Zu Besuch auf den Azoren

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Die Azoren (portugiesisch Ilhas dos Açores [ɐ’soɾɨʃ], zu deutsch: Habichtsinseln) sind eine Gruppe von neun größeren und mehreren kleineren portugiesischen Atlantikinseln (Hauptinsel São Miguel), die 1369 km westlich vom europäischen Festland (Cabo da Roca) und 4382 km ostwärts von Nordamerika (US-Bundesstaat Virginia) liegen. Die kürzeste Entfernung (Insel Flores) zum nordamerikanischen Festland (Neufundland in Kanada) beträgt 2342 km. Verwaltungstechnisch bilden die Azoren zusammengefasst eine autonome Region Portugals, die Região Autónoma dos Açores, und gehören somit zur Europäischen Union.

São Miguel [sɐ̃u miˈɡɛɫ] (zu Deutsch Sankt Michael) ist die größte Insel der Azoren. Sie zählt zur Ostgruppe des Archipels und hat eine Fläche von 746,8 Quadratkilometern. Die Insel ist 63,7 km lang und 16,1 km breit. Auf São Miguel leben gut 140.000 Menschen (Stand 2011), rund 65.000 davon in der Hauptstadt Ponta Delgada.

(Quelle: Wikipedia)

Die Nacht im großen bequemen Bett im Hotel do Mar war wirklich erholsam. Am Morgen scheint die Sonne ins Zimmer und als ich meine ersten unsicheren Schritte wage sehe ich mit verschlafenen Augen das Meer direkt vor mir. Es ist so schön hier!

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Bei einem sehr guten Frühstück unterhalte ich mich eine Weile mit einem deutschen Ehepaar. Sie lieben diese Insel, kommen seit Jahren hierher und bleiben auch diesmal ganz vier Wochen. Sie schwärmen von der Ruhe und davon, dass es hier kaum Massentourismus gäbe. Die Dörfer seien noch sehr ursprünglich und selbst Ponta Delgada habe noch seinen alten Charme beibehalten. Wie lange das so bleibt, ist allerdings fraglich. Die Konflikte in Ägypten, Tunesien und der Stress mit Griechenland haben einige Urlaubsparadiese mit Sonnengarantie für die Reiseveranstalter weg brechen lassen. Flog früher fast ausschließlich die Fluggesellschaft SATA nach Sao Miguel, so kann man inzwischen fast täglich mit Ryanair und Easyjet in dieses kleine Paradies reisen. Die Reiseveranstalter suchen neue Ziele an denen sie ihre Geschäfte machen können. Langfristig wird dies wohl auch die Azoren sehr verändern, so wie es auf Gran Canaria, Teneriffa und anderen Inseln bereits geschehen ist.

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Nach dem Frühstück frage ich an der Rezeption ob ein Anruf beim Autovermieter Autatlantis möglich ist. Dort lerne ich Sandra kennen. Sie hat unter anderem Deutsch studiert und eine Weile in Hamburg gearbeitet. Wir unterhalten uns aber sehr gut auf Englisch. Diese Sprache geht ihr leichter über die Lippen und für mich ist es immer wieder eine gute Übung. Das Telefonat mit Autatlantis ist frustrierend. Sandra wird regelrecht zusammengestaucht. Wie kann ihr Gast bloß auf die Idee kommen, dass es auf dieser Insel noch freie Mietwagen geben könnte?

Es ist August und es ist Hauptsaison. Im Winter sind hier viele Hotels geschlossen, dann wäre ein Mietwagen kein Problem, aber heute gibt es bei keinem der namhaften Anbieter ein freies Fahrzeug. Aber ich habe doch eine E-Mail bekommen??? Beim Blick auf die E-Mail fällt mir auf, dass es nur die Bestätigung dafür ist, dass man meine Anfrage entgegengenommen hat. Eine Bestätigung des eigentlichen Autovermieters Autatalantis habe ich noch nicht. Diese wird auch üblicherweise erst nach 48 Stunden verschickt.

Ich bin jetzt also auf einer Insel die fast 100 Kilometer lang ist und habe weder ein Fahrrad, noch einen Roller, von einem Mietwagen kann ich nur träumen, na prima!

Während ich etwas frustriert und ohne echte Hoffnung an der Rezeption stehe und auf meinem Mac eine Webseite nach der anderen nach einem freien Mietwagen absuche, spricht Sandra mit einer Dame auf Portugiesisch. Ich verstehe natürlich kein Wort. Als die Dame sich dann abwendet sagt Sandra mir, dass heute wohl mein Glückstag sein muss. Die Dame ist von einer kleineren lokalen Autovermietung und sie will gerade den Mietwagen eines Kunden abholen, der heute abreisen wird.

Das Auto ist zwar noch nicht gereinigt, aber ich könnte es haben wenn ich will. Juhu, ich bekomme ein Auto, meine Gesichtszüge hellen sich spontan auf.

Etwa 30 Minuten später ist der Papierkrams erledigt und ich habe den Schlüssel zu einem VW Polo. Auf dem Tacho stehen bereits 111.600 Kilometer, er ist voll staubig, die Reifen sind abgefahren, der Tank nur halbvoll, die Fensterheber quietschen, die Kupplung ist am Ende und auch die Bremsen quietschen so laut, dass es in den Ohren schmerzt, aber er fährt!

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Nachdem ich meinen Artikel des Vortages über das überraschend gut funktionierende WiFi Netzwerk im Hotel de Mar veröffentlich habe, geht es mit dem VW Polo los. Ich fahre in östlicher Richtung um die Insel herum. Immer wieder nehme ich einen kleinen Abstecher in Richtung Meer und finde kleine verschlafene Ortschaften. Es sind kaum Menschen auf der Straße, bei den wenigen Bars sitzen ein paar alte Männer vor der Tür. Meine GoPro, die ich samt Graufilter auf der Scheibe des VW Polo montiert habe, zieht dabei immer wieder alle Blicke auf sich.

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Am Nachmittag habe ich an vielen Aussichtspunkten gehalten und etwa 100 Fotos geschossen. Leider habe ich den Akkus meiner Fuji X-T1 zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Von drei Akkus sind zwei komplett leer und einer ist fast am Ende. Ich bin also sehr sparsam mit dem was ich heute fotografiere und filme.

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Auch der Akku meiner GoPro geht schnell zur Neige. Aber ich habe ein 12 Volt Ladekabel mit Mini-USB Stecker dabei. So kann ich die GoPro immer mal wieder eine halbe Stunde aufladen, 5 Minuten filmen, 30 Minuten laden, 5 Minuten filmen usw.

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Gegen 15h finde ich ein kleines Café in einem Dorf im Norden der Insel. Es gibt zwei kleine runde Stücke Kuchen, einen großen Espresso und eine kalte Cola zur Erfrischung. Das Wetter ist ein Traum, es sind gefühlte 25°C, in der Sonne fühlt es sich heißer an. Fast eine Stunde sitze ich an diesem Café und genieße die schöne Aussicht. Ich bin der einzige Gast und die nette etwas ältere Dame zeigt mir schließlich eine lokale Zeitung. Immer wieder tippt sie mit dem Finger auf einzelne Fotos und sagt etwas auf Portugiesisch. Ich bin überfordert und weiß nicht so recht was ich machen soll. Also nicke ich zyklisch und gebe ein gelegentliches „Hm Hm“ von mir. Sie sagt immer wieder „Nordeste“. So heißt hier einer der Orte, sicher sind dies die letzten Neuigkeiten aus Nordeste, genau weiß ich es aber nicht. Letztlich fällt dann leider doch auf, dass ich nichts aber auch absolut gar nichts verstanden habe. Aus Spaß sage ich „Merci beaucoup Madame“. Sie grinst und sagt „Francais??“ „No no no, Germany, Alemania, Allemagne, Alemanha…“ etwas besseres fällt mir gerade nicht ein. Sie sagt „Ahh, Alemanha!!!“ Und dann glaube ich zu verstehen, dass ihre Familie in Deutschland lebt. Sie freut sich, dass ich aus Deutschland komme, klopft mir auf die Schulter und grinst.

Als ich letztlich das Café verlasse winkt sie mir freundlich hinterher und lacht dabei. Die Menschen auf dieser Insel sind so freundlich, es ist beeindruckend. Jetzt bräuchte mein VW Polo langsam aber sicher mal eine Tankstelle. Ich habe mein TomTom Rider dabei. Eigentlich ist es ja für Motorradfahrer gedacht, aber man kann es auch in die Kuhle auf dem Armaturenbrett legen und damit im Auto navigieren. Ich gebe an, dass ich zur nächstgelegenen Tankstelle möchte. 10 Kilometer weiter stehe ich vor einem verlassenen Haus. Vielleicht gab es hier irgendwann einmal eine Zapfsäule, aber die ist längst weg. So geht er mir auch mit den drei nächsten Tankstellen. Es ist schlimm, das TomTom Kartenmaterial ist total veraltet, zumindest was Restaurants und Tankstellen betrifft.

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Letztlich bleibe ich einfach eine Weile auf der neuen gut ausgebauten Schnellstraße und finde nach kurzer Zeit eine sehr moderne Tankstelle. Als ich eintrete muss die junge Kassiererin grinsen. „Hey Man, I love your shirt“ sagt sie. Ich bin heute wieder in meinem „Heisenberg T-Shirt“ unterwegs. Es ist ein Geschenk meines Sohnes Leon und jeder der die Fernsehserie „Breaking Bad“ gesehen hat erkennt dieses Shirt auf Anhieb. Den ganzen Tag über haben mir immer wieder junge grinsende Mädchen auf die Brust gestarrt und getuschelt. Sätze wie „I love that shirt“ habe ich heute schon mehrfach gehört und es ist wirklich witzig. Ich sollte dieses Shirt jeden Tag tragen. Leider würde es dann sehr schnell sehr übel riechen…

Nachdem ich mir den Flughafen bei Tageslicht angeschaut habe, mache ich mich gegen 17h auf den Rückweg zum Hotel. Unterwegs komme ich an einem ziemlich großen und sehr idyllisch gelegenen See vorbei. Man ist das hier schön, diese Insel ist ein Traum für jeden der pure Natur mag. Es geht noch hoch zu einem Aussichtspunkt und dann vorbei an den heißen vulkanischen Quellen von Furnas. Diese werde ich am Abreisetag auf dem Weg zum Flughafen noch genauer inspizieren.

Für den nächsten Tag habe ich mir eine Tour durch den Westen der Insel vorgenommen. Dort gibt es ebenfalls zwei sehr schön gelegene Seen. Diese Seen sind mit den Maaren in der Eifel vergleichbar, es sind Schlote uralter Vulkane die sich im Laufe der Jahrtausende mit Wasser gefüllt haben.

Beim Hotel do Mar gibt es kein Abendessen, das Hotel ist nur auf Übernachtungen mit Frühstück ausgelegt. Aber schräg gegenüber ist ein schönes Restaurant. Dort bestelle ich mir den Vorspeisenteller des Hauses und ein Filet Mignon mit Kartoffeln und Gemüse. Dazu würde ich gern einen Rotwein trinken. Am Tisch vor mir haben zwei Frauen zwei ganz kleine Flaschen mit Rotwein, das hätte ich auch gern. Die Kellnerin versteht mich aber nicht so recht und bringt mir die Weinkarte. Ich verstehe im Gegenzug diese Weinkarte nicht. Ein Wein heißt „Terra de Lava“ und es gibt ihn in einer 375ml Falsche, den bestelle ich mir. Als er kurz darauf kommt, ist es natürlich ein Weißwein. Also in Kombination mit dem Steak eher ein Griff ins Klo, aber er schmeckt frisch und gut und außerdem war es ein heißer Sommertag, da ist Weißwein gar nicht so verkehrt.

Mein Essen ist ein Hochgenuss. Das Filet Mignon besteht letztlich aus drei kleinen Steaks von denen ich nur zwei schaffe. Diese Portion ist einfach gewaltig und die Vorspeise wäre überflüssig gewesen. Alles zusammen kostet 28,- Euro. Weil es so lecker war gebe ich noch 4,- Euro Trinkgeld dazu und denke beim Verlassen des Lokals, dass es hier einfach großartig ist. Die Azoren sind ein Reise wert!

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Das Buch zum Abenteuer

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