Teneriffa 12-2013 – Reisevorbereitungen

Delicate Lovers - Nikon D300

Seit mein Vater vor vielen Jahren kurz vor Weihnachten überraschend verstorben ist, befällt mich in den letzten Dezembertagen immer wieder eine eher depressive Weihnachtsstimmung. Vor ein paar Jahren habe ich daher beschlossen dieser Zeit aus dem Weg zu gehen und einfach die kritische Zeit auf Teneriffa zu verbringen. Weihnachten unter Palmen gehört seitdem für mich zu einem stressfreien Jahresabschluss einfach dazu!!

Die letzten Tage habe ich mir einer Lungenentzündung im Bett verbraucht und aktuell bin ich noch immer nicht so wirklich belastbar. Kaum ist der Müll im Container hinter dem Haus ringe ich nach Luft und werde von meinem Körper daran erinnert, dass etwas noch nicht stimmt. Zwar hat mir ein schweres Antibiotikum geholfen  die Krankheit zu überleben, doch die Luft am Meer wird einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, im nächsten Jahr wieder fit zu sein.

Vielleicht kann es im nächsten Frühjahr dann auch mal wieder für ein paar Tage in den Süd-Westen der USA gehen? Während der vergangenen Tage habe ich viel Zeit im Bett verbracht und weil ich eh nichts tun konnte habe ich mir externe Festplatten mit alten Fotos vorgenommen. Dabei sind einige fast vergessene Fotos auf das Display gehuscht. Beispielsweise das Foto weiter oben. Es ist im Jahr 2010 im Arches Nationalpark entstanden. Die meisten Fotofans waren schon mit ihren Kopflampen auf dem Weg hinab zum Parkplatz, aber ich habe noch ein wenig ausgeharrt weil die Stimmung so großartig war und ich den Delicate Arch noch im Mondlicht fotografieren wollte. Nicht weit weg war ein junges Paar die sich irgendwann unter den Delicate Arch gelegt und ihn von unten fotografiert haben. Danach sind sie eine Weile liegen geblieben und haben dort herum geknutscht, eine sehr schöne Szenerie. So entstand mein Foto „Delicate Lovers“.

Hier habe ich noch ein Foto der gleichen Reise gefunden. Das kleine Mädchen war ihren Eltern ausgebüchst und in der „Window-Section“ im Arches Nationalpark direkt vor meine Kamera geklettert. Ich war ihr wirklich dankbar weil sie die unglaubliche Größe dieses natürlichen Gesteinsbogens sehr schön greifbar macht.

Lonesome Girl @ Window Section - Nikon D2x

Doch eine Reise in die USA ist derzeit noch Zukunftsmusik. Meine Koffer sind gepackt und morgen geht es in den Weinachtsurlaub nach Teneriffa, wieder einmal 🙂 Ich selbst bin sehr gern dort und ich freue mich derzeit sehr auf die vielen Fotomotive die ich schon seit Wochen in meinem Kopf mit mir herumtrage.

Blue Hour #1 - Nikon D700

Das größte Problem ist auch in diesem Jahr das Gepäck. Was darf mit was muss daheim bleiben. So habe ich in diesem Jahr die Panasonic Video-Kamera ausgemustert. Auch die kleine Nikon 1J2 muss daheim bleiben. Meine D800E muss ohne Batteriegriff reisen, auf mein GPS habe ich verzichtet. Statt eines Navigation-Systems reist eine Autoscheibenhalterung für mein Smartphone mit. Für das FX Format habe ich ich drei Objektive eingepackt: 4/16-35, 2.8/24-70 und 2.8/70-200 samt 1.7x Teleconverter – das muss reichen!

Meine Infrarotkamera muss mit dem 2.8/10,5mm Fishexe und dem AF-S VR 16-85mm Objektiv auskommen. Außerdem sind die Nikon 1V1 sowie die Nikon 1V2 dabei. Es gibt ein großes SIRUI Carbon Stativ und ein kleines billiges altes DÖRR Reisestativ mit winzigem Gitzo Kugelkopf. Dazu ein paar Reservebatterien, Ladegeräte, Sensor-Swabs, Eclipse Reinigungsfluid und und und… Schon ist das Handgepäck eigentlich wieder viel zu schwer und der Koffer ganz hart an der Grenze von 20 Kilogramm.

Wenn ich wieder daheim bin werde ich wahrscheinlich einzelne Dinge kaum benutzt haben, aber das ist mein Schicksal. Vielleicht werde ich im nächsten Jahr mal ganz ohne FX-Kamera verreisen, einfach nur mit zwei kleinen Nikon 1 Kameras? Wenn bis daheim die Nikon 1 V3 auf dem Markt ist könnte man darüber nachdenken… Aber wie ich mich kenne, will ich die geniale Nikon D800E dann doch wieder dabei haben…

Weniger ist manchmal mehr, aber Hand auf’s Herz, wer von Euch bringt es fertig seine beste Kamera daheim zu lassen und n
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Bildrauschen reduzieren mit Mehrfachbelichtungen

Im Jahr 2010 bin ich an einem Tag wirklich früh aufgestanden um mir den Sonnenaufgang über den La Sal Mountains nahe Moab in Utah anzuschauen und natürlich zu fotografieren! Während ich mit meiner Nikon D2x diverse Varianten aufgenommen habe, hat meine Nikon D300 einsam und verlassen auf einem Stativ gestanden und alle 10 Sekunden ein Foto aufgenommen. Aus der so entstandenen Bilderserie will ich irgendwann einmal eine schöne Zeitraffer-Sequenz erstellen.

Heute will ich diese vielen nahezu identischen Fotos aber nutzen um Euch zu zeigen, wie man mit Mehrfachbelichtungen das Bildrauschen in einem einzelnen Foto reduzieren kann. Aber schauen wir uns zunächst ein Foto an, das aus lediglich einer Bilddatei entstanden ist. Es ist nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gut. Besonders  um die Sonne herum sieht diese Version sehr arg nach einer Photoshop-Bearbeitung aus.

Sunrise over La Sal Mountains - Single Shot

Schauen wir uns im Vergleich die neuere Version an, hier sehen die ersten Sonnenstrahlen hell und klar aus. Auch sind die Farben und der Detailkontrast sichtbar besser. Der Grund dafür ist aber nicht die Mehrfachbelichtung sondern, dass ich aufgrund des verringerten Anteils an digitalem Rauschen deutlich mehr Freiheiten bei der Bildbearbeitung hatte.

Sunrise over La Sal Mountains - Noise Reduction

Das Prinzip

Schießt man in relativ kurzer Folge etwa 5 praktisch identische Fotos so wird jedes Bild für sich besonders bei hohen ISO-Werten ein gewisses Bildrauschen aufweisen. Dieses Rauschen ist oft eher störend und die kritischen Pixelpeeper aus den diversen Internet-Foren stürzen sich immer wie die Geier auf ein Bild das ein wenig Bildrauschen aufweist. Dabei gehört das eigentlich zur Fotografie dazu wie das Salz in der Suppe. Was wären traditionell erstellte ausdrucksstarke Schwarz-Weiss-Fotos ohne ein gewisses Filmkorn?

Eines der Hauptversprechen der Hersteller mit dem sie immer wieder neue Kameras verkaufen ist, dass das neue Modell weniger „rauscht“ als sein Vorgänger. Einst irrsinnig teure Profimaschinen werden dann in den Fotografie-Foren dieser Welt schlecht geredet und ihr Preis fällt in den Keller. Eigentlich sind das gute Zeiten für alle die gern die Vorzüge einer robusten Profikamera genießen wollen, sich aber kein ganz neues Modell leisten können.

Wer gern Landschaften fotografiert die ja meistens relativ gut still halten, der kann auch mit einer etwas betagten sehr preiswerten gebrauchten Kamera tolle Fotos machen, solange er weiß wie er es anzustellen hat!

Wie schon gesagt ist das böse Bildrauschen relativ zufällig über die Bilddateien verteilt. Nimmt man nun etwa 5 Bilder gleichen Inhaltes und legt sie bspw. in Photoshop übereinander, so kann man durch entsprechende Wahl der Transparenzwerte der einzelnen Ebenen das Bildrauschen sehr schön reduzieren.

Das Beispiel

Hier haben wir nun eine Serie nahezu identischer Fotos. Aus dieser Serie picken wir uns 5 Bilder heraus und öffnen sie bspw. mit Photoshop CS6:

Bildschirmfoto 2013-10-27 um 21.49.09

Dann korrigieren wir beispielhaft eines der Fotos und übertragen die Bearbeitungsschritte auf die vier anderen RAW-Dateien unserer Serie. Danach öffnen wir alle 5 Bilder und erstellen einen Stapel mit insgesamt 5 Ebenen. Dazu wählen wir eines der Bilder aus mit CMD+A dann CMD+C und schließen es mit CMD+W (unter Windows CTRL + F4). Nachdem wir zum Bild gewechselt haben auf das wir die 4 anderen Bilder stapeln wollen, betätigen wir CMD+V (oder CTRL + V unter Windows). Das wiederholen wir noch dreimal und haben unseren Bilderstapel beisammen.

Jetzt beginnen wir mit der Änderung der Transparenz der einzelnen Ebenen. Die Hintergrundebene setzen wir auf 100%. Sie ist also nicht transparent!

  • Hintergrund 100%
  • 1. Ebene 50%
  • 2. Ebene 33%
  • 3. Ebene 25%
  • 4. Ebene 20%

So sieht das dann aus:

Bildschirmfoto 2013-10-27 um 21.54.08

Eigentlich sind wir jetzt schon fertig. Wer keine weiteren Änderungen an seinem Foto vornehmen möchte, der kann es nun speichern und sich den nächsten Fotos widmen.

Schauen wir mal wie gut wir mit dieser Aktion das Rauschen reduzieren konnten. Dazu habe ich hier einen direkten A/B Vergleich in 100% Originalauflösung.

AB-Vergleich-100Prozent

Hier sieht man sehr schön, dass dieser einfache Trick mehr bringt als eine neue Kamera jemals leisten könnte. Alle feinen Strukturen bleiben erhalten, nur das störende Bildrauschen verschwindet wie von Geisterhand. Wer denkt er könnte mit weiteren Ebenen das Bildrauschen noch weiter reduzieren, der macht sich viel Arbeit und wird nur eine leichte Verbesserung erzielen können. Die Erfahrung zeigt, dass 5 Ebenen einen guten Kompromiss zwischen „Kosten und Nutzen“ darstellen.

Wem das noch vorhandene Rauschen noch zu stark ist, der wird mit dem Filter Nik Define sicher einen besseren Effekt als mit weiteren Ebenen erzielen, aber seht selbst… (Einfach anklicken und auf 100% vergrößern)

Bildschirmfoto 2013-10-27 um 22.01.55

Ich habe nach der Rauschreduzierung via Nik Define noch den Filter Nik Viveza angewendet.

Bildschirmfoto 2013-10-27 um 22.01.15

Der Nik Viveza Filter ermöglicht mittels der Kontrollpunkte sehr schön eine partielle Nachbearbeitung einzelner Bildbereiche. So kann man das Blau des Himmels ein wenig kräftiger einstellen, das Rot der Morgensonne ein wenig farbiger und die Schattenpartien im unteren Bildbereich etwas aufhellen, so dass dort keine Strukturen verloren gehen.

Wer mag kann abschließend noch einen HDR Filter anwenden oder andere Bearbeitungsschritte durchführen. Kurz vor Schluss wird das Bild dann als unkomprimierte TIFF-Datei gespeichert. Wer seine Arbeit im Web bei flickr.com oder ähnlichen Portalen präsentieren will, der kann die Bilddatei beispielsweise über ein selbst erstelltes Photoshop-Makro auf 1920 Pixel Kantenlänge verkleinern. Bevor das Bild dann endgültig mit „Save for Web & Devices“ gespeichert wird, kann es noch mit dem Nik Sharpener leicht nachschärfen.

Bildschirmfoto 2013-10-27 um 22.09.18

Werte zwischen 20% und 25% liefern hierbei in der Regel ein sehr brauchbares Ergebnis ohne, dass die Bilddatei „überschärft“ aussieht.

Fazit

Wer will kann die Mehrfachbelichtungen auch direkt in der Kamera ausführen. Das vereinfacht den Workflow sehr stark, denn man hat nur Eine an Stelle mehrerer Bilddateien. Aber einzelne Bilddateien haben auch ihren Charme. Zwar ist der Aufwand bei der Bildbearbeitung höher, aber die Möglichkeiten für den nachträglichen Eingriff sind auch deutlich umfangreicher. So kann man mit den Transparenzwerten der einzelnen Ebenen sehr schön experimentieren und ist nicht davon abhängig nach welchem Algorithmus die Kamera die Einzelbilder zusammenfasst.

Das Ergebnis kann sich in jedem Fall sehen lassen solange man ein stabiles Stativ und einen Kabel- oder Infrarotauslöser verwendet. Die Belichtungsautomatik sowie den Autofokus sollte man natürlich abschalten, damit die Fotos so gut wie möglich zueinanderpassen.

Mit diesem kleinen Trick kann man mit einer 8 Jahre alten digitalen Kamera wie beispielsweise der Nikon D2x auf im Jahr 2013 noch wirklich verblüffend gute Ergebnisse erzielen. Wer den Aufwand nicht scheut kann auch so mit hohen ISO-Werten fotografieren und das viele gesparte Geld in gute Objektive, Literatur oder eine schöne Fotoreise investieren.

Letztlich gilt auch hier:

  • Nicht die Kamera macht das Bild sondern der Mensch der sie bedient. 

Bildgestaltung für Dummies – Teil IV

Heute geht es in meiner kleinen Serie zum Thema Bildgestaltung um zwei wichtige Themen:

  • Die Ausdauer
  • Der richtige Zeitpunkt

Zu den Rezepten erfolgreicher Landschaftsfotografen gehört es, Motive sorgfältig auszusuchen und zu überlegen wann und wie diese Motive am besten aussehen. Die echten Profis knipsen nicht einfach etwas ab, sondern sie widmen sich einem Motiv, manchmal über Monate und Jahre hinweg. Irgendwann ist der Zeitpunkt perfekt und dann haben sie das ultimative Foto.

Das geht natürlich nicht wenn man nur für ein paar Tage im Urlaub die Gelegenheit hat schöne Fotos zu machen. Aber man kann mit ein wenig Ausdauer, Wissen und Übung auch im Urlaub gute Fotos schießen. Auch wenn diese Fotos nicht irgendwann das Foyer der Commerzbank in Frankfurt schmücken werden, es können trotzdem Bilder sein die für einen selbst mehr als nur einen Schnappschuss darstellen. Hat man ein wirklich gelungenes Foto aufgenommen, so macht es Spaß davon einen schönen Print anfertigen zu lassen und es in der eigenen Wohnung an die Wand zu hängen. So erinnert man sich immer wieder an die Reise und alles was man dort erlebt hat. Sicher würde das auch mit einem Schnappschuss klappen, aber bei einem Bild in dem „Herzblut“ steckt sind die Emotionen einfach grundsätzlich stärker ausgeprägt.

Am Wochenende wollte ich meiner Freundin ein wenig zeigen wie man mit einem Stativ umgeht. Wir haben uns dafür eine Stelle gesucht an der man einen schönen Blick über Rhein auf das Siebengebirge und den Posttower hat. Der Himmel war sehr bedeckt und das Licht nicht wirklich schön, so sah denn unser erstes Testbild auch ziemlich langweilig aus.

DSC_7187

Eigentlich ist auf dem Bild alles drauf, wir sehen den Posttower, das Siebengebirge, sogar Moby Dick kommt auf uns zu geschwommen. Wer genau hinsieht erkennt sogar das Gästehaus auf dem Petersberg. Doch die Tannenzweige die rechts in Bild hineinragen sind voll daneben. Auch steht der Posttower etwas schief und die flachen Kontraste machen das Bild richtig langweilig. Hier möchte man eher weg- als hinschauen.

Nach diesem Foto war meine Sandra kurz davor alles einzupacken und wieder heim zu fahren, schließlich hatten wir ja unser Foto „im Kasten“. Es war gar nicht einfach sie dazu zu überreden noch ein wenig neben der Kamera stehen zu bleiben und auf besseres Licht zu hoffen. Während wir auf besseres Licht warteten kamen alle möglichen Schiffe, Vögel, Autos, Menschen usw. bei uns vorbei. Gern hätte Sandra immer mal wieder schnell ihre Kamera gezückt, aber sie stand ja auf dem Stativ und wartete auf besseres Licht.

Wir haben dann noch ein paar Fotos gemacht, doch sie hat schließlich die Lust verloren. So ging sie daran das Weinlaub neben unserem Aussichtspunkt abzulichten und sich nach weiteren Motiven umzusehen. Während dessen habe ich meine Nikon 1 V1 mit dem 10-100mm Objektiv auf ein zweites Stativ gestellt und immer mal wieder mit dem kleinen Infrarot-Auslöser das eine oder andere Foto aufgenommen. Das Licht änderte sich von Minuten zu Minute. Und plötzlich riss über uns die zusammenhängende Wolkendecke etwas auf und der Horizont begann rötlich zu leuchten.

DSC_7206

Die Zipfel der Tannenzweigen habe ich nicht wegretuschiert um Euch zu zeigen, dass sie wirklich stören. Leider konnte ich die Kamera nicht so aufstellen, dass die Zweige bei diesem Blickwinkel nicht im Bild sind. An dieser Stelle daher mein Appell an Euch, versucht störende Äste, Zweige, Gräser, was auch immer zu vermeiden, sie sind in den seltensten Fällen ein Gewinn für den Bildaufbau!

Kommen wir zum nächsten Foto, wir stehen jetzt seit fast 45 Minuten auf der gleichen Stelle. Meine Freundin wird langsam ungehalten, ihr tun die Füße weh und sie hat einfach keine Lust weiter auf das richtige Licht zu warten.  Schaut man bei diesem Foto genau hin stellt man fest, dass im Posttower schon einige Büros beleuchtet sind. Doch das Schiff auf dem Rhein ist scharf abgebildet, also ist es noch relativ hell und die Mischung zwischen der Beleuchtung des Bürogebäudes und dem natürlichen Licht der Umgebung passen noch nicht so zusammen wie ich es mir vorstelle.

DSC_7222

Weil es meiner Sandra langsam aber sicher so richtig langweilig wird, packen wir unsere Sachen zusammen. Meine kleine Nikon 1 V1 lasse ich während dessen aber auf dem Stativ stehen und löse sie immer mal wieder mit dem kleinen ML-L3 Fernauslöser aus. Schließlich haben wir fast 90 Minuten gewartet und es ist etwa 30 Minuten nach Sonnenuntergang. Die „Mischung „sieht jetzt viel besser aus. Meine kleine Kamera muss jetzt mehrere Sekunden belichten, so verschwimmt die Bewegung des Frachtschiffes sehr stark. Auch die Wellen der Wasseroberfläche sind nicht mehr wirklich zu erkennen. Würde man jetzt noch einen Polfilter oder einen leichten Graufilter verwenden, so könnte man bereits Belichtungszeiten von ca. 30s erreichen. Damit wäre das Wasser glatt wie ein Spiegel und die Wolken hätten sogar ein wenig Bewegungsunschärfe. Doch ich habe heute keine Filter für meine Nikon 1 dabei 😦

DSC_7292

Also gebe ich mich mit dem Fotos zufrieden, schließlich sind sie nur als Beispielbilder für diesen Artikel gedacht.

Schauen wir uns das nächste Foto an. Hier sehen wir einen tollen Sonnenuntergang über La Gomera  (Punta de Teneo, Teneriffa). Während meine Freundin versuchte sich im Auto aufzuwärmen fieberte ich dem besten Moment für dieses Foto entgegen. Man muss es ihr immer wieder hoch anrechnen wie geduldig sie mit mir ist! Aber irgendwie ist man trotz allem immer im Zweitdruck wenn jemand wartet und man nicht allein oder mit zu 110% Gleichgesinnten unterwegs ist.

Blue Hour #1 - Nikon D700

So war ich ein Jahr später wieder an ähnlicher Stelle und diesmal ganz allein. So hatte ich alle Zeit der Welt und konnte mir in Ruhe den besten Platz für mein Foto suchen. Und ich hatte Glück, denn an diesem Tag war der Sonnenuntergang ungewöhnlich spektakulär und die Fotos übertreffen die Bilder des Vorjahres bei weitem.

La Gomera Sunset - Nikon D800E - Full Size

Ich hoffe meine heutige Botschaft wird damit klar. Nur wer sich darauf einlässt mehrere Stunden auf den richtigen Augenblick zu warten und sich möglichst einige Tage zuvor mit den Gegebenheiten vertraut macht wird letztlich mit Fotos heimkehren die mehr als ein Knipsbild sind. Besonders in der Landschaftsfotografie lassen sich viele Motive sehr gut planen. Mit Google Earth und gutem Kartenmaterial lässt sich der beste Punkt für eine Fotosession unter freiem Himmel finden. Je nach Jahreszeit geht die Sonne aber nicht exakt im Osten auf und im Westen wieder unter, das sollte man berücksichtigen. Für alle Smartphones gibt es kleine nützliche Programme die den Stand der Sonne an einem bestimmten Tag des Jahres berechnen können. Hilfreich sind auch kleine APPs die ausrechnen wann die Sonne auf- und wieder untergehen wird.

Meiner Erfahrung nach ist etwa 30 Minuten nach oder vor Sonnenuntergang das Licht für stimmungsvolle Landschaftsfotos ideal. Aber das ist keine allgemein gültige Regel. Wer nicht den Abendhimmel im Westen sondern die Schatten der Abendsonne in Richtung Osten fotografieren möchte, für den gelten andere Regeln. Generell ist man in der blauen Stunde am Morgen oder Abend immer auf der sicheren Seite wenn man einige zusätzliche Minuten einkalkulieren kann. So hat man Zeit um sein Stativ in Ruhe aufzustellen und einen Punkt zu suchen an dem eben keine störenden Zweige ins Bild hineinragen.

Stress kann man vorbeugen indem man seinen Mitreisenden klar macht wie sehr man auf diese Fotos erpicht ist. Wenn ich eine Reise mache, dann reise ich nicht weil das Essen toll, der Pool so klar oder die Sonne so warm ist. Wenn ich verreise dann will ich fotografieren, denn das ist für mich die beste aller Möglichkeiten um entspannt heimkehren zu können. Andere lesen ein Buch, ich sitze am liebsten einsam in der Wildnis und warte auf den perfekten Moment. Jeder der schon einmal mit seiner Angel einen Köder ausgeworfen hat wird das verstehen.

Wer schöne Landschaftsfotos machen möchte hat somit etwa drei Möglichkeiten:

  • Ihr reist allein und könnt tun und lassen was Ihr wollt
  • Ihr gebt den Mitreisen ausreichend viel Geld für ein schönes Abendprogramm ohne Euch
  • Ihr schenkt den Mitreisenden eine Fotoausrüstung und versucht Eure Begeisterung an sie zu vermitteln

Für den Anfang könntet Ihr natürlich auch allgemein bekannte Fotospots wie den im nächsten Foto besuchen. Dort am Horse Shoe Bend in der Nähe von Page in Arizona treffen sich jeden Abend viele Fotofans und warten gemeinsam auf den perfekten Augenblick. Wenn Ihr nicht allein seid, stärkt diese Gemeinschaft die Ausdauer Eurer Mitreisenden ganz enorm, es sei denn sie sind noch im Kindergartenalter… Solche Shtootings haben manchmal etwas magisches und gelegentlich entstehen dabei die besten Freundschaften mit Menschen die man dort ganz zufällig trifft.

Shooting Horse Shoe Bend - Nikon D300 & Tokina AT-X Pro 4/12-24mm

Das folgende Foto stammt von Alan Vasenius aus Los Angeles. Ich habe ihn im Jahr 2011 beim Versuch einen Permit für die Wanderung zur Wave kennen gelernt. Alan hat mir damals gesagt, dass ich etwa eine Woche später im Monument Valley sein sollte um dort ein seltenes Schauspiel zu fotografieren. So haben wir uns dann einige hundert Kilometer entfernt etwa eine Woche später wieder getroffen. Es war ein toller Abend und wie haben gemeinsam auf den richtigen Moment gewartet.

The Vasenius Shadow at Monument Valley

Diese Foto kann man so nur an zwei Tagen im Jahr aufnehmen und auch nur wenn die Wolken günstig stehen. Damit kommen wir zur Einleitung zurück. Der richtige Zeitpunkt ist nicht nur 30 Minuten nach Sonnenuntergang, sondern vielleicht auch ein einziger Tag des Jahres. Wer eine Sonnenfinsternis oder den „Supermond“ fotografieren hat sogar ein noch viel weiter gespanntes enges Zeitfenster.

Das Geheimnis der Profis ist, dass sie diese „Events“ kennen oder gezielt im Internet danach suchen. Sie planen für dieses Event eine Location und sind oft schon Stunden oder Tage vorher zur Stelle. Sie kennen ihr Equipment in und auswendig und so überlassen sie im wichtigen Moment nichts dem Zufall. Letztlich entstehen dann echte Kracher die vielen Leuten ein Staunen ins Gesicht treiben so wie beispielsweise dieses Foto von Michael Fatali.

Michael-Fatali-Teapot

(Bild: Michael Fatali)

Zum Abschluss noch ein Foto auf das ich im Juni 2013 auf La Palma ganze 12 Tage lang hingearbeitet habe. Ich war ständig auf der Suche nach schönen Locations und habe auf gutes Wetter gehofft. Am vorletzten Abend ist dann endlich dieses Foto gelungen. Für mich ist dieses eine Foto eines der Highlights der gesamten Reise.

La Palma Sunset - Nikon D800E

Fazit

Stimmungsvolle Landschaftsfotografien entstehen nicht einfach von ganz allein. Für ein gutes Foto muss man auch schon mal ein paar Stunden Wartezeit auf sich nehmen, eine weitere Wanderung machen und wenn man einen magischen Ort gefunden hat, ihn ggfs. so oft besuchen bis man seine Bildidee endlich umgesetzt hat. Gute Planung und Vorbereitung sind hier die halbe Miete. Die großen Helden der Landschaftsfotografie wie bspw. Ansel Adams haben ihre Fotos NIEMALS im Vorbeigehen aufgenommen. Sie haben sich stets mit viel Aufwand und Liebe zu Detail an die Umsetzung konkreter Bildideen begeben und waren damit letztlich überaus erfolgreich.

Damit ihr Euch während ihr auf den richtigen Augenblick wartet nicht ärgert weil ihr andere Motive und Situationen verpasst, solltet ihr ggfs. einfach eine zweite Kamera dabeihaben!

Mein Tipp für den gepflegten Schnappschuss zwischendurch:

Stellt an der „Zweitkamera“ das Sportprogramm ein oder alternativ den kontinuierlichen Autofokus und die ISO-Automatik. So seid ihr auf den meisten Situationen gut vorbereitet. Auch wenn wegen der ISO-Automatik einige Fotos letztlich vielleicht ein wenig verrauscht sein sollten, ein leicht verrauschtes Foto ist immer noch besser ein Foto das total verwackelt ist weil man unbedingt mit ISO-100 fotografieren wollte…

NOKIA LUMIA 1020 – Perfekte Kamera für unterwegs?

Der finnische Handy-Hersteller NOKIA lag ziemlich am Boden als Microsoft vor einigen Wochen die Handy-Sparte übernahm. Microsoft selbst hat bei aller Marktmacht aktuell schwer damit zu kämpfen, dass viele „Otto-Normalverbraucher“ sich statt eines klobigen PCs einen modernen Tablett-Computer kaufen. Ein Trend den auch Apple zu spüren bekommt. Statt ein teures Notebook für 2.800 Euro zu kaufen, greifen viele Apple-Fans inzwischen zu einem iPad und sind damit sehr glücklich.

Aber ist das ein Trend der auch Fotoapparate übertragen werden kann? Klein und leicht statt groß und leistungsfähig? Mit dem LUMIA 1020 spricht NOKIA respektive Microsoft die Herzen aller Fotofans an. Dieses Telefon wird als perfektes Foto-Hand vermarktet, man spricht sogar von einem Ersatz für eine Spiegelreflexkamera.

Bildschirmfoto 2013-10-18 um 09.23.14

Sowohl Microsoft als auch NOKIA haben viele Trends der letzten Jahre erst spät erkannt und so erscheint die Konkurrenz seitens Apple, Samsung & Co. aktuell fast übermächtig. Die Konzerne müssen also etwas tun um ihre Aktionäre zufrieden zu stellen. Da NOKIA nun teilweise ein US Konzern ist liegt es nahe die Produkte auch auf dem US Markt zu bewerben. Und so entstanden dann auch einige Werbefilme im ur-amerikanischten Teil der USA, im Süd-Westen zwischen Utah und Arizona.

Vergisst man für kurze Zeit, dass es Werbebotschaften sind die hier transportiert werden, so sind diese Werbefilme ein echtes Schmankerl für jeden South-West-Fan. Und wer schon einmal auf dem Bauch am Horse-Shoe-Bend gelegen hat der wird verstehen warum der Fotograf den Bildaufbau gewählt hat den man im Video zu sehen bekommt. Diese Schleife des Colorado River ist einfach so irre groß, dass man ein Fisheye braucht um sie komplett ablichten zu können.

Aber schauen wir uns das Video doch mal an:

Und was sagt Ihr dazu? Die Qualität ist nicht schlecht wobei man auch sagen muss, dass sich alle Einstellungen an der festen Brennweite des eingebauten Objektivs orientieren. Hier schreibt sozusagen das Aufnahmegerät das Drehbuch selbst. Für einen wirklich ambitionierten Film eher undenkbar. Aber man muss auch sagen, dass die Bildqualität wirklich überraschend gut ist. Wer indes hofft allein mit diesem Handy aus dem Stand ein ähnliches Video machen zu können wird schnell enttäuscht sein.

Ich bin mir sehr sicher, dass bei diesem Video viele kleine Hilfsmittel wie improvisierte Stative usw. verwendet wurden. An den Stellen an denen die Handy-Kamera „fliegt“ holpert es trotz allem ganz kräftig. Wer etwas mehr Gewicht transportieren kann wird hier mit einem Schwebestativ und einer einfachen DSLR bessere Kamerafahrten aufnehmen können.

Aber das NOKIA LUMIA 1020 zeichnet (bei allen Einschränkungen) nicht nur Videos in überraschend guter Qualität auf, es macht auch sehr brauchbare Fotos. Dieses Video zeigt außerdem sehr schön was moderne Videoschnitt-Software inzwischen leisten kann.

Für das Video wurden 41 Fotos mit jeweils 41 Megapixeln aufgenommen. Es ist mehr ein Werbe-Gag, denn so lässt sich daraus ein 41×41 Video machen. Die Macher haben sicher sehr lange überlegt wo sich diese Idee realisieren lässt. Und ganz ehrlich, sie hätten keinen besseren Ort finden können. Denn wegen der Straßenbeleuchtung sind die Lichtverhältnisse über viele hundert Meter hinweg nahezu konstant. Und wenn man dann noch viele Tage in die Aufbereitung der Fotos steckt, entsteht daraus so ein cooler Videoeffekt. Allerdings bin ich mir sehr sicher, dass hier mehr als nur 41 Fotos geschossen wurden. Es kann gut sein, dass letztlich nur 41 Bilder verwendet wurden, aber diese 41 Fotos wurden sicher aus einer größeren Menge gezielt ausgewählt damit die Einzelbilder so gut wie möglich zusammenpassen.

Aber sei’s drum, das Video zeigt eine frische neue Idee und ich denke weltweit werden danach viele Hobby-Filmer überlegen wie und wo sich ein ähnlicher Effekt kreieren lässt. Sehr cool sind auch die farbigen Handgriffe die zum NOKIA 1020 lieferbar sind. Damit soll ein wenig DSLR-Feeling aufkommen und in knalligem Gelb sieht das auch echt crazy aus.

Bildschirmfoto 2013-10-18 um 09.22.51

Fazit

Das NOKIA 1020 ist sicher kein schlechtes Handy und man kann damit schon brauchbare Fotos und Videos machen. Aber die Entwicklung bleibt nicht stehen und aktuell steht eine neue Generation spiegelloser Kameras mit Chips in vollem Kleinbild-Format mit satten 24-36mm in den Startlöchern. Die Sensorfläche ist bei diesen Kameras immens größer und das Zubehörangebot wird kein Auge trocken lassen.

In diesem Umfeld wird sich ein Telefon niemals ernsthaft behaupten können. Es sei denn Größe und Gewicht sind die ausschlaggebenden Faktoren. Dann punktet das Smartphone als brauchbare „immer dabei“ Kamera.

Alles in allem ist es erstaunlich was aktuelle Handys in Sachen Bildqualität zu liefern im Stande sind. Doch das NOKIA 1020 hat große Konkurrenz und die spielt auf ähnlich hohem Niveau.

Schauen wir mal auf den Preis. Das NOKIA Lumia 1020 kostet ohne einen Vertrag etwa 700 Euro. Zu diesem Preis habe ich eine Nikon 1V1 mit 10-30mm UND dem genialen Nikkor AF-S 10-100 PD kaufen können. Die Kamera war ein Auslaufmodell und das Objektiv eine preisgünstige Versand-Retoure.

Nikon_1_V1_1_Nikkor_VR_10-100_PD_BK

Mit dieser Kamera hat man zu einem ähnlichen Preis ein System das Fotos und Videos in wirklich toller Qualität ermöglicht und eine extrem weich laufenden 10x Motorzoom hat. In Verbindung mit dem kleinen 2.8/10mm Objektiv ist die Nikon 1 V1 auch klein leicht und kompakt. Auf dem Papier hat sie zwar „nur“ 10 Megapixel und ist damit dem NOKIA 1020 scheinbar hoffnungslos unterlegen. Aber die Realität sieht ganz anders aus. Ganz gleich ob Videos oder Fotos, die Nikon 1 V1 kann es besser als jedes Smartphone.

Für alle die es noch nicht kennen habe ich hier mein Nikon 1 Testvideo das ich vor ein paar Tagen in der Flugzeugausstellung in Hermeskeil in der Nähe von Trier aufgenommen habe. Dabei habe ich eine Nikon 1 V1 und eine Nikon 1 J2 mit unterschiedlichen Objektiven verwendet.

Besonders die Passagen die mit einem Stativ gefilmt sind finde ich sehr überzeugend. Auch liefert die Nikon 1 bei gedämpftem Licht in Ausstellungsräumen wirklich überraschend gute Fotos und Videos.

Abschließend möchte ich sagen, dass das NOKIA LUMIA 1020 aus meiner Sicht ein vielversprechendes Telefon ist. Wer es immer dabei hat wird damit viele Schnappschüsse in guter Qualität aufnehmen können. Ein wirklicher Ersatz für eine gleichteure Kamera „richtige“ Kamera ist es hingegen trotz aller Werbeversprechen nicht. Aber das Werbevideo aus dem Süd-Westen der USA ist trotzdem richtig gut 🙂

Bildaufbau für Dummies – Teil III

Viele Touristen werden tagtäglich in Bussen um die Welt gekarrt und dürfen diese in regelmäßigen Abstände zum Pinkeln und Knipsen kurz verlassen. An den üblichen Fotospots machen dann alle (fast) Reisenden das gleiche Foto und danach geht es schnell wieder hinein in den Bus und weiter zur nächsten Location. Wer sich in einem fremden Land nicht auskennt, die Sprache nicht spricht und keinen Mietwagen mieten kann oder will, für den sind solche Reisen – so gruselig sich das auch anhören mag – als Einstieg gar nicht so verkehrt. Wer mit einem Mietwagen beispielsweise auf Kuba in einen Unfall mit Personenschaden verwickelt wird, der muss im Land bleiben bis in einem Gerichtsverfahren alles geklärt wurde und er in der Regel zur Zahlung einer hohen Entschädigung verurteilt wird (Egal ob schuldig oder nicht!). Ein solcher Unfall kann einem schon mal die gesamte private und berufliche Zukunft zerstören und das muss ja nicht sein.

Wenn man nun mit dem Bus an einem der üblichen Fotospots abgesetzt wird und nicht viel Zeit für ein halbwegs ordentliches Foto bleibt, so sollte man einige wenige grundlegende Regeln im Kopf haben. Um diese Regeln geht es heute!

Der Mensch als Maßstab

Besonders bei unglaublich beeindruckenden Gebäuden, Gesteinsbögen, Felsen usw. reißen vielen Fotofans instinktiv ihre Kamera hoch und nehmen schnell ein paar Fotos auf. Später daheim werden sie diese Bilder an die Ausmaße des Motivs erinnern. Aber Betrachter welche die reale Situation nicht erlebt haben werden sich ggfs. schwer mit den Bildern tun. Was ist groß, was ist klein, um diese Frage zu beantworten braucht der Zuschauer oft ein kleines Hilfsmittel. Vielfach ist es daher sehr hilfreich einen Menschen als Maßstab in sein Bild zu integrieren. Doch gerade damit kann man herrlich „schummeln“ und durch die Wahl von Brennweite, Standpunkt und Entfernung zwischen Mensch und Hauptmotiv das Motiv besonders gewaltig oder eben auch besonders klein wirken lassen.

Soll das Motiv besonders groß wirken, so ist es oft ratsam den Menschen der als Maßstab fungiert einige Meter von der Kamera entfernt zu positionieren. Eine leichte Telebrennweite hilft Mensch und Hintergrund zu verschmelzen. Hier zwei Beispielfotos:

John Ford Point

Hiking the Wave - Nikon D300

Für den umgekehrten Effekt nutzt man an der Kamera eine recht kurze Weitwinkel-Brennweite und positioniert den Menschen recht nah vor der Kamera. So wird der Mensch betont und die Abmessungen des Hauptmotivs werden abgewertet. Im folgenden Beispiel dominiert der Mensch das Bild während der gewaltige Bryce-Canyon nur noch ein kleiner Statist im Hintergrund ist.

Glücklich am Bryce Canyon

Verwendet man hier eine extrem kurze Brennweite, so sind auch nette Spielereien wie diese hier möglich. (Nikon D300 mit Nikkor AF-D 2.8/10,5mm)

The Big Illusion - Nikkor AF-S 2.8/10,5mm

Stehen, knien oder liegen?

„Kinder sehen die Welt mit anderen Augen!“ – In diesem Spruch liegt viel Wahrheit. In den 40er und 50er Jahren wurde häufig mit zweiäugigen Spiegelreflexkameras von Rollei & Co. fotografiert. Diese Kameras haben einen Lichtschacht und man hält sie sich üblicherweise vor den Bauch oder verkehrt herum hoch über den Kopf. So kann man entweder eine Menschenmenge überblicken oder eben mit den Augen eines Kindes fotografieren. Niedrige Kamerapositionen sind spätestens mit dem Siegeszug der modernen Spiegelreflexkameras etwas aus der Mode gekommen und die Mehrzahl der Fotofans halten ihre tolle DSLR vor eines ihrer Augen und stehen dabei aufrecht.

Wer seinen Fotos ein anderes Look & Feel geben möchte, der könnte sich beispielsweise kurz hinknien um sein Foto zu machen. Wer es noch radikaler will, der wirft sich für ein gutes Foto auch mal in den Staub. Die Unterschiede sind manchmal verblüffend.

Schauen wir uns die beiden Beispiele an. Beim ersten Foto habe ich aufrecht gestanden, während ich beim zweiten Foto etwas in die Knie gegangen bin.

Burr Trail & Capitol Reef NP

Im ersten Bild liegt die Betonung mehr auf den Bergen des Capitol Reef Nationalparks. Das zweite Bild ist eher das Motiv des „einsamen Baumes“. Der Baum dominiert das Bild und weil es keinen Menschen als Maßstab gibt könnte er riesig oder unscheinbar klein sein. Man weiß es nicht genau und so wirkt eher groß. Die Bildaussage ist im Vergleich zum ersten Bild vollkommen anders.

Burr Trail & Capitol Reef NP

Nehmen wir nun einen Menschen als Maßstab hinzu, so ist die Illusion zerstört. Man sieht sofort, dass das Bäumchen vielleicht 2,5 Meter hoch ist und alles in allem ist das Foto eher ein Erinnerungsbild nach dem Motto: „Schaut ich war hier…“ Ein Mensch als Maßstab ist also in einer Bildkomposition oft ein Gewinn, aber eben auch nicht immer!

Burr Trail & Capitol Reef NP

Die Wahl der Schärfeebene

Wer an seiner Kamera eine etwas längere Brennweite und eine große Blende manuell einstellen kann, der hat die Möglichkeit einen Bildaufbau zu wählen der durch die Wahl einer begrenzten Schärfeebene bestimmt wird. Im folgenden Beispiel habe ich manuell auf den Leoparden im Hintergrund fokussiert. Der ahnungslose Vogel und das panisch davon rennende Wildschweinchen sind nur unscharf abgebildet. Teilt man das Bild gedanklich wieder in 9 gleich große Felder, so ist das Gesicht des Geparden ganz bewusst nicht in der Bildmitte sondern an der oberen rechten des mittleren Neuntels angeordnet.

Museum Koening #11

Beim nächsten Bild bin ich etwas zurück gegangen und habe eine etwas kürzere Brennweite gewählt. Nun ist der ahnungslose Vogel im Vordergrund scharf abgebildet. Der gefährliche Jäger im Hintergrund ist noch klar erkennbar, aber der Blick des Betrachters ruht zunächst auf dem Vogel im Vordergrund. Erst nach einem kurzen Augenblick wird der Betrachter die Gefahr verstehen in der sich der ahnungslose Vogel befinden könnte. Beide Fotos sind sich sehr ähnlich und doch so verschieden.

Museum Koening #10

Fazit

Wer sich bereits daheim lange vor dem Antritt einer Reise Gedanken zum Thema Bildaufbau macht und sich so oft wie möglich an profanen Dingen übt, der wird in den kurzen Momenten in den es „darauf ankommt“ instinktiv seine Bilder besser komponieren als die Mehrzahl seiner Mitstreiter. Wer sich unsicher ist welcher Bildaufbau wann und wo richtig ist, er schießt einfach mehrere Varianten und entscheidet später was ihm gefällt und was nicht. Wichtig ist dabei nur, dass ich die vielen Fotos auch tatsächlich unterscheiden.