noch im Schrank und ich will heute ein paar Testbilder zeigen, die ich mit der D7000 bei etwa 200 Millimetern Brennweite gemacht habe.

Das sind meine Testkandidaten:

1. Ein altes Tokina 3.5/200 das ich mal für 45 Euro bei eBay ersteigert habe

2. Das AF-S VR 18-200mm Superzoom

3. Das famose Nikon AF-S VR 2.8/70-200

4. Das knackscharfe Sigma EX 3.5/180

Da alle diese Objektive bei Blende 8 die annähernd höchste Auflösung liefern, habe ich mit Zeitautomatik, Stativ und der Spiegelvorauslösung jeweils ein Testbild im RAW-Format erstellt. Diese Testbilder habe ich dann in Nikon Capture geöffnet und jeweils einmal MIT Objektiv-Korrekur und einmal OHNE Objektivkorrekur gespeichert. So werden die Stärken und Schwächen der einzelnen Objektive ein wenig deutlicher.

Für den Test habe ich diesmal ein kleines Testchart im Format DIN A3 verwendet. Um das große ISO12233 Testchart im Format 60x90cm zu verwenden ist meine Wohnung leider nicht groß genug. Bei 200mm Brennweite und dem 1.5x Cropfaktor der D7000 bräuchte ich etwa 6-8 Meter. Beim kleinen DIN A3 Testchart reicht ein Abstand von etwa 3 Metern, das klappt also auch im Wohnzimmer. Leider kann ein Drucker bei 300dpi in diesem kleinen Format die allerfeinsten Details nicht mehr komplett auflösen, aber die Ergebnisse sind dennoch brauchbar. Das Testchart habe ich auf einen alten Notebook-Karton geklebt. So kann man das Testchart gut irgendwo abstellen stellen und dann abfotografieren.

Die Ergebnisse:

Die Ergebnisse sind für mich keine große Überraschung. Das 18-200mm Objektiv liefert ein brauchbares Ergebnis, aber es ist doch sichtbar schlechter als das 70-200er Tele. Hier muss also jeder für sich selbst abwägen, will er schleppen oder mit leichten Unschärfen in den Fotos leben. Interessant sind die Unterschiede zwischen korrigiertem und unkorrigiertem JPG, da werden die Schwächen der Objektive deutlich sichtbar!

Sehr interessant fand ich, dass das Nikon 18-200 bei 200mm  einen völlig anderen Bildausschnitt lieferte als das alte Tokina 3.5/200.

Aber seht selbst:

– Tokina 3.5/200:

– Nikon AF-S VR 18-200 @200mm

Ist das wirklich ein 200mm Objektiv? Bei diesem Objektiv ändert sich Abbildungsmaßstab je nach Fokuspunkt wirklich sehr stark!

Nach einem formatfüllenden Bild mit dem 18-200 habe ich das 70-200 montiert und von der gleichen Position aus das Testchart fotografiert. Hier sieht man wieder einen krass anderen Ausschnitt.

Mir zeigt dieses Ergebnis, dass ein 200er Tele ist nicht immer ein 200er Tele ist! Vor einigen Monaten hat Nikon den Nachfolger meines 70-200mm Teleobjektivs vorgestellt. Dieses neue Objektiv hat eine weitere Naheinstellgrenze. Wer das Ding also im Nahbereich nutzen möchte, kommt weniger nah an das Motiv heran und dementsprechend sind der Abbildungsmaßstab kleiner und die Auflösung insgesamt schlechter, weil man später eine Ausschnittsvergrößerung machen müsste.

Die einzelnen Testbilder habe ich auf meinem Web-Server abgelegt. Einfach auf die Links klicken und dann in Ruhe vergleichen.

Benutzt einfach die „Rechte Maustaste“ -> „In neuem Fenster öffnen“…

Die RAW-Bilder könnt Ihr Euch lokal speichern und dann ggf. mit Nikon Capture in Ruhe anschauen.

Objektiv JPG-Unkorrigiert JPG-Korrigiert RAW
Tokina MF 3.5/200mm F/8 – 200mm F/8 – 200mm F/8 – 200mm
Nikon AF-S VR 18-200 F/8 – 200mm F/8 – 200mm F/8 – 200mm
Nikon AF-S VR 70-200 F/8 – 200mm F/8 – 200mm F/8 – 200mm
Sigma
EX 3.5/180mm
F/8 – 180mm F/8 – 180mm F/8 – 180mm
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7 thoughts on “Nikon D7000 mit 200mm Objektiven

  1. Die unterschiedlichen Bildausschnitte wundern mich nicht. Die Objektiv-Brennweitenangaben beziehen sich grundsätzlich auf die „Unendlich“-Einstellung. Bei Nahaufnahmen kommt die „Brennweitenverkürzung“ zum Tragen, die je nach Modell sehr unterschiedlich ist.

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  2. Hallo Ansgar

    Ich verfolge schon seit längerem Deine Videos auf YouTube. Finde diese echt Klasse. Danke! Derzeit suche ichj für meine D600 ein Telezoom. Das neue 80-400m würde mir gut gefallen, doch für Portrait und Sport ist es wohl weniger geeignet. Da wäre das 70-200m VRII f2.8 schon besser. Aber da ich auch ab und zu eine längere Brennweite haben möchte, dachte ich, dass der TC17E II siucher gut passen sollte. Der TC20 III soll ja leider keine mehr so guten Bilder mehr liefern. Hast Du Erfahrung mit dem VRII oder nur mit der Vorgängerversion?
    Auf eine Aussage von Dir freue ich mich sehr.
    PS: Bin kein Berufsfotograf. 😉

    Gruss Heinz

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    1. Hallo Heinz, die neue Version des 2.8/70-200 VR ist nun auch an den äußersten Rändern sehr scharf. Der optische Aufbau wurde überarbeitet und es gibt ein neue Technologie für die Vergütung der Linsen. Aber die alte Version hat einen geringeren Nahabstand. Wer schon ein ‚altes‘ Exemplar hat, der wird es behalten, denn es ist Spitzenklasse. Wer Geld für die neue Version hat, der erhält ein absolutes Top-Objektiv ohne Wenn und Aber.

      Dennoch sind die Unterschiede bei den Bildergebnissen relativ gering. Ich habe mich entschlossen meine alte Variante zu behalten und vom gesparten Geld ein Fuji X100 gekauft 🙂

      Ciao, Ansgar

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      1. Hallo Ansgar
        Vielen Dank für die rasche Antwort. Ich habe mich etwas unklar ausgedrückt, denn mir geht es mehrheitlich um den Teleconverter. Hast du Erfahrung mit dem Unterschied zwischen dem TC 17 und dem TC 20 auf dem 70-200mm? Ist der TC 20 wirklich so schlecht, oder ist es mehr ein Jammern auf hohem Niveau? Da ja das neue 70-200mm nicht ganz 200mm haben soll, wäre der TC 17 etwas an der unteren Grenze von der Brennweite, aber dies würde ich in Kauf nehmen, wenn der TC 20 VIII wirklich nicht so gut ist. Die Alternative wäre eben das neue 80-400mm, aber da gibt es noch nicht all zu viele Tests im Internet. Nach ersten Berichten soll es ja super gut sein, aber eben für Portraits und Sport denke ich dass es weniger passt.
        Immer diese Entscheidungen! 😀

        Schöne Grüsse und gutes Licht, Heinz

        PS: Fahre derzeit auch noch eine „Kuh“ (R1100R). 😉

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      2. Hallo Heinz, der TC17E II hat den Vorteil, dass bei recht wenig Licht der Autofokus besser funktioniert. Rein optisch gesehen ist der neue TC20E III deutlich besser als der ältere II-er. Kaufen kann man beide, ich habe den 1.7x weil es damals den neuen 2.0x noch nicht gab. Schärfe und Kontrast liegen bei beiden Konvertern auf sehr hohem Niveau.

        Ich man den 1.7er weil er etwas lichtstärker ist. Im Zweifel mache ich einen etwas stärkeren Ausschnitt oder nehme einfach mein AF-S VR 4/200-400mm, ggfs. mit 1.7x Konverter.

        Meine D800E hat so viel Reserve beider Auflösung, dass man den Unterschied zu neuen 2.0x Konverter kaum bemerkt. Eine Weile habe ich überlegt umzusteigen, aber das wäre Unsinn.

        Ich würde zum 1.7er raten, denn er ist meiner Meinung nach etwas universeller und liefert auch am 200-400 geniale Ergebnisse.

        Für Portraits solltest Du Mals das alte AF-D 1.4/85mm versuchen. Das ist der King of Bokeh 🙂

        Sehr gute Dienste leistet aber auch das sehr preiswerte AiS 2.0/85mm. Oft ist es schon für unter 100 Euro zu haben. Sehr gut ist auch das alte Sigma EX DG 2.8/105mm Macro. Weniger gutes Bokeh, aber sowas von scharf und oft für ca. 200 Euro zu haben.

        Ciao, Ansgar

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      3. Hallo Ansgar
        Wow, das ging aber flott und genau was ich lesen wollte. Vielen Dank für Deine Meinung, nehme diese sehr gerne entgegen. Werde mich mal mit dem „Bankmanager“ unterhalten. 🙂 Leider wird es nie für ein 200-400mm reichen, aber träumen darf man ja! 😉
        Ich werde mal schauen, ob ich ein gutes 70-200 VRI ausfindig machen kann und dann einen TC 17 dazu nehmen. Sonst wird es wohl das VRII werden.

        Nochmals vielen Dank und freue mich schon sehr auf neue Beiträge von Dir!

        Gruss Heinz

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      4. Danke Dir 🙂 Mit dem 70-200 in der 1er Version machst Du nichts verkehrt. Das Ding ist Top und alles andere ist „Klagen auf hohem Niveau“. Vom gesparten Geld kannst Du vielleicht noch ein 1.4/85 kaufen, oder ein tolles Weitwinkel?

        Diese neuen teuren Objektive werden meist überbewertet. Was nutzt das beste Objektiv wenn das Motiv nichts taugt oder der Fotograf keine Ahnung hat.

        Auch mit einem AiS 80-200 kann man tolle Fotos machen. Es kommt einfach nicht nur auf das Equipment an. Man sollte weniger Werbung konsumieren und weniger in Foren lesen was die Pixelpeeper zu sagen haben. Statt dessen sollte man sich auf seine Bildideen konzentrieren und versuchen eine eigene Bildsprache zu entwickeln. Das ist kostenlos und bringt tausendmal mehr als eine teure nagelneue Ausrüstung.

        Lass Dich also nicht verrückt machen, Kreative Ideen sind viel wichtiger als teures Equipment 🙂

        Ciao Ansgar

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