Nikon D800s – Was bringt das Update

Ein kleiner Spaß mit Photoshop

Der Konkurrenzkampf unter den Kameraherstellern unterscheidet sich kaum vom Rest der Elektronik-Branche. Kaum hat beispielsweise HTC das Modell M7 vorgestellt, zaubert auch schon Samsung ein Modell mit neuen technischen Leckereien aus dem Hut und just einige Wochen später ist das M7 schon wieder alt und HTC zieht mit dem M8 gleich. Bei Nikon, Canon & Co. ist das nicht anders. Es ist ein ewiger Wettlauf um die Gunst der Käufer die ihr Produkt nicht mit dem Bauch sondern allein anhand der technische Daten auswählen.

Um nicht bei den Verkäufen hinter den Erzrivalen Canon zurückzufallen werden auch bei Nikon die Zyklen für neue Modelle immer kürzer. Doch aller Hysterie zum Trotz hat man bei Nikon in der Vergangenheit zwischen den „Major-Releases“ jeweils ein „Minor-Release“ eingeschoben. Also ein vermeintlich neues Kameramodell, bei dem jedoch die Modellpflege im Vordergrund stand und nahezu alle wesentlichen Baugruppen beibehalten wurden.

So gab es kurz nach dem Erscheinen der Nikon D1 mehrere Upgrades mit höherer Auflösung, schnellerer Bildfolge und erweitertem Speicher. So wurde auch die sehr gute D2x bereits ein Jahr nach der Vorstellung von der Nikon D2xs abgelöst. Die Neuerungen waren übersichtlich und man konnte jede D2x über ein Firmware-Update auf den Stand der D2xs bringen. Auch die D3 erhielt knapp zwei Jahr nach ihrer Vorstellung mit der D3s einen leicht verbesserten Nachfolger.

Im Frühjahr 2012 wurden die D4 und die D800/D800E vorgestellt und auch für diese Kameras ist nun die Zeit der Modellpflege gekommen. In den nächsten Wochen wird eine leicht modifizierte Nikon D4s in die Läden kommen und eine D800s wird wohl im Herbst zur Photokina 2014 folgen. Kurz darauf werden sich alle DX-Freude über eine Nikon D7200 freuen können.

Um bei all den Modellen die Übersicht nicht zu verlieren habe ich hier für Euch eine Liste der digitalen Nikon Kameras zusammengestellt.

Modell Einführung Mega-Pixel B/s Sensor UVP
D1 Okt. 1999 2,74 4,5 23,7×15,6 DM 7.615
D1H Feb. 2001 2,74 5 23,7×15,6 DM 5.000
D1X Feb. 2001 5,47 3 23,7×15,6 DM 6.500
D100 Juli 2002 6,1 3 23,6×15,8 € 2.800
D2H Juli 2003 4,1 8 23,1×15,5 € 4.000
D70 Mär. 2004 6 3 23,6×15,8 € 1.100
D2X Juli 2005 12,5 5 23,7×15,7 € 5.000
D2Hs Nov. 2005 4,1 8 23,1×15,5 € 3.500
D50 Okt. 2005 6,1 2,5 23,6×15,8 € 750
D70s Apr. 2005 6 3 23,6×15,8 € 950
D200 Nov. 2005 10,2 5 23,6×15,8 € 1.700
D2Xs Juli 2006 12,5 5 23,7×15,7 € 5.069
D80 Sep. 2006 10,2 3 23,6×15,8 € 969
D40 Okt. 2006 6,24 2,5 23,6×15,8 € 649
D40X Mär. 2007 10,2 3 23,6×15,8 € 859
D3 Dez. 2007 12,1 9 bei 12 mp
11 bei 5 mp
36×23,9 € 4.849
D300 Aug. 2007 12,3 6
8 mit Batteriegriff
23,6×15,8 € 1.829
D60 Mär. 2008 10,2 3 23,6×15,8 € 749
D700 Juni 2008 12,1 5
8 mit Batteriegriff
36×23,9 € 2.599
D90 Sep. 2008 12,3 4,5 23,6×15,8 € 1.189
D3X Dez. 2008 24,5 5
7 im DX-Modus
36×23,9 € 6.999
D5000 Mai  2009 12,3 4 23,6×15,8 € 859
D3000 Aug. 2009 10,2 3 23,6×15,8 € 539
D300s Aug. 2009 12,3 7
8 mit Batteriegriff
23,6×15,8 € 2.369
D3s Okt. 2009 12,1 9
11 im DX-Mode
36×23,9 € 4.999
D3100 Aug. 2010 14,2 3 23,1×15,4 € 649
D7000 Sep. 2010 16,2 6 23,6×15,6 € 1.399
D5100 Apr. 2011 16,2 4 23,6×15,6 € 809
D4 Jan. 2012 16,2 10
11 im DX-Mode
36×23,9 € 5.929
D800 Feb. 2012 36,3 4
6 im DX-Mode
36×23,9 € 2.899
D800E Feb. 2012 36,3 4
6 im DX-Mode
36×23,9 € 3.219
D3200 Apr. 2012 24,2 4 23,2×15,4 € 599
D600 Sep. 2012 24,3 5,5 36×23,9 € 2.149
D5200 Nov. 2012 24,1 5 23,5×15,6 € 809
D7100 Mär. 2013 24,1 6 23,5×15,6 € 1.179
D610 Okt. 2013 24,3 6 36×23,9 € 1.949
D5300 Okt. 2013 24,2 5 23,5×15,6 € 809
Df Nov. 2013 16,2 5,5 36×23,9 € 2.999
D3300 Jan. 2014 24,2 5 23,2×15,4 € 549
D4s Feb. 2014 16,2 11 36×23,9 € 6.150
D800s Sep. 2014 36,3 5
6 mit Batteriegriff
36×23,9 € 3.000
D4x Sep. 2014 36,3 8 36×23,9 € 7.000
D7200 Sep. 2014 24,1 7 23,5×15,6 € 1.300

Was die Nikon D800s bringen wird kann man sich bereits jetzt an 5 Fingern abzählen:

  • Leicht erhöhte Bildfolge
  • Verbessertes Aufofokus-System wie bei D4s
  • Etwas geringeres Bildrauschen bei hohen ISO-Werten
  • Expeed 4 Bildprozessor
  • Zusätzliche Modi für Video-Aufnahmen

Was sie nicht haben wird ist auch klar:

  • Eingebautes GPS und WLAN
  • Programmierbare AF-Punkte für Video
  • 4k Auflösung für Video
  • Klappdisplay
  • Touchdisplay
  • Hybridsucher

Damit schnell deutlich, dass sich Besitzer einer D800 oder D800E nicht zu grämen brauchen. Sie haben nach wie vor eine sehr gute Hochleistungskamera zur Verfügung und es gibt keinen Grund für einen Wechsel. Wer noch vor der Überlegung steht ob es eine D800 werden soll, der kann sich entweder über günstige „Auslaufmodell“ ohne das magische S freuen oder noch ein paar Monate warten und dann zum neuen Top-Modell greifen. Allerdings sollte nicht zuletzt beim Blick auf die oben aufgeführte Liste klar sein, dass die Nikon D800s sehr wahrscheinlich bereits im Jahr 2016 von einer D800x oder der D900 abgelöst werden wird.

Wie auch in der Automobilbranche setzt man bei Nikon auf Evolution statt auf Revolution. Die Automobilhersteller sind stets darauf bedacht ihre Modellpalette sanft weiterzuentwickeln und die Kunden nicht mit allzu großen technologischen Revolutionen zu verunsichern. Hier hat man aus der Vorstellung des damals revolutionären NSU Ro80 gelernt. Dieses Auto war zu seiner Zeit ein absolutes technisches Highlight und bedeutete dennoch den Niedergang seines Herstellers. Der Markt war einfach noch nicht bereit für Wankelmotoren und extrem stromlinienförmige Karroseriebauformen.

Schaut man sich einen Golf 1 neben dem aktuellen Modell an, so sind die Unterschiede indes gewaltig. Vergleicht man allerdings die einzelnen Modelle miteinander, so waren die Unterschiede stets überschaubar.

Wer im Jahr 2014 eine Nikon D1x mit einer Nikon D4 vergleicht wird man ähnliches feststellen. Die grundsätzliche Bauform ist gleich geblieben und alle wesentlichen Bedienelemente sind noch am gleichen Platz. Doch bei der Bildqualität hat sich ein klarer Quantensprung ergeben. Doch wie bei einem VW Golf III und Golf IV sind die Unterschiede zwischen Nikon D3 und D4 ebenfalls überschaubar und mit beiden Kameras kann man im übertragenen Sinne angenehm von A nach B fahren.

Fazit

Der Vorstellung der Nikon D800s können wir gelassen entgegen sehen. Die Unterschiede werden marginal ausfallen und die D800 gehört noch lange nicht zum alten Eisen. Statt sich über den Wertverlust auf dem Gebrauchtmarkt zu ärgern sollte man sich an der unglaublichen Bildqualität der D800 bzw. D800E erfreuen. Über eine Erweiterung seines Kamerasortimentes braucht man frühestens im Jahr 2016 nachzudenken wenn der Nachfolger der D800s vorgestellt wird.

Aufgrund der leicht erhöhten Bildfrequenz könnte die D800s für jene Sportfotografen interessant sein, bei denen die D800 bislang aufgrund der moderaten Bildfrequenz mit 4 B/s ausgeschieden ist. Über den zu erwartenden Preisverfall werden sich die Schnäppchenjäger freuen.

Für alle die es noch nicht kennen habe ich hier ein Video das ich in weiten Teilen mit meiner Nikon D800E aufgenommen habe.

Nikon D800E – Nachts fotografieren

Frankfurt Panorama - Nikon D800E & Rokinon 3,5/24mm Shift & Tilt

Bereits seit fast einem halben Jahr verabredet, konnte ich mich in der letzten Woche mit einer früheren Arbeitskollegin treffen um die Frankfurter Skyline im Abendlicht zu fotografieren. Im Vorfeld haben wir gemeinsam überlegt welche Stelle geeignet erscheint und ich habe ein wenig bei Google-Maps und in der Wikipedia recherchiert. Dabei bin ich auf Fotos gestoßen, bei denen die Frankfurter Skyline oberhalb einer schön beleuchteten Brücke fotografiert worden war. Das gefiel mir gut und so war die Position für unsere erste Fotosession schnell gefunden.

Frankfurt Downtown - Nikon D800E & AF-S 2,8/24-70mm

Gern hätten wir auch von der Aussichtsplattform des nahe gelegenen Hotel Lindner fotografiert, aber diese darf man nur nach Voranmeldung in Begleitung eines Angestellten für 30 Minuten zum Preis von 30 Euro betreten. Mit ein wenig mehr Planung können wir dies in ein paar Wochen nochmals in Angriff nehmen. Während meine Begleitung mit ihrer Nikon D5200 und dem AF-S VR 18-105mm fotografiert hat, war in meinem Fotorucksack die ganz große Kampfausrüstung. Wirklich verwendet habe ich letztlich nur zwei Objektive, das ROKINON 3,5/24mm Shift & Tilt sowie das Nikon AF-S 2,8/24-70mm. Wieder einmal hat sich auch bewahrheitet, dass man nur mit einer Kamera gleichzeitig fotografieren kann und so sind meine kleinen neuen Panasonic Kameras allesamt im dunklen Fotorucksack geblieben.

Der richtige Zeitpunkt

Viele Fotoamateure denken immer wieder, dass man eine irre teure Kamera braucht und die dann schon dafür sorgen wird, dass die Fotos ein echter Hingucker werden. Dies ist aber völlig falsch! Die wichtigste Zutat für wirklich schöne Nachtaufnahmen ist wirklich schönes Licht! Die Kamera ist dabei weniger wichtig, was zählt ist letztlich der richtige Zeitpunkt!

Was stimmen muss ist das Verhältnis der Beleuchtung der Fenster der Hochhäuser und dem Umgebungslicht. Ist man zu früh, wirken die Fassaden flach und langweilig, ist man zu spät ist der Himmel tiefschwarz und leblos. Perfekt sind meist die 30 Minuten nach Sonnenuntergang. Wann genau die Sonne untergehen wird, lässt sich beispielsweise via Smartphone mit kleinen Apps ermitteln.

Selbst mit einer uralten Nikon D1x hätte man Fotos die diese hier aufnehmen können, nur wären sie eben etwas kleiner geworden. Ausgedruckt im Format 30x45cm würde man kaum einen Unterschied sehen. Ihre Stärken kann die Nikon D800E erst bei wirklich großen Prints ausspielen. So war es letztlich auch nicht verwunderlich, dass bei unserer „Nachbesprechung“ in einer nahe gelegenen Tapas-Bar im Format mit 1920 Pixeln Kantenlänge die Ergebnisse der Nikon D5200 fast genauso gut aussahen wie bei der Nikon D800E. Voraussetzung ist natürlich, dass man im RAW-Format fotografiert und die Bilder aus beiden Kameras einer identischen Nachbearbeitung unterzieht!

Frankfurt Sundown - Nikon D800E & AF-S 2,8/24-70mm

Bei der Planung ist es auch sehr hilfreich sich die Begebenheiten bspw. via Google-Maps in der Draufsicht anzuschauen. Im Hochsommer geht die Sonne ziemlich genau „links“ also westlich („21 Uhr“) des zu fotografierenden Motivs unter. Im Winter liegt diese Position eher zwischen „19 und 20 Uhr“. Bei der Planung sollte man berücksichtigen, ob man sein Motiv als Silhouette im Gegenlicht abbilden möchte, oder ob das letzte Abendlicht beispielsweise seitlich einfallen soll.

Planung-Shooting

Bewegungsunschärfe

Wer lange belichten will der muss oft auch in den Abendstunden noch zu einem Trick greifen. So hat sich meine Begleitung beispielsweise gewundert, dass trotz Blende 22 und ISO-100 bei  einer Belichtungszeit von 30 Sekunden die Ergebnisse hoffnungslos überbelichtet waren. Hier hilft nur eines, man muss die Menge des Lichts das auf den Chip der Kamera fällt zusätzlich zur kleinen Blende beschränken. Dies erreicht man mit einem geeigneten Graufilter. Dieser sollte hochwertig und möglichst „neutral-Grau“ sein, um die Farben nicht unnötig zu verfälschen. Für die oben gezeigten Fotos habe ich einen HAIDA 8x Graufilter verwendet. Da der Himmel von der bereits untergegangenen Sonne dennoch erleuchtet wird und die Wolken viel zu hell waren, habe ich zusätzlich noch einen Graufverlaufsfilter benutzt. Mit zwei Filtern auf dem Objektiv werden aber die Bildecken leicht abgedunkelt. Um dies zu vermeiden habe ich bei der Aufnahme des zweiten Fotos an meinem 24-70mm Zoom-Objektiv nicht den „ganz weiten Winkel“ sondern nur 29mm eingestellt.

Die meisten Objektive erreichen ihre maximale Abbildungsqualität wenn man sie um 2-3 Stufen abblendet. In Verbindung mit einem Graufilter ist es nun möglich lange Belichtungszeiten zu erzielen und am Objektiv eine mittlere Blende einzustellen. So lässt sich einerseits eine maximale Abbildungsqualität mit vielen Details erzielen und andererseits beispielsweise fließendes Wasser herrlich weich abbilden. Bei Belichtungszeiten ab ca. 10 Sekunden sind fahrende Autos, Busse, Straßenbahnen und Fahrradfahrer praktisch verschwunden. Alles was von ihnen bleibt sind dekorative „Lichtspuren“. Während unserer Fotosession sind immer wieder Straßenbahnen über die „Alte Brücke“ gefahren und haben mit ihrem Licht das Wasser des unter der Brücke fließenden Mains beleuchtet. So wird die Brücke selbst als Schatten auf der Wasseroberfläche abgebildet.

Nachbearbeitung

Bei langen Belichtungszeiten stellt sich bei digitalen Kameras trotz niedriger ISO-Empfindlichkeit Bildrauschen ein. Dieses lässt sich verringern, indem man die Kamera bei identischen Einstellungen bis zu 5 mal nacheinander auslöst und die Bilder bspw. in Photoshop in mehreren Ebenen übereinander legt. Dabei reduziert man die Deckkraft der Ebenen. Die Hintergrundeben stellt man auf 100% Deckkraft, die weiteren Ebenen beispielsweise auf 75%, 50%, 25% 12%. Da das Bildrauschen meist zufällig verteilt ist, lässt es sich mit diesem kleinen Trick sehr effizient reduzieren ohne viele Details zu verlieren. Bei Kameras die eine Mehrfachbelichtung mit automatischem Abgleich der Belichtung ermöglichen, kann man diesen Trick bereits in der Kamera ausführen und erhält damit sehr gute Ergebnisse ohne großen Aufwand bei der Nachbearbeitung treiben zu müssen.

Kontraste in den Griff bekommen

Besonders nachts sind die Kontraste zwischen beleuchteten Elementen und der dunklen Umgebung sehr hoch. Hier besteht die Herausforderung darin die Bilder so zu belichten, dass möglichst wenig Bildinformation verloren geht. Mein Tipp ist hier das Histogramm bei der Kamera einzublenden und auch die Spitzlichter zu kontrollieren. Sind die Bilder überbelichtet, so blinken bei Anzeige der Spitzlichter weite Bereiche des Bildes auf. Diese Bildelemente haben in der Regel keine Zeichnung mehr und sind somit für jegliche weitere Bearbeitung „verloren“. Wer nicht komplett manuell blickten möchte, dem rate ich an der Kamera die Zeitautomatik zu aktivieren. Meist wird diese mit dem Buchstaben A gekennzeichnet, was für Aperture-Priority (Blenden-Priorität) steht. Bei der Blenden-Priorität wählt man die Blende am Objektiv vor. Dies tut man im Idealfall so, dass das Objektiv um 2-3 Stufen abgeblendet ist. Passend zur fest vorgegebenen Blende wählt die Kamera die passende Belichtung ganz automatisch. Blinken nun im Display fiese Spitzlichter auf, so hilft die Belichtungskorrektur. Bei den meisten aktuellen Kameras gibt es dafür ein +/-  Knöpfchen. Dieses hält man gedrückt und dreht an einem der Einstellrädchen der Kamera. Wie die Belichtung korrigiert wird kann man meist in einem der Displays der Kamera ablesen. Hier rate ich dazu schrittweise vorzugehen und immer wieder ein Testbild aufzunehmen. Die Belichtung ist dann korrekt korrigiert wenn nur noch ganz winzige Bereiche als Spitzlichter markiert werden.

Würde man die Belichtung so stark korrigieren, dass im Kameradisplay gar keine Spitzlichter mehr angezeigt werden, wäre das Bild in der Regel stark unterbelichtet. Man müsste nachträglich die Helligkeit stark anheben und hätte im Ergebnis mit heftigem Bildrauschen zu kämpfen.

Falls die Kamera es ermöglicht, sind Belichtungsreihen ein sehr einfaches Mittel um auch allergrößte Kontraste komplett einzufangen.

Bracketing

Das Zauberwort heißt „Bracketing“, ein Feature vieler Nikon Kameras das die Aufnahme von Belichtungsreihen ermöglicht. Meist kann auch noch die Schrittweite in Blendenwerten (EV-Exposure-Value) eingestellt werden. Aus den unterschiedlich belichteten Fotos lässt sich später mit etwas Liebe ein Foto zaubern in dem selbst helle Bereiche noch Zeichnung haben und in den dunklen Bereichen Strukturen zu sehen sind, ohne dass fieses Bildrauschen sichtbar wird. Damit sich diese unterschiedlich belichteten Fotos später problemlos zu einem einzigen Foto verarbeiten lassen sollte man den Autofokus nur vor der Aufnahme der Belichtungsreihe zur Ermittlung der korrekten Schärfe verwenden und danach abschalten. Ändert man die Brennweite, so ist es immer ratsam neu zu fokussieren. Die Blendenprorität, meist Zeitautomatik genannt hilft dabei, dass Tiefenschärfe und Bildeindruck über alle Bilder der Belichtungsreihe hinweg konstant bleiben.

RAW-Konvertierung

Bei der RAW-Konvertierung ist es wichtig den durch gezielte Einstellung der Kamera erzielten hohen Tonwertumfang für die folgende Bildbearbeitung zu erhalten. Ich stelle daher häufig im RAW-Importer von Photoshop CS6 das Kameraprofil „Neutral“ ein. Damit erscheinen die Kontraste zunächst etwas flach und das Bild sieht blass aus, aber man kann die Kontraste später immer noch anheben, Verlorene Bildinformationen lassen sich nicht zurückgewinnen!

Viele RAW-Konverter bieten die Möglichkeit die hellen Bereiche des Bildes etwas abzudunkeln und die dunklen Bildbereiche aufzuhellen. Dieses Feature ist besonders bei Nachaufnahmen wirklich sinnvoll. Wer Belichtungsreihen aufgenommen hat, der kann beispielsweise mit dem RAW-Konverter von Photoshop CS6 eine dunkle, eine mittlere und eine helle Variante eines Fotos öffnen, die mittlere Variante so korrigieren wie es gefällt und dann die vorgenommenen Änderungen via „Select All“ und „Synchronize“ auf die anderen Bilder übertragen.

Synchronize-Pictures

DRI Verarbeitung

Wer eine „echte HDR Verarbeitung“ nicht mag oder die passenden Programme nicht hat, für den ist die DRI-Technik (Dynamik-Range-Increase“)  eine sehr elegante Möglichkeit um ein „Ausgangsbild“ zu erstellen in dem wirklich alle Tonwerte enthalten sind und das sowohl in hellen als auch in dunklen Bildbereichen noch Zeichnung aufweist. Der DRI-Tick besteht darin, auf ein „normal“ belichtete Variante eine dunkle und eine helle Variante zu legen. In der hellen Variante selektiert man die dunklen Bildbereiche und in der dunklen Variante die hellen Bildbereiche. Das mag zunächst paradox klingen, ist aber völlig richtig! Die Selektion heller oder dunkler Bildbereiche kann man in Photoshop CS6 automatisch ausführen lassen. Dazu klickt man im Menü „Select“ auf „Color Range“ und wählt im Dialog der sich dann öffnet „Highlights“ oder „Shadows“ aus.

Select-Color-Range

Anschließend erstellt man via „Select -> Modify -> Feather“ mit einem Wert irgendwo zwischen 30 und 100 eine weiche Auswahlkante.

Feather

Anschließend klickt man noch ganz unten rechts auf das kleine helle Rechtecht mit dem dunklen Kreis in der Mitte. Diese Funktion erstellt aus der Selektion eine Ebenenmaske.

Create-Layer-From-Selection

Über die Transparenz dieser Ebenen kann man nun sehr elegant die Spitzlichter und die Helligkeit der dunklen Bereiche steuern. Hat man alles wie gewünscht eingestellt, kann man die Ebenen selektieren und via Command + E zu einer Ebene zusammenfassen und sich der weiteren Bearbeitung widmen.

Das Endergebnis könnte dann beispielsweise so aussehen…

_D804298

Zusammenfassung

Aufgrund ihres großen Chips eignet sich die D800E (wie alle anderen Vollformatkameras auch), sehr gut für die Fotografie bei wenig Licht. Wer eine Kamera verwendet die einen kleineren Chip hat, der kann mit Mehrfachbelichtungen und anderen Tricks Ergebnisse erzielen die sich abgesehen von der Größe der Dateien von den Ergebnissen aus der Nikon D800E kaum unterscheiden. Entscheidend für den Erfolg ist die Verwendung eines stabilen Stativs und der Einsatz eins Kabel-, Funk- oder Infrarot-Auslösers. Wer noch die Spiegelvorauslösung verwendet und das Okular korrekt verriegelt hat so ziemlich alles getan was möglich ist.

Besonders bei Belichtungsreihen ist darauf zu achten, dass der Autofokus abgeschaltet ist und sich die Kamera im Modus „A“ (Zeitautomatik) befindet. Bei einigen Kameras heißt die Zeitautomatik übrigens auch „T“ wie „Time-Variant“.

Mit ein wenig Mühe bei der Bildbearbeitung lassen sich letztlich wirklich schöne Ergebnisse erzielen. Damit die Fotos ihre Freunde finden fehlen noch gute Motive und der richtige Augenblick. Letzteres kann man nicht erlernen, aber bekommt es kostenlos, wenn noch ein Prise Glück im Spiel ist…

Hier ist noch eine Variante die ich mit dem Rokinon Shift & Tilt 3,5/24mm und einem Polfilter aufgenommen habe. Das Foto habe ich via Photoshop CS6 und NIK HDR Efex Pro aus 5 RAW-Dateien erstellt. Die Bearbeitungszeit betrug nur etwa 5 Minuten.

Blue Hour - Frankfurt - Nikon D800E & Rokinon Shift & Tilt 3,5/24mm

Wer noch Fragen hat, kann mit gern eine E-Mail schreiben oder einfach die Kommentar-Funktion dieses BLOGs verwenden.

Nikon D800 – Filmen mit der DSLR

Nikon_1V1_FT1_AFS_VR_18_200

Als ich im Jahr 2009 meine ersten Gehversuche mit einer winzigen Nikon S600 gemacht habe, war ich froh mit VGA Auflösung in Farbe filmen zu können. In meiner Jugend hatte ich eine wunderbare Doppel-8 Filmkamera die ich bis heute in Ehren halte, für die es aber leider kein Filmmaterial mehr gibt. In den Zeiten in denen es diese Filme noch gab waren sie astronomisch teuer und ich konnte mir von meinem schmalen Taschengeld nur einige wenige Minuten pro Jahr leisten. Besonders aufregend waren die Momente wenn der entwickelte Film mit der Post zurück kam und ich erst einmal den Heurtier P6-24B Filmprojektor mein Vaters von Super 8 auf meinen älteren Doppel-8 Standard umbauen musste. Das war nicht wirklich schwierig, es mussten nur die Zahnräder für den Filmtransport und die Filmbühne gewechselt werden. Danach konnte ich mit meinen Film anschauen. Wenn ich mich recht erinnere lief er bei 18 Bildern/Sekunde nur etwa 3 Minuten. Diese drei Minuten kosteten mich damals das Taschengeld für einen ganzen Monat und so sind leider nicht viele Filme während dieser Zeit entstanden.

Angesichts dieser „Vorgeschichte“ war ich im Jahr 2009 regelrecht euphorisch mit einer kleinen Kamera ganz problemlos in deutlich besser Qualität filmen zu können, als es mit meiner alten Doppel-8 Kamera jemals möglich gewesen wäre. Doch wenn ich mir heute meinen ersten Film aus dem Jahr 2009 ansehe muss ich wirklich schmunzeln, aber seht selbst…

 

Zwei Jahre später konnte ich unsere USA-Reise schon mit einer Nikon P7000 dokumentieren und war wirklich happy mit der Bildqualität dieser Kamera. Im Vergleich zur Nikon S600 ein echter Quantensprung.

 

In den letzten Monaten habe ich viel gelesen und mir Videos angeschaut in denen es darum geht wie man mit einer DSLR oder einer Systemkamera schöne Videos aufnehmen kann. Einige der wichtigsten Botschaften waren dabei für mich, dass man

  • ein Stativ verwendet wann immer es möglich ist
  • freihändig nur mit einem Schwebestativ filmt
  • den Autofokus und die Belichtungsautomatik abschaltet
  • mit möglichst lichtstarken Objektiven bei weit geöffneter Blende filmt
  • als Belichtungszeit die „halbe Bildfrequenz“ wählt
  • überschüssiges Licht nicht mit kurzen Belichtungszeiten oder kleinen Blenden sondern mit Graufiltern kontrolliert
  • flaue Kontraste und geringes Nachschärfen an der Kamera einstellt
  • Sättigung und Kontrast erst später beim Videoschnitt festlegt

Vor ein paar Wochen habe ich auf Teneriffa im Jungle Parque fast ausschließlich mit der Nikon 1 V2 und dem Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm gefilmt. Oft habe ich die ohnehin krasse Brennweite noch mit einem Telekonverter verlängert. Mit dem Ergebnis bin ich schon recht zufrieden und wenn man es sich auf einem Internet-fähigen Fernseher in voller HD Auflösung anschaut sieht es wirklich gut aus. Was ich an der Nikon 1 V2 ganz besonders schätze, ist der tolle elektronische Sucher der beim Filmen mit der Kamera wirklich mehr als hilfreich ist.

Zwar kann meine Nikon D800E in brillantester Qualität filmen, aber eben nur mit hochgeklapptem Spiegel und dann sieht man eben im Sucher nichts mehr. Bei hellem Tageslicht kann man damit alles was sich bewegt eigentlich nicht mehr filmen. Was geht sind statische Motive die man im „normalen Modus“ durch den Sucher der D800E „anpeilt“ und scharf stellt. Danach stellt man den Autofokus aus, aktiviert den Live-View und startet, nachdem man die korrekte Belichtung eingestellt hat, endlich die Aufnahme.

Das alles ist oft mehr als umständlich und daher gibt es viel Zubehör mit dem man seine DSLR Schritt für Schritt zu einer „richtigen“ Videokamera ausbauen kann. Dass das nicht immer sehr teuer sein muss zeigen viele Videos bei YouTube oder auch Vimeo. Doch der Umbau einer DSLR wie der Nikon D800E zu einer „richtigen“ Filmkamera ist zeitaufwändig und es ist ein ziemliches „Gefummel“.

Weil Nikon mit der Nikon 1 V3 einfach nicht um die Ecke kommt habe ich mich entschlossen für die nächste große Reise eine Nikon D800E mit 3 leichten Objektiven einzupacken und damit zu fotografieren. Für das „gepflegte Urlausvideo“ gibt es jetzt eine Panasonic GH3 und ein wunderbar schlanke Panasonic GX7 nebst Novoflex-Adapter für das Nikon F Bajonett und einige „native“ Objektive für das wunderbar kompakte Micro-Four-Thirds Format. Weil diese Kameras noch ganz neu in meiner Sammlung sind, schaue ich derzeit immer mal was andere Leute mit diesen Kameras so auf die Beine gestellt haben. Dabei ist mir heute ein wirklich ganz großartig gefilmtes Video unter die Hände gekommen, das mit genau diesen drei Kameras gefilmt wurde die ich für die nächste Reise in den Südwesten der USA ausgesucht habe.

Aber seht selbst…

Leah Zeger „The Man I Love“ from Merge Production on Vimeo.

vocalist violinist Leah Zeger’s beautiful rendition of the classic song The Man I Love.

Filmed using the Panasonic GH3, GX7, and Nikon D800 for steadicam shots. 
Post Production in FCP x. 10.1

Dieses Video habe ich jetzt schon mehrfach angeschaut und es haut mich einfach immer wieder um was man im Jahr 2014 nur 35 Jahre nach meinen ersten Filmerfahrungen mit aktuellem Amateur-Equipment auf die Beine stellen kann. Noch vor nicht allzu langer Zeit mussten sich „Filmschaffende“ ihre professionellen Kameras noch tageweise ausleihen und teilweise horrende Mietgebühren entrichten. All das ist inzwischen Vergangenheit mit einer Kamera für 1.000 Euro und 2-3 lichtstarken Objektiven lassen sich inzwischen Videos produzieren bei denen kein Auge trocken bleibt. Und wer in diesen Zeiten noch verwackelte unscharfe falsch belichtete Videos erstellt, der sollte an sich arbeiten, denn am Equipment liegt es inzwischen meist nicht mehr.

Fazit

Die Video-Fähigkeiten moderner Kameras haben in den letzten Jahren einen echten Quantensprung hingelegt und mit guten Ideen und schönen Motiven kann nun jeder der es will sein eigener Filmemacher werden. Was früher nur einer gewissen „elitären Elite“ vorbehalten war ist im Jahr 2014 eine neue Form der Gleichberechtigung für alle denen Fotos zu langweilig sind und die nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten für ihre Kreativität suchen. Es ist ein Paradis für alle die Ideen haben die sich vor 10 Jahren noch gar nicht umsetzen ließen.

Vor diesem Hintergrund freue ich mich derzeit sehr auf die nächste Reise und kann es kaum abwarten neben schönen Fotolocations auch nach Motiven für eine unterhaltsame Reisedokumentation zu suchen.

Dabei werden mir Kurzfilme wie dieser hier im Gedächtnis bleiben. Dieser Film wurde übrigens mit einer Panasonic GX7 und vier verschiedenen Objektiven gefilmt. Ich finde ihn sehr cool und mag ihn wirklich. Das Jahr 2014 könnte das Jahr der uneingeschränkten Kreativität werden 🙂

Early Paris Thoughts from emeric on Vimeo.

Nikon D800E – Filmen mit dem SAMYANG 2,8/14mm

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Eines der beliebtesten Objektive für das Nikon FX-Format (Vollformat) ist zweifellos das überragende Nikkor AF-S 2,8/14-24mm. Leider ist dieses Objektiv aber extrem teuer und aufgrund der Tatsache, dass man keine „normalen“ Filter verwenden kann in der Nutzung etwas eingeschränkt. Ich habe mich daher entschieden mir das Nikkor AF-S VR 4/16-35mm zu kaufen und es mit dem sehr preiswerten SAMYANG 2,8/14mm zu ergänzen. Zwar ist das SAMYANG nicht genau genauso leistungsfähig wie das um ein vielfaches teurere Nikkor AF-S 2,8/14-24mm, aber Blickwinkel und Abbildungsqualität sind trotzdem sehr ähnlich und damit ist dieses billige Objektiv letztlich mehr als brauchbar.

Vor ein paar Wochen hatte ich auf Teneriffa die Gelegenheit mich ein paar Stunden lang mit der Nikon D800E, dem SAMYANG 2,8/14mm und meiner Nikon 1 V1 samt AF-S VR 10-100mm PD im Abaco bei Puerto de la Cruz zu vergnügen. Aus dem an diesem Tag eingesammelten Filmmaterial habe ich gestern für Euch ein kurzes Video erstellt. Die Hintergrundmusik ist sehr authentisch, sie stammt von einer kleinen Volklore-Truppe die im Innenhof des Abaco eine Aufführung dargeboten hat. Dort habe ich eine Weile zugeschaut und das bunte Treiben mit meiner Nikon 1 V1 und aufgestecktem Nikon ME-1 Mikrofon gefilmt. Für das Intro im Mietwagen habe ich meinen SONY HDR-MV1 Audio-Recorder verwendet.

Alle Kamera-Schwenks habe ich mit dem SIRUI M3204 und dem SIRUI K-30X Kugelkopf improvisiert. Dieser Kugelkopf ist eigentlich für die Fotografie und weniger für bewegte Bilder gedacht. Und man merkt es auch ganz deutlich, denn es ist gar nicht einfach damit einen wirklich ruckfreien „sauberen“ Schwenk hinzubekommen. Bei den Kamerafahrten, die ich im Garten des Abaco aufgenommen habe, hätte ich besser den kontinuierlichen Autofokus abgeschaltet und alles mit Blende 22 und Ausnutzung der Hyperfokaldistanz aufgenommen. Aber hinterher ist man immer schlauer und daher ist es etwas ärgerlich, dass der Autofokus deutlich sichtbar nachjustiert. Aber letztlich ist es für Euch ein gutes Anschauungsobjekt und wenn Ihr später einmal eine ähnliche Kamerafahrt aufnehmen wollt, erinnert Ihr Euch vielleicht an diese Zeilen 🙂

Hier nun das Video aus dem famosen Abaco. Es ist wirklich kurz denn ich habe viele Einstellungen beispielsweise aus der liebevoll dekorierten Küche weggelassen damit es Euch nicht langweilig wird.

Hier noch einige Fotos für jene unter Euch die sie noch nicht kennen.

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Hier noch ein Foto das ich einige Tage zuvor mit dem SAMAYANG 2,8/14mm mitten in der Nacht bei Vollmond und ISO-1600 oben im Gebirge am Fuße des Pico del Teide aufgenommen habe.

El Teide with transient Lake after a huge storm - Nikon D800E & SAMYANG 2,8/14mm

Panasonic GH3 – Was leistet das 1.7/20mm Pancake?

First Test shot with Panasonic GH3 & 1.7/20mm Pancake

In den letzten Tagen konnte ich nicht NEIN sagen und kann nun meine ersten Gehversuche mit einer Panasonic GH3 unternehmen. Bereits nach den ersten Fotos war klar, diese Kamera fühlt sich nicht nur fast wie eine Nikon D7000 an, sie liefert auch eine vergleichbare Bildqualität. Im Gegensatz zur Nikon D7000 beträgt der Verlängerungsfaktor 2,0. Das liegt daran, dass der Chip der GH3 der Micro-Four-Thirds Spezifikation genügt und damit etwa 1/4 der Größe eines 35mm Kleinbildes hat. Stolze Besitzer von Kameras wie der Nikon D3, D4, D600, D610, D700, oder D800 sprechen gern vollmundig vom „Vollformat“ und rühmen das große Sucherbild und die eng begrenzte Tiefenschärfe ihres Kamerasystems.

Wenn sie ganz ehrlich sind, ist es aber immer noch das 35mm Kleinbildformat das wir seit vielen Jahrzehnten kennen. Echtes „Vollformat“ bieten meiner Meinung nach nur Kameras wie bspw. die Mamiya RZ-67 oder die Vertreter des berühmten Hasselblad V-Systems. Mit 6 x 7 cm und einer daraus resultierenden Bildfläche von 42 cm²  ist die Mamiya einer der „Weltmeister“ im Mittelformat. Beim Filmformat von 6 x 6 cm einer Hasselblad ergeben sich 36 cm² Bildfläche. Ein Vollformatchip einer „Vollformatkamera“ bringt es mit rund 24 x 36 mm gerade einmal 8,64 cm².

Der DX-Chip einer Nikon D7000 hat 23,6 x 15,6 mm und damit eine Bildfläche von 3,68 cm². Der Micro-Four-Thirds (MFT) Chip der Panasonic GH3 misst 17,3 x 13mm und erreicht damit nur noch eine Bildfläche von 2,249 cm². Aus dieser geringen Sensorgröße ergibt sich zwangsläufig, dass die ISO-Empfindlichkeit nicht so gut sein kann wie bei einer „Vollformatkamera“ mit identischer Auflösung. Für Fotos in dunkler Umgebung ist eine MFT-Kamera wie die Panasonic GH3 also grundsätzlich etwas weniger gut geeignet als beispielsweise eine Nikon D4 mit vergleichbaren 16 Megapixeln auf der 3,84-fachen Sensorfläche. Da beisst die Maus keinen Faden ab – würde man in Hamburg sagen. Eine etwas unbequeme Wahrheit über die stolze Besitzer einer Systemkamera wie der Panasonic GH3 nur ungern diskutieren.

Aber wo viel Licht ist, da ist auch Schatten! So sind die Objektive mit denen man eine Nikon D4 oder gar D800 wirklich ausreizen kann exorbitant teuer und in der Regel schwer wie Blei. Wer auf Reisen fotografiert und das im „Vollformat“ erledigen möchte steht regelmäßig vor dem Problem, dass die Fototasche zu schwer für das Handgepäck im Flugzeug ist und dass man von all den schönen tollen Objektiven letztlich nur 3-4 Exemplare mit auf die Reise nehmen kann weil alles andere zu Problemen mit dem Handgepäck führt. Wer auf Reisen dann noch weite Wanderungen zu erlesenen besonders coolen Fotolocations unternehmen muss, der wird seine geliebte schwere „Vollformatkamera“ und all ihr Zubehör irgendwann verfluchen.

Ich selbst bin ein Vertreter dieser „Vollformat-Spezies“. In den letzten Jahren konnten die Chips meiner Kameras gar nicht groß genug sein und meine Maxime beim Objektiv-Kauf war stets „Mehr ist Mehr“. Doch spätestens seit den extrem guten Erfahrungen mit den wunderbar kompakten Kameras des Nikon 1 Systems hat bei mir ein Prozess des Umdenkens eingesetzt. Im Mai soll es für knapp 5 Wochen in die USA gehen und ich überlege schon seit Wochen hin und her was diesmal mit in die Fototasche darf. Bei der letzten Reise nach Teneriffa sah meine Fototasche noch so aus wie in diesem Video hier:

Am Ende dieser Reise musste ich feststellen, dass ich mehr mit den kleinen Nikon 1 Kameras als der großen schweren Nikon D800E fotografiert habe. Allerdings habe ich mit der D800E die mit Abstand besten Fotos all meiner Teneriffa-Reisen aufgenommen.

Hier ein Beispiel:

El Teide with transient Lake after a huge storm - Nikon D800E & SAMYANG 2,8/14mm

Für die nächste Reise plane ich daher meine D800E mit nur zwei oder maximal drei Objektive einzupacken und alle schweren großen Objektive daheim zu lassen. Statt der beiden Nikon 1 und der auf Infrarot 830nm umgerüsteten Nikon D300 werde ich die Panasonic GH3 und einige der wunderbar kompakten MFT-Objektive mitnehmen.

Eines der wichtigsten Argumente der „Vollformat-Fans“ ist die erzielbare geringe Tiefenschärfe. Eigentlich ist es eine etwas paradoxe Diskussion, denn noch vor einigen Jahren haben viele „Kleinbild-Fotografen“ noch alles getan um ein Höchstmaß an Tiefenschärfe und Abbildungsqualität zu erzielen. Aber das Marketing der großen Kamerahersteller hat seine Wirkung nicht verfehlt und so schaut man derzeit mehr auf das Bokeh, also die Hintergrundunschärfe einzelner Objektive. Sieht man sich die für das MFT-System lieferbaren Objektive an, so sind sie meist relativ lichtschwach, dafür aber kompakt leicht und relativ preiswert. „Lichtriesen“ sind im MFT-System eher die Ausnahme. „Lichtriesen“ sind Objektive mehr hoher Lichtstärken deren Offenblende zwischen 1,8 und 1,2 liegt. Hier gilt die alte Regel, je höher die Lichtstärke, desto ausgeprägter ist die Hintergrundunschärfe und desto teurer sind meist die Objektive.

Eine Ausnahme dieser Regel bildet das Panasonic 1.7/20mm Pancake Objektiv. Der Preis ist moderat, die Abbildungsqualität überragend, die Verzeichnung kaum wahrnehmbar und Baugröße und Gewicht wirklich gering. Dieses winzige und sehr praktische Objektiv konnte ich gestern erstmals in Ruhe ausprobieren. Hier habe ich eine Werbe-Puppe die im Eingang zum Bonner City Foto Center steht mit offener Blende fotografiert. Es ist kein Kunstwerk aber es zeigt die Abbildungsleistung dieses Objektivs bei vollständig geöffneter Blende und das schöne Bokeh. Man beachte hierzu die Abbildung der Lampen im Hintergrund.

F1.7 Test shot - Panasonic GH3 & 1.7/20mm Pancake

Und weiter geht die kleine Entdeckungsreise mit vollständig geöffneter Blende und 20mm Brennweite die an einer „Vollformatkamera“ einem 40mm Objektiv entsprechen würden. Sehr cool sind hier die Spiegelungen in den Gesichtern dieser verchromten Schaufensterpuppen! Man beachte auch, dass diese folgenden Fotos durch eine Schaufensterscheibe hindurch aufgenommen wurden und das eben bei vollständig geöffneter Blende!

F1.7 Test shot through window - Panasonic GH3 & 1.7/20mm Pancake

Sehr schön ist im nächsten Foto die Spiegelung in einer der vielen Oberflächen des abgewinkelten Schaufensters. Das kleine Kind an der Hand der Mama sieht aus als hätte es wie ich gerade ebenfalls diesen coolen „Geist“ entdeckt.

Can you see that ghost mom?

Hier zwei etwa 50cm hohe Figuren die etwa 50cm hinter dem Schaufenster aufgestellt waren. Auch hier ermöglicht es das kleine Pfannkuchen-Objektiv (Pancake) das Hauptmotiv sehr schön vom Hintergrund abzuheben.

F1.7 Test shot through window - Panasonic GH3 & 1.7/20mm Pancake

F1.7 Test shot through window - Panasonic GH3 & 1.7/20mm Pancake

Hier ein Foto das direkt vor dem Bonner City Foto Center entstanden ist. Trotz offener Blende ist es knackscharf, nicht sichtbar vignettiert und zeigt keinerlei Verzeichnung. Alle Häuserwände stehen wirklich bolzengerade, das ist beeindruckend!

F1.7 Test shot - Panasonic GH3 & 1.7/20mm Pancake

Hier noch ein Blick auf eine der Kostbarkeiten im Schaufenster des City Foto Centers, ebenfalls bei vollständig geöffneter Blende!

F1.7 Test shot through window - Panasonic GH3 & 1.7/20mm Pancake

Besonders im Nahbereich ist mit diesem Objektiv ein sehr ausgeprägtes Spiel mit der Unschärfe im Vorder- und Hintergrund möglich.

F1.7 Test shot - Panasonic GH3 & 1.7/20mm Pancake

Zum Schluss noch ein Bild das bei Blende 4 und 1/125s entstanden ist. Hier sieht man das genaue Gegenteil, alles ist scharf bis in die letzte Ecke, das geht also auch 🙂

Test shot - Panasonic GH3 & 1.7/20mm Pancake

Fazit:

Mit dem 1.7/20mm „Pancake“ ist Panasonic ein großer Wurf gelungen. Dieses Objektiv ist extrem leicht und kompakt und lässt unter optischen Aspekten keine Wünsche offen. Dank des im wesentlichen von Panasonic und Olympus entwickelten Micro-Four-Thirds Standards passt dieses Objektiv an vielen hervorragenden Systemkameras und ist damit ein echter Kauftipp!

Alles was mir bei den Kameras den Nikon 1 System fehlt hat bringt die Panasonic GH3 von Haus aus mit.

  • Schwenkdisplay
  • Touchdisplay
  • Braketing (Belichtungsreihen)
  • WiFi
  • Batteriegriff
  • Standard-Blitzschuh
  • OLED-Displays
  • Powerzoom via WiFi und Touch-Display
  • Anschluss für Kabelauslöser

Schaut man in den Sucher der Panasonic GH3 so sieht man ein helles scharfes Sucherbild, das mit einer „Vollformatkamera“ durchaus mithalten kann. Dank der OLED-Technologie verbrauchen Sucher und Display der GH3 sehr wenig Energie, so dass der Strom der Akkus für viele hundert Bilder ausreicht. Verwendet man bspw. den Novoflex Objektivadapter für das Nikon F Bajonett, so kann an der Panasonic GH3 wirklich jedes Objektiv mit Nikon Bajonett angeschlossen und genutzt werden. Auf Autofokus und Bildstabilisator muss man dann allerdings verzichten! Besonders bei Video-Aufnahmen ist dies aber kaum ein Nachteil.

Zusammenfassend könnte man sagen, dass die Panasonic GH3 alles kann was ich mir von einer Nikon 1 V3 wünschen würde. Im Gegensatz zur Nikon 1 V3 ist sie allerdings seit einem Jahr zum Preis von ca. 950 Euro (Body mit Akku und Ladegerät) lieferbar. Angesichts der Qualitäten dieses Systems fällt es mir also nicht schwer ausnahmsweise einmal „Fremd zu gehen“ und in meiner Fototasche Dinge unterzubringen die nicht in goldenen Pappkartons geliefert werden 🙂