Teneriffa 2012 – Tag 7

Keine besonderen Vorkommnisse

Und auch Tag 7 beginnt wie alle anderen Tage. Ausschlafen bis man von allein aufwacht, vom Balkon auf das Meer schauen und dabei langsam wach werden. Frühstücken bis nichts mehr hinein passt, danach Kaffee auf der Terrasse mit Blick auf den Pico del Teide und Morgensonne im Gesicht.

Irgendwann gegen Mittag sind wir beim Einkaufszentrum auf der anderen Seite der Autobahn. Man könnte zu Fuß gehen, aber wir sind auch heute wieder faul und nehmen das Auto. Nach einem überaus klaren schönen Morgen hat sich der Himmel inzwischen zugezogen. Es ist etwas kühl und ich habe heute keine Lust dem perfekten Foto hinterher zu rennen. Also kaufen wir ein wenig ein. Ich habe meine kleine GoPro dabei, schließlich brauche ich ja irgendwas das ist in meinem BLOG veröffentlichen kann… Beim Packen meines Koffers habe ich diverse Trecking-Hemden usw. bereit gelegt. Aber letztlich sind sie dann irgendwie daheim liegen geblieben und ich habe bei der Ankunft hier auf Teneriffa nicht schlecht gestaunt, dass ich nur zwei T-Shirts und zwei Hemden mit kurzen Ärmeln dabei habe. Am Montag haben wir daher sofort eine Portion Flüssigwaschmittel gekauft. Und das habe ich auch schon benutzt. Allerdings trocknet die pitschnasse Wäsche auf dem Balkon nicht sonderlich gut. Man müsste sie richtig „aufhängen“ aber das würde nicht gut aussehen und daher hat die Hotelleitung es sich auch verbeten Wäsche gut sichtbar auf dem Balkon zu drapieren. In der Hotelbeschreibung hat Sandra gelesen, dass es hier auch eine Waschmaschine gibt. Und die haben wir heute tatsächlich gefunden. Sandra hat für 5 Euro eine große Maschine mit heller Wäsche gewaschen und für weitere 3 Euro alles was geeignet war nebenan in den Wäschetrockner gesteckt. Nun haben wir wieder Wäsche für die nächsten Tage, jetzt kann fast nichts mehr schief gehen. Neben den Hemden habe ich mich irgendwie auch bei den Socken verzählt. Zwar sind vier paar dicke Wander-Wollsocken im Gepäck, aber meine Wanderschuhe habe ich seit der Ankunft nicht wieder getragen. Bislang ging immer alles ganz prima in Turnschuhen. Also kaufe ich mir drei Paar schwarze Socken, die kann „Mann“ immer gebrauchen. Sandra findet ein Paar schöne Lederstiefel und einen preiswerten knallroten Koffer. Da passt Ihr Fotorucksack gut hinein und auf dem Rückweg kann sie ihn dann bequem  rollen statt ihn auf den Schultern tragen zu müssen. Ich habe es auf dem Hinweg auch so gemacht. Mein Fotorucksack war so gepackt, dass er einen „Handgepäck-Koffer“ gepasst hat. Oben drauf war noch eine kleine Notebooktasche und mein BOSE Kopfhörer für das Flugzeug. Im Vergleich zu den letzten Jahren in denen ich immer weite Strecken am Flughafen usw. mit einem voll gepackten Fotorucksack, Notebooktasche usw. zurücklegen musste, war es in diesem Jahr alles ganz entspannt.

Mitten im Einkaufszentrum treffen wir dann unverhofft unsere Freundin Edith. Sie hat heute endlich mal frei und ist mit ihrem neuen Lebensgefährten auf Einkaufsbummel. Wir verabreden uns für den nächsten Sonntag zu einer gemeinsamen Wanderung. Das sind die Momente die mir hier so gut gefallen. Es ist hier schon ein wenig wie in meiner zweiten Heimat. Man geht einfach in ein Einkaufszentrum und trifft überraschend seine Freunde. Das kann mir derzeit kein anderes Urlaubsziel bieten 🙂

Zurück im Hotel schauen wir kurz in unsere E-Mails, danach geht es rüber in den Garten des Hotels. Wir mischen uns unter die „All-Inclusive-Gäste“. Man erkennt sie schnell an den blauen Armbändchen die sie Tag und Nacht tragen müssen. Das wäre mir echt zu blöd und ich habe echt Mühe zu verstehen, dass tausende Touristen diese Prozedur immer wieder hinnehmen. Deutsche Touristen beschweren sich hier über jeden noch so kleinen Furz, aber über eine Alternative zum „AI-Armreif“ hat noch niemand nachgedacht.

Da wir diese AI-Bändchen nicht tragen müssen, dürfen wir uns auch nicht am Mittagsmenü bedienen. Aber das ist gar kein Problem, für 13,90 Euro gibt es zwei leckere Burritos mit Fritten und zwei Gläser Bier. Alles im Sonnenschein mit Blick auf das Meer, das Leben kann auch im Dezember sehr schön sein.

Später auf dem Zimmer bastle ich schnell aus dem was die kleine GoPro aufgenommen hat ein kleines Video zusammen. Sandra taucht im privaten Whirlpool in unserem Badezimmer ab, während ich in der Lobby diesen kurzen Artikel schreibe. Später um 18h30 treffen wir uns mit zwei anderen Gästen die wir hier kennen gelernt haben. Gemeinsam wollen wir zu Finca-San-Juan. Dort haben wir uns schon am Dienstag ein Menü mit mehreren Gängen und einem leckeren Wildbraten bestellt. Koch Tomy hat uns schon mitgeteilt, dass er ein gutes „Entrecôte vom Hirsch“ einkaufen konnte. Das wird besonders für Sandra ein echtes Festessen.

Wie es dann morgen aus fotografischer Sicht weitergeht muss ich mal schauen. Vielleicht suche ich mir zum Abendlicht einen schönen Strand mit großen Felsbrocken für das eine oder andere kitschige Urlaubsfoto 🙂

Teneriffa 2012 – Tag 6

Sterne fotografieren im Gebirge

Der sechste Tag bricht an und die Reise hat schon fast ihren Zenit erreicht. Nach den üblichen Ritualen und einem leckeren Frühstück verabreden wir uns mit Karin und Wolfgang um 13h an der Plaza de Charco in der Altstadt von Puerto de la Cruz. Karin und Wolfgang kennen wir nun schon seit vielen Jahren. Wolfgang habe ich über die Fotocommunity kennengelernt. Wir haben dort viel über die schönsten Locations auf Teneriffa diskutiert. Im Jahr 2007 haben wir uns dann endlich persönlich kennen gelernt. Seit dieser Zeit haben wir mehrmals Weihnachten und Sylvester gemeinsam verbracht. Wenn meine Freundin mit seiner Frau einen Ausritt ins Gebirge unternimmt, treffen wir uns regelmäßig und machen etwas „vernünftiges“ – wie Wolfgang das immer nennt 🙂

Heute treffen wir uns zum Mittagessen und es geht zu einem kleinen Thai-Resturant. Es liegt unterhalb des Busbahnhofs ganz in der Nähe des Hotel Marte. Dort habe ich 2005 gewohnt und kenne diesen Teil von Puerto de la Cruz sehr gut. Aber dieses Restaurant ist seltsam neu. Wolfgang kennt auch hier die Lösung des Rätsels, es ist der Koch. Er ist von seinem „Lieblings-Thai“ hierher gewechselt. Und Wolfgang hat nicht zuviel versprochen, das Essen schmeckt wirklich großartig und es ist trotzdem preiswert. Einmal mehr wird mit klar, man kann hier richtig gut leben, wenn man sich nicht selbst das Leben schwer macht.

(Um den Text etwas aufzulockern habe ich einige Bilder meiner „Beute des Tages “ aus der Nikon D800E eingestreut. Die Bilder sind 1000 Pixel breit, also bei Bedarf einfach in einem neuen TAB öffnen.)

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Vom Hotel zur Plaza de Charco sind Sandra und ich zu Fuß gelaufen, es ist ein ziemlich weiter Weg und daher sind wir froh, dass Karin und Wolfgang uns nach dem Essen mit ihrem Auto „zurück auf unseren Berg“ bringen.

Um etwa 17h mache ich mich dann auf den Weg zu meiner „Männer-Fototour“. Es geht über La Orotava hinauf zu den Canadas del Teide, wieder einmal! Diesen Weg kenne ich schon auswendig und ich habe in den letzten Jahren schon so manche Nacht dort oben verbracht. Im Kofferraum ist ich alles was ich an warmer Kleidung dabei habe. Sobald die Sonne untergegangen ist, kann es hier oben empfindlich kalt werden. Später werde ich die warme Kleidung noch brauchen, denn das Thermometer wird auf 6°C fallen!

Eigentlich ist der Sonnenuntergang laut „Garmin Colorado GPS“ um 18h11. Aber hier oben auf mehr als 2500 Metern Höhe gibt es eine kleine „Reserve“. Hier geht die Sonne etwa eine halbe Stunde später unter. So bleibt mir genug Zeit um einen meiner bevorzugten Aussichtspunkte anzusteuern. Dort wird schnell die kleine Panasonic Kamera aufgestellt. Sie filmt eine Zeitraffersequenz mit einem Raster von 10s. Das ist ein sehr guter Wert wenn man bei etwas Wind Wolken so darstellen möchte, dass sie schnell dahin zu ziehen scheinen. Parallel fotografiere ich mit der D800E und dem AF-S VR 4/16-35mm Weitwinkelzoom einige Belichtungsreihen aus denen ich später einige HDR-Fotografien erstellen möchte. Hier ein Fotos das mit dem billigen SAMYANG 2.8/15mm Weitwinkel entstanden ist.

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Nach etwa 30 Minuten staune ich nicht schlecht als sich plötzlich links oberhalb der Spitze des höchsten Bergs Spaniens der Mond mit einer wunderschönen Sichel zeigt. Wie genial sieht das denn aus? Die Kamera knipst Bild um Bild, als es für die Panasonic zu dunkel wird, tausche ich sie gegen die Nikon D7000 aus. Sie habe ich hier bislang noch gar nicht benutzt. Nun klappen die Spiegel zweier Kameras um die Wette. Gern würde ich auch mit der D800E eine Serie von Intervall-Bildern aufnehmen. Aber das Intervall lässt sich einfach nicht starten. Während es um mich herum dunkle Nacht wird, stehe ich ratlos vor meiner schönen neuen Kamera. Was mache ich bloß falsch? Ich blicke nicht durch und nehme sie mit ins Auto. Dort ist es deutlich wärmer und ich habe etwas Licht. Einige Augenblicke später fällt es mir dann auf, der Drehknopf oben links an der Kamera steht am rechten Anschlag, es ist die Spiegelvorauslösung aktiviert! Damit klappen scheinbar keine Intervall-Aufnahmen. Ich stelle den Knopf auf S wie „Single-Shot“ und schon bin ich wieder im Spiel. Danach wird die D800E mit 2.8/15mm SAMYANG Weitwinkel wieder in die Nacht gestellt. Sie soll 100 Fotos machen und das alle 5 Sekunden. Später im Hotel werde ich nicht schlecht staunen, dass ich damit mehrere Flugzeuge auf ihrem Weg vom Flughafen Teneriffa Nord zur Insel „La Palma“ fotografiert habe. Zeitraffer-Fotografie ist schon cool aber nicht immer kalkulierbar. Was letztlich geschieht und wie die Sequenz aussehen wird ist immer mit einer kleinen Portion Zufall verbunden. Zwischendurch wechsle ich an der D800E immer wieder die Objektive. Mal das 4/16-35, mal das 2.8/24-70 und dann auch mal das gute alte AF-D VR 80-400mm. Eigentlich habe ich es aus Versehen mitgenommen. Bei der Entscheidung was im Tresor bleibt und was mit auf die Reise geht habe ich mich „vergriffen“. Statt des knackscharfen schnellen AF-S VR 2.8/70-200 habe ich versehentlich das 80-400 eingepackt. Es ist ein durchaus brauchbares Objektiv, aber es kann den Chip der D800E nicht wirklich ausreizen. Damit gelingen durchaus gute Bilder, aber das AF-S VR 70-200 ist mit insbesondere in Verbindung mit dem 1.7er Teleconverter irgendwie lieber.

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Gegen 21h ist mir echt kalt und es geht mit WARP-Geschwindigkeit den Berg hinauf zurück zum Hotel. Das ist ein echter Männerspaß, in tiefer Nacht 2500 Höhenmeter im dritten Gang mit bis zu 100 km/h den Berg hinab fegen, das kann Mann nur allein. Während ich den Mietwagen um die Kurven zirkle, dass die Reifen quietschen und die Bremsen verbrannt riechen kommt mir immer wieder in den Sinn, wie eine Beifahrerin panisch rufen würde „Muss das sein, Du rast hier runter wie ein Vollidiot! Gleich bringst Du uns noch beide um! Ahhhhh….“ Aber ich kenne die Strecke, ich habe ein GPS und ich sehe die Spitzkehren lange bevor ich sie erreiche. Die Fahrt ist daher nicht wirklich gefährlich, zumal es hier keine Rehe oder Kühe gibt die plötzlich auf der Straße auftauchen könnten.

Als die Zivilisation mich wieder hat, dreht sich auch mir so langsam der Magen um. Ich muss kurz anhalten, sonst gibt es gleich ein Unglück.

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An der frischen Luft neben dem Auto ist es etwas wärmer. Das Thermometer im Auto zeigt jetzt 11°C. Und mir fällt auf, dass es hier genau so riecht wie in Page-Arizona im letzten Winter. Hier wird mit Holz geheizt und das ich auch wirklich notwendig. Ich bin noch etwa 800 Meter über dem Meer und hier ist es nicht nur nachts wirklich kühl.

Wer mit dem Gedanken spielt sich hier auf Teneriffa ein Haus zu kaufen oder zu mieten der sollte sich genau informieren wie die Lebensbedingungen dort sein werden. Es gibt Siedlungen die sind so hoch gelegen, dass man besonders im Winter viele Wochen mit Nebel und tief hängenden Wolken wird leben müssen. Je tiefer man hinab ans Meer kommt umso wärmer wird es. Aber sehr nah am Meer kann es auch wiederum sehr feucht werden. Eine guter Bereich ist zwischen 100 und 300 Metern über dem Meer. Wer hier also im Hochsommer eine nette kleine Finca anschaut die auf 900 Metern gelegen ist und ein preisgünstiges Schnäppchen zu sein scheint, der sollte unbedingt im Dezember zurück kommen und schauen ob das „kleine Paradies“ halten kann was der geldgierige Verkäufer im Sommer versprochen hat.

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Zurück im Hotel liegt Sandra eingewickelt in eine warme Decke auf dem Sofa vor dem Fernseher. Die Augen sind geschlossen, das Programm ist offensichtlich nicht wirklich spannend. Nachdem sie das auch erkannt hat, habe ich das Wohnzimmer für mich allein. Der Fernseher ist aus, Sandra schläft nebenan und ich schaue mir meine „Beute“ des Tages an. Und die macht mir so richtig viel Spaß. Manchmal ist es genau richtig auf eigene Faust loszuziehen. Nur so kann man abwarten und hin und her probieren wie es einem in den Sinn kommt. Niemand ist genervt, friert, hat Hunger oder schweren Druck auf der Blase. Einfach nur „Du und das Universum“ – das ist schon cool. Leider werden das nur Männer verstehen können. Ich bin mir fast sicher, Frauen fehlt das „Timelapse-Gen“ 🙂

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Hier noch ein Bild aus der Nikon D7000 mit dem AF-S 1.4/50mm „Normal-Objektiv“.

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Teneriffa 2012 – Tag 5

Driving Sideways

Und auch dieser Tag beginnt wie alle Tage hier beginnen. Die Sonne geht auf, es ist halbwegs warm, am Himmel hängen draußen über dem Meer ein paar nette bunte Wolken, so muss es im Paradies sein 🙂 Nach dem Frühstück packen wir unsere Sachen und statten Tomy und Sylvia auf der Finca San Juan einen kurzen Besuch ab. Dort werden wir mit diesen Worten empfangen: „Na, Ihr zwei könnt auch nicht ohne uns gell?“ Momente wie dieser machen für mich die Reisen nach Teneriffa aus. Klar könnte man auch nach La Gomera, Gran Canaria oder zu einer der vielen anderen schönen Inseln fliegen. Aber hier auf Teneriffa haben wir inzwischen Freunde gefunden und hier fühlen wir uns schon fast wie zuhause. Man kann schlecht in Worte fassen was es ist was mich hier so fasziniert. Dadurch, dass ich mich hier mittlerweile so gut auskenne gibt es praktisch keinen Urlaubsstress. Bei anderen Urlaubszielen muss man sich stets neu orientieren, schauen wie was geht, wo man was findet. Das hat auch seinen Reiz, aber es kann auch ein wenig aufreibend und anstrengend sein. Wenn ich einfach nur meine Ruhe haben will und gleichzeitig den fiesen nasskalten Tagen in der Heimat entkommen möchte, dann bin ich hier genau richtig.

Und „abfotografiert“ ist diese Insel noch lange nicht 🙂

(Alle Bilder 1000 Pixel breit oder hoch – einfach in neuem Tab öffnen)

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Heute geht es nach der kurzen Stippvisite bei Tomy und Sylvia über kleine verwinkelte Straßen in Richtung Süd-Westen. Unser Ziel ist der „Trailhead“ unterhalb des „kleinen Gala“. Von dort hat man eine großartige Sicht auf den Teide, wenn es nicht neblig ist! Und heute ist es leider wieder einmal echt neblig. Das scheinen die letzten Ausläufer des Tiefdruckgebietes zu sein, dass in den letzten Wochen hier so krasse Niederschläge mit sich gebracht hat.

Sandra ist es zu kalt und sie bleibt mit ihrem Kindle im Auto zurück. Ich wandere mit der D800E, mehreren Objektiven und meinem großen BENRO Carbon-Stativ den Weg zum kleinen Gala hinauf. Immer wieder halte ich an und mache ein paar Fotos. Viele Bilder mit Infrarot-Filter. Das klappt besonders mit dem Nikon AF-S VR 4/16-35mm recht gut. Das Filtergewinde an diesem Objektiv ist fest mit dem Gehäuse verbunden und man berührt das eigentliche Objektiv-System nicht wenn man den Infrarot-Filter aufschraubt. Man kann also in Ruhe ohne den Filter sein Motiv wählen, korrekt scharf stellen und dann den Filter aufschrauben. Den Autofokus schaltet man zwischendurch auch noch ab und dann gelingen bei ISO-100, Blende 11 und 30 Sekunden (!!!) Belichtungszeit sehr ungewöhnliche Schwarzweiß-Fotos.

Irgendwann sind die Wolken und der Nebel so dicht, dass ich kaum noch meine Füße erkennen kann. Das hilft bei der Erkenntnis, dass es heute mit tollen Fotos wohl nichts mehr werden wird – wieder einmal. Etwas frustriert geht es den Berg hinab zum Auto in dem Sandra schon sehnsüchtig auf mich wartet. Wir haben Hunger! Kein Problem, ein paar hundert Meter weiter ist ein nettes Restaurant in dem ich schon mehrmals war. Dort gibt es leckeres Kaninchen mit original kanarischen Schrumpel-Kartoffeln (Papas Arugadas), frisches Brot und ein Töpfchen Aioli – lecker!

Auf dem Rückweg nehmen wir eine noch kleinere Seitenstraße. Sandra kriegt zwischendurch ein wenig die Krise, diese Straßen sind echt eng und vor allem extrem kurvenreich. Im Auto philosophieren wir woran das liegen könnte. Mir kommt es vor als wären die Orte durch die wir fahren in einer Zeit entstanden, als es hier noch keine Autos gab. Für ein paar Esel und Pferde sind die Straßen damals sicher breit genug gewesen. Dann kamen die Autos und die Touristen. Viele Bewohner der kleinen Bergdörfer müssen nur kurz stolpern und schon stehen sie nicht mehr im Wohnzimmer sondern mitten auf der Straße. Bei uns wäre das kaum denkbar, hier ist es völlig normal.

Daheim im Hotel gibt es wieder Naseband & Co – K11 nennt man das wohl. Danach kommt die nächste Sendung mit der 11 – Alarm für Cobra 11. Dann der Transporter, dieser Krams nimmt einfach nie ein Ende. Aber ich muss nicht hinschauen und auch nicht hinhören. Ich kümmere mich um meine Fotos und Videos und schreibe für Euch diesen kleinen Artikel. Der WLAN Empfang hier oben kommt und geht. Je nach dem wie und wo man sitzt klappt es mal und dann wieder nicht. Also geht es jetzt noch schnell runter in die Lobby, da geht es recht gut.

Einige Bilder des Tages hänge ich Euch auch noch an. Die Video-Sequenzen gibt es dann im Januar als Teil meines nächsten „großen Videoprojektes“ zu sehen.

Hier einige „echte“ Infrarot-Aufnahmen. Durch die lange Belichtungszeit von 30 Sekunden sind die Wolken krass verwischt. Ein Effekt der mir sehr gut gefällt. Eigentlich ist die D800E nicht wirklich gut für der Infrarot-Fotografie geeignet. Der eingebaute Infrarot-Sperrfilter wirkt sich in der Regel eher störend aus. Mit aufgeschraubtem Infrarot-Filter funktioniert an dieser Kamera nichts mehr was elektronisch oder automatisch ist. Man muss den Filter ständig ab- und wieder anschrauben, das nervt total. Bei meiner kleinen Fuji X100 ist das grundlegend anders. Und wenn ich Chaot den blöden Filter-Adapterring nicht verschusselt hätte, könnte ich mit ihr hier im infraroten Bereich knipsen was das Zeug hält. So muss es mit der sperrigen D800E gehen. Aber die Ergebnisse sind wirklich überzeugend und entschädigen so für den Frust bei ihrer Erstellung.

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Hier nun ein HDR-Foto das ich in ein Schwarz-Weißbild konvertiert habe – sieht auch gut aus – gell? Nur die Wolken sind eben gar nicht verwischt…

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Hier nochmals ein „echtes“ Infrarot-Foto. Wer genau hinsieht kann die Spitze des höchsten Berges der Spanier zwischen all den Wolken erkennen…

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Und zum Abschluss noch einmal das identische Motiv. Diese beiden Fotos sind sehr unterschiedlich und zeigen sehr schön wie krass sich heute die Lichtverhältnisse innerhalb von nur wenigen Augenblicken immer wieder geändert haben.

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Morgen ist schon Freitag, die Zeit vergeht hier scheinbar schneller als daheim. Kaum ist man wirklich angekommen, da muss man schon fast wieder los. Manchmal beneide ich die rüstigen Rentner die hier in ihren komischen kurzen Hosen mit weißen Tennissocken in Sandalen etwas ungelenk herum laufen. Sie haben es wirklich gut, es ist fast immer angenehm warm. Das Meer reguliert die Temperaturen und die salzhaltige Luft ist wie Balsam für meine Bronchien.

Manchmal wenn ich hier bin muss ich an die Insel aus der Fernsehserie „Lost“ denken. Dort stürzt ein Flugzeug auf einer einsamen Insel ab die magische Kräfte hat. Kranke werden schnell wieder gesund, Lahme können wieder laufen. Ok, ganz so ist es nicht, aber es geht eindeutig in diese Richtung 🙂

Teneriffa 2012 – Tag 4

Faulenzen im Hotel

Nachdem die fotografische Ausbeute der kleinen Expedition ins Anaga-Gebirge wider Erwarten gar nicht so schlecht ausgefallen ist, beschließe ich nach dem Frühstück es heute ganz ruhig angehen zu lassen. In der Lobby klappt es mit dem WLAN recht gut. Also publiziere ich dort meinen BLOG-Artikel des Vortages. Danach werden noch ein paar E-Mails beantwortet und ein wenig die Kollegen via Facebook geärgert. Sie sitzen im kalten Deutschland in ihren Büros und müssen schlaue Sachen programmieren während ich hier in Afrika faulenzen kann 🙂 Ok ok, ganz ernst gemeint sind meine kleinen Sticheleien nicht, schließlich war ich das ganze Jahr über durchgehend im Büro und genieße nun abgesehen von den wenigen Tagen in der Schweiz die ersten Urlaubstage.

Während ich mich mit meinem Notebook beschäftige, fällt einem der anderen Gäste mein wahrscheinlich zufrieden grinsender Gesichtsausdruck auf. Er selbst ist alles andere als zufrieden denn auch er hat Probleme mit der WLAN-Verbindung. Wir kommen ins Gespräch und verabreden uns prompt zum gemeinsamen Abendessen auf der Finca San Juan am kommenden Samstag. Vorgestern haben wir dort mit Chefkoch Tomy klar gemacht, dass er für uns ein leckeres Gericht mit mehreren Gängen bereitet. Die Krönung soll ein Rehrücken sein, wenn er ihn irgendwo in guter Qualität kaufen kann. Falls nicht gibt es Wildschwein oder Hirsch, warten wir es mal ab…

Zur Auflockerung des Textes habe ich hier für Euch ein paar Archivbilder eingefügt 🙂 (Alle Bilder wie immer 1000 Pixel breit oder hoch, ggfs. in separatem TAB öffnen)

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Während wir quatschen und quatschen ist meine Freundin Sandra schon eine ganz Weile allein in der Stadt unterwegs. Sie ist zu Fuß den Berg hinabgelaufen und jetzt schon seit mehreren Stunden unterwegs. Irgendwie tut es mir leid, da sind wir zusammen im Urlaub und es geht dann doch jeder seine eigenen Wege. Also rufe ich sie mal an und siehe da, sie sitzt glücklich und zufrieden am Plaza de Charco. Eine halbe Stunde später hole ich sie unten am Playa Chardín ab. Gemeinsam geht es zum Restaurant „Bar La Terazza“ nahe der Siedlung „Romantica II“ in Los Realejos. Meine Lieblingsruine das „Casa de Dios“ oder auch „Hamilton Haus“ liegt etwas unterhalb und so können wir einen kleinen Nachmittagssnack mit einigen netten Video-Sequenzen kombinieren 🙂

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Am Restaurant angekommen ist es tatsächlich geöffnet, Ruhetag ist am Montag. Wir sind nicht schlecht erstaunt als wir feststellen, dass die Betreiber vor etwa 10 Wochen gewechselt haben. Die Lage ist gut und die Aussicht ein Traum, aber es ist eben „Los Realejos“. Wer kennt das schon und verirrt sich hier hin außer ein paar eingefleischten Teneriffa-Fans? Mir zeigt dies, dass es nicht so einfach ist hier zu leben und vor allem zu „überleben“. Wer eine dicke Rente hat und hierher vor dem fiesen deutschen Winter fliehen kann, für den ist das alles kein Problem. Aber die Menschen die ich in den vielen Jahren die ich nun immer wieder diese Insel besuche kennen lernen durfte haben es nicht leicht. Auf Teneriffa ist niemand der ruft „Hey die Deutschen sind da, endlich!!“ Das ruft wirklich niemand und wer drauf hofft hier ein leichtes tolles Leben zu führen und es mit ein paar Wandertagen mit rüstigen reichen Rentnern finanzieren zu können, der wird sehr schnell desillusioniert wieder abreisen. Auf Teneriffa zu leben und hier mit ehrlicher Arbeit sein Geld zu verdienen ist viel schwieriger als man sich das denkt. Lang ist die Liste der Deutschen die hier ihr Glück gesucht haben und letztlich gescheitert sind. Wer hier leben und arbeiten will der muss sich auf kleine Löhne, sparsame Rentner, eine hohe Arbeitslosigkeit und ein einfaches Leben ohne „Saus und Braus“ einstellen.

Wer hier glaubt mit einem kleinen Restaurant gut über die Runden zu kommen, der muss viel bieten. Neben gutem Essen und perfektem Service muss man sehr gut Spanisch sprechen, einen ausgeprägten Sinn für‘s Geschäft haben und sich mit den örtlichen Gegebenheiten arrangieren. Wer hier unauffällig ist kann hier gut Leben. Deutschen Zuwanderern die hier mit pfiffigen Ideen Geschäfte ankurbeln die bestehende einheimische Geschäfte alt aussehen lassen, werden früher oder später mit der Brandschutz-Versicherung klären müssen wie und warum das so gut laufende Geschäft nieder gebrannt ist. Keine Seltenheit und leider die traurige Wahrheit.

Nach unserer kleinen Video-Session am Casa de Dios geht es zurück zum Hotel. Während Sandra die müden Füße kühlt bin ich mit meiner Video-Kamera draußen auf dem Hügel vor dem Hotel. Der Sonnenuntergang bringt die Wolken zum Leuchten, dass es eine Freude ist. Leider sind wir im Norden der Insel und so bekommt man hier bei Zimmern mit Meerblick weder einen Sonnenaufgang noch einen Sonnenuntergang zu sehen. Was man sieht sie die „Ausläufer“ dieser kostenlosen alltäglichen Showveranstaltung. Meist muss man sich mit dem bunt gefärbten Wolkenhimmel zufrieden geben. Will man einen echt „geilen Sonnenuntergang“ fotografieren, so braucht man neben Glück auch einen geeigneten Standort. Den findet man bspw. in Mesa del Mar oder im Gebiet beim Punta de de Teno. Auch oben im Gebirge gibt es viele Stellen für einzigartige abendliche Fotos, sehr gut ist auch die Gegend rund um Teno Alto geeignet.

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Alle Frühaufsteher sind an der östlichen Küste gut bedient. Wer wie wir immer im grünen Norden der Insel wohnt muss noch früher aufstehen und beispielsweise hoch auf den Pico del Teide, zum kleinen Gala oder ins Anaga-Gebirge fahren. Meist ist man eine Stunde und länger unterwegs. So sollte man sich am Vortag alles anschauen und genau wohin es denn gehen soll.

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In den nächsten drei Tagen haben wir Neumond. Das heißt, dass der nächtliche Himmel sehr dunkel sein wird. Dies sind gute Bedingungen für Fotos der Milchstraße. Mein aktueller Plan ist, in den nächsten 2-3 Tagen zu nächtlicher Stunde hoch oben in 2.500 Metern Höhe mit meiner Nikon D7000 und dem 10,5mm Fisheye einige Zeitraffer-Aufnahmen zu fotografieren. Ich bin sehr gespannt darauf wie sich der Himmel zeigen wird und ob die Wettergötter Mitleid mit mir haben und alle Wolken nach Tunesien oder sonst wohin schieben werden. Aber warten wir es mal ab, Ihr bekommt es hier zu sehen 🙂

Hier noch ein kleiner Vorgeschmack mit Bildern die während der letzten Reisen hoch oben im Gebirge entstanden sind.

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Teneriffa 2012 – Tag 3

Expedition ins Anagagebirge

Es ist der dritte Tag auf „meiner Insel“ und heute will ich endlich mal etwas fotografieren. Nach dem Frühstück geht es mit unserem Mietwagen in Richtung Norden. Mein Ziel ist das Anagagebirge. Teneriffa besteht aus drei Vulkanen die im Laufe der Jahrtausende zusammen gewachsen sind: Anaga, Teno und Teide

Der Anaga ist der älteste dieser drei Vulkane und wie beim Teno, der der zweitälteste Vulkan ist, sieht man keinen Krater mehr. Nach vielen tausend Jahren hat der Anaga eine wundersame Bergwelt hinterlassen die recht einzigartig ist. An den schroffen Felsabhängen wächst der Nebelwald. Das klingt nach Elfen und Herr der Ringe ist aber ein treffender Name, denn hier gibt es komischer Weise ziemlich oft ziemlich viel ziemlich dichten Nebel. Dieser Nebel war bereits in den 70er Jahren die Ursache der größten Flugzeugkatastrophe aller Zeiten und er treibt sein Unwesen auf dieser Insel bis heute. Die Pflanzen des Nebelwaldes beziehen den Großteil der benötigten Wassermenge aus den durchziehenden Nebelschwaden. Vieles was hier wächst kennt man von daheim nicht, man nennt das auch „endemisch“. Nie zuvor habe ich auch derart riesige Löwenzahn-Pflanzen gesehen wie hier. Daheim in meinem kleinen Mainzer Garten sind die Blätter des ungeliebten Löwenzahns etwa 10 bis 20 Zentimeter lang. Im Anaga-Gebirge können diese Blätter schon mal einen Meter und länger sein.

Von Puerto de La Cruz aus erreicht man das Anaga-Gebirge indem man die Autobahn in Richtung Santa Cruz nimmt. Auf der Höhe der Stadt La Laguna biegt man nicht nach rechts zum Flughafen ab, sondern nimmt im Kreisverkehr unterhalb der Autobahn die Straße nach Norden, Las Mercedes ist das Zauberwort!

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Nach einigen kurzen Fotostopps lande ich schließlich wieder einmal am überragend schönen Aussichtspunkt Pico del Ingles. Hier habe ich im Jahr 2005 schon einmal eine wirklich kalte aber dafür sternenklare Nacht verbracht. Damals habe ich immer mal wieder gedacht „Was wenn jetzt eine Truppe betrunkener gewaltbereiter Kids hier auftaucht und mich so richtig in die Mangel nimmt?“ Die Kids kamen nicht, vielleicht gibt es sie auch gar nicht und wenn, dann treiben sie ihr Unwesen sicher eher in der Inselhauptstadt Santa Cruz. Hier erreicht seit der Finanzkrise die Jugendarbeitslosigkeit ein Rekordhoch nach dem anderen. Als ich heute am Pico del Ingels eintreffe steht dort ein Polizeiauto und zwei Polizisten überwachen das Kommen und Gehen. Als ich meine GoPro von der Windschutzscheibe montiere entlockt ihnen das ein müdes Lächeln. „Schon wieder so ein Vollhorn!“ scheinen sie auf Spanisch zu denken. Mir soll es egal sein, ich habe ein paar schöne „Fahrsequenzen“ aufgenommen.

(Hinweis: Alle Bilder sind 1000 Pixel breit oder hoch. Ggfs. einfach in neuen Tab öffnen)

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Meine D800E kostet zusammen mit dem AF-S 2.8/24-70mm runde 5.000 Euro. Sie liegt auf dem Beifahrersitz und ich lasse sie einfach mal dort liegen. Sie wird ja kompetent bewacht. Andernfalls hätte ich sie mir um den Hals gehängt oder sie gut geschützt vor neugierigen Blicken im Kofferraum verstaut. Das Licht ist relativ fies und der Nebelwald macht heute seinem Namen mal wieder alle Ehre. Also filme ich nur ein wenig mit meiner kleinen Panasonic HC-X909 und mache mich aus dem Staub als wenig später ungelogen DREI Busse voller Touristen eintreffen…

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Während die Touristen den Abzweig nach Taganana nehmen werden, um sich dort mit leckerem Fisch abfüttern zu lassen, führt mich mein Weg vorbei an der überaus einsam gelegenen Jugendherberge immer weiter in Richtung Norden. Schließlich habe ich den Parkplatz erreicht an dem ich meine kleine Wanderung hinauf zu einem famosen Aussichtspunkt mitten im Nebelwald starten will. Der Weg dort hinauf ist nach den intensiven Regenfällen der vergangenen beiden Wochen nass und glitschig. Meine neuen Joggingschuhe finden hier keinen rechten Halt und ich muss immer wieder aufpassen, dass es mit nicht von den Füßen reißt. Mit dem langen BENRO Stativ an meinem Rucksack und dem großen Kugelkopf obendrauf bleibe ich an engen Passagen, an denen man unter einigen umgeknickten Bäumen hindurch muss, immer wieder hängen. Es ist ein komisches Gefühl wenn man sich allein im Nebelwald glaubt und plötzlich ein toter Baum rücklings nach einem greift und versucht sich den schweren Fotorucksack unter den Nagel (oder die Rinde?) zu reißen. Zwischendurch stelle ich immer mal wieder die Panasonic Kamera auf das kleine Manfrotto Carbonstativ und filme mich selbst wie ich durch den Nebelwald stapfe. Einen Kameramann oder eine Kamerafrau habe ich ja leider nicht dabei, alles was ich filme muss ich ganz allein filmen. Ob sich draus später daheim in Deutschland ein netter Film schneiden lässt, das bleibt noch abzuwarten.

Da ich weder Drehbuch, noch Beleuchter, Tontechniker, Scriptgirl oder etwas anderes habe, halte ich es einfach mit Brad Ratner. Kennt diesen Regisseur überhaupt jemand? Der gute Brad hat schon als kleiner Junge witzige Trickfilme erstellt bei denen er die Stop-Motion-Technik verwendet hat, also die gute alte deutsche „Einzelbildschaltung“. Als Kind nannte er seine Filmfirma „Rat-Productions“ und in seinem „Logo“ hat er damals immer mal wieder eine Ratte integriert. Warum erzähle ich Euch das eigentlich? Ach ja, ich halte es bei meiner Filmerei so wie er. Brad Ratner hat mal in einem Interview gesagt, dass es ihm am Set oft schwer fällt zu entscheiden welcher Take brauchbar ist und welcher nicht. In seinen Filmen lässt der seine Schauspieler daher viele Szenen wieder und wieder durchspielen. Erst viel später im Schneideraum wird dann entschieden welche Szene verwendet wird und welche nicht. So ähnlich mache ich es hier auch. Ich nehme einfach alles auf was mir vor die Kameralinse kommt. Alles in der Hoffnung, später Material für einen Film zu haben der zu visualisieren vermag was mir im Kopf herum geht und der dennoch jugendfrei ist 🙂

Doch zurück zu meiner Wanderung. Der Aussichtspunkt ist leicht zu finden, vor allem wenn man ein GPS dabei hat und dort der entsprechende Wegpunkt bereits aus dem Vorjahr markiert ist! Als ich dort oben eintreffe bin ich zunächst vollkommen allein. Aber dann gesellt sich ein nettes deutsches Pärchen hinzu. Er kommt aus Hamm und sie ist in Selm aufgewachsen. Auch wenn mein Freund Fabian nicht zugegen ist, ich beantworte die Frage woher ich denn komme wieder einmal mit meinem Standardsatz: „Ich komme aus den Tropen!“ Rainer würde sich leicht angewidert abwenden, die es noch nicht kennen fragen auch heute wieder ungläubig „Aus den Tropen?“ „Ja klar, aus den Tropen: BotTROP, WalTROP, CastTOP, HönTROP…“ – „Da bin ich bei wech!“ …würde einer der „normalen“ Menschen entgegnen der zwischen Rhein und Ruhr aufgewachsen ist. Wir plauschen nett und schließlich kommt was kommen muss, das Erinnerungsfoto! Ich fotografiere die Zwei gleich aus mehreren Perspektiven, mal im Hoch- mal im Querformat – besser ist das – Brad Ratner hätte es auch so gemacht!

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Als die zwei den Heimweg antreten bin ich noch zwei Stunden vom Sonnenuntergang entfernt. Laut GPS soll er um 18:06 stattfinden, wie vertreibe ich mir nur die lange Zeit? Auf der Spitze des Berges haben fleißige Arbeiter schon vor vielen Jahren eine etwa einen Meter hohe und ca. 30 cm dicke Säule betoniert. Ganz oben sind drei kleine runde Platten eingelassen. Jede Platte hat eine V-förmige Kerbe, alle drei weisen auf den Mittelpunkt Säule. Mich beschleicht der Verdacht, dass hier gelegentlich der eine oder andere Vermessungstechniker hinauf marschiert. Beim Film 2012 von Roland Emmerich haben wir ja gelernt, dass ich im Falle der schockartigen Erwärmung des Erdkernes die Kontinente ziemlich rasch verschieben können. Ob dies ein Beobachtungsposten für den Kontinentaldrift sein könnte? Egal, der Film ist ziemlicher Blödsinn und die Erde wird sich auch durch fiese Mikrowellenstrahlung der Sonne nicht in den nächsten Jahren schlagartig erwärmen. Aber der Nebel der ist real und der verhindert die Sicht in die Ferne. Immer wieder reißt der Nebel kurz auf und so kann ich schnell das eine oder andere Infrarot-Foto und mehrere HDR-Bilder schießen. Aber es ist alles weit weg von dem was ich mir gewünscht habe. Kurz vor Sonnenuntergang zieht dann der „Nebel des Grauens“ auf. Eine echt miese trübe Suppe ist das. Die Sonne ist zwischenzeitlich gar nicht mehr zu sehen und das satte 950 Meter über dem Meer! Und mit dem feuchten Nebel kommt dann auch die Kälte, ich habe nur ein dünnes Hemd mit kurzen Ärmeln dabei. Die warme Jacke liegt unten im Auto. Hier ist nichts mehr zu holen und so mache ich mich an den Abstieg. Nach wenigen Metern stoße ich fast mit einem anderen Wanderer zusammen. Er filmt seinen Aufstieg, ich meinen Abstieg, wir müssen kichern. Und stolpern auf dem engen Weg fast über unsere eigenen Füße. Im Wald ist es jetzt düster und feucht. Der Weg ist noch rutschiger als beim Aufstieg. Ich habe die Panasonic an meinem kleinen Stativ befestigt und sie um 90° nach oben gedreht. Nun kann ich das Stativ an einem ausgeklappten Bein halten und die Kamera schwebt in Kniehöhe über dem Waldboden. Vielleicht sieht das später cool aus, vielleicht hätte Brad Junior das auch so gemacht?

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Wieder greifen die Bäume nach meinem großen Stativ und es fällt schwer nicht bei jedem zweiten Schritt auf den Hintern zu fallen. Bis es dann doch passiert. Ohne eine Vorwarnung rutschen die Sohlen der neuen Sportschuhe über den matschigen abschüssigen Waldboden. Hintern und Fotorucksack haben zeitgleichen Bodenkontakt, der Kugelkopf schlägt mir gegen den Hinterkopf und die Finger der rechten Hand werden fies im Stativ eingeklemmt. Alles keine gute Idee, vielleicht hätte ich das Stativ als Ersatz für einen Wanderstab nutzen sollen? Ich rapple mich leicht stöhnend wieder hoch und bin jetzt etwas vorsichtiger.

Als ich am Auto eintreffe bin ich froh, dass noch alles Scheiben heil sind. Diese einsam geparkten „gut versicherten Touristenautos“ werden gern mal ausgeräumt, auch auf Teneriffa. Während ich meine Sachen im Auto verstaue muss ich an meine kleine Rutschpartie denken. Und es kommt mir in den Sinn vielleicht ein wunderbares Video mit dem Titel „Epic Fail im Nebelwald“ bei YouTube hochzuladen. Man darf sich nicht zu ernst nehmen…

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Der Heimweg dauert länger als befürchtet. Kurve reiht sich an Kurve, schier endlos lang. Als ich am Mirador de las Mercedes eintreffe ist die Sonne weg und die Insel hat sich unter einer dichten Wolkendecke versteckt. Die Entscheidung den Heimweg anzutreten war korrekt. Dort oben wäre nichts mehr zu holen gewesen und ohne Taschenlampe den rutschigen Weg hinab zu laufen, hätte sich nur in  begrenzten Maße als erquicklich erwiesen.

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Im Hotel angekommen sitzt Sandra eingewickelt in eine dicke Decke auf dem Sofa und schaut bei SAT1 die Serie K11 oder etwas ähnliches. Ich kann das alles nicht auseinander halten. Abendessen gibt es für mich nicht mehr, es stehen noch ein paar Kekse auf dem Tisch. So gegen 22h liege ich im Bett und lasse den Tag noch einmal Revue passieren. Diese Insel ist schon cool. Auch wenn sie an vielen Stellen dicht besiedelt ist, es gibt auch hier die einsamen schönen Ecken. Zwischen all den Hotels und Supermärkten findet man immer wieder einsame herrlich ruhige Orte. Man darf nur eines nicht tun, man darf sich nicht mit einem Bus von einem „Highlight“ zum Nächsten kutschieren lassen. Kurz raus, das knipsen was alle knipsen, rein in den Bus und weiter. Das macht keinen Spaß und es fällt mir immer wieder schwer zu verstehen warum so viele Leute diese Touren buchen. Entweder sind sie zu knauserig für einen Mietwagen, nicht gut zu Fuß oder sie sind einfach nur zu bequem um sich eines Reiseführers, einer Karte, Google-Earth oder einer der vielen anderen Medien zu bedienen die helfen eine unbekannte Insel auf eigene Faust zu erforschen. Ob diese Touristen eigentlich wissen was sie verpassen?