Teneriffa 2014/15 – Teil 2

Ana Mountains - Nikon 1 V3 & 70-300mm CX

Tag 4 – 15. Dezember

Ich erinnere mich noch sehr gut an die Insel der Fernsehserie „Lost“. Wenn einer der auf dieser Insel gestrandeten Menschen krank wurde, so heilte alles schnell und als Erklärung gab es immer wieder nur zu hören „Das ist die Insel…“

Hier auf Teneriffa geht es mir meist ganz ähnlich. Zum Ende des Jahres komme ich krank und nervlich ausgelaugt hier hin und schon nach einigen wenigen Tagen geht es mir besser und ich kann neue Energie schöpfen. Vor ein paar Jahren hat mit der hier ansässige deutsche Arzt Dr. Heinsch erzählt, dass er Patienten hat die daheim in Deutschland täglich einen umfangreichen Cocktail verschiedenster Medikamente zu sich genommen haben und hier auf Teneriffa nun ohne all diese Pillen auskommen. Das scheint meinen subjektiven Eindruck von den heilenden Kräften dieser Insel zu bestätigen, aber vielleicht liegt es auch einfach nur daran, dass ich hier nichts anderes zu tun habe als schlafen, essen und fotografieren? Wem würde es dabei nicht gut gehen?

Heute ist der vierte Tag auf Teneriffa und es sind noch mehr als drei Wochen übrig. Das ist eine lange Zeit und trotzdem kommt es mir schon jetzt viel zu kurz vor. Als wir gegen 9h beim Frühstück sitzen ziehen draußen schwere Regenwolken über die Berge. Zwischendurch scheint gerade zu magisch die Sonne durch diese trübe Waschküche, aber dann kommt auch schon wieder ein kleiner Schauer herunter. Solches Wetter habe ich hier in all den Jahren noch nicht erlebt. Früher gab es ab und zu mal einen kleinen Schauer, aber danach schien dann auch gleich wieder die Sonne. Derzeit ist es hier bei etwa 18° C ziemlich durchwachsen. Aber es ist mir trotzdem lieber als das nasskalte düstere Wetter das wir derzeit daheim in Deutschland haben.

Nach dem Frühstück ist etwas Zeit um den ersten Artikel in meinem BLOG zu veröffentlichen. Inzwischen gibt es hier ein kostenloses freies WLAN. Aber weil in der neuen „WiFi“-Ecke ständig alle möglichen Leute mit Handys und iPads auf Daten warten, ist der Durchsatz eher mäßig, wenn man denn überhaupt mal eine Verbindung hat. Wenn ich mit dem Notebook auf dem Balkon sitze klappt es mit der WiFi-Verbindung. Im Zimmer selbst geht es leider gar nicht. Wenn ich etwas nachschauen will muss ich also auf dem Balkon sitzen oder mich in der WiFi-Ecke unter das Volk mischen. Später fahre ich mal runter zu Pepitos Bar um mich dort mit meinem Freund Wolfgang zu treffen. Wir schnacken ein wenig und überlegen was wir in den neusten Tagen hier alles anstellen könnten. Während dessen lässt es sich meine Sandra bei einer ausgiebigen Massage im Hotel gut gehen. Der Masseur ist ein Meister seines Faches und Sandra fühlt sich nach der Massage jedes Mal wie neu geboren.

Als wir gegen Mittag gemeinsam im Auto sitzen ist es ein Mix aus Regen und Sonnenschein, fast wie bei uns daheim im April. Es geht zielstrebig in Richtung Süd-Westen, unser Ziel ist das kleine Restaurant am Ende des Universums, also gleich neben dem Golf-Platz in Buenavista. Dort angekommen ist das Licht wunderbar und die majestätischen Wellen leuchten in den allerschönsten Farben. Jetzt sollte ich schnell eine meiner Kameras heraus kramen, aber meine Sandra hat Hunger und ich will sie nicht warten lassen.

Der gegrillte Fisch schmeckt hier immer gut und auch heute entscheiden wir und für Lenguado a la Plancha, also Seezunge vom Grill. Als der Fisch kommt fällt uns auf, dass wir uns noch ein paar Kartoffeln hätten ordern sollen. So haben wir jeder einen großen Fisch und etwas Salat daneben. Aber egal, es schmeckt auch ohne Kartoffeln. Zum Nachtisch gibt es zum Ausgleich ein leckeres Stückchen Apfelkuchen und eine Tasse Kaffee, man lebt hier wirklich sehr gut wenn man weiß wo man hin muss 🙂

Gegen 16h sind wir dann zurück in der Nähe des Hotels. Ich setze meine Sandra im Einkaufszentrum in der Nähe des Hotels ab. Dort kann sie in Ruhe shoppen und ich kann mir die Fotos der letzten Tag mal in Ruhe anschauen.

Neue Fotos habe ich heute keine aufgenommen. Auch heute bewahrheitet sich die alte Regel, dass man nur ernsthaft fotografieren kann, wenn man allein oder in Begleitung anderer Fotofreaks ist. Sobald man in einer Gruppe oder mit der Freundin unterwegs ist, sollte man sich deren Bedürfnissen beugen und da passt es einfach nicht hinein stundenlang mit der Kamera auf dem Stativ irgendwo herumzustehen und auf gutes Licht zu warten. Wirklich ernsthaft fotografieren kann man auch auf Teneriffa eben nur allein.

Derzeit ist das allerdings für mich kein Problem, denn ab Freitag bin ich allein und bis dahin ist es auch sehr schön mal ein wenig Zeit mit meiner Freundin zu verbringen die ich daheim in Deutschland auch nur am Wochenende zu sehen bekomme. Außerdem sind wir beide noch von unseren Erkältungen gezeichnet und im Grunde genommen sehr froh wenn alles ruhig abläuft und wir einfach in den Tag hineinleben können. Es muss auch mal Tage ohne die Jagd nach neuen Fotos geben können.

Tag 5 – 16. Dezember

Auch dieser Tag beginnt mit Regen und Nebel, das Wetter hier ist derzeit wirklich sehr untypisch. Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg in den Süden. Auch heute funktioniert unser Plan, als wir in Candelaria eintreffen scheint dort die Sonne. Wir gehen ein wenig spazieren und schlagen danach in einem Café an der Strandpromenade die Zeit tot. Als es uns langweilig wird fahren wir weiter in Richtung Süden. Ein echtes Ziel haben wir nicht und so landen wir schließlich in Santiago del Teide. Gleich im ersten Restaurant kehren wir ein und bestellen uns eine typische Spezialität der Kanaren, es gibt eine gemischte Fleischplatte. Dazu etwas Salat, Brot und Aioli in verschiedenen Variationen, als wir das Restaurant verlassen können wir uns vor lauter Essen kaum noch bewegen.

Candelaria Beach - Nikon 1 V1 Infrared 700nm & 10-100mm CX Lens
Candelaria Beach - Nikon 1 V1 Infrared 700nm & 10-100mm CX Lens

Auf dem Heimweg kommen wir schließlich wieder in San Juan de la Rambla vorbei und entschließend uns kurzfristig zu einem erneuten Besuch auf der Finca San Juan. Dort gibt es noch ein Stückchen Kuchen und einen leckeren Kaffee mit Milch.

Finca San Juan #1 - Nikon 1 V1 Infrared 700nm & 10-100mm CX Lens
Finca San Juan #2 - Nikon 1 V1 Infrared 700nm & 10-100mm CX Lens

Zurück am Hotel hängen noch immer dicke Wolken über dem Gebirge. Ich habe meine auf Infrarot 700nm umgebaute Nikon 1 V1 dabei und entschließe mich auf dem Parkplatz vor dem Hotel noch ein paar Fotos zu schießen.
Living on the hillside #5 - Nikon 1 V1 Infrared 700nm
Tenerife Clouds - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm
Living on the hillside #4 - Nikon 1 V1 Infrared 700nm
Living on the hillside #1 - Nikon 1 V1 Infrared 700nm

Hätte ich gewusst, dass wir hier nur deutsches Regenwetter haben, ich hätte alle Kameras auch daheim lassen können. Nun haben wir extra einen Tag damit verbracht ein Ladegerät für meine Nikon D800E zu kaufen und ich habe sie noch nicht einmal ausgepackt. Auch die Olympus OM-D E-M1 liegt zusammen mit einigen Objektiven noch immer gut verwahrt in unserem Zimmersafe.

Einzig mit der Nikon 1 V3 und der Nikon 1 V1 habe ich bislang einige belanglose Knipsbilder geschossen. Wirklich ersthaft fotografiert habe ich noch gar nicht und es wird auch noch 2-3 Tage dauern bis das hier möglich sein wird. Dabei ist natürlich das schlechte Wetter nur einer der Gründe. Der zweite Grund ist, dass ich erstmal gesund werden muss und dass wer in Begleitung verreist auch auf seinen Reisepartner eingehen sollte und nicht nur mit seiner Kamera hier und dort auf das richtige Licht warten kann.

Wirklich intensiv fotografieren kann man eigentlich nur wenn man allein ist oder eben mit 100% Gleichgesinnten unterwegs ist. Wer einen Reise komplett mit seiner Frau oder Freundin verbringt sollte sich keine Hoffnung auf bahnbrechend gute Fotos machen, dazu ist meist einfach keine Gelegenheit. Was geht sind Knipsbilder die im Vorbeigehen aufgenommen werden. Das sind mitunter schöne Erinnerungen für das Fotoalbum, mehr aber in der Regel auch nicht. Und dafür reicht nach meiner Erfahrung eine Kamera wie die Nikon 1 V3 mit dem 10-100mm „Deppenzoom“ völlig aus.

Ich habe auf dieser Reise vier Kameras und einen ganzen Koffer voller Zubehör dabei. Bislang habe ich davon praktisch nichts benutzt. Allein die Hoffnung bleibt, dass sich dies ändert sobald ich einige Tage allein bin und mich voll und ganz auf neue Fotos konzentrieren kann.

Tag 6 – 17. Dezember

Und auch dieser Tag beginnt mit Regen und Nebel, es ist langsam wirklich mehr als frustrierend. Beim Frühstück überlegen wir was wir heute unternehmen könnten. Schließlich sind wir gegen 11h mit dem Auto unterwegs ins Anaga-Gebirge. Unser Ziel ist das Fisch-Restaurant am Roque de las Bodegas am Strand zwischen Taganana und Benijo. In meinem Fotorucksack habe ich auch heute nur die Nikon 1 V3 sowie die Nikon 1 V1 und das 6,7-13mm, 10-100mm und das 70-300mm Objektiv. Am Ende des Tages werde ich diese Kamera nicht ein einziges Mal in der Hand gehabt haben, denn es regnet an einem Stück.

Der Weg nach Taganana ist mehr als mystisch. Teilweise sieht es aus als würden wir durch einen Dampfgarer fahren. Die Nebenschwaden ziehen durch die urigen Wälder, dass es fast zum fürchten ist. Als Sandra irgendwann sagt, dass sie nur noch darauf wartet, dass jetzt einer der Saurier aus dem Jurassic Park auf der Straße vor uns auftaucht ist es um uns geschehen. Nun fantasieren wir gemeinsam was noch alles passieren könnte und uns fallen nur wirklich gruselige Dinge ein.

Am Roque de las Bodegas zwischen Taganana und Benijo angekommen hat es aufgehört zu regnen. Unser „Tagesziel“ hat sogar geöffnet, wir sind allerdings die einzigen Gäste. Wir bestellen wie immer den Fisch des Tages, als Vorspeise Garnelen die in heißem Öl mit viel Knoblauch gebacken wurden, Brot, rote und grüne Mojo-Sauce und einen gemischten Salat. Dazu ein Radler und schon ist der Tag gerettet.

Gegen 13h geht es wieder zurück zum Hotel. Es sind eigentlich nicht wirklich viele Kilometer aber sie haben es trotzdem in sich. Die Straße ist eng und kurvenreich und während mir nach dem opulenten Mittagsmahl wegen der nicht enden wollenden Kurven langsam aber sicher übel wird, kommt uns immer mal wieder ein großer Bus entgegen. Sie tauchen urplötzlich aus dem Nebel auf, so dass uns beiden der Atem stockt. Als wir endlich unterhalb von Las Mercedes auf die Hauptstraße abbiegen bin ich echt froh, dass es mit den Kurven für heute ein Ende hat.

Im Hotel angekommen versuchen wir erneut irgendeine Art von Internet-Verbindung herzustellen, aber es geht rein gar nichts. Es ist zum heulen, da habe ich am Anreisetag für 10 Euro „drei Tage Internet“ gekauft, aber anmelden kann ich mich mit den Zugangsdaten auf der Quittung rein nirgendwo. Irgendwann fällt mir dann auf, dass da auch Spanisch zu lesen steht, dass man sich innerhalb von zwei Tagen erstmals anmelden soll, weil das Guthaben ansonsten verfällt, na prima…

In der Halle gibt es eine neue Ecke mit kostenlosem WiFi. Dort steht eine Horde Handyzombies die alle von ihren Smartphones hypnotisiert zu sein scheinen. Auf einem Schild an der Rezeption steht „Free WiFi“. Gleich darunter „HALL-WIFI“ und eine etwas längere Zahlenkette, es ist der WEP-Zugangsschlüssel. Als ich mit meinem Mac neben dem Aufsteller stehe um die Zahlenkolonne abzutippen kommt ein deutscher Rentner von hinten, dreht den Aufsteller so, dass ich nicht mehr lesen kann was darauf steht und sagt „Andere wollen das auch lesen“. Ich könnte ihm eins in die faltige Schauze hauen, aber ich bin gut erzogen und quittiere sein Verhalten mit einem „Ich wünsche ihnen viel Spaß, es funktioniert sowieso nicht.“. Ich klappe mein Notebook zusammen und akzeptiere, dass es Tage gibt an denen man sich höheren Mächten beugen muss.

Später treffen wir uns mit unseren Freunden Karin und Wolfgang in der Innenstadt von Puerto de La Cruz. Dies ist einer der wenigen Lichtblicke in dieser trüben Zeit 🙂 Es ist schön die beiden endlich wieder zu sehen. Sandra und Karin quasseln was das Zeug hält, wir Männer halten es ebenso, nur die Themen sind bei uns anders. Als es langsam dunkel wird wandern wir zum Parkhaus und machen uns auf den Weg zurück zum Hotel. Meine Sandra hat nun noch einen Tag hier auf Teneriffa. Morgen werden wir erneut versuchen dem Mistwetter die besten Seiten abzutrotzen, übermorgen geht es dann nach Hause.

Ich habe dann einen Tag „frei“ bevor am Sonntag mein Sohn Leon hier eintrudelt. Er ist seit kurzem 17 Jahre alt und stolzer Besitzer eine Nikon D2x mit einigen Zubehör. Mir schwebt vor, dass wir hier eine Woche „Ansgar’s kleine Fotoschule“ mit privatem Coaching durchführen. Hoffentlich ist das Wetter dann besser… Toll wäre natürlich auch ein funktionierender Internet-Zugang um unsere ersten Meisterwerke auch bei flickr und anderen Plattformen präsentieren zu können.

Tag 7 – 18. Dezember

Auch heute starten wir wieder mit Regen und schweren Wolken in den Tag. Nach dem Frühstück reißt dann aber der Himmel über den Bergen etwas auf und die Sonne scheint nahezu magisch auf La Orotava herab. Draußen auf der Terrasse ist es menschenleer und als wir mit unseren Sektgläsern dort entlang flanieren finden wir sogar zwei trockene Stühle. So kann man es aushalten, endlich einmal. Das Lichterspiel wird immer spannender. Wäre ich jetzt allein würde ich schnell hoch ins Zimmer flitzen und mit Kamera und Stativ zurückkehren. Statt dessen nuckle ich weiter an meinem Glas Sekt und hoffe für die nächsten Tage auf ähnlich beeindruckende Lichtstimmungen.

Nach dem Frühstück versuchen wir erneut unser Glück mit dem WiFi in der Halle, aber dieses Hotel ist eine Informationstechnische Katastrophe. Überall lungern Leute mit Smartphones und Tablets herum und lauern auf das eine oder andere Bit das sich mühsam durch die maroden Leitungen quält. Weder Sandra noch ich haben heute Glück. Dabei müsste Sie ihren neuen Kindle Fire HDX mal mit dem Internet verbinden, ansonsten werden sämtliche Medien die wir vor einigen Tagen daheim in Deutschland auf das Gerät geladen haben deaktiviert. Diese ganzen Beschränkungen sind echt zum Abgewöhnen und ich frage mich manchmal wie es wäre wenn ein Jeff Bezos mit seinem eigenen Kindle Fire hier im Las Aguilas wohnen würde.

Was nutzt auf Reisen ein teures Gerät mit zahlungspflichtigen Medien wenn man es nur nutzen kann wenn ein WiFi-Netzwerk in der Nähe ist? Was soll ein Off-Line Modus der eigentlich gar keiner ist? Über diese Scheiße könnte ich mich wochenlang aufregen. Wahrscheinlich ist es das beste auf den ganzen Dreck zu verzichten und sich einfach einen portablen DVD-Player mit einigen DVDs mit in den Urlaub zu nehmen. Das funktioniert wenigstens und die DVDs sind meist sogar billiger als die Rechte an digitalen Medien die eigentlich nur eine Geldschneiderei der großen Konzern wie Apple, amazon & Co. sind. Und DVDs kann man bei eBay weiterverkaufen, man kann sie verleihen und die Kinder können sie sich so oft anschauen bis sie die Dialoge mitsprechen können. Das sollte man mal mit einem Kindle-Fire oder einem iPad versuchen. Hat man sich damit für etwa 5 Euro einen Film ausgeliehen und schaut daheim nur mal ganz ganz kurz hinein ob es denn auch das ist was man erwartet, so verbleiben gerade noch 48h Stunden um den Film zu Ende zu schauen.

Irgendwann sind wir unterwegs in Richtung Punta de Hidalgo. Der Himmel ist schwer bewölkt und als wir nach etwa 45 Minuten am Punta de Hidalgo eintreffen haben wir dort schwül warme 24°C. Unser Auto parken wir dort wo wir schon im letzten Jahr geparkt haben und flanieren ein wenig die etwas marode Promenade hinauf und hinunter. Letztlich landen wir in einem Restaurant das einen ganz ordentlichen Eindruck macht. Es ist inzwischen Mittagszeit und wir bestellen uns etwas zu Essen. Sandra entscheidet sich für eine Portion Muscheln, bei mir gibt es wieder eine Seezunge vom Grill. Nach dem Essen geht es zurück zum Auto und dann schnurstracks zum Café Melita etwas weiter oben an der steilen Felsenküste gelegen. Dort schlagen wir auf der Terrasse die Zeit tot. Es gibt noch einen Café und eine schöne Sicht auf das Meer. Sandra glaubt zwischendurch Delfine zu sehen die sich dort unten im Wasser tummeln. Als es uns irgendwann langweilig wird geht es wieder zurück zum Hotel.

The Wave Queen - Nikon 1 V3 & 70-300mm CX

Dort angekommen klappt es mit dem Internet-Zugang immer noch nicht. In der Lobby sind lauter unzufriedene Gäste die wie Zombies auf ihre Handies starren und wieder und wieder den WEP-Code eingeben um danach gleich wieder darüber zu stöhnen, dass einfach nichts passiert.

Zurück im Zimmer fummle ich die beiden SIM-Karten aus meinem DUAL-SIM Telefon und tausche sie um. Laut SMS der Deutsche Telekom kann ich mit der X-Tra Card für 14,95 Euro eine Woche lang im Ausland surfen, das wäre kein schlechtes Angebot. Damit es funktioniert sollte die Karte im Kartenslot Nr. 1 stecken. Zwar ist mein HTC ONE (M8) ein waschechtes DUAL-SIM Telefon, aber bei den Datenverbindungen hört der Spaß auf, da kann es nur eine schnelle Verbindung geben und das ist die Karte die im Slot Nr. 1 steckt.

Nachdem ich die Karten getauscht habe klappt aber irgendwie gar nichts mehr, nicht einmal telefonieren kann ich jetzt. Um den Dienst der Telekom nutzen zu können soll man das Daten-Roaming einschalten und die Internet-Seite http://pass.telekom.de öffnen. Leider klappt das einfach nicht. Ich starte das Telefon neu und versuche dies und das, aber nichts hilft. Schließlich tausche ich die Karten wieder zurück und verbinde mich über die ePlus-Karte ins Internet. Nun kann ich http://pass.telekom.de aufrufen, aber eben mit der falschen Telefonkarte. Das bringt also alles nichts, ich bin frustriert und fühle mich hier vom „normalen Leben“ abgeschnitten. Zwar kann ich meinen BLOG schreiben, das war es dann aber auch schon. Publizieren kann ich in diesem Hotel rein gar nichts und das nervt total!!

Wirklich fotografiert habe ich in den letzten Tage auch nicht. Entweder hat es ständig geregnet oder wir waren mit dem Auto unterwegs. Meine Olympus OM-D E-M1 liegt noch immer ungenutzt im Zimmersafe. Die Nikon D800E samt AF-S VR 2,8/14-24mm liegt einfach ungenutzt im Kleiderschrank, für den Zimmersafe ist sie leider etwas zu groß…

Wer hier bei durchwachsenem Wetter unterwegs ist und auf seine Reisebegleitung Rücksicht nehmen muss, der braucht echt nicht mehr als eine kleine Knipskamera wie die Nikon 1 V3 und die habe ich hier ständig dabei. Wirklich benutzt habe ich sie allerdings auch noch nicht.

Auch meine beiden GoPro HD HERO 3 und 4 liegen noch ungenutzt im Schrank, es ist ein Trauerspiel. Letztlich bleibt nur die Hoffnung, dass sich in den nächsten Tagen das Wetter etwas besser und ich endlich zu der einen oder anderen ausgedehnten Fototour aufbrechen kann.

Auch wenn es sich vielleicht anders anhört, die letzten Tage waren trotz allem gar nicht so schlecht. Ich habe viel und lange geschlafen und meine Erkältung recht ordentlich auskuriert. Mittlerweile ist der Husten weg und ich kann wieder normal durch die Nase atmen. Beim Kauen knackst es leider noch bei jedem Bissen im rechten Ohr. Aber hier habe ich den Eindruck, dass auch das langsam besser wird, es ist eben „die Insel“.

USA 2014 – Wieder eine Reise ins Ungewisse Teil 1-4

Wer noch nie ein Video erstellt hat das knapp 30 Minuten dauert und halbwegs „Hand & Fuß“ hat, der wird kaum ermessen können wie viel Arbeit es bereitet eine vier Wochen dauernde abenteuerliche sehr freie Reise umfassend in einem Video zu dokumentieren. Eine Reportage zu erstellen die auch bei einer Spielzeit von mehr als 5 Minuten nicht langweilig wird, die viele Informationen transportiert, die mit gut verständlichem Ton daherkommt und bei der die Schnitte zum Rhythmus der Musik passen, das ist eine echte Herausforderung. Neben dem Bildmaterial das man natürlich während der Reise einsammeln muss, braucht es noch eine geeignete Ausstattung mit Computern, riesigen Festplatten, Mikrofonen und vor allem mit ZEIT mit ganz viel ZEIT. Tag für Tag wühlt man sich später durch viele tausend Fotos und hunderte von Gigabytes mit Video-Material, schreibt Texte, probiert GEMA-freie Musik aus, und ist einfach nur froh wenn man sein Video endlich veröffentlichen kann.

Mein aktuelles Video-Projekt sieht so aus wie im folgenden Screenshot. Wer diesen genau anschaut sieht sofort aus wie vielen kleinen Schnipseln der vierte Teil meiner USA-Reportage besteht. Dabei ist jeder kleine Schnipsel „handverlesen“, ich habe bei jedem Schnipsel über Anfang und Ende nachgedacht, überlegt ob es einen harten Schnitt oder eine weiche Überblendung geben soll. Ich habe Stunden damit verbracht nach Musik und Soundeffekten zu suchen. Und als die Musik und Video-Clips zusammen gefügt waren, habe ich an jedem Anfang eines Clips und jedem Ende versucht ihn so zu trimmen, dass er mit der untermalenden Musik harmoniert.

USA-2014 - Final-Cut-Pro-X

Es mich jetzt wieder einen Monat lang fast jeden freien Abend gekostet den vierten Teil von  „Wieder eine Reise ins Ungewisse zu erstellen“.

Das „Original“ von 2011

Als ich vor ein paar Jahren meinen Film „Reise ins Ungewisse“ erstellt habe, betrug der Zeitaufwand verteilt über 14 Tage hinweg etwa 160 Stunden. Ich konnte mir dies nur leisten, weil ich damals ziemlich erkältet daheim herumgesessen habe. Ich war nicht krank genug um nur im Bett zu liegen aber auch nicht gesund genug um zur Arbeit zu gehen. Also habe ich mit warm eingepackt mit viel heißem Tee an meinen Windows Computer gesetzt und mit der Arbeit an diesem Video begonnen. Damals habe ich noch MAGIX Video Deluxe benutzt. Diese Software hatte ich mir kurz zuvor offiziell gekauft und sie war mehr als fehlerhaft. Immer wieder ist sie ausgestiegen und fast täglich gab es Updates zum Download. Irgendwann lief es dann halbwegs stabil und dann gab es eine neue kostenpflichtige Version und das Leid begann von Neuem. Wer sich mit dem Schnitt längerer Videos in 1080p Qualität beschäftigt, bringt seinen Computer schnell an seine Grenzen. So habe ich meinen Windows-Computer mehrfach aufgerüstet und mit schnelleren größeren Festplatten bestückt. Nach einigen wenigen Installationen von MAGIX Video Deluxe verweigerte dann das Installationsprogramm seinen Dienst. Ich hatte die Software zu oft installiert und „zu meinem Schutz“ konnte ich sie nicht erneut installieren. FUCK, so ein Mist! Ich habe E-Mails an den MAGIX Support geschrieben die nicht beantwortet wurden, ich habe ausdauernd die Dudelmusik in der Warteschleife der MAGIX Hotline ertragen, aber beim Hersteller hat man sich nicht gerührt. Bis heute habe ich eine offiziell gekaufte Version von MAGIX Video Deluxe die ich nicht mehr installieren kann, zu „meinem eigenen Schutz“ wohlgemerkt!

Ungeachtet dessen schickt man mir von MAGIX regelmäßig Werbemails und nette Prospekte mit der Post. Alle drei Monate gibt es neuere schnellere und viel bessere Versionen von MAGIX Video Deluxe die nur noch für ein paar Tage zum Preis von 59,- Euro gekauft werden können. Schon zweimal habe ich einen dieser Prospekte mit der Post zurückgeschickt und in einem Begleitbrief darum gebeten, dass endlich irgend jemand meine offiziell gekaufte Lizenznummer freischaltet, damit ich diese Software wieder installieren kann. Aber es kam wie erwartet keine Antwort.

Letztlich habe ich dann für etwa 150 Euro via App-Store die Apple Software Final-Cut-Pro-X für mein MacBook Pro gekauft. Diese Videoschnittsystem läuft stabiler als MAGIX Video Deluxe es jemals tat und ich habe bislang ALLE, wirklich ALLE Updates kostenlos erhalten!!

MAGIX Video Deluxe ist daher für mich echt gestorben und ich bin mehr als enttäuscht, vom Support des Herstellers!

Ungeachtet dessen habe ich es geschafft mittels MAGIX Video Deluxe die „Mutter meiner Reisedokumentationen“ fertigzustellen

Von diesem Video habe ich später noch eine zweite Version erstellt, denn bei der ersten Variante  musste ich ständig husten weil ich so erkältet war. Immer wieder musste ich meine Moderation wiederholen bis es endlich halbwegs gut gepasst hat. Beide Versionen zusammen sind inzwischen mehr als 40.000 mal angeschaut worden und mir persönlich gefällt irgendwie die erste Fassung noch immer am Besten.

Vor diesem Hintergrund habe ich an praktisch jedem Tag den ich im Mai in den USA verbracht habe daran gedacht wie ich Fotos und Filmmaterial für eine neue, umfassendere und bessere Reisedokumentation erstellen kann. Meine Sandra hat oft mit dem Kopf geschüttelt, wenn ich mal wieder nachts unterwegs war statt einfach nur die Reise zu genießen. Aber ich war während der Reise wie ein „Getriebener“, der nicht ohne brauchbares Material heimkehren wollte. Schließlich habe ich diese Reise im wesentlichen unternommen um eine hoffentlich gut gemachte Reportage daraus entwicklen zu können. Ich habe für mehrere tausend Euro Foto-Equipment angeschafft, die gesamte Reise geplant und finanziert. Ich konnte einen Monat lang nicht arbeiten und damit auf keinen einzigen Cent verdienen. Da ich freiberuflich arbeite bekomme ich natürlich kein Urlaubsgeld und so schlägt jeder Reisetag doppelt hart zu Buche.

Umso frustrierender ist es dann, wenn man nach all der Arbeit ein neues Video endlich veröffentlichen kann und es schon nach nur EINER MINUTE eine negative Bewertung erhalten hat, es also noch nicht einmal angeschaut wurde! Manchmal ist es echt ärgerlich, dass bei YouTube jeder noch so kleine kleine Furz einfach voten kann wie er will und das vollständig anonym. Zugleich ist es frustrierend, wenn beispielsweise das Video aus dem Jahr 2011 rund 40.000 mal angeschaut wurde, aber nur 214 YouTube eine positive Bewertung abgegeben haben. Der Content ist kostenlos und unter Einsatz von viel Zeit und Mühe entstanden, doch im Jahr 2014 wird all das nicht mehr wertgeschätzt sondern einfach nur anonym konsumiert und dann wahrscheinlich gleich auch wieder vergessen…

Die Dokumentation USA 2014

Ungeachtet dessen habe ich beschlossen mich nicht frustrieren zu lassen und mit meinen Videos weiterzumachen. Ich tue dies für die Leser dieses BLOGs und zu einem großen Teil auch für mich selbst. So kann ich mich immer mal wieder vor dem Fernseher zurücklehnen und via Apple-TV oder über die eingebaute YouTube-App eines dieser Videos anschauen und die eine oder andere tolle Reise noch einmal erleben, das ist auch was wert 🙂

Hier sind nun die vier bislang fertig gestellten Teile in chronologischer Reihenfolge.

Fazit

Die Reise ist noch nicht zu Ende!! Als ich mit der Arbeit an Teil 1 begann dachte ich, dass ich mit zwei oder drei Teilen auskommen werde. Aber nun sieht es so aus, als wenn draus insgesamt FÜNF Folgen entstehen werden. Dort wo Teil 4 aufhört geht es noch eine ganze Woche weiter und dies werde ich im nächsten Jahr aufarbeiten und damit diese Serie abschließen. Als krönenden Abschluss habe ich mir noch einen kompletten „Directors-Cut“ vorgenommen. Dieser hat dann eine Laufzeit von rund 90 Minuten und ich bin sehr gespannt darauf ob ich das wirklich auf die Beine gestellt bekomme. Aber in ein paar Tagen geht es erstmal für vier Wochen nach Teneriffa, auf „MEINE INSEL“. Ich habe Urlaub echt nötig denn derzeit ist es mit dem Husten schon fast wieder so schlimm wie damals als ich meine allererste USA-Reportage erstellt habe. Aber die gute Luft auf Teneriffa sollte helfen das endlich auszukurieren.

Auch im letzten Dezember war ich eine ganze Weile auf Teneriffa und ich habe dort auch sehr viel gefilmt und fotografiert. Wegen der Arbeit an „Wieder eine Reise ins Ungewisse“ habe ich es ein ganzes Jahr lang nicht geschafft aus diesem Material ein Video zu erstellen. Aber vielleicht gibt es zu Ostern dann ein „Kombi-Paket mit dem Filmmaterial aus zwei Jahren, schauen wir mal…

Nikon 1 V3 – Fotopraxis

Fish Eagle Portrait - Nikon 1 V3 & AF-S VR 70-300mm

Als Nikon das neue 1er System vorgestellt hat, ist dies irgendwie weitgehend an mir vorbei gegangen. Damals war ich gerade voll auf dem FX-Trip, nichts konnte groß und schwer genug sein, warum also eine Kamera mit einem kleinen Chip im CX Format kaufen?

Doch als ich eine Weile später zum ersten Mal eine schwarze Nikon 1 V1 in Händen hielt keimte dann doch die Neugierde in mir auf. Nach und nach habe ich dieses sehr eigenständige und neuartige Kamerasystem für mich entdeckt und erobert. Nun ein paar Jahre später habe ich alle Objektive die Nikon für dieses System anbietet. Ich habe eine Nikon 1 V1 die inzwischen auf Infrarot 700nm umgebaut ist, ich habe eine Nikon 1 J2, eine 1 V2 und seit einigen Wochen auch die 1 V3.

Eigentlich wollte ich die Nikon 1 V3 nicht kaufen, weil sie einfach zu teuer ist. Klar hat diese Kamera einige tolle Features, aber einige wichtige Features hat sie eben nicht, diese wurden meiner Meinung nach gezielt weggelassen um teurere ertragreichere Kameras nicht auszustechen. Es gibt einiges was an dieser wirklich total nervt. Dazu gehört beispielsweise, dass ich weder das GPS noch das zusätzliche Blitzlicht nutzen kann wenn der elektronische Sucher montiert ist. Es nervt, dass ich den Handgriff komplett abschrauben muss wenn ich die Batterie wechseln will. Bei meiner Olympus OM-D E-M10 habe ich auch einen zusätzlichen Handgriff, dieser ist aber mit einem pfiffigen Schnellverschluss versehen und ist eben so blitzschnell ab- wie wieder anmontiert. Warum kriegt man sowas bei Nikon nicht hin?

Dass ich diese Kamera dann doch gekauft habe lag an einem extrem guten Angebot des Nikon Service-Point München. Dort hat man via eBay ein Vorführmodell in neuwertigem zustand inkl. Sucher, Handgriff und 10-30mm PD Objektiv zum Preis von 700 Euro angeboten. Das ist meiner Meinung nach genau der Preis den diese Kamera auch wert ist. Der Listenpreis in Höhe von 1249,- Euro ist meiner Meinung nach angesichts der fehlenden Features und der unglaublich schlechten „Play Memories“ WiFi-App für iOS und Android einfach nicht zu rechtfertigen. Grund Nummer 2 diese Kamera zu kaufen war, dass mit dem neuen 1 Nikkor 70-300mm ein kompaktes, ausreichend lichtstarkes Teleobjektiv auf dem Markt ist. Dieses Objektiv schlägt zwar mit 1049,- Euro ein kräftiges Loch in die Portokasse, aber man erhält im Gegenzug ein Objektiv, dass viel weniger als ein 28-70mm FX Zoom wiegt und einer FX Brennweite von 189-810mm entspricht, das ist schlichtweg einzigartig!

Nikon_1_V3_70_300

Angesichts der exorbitant hohen Preise für einige der Nikon 1 Objektive ist es total unverständlich, dass man häufig die wichtigen und sinnvollen Streulichtblenden separat erwerben muss. Beim 70-300mm ist zum Preis von rund 1.050,- Euro eine Steulichblende enthalten, das sollte bei allen Objektive so sein!

Um Gegensatz zu ALLEN Nikon Objektiven die sich via FT-1 Adapter an die Nikon 1 anschließen lassen, wird der sehr gute Autofokus der Nikon 1 nur mit diesem Telezoom vollständig unterstützt. Damit sind in Verbindung mit der rasanten Serienbildgschwindigkeit der Nikon 1 extrem schnelle „Verfolgungsjagden“  wie diese hier möglich, ein echtes Alleinstellungsmerkmal dieses Systems!

Eagle versus Nikon 1 V3

Auch nervt es mich total, dass die Kamera sich nicht merkt ob der Augensensor abgeschaltet ist oder nicht. Nutzt man die Kamera auf einem Stativ, hat das Display im Winkel von ca 45° abgekappt und will mit dem Finger auf den eigentlich sehr guten Touch-Display einen Fokuspunkt setzen, so schlägt der als Voreinstellung aktive Augensensor immer wieder zu. Das Display schaltet sich ab und man sieht nichts mehr, arg… Selbst wenn man nah an der Kamera steht schaltet sich das Display immer mal wieder ab. Jedes mal muss man seitlich den Knopf am eigentlich extrem guten elektronischen Sucher drücken um dieses Verhalten der Kamera zu ändern. Sie merkt sich die ISO-Einstellung, oder die Serienbildgschwindigkeit, warum nicht auch ob der Augensensor aktiv ist oder nicht?

Zur Ehrenrettung der Nikon 1 V3 sollte man erwähnen, dass sich andere Systemkameras mit Augensensor leider genauso verhalten. Aber das ist für mich kein Grund es nicht besser zu machen.

Gleiches gilt für den Selbstauslöser! Bei meiner Panasonic GH3, GX7, GM1, oder der Olympus OM-D E-M10, EM5 und EM1 kann ich eine Auslöseverzögerung einstellen. Das wirkt wie ein Selbstauslöser, aber die Kameras merken sich diese Einstellung. So kann man die Kamera auch ohne Infrarot-Auslöser in Verbindung mit einem Stativ erschütterungsfrei auslösen. Warum kann die Nikon 1 das nicht?

Aber genug geschimpft… Vor einigen Tagen hatte ich die Gelegenheit ein paar Stunden bei wirklich bedecktem Himmel im Opel Zoo in Kronberg im Taunus zu fotografieren und zu filmen. Dabei ist das folgende kurze Video entstanden. Ich habe dabei fast ausschließlich mit dem neuen 1 Nikkor AF-S VR G ED 4,5-5,6/70-300mm gefilmt.

Mit dem 1 Nikkor 70-300mm im Opel Zoo

Ein paar Tage später war ich am Wochenende mit meiner Nikon 1 und einige Objektiven unterwegs. Die Wartezeit auf den Sonnenuntergang habe ich genutzt um ganz spontan in meinem Auto mit dem HTC ONE (M8) dieses Video aufzunehmen.

Fotopraxis mit der Nikon 1 V3

Nur ein paar Tage später habe ich zusammen mit meiner Sandra unseren Freund Mirko Mochetti in seinem Café Fahrtwind in Hönningen in der Eifel besucht. Das Wetter war schön und unsere Mädels haben sich spontan bereit erklärt die Gäste des Cafés zu versorgen, so dass wir zum Sonnenuntergang noch eine halbe Stunde fliegen konnten. Im Kofferraum meines Autos hatte ich noch die Fotoausrüstung vom vorherigen Video. Da es im Cockpit der Aerosol Dynamic WT9 sehr beengt zugeht, habe ich das wunderbar kompakte AF-S VR 10-100mm (entspricht 27-270mm im FX-Format) an meine Nikon 1 V3 montiert und ausschließlich mit diesem Objektiv spontan das folgende Video gefilmt.

Sunset Flight mit 10-100mm (non PD)

Das 10-100mm ist nicht besonders lichtstark und so musste die ISO-Automatik meiner Nikon 1 V3 bei den letzten Sequenzen, die etwa 60 Minuten nach Sonnenuntergang gefilmt wurden, einfach alles geben. Teilweises hat die Kamera bis zu ISO-3200 einstellen müssen, was man im Video auch ganz deutlich sehen kann. Hier wäre bspw.  eine Nikon D750 ganz klar im Vorteil, weil sie statt 1/100s 1/25s als längste Belichtungszeit im Video-Modus ermöglicht. Statt mit ISO 3200 hätte also eine Nikon D750 mit lässigen ISO 800 filmen können…

Das folgende Foto habe ich mit dem 10-100mm bei 10mm Brennweite und vollständig geöffneter Blende aufgenommen. Die Vignettierung habe ich bei der RAW-Konvertierung hinzugefügt. Das Klappdisplay der Nikon 1 V3 erlaubt herrlich tiefe Perspektiven ohne, dass man sich umständlich verrenken muss, das ist wirklich toll!

Sunset flight #1 - Nikon 1 V3 & AF-S VR 10-100mm (non PD)

Hier ist noch ein Bild das am ausgestreckten Arm entstanden ist, dazu habe ich das Display im Winkel von 90° nach unten geklappt.

Sunset flight #6 - Nikon 1 V3 & AF-S VR 10-100mm (non PD)

Zusammenfassung

Wer sich auf eine Nikon 1 V3 einlässt muss wirklich tief in die Tasche greifen und sich mit fehlenden Features und teilweise nervigem Verhalten der Kamera abplagen. Aber dennoch kann diese Kamera viel Spaß machen. Das liegt im wesentlichen daran, dass sie wunderbar leicht und kompakt ist. Der Look der Bilder erinnert stark an das analoge Zeitalter. Die Fotos sehen so aus wie ein sehr gutes 35mm Dia, das mit einem herausragend guten Scanner digitalisiert wurde. Der Dynamik-Umfang der Nikon 1 V3 ist deutlich geringer als bspw. bei der Nikon D750 oder D800, aber er ist im Grunde genommen noch groß genug. Hier habe ich ein Beispielfoto das ich aus zwei Bilder mit 1.0 EV Unterschied aufgenommen habe. Dass ich dabei ein Stativ benutzt habe sollte klar sein… Via DRI-Technik habe ich diese beiden RAW-Bilder zu diesem sehr kontrastreichen Gegenlicht-Foto verarbeiten können. Es ist alles drin, keine zugelaufenen dunklen Bildbereiche und keine ausgefressenen Lichter. So sollte es sein und so ist es mit der Nikon 1 V3 trotz des kleines Chips und der winzigen Pixel auch machbar!

Nikon 1 V3 - DRI Test

Das fehlende BKT-Feauture, also die automatische Erstellung von Belichtungsreihen kann man umgehen, in dem man die Nikon 1 V3 auf einem stabilen Stativ positioniert, alles auf M wie Manuell stellt und dann eine Belichtungsreihe aufnimmt, bei der man mit dem hinteren Wählrad die Belichtungszeiten variiert. Ist das Stativ stabil genug und das Motiv statisch genug, so sind Fotos wie dieses hier gar kein Problem.

Nikon 1 V3 - HDR Test

Ausblick

Alles in allem bin ich mit der Nikon 1 V3 ziemlich happy und ich werde sie im Dezember für vier Wochen mit nach Teneriffa nehmen. Für nächtliche Aufnahmen der Milchstraße wird aber zusätzlich die Nikon D800E samt AF-S 2,8/14-24mm in den Rucksack wandern. Und für den „einfachen Fotoalltag“ werde ich diesmal die Olympus OM-D E-M1 einpacken. Sie ein paar Tagen habe ich einen sehr coolen Filterhalter für das Panasonic 7-14mm Extremweitwinkel, sowie einige passende Grau- und Verlaufsfilter. Schon heute freue ich mich sehr darauf mit dieser Kamera an den Stränden von Teneriffa schöne Abendstimmungen bei langen Belichtungszeiten einzufangen. Ab dem 12. Dezember wird es hier und bei flickr.com viele neue Fotos zu sehen geben.

Ice Bucket Challenge – Mein Standpunkt

 

Psychologen haben herausgefunden, dass gewöhnliche Youtube-Konsumenten ein Video das länger als 2:54 Minuten dauert nicht vollständig verarbeiten können. Bei den Betroffenen ist der Prozess der Abstumpfung oft weit fortgeschritten, gelegentlich sogar irreversibel. Daher habe ich mein gestern veröffentlichtes Video auf exakt 2 Minuten und 54 Sekunden gekürzt um auch diesen armen Menschen eine Chance zu geben sich für einen guten Zweck einzusetzen. Da laut Youtube-Statistik inzwischen mehr als die Hälfte meiner Zuschauer in nicht deutschsprachigen Ländern lebt, habe ich das Video zusätzlich mit Untertiteln versehen. So sollten auch pubertäre Jugendliche in den USA und anderswo erkennen, dass dieses Video keinen Ice Bucket Fail enthalten kann und will und dass es nicht zu ihrer Belustigung beitragen soll.

Wer sich mental in der Lage sieht ein Video mit einer Spielzeit von schier unglaublichen 10:33 Minuten zu bewältigen, dem sei dieses Video empfohlen:

 

Damit ich nicht falsch verstanden werde, ich finde diese Kampagne wirklich großartig und es ist toll, dass dadurch schon mehr als 70.000.000 US Dollar für die Forschung und Bekämpfung von ALS gespendet wurden. Aber inzwischen ist diese Kampagne auf dem Weg bizarre Formen anzunehmen. Es wird in diesen Tagen einfach nur noch wahllos jeder Bekannte und/oder Nachbar nominiert, meist wahllos weil einem nach der kalten Dusche nichts besseres einfällt. Wenn jemand wie Schauspieler Patrick Stewart einen fetten Scheck ausstellt und sich das Eis statt über den Kopf in ein Glas Whiskey fallen lässt, wird er im Internet von denen die noch immer nicht gepeilt haben worum es eigentlich geht angefeindet. Die besonders stark Verstrahlten beschweren sich inzwischen sogar schon darüber, dass durch diese Aktion „kostbares Trinkwasser verschwendet wird.“ Hallo, geht’s noch?

Doch trotz des Hypes und des unglaublichen Erfolgs der Kampagne habe ich den Eindruck, dass damit jetzt langsam Schluss sein sollte. Statt sich grölend mit der Flasche Bier in der Hand die besten Ice Bucket Fails anzuschauen, sollte man lieber zumindest gelegentlich die Nachrichten einschalten und wenigstens für 2:54 Minuten lang zuschauen und versuchen zu verarbeiten welche Schreckensmeldungen man dort kostenlos serviert bekommt.

Wer Augen hat zu lesen, der lese diese Mitteilung des Auswärtigen Amtes. Dort ist von 4,4 Millionen Euro (5,8 Millionen US Dollar) die Rede. Dies ist die Summe die derzeit von 80.781.000 Deutschen aufgebracht wird um 800.000 Jesiden im Irak vor dem Völkermord durch de ISIS Terroristen zu retten. Im Vergleich zu den Spendengeldern der Ice Bucket Challenge ist dies in meinen Augen ein geradezu lächerlich geringer Betrag.

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Daher mein Appell an alle die noch nicht komplett verstrahlt sind, hört auf damit Euch Wassereimer über dem Kopf auszugießen oder Euch über jene die es tun kaputt zu lachen. Setzt Euch an Euren Computer und tut etwas sinnvolles, spendet für Menschen die Eure Spende wirklich ganz arg dringend brauchen. Ich habe es gestern ausprobiert, es ist unglaublich einfach. Man kann die Spende per PayPal bezahlen und bekommt sogar noch eine Spendenquittung die man mit der nächsten Steuererklärung beim Finanzamt einreichen kann!

In meinem Video habe ich gestern den Bundestagsabgeordneten Ulrich Kelber gebeten einen Spendenaufruf an seine Follower auf Twitter und Facebook zu richten. Ulrich Kelber hat keine Sekunde gezögert und gleich heute morgen zur besten Frühstückszeit zu einer Spende für die Menschen im Nord Irak aufgerufen.

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An dieser Stelle daher mein großes Dankeschön an Ulrich für seinen Einsatz. Außerdem hat es mir unglaublich gut gefallen, dass wir heute noch vor dem ersten Kaffee kurz via Facebook Chatten konnten. Das ist bürgernah und so sollte Politik sein!

Danke Ulrich!

 

Telefonat mit Adolf Hitler

Darf man Witze über Adolf Hitler machen?

 

Der zweite Weltkrieg und die Zeit des Nationalsozialismus gehört zu den dunkelsten Epochen der Deutschen Geschichte. Und dieses Grauen wirkt bei vielen Menschen bis heute nach. So gilt es noch immer als verwerflich, militärische Aktionen des Staates Israel öffentlich kritisieren. Wer in diesem Zusammenhang von unangemessener Härte und Brutalität gegenüber der Zivilbevölkerung spricht wird schnell pauschal als Antisemit abgestempelt. Die Kollektivschuld lastet auch mehr als 70 Jahre nach Kriegende noch immer schwer auf deutschen Schultern.

So macht man scheinbar auch keine Witze über Adolf Hitler, oh nein oh nein, das tut man nicht. Denn der Mann war sowas von durchtrieben und abgrundtief böse, dass man nicht einmal einen Witz über ihn reißen darf… Ok ok, bei 3SAT traut man sich das gelegentlich einmal…

Ausgerechnet Hoeneß

 

Im Rest der Welt wird das Gott sei Dank ein wenig anders gesehen. Der Film „Der Untergang“ aus dem Jahre 2004 stammt aus der Feder von Bernd Eichinger, der diesen Film auch produziert hat. Oliver Hirschbiegel hat als Regisseur ganze Arbeit geleistet und dieser Film war ein großer internationaler Erfolg. Dies lag nicht zuletzt an der unglaublichen Leistung des Schweizer Schauspielers Bruno Ganz der in einem Interview gesagt hat, dass er nach dem Ende der Dreharbeiten noch lange damit zu kämpfen hatten in welcher Tiefe er in die Rolle des Adolf Hitler hineingeschlüpft sei.

Ein wichtiger Teil des Films sind Telefonate die Adolf Hitler mit verschiedenen Generälen und anderen Mitarbeitern seines Stabs führt. Im Ausland wurden in den letzten Jahren unglaublich viele teilweise sehr witzige aber auch kontrovers diskutierte Parodien auf diese Szenen erstellt. In Deutschland scheint dergleichen, vielleicht wegen der latent gelebten deutschen Kollektivschuld, nicht gut anzukommen. Jedenfalls gibt es deutlich weniger Parodien in deutscher Sprache. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass es Amerikaner die eh kein Wort Deutsch verstehen leichter haben einfach witzige Untertitel unter eines der Hitlertelefonate zu setzen und das Ergebnis als „Hitler telefoniert mit Gadafi“ oder so ähnlich bei YouTube usw. zu veröffentlichen. Gelegentlich hat Adolf auch mal ein Problem mit seinem DSL-Anschluß und muss in einem Callcenter in Indien um Hilfe bitten. Wer kennt das nicht…

Anruf im Callcenter (Untertitel)

 

Ich habe mich in den letzten Wochen immer mal wieder mit diesem Thema beschäftigt und dabei kam mit die Idee selbst mal mit Adolf Hitler zu telefonieren. Damit er mich auch wirklich anrufen kann, habe ich mich selbst vom Festnetz aus auf dem Handy angerufen, die Nummer als neuen Kontakt gespeichert, ein bekanntes Hitlerfoto als Kontaktbild gewählt und als Klingelton das Finale der symphonischen Dichtung „Les Preludes“ von Franz Liszt aus den Jahren zwischen 1848 und 1854 gewählt. Franz Liszt war mehr Pianist als Komponist und die Anzahl seiner Kompositionen ist eher überschaubar. Während des zweiten Weltkrieges wurde das Haupt-Thema aus „Les Preludes“ von den ersten Deutschen Radiomachern ausgesucht und als Erkennungsmelodie verwendet. Damals war diese Komposition aber schon rund 90 Jahre alt!

Außer im Radio wurde dieses Thema auch in den Berichten der Wochenschau verwendet und in den Deutschen Kinos in die Ohren der Zuschauer regelrecht eingehämmert. Obwohl Franz Liszt schon lange tot war, haben die NAZIs damit seine eigentlich sehr schöne Komposition in den Schmutz gezogen. Und so wie man das Wort „Führer“ in Deutschland nicht laut ausspricht spielt man natürlich diese Musik auch nicht, jedenfalls nicht so, dass man dabei erwischt werden könnte. Ich empfinde das als falsch, denn die Musik kann ja nichts dazu, in welcher Art sie missbraucht wurde.

Meine Hitler-Parodie

Zurück zu meiner eigenen Hitler-Parodie… Wer sich bei YouTube etwas umschaut findet hunderte von Parodien die aber fast ausnahmslos auf Untertiteln basieren. Etwas wie „Ausgerechnet Hoeneß“ bekommt da leider fast niemand hin, oder es traut sich vielleicht auch niemand. Wer will schon einer Horde NAZIs ihr schmieriges Idol madig machen oder in der Öffentlichkeit falsch verstanden werden?

Ich habe die Idee einer Parodie schon seit Wochen in meinem Kopf mit mir herumgetragen und sie schließlich gestern sehr spät am Abend endlich realisiert. Als Thema für das Telefonat mit Adolf Hitler habe ich mir den noch nicht fertig gestellten „Teil 3“ meiner USA-Reportage gewählt. Meine Tonspur habe ich mit einem RODE SmartLAV und einem iPOD Touch 5G aufgenommen. Dabei habe ich die RODE-App verwendet. Beim Mix habe ich die Stereo-Tonspur meiner Panasonic GH3 etwas leiser darunter gelegt. Die Synchronisation hat dank 48 kHz Samplingfrequenz und WAV-Format sehr gut funktioniert.

FCPX-Hitler-Editing-Screenshot

Während meine Nachbarn in den Wohnungen um mich herum bereits schliefen, habe ich hier mit keifender Stimme mein Telefonat mit dem „Führer“ aufgenommen. Dabei dachte ich nur „Hoffentlich hört niemand was ich hier mache und zieht daraus falsche Schlüsse…“ Gegen 2h am Morgen war mein Video dann „online“ und bereits nach einigen Minuten gab es die ersten „Daumen nach unten“. Es ist in Deutschland nicht einfach bei YouTube Witze über ein derart komplexes Thema zu machen…

 

Mich würde interessieren was Ihr darüber denkt?

Wer mag kann einfach die kostenlose Kommentarfunktion verwenden und so mit mir und anderen Lesern diskutieren. Ich bin sehr gespannt wer sich traut dies tatsächlich zu tun…

Serdar Somuncu über „Mein Kampf“

Als überaus spannend empfinde ich es auch, dass sich der Comedian Serdar Somuncu immer wieder dafür rechtfertigen muss in welcher Weise er sich mit dem hohlen Irrsinn auseinandersetzt, den Adolf Hitler während er 1924 in Landsberg am Lech im Gefängnis saß, seinem Zellengenossen und späterem Stellvertreter Rudolf Heß in die Feder diktiert hat. Dieses „Werk“ ist später als „Mein Kampf“ in Buchform erschienen und kann heute in aller Welt gekauft werden, außer in Deutschland. Muss man deutsche Jugendliche wirklich vor 700 Seiten Unsinn schützen indem man dieses wahrscheinlich schlechteste aller Bücher verbietet?