Fotoschule – Teil 1

In meinem letzten Artikel habe ich Euch ja schon angekündigt, dass ich plane in den kommenden Monaten in lockerer Folge einzelne Videos und Artikel zum Thema „Ansgar’s kleine Fotoschule“ zu erstellen. Heute ist der erste Teil schon fertig. Mein etwas ungehobelter Kumpel Arnulf Schmadtke hat mir im Vorfeld in seiner einzigartigen Manier einige Fragen per Video-Botschaft zukommen lassen. Diese Fragen habe ich zum Anlass genommen um Euch ein wenig zum Thema „Kennt man eine, kennt man alle“ zu erzählen.

Warum dieses Thema? Ganz einfach, seit ich mit 12 Jahren Jahren meinen ersten Fotoapparat bekam hat sich an den meisten Themen der Fotografie fast nichts geändert. Es gibt einige wenige Zutaten die ein Bild aus rein technischer Sicht ausmachen. Diese Zutaten sollte man kennen und beherrschen. Es ist ein wenig wie das Lesen von Noten. Wer einst ein Konzertpianist werden will, der sollte damit beginnen des Notenlesen zu lernen.

Kommt man mit den Noten erst einmal zurecht so garantiert dies aber noch lange nicht, dass man einst als gefeierter Beethoven-Interpret auf einem Steinway-Flügel musiziert oder vielleicht stattdessen daheim vor einer etwas verstaubten Heimorgel gemeinsam mit den Enkelkindern Volkslieder übt. Das Notenlesen ist das Handwerkszeug der Musiker und was man daraus macht hängt von den eigenen Fähigkeiten ab und mehr noch davon wie hartnäckig man seine Ziele verfolgt.

Bei der Fotografie ist es ganz genauso. Wer seine Kamera nicht beherrscht (Noten lesen kann) der sollte sich keine Hoffnungen auf eine große Karriere als gefeierter Starfotograf machen. Daher mein Appell an alle die ernsthaft in die Fotografie einsteigen wollen:

  • Lernt zuerst Noten zu lesen und versucht danach schöne Lieder zu komponieren!

Für die Erstellung meines Videos habe ich insgesamt drei Kameras verwendet. Mein Ziel war ein schöner abwechslungsreicher Multi-Cam-Edit. Aber leider habe ich immer wieder meine Beispiel-Fotoapparate vor der „Detail-Kamera“ zu hoch gehalten und die alternative Einstellung war letztlich nicht zu gebrauchen weil Kamera #3 keinen vollständig aufgeladenen Akku hatte. So sind letztlich nur zwei Spuren übrig geblieben. Wundert Euch also nicht wenn ich im Video immer mal wieder recht freundlich einen imaginären Fremden anlächle, das war Kamera #3…

Kamera #1 (Hauptkamera) war diesmal meine Nikon D800E mit dem AF-S VR 2.8/24-70mm Objektiv bei 1/30s, Blende 5,6 und ca. ISO-400. In der D800E war KEINE SPEICHERKARTE eingelegt, daher konnte ich ein cleanes Videosignal über HDMI ausgeben und erstmals mit meinem neuen Atoms Ninja 2 aufzeichnen. Leider war auch die D800E nicht perfekt vorbereitet. So war auch hier zwischendurch die Batterie am Ende und zusätzlich hatte ich vergessen sie so einzustellen, dass sie den Live-View tatsächlich beibehält. Statt ein ununterbrochenes Videosignal zu liefern hat sie sich alle 10 Minuten abgeschaltet. Dabei bekommt man natürlich die Krise wenn man mit drei Kameras gleichzeitig zu filmen versucht.

Sehr doof ist es auch wenn man sein eigener Tontechniker, Moderator und Kameramann sein muss. Wie fokussiert man eine Kamera auf das eigene Gesicht wenn man hinter der Kamera steht? Dementsprechend sind im zweiten Teil die Kameras auf dem Tisch schön scharf abgebildet, mein Gesicht hat allerdings einen kräftigen Weichzeichner 😦

Auch hatte ich ein wenig Hoffnung in den WU-1b WLAN Adapter an meiner Nikon 1V2 (Detailkamera) gesetzt. Aber die kostenlose Nikon APP ist wirklich noch primitiver als in den diversen Schmähschriften im Internet beschrieben. Zwar kann man damit via WLAN den Live-View auf das Handy oder ein iPad auslagern, aber eine Video-Aufnahme lässt sich damit nicht starten!! Hier habe ich mich echt gefragt wie dumm man sein muss wenn man zu diesen tollen Kameras und dem grundsätzlich guten WLAN-Adapter eine so primitive Software konzipiert…

Dann gab es auch noch Probleme mit dem Ton. Im ersten Teil habe ich das eigentlich recht gute Audio Technika ATR-3350 verwendet. Dieses Mikro hat einen kleinen Vorverstärker der mit einer winzigen LR44 Batterie betrieben wird. Und wie immer war diese kleine Batterie leer, was ich aber erst nach dem ersten Moderationsanlauf bemerkt habe. Mit einer neuen Batterie ging es dann eine Weile ganz gut bis nach einer der vielen Unterbrechungen wieder kein Audio-Signal mehr im Atoms Ninja 2 ankam – Arg… Also bin ich auf ein echt primitives passives Ansteckmikrofon ausgewichen das es bei amazon.de für sage und schreibe 3,95 Euro zu kaufen gibt. Und was soll ich sagen, die Tonspur ist damit sogar besser geraten!

Wundert Euch also nicht wenn etwa in der Mitte des Videos die Tonqualität wechselt, das ist das zweite Mikrofon!

Arnulf Schmadtke hat seine kleine Fragerunde übrigens mit einer Nikon 1 V2 und dem 1.2/32mm bei Blende 1,8 ISO-400 und 1/100s aufgenommen. Außerdem hat der den Portrait-Autofokus mit Gesichtserkennung verwendet. Ich war von der Qualität einer kurzen Frage-Einwürfe mehr als überrascht. Ich hample mit einer großen Profikamera herum und er nimmt seine Fragen einfach schnell mal in der Küche auf 🙂

Später beim Videoschnitt habe ich erst spät einige Clips gefunden die sich doch noch für ein Multicam-Edit eignen. Da war das Video aber schon fast fertig geschnitten. Also habe ich die ursprüngliche „einfache“ Videospur in Final Cut Pro X deaktiviert und eine zweite Spur „darüber“ gelegt bei der ich immer mal zwischen den beiden Kameras (Nikon D800E und Nikon 1V2) gewechselt habe. Als dann nach vielen Stunden endlich das 37 Minuten lange Video fertig für den Upload bei YouTube war, gab es beim Export immer wieder Fehlermeldungen. Das hat mich fast zum Wahnsinn getrieben. Letztlich hat eine lange Recherche im Internet geholfen. Auch andere Nutzer haben seit dem letzten Update dieses Problem. Nachdem ich alle Render-Dateien (die für die Vorschau benötigt werden) gelöscht und meinen Mac zwei Stunden lang erneut vor sich hin habe arbeiten lassen, ließ sich das Video dann endlich im Format 1080p exportieren. Die stark komprimierte Videodatei war immer noch 2,89 Gigabyte groß und dementsprechend hat der YouTube Upload ganze 6 Stunden gedauert!

Und so sieht mein schwer zusammen gefummeltes Video-Projekt aus…

Bildschirmfoto 2013-11-17 um 22.23.40

Wer diesen Screenshot anklickt muss ich nicht über die Größe wundern, das liegt an der irre hohen Auflösung des 15″ Retina-Displays an meinem neuen kleinen Mac 🙂

Ich hoffe das Video macht Euch trotz aller Widrigkeiten ein wenig Spaß. Ich freue mich auf Euer Feedback!

Fotoschule – Vorbereitungen für neue Tutorials

Preparing the next tutorial...

In den letzten Tagen habe ich schwer aufgerüstet und plane aktuell einige kurze Tutorials mit unterschiedlichen Kameras. Damit ich in guter Qualität die Bedienung der Kameras aufnehmen und außerdem das Live-Bild abgreifen kann habe ich mir einen Atomos Ninja 2 besorgt. In Verbindung mit einer einfachen Zubehörschiene und einem leichten Kugelkopf lassen sich beide Geräte sehr gut kombinieren.

In späteren Beiträgen werden auch die Nikon D7000 und die D800E auftauchen. Starten möchte ich jedoch mit einigen kurzen Tutorials für alle die gerade mit der Fotografie anfangen oder erst seit einigen Monaten dabei sind. Daher möchte ich zunächst einfache preiswerte Kameras in den Mittelpunkt stellen und alle Einsteiger dort „abholen“ wo sie gerade sind. Die „alten Hasen“ unter Euch bitte ich daher um Entschuldigung wenn Themen behandelt werden die Euch vielleicht langweilig erscheinen. Aber das Feedback der letzten Monate hat mir gezeigt, dass ich tatsächlich viele Leser habe die noch eine Schule besuchen oder gerade beendet haben.

Folgende Themen habe ich aktuell auf meiner Liste:

  1. Die Kamera verstehen, kennt man eine, kennt man alle…
  2. Belichtungszeit, Blende und ISO-Empfindlichkeit verstehen
  3. Den Autofokus richtig einsetzen
  4. Tiefenschärfe kontrollieren und für die Bildgestaltung nutzen
  5. Einstellungen für gelungene Schnappschüsse
  6. Bewegungsunschärfe gezielt erzeugen und nutzen
  7. Fotografieren bei wenig Licht
  8. Nachts fotografieren
  9. Richtig blitzen (Entfesselt & Multiblitz-Systeme)
  10. Welche Filter sind sinnvoll (Fotografie versus Video)
  11. Zeitraffer-Videos (Time Lapse Videos)
  12. Zeitraffer-Videos optimieren (LR-Timelapse etc.)
  13. Infrarot-Fotografie (IR-Filter vor der Linse und vor dem Chip)
  14. Mit dem Fotoapparat filmen
  15. Videos schneiden und vertonen
  16. Alles was Ihr wollt 🙂

Falls Ihr Themen habt die Euch unter den Nägel brennen, so macht mir bitte entsprechende Vorschläge. Wer mag schreibt mir eine E-Mail oder benutzt die Kommentarfunktion. Ich freue mich auf Euer Feedback!

Nikon 1J2 versus Nikon 1V2

ISO-12233-Testaufbau

Wie versprochen wird es in den kommenden Wochen in loser Folge immer wieder Artikel geben in denen ich die Nikon 1V1 mit der 1V2 und der 1J2 vergleichen werde. Außerdem werde ich Euch einige Objektive für dieses System vorstellen und dafür wahrscheinlich viele große Testbilder auf meinem Web-Server ablegen müssen.

Heute habe ich die Nikon 1J2 der Nikon 1V2 gegenübergestellt. Obwohl die Typenbezeichnung darauf schließen lassen könnte, dass diese Kameras den gleichen Chip verwenden, so sind sie doch sehr verschieden. Der neuere Sensor der Nikon 1V2 löst insgesamt rund 14 Megapixel auf, während der einige Monate ältere Chip der Nikon 1J2 mit „nur“ 10 Megapixeln auskommen muss. Der Sensor der Nikon 1J2 ist baugleich mit dem Sensor der Nikon 1V1, daher liefern beide Kameras identische Bildergebnisse. Wer wissen will wie sich eine Nikon 1V1 schlagen würde, der liegt mit den Ergebnissen der Nikon 1J2 genau richtig.

Nikon 1 V1 - ME-1 - Tripod - Lenses - Filters

Kurz nach der Vorstellung des Nikon 1 Systems haben sich viele Blogger und Journalisten auf den Chip im relativ kleinen CX-Format gestürzt. So ein kleiner Chip lädt ja geradewegs dazu ein ihn mit extrem hohen, oft praxisfernen ISO-Werte zu martern. Und da sich die Physik nicht überlisten lässt, war die ISO-Performance des kleinen Chips natürlich nicht so gut wie bei Kameras mit deutlich größeren Vollformat-Sensoren. Diese Tests haben den Kameras des Nikon 1 Systems einen schlechten Ruf eingebracht, wie ich meine zu Unrecht! Denn hier werden eben Äpfel mit Birnen verglichen. Hätte man damals die Nikon 1 der Nikon P7000 gegenübergestellt, so wären die Ergebnisse grundlegend anders ausgefallen. Der Grund warum die Kameras des Nikon 1 Systems mit deutlich größeren Spiegelreflexkameras verglichen wurden war schlichtweg der sehr hohe Listenpreis fast aller Komponenten dieses neuen Systems.

In den letzten Monaten hat sich gezeigt, dass der Markt auch hier alles regelt und aktuell sind die Preise der Kameras des Nikon 1 Systems auf dem Nivea der Nikon P7000 angekommen. Klar gibt es die P7000 inzwischen nicht mehr, also muss sich sich mit der P7100 oder der P7700 messen lassen. Und hier schlägt sie sich wegen des nun deutlich größeren Chips so richtig gut!

Was viele Blogger und Journalisten gar nicht beachtet haben, sind Features die bei den Nikon 1 Kameras relativ einzigartig sind. So verwenden diese Kameras die sehr schnelle und leistungsfähige Expeed 3 bzw. Expeed 3a Engine für die Bildverarbeitung. Diese Prozessoren stammen direkt von den großen Profikameras und die kleinen Nikons können durch den Einsatz dieser Chips wirklich erstaunliches leisten wenn es bspw.  um Serienbild-Geschwindigkeit und Zeitlupeneffekte geht.

Leider muss man als Nutzer einer Nikon 1V1 oder einer ihrer Schwestern ohne Braketing auskommen und hat keine Möglichkeit eines der großen Systemblitzlichter zu verwenden. Hier ist man mit einer Nikon P7000 oder P7100 usw. auf der Sonnenseite der Kameratechnik. Bracketing, Blitzschuh usw. orientieren sich hier an den größeren Spiegelreflexkameras. Man könnte sich nun vortrefflich darüber ärgern oder eben die Vorteile suchen die dieses neue Konzept hat. Die Nikon 1V1 und 1V2 haben einen völlig neu konstruierten Zubehörschuh. Hier kann man beispielsweise ein GPS einstecken, was ich sehr praktisch finde. Unverständlich ist mir allerdings, warum es kein spezielles Video-Mikrofon für diesen neuen Anschluss gibt. Obwohl die eingebauten Mikros der Nikon 1 Kameras wirklich erstaunlich gut klingen, werden viele Videofilmer ein externes Mikrofon bevorzugen. Hier ist es schade, dass dies noch mit einem Kabel auf der Linken Gehäuseseite angeschlossen werden muss, das hätte man eleganter lösen können. Wenn schon ein neuer Multifunktionsanschluss, dann auch einer mit echtem Mehrwert.

Aber genug philosophiert, schauen wir uns im Detail an was diese kleinen Kameras leisten wenn man ihnen mit einem ISO-12233 Testchart im Format 60×90 cm zu Leibe rückt. Wegen der Größe des Testcharts ist ein relativ praxisnaher Versuchsaufbau möglich. Verwendet man an der Nikon 1 das feine Nikkor AF-S 1,8/18,5mm Objektiv, so kann man die Kamera in einem Abstand von etwa 100cm vor das Testchart stellen und es damit bildfüllend ablichten. Wer kleinere Testcharts verwendet kommt schnell in einen „Makromodus“ der deutlich weniger aussagekräftig ist.

Die Testreihen

Zu den Testbildern, es gibt jeweils zwei Testreihen mit dem AF-S VR 4.5-5.6/10-30mm Standardzoom (das fast allen Kameras beiliegt) und der lichtstarken AF-S 1.8/185mm Festbrennweite. Zusätzlich noch eine ISO-Testreihe von ISO-200 bis ISO-6400. Klickt einfach auf die Dateinamen um die verknüpften Testbilder in epischer Schönheit in einem neuen Fenster zu öffnen.

1J2 – Bild# 1V2 – Bild#
18,5mm – 1,8 _DSC1354.jpg DSC_0057.jpg
18,5mm – 2,8 _DSC1355.jpg DSC_0058.jpg
18,5mm – 4 _DSC1356.jpg DSC_0059.jpg
18,5mm – 5,6 _DSC1357.jpg DSC_0060.jpg
18,5mm – 8 _DSC1358.jpg DSC_0061.jpg
18,5mm – 11 _DSC1359.jpg DSC_0062.jpg
18,5mm – 16 _DSC1360.jpg DSC_0063.jpg
10-30mm – 4,5 _DSC1361.jpg DSC_0064.jpg
10-30mm – 5,6 _DSC1362.jpg DSC_0065.jpg
10-30mm – 8 _DSC1363.jpg DSC_0066.jpg
10-30mm – 11 _DSC1364.jpg DSC_0067.jpg
10-30mm – 16 _DSC1365.jpg DSC_0068.jpg
10-30mm – 8 – 200 _DSC1366.jpg DSC_0069.jpg
10-30mm – 8 – 400 _DSC1367.jpg DSC_0070.jpg
10-30mm – 8 – 800 _DSC1368.jpg DSC_0071.jpg
10-30mm – 8 – 1600 _DSC1369.jpg DSC_0072.jpg
10-30mm – 8 – 3200 _DSC1370.jpg DSC_0073.jpg
10-30mm – 8 – 6400 _DSC1371.jpg DSC_0074.jpg

Die Testbilder sind unkorrigiert und zeigen die reale Verzeichnung der beiden Objektive sehr schön. Schaltet man an den Kameras die automatische Objektiv-Korrektur EIN, so sind Abbildungsfehler kaum noch erkennbar.

Für alle ISO-Freaks habe ich mit beiden Kameras eine ISO-Testreihe von ISO-200 bis ISO-6400 aufgenommen. Hier könnt Ihr im Detail sehen wie sich diese beiden Kameras schlagen und welche Unterschiede zwischen dem 14 Megapixel-Sensor und dem geringer auflösenden 10 Megapixel-Sensor in der Realität erkennbar sind.

Diskussion der Testergebnisse

Wer es genau wissen will, der speichert die Testbilder auf seinem lokalen PC und schaut sie sich mit einem Tool wie beispielsweise XNView in Ruhe an. XNView ist für private Anwender kostenlos und das Tool hat kann EXIF-Daten sehr schön einblenden.

Bildschirmfoto 2013-11-03 um 13.09.11

XNView ist für Windows, OS-X und Linux verfügbar und kann hier heruntergeladen werden:

Schauen wir uns einige Bilder im A/B-Vergleich bei 100% an.

Vergleich-ISO-200-Center

Bei ISO-200 ist ein ganz leichtes Bildrauschen erkennbar, dass sich sehr einfach mit Nik Define  oder ähnlichen Filtern entfernen lässt. Mich persönlich stört es nicht weiter, denn es verleiht den Bildern aus diesen Kameras einen ganz eigenen Look. Dieses Foto sind keine flach gebügelten Computergrafiken sondern sehen ein wenig nach gescanntem analogem Filmmaterial aus. Auch sollte man beachten, dass die native Empfindlichkeit der Nikon 1J2 ISO-100 beträgt, die der Nikon 2V2 aber ISO-160. Damit die Bilder vergleichbarer werden habe ich beide Kameras hier auf ISO-200 eingestellt.

Vergleich-ISO-200-TopRight

Die Verzeichnung des 18,5mm Objektives ist in der Übersicht deutlich erkennbar, aber sie ist sehr linear und kann daher sehr einfach entfernt werden. Die Chromatische Aberration, also die Farbsäume an den äußersten Bildrändern sind ausgesprochen gering und lassen sich ebenfalls sehr einfach korrigieren.

Vergleich-ISO-6400

Das Bildrauschen ist bei ISO-6400 deutlich erkennbar. Aber dieser hohe ISO-Wert ist eher ungebräuchlich. Für Zeitrafferaufnahmen in völliger Dunkelheit wird man diese Kameras auch eher nicht verwenden. Bis ISO-1600 kann man sie jedoch mit sehr brauchbaren Ergebnissen nutzen. Dann sollte man allerdings unbedingt im RAW-Format fotografieren und sich bei der RAW-Konvertierung etwas Mühe geben und zusätzlich ggfs. Nik Define oder ähnliche Filter zur Rauschunterdrückung einsetzen.

Vergleich-ISO-6400-1920px

Hier habe ich beide Testbilder auf 1920 Pixel verkleinert und einander gegenübergestellt. Auflösung und Bildrauschen liegen jetzt auf gleichem Niveau. Wer seine Bilder also ohnehin nur im Internet zeigt, der wird mit der Nikon 1J2 oder der 1V1 identische Bildergebnisse erzielen.

Fazit

Wer seine Fotos im Internet präsentiert oder sie in HD-Videos einarbeitet, der wird mit der Bildqualität der kleinen Nikons im Format 1920px selbst bei ISO-3200 noch recht gut bedient sein. Bei den niedrigsten ISO-Werten liefern die Kameras Ergebnisse aus denen man noch sehr brauchbare Prints im Format bis ca. 40x60cm erstellen lassen. Natürlich sind auch größere Formate kein Problem, aber dann sollte man diese Bilder nicht mehr mit der Lupe sondern mit etwas Abstand betrachten. Für den „Hausgebrauch“ sind dann auch größere Formate möglich. Alles in allem liegt die Auflösung dieser Kameras etwa bei dem was sich aus wirklich guten Kleinbild-Dias mit einem ordentlichen Scanner herausholen lässt. Diese Bildqualität war über mehr als 50 Jahre hinweg für die ganze Welt mehr als ausreichend und fast alle Reporter und Kriegsberichterstatter haben im Kleinbildformat gearbeitet.

Die überwiegende Zahl der Veröffentlichungen die wir bis zum Jahr 2000 in den Zeitschriften dieser Welt gesehen haben wurden mit 35mm Film realisiert. Wenn eine kompakte kleine Kamera wie die Nikon 1J2 die man aktuell für unter 300 Euro bekommt auf diesem Niveau liegt, dann ist das also grundsätzlich gar nicht schlecht. Rational betrachtet ist die Bildqualität gut, kann sich aber mit deutlich teureren Kameras wie der Nikon D800 und ähnlichen Modellen nicht messen. Abers das muss sie auch gar nicht, denn diese Kameras spielen in einer ganz anderen Liga.

Auf Reisen hat man mit beiden hier gezeigten Nikons sehr flexible kompakte Kameras für die es mittlerweile gute Objektive und sinnvolles Zubehör gibt. Hobbyfotografen die sich nicht mit einer schweren teuren Fotoausrüstung abplagen wollen liegen mit diesem System genau richtig. Wenn es nicht unbedingt Nikon sein muss, gibt es allerdings bei den anderen Herstellern vergleichbare Modelle. Hier sollte man die Kameras in einem gut sortierten Fotoladen anschauen und dann seinem Bauchgefühl nachgeben. Das Modell das sich am besten anfühlt und dem man subjektiv die besten Ergebnisse zutraut sollte man auch kaufen.

Mein Tipp

Nach dem Kauf seiner neuen Kamera ist es besser sich an den Bildergebnissen freuen und die Kamera auch fleissig nutzen statt sich in Internet-Foren die schöne neue Stück schlecht reden zu lassen. Und natürlich gilt für jede noch so preiswerte Kamera, dass gutes Licht, tolle Motive und ein durchdachter Bildaufbau im Ergebnis deutlich mehr zählen als leichtes Bildrauschen oder Abbildungsfehler des Objektivs.

Bei der Fotografie ist es genau wie in der Musik oder beim Sport. Mit einer teuren Gitarre ist man nicht automatisch ein Eric Clapton und mit den allerbesten Schuhen schafft man nicht auf Anhieb einen Marathon. Wer seine Fotos schlecht findet, der wird mit einer teuren neuen Kamera keine besseren Fotos machen. Kameras sind Werkzeuge und wer sie nicht beherrscht wird auch mit den besten Werkzeugen kein Michelangelo. Statt viel Geld für immer neue Kameras auszugeben sollte man mal ein paar gute Fotobücher lesen und vor allem an seinen Bildergebnissen arbeiten. Mit etwas Köpfchen, Geduld und Ausdauer wird man irgendwann Fotos machen die man zuvor für unmöglich hielt. Und das geht sogar mit kleinen preiswerten Kameras aus dem Nikon 1 System 🙂

Und noch etwas, statt immer nach neuen besseren Kameras und neuen noch tolleren Fotos zu gieren könnte man sich ab und zu etwas Zeit und Muße nehmen und mal die Fotos die man SCHON HAT in Ruhe durch schauen. Ab und zu werden einem kleine Perlen wie dieses hier unter den Mauszeiger kommen. Ein Foto das ich am 14. Mai 2008 mit meiner Nikon D2x bei ISO-400 ohne Blitzlicht aufgenommen habe. Einfach mal Anklicken um es in 1920 Pixel Kantenlänge anzuschauen. Ein Bild das mit einer Kamera aufgenommen wurde die jetzt 8 Jahre alt ist und bei eBay & Co. für ca. 700 Euro gehandelt wird. Es muss also nicht immer eine Nikon D4x für 8.000 Euro sein 🙂

D2X_0014

Nikon 1 – Vorbereitung für den großen Systemtest

System_Nikon_1_V1

Wer meinen BLOG in den letzten Wochen verfolgt hat, dem ist sicher aufgefallen, dass ich aktuell einfach sehr großen Spaß am Nikon 1 System habe. Lange Zeit habe ich diesem System kaum Beachtung geschenkt, zu schlecht waren die Kritiken und zu hoch der Preis. Doch als ich dann vor ein paar Wochen im Bonner Cityfoto-Center zum ersten Mal eine Nikon 1V1 in der Hand hielt keimte ein mehr als unerwartete Liebe zu diesem System auf.

Aktuell habe ich mir fast alles zusammengekauft was es für dieses System gibt und für die nächsten Wochen plane ich mehrere Videos und Testberichte zu den einzelnen Objektiven und Zubehörteilen. Während die aktuell noch recht kleine Fangemeinde dieses Systems auf die Vorstellung der Nikon 1V3 wartet, habe ich am Montag eine E-Mail von amazon.de erhalten in der mir ein Angebot zu einer Nikon 1V2 aufgefallen ist. Eigentlich wollte ich ja nur mal „gucken“, aber dann war da diese Nikon 1 V2 – Gebraucht, aber in neuwertigem Zustand… Okay, sie ist weiß und das geht eigentlich gar nicht, aber egal, bei einem Preis der weit unter der Hälfte des aktuellen Neupreises liegt muss man einfach zuschlagen.

Heute ist sie angekommen und ich habe für Euch schnell in der Küche ein paar Fotos gemacht. Für die beiden nächsten Fotos habe ich die Nikon 1J2 mit dem bärenstarken Nikkor AF-S 1.8/18,5mm verwendet. Dieses kleine Ding bekommt man aktuell für etwa 160,- Euro und ich liebe es. Es ist klein, lichtstark, verzeichnet kaum und liefert einfach richtig scharfe Fotos. Aber seht selbst – Fotos anklicken um sie viel größer zu sehen…

Nikon 1J2 versus Nikon 1V2 #1

Nikon 1J2 versus Nikon 1V2 #2

Hier jetzt ein Foto das ich mit der neuen Nikon 1V2 von der Nikon 1J2 gemacht habe. Leider gibt das Gehäuse der Nikon 1J2 nicht wirklich viel her…

Nikon 1J2 versus Nikon 1V2 #3

Und hier haben wir die Nikon 1V1 – diesmal ist das Foto mit meiner Panasonic HC-X909 Videokamera aufgenommen…

Nikon_1_V1_Front_10_30mm

Mein erstes Fazit:

Meiner Meinung nach wird das Nikon 1 System total unterschätzt. Diese Kameras sind hochwertig gemacht und liefern tolle Fotos und supergeile Videos. Angesichts der inzwischen stark gefallenen Preise sind sie nun mehr als konkurrenzfähig. Eine Nikon 1J2 mit 2 Objektiven bekommt man inzwischen fast zum Preis einer Nikon P7700. Bei der Nikon 1J2 kann man die Objektive wechseln und mit dem FT-1 Adapter hat man Zugang zum gesamten Nikon System. Leider gibt es keine Belichtungsreihen und kein schwenkbares Display. Statt dessen ist aber der Chip der Nikon 1 deutlich größer als bei der Nikon P7700. Ein weiterer Nachteil der Nikon 1 Kameras ist auch, dass man keinen normalen Blitzschuh hat und beispielsweise das extrem lichtstarke SB-900 oder SB-910 nicht benutzen kann.

Sehr cool ist hingegen, dass die Nikon 1V1 das gleiche Akku-System wie die Nikon D7000 oder die D800 verwendet. Wirklich unverständlich wiederum, dass man diesen Akku beim Design der Nikon 1V2 nicht beibehalten hat. Nun gibt es schon wieder ein neues Ladegerät und schon wieder neue Akkus die den Akkus der P7100 oder der D5100 zum verwechseln sehen, aber nicht in deren Ladegeräte passen 😦

Wie immer im Leben kann man nicht alles haben. Wo Licht ist, da gibt es auch Schatten und das Nikon 1 System ist nicht frei von Schatten. Wer aber eine unkomplizierte sehr kompakte leistungsfähige Kamera sucht, der ist mit den Komponenten des Nikon 1 Systems meiner Meinung nach sehr gut bedient.

In den kommenden Woche wird es weitere Infos und Videos geben. Für alle die es noch nicht kennen habe ich hier mein neuestes YouTube-Video, das ich vor ein paar Tagen mit der Nikon 1V1 und einem Ansteckmikro aufgenommen habe. Das Ansteckmikro ist sehr cool und der Preis von 4,95 Euro ist einfach der Knaller überhaupt…

Und hier ein ganz kurzer erster Test der Nikon 1J2 mit einem alten 500mm Spiegeltele. Am Anfang sieht man kurz den Bonner Posttower hinten rechts im Bild. Diese Szene habe ich mit einer Nikon D800E und einem 24mm Objektiv gefilmt. Dann kommt die Nikon 1J2 mit dem tollen Spiegeltele. Diese Ding mutiert an der Nikon 1J2 wegen des kleinen Sensors (CX-Format) zu einem 1350mm Teleobjektiv mit Blende 8 und einer Naheinstellgrenze von 145 Zentimetern! Aber sehr selbst was diese Kamera und dieses Objektiv auf eine Entfernung von etwa 2.000 Metern zu Stande bringen…

Bildgestaltung für Dummies – Teil IV

Heute geht es in meiner kleinen Serie zum Thema Bildgestaltung um zwei wichtige Themen:

  • Die Ausdauer
  • Der richtige Zeitpunkt

Zu den Rezepten erfolgreicher Landschaftsfotografen gehört es, Motive sorgfältig auszusuchen und zu überlegen wann und wie diese Motive am besten aussehen. Die echten Profis knipsen nicht einfach etwas ab, sondern sie widmen sich einem Motiv, manchmal über Monate und Jahre hinweg. Irgendwann ist der Zeitpunkt perfekt und dann haben sie das ultimative Foto.

Das geht natürlich nicht wenn man nur für ein paar Tage im Urlaub die Gelegenheit hat schöne Fotos zu machen. Aber man kann mit ein wenig Ausdauer, Wissen und Übung auch im Urlaub gute Fotos schießen. Auch wenn diese Fotos nicht irgendwann das Foyer der Commerzbank in Frankfurt schmücken werden, es können trotzdem Bilder sein die für einen selbst mehr als nur einen Schnappschuss darstellen. Hat man ein wirklich gelungenes Foto aufgenommen, so macht es Spaß davon einen schönen Print anfertigen zu lassen und es in der eigenen Wohnung an die Wand zu hängen. So erinnert man sich immer wieder an die Reise und alles was man dort erlebt hat. Sicher würde das auch mit einem Schnappschuss klappen, aber bei einem Bild in dem „Herzblut“ steckt sind die Emotionen einfach grundsätzlich stärker ausgeprägt.

Am Wochenende wollte ich meiner Freundin ein wenig zeigen wie man mit einem Stativ umgeht. Wir haben uns dafür eine Stelle gesucht an der man einen schönen Blick über Rhein auf das Siebengebirge und den Posttower hat. Der Himmel war sehr bedeckt und das Licht nicht wirklich schön, so sah denn unser erstes Testbild auch ziemlich langweilig aus.

DSC_7187

Eigentlich ist auf dem Bild alles drauf, wir sehen den Posttower, das Siebengebirge, sogar Moby Dick kommt auf uns zu geschwommen. Wer genau hinsieht erkennt sogar das Gästehaus auf dem Petersberg. Doch die Tannenzweige die rechts in Bild hineinragen sind voll daneben. Auch steht der Posttower etwas schief und die flachen Kontraste machen das Bild richtig langweilig. Hier möchte man eher weg- als hinschauen.

Nach diesem Foto war meine Sandra kurz davor alles einzupacken und wieder heim zu fahren, schließlich hatten wir ja unser Foto „im Kasten“. Es war gar nicht einfach sie dazu zu überreden noch ein wenig neben der Kamera stehen zu bleiben und auf besseres Licht zu hoffen. Während wir auf besseres Licht warteten kamen alle möglichen Schiffe, Vögel, Autos, Menschen usw. bei uns vorbei. Gern hätte Sandra immer mal wieder schnell ihre Kamera gezückt, aber sie stand ja auf dem Stativ und wartete auf besseres Licht.

Wir haben dann noch ein paar Fotos gemacht, doch sie hat schließlich die Lust verloren. So ging sie daran das Weinlaub neben unserem Aussichtspunkt abzulichten und sich nach weiteren Motiven umzusehen. Während dessen habe ich meine Nikon 1 V1 mit dem 10-100mm Objektiv auf ein zweites Stativ gestellt und immer mal wieder mit dem kleinen Infrarot-Auslöser das eine oder andere Foto aufgenommen. Das Licht änderte sich von Minuten zu Minute. Und plötzlich riss über uns die zusammenhängende Wolkendecke etwas auf und der Horizont begann rötlich zu leuchten.

DSC_7206

Die Zipfel der Tannenzweigen habe ich nicht wegretuschiert um Euch zu zeigen, dass sie wirklich stören. Leider konnte ich die Kamera nicht so aufstellen, dass die Zweige bei diesem Blickwinkel nicht im Bild sind. An dieser Stelle daher mein Appell an Euch, versucht störende Äste, Zweige, Gräser, was auch immer zu vermeiden, sie sind in den seltensten Fällen ein Gewinn für den Bildaufbau!

Kommen wir zum nächsten Foto, wir stehen jetzt seit fast 45 Minuten auf der gleichen Stelle. Meine Freundin wird langsam ungehalten, ihr tun die Füße weh und sie hat einfach keine Lust weiter auf das richtige Licht zu warten.  Schaut man bei diesem Foto genau hin stellt man fest, dass im Posttower schon einige Büros beleuchtet sind. Doch das Schiff auf dem Rhein ist scharf abgebildet, also ist es noch relativ hell und die Mischung zwischen der Beleuchtung des Bürogebäudes und dem natürlichen Licht der Umgebung passen noch nicht so zusammen wie ich es mir vorstelle.

DSC_7222

Weil es meiner Sandra langsam aber sicher so richtig langweilig wird, packen wir unsere Sachen zusammen. Meine kleine Nikon 1 V1 lasse ich während dessen aber auf dem Stativ stehen und löse sie immer mal wieder mit dem kleinen ML-L3 Fernauslöser aus. Schließlich haben wir fast 90 Minuten gewartet und es ist etwa 30 Minuten nach Sonnenuntergang. Die „Mischung „sieht jetzt viel besser aus. Meine kleine Kamera muss jetzt mehrere Sekunden belichten, so verschwimmt die Bewegung des Frachtschiffes sehr stark. Auch die Wellen der Wasseroberfläche sind nicht mehr wirklich zu erkennen. Würde man jetzt noch einen Polfilter oder einen leichten Graufilter verwenden, so könnte man bereits Belichtungszeiten von ca. 30s erreichen. Damit wäre das Wasser glatt wie ein Spiegel und die Wolken hätten sogar ein wenig Bewegungsunschärfe. Doch ich habe heute keine Filter für meine Nikon 1 dabei 😦

DSC_7292

Also gebe ich mich mit dem Fotos zufrieden, schließlich sind sie nur als Beispielbilder für diesen Artikel gedacht.

Schauen wir uns das nächste Foto an. Hier sehen wir einen tollen Sonnenuntergang über La Gomera  (Punta de Teneo, Teneriffa). Während meine Freundin versuchte sich im Auto aufzuwärmen fieberte ich dem besten Moment für dieses Foto entgegen. Man muss es ihr immer wieder hoch anrechnen wie geduldig sie mit mir ist! Aber irgendwie ist man trotz allem immer im Zweitdruck wenn jemand wartet und man nicht allein oder mit zu 110% Gleichgesinnten unterwegs ist.

Blue Hour #1 - Nikon D700

So war ich ein Jahr später wieder an ähnlicher Stelle und diesmal ganz allein. So hatte ich alle Zeit der Welt und konnte mir in Ruhe den besten Platz für mein Foto suchen. Und ich hatte Glück, denn an diesem Tag war der Sonnenuntergang ungewöhnlich spektakulär und die Fotos übertreffen die Bilder des Vorjahres bei weitem.

La Gomera Sunset - Nikon D800E - Full Size

Ich hoffe meine heutige Botschaft wird damit klar. Nur wer sich darauf einlässt mehrere Stunden auf den richtigen Augenblick zu warten und sich möglichst einige Tage zuvor mit den Gegebenheiten vertraut macht wird letztlich mit Fotos heimkehren die mehr als ein Knipsbild sind. Besonders in der Landschaftsfotografie lassen sich viele Motive sehr gut planen. Mit Google Earth und gutem Kartenmaterial lässt sich der beste Punkt für eine Fotosession unter freiem Himmel finden. Je nach Jahreszeit geht die Sonne aber nicht exakt im Osten auf und im Westen wieder unter, das sollte man berücksichtigen. Für alle Smartphones gibt es kleine nützliche Programme die den Stand der Sonne an einem bestimmten Tag des Jahres berechnen können. Hilfreich sind auch kleine APPs die ausrechnen wann die Sonne auf- und wieder untergehen wird.

Meiner Erfahrung nach ist etwa 30 Minuten nach oder vor Sonnenuntergang das Licht für stimmungsvolle Landschaftsfotos ideal. Aber das ist keine allgemein gültige Regel. Wer nicht den Abendhimmel im Westen sondern die Schatten der Abendsonne in Richtung Osten fotografieren möchte, für den gelten andere Regeln. Generell ist man in der blauen Stunde am Morgen oder Abend immer auf der sicheren Seite wenn man einige zusätzliche Minuten einkalkulieren kann. So hat man Zeit um sein Stativ in Ruhe aufzustellen und einen Punkt zu suchen an dem eben keine störenden Zweige ins Bild hineinragen.

Stress kann man vorbeugen indem man seinen Mitreisenden klar macht wie sehr man auf diese Fotos erpicht ist. Wenn ich eine Reise mache, dann reise ich nicht weil das Essen toll, der Pool so klar oder die Sonne so warm ist. Wenn ich verreise dann will ich fotografieren, denn das ist für mich die beste aller Möglichkeiten um entspannt heimkehren zu können. Andere lesen ein Buch, ich sitze am liebsten einsam in der Wildnis und warte auf den perfekten Moment. Jeder der schon einmal mit seiner Angel einen Köder ausgeworfen hat wird das verstehen.

Wer schöne Landschaftsfotos machen möchte hat somit etwa drei Möglichkeiten:

  • Ihr reist allein und könnt tun und lassen was Ihr wollt
  • Ihr gebt den Mitreisen ausreichend viel Geld für ein schönes Abendprogramm ohne Euch
  • Ihr schenkt den Mitreisenden eine Fotoausrüstung und versucht Eure Begeisterung an sie zu vermitteln

Für den Anfang könntet Ihr natürlich auch allgemein bekannte Fotospots wie den im nächsten Foto besuchen. Dort am Horse Shoe Bend in der Nähe von Page in Arizona treffen sich jeden Abend viele Fotofans und warten gemeinsam auf den perfekten Augenblick. Wenn Ihr nicht allein seid, stärkt diese Gemeinschaft die Ausdauer Eurer Mitreisenden ganz enorm, es sei denn sie sind noch im Kindergartenalter… Solche Shtootings haben manchmal etwas magisches und gelegentlich entstehen dabei die besten Freundschaften mit Menschen die man dort ganz zufällig trifft.

Shooting Horse Shoe Bend - Nikon D300 & Tokina AT-X Pro 4/12-24mm

Das folgende Foto stammt von Alan Vasenius aus Los Angeles. Ich habe ihn im Jahr 2011 beim Versuch einen Permit für die Wanderung zur Wave kennen gelernt. Alan hat mir damals gesagt, dass ich etwa eine Woche später im Monument Valley sein sollte um dort ein seltenes Schauspiel zu fotografieren. So haben wir uns dann einige hundert Kilometer entfernt etwa eine Woche später wieder getroffen. Es war ein toller Abend und wie haben gemeinsam auf den richtigen Moment gewartet.

The Vasenius Shadow at Monument Valley

Diese Foto kann man so nur an zwei Tagen im Jahr aufnehmen und auch nur wenn die Wolken günstig stehen. Damit kommen wir zur Einleitung zurück. Der richtige Zeitpunkt ist nicht nur 30 Minuten nach Sonnenuntergang, sondern vielleicht auch ein einziger Tag des Jahres. Wer eine Sonnenfinsternis oder den „Supermond“ fotografieren hat sogar ein noch viel weiter gespanntes enges Zeitfenster.

Das Geheimnis der Profis ist, dass sie diese „Events“ kennen oder gezielt im Internet danach suchen. Sie planen für dieses Event eine Location und sind oft schon Stunden oder Tage vorher zur Stelle. Sie kennen ihr Equipment in und auswendig und so überlassen sie im wichtigen Moment nichts dem Zufall. Letztlich entstehen dann echte Kracher die vielen Leuten ein Staunen ins Gesicht treiben so wie beispielsweise dieses Foto von Michael Fatali.

Michael-Fatali-Teapot

(Bild: Michael Fatali)

Zum Abschluss noch ein Foto auf das ich im Juni 2013 auf La Palma ganze 12 Tage lang hingearbeitet habe. Ich war ständig auf der Suche nach schönen Locations und habe auf gutes Wetter gehofft. Am vorletzten Abend ist dann endlich dieses Foto gelungen. Für mich ist dieses eine Foto eines der Highlights der gesamten Reise.

La Palma Sunset - Nikon D800E

Fazit

Stimmungsvolle Landschaftsfotografien entstehen nicht einfach von ganz allein. Für ein gutes Foto muss man auch schon mal ein paar Stunden Wartezeit auf sich nehmen, eine weitere Wanderung machen und wenn man einen magischen Ort gefunden hat, ihn ggfs. so oft besuchen bis man seine Bildidee endlich umgesetzt hat. Gute Planung und Vorbereitung sind hier die halbe Miete. Die großen Helden der Landschaftsfotografie wie bspw. Ansel Adams haben ihre Fotos NIEMALS im Vorbeigehen aufgenommen. Sie haben sich stets mit viel Aufwand und Liebe zu Detail an die Umsetzung konkreter Bildideen begeben und waren damit letztlich überaus erfolgreich.

Damit ihr Euch während ihr auf den richtigen Augenblick wartet nicht ärgert weil ihr andere Motive und Situationen verpasst, solltet ihr ggfs. einfach eine zweite Kamera dabeihaben!

Mein Tipp für den gepflegten Schnappschuss zwischendurch:

Stellt an der „Zweitkamera“ das Sportprogramm ein oder alternativ den kontinuierlichen Autofokus und die ISO-Automatik. So seid ihr auf den meisten Situationen gut vorbereitet. Auch wenn wegen der ISO-Automatik einige Fotos letztlich vielleicht ein wenig verrauscht sein sollten, ein leicht verrauschtes Foto ist immer noch besser ein Foto das total verwackelt ist weil man unbedingt mit ISO-100 fotografieren wollte…