Telefonat mit Adolf Hitler

Darf man Witze über Adolf Hitler machen?

 

Der zweite Weltkrieg und die Zeit des Nationalsozialismus gehört zu den dunkelsten Epochen der Deutschen Geschichte. Und dieses Grauen wirkt bei vielen Menschen bis heute nach. So gilt es noch immer als verwerflich, militärische Aktionen des Staates Israel öffentlich kritisieren. Wer in diesem Zusammenhang von unangemessener Härte und Brutalität gegenüber der Zivilbevölkerung spricht wird schnell pauschal als Antisemit abgestempelt. Die Kollektivschuld lastet auch mehr als 70 Jahre nach Kriegende noch immer schwer auf deutschen Schultern.

So macht man scheinbar auch keine Witze über Adolf Hitler, oh nein oh nein, das tut man nicht. Denn der Mann war sowas von durchtrieben und abgrundtief böse, dass man nicht einmal einen Witz über ihn reißen darf… Ok ok, bei 3SAT traut man sich das gelegentlich einmal…

Ausgerechnet Hoeneß

 

Im Rest der Welt wird das Gott sei Dank ein wenig anders gesehen. Der Film „Der Untergang“ aus dem Jahre 2004 stammt aus der Feder von Bernd Eichinger, der diesen Film auch produziert hat. Oliver Hirschbiegel hat als Regisseur ganze Arbeit geleistet und dieser Film war ein großer internationaler Erfolg. Dies lag nicht zuletzt an der unglaublichen Leistung des Schweizer Schauspielers Bruno Ganz der in einem Interview gesagt hat, dass er nach dem Ende der Dreharbeiten noch lange damit zu kämpfen hatten in welcher Tiefe er in die Rolle des Adolf Hitler hineingeschlüpft sei.

Ein wichtiger Teil des Films sind Telefonate die Adolf Hitler mit verschiedenen Generälen und anderen Mitarbeitern seines Stabs führt. Im Ausland wurden in den letzten Jahren unglaublich viele teilweise sehr witzige aber auch kontrovers diskutierte Parodien auf diese Szenen erstellt. In Deutschland scheint dergleichen, vielleicht wegen der latent gelebten deutschen Kollektivschuld, nicht gut anzukommen. Jedenfalls gibt es deutlich weniger Parodien in deutscher Sprache. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass es Amerikaner die eh kein Wort Deutsch verstehen leichter haben einfach witzige Untertitel unter eines der Hitlertelefonate zu setzen und das Ergebnis als „Hitler telefoniert mit Gadafi“ oder so ähnlich bei YouTube usw. zu veröffentlichen. Gelegentlich hat Adolf auch mal ein Problem mit seinem DSL-Anschluß und muss in einem Callcenter in Indien um Hilfe bitten. Wer kennt das nicht…

Anruf im Callcenter (Untertitel)

 

Ich habe mich in den letzten Wochen immer mal wieder mit diesem Thema beschäftigt und dabei kam mit die Idee selbst mal mit Adolf Hitler zu telefonieren. Damit er mich auch wirklich anrufen kann, habe ich mich selbst vom Festnetz aus auf dem Handy angerufen, die Nummer als neuen Kontakt gespeichert, ein bekanntes Hitlerfoto als Kontaktbild gewählt und als Klingelton das Finale der symphonischen Dichtung „Les Preludes“ von Franz Liszt aus den Jahren zwischen 1848 und 1854 gewählt. Franz Liszt war mehr Pianist als Komponist und die Anzahl seiner Kompositionen ist eher überschaubar. Während des zweiten Weltkrieges wurde das Haupt-Thema aus „Les Preludes“ von den ersten Deutschen Radiomachern ausgesucht und als Erkennungsmelodie verwendet. Damals war diese Komposition aber schon rund 90 Jahre alt!

Außer im Radio wurde dieses Thema auch in den Berichten der Wochenschau verwendet und in den Deutschen Kinos in die Ohren der Zuschauer regelrecht eingehämmert. Obwohl Franz Liszt schon lange tot war, haben die NAZIs damit seine eigentlich sehr schöne Komposition in den Schmutz gezogen. Und so wie man das Wort „Führer“ in Deutschland nicht laut ausspricht spielt man natürlich diese Musik auch nicht, jedenfalls nicht so, dass man dabei erwischt werden könnte. Ich empfinde das als falsch, denn die Musik kann ja nichts dazu, in welcher Art sie missbraucht wurde.

Meine Hitler-Parodie

Zurück zu meiner eigenen Hitler-Parodie… Wer sich bei YouTube etwas umschaut findet hunderte von Parodien die aber fast ausnahmslos auf Untertiteln basieren. Etwas wie „Ausgerechnet Hoeneß“ bekommt da leider fast niemand hin, oder es traut sich vielleicht auch niemand. Wer will schon einer Horde NAZIs ihr schmieriges Idol madig machen oder in der Öffentlichkeit falsch verstanden werden?

Ich habe die Idee einer Parodie schon seit Wochen in meinem Kopf mit mir herumgetragen und sie schließlich gestern sehr spät am Abend endlich realisiert. Als Thema für das Telefonat mit Adolf Hitler habe ich mir den noch nicht fertig gestellten „Teil 3“ meiner USA-Reportage gewählt. Meine Tonspur habe ich mit einem RODE SmartLAV und einem iPOD Touch 5G aufgenommen. Dabei habe ich die RODE-App verwendet. Beim Mix habe ich die Stereo-Tonspur meiner Panasonic GH3 etwas leiser darunter gelegt. Die Synchronisation hat dank 48 kHz Samplingfrequenz und WAV-Format sehr gut funktioniert.

FCPX-Hitler-Editing-Screenshot

Während meine Nachbarn in den Wohnungen um mich herum bereits schliefen, habe ich hier mit keifender Stimme mein Telefonat mit dem „Führer“ aufgenommen. Dabei dachte ich nur „Hoffentlich hört niemand was ich hier mache und zieht daraus falsche Schlüsse…“ Gegen 2h am Morgen war mein Video dann „online“ und bereits nach einigen Minuten gab es die ersten „Daumen nach unten“. Es ist in Deutschland nicht einfach bei YouTube Witze über ein derart komplexes Thema zu machen…

 

Mich würde interessieren was Ihr darüber denkt?

Wer mag kann einfach die kostenlose Kommentarfunktion verwenden und so mit mir und anderen Lesern diskutieren. Ich bin sehr gespannt wer sich traut dies tatsächlich zu tun…

Serdar Somuncu über „Mein Kampf“

Als überaus spannend empfinde ich es auch, dass sich der Comedian Serdar Somuncu immer wieder dafür rechtfertigen muss in welcher Weise er sich mit dem hohlen Irrsinn auseinandersetzt, den Adolf Hitler während er 1924 in Landsberg am Lech im Gefängnis saß, seinem Zellengenossen und späterem Stellvertreter Rudolf Heß in die Feder diktiert hat. Dieses „Werk“ ist später als „Mein Kampf“ in Buchform erschienen und kann heute in aller Welt gekauft werden, außer in Deutschland. Muss man deutsche Jugendliche wirklich vor 700 Seiten Unsinn schützen indem man dieses wahrscheinlich schlechteste aller Bücher verbietet?

 

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7 thoughts on “Telefonat mit Adolf Hitler

  1. Solche Witze sollte man machen können Weiß nicht ob man es kann, aber wäre lächerlich wenn nicht. Es werden leider immer wieder Sachen absichtlich falsch verstanden.Ganz andere Dinge sollte man nicht dürfen, und die darf man immer wieder.

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  2. Ein bisschen Schade: Idee gut, Umsetzung…..naja…

    Sehr gut: Ausführliche Beschäftigung mit dem Thema. Das ist eigentlich viel wichtiger , als 1000 dumme Kommentare (, von Leuten, die sich NICHT mit damit beschäftigt haben.)
    Würde es bei Youtube einen Daumen in die Mitte geben, wäre er meine Wahl gewesen!

    Außerdem: Ich will auch Teil drei sehen.

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    1. Vielleicht sollte ich noch anmerken, dass ich inkl. Schnitt und Upload etc. nur etwa 4 Stunden für das Video hatte! Man muss dieses Video auch im Gesamtzusammenhang sehen. Ich werde seit Teil 1 täglich mehrfach angeschrieben und die Leute fragen mich wann denn endlich Teil 2 fertig ist. Daher stammt die Idee, dass sogar Adolf Hilter darauf warten könnte. 🙂

      Was genau könnte ich denn besser machen? Ich freue mich über jeden Verbesserungsvorschlag. Ich bin übrigens absichtlich so unscharf, weil der Führer es ja auch ist…

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  3. Witzig fand ich die Idee, dass Adolf sich in der Manier von Bond, James Bond vorstellt. Was mir auch immer wieder gefällt ist wie er „Twitter? Facebook??“ in sich hinein murmelt… 🙂

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  4. Nabend!
    Ich bitte meine späte Antwort zu entschuldigen:

    Seit fast vier Tagen habe ich jetzt versucht, einen konkreten Anhaltspunkt , Aspekt, Fehler, oder wie man es nennen mag, zu finden, um fest zu machen, warum das Video meine Wellenlänge nicht trifft. Es ist einfallsreich, witzig (Ja, Twitter, Facebook…! 😉 ) gut geschnitten…

    Bis ich von einem Kometen erschlagen wurde und zur Belustigung der umliegenden Personen einen Mund voll Wasser im Raum verteilt habe. Nein, kein Witz.

    Die Assoziation „Drittes Reich“ – dritter Teil hat bei mir nicht funktioniert. Obwohl, oder vielleicht gerade weil ich mich gerne interessehalber mit dem Thema beschäftige. Irgendwo hat da der Zusammenhang gefehlt.

    Was mir schon beim ersten „sichten“ aufgefallen ist: Der gute Mann könnte ein wenig emotionaler synchronisiert sein. Das kann ich allerdings nicht als ernsthaften Kritikpunkt äußern, da heutzutage (zu recht) gleich die Herren mit der weißen Jacke vor der Tür stehen, wenn man in Hitler-Manier lauthals durch die Bude brüllt.

    Gruß aus Bochum und:

    Wann ist es denn jetzt endlich so weit?

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    1. Wenn das Gesamtwerk steht wirst Du es verstehen!

      Ich habe ein Kampagne im Kopf – es soll auch noch eine Horde Zombies geben die auf Teil 3 oder vielleicht auch Teil 4 wartet. Das alles ist an das Intro aus Teil 2 angelegt und ist irgendwie auch ein „ironischer Blick auf meine Youtube-Abonnenten“.

      Zitat „Sie sind hinter mir her, sie wollen den zweiten Teil sehen…“

      Der „gemeine Youtube-Konsument“ erwartet inzwischen, dass er alles mundgerecht und kostenlos ohne Werbung ganz tief in den Arsch geschoben bekommt. Das geht mir auf den Geist, daher habe ich Hitler als einen meiner Zuschauer auserwählt. Aber um diese Form von Sarkasmus zu verstehen sind Youtube-Zuschauer die noch die Grundschule besuchen einfach nicht reif genug 🙂

      Das mit der Synchronisiererei ist auch so ein Ding, ich hatte danach echte Halsschmerzen… Vielleicht ist Bruno Ganz der einzige Schauspieler auf der Welt der das wirklich gut gemacht hat… Alle anderen Hitler-Darsteller (außer Charlie Chaplin) fand ich bislang nicht überzeugend.

      Und außerdem lädt diese Telefonszene einfach dazu ein daraus eine Parodie zu machen. In anderen Ländern sieht man dergleichen viel entspannter als in Deutschland. Hier bei uns erntet man ja schon den bösen Blick wenn man den Namen dieses Diktators nur in den Mund nimmt. Ich finde das übertrieben. Man muss über dieses Monster sprechen, sonst gerät es in Vergessenheit und das wäre ein fataler Fehler!

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  5. Achja: Die absichtliche Unschärfe kann man sehr nett mit einem beliebig billigen UV-Filter und etwas Fett erzeugen. Das könnte vielleicht schon bekannt sein.Und: „alte“ Butter macht einen „leckeren“ Sepia-Effekt…

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