USA-2014 – Tag 6 – Mono Sunrise und Yosemite

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Als ich wach werde zeigt der Wecker 3:43 – das passiert mir daheim NIEMALS. Dieses Jet-Lag ist eine feine Sache für alle die gern den Sonnenaufgang fotografieren wollen. Nur wann geht die Sonne auf? Ich schaue mal auf meinem Smartphone mit dem zerbrochenen Display (Arg Arg Arg) bei der APP „Blaue Stunde“ nach. Die APP verrucht eine Positionsbestimmung, was schwierig ist, weil das GPS im Erdgeschoss nicht funktioniert. Also schalte ich das WLAN ein und gebe brav mein Password ein 7604676316 – ich kann inzwischen nicht mehr zählen wie oft ich dieses Password hier schon eingetippt habe… Aber es klappt nicht, ich versuche es wieder und wieder, WLAN Ein / Aus, 7604676316… Dann schalte ich den Flugmodus aus und ganz kurze Zeit scheint es als würde es mit 7604676316 funktionieren. Langsam komme ich mir vor wie Hurley als der die Zahlen bei LOST gesehen hat – 7604676316 – 7604676316 – 7604676316

Doch dann ist die Verbindung wieder weg. Bereits am Vorabend hat das Veröffentlichen meines Artikels nicht funktioniert. Daher habe ich bevor sie weg sind alle Gedanken noch schnell in einem Dokument mit dem Programm „Pages“ festgehalten. Der Upload der Bilder des Tages in Richtung flickr.com hatte noch funktioniert, aber danach ging nichts mehr, trotz 7604676316 oder 7604676316 oder 7604676316…

Schließlich bestimmt mein Telefon seine Position über das Telefonnetz: Sonnenaufgang ist um 5:54

Es ist also noch etwas Zeit. Ich öffnen meinen tollen kleinen Mac und schreibe diese Zeile, erneut in Pages weil es auch hier mit 7604676316 oder 7604676316 nicht funktionieren will. Wer kann sich nur im einem Motel solch ein Passwort für das WLAN ausdenken? In Escalante war ich mal in einem Motel, da musste man „BeOurGuest“ also „Sei unser Gast“ eingeben. Solch ein Passwort ist klasse und das kann man sich auch merken, aber 7604676316??

Na jedenfalls klappt es mit der Publikation der neuesten Infos nicht und ich hoffe nur, dass meine Daheimgebliebenen keine Krise bekommen und befürchten mir sei etwas zugestoßen. Es ist jetzt 4:31 und ich springe mal unter die Dusche. Danach packe ich alles zusammen, fahre zum Südufer des Mono Lake und versuche dort bei den „South Tufas“ einige Fotos aufzunehmen die so markerschütternd sind, dass ich damit in den Fotografenhimmel komme. In den Fotografenhimmel 2. Klasse natürlich, denn ich Fotograf ist ein Ausbildungsberuf und nur weil man herausgefunden hat hat wie man eine Kamera benutzt ist man noch lange kein Fotograf – ich bin jedenfalls kein Fotograf! Ich bin ein Diplom-Ingenieur der gern fotografiert – That’s it!

Mit dem Auto geht es ein paar Kilometer zurück nach Süden in Richtung Bishop, dann ist eine Abzweig zu den South Tufas ausgeschildert. Der ist übrigens ganz witzig die Straße ist vierspurig mit Mittelstreifen, fast wie eine Autobahn und da gibt es einen Streifen für Linksabbieger. Man wartet kurz zwischen den Fahrspuren den Gegenverkehr ab und schon geht es weiter. Die Straße zu den South Tuffs ist inzwischen Sehr gut ausgebaut, mit fast 100 km/h geht es dem See entgegen. Vor mit fährt die ganz Zeit schon eine große Nissan Limosine, wohin die Insassen wollen ist schon klar 🙂 Als wir am Parkplatz etwas südlich der South-Tufas eintreffen stehen dort schon mehrere Wohnmobile und einige „normale“ Autos.

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Ich schnappe mir schnell die Nikon 1 V1 und die Nikon D800E Samt AF-S 2,8/14-24mm samt Stativ. Jetzt muss ich mich beeilen, die Sonne wird in ein paar Minuten aufgehen. Eigentlich liege ich noch ganz gut in der Zeit doch als ich letztlich dort ankomme wo ich schon vor drei Jahren einige tolle Fotos aufnehmen konnte, sind dort schon alle guten Ecken besetzt. Immer wieder werde ich höflich aber bestimmt aufgefordert einen Hintern aus dem einen oder anderen Foto heraus zu bewegen. Das nervt total, so eine wirklich gute Stelle für meine Stativ und meine Kamera zu finden ist leider kaum möglich. Aber es gelingen dann doch noch ein paar schöne Fotos.

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Während ich vor mich hin fotografiere treffe ich die beiden Fotofreunde wieder mit denen ich schon gemeinsam in der Nacht am Mobius Arch fotografiert habe. Die Welt ist wirklich klein. Diesmal habe ich sogar eine Visitenkarte dabei und vielleicht treffen wir uns ja noch das eine oder andere Mal 🙂

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Gegen 7h ist die Show vorbei und die Sonne versteckt sich hinter ein gewaltigen Wolke. Außerdem ist mir kalt. 15 Minuten später bin ich wieder am Auto und es geht zurück nach Lee Vining. Das Thermometer zeigt jetzt nach Sonnenaufgang kalte -3°C. Die Straße über den Tioga Pass ist leider inzwischen wieder geschlossen. In der Nach hat es lange und ausgiebig geschneit. Vielleicht wird sie im Laufe des Tages wieder geöffnet. Wenn ich es abwarte komme ich vielleicht heute oder morgen auf die andere Seite der Berge zum Yosemite National Park. Dort würde ich so gern in der Nacht am Glacier Point einige Fotos aufnehmen. Aber der Himmel ist mit schweren Wolken überzogen, da würde ich derzeit die Milchstraße eh nicht zu sehen bekommen.

So muss ich mich nun entscheiden ob ich hier abwarte oder mich gleich auf den Weg zum Lake Tahoe aufmache? Statt zum Yosemite zu fahren könnte ich auf dem Weg zum Lake Tahoe auch non ein paar Stunden in Bodige verbringen. Nachdem ich gestern bei schwerem Schneetreiben regelrecht geflohen bin wäre diese urige Western Stadt einen zweiten Besuch wert. Na schauen wir mal, ich habe ja keine Eile und keine festen Termin, das ist das Großartige wenn man einfach so vor sich hinreisen kann, wenn keine Hotels gebucht sind und man regelrecht vogelfrei sein Leben genießen kann.

USA-2014 – Tag 5 – Bodie Ghost Town

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Als der Wecker loslegt bin ich noch im vollen Tiefschlaf, endlich einmal. Langsam aber sicher beginne ich das Jet-Lag abzuschütteln. Ein Blick nach draußen verrät, dass gleich die Sonne aufgehen wird. Also nichts wie rein in die Klamotten, auch wenn es entsetzlich schwer fällt. Nach etwa 15 Minuten bin ich startklar und will nur noch ganz kurz in meine E-Mails schauen. Dort finde ich dann eine Sache die sehr wichtig ist und die sofort erledigt werden muss. Doch es zieht sich hin weil ich hier am Ende der Welt bin und die Internet-Anbindung noch langsamer ist als beispielsweise in „Bielefeld“…

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Doch nach etwa 45 Minuten ist es geschafft, nun schnell alles ins Auto packen und los geht es. Ich will am südlichen Strand des Mono Lakes die wunderschönen Tuffsteinfelsen zum Sonnenaufgang fotografieren. Als ich mit dem Auto den Ortsausgang erreiche kann ich sehen, dass links von mir die Sonne schon hoch über dem See steht. Ich bin ungefähr eine Stunde zu spät. Jetzt noch dorthin zu fahren wäre Unsinn, zumal es irre kalt ist und gerade ein leichtes Schneetreiben einsetzt. Ich drehe also etwas enttäuscht um und fahre zurück zum Motel. Dort krame ich eine halbe Ewigkeit in meinem großen Koffer herum. Er ist ja schön leicht, aber er hat nur einen dünnen Deckel und somit liegt alles, aber auch alles immer direkt vor mir. Bei meinem alten Samsonite war das anders. Da gab es einen Deckel der etwa 7cm dick und mit einem Netz nebst Reißverschlüsse versehen war. Dort konnte man alles unterbringen was man täglich benötigt. Alles andere war unten im „großen Fach“. Das gibt es jetzt nicht mehr und mittlerweile herrsche in meinem anfangs noch gut sortierten Koffer die totale Anarchie.

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Aber ich finde dann doch noch meine Handschuhe und die warme Fleece-Mütze. So bewaffnet geht es zurück zum Auto. Ich starte den großen V8 Motor und lenke mein schwarzes Ungetüm in Richtung Norden. Nach etwa 20 Kilometern erreiche ich den Abzweig zum Bodie State Park. Diese alte recht gut erhaltene Geisterstadt wollte ich schon im Jahr 2011 unbedingt anschauen. Aber da dieser Ort rund 2.567 Meter hoch liegt ist er oft erst im May oder Juni zu erreichen. Bislang dachte ich immer er läge 3.500 Meter hoch, da hatte ich mich doch schwer verschätzt. So sind es „nur“ etwa 300 Meter Unterschied zum Motel in Lee Vining am Mono Lake. Die Straße ist anfangs sehr gut asphaltiert, später wird sie dann eine recht gut befahrbare Dirt-Road. Während mein V8 vor sich hin blubbert und ich Meter um Meter nach oben klettere setzt ein starkes Schneetreiben ein. Auf der Straße sind Reifenspuren erkennbar, von genau EINEM anderen Auto! Der Fahrer scheint sich hier gut auszukennen, denn die meisten Schlaglöcher und Felsbrocken hat er geschickt umfahren. Ich bleibe einfach in dieser Spur und komme so sehr entspannt schon nah kurzer Zeit oben in Bodie an. Allerdings hat der Park noch geschlossen, es ist erst kurz nach 7h.

Also mache ich es mir im Auto gemütlich und nehme mit meinem kleinen SONY HDDR-MV1 einige kurze Videosequenzen für mein „großes Reisevideo“ auf. Ungefähr eine halbe Stunde später gesellt sich ein Allradauto mit Kennzeichen aus Kalifornien dazu. Es steigt ein Typ aus der voll witzig angezogen ist. Er trägt kurze braune Hosen, darunter eine schwarze Leggins, Kniestrümpfe, Wanderschuhe und ein T-Shirt. Als er bemerkt wie saukalt es draußen ist holt er sich vom Rücksitz seines Autos ein Kleidungsstück nach dem anderen. Zum Schluss setzt er noch ein Mütze auf und wandert dann entgegen aller Verbote mit seiner Kamera in den Stadtpark hinein. Dort kann ich ein ganz Weile zuschauen wir er dies und das fotografiert bist schließlich ein sehr großer weißer Geländewagen in seiner Nähe auftaucht. Es steigt jemand in Uniform aus. Sie reden kurz miteinander und dann tritt der lustig bekleidete Typ auch schon den Rückmarsch an.

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Wortlos steigt er in sein Auto und fährt von dannen. Ich will mir sowas ersparen und warte brav noch eine satte Stunde bis endlich genau dieser weiße Wagen wieder angefahren kommt. Es steigt ein adrette junge Frau in Uniform aus. Am Gürtel hat sie allerlei Funkgeräte und es sieht aus als würde sie auch ein Waffe tragen. Als erste Handlung hisst sie zwei Fahnen und winkt mich danach heran. Ich zahle ganze 5$ Eintritt und kann mein Auto hinten links auf dem großen Parkplatz abstellen. Dort wird gerade eine Art Visitor-Center neu erreichtet. Daneben stehen einige Chemie Toiletten.

Bewaffnet mit meiner D800E, einem Stativ, der Nikon 1 V1 und allerlei Zubehör geht es auf die Fotopirsch. Ich bin der erste Gast des Tages, bleibe es aber nicht lange. Bereits nach wenigen Minuten sehe ich andere Leute die ebenfalls mit Stativ und Kamera die nette alte Geisterstadt zu durchstreifen beginnen.

Ich fotografiere hier uns da, nehme einige kurze Video-Sequenzen auf und bin schließlich überrascht, dass es schon 12h am Mittag ist. Bei fiesem Schneetreiben flüchte ich mich schließlich in meinen großen Geländewagen und trete dem Heimweg nach Lee Vining an. Diesmal nehme ich die Straße die gleich links abbiegt und als „Extremely Rough Road“ gekennzeichnet ist. Doch letztlich ist sie ganz ok und bietet eine tolle Aussicht auf den großen Mono Lake. Über dem Se hängen schwere Wolken und es ist nicht der Tag für schöne Landschaft-Fotografie. Also fahre ich direkt zum Motel, sichte kurz die Fotos des Tages und gehe schließlich um 14h30 nach nebenan in das Restaurant in dem ich schon gestern so gut gegessen habe. Es gibt wieder Corona und dazu einen Burger mit allem und French Fries. So kann man es aushalten. Der Spaß kostet inklusive Trinkgeld wieder 25$ also etwa 18 Euro.

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Während ich esse fegt draußen ein richtiger kleiner Schneesturm los. Nach und nach füllt sich das Restaurant es kommen lauter Leute mit Schnee im Haar oder auf der Baseball-Kappe hinein. So geht das eine Weile bis sich dann überraschend schnell der Schneefall legt. Die Sonne kommt heraus und taucht alles in ein fast malerisches Licht. Danach geschieht etwas unerwartetes, die Straße und der Parkplatz beginne zu dampfen wie eine heiße Quelle auf Island. Das sieht echt cool aus. Rund 30 Minuten später sind die Straßen wieder trocken und ich bin satt und müde.

Zurück im Motel traue ich meinen Augen nicht, ich habe mehr als 200 Mails bekommen. Die letzten Fotos bei 500px.com und flickr.com sind auf wirklich viel Resonanz gestoßen. Alle paar Minuten kommen weiter Mails mit Benachrichtigungen, dass ich einen neuen Follower bei flickr.com habe. Es gibt neue Freunde bei Facebook und rund 10 neue Abonnenten bei YouTube. Das freut mich sehr, ist es doch wenigstens eine kleine wenn auch nicht monetäre Anerkennung für die Nächte unter freiem Himmel, allein mit meiner Nikon und der Milchstraße.

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So vergeht der Tag und ich hoffe, dass der Schneesturm die Straße über den Tioga-Pass nicht wieder unbefahrbar gemacht hat. Denn morgen will ich mal rüber auf die andere Seite der Sierra Nevada Mountains und im Yosemite alles nachholen was im Jahr 2011 nicht geklappt hat.

Danach will ich weiter zum südlichen Zipfel des Lake Tahoe. Dort ist es hoffentlich nicht mehr ganz so kalt wie hier und ich wünsche mir insgeheim eine sternenklare Nacht über der wunderschönen Emerald Bay. Ob es damit geklappt, das gibt es dann zu lesen 🙂

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USA-2014 – Von Lone Pine nach Lee Vining

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Nach der Nacht am Mobius Arch sichte ich noch kurz die Beute und schreibe ich im Motel noch schnell meinen Artikel des Tages. Gegen 8h geht es dann schon los nach Lee Vining am Mono Lake. Mein Weg wird mich über Bishop führen, ein sehr niedlicher kleiner Ort mit urigen Geschäften und einem wirklich großen Supermarkt namens „KMART“. Der Weg ist nicht so richtig weit, heute stehen nur ein paar hundert Kilometer auf dem Programm.

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In Bishop angekommen steuere ich gleich den KMART an. Irgendwie habe ich wieder einmal viel zuviel Zeugs dabei, aber eine Sache fehlt und das ist blöd, ich habe kein Mini-USB Kabel. Statt dessen habe ich versehentlich ZWEI Micro-USB Kabel eingepackt. Nun kann ich meine GoPro HD HERO 3+ nur im Auto aufladen, das funktioniert mit der Stromversorgung für mein Garmin Colorado 300 sehr gut. Aber eigentlich würde ich gern mal das anschauen was ich inzwischen mit meiner GoPro alles aufgenommen habe. Aber das geht derzeit entweder gar nicht oder nur umständlich über eine lokale WLAN-Verbindung.

Im KMART gibt es alle Arten von Kabeln, nur nicht das was ich suche. Als ich den Laden verlasse habe ich vier frische Batterien für meine Taschenlampe dabei, außerdem eine Packung „WetOnes“, also feuchte Tücher die man für alles Mögliche benutzen kann. Wenn also die Finger mal wieder nach Benzin riechen, nach dem Schälen einer Apfelsine alles klebt oder tausend tote Fliegen die GoPro beim Blick auf die Straße behindern, dann sind diese feuchten Tücher manchmal einfach Gold wert!

Im KMART gibt es eine umverschlüsseltes WLAN mit dem schönen Namen „Guests“. Dort logge ich mich kurz mit meinem Telefon ein, akzeptiere die Bedingungen und finde in meinen E-Mails einen GPS Wegpunkt der für mich den Tag bestimmen wird. Diesen Wegpunkt übertrage ich schnell in mein GPS und schon geht es wieder los. Der Wegpunkt gehört zu einer bislang noch relativ wenig bekannten Location. Es ist eine alte Malerei von indianischen Ureinwohnern. Das Kunstwerk ist in einem Gewirr aus Felsblöcken versteckt und wurde schon mehrfach von hirntoten Vandalen heimgesucht. Aber es hat nicht nur ein paar hundert Jahre überstanden, es hat auch diese Hirntoten überstanden – bis jetzt!

Dieses schöne Kunstwerk wird unter USA-Fans als „Skyrock“ gehandelt und es liegt nördlich von Bishop, fast auf meinem Weg nach Lee Vining am Mono Lake. Nach etwa 30 Minuten habe ich den Ausgangsort meiner kleinen Wanderung erreicht. Bewaffnet mit meiner Nikon D800E und einzig dem AF-S 2,8/14-24mm geht es steil eine Felsenklippe hinauf. Meine Wanderstöcke habe ich blöderweise mal wieder im Auto gelassen, warum habe ich sie eigentlich dabei??

Der sandige steile Aufstieg ist ziemlich kräftezehrend und ich bin froh als ich endlich oben angekommen bin. Nun geht die Suche nach den Petroglyphen los. Laut GPS stehe ich direkt davor, aber das sind nur voll große Felsblöcke. Auf einem dieser Blöcke muss es sein, nur auf welchem?

Es kostet mich fast eine halbe Stunde bis ich ihn gefunden habe. Nur stehe ich da auf einem noch höheren etwas entfernen Felsbrocken. Also geht es wieder hinunter und als ich vor dem „richtigen“ Felsbrocken stehe komme ich einfach nicht hinauf. In der Umgebung liegen überall lose handliche Bruchstücke von Felsen herum. Daraus baue ich mir eine kleine Treppe und dann komme ich schließlich auch hinauf. Wow, das sieht echt gut aus…

Sky Rock - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Nach meiner Fotosession muss ich von dem Ding allerdings wieder hinunter. Vorsichtig versuche ich auf dem Hintern herunter zu robben, aber das klappt nicht so wirklich. Schließlich entschließe ich mich zu einem beherzten Sprung und dank des weichen Sandes unterhalb geht das ohne Verluste von statten – uff…

Meine Fahrt führt mich nun hinauf ins Gebirge, ich bin östlich der noch immer mit Schnee bedeckten Sierra Nevada Mountains. Es geht höher und höher, schließlich lande ich in Lee Vining bei 2067 Metern über dem Meeresspiegel. Es ist windig und das Thermometer zeigt nur noch 13°C – gestern im Death Valley dem tiefsten Ort der Vereinigten Staaten waren es bis zu 37°C. Dazu kommt jetzt der enorme Höhenunterschied, als ich letztlich in Lee Vining eintreffe bin ich völlig am Ende. Sicher liegt es auch daran, dass ich wieder die ganze Nacht nicht geschlafen habe. Zunächst einmal muss ich tanken. Doch das Benzin ist hier echt teuer, eine Gallone des billigsten Benzins kostet sage und schreibe 4,99 $ – so kommen weit über einhundert Dollar für die komplette Tankfüllung zusammen. Die Zeiten in denen das Benzin und den USA wirklich billig war sind lange vorbei…

Gleich nebenan ist ein Motel das einen ganz vernünftigen Eindruck macht. Ich bekomme Zimmer 20 und zahle für zwei Nächte 141$, also etwas über 100 Euro, das ist ganz ok. Nachdem alles ausgepackt ist schaue ich kurz meine Fotos an und wandere hinüber zum einzigen Restaurant das derzeit geöffnet hat. Dort gibt es ein sehr leckeres Sandwicht mit Käse, Tomate, Salat, geröstetem Schweinebraten und French Fries. Dazu zwei Flaschen Corona und einen Kaffee und schon sind wieder 25$ weg…

Auf dem Rückweg zum Motel mache ich mit meinem HTC ONE für diesen Artikel schnell ein paar Knipsbilder. Als erstes sehen wir hier das Yosemite Gateway Motel. Im Internet wird es gelobt weil es zwar alt aber doch gut geführt und ganz urig ist.

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Dann entdecke ich eine Tankstelle bei der ich viel billiger hätte tanken können…

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Gleich nebenan steht diese schöne alte Zapfsäule.

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Mein Motel ist nicht hübsch aber ganz ok. Hier sehen wir, dass es auch ganz anders geht…

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Gleich neben meinem Zimmer parken diese drei Monstertrucks, dagegen ist mein GMC Yukon SLX ein Kleinwagen…

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Ich habe Zimmer 20, gleich unten rechts auf der Ecke. Beim Anblick der schönen BMW weiter hinten werde ich sofort ganz kribbelig. Aber man kann nicht alles haben, jetzt gibt es USA und Fotos der Milchstraße – in ein paar Wochen eine Motorradtour mit meiner Sandra. Alles immer schön nacheinander…

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Hier noch ein nicht ganz ernst gemeinter Größenvergleich zweier Objektivdeckel. Also „Vollformat“ versus Micro-Four-Thirds…

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Wie es morgen weitergeht weiß ich derzeit noch nicht. Mal schauen, vielleicht zum Sonnenaufgang zu den South Tuffs, also den südlich gelegenen Felsen aus Tuff-Stein die dem Mono-Lake einen unverwechselbaren Charakter geben. Danach vielleicht hinauf nach Bodie, auf fast 3.500 Metern Höhe!! Die Straße soll seit kurzem geöffnet sein. Übermorgen könnte ich dann einen Tag im Yosemite Nationalpark verbringen und dann weiter zum Lake Tahoe fahren. Dort hoffe ich auf eine schöne Abendstimmung an der wunderbaren Emerald Bay. Später will ich dann noch die Ponderosa besuchen und dann weiter nach Sun Valley – was für eine anstrengende Reise 🙂

USA-2014 – Tag 4 – Mobius und Lathe Arch

Mobius Arch - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Als ich wach werde zeigt die Uhr 23h43 – es passt mir eigentlich gar nicht aber es ist schon wieder Zeit um aufzustehen, das Fotografenleben ist manchmal anstrengend und ungerecht. Ein paar Minuten später sitze ich schon im Auto, waschen kann ich mich ich noch nach der Fotosession. Am Abend zuvor habe ich auf dem Rückweg mein GPS (Garmin Colorado 300) eingeschaltet und so hat es den Rückweg zum Hotel aufgezeichnet. Nun hängt es an der Windschutzscheibe und weist mir den Weg durch die echt dunkle Nacht. Während ich vor mich hin fahre trennen sich irgendwann die Linien, ich habe eine Abbiegung verpasst! Also zurück und ein paar Minuten später bin ich auch schon am Parkplatz in der Nähe von Mobius und Lathe Arch.

Schnell den Fotorucksack schnappen und los geht es. Mit dabei sind diesmal meine gute helle Taschenlampe, das HTC ONE, zwei Äpfel, ein Brötchen und eine kleine Flasche Wasser. Im Rucksack ist fast nichts mehr drin. Am Vortag habe ich beschlossen, dass man für den Mobius Arch nur ein Weitwinkel-Objektiv benötigt und mehr nicht. Während ist den kleinen Trampelpfad zum Arch laufe kommt es mir in den Sinn, dass ich in der ganzen Zeit die ich jetzt schon in den USA bin noch kein einziges Foto mit der Panasonic GH3 gemacht habe. Auch habe ich an der D800E noch immer das gleiche Objektiv das ich in Deutschland daran gesetzt habe. Ich habe wirklich bislang ausschließlich mit dem AF-S 2,8/14-24mm fotografiert…

Am Mobius Arch angekommen kann ich am Himmel ganz wunderbar die Milchstraße erkennen, was für ein Schauspiel. Schnell ist die Kamera aufgebaut und nach ein paar Testschüssen mit allerhöchster ISO-Einstellung habe ich die Kamera in der völligen Dunkelheit so eingestellt, dass der kleine Arch sehr fotogen herüber kommt. Immer wenn eine „Szene“ abfotografiert ist wechsle ich wieder zu Blende 2,8 und ISO-HI2. So dauert ein Testfoto nur ca. 8-4s und das in der totalen Finsternis…

Während ich Bild um Bild vor mich hin fotografiere tauchen zwischen den Felsen Lichter auf. Ein paar Minuten später treffe ich dann auch ein sehr nettes Paar aus Philadelphia. Sie haben Kopflampen und sind überhaupt sehr gut ausgestattet. Sie fotografiert mit einer Nikon D7100 und dem AF-S VR 16-85mm. Außerdem hat sie noch eine Kamera im Gepäck die sie sich auf Infrarot hat umbauen lassen. Diese Frau ist mir sofort sehr sympathisch 🙂 Wir zeigen uns auf den Displays unserer Kameras was wir bislang so fotografiert haben. Anschließend zeigt sie mir noch wo der Lathe-Arch zu finden ist. Er ist derart klein und niedlich, dass ich ihn am Vortag glatt übersehen habe.

Lathe Arch - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Will man durch den Arch hindurch auf den 4421 Metern höchsten Berg Kaliforniens schauen, so wird es ganz schön eng. Aber dafür kann man Mount Whitney dann auch sehr schön am Horizont sehen. Hinter dem Lathe Arch ist es zudem noch abschüssig, hier muss man mit seinem Stativ umgehen können, denn einfach aufstellen klappt hier nicht. Ich ziehe ein Bein komplett aus die beiden anderen Bein spreize ich im Winkel von 90° nach vorne ab. So liegt das Stativ direkt vor dem kleinen Arch auf dem Fels und die Kamera hat eine ganz ordentliche Position. Mit meiner superhellen Taschenlampe beleuchte ich den Arch aus nächster Nähe, dann kann ich ihn sogar im Sucher sehen und der Autofokus funktioniert. Nachdem alles korrekt scharf gestellt ist, schalte ich den Autofokus aus. Anschließend nehme ich echt viele Fotos mit unterschiedlichen Belichtungszeiten und ISO-Werten auf. Bei den ganz langen Belichtungszeiten beleuchte ich den kleinen Arch mit meinem Smartphone. Weil der Arch so nach ist, muss ich dabei das Telefon hin und her schwenken damit der kleine Arch auch gleichmäßig ausgeleuchtet wird.

Zuletzt nehme ich noch ein Foto mit einer Belichtungszeit von 10 Minuten bei Blende 5,6 und ISO 400 auf. Es ist ein Geduldsprobe, denn die Rauschunterdrückung benötigt genau so lange wie die Belichtung. 20 Minuten lang auf ein einziges Foto warten und das zusammengekauert auf einem kleinen Felsvorsprung eingeklemmt zwischen zwei Felswänden, das kann auch nur mir passieren.

Mobius Arch @ Dawn - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Gegen 5h fällt mir wieder auf wie sich die Fotos plötzlich zu verändern beginnen. Es ist schon etwas Morgenlicht auf den Foto, aber mit dem Auge ich es kaum wahrnehmbar. Ich positioniere mich wieder am Mobius Arch um für die ersten Sonnenstrahlen gewappnet zu sein. Der Lathe Arch wird von der Felswand die etwa 2 Meter hinter ihm ist so abgeschattet, dass er erst sehr später echtes Sonnenlicht abbekommt.

Während die ersten Sonnenstrahlen die Zipfel der Sierra Nevada Mountains noch schön rot aufleuchten lassen ist diese ganze Herrlichkeit dann irgendwann einfach vorbei. Der Himmel hinter mir hat schlichtweg zu viele Wolken, da schafft es die Sonne nur die Szenerie zu erhellen, aber wirklich fotogen ist das alles nicht mehr. Also packe ich meine Sachen zusammen und bin um kurz nach 6h wieder im Hotel. Dort werden schnell die Fotos auf Festplatte kopiert und dann geht es runter zum Frühstück. Hier gibt es Rührei, Cornflakes, Orangensaft und eine Tasse Kaffe. Ok, Tasse ist übertrieben – es ist wieder einer dieser fiesen Becher aus Styropor.

Gleich geht es dann weiter zum Mono Lake, schauen wir mal was mich dort erwartet 🙂

USA-2014 – Tag 2,5 – Nachts am Elephant Rock

Während meiner ersten Nacht im Valley of Fire war es noch angenehm warm, doch im Laufe des Tages entwickeln sich aus den lauen 21°C bis zur Nachmittagszeit satte 38°C. Zur Mittagszeit überlege ich, ob ich mal bei den Mouse-Tanks im Valley of Fire ein wenig wandern soll um mir die schönen Petroglyphen aus alter Zeit anzuschauen. Aber als ich den ersten Fuß vor die Türe setze kehre ich gleich wieder um, es ist mir definitiv zu heiß für jegliche Outdoor-Aktivität. So verbringe ich fast den ganzen Nachmittag im Bett, chatte via Facebook mit meinen daheim gebliebenen Freunden und hole ein wenig von dem Schlaf nach der mir seit der langen Nacht noch fehlt. Etwa 60 Minuten vor Sonnenuntergang mache ich mich dann aber doch noch auf den Weg. Mein Ziel ist der Stewart’s Point am Lead Mead. Dieser Stausee wird vom Colorado River gespeist seit im Jahr 1935 der Hoover Damm erreichtet wurde. Neben dem etwas größeren Lake Powell der ein paar hundert Kilometer weiter Flussaufwärts liegt, zählt der Lake Mead zu den schönsten Wassersport- und Naherholungsgebieten in der Umgebung.

Evening Mood @ Suarts Point - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24m

Am Stewart’s Point angekommen ist dort nicht wirklich viel zu sehen. Es gibt reichlich trockene Erde, viel Wind und Staub. Ein paar Camper haben es sich unten am Ufer gemütlich gemacht. Das sieht so aus als könnte das wirklich Spaß bereiten. Wenn es zu warm wird, einfach kurz im See schwimmen gehen und die Welt ist wieder in Ordnung. Vielleicht sollte ich so etwas auch mal machen, hier gibt es wenigstens keine Bären die zu nachtschlafender Zeit an die Lebensmittel wollen…

The Freedom We Love - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Vom Stewart’s Point geht es ein paar Kilometer weiter zur Echo Bay. Als ich dort eintreffe verschwindet die Sonne gerade hinter den Bergen oberhalb dieser schönen Bucht. Es ist alles wie ausgestorben, nur in einigen Wohnwagen brennt noch Licht. Schöne Fotos gelingen mir leider keine mehr, auch ist der See nach dem heißen Tag extrem dunstig und die Fernsicht ist mehr als schlecht. Den wunderbaren Sonnenuntergang über den Bergen verpasse ich leider auch, weil ich unten an der Marina der Echo Bay herumschleiche – Man kann nicht immer gewinnen…

Von der Echo-Bay geht es zurück in Richtung Overton. Es ist immer noch extrem warm, von den 38°C bei meiner Abfahrt sind etwa 30 Minuten nach Sonnenuntergang noch 33°C übrig. Auf halber Strecke biege ich links ab und fahre ein letztes Mal ins Valley of Fire. Mein Ziel ist der versteinerte Elefant gleich rechts am Straßenrand kurz hinter der Self-Register Station.

Die Felsformation ist ganz einfach zu erreichen und nach einigen Versuchen klappt es dann auch mit diesem geilen Foto…

Climbing up that hill - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Für die Ausleuchtung habe ich mein HTC ONE verwendet – wieder einmal. Außerdem fuhr praktischer Weise noch ein Auto gleich nebenan auf der Straße entlang. So ergibt sich genau die richtige Lichtmischung für ein schönes Foto. Kurz darauf macht dann auch der Akku schlappt der schon die halbe vorherige Nacht durchgehalten hat. Ich habe noch zwei Akkus in Reserve, aber die sind auch leer…

Also packe ich zusammen und mache mich auf den Weg zurück zum Hotel. Als ich dort um 22h eintreffe sind es noch sagenhafte 30°C – hört das denn nie auf? Im Pool neben dem Hotel ist noch was los, die Kinder sind so froh, dass sie dort baden können. Am Liebsten würde ich auch kurz hinein springen…

Morgen geht es dann los in Richtung Mono Lake. Im Internet habe ich gelesen, dass die wunderschöne Tioga Pass Road seit wenigen Stunden geöffnet ist. Also kann ich mit ein wenig Glück vom Mono Lake in Richtung Westen über die Sierra Nevada Mountains ins Yosemite Valley fahren. Das klingt nach einem Plan! Ich will es bis zum Nachmittag nach Beatty schaffen, dort bei dem coolen Mexikaner neben dem Reifenhändler etwas zum Mittag essen und dann vorbei an Bishop weiter zum Mono Lake fahren. Dort gibt es mehrere kleine Motels die jetzt die Winterpause beendet haben. Mit ein bisschen Glück bekomme ich dort ein Zimmer für 2-3 Tage. So könnte ich eine Nacht am Mono Lake herumschleichen, einen Tag im Yosemite Valley verbringen und am dritten Tag versuchen mich zur wundervollen Geisterstadt Bodie durchzuschlagen.

Dann könnte es weitergehen zum Lake Tahoe. Dort reizt mich die Emerald Bay im Süden des Sees und die aus Bonanza bekannte Ponderosa im Norden. Vorbei an Reno kann es dann nach Sun Valley gehen. Dort möchte ich mich mit Angenie und Peter treffen. Sie sind allerdings nur noch bis zum 12 May daheim. Danach wird es auch sie nach Utah ziehen. Aber schauen wir mal was so geht…