Happy Weekend

 

Es ist der letzte Arbeitstag dieser Woche. Aufstehen, duschen, anziehen, frühstücken und auf ins Büro. Ein Tag wie jeder Andere. Am späten Nachmittag geht es mit dem Motorrad zurück in mein Appartement. Ich muss an das gemeinsame Abendessen vom Dienstag denken. Am 18. Juli werde ich die buchhalterisch gesehen 1111-te Übernachtung in Mainz haben. Einige der Kollegen haben auch ein Jubiläum und so waren wir alle am Dienstag im Rheingau bei Eltville zum Essen eingeladen. Hier habe ich die Homepage des überragend guten Gutsausschanks Baiken verknüpft. Ein wirklicher Geheimtipp!!

Im Appartement heißt es dann die schmutzige Wäsche zusammen zu packen, kurz die Zähne zu putzen und dann in die Motoradkleidung zu steigen. Als ich „richtig“ startklar bin, sind es 28°C und es geht leichter Nieselregen – was für ein Wetter. Auf dem Handy habe ich einen Stau-Melder. Dieses nützliche kleine Programm hat mir verraten, dass die A61 in beiden Richtungen gesperrt ist und dass auf er A60 auch 10 Kilometer Stau sind. Also geht es durch die Mainzer Innenstadt, über den Rhein und dann in Richtung Autobahn. Als die Autobahn in Sichtweite ist sehe ich in Richtung Norden einen krassen Stau, wie fies ist das denn? Also fahre ich in der anderen Richtung auf, jetzt bloß nicht wieder eine Stunde im Stau herumstehen, ich gehe fast ein vor Hitze. Während ich langsam zwischen den LKW in Richtung Frankfurt fahre, programmiere ich das TomTom Urban Rider um. Es lässt sich auch während der Fahrt ganz gut mit Handschuhen bedienen. Kurze Zeit später bin ich dann auf der A3. Hier ist es ziemlich voll, aber der Verkehr fließt wenigstens.

Irgendwo hinter der Black&Decker-Stadt Idstein ist dann etwas mehr Platz. Am Vorabend habe ich mir bei Polo in Mainz einen neuen Gehörschutz gekauft. Die kleinen Silikonstöpsel habe ich in den Ohren. Sie dämpfen die Fahrtgeräusche recht gut, aber jenseits der 100 km/h ist es mir trotzdem noch viel zu laut. An einer Raststätte halte ich kurz an und tausche die neuen Stöpsel gegen das gute alte Ohropax. Während ich an den Ohren herumfuchtele spricht mich ein älterer Herr an und möchte wissen, wie viel PS mein Motorrad hat. „Wow, 163 PS, das ist aber viel. Ich hatte früher mal eine Horex, die hatte so ungefähr 30 PS, das war damals die schwerste Maschine im Dorf und ich weiß noch wie ich die Mädchen damit beeindrucken konnte!“ Er grinst 🙂 „Wie schnell fährt denn solch ein Motorrad?“ „Tja, das kann ich ihnen gar nicht sagen, ich habe sie noch nie ausgefahren. Immer wenn ich mal kurz vor der Höchstgeschwindigkeit war ist irgendein Auto das viel langsamer war vor mir auf die Überholspur gewechselt. Aber ich denke sie schafft so etwa 260 km/h.“ Der ältere Herr ist beeindruckt und geht seinen Diesel bezahlen.

Ich stülpe meinen Schuberth S1 pro über und fahre wieder los. Das Visier ist nach dem ganzen hin und her endlich so dicht wie es früher einmal war. Einen neuen Helm brauche ich eigentlich nicht – super! Nach ein paar Kilometern kommt eine kurze Strecke ohne Geschwindigkeitsbeschränkung, hier könnte ich mal versuchen den Top-Speed zu erreichen. Ich schalte also die kleine GoPro Kamera ein, richte sie aus und schaue mal was geht. Immer wenn ich bei 240 km/h bin zieht irgend eine olle Gurke mit 120 km/h auf die linke Spur. Also vom Gas gehen, abwarten und den nächsten Versuch starten. So geht das eine Weile. Trotz der völlig zugestopften Ohren höre ich das Gekreische des Vierzylinders der mit 9.000 U/min und mehr zwischen meinen Beinen werkelt. Ich muss mich ganz klein machen, sonst ist der Windruck unerträglich. Direkt vor mir die Gopro-Kamera und das TomTom. Wegen der schwül warmen Luft habe ich vor der Abfahrt alle Lüftungsschlitze von Jacke und Hose geöffnet. Nun flattert die Jacke wie verrückt. Ziemlich affig muss das aussehen wie ich da so mit über 200 über die A3 schieße. Aber es macht Spaß, allerdings wäre es für mich ohne Gehörschutz nicht denkbar.

Schuberth macht Werbung damit, dass mein Helm bei 100 km/h „nur leise“ 85 dB(A) erzeugen soll. Wenn man sich mal ein wenig damit beschäftigt was das bedeutet findet man schnell heraus, dass ab 85 dB(A) in einem gewerblichen Umfeld ein Gehörschutz zwingend vorgeschrieben ist! Und diese 85 dB(A) haben wir bei nur 100 km/h!! Wie sieht es bei 240 km/h aus? Gefühlt würde ich sagen, dass das so laut ist wie die Turbine einer 747 kurz vor dem Start in 50 Metern Entfernung. Keine Ahnung wie andere „Helden der Landstraße“ das ohne Gehörschutz aushalten. Aber egal, ich bin eben ein Weichei und meine Ohren sind von der jahrelangen Heizerei ohnehin schon krass geschädigt.

Wegen der vielen Schnarch-Nasen schaffe ich es wieder nicht den Top-Speed zu erkunden. Dann haben wir auch schon wieder ein Tempolimit auf 120 km/h, eine Baustelle, 130 km/h, Limbug, 100 km/h… Wenn das die Amerikaner wüssten! Viele denken, dass wir hier in Deutschland immer und überall so schnell fahren können wie wir das möchten. Aber das ist ein Irrtum! Manchmal denke ich, dass ich trotz der strengen Speed-Limits in den USA dort eine wesentlich höhere Durchschnittsgeschwindigkeit fahren kann als hier im total überfüllten Deutschland. In den USA gibt es einfach so unvergleichlich viel mehr „Platz“. Das ist wohl das was mich dort am meisten beeindruckt.

Aber egal, bei Siegburg verlasse ich die A3 und fahre quer durch das Siebengebirge nach Hause. Dort angekommen bin ich ziemlich erledigt und freue mich auf eine laaaaaaaaaange Zeit unter der Dusche 🙂

Das Wochenende kann beginnen!!

Bonn nach Mainz im Zeitraffer

 

Es ist 17h am Donnerstag und ich kann schon ins Wochenende starten. Zuerst geht es vom Büro zum Appartement, umziehen, die sieben Sachen zusammenpacken und dann rauf aufs Motorrad. Über die Route habe ich mir keine großartigen Gedanken gemacht, ich will erst einmal raus aus Mainz und dann vielleicht mal Rhein entlang, aber mal sehen.

Die ersten paar hundert Meter ist noch alles gut. Es ist etwa 17:30 und es sind angenehme 25 °C, vor mir liegen ca. 150 Kilometer Fahrspaß – denke ich – doch es soll noch ganz anders kommen…

Kaum auf der Autobahn ist da ein riesiger Stau weil kurz vor dem Mainzer Tunnel ein Auto liegen geblieben ist. Als das durchgestanden ist will ich weiter bis Bingen auf der Autobahn fahren. Doch dann wieder ein Stau, nicht ganz so groß, aber auch nervig. Ich entschließe mich die Autobahn zu verlassen, doch diese Ausfahrt ist gesperrt. „Meine“ Fahrbahn wird gerade neu asphaltiert. Es zwängen sich vier enge Fahrspuren auf endlosen Kilometern über die gegenüberliegende Seite der Autobahn. Die Zeit vergeht im Zeitraffer. Neben mir stehen dicke LKW und pusten mir den Ruß auf das Visier. Nach einer halben Stunde kann ich die Kupplung kaum noch ziehen, ich stehe jetzt insgesamt schon fast eine Stunde im Stau herum. Dann die Erlösung, es ist ein Auto liegen geblieben, ein Polizist steht daneben und winkt damit die Gaffer weiterfahren und den Stau nicht noch länger machen.

Endlich bin ich an einer Ausfahrt, es ist schon kurz vor Bingen. Also runter von der Autobahn, wer weiß was mich noch erwarten würde. Es geht über die B9 in Richtung Rhein. Bei Bingen muss ich anhalten. Der Gehörschutz, den ich mir kurz vor der Abfahrt noch schnell bei LOUIS für 5,95 Euro gekauft habe, ist schon wieder heraus gerutscht. Diese kleinen Silikon-Dinger sind ja nett, aber erst bekommt man sie in die Ohren nicht hinein und dann fallen sie von allein wieder heraus. Kann das im Sinne des Erfinders sein? Ich muss mal bei Hein Gericke schauen, ob die nicht etwas haben was in meinen Ohren besser funktioniert.

Nachdem die guten alten Ohropax in die Ohren gestopft sind geht es wieder weiter. Als ich um kurz vor 21h daheim ankomme bin ich fix und fertig. Fast vier Stunden hat die Fahrt ins Wochenende gedauert. Kurz lüften, etwa trinken und dann auf dem MacBook mal schauen wie die Video Sequenzen mit der neuen GoPro geworden sind.

Die Verarbeitung dauert ewig lang. Während dessen spiele ich mal ein wenig mit Photo-Booth herum. Das Ergebnis lade einfach mal so wie es ist bei YouTube hoch und verlinke es in einem kurzen Artikel. Als ich das Video dann anschaue sind Bild und Ton in keiner Weise synchron – was ist denn da schon wieder schief gelaufen?

Also alles löschen und ab ins Bett – meine Abonnenten werden sich fragen was das denn wohl ist – aber heute werden sie ja aufgeklärt 🙂

Am nächsten Tag steht eine Motorradtour mit meinem Sohn auf dem Programm, um 14h soll es losgehen. Es ist also noch etwas Zeit um das Video zu schneiden und in den Wartezeiten mal den Staubsauger zu benutzen. Während die Reinigung der Wohnung schnell gute Formen annimmt, geht es mit dem Video nur schleppend voran. Die Datenmengen sind gewaltig. Der Film ist relativ schnell geschnitten, aber der Export ist langwierig. Das kleine MacBook arbeitet zwei Stunden vor sich hin um dann irgendwie abzubrechen, es ist kein Video auf der Festplatte. Ich starte neue und versuche allerhand, bis es schließlich klappt. Das Video hat in guter Qualität bei einer Auflösung von 720p satte 4,43GB !!!

Also eine zweite Version erstellen, doch es ist schon 13h und ich muss langsam los um meinen Sohn abzuholen. Das Video muss also noch warten.

Als ich spät am Abend wieder daheim bin, geht es weiter. In iMovie wähle ich „Exportieren mit Quicktime“ und schraube so lange an den Einstellungen bis letztlich eine etwa 0,45GB große Datei entsteht. 10% der Originalgröße – das ist doch was – aber man sieht auch den Unterschied! Leider kann ich alles andere in diesem Leben wohl nicht mehr bei YouTube abladen 🙂 Also hoch damit.

Am nächsten Morgen ist es dann endlich geschafft – mein neues Video ist online 🙂

Vatertag

Es ist Mittwoch der 2. Juni 2011 und es ist mal wieder „Vatertag“. Eigentlich ist ja „Christi Himmelfahrt“ – aber wenn es einen „Muttertag“ gibt, sollte es vielleicht auch einen „Vatertag“ geben, oder? Keine Ahnung wer sich das ausgedacht hat, aber an diesem Tag ziehen allerorts betrunkene Männer durch die Gegend. Teilweise sitzen sie in kleinen Planwagen die von einem Trecker gezogen werden und trinken warmes Bier in großen Mengen. Das ist nichts für uns!

Am Vortag haben wir uns noch schnell für 11h mit meinem Freund Anas verabredet. Anas wohnt bei Frankfurt und arbeitet in Bonn. Ich wohne eigentlich in Bonn und arbeite bei Frankfurt – verkehrte Welt… An meinen Motorrädern kleben die Leichen tausender kleiner Fluginsekten. Da wir viel früher wach geworden sind als gedacht, nehme ich mir einen Eimer und einen Schwamm aus der Abstellkammer und fülle ihn mit heißem Wasser. Ich könnte die Mopeds ja mal wieder ein wenig säubern bevor es wieder los geht. Sandra ist gerade im Bad, dort wären die Putzmittel. Hm, ich erinnere mich an eine Folge von Galileo bei der verschiedene Strategien für eine Autowäsche vorgestellt wurden. Jemand hat dort versucht mit Cola die toten Fliegen von seinem Auto zu waschen. Das scheint sogar gut zu funktionieren, allerdings ist das Auto danach klebrig wie Gaffa Tape. In der Küche finde ich eine Flasche Essig-Essenz und Spülmittel. Das sollte auch gehen. Bei Galileo hieß es, dass Essig die kleinen Fliegenleichen gut ablösen kann. Ich starte meinen eigenen Versuch.

Eine halbe Stunde später stehen beide Motorräder relativ sauber in der Sonne und wir warten auf Kumpel Anas. Die Mischung funktioniert recht gut. Anas kommt auf die Sekunde genau mit seiner CBR-1100 um die Ecke gebogen. Er wäre schon früher angekommen, aber es ist mal wieder einer der vielen Bahnübergänge gesperrt. Na, so lernt man seine neue Heimat kennen 🙂

Wir sprechen uns kurz ab und starten dann in Richtung Café Fahrtwind. Sandra und mir knurrt der Magen, wir freuen uns auf ein entspanntes Frühstück in der Mittagssonne. Bei der Ausfahrt Meckenheim ist dann wieder ein Stau auf der Autobahn, ja hört das denn niemals auf? Alle die gestern nach Bonn gefahren sind wollen heute scheinbar in die Eifel. Das sieht nicht spaßig aus und wir fahren gleich wieder ab in Richtung Meckenheim. Mein TomTom berechnet die Route neu und will links abbiegen, warum nicht? Letztlich führt es uns einmal im Kreis und will dann zurück zur Autobahn. Als ich endlich erkenne was das kleine Ding zu denken scheint – können Navis denken? – halte ich kurz an und ändere die Routenführung auf „Autobahn vermeiden“. Es geht weiter, das TomTom möchte jetzt über Adenau fahren, warum nicht? Doch dann ist schon wieder alles vorbei, wir stehen vor dem nächsten Stauende. Scheinbar haben sie es alle so gemacht wie ich „Stau umfahren auf den nächsten 10 Kilometern“ – na prima…

Wir stimmen uns kurz ab und schon ist die Planung mit dem Frühstück im Café Fahrtwind Geschichte. Es geht nach Rheinbach. Dort im Brauhaus kann man schön draußen sitzen und es sich gut gehen lassen. Gegen 12h30 geht es dann weiter in Richtung Gerolstein. Dort war ich schon lange nicht mehr, es ist nicht das primäre Touristenziel und der Weg dorthin ist sehr schön. Wir nutzen die Routenführungsoption „Kurvenreiche Strecke“ und das TomTom findet lauter schöne Straßen. Es geht auf verschlungenen Pfaden durch verwunschene Wälder. Zwischendurch immer mal ein Stück Bundesstraße und dann biegen wir wieder ab auf den nächsten „Trampelpfad“. Viele Strecken kenne ich noch von meinen ersten „Expeditionen“ als ich 1993 nach meinem Umzug in Richtung Bonn begonnen habe meine neue Heimat zu erforschen.

In Gerolstein finden wir dann eine tolle Eisdiele. Es ist schon Nachmittag und der Hintern tut schon ziemlich weh. Nach dem Eis wollen wir die Mopeds auftanken und weiter in Richtung Oberwesel fahren. Dort sollen sich unsere Weg trennen. Anas will heim in Richtung Frankfurt und wir wollen nach Norden in Richtung Bonn. Sandra wünscht sich eine Fahrt ohne ständige Spitzkehren, einfach auf der Bundesstraße dahingleiten. Kein Problem, das TomTom kann das – IQ-Routes heißt das. Aber zuerst wollen wir tanken. Bei der Tankstelle tauschen Anas und ich dann mal die Mopeds. Nun fahre ich mal Honda CBR-1100 – eine „Double X“. Es ist ein krasses Teil, der Motor leistet etwa 150 PS. Das Ding ist schwer wie die Hölle und liegt auf der Straße wie ein Brett. Tief gedruckt hänge ich am M-Lenker. Diese Sitzposition ist wirklich sportlich – nichts für mich – immer wieder ertappe ich mich dabei wie ich mich am schmalen Lenker abstütze. Dieses Bike dirigiert man eher durch Gewichtsverlagerung als mit dem Lenker. Der Motor ist bärenstark, hat richtig Bums und läuft auch im Teillastbetrieb sehr ruhig. Mit 50 Km/h im 4. Gang durch eine Ortschaft zu trödeln ist gar kein Problem. Da sind meine BMWs irgendwie nervöser.

Bei Cochem erreichen wir die Mosel und stehen eine halbe Ewigkeit an einer Baustellenampel. Als es endlich grün wird, eröffnet sich uns das gesamte Ausmaß dieser Baustelle. Ganz Cochem ist eine Baustelle und auf der Hauptstraße unten an der Mosel staut sich der Verkehr über viele Kilometer. Es ist inzwischen wirklich warm und ich bin froh, dass wir am Stau vorbeifahren können. Es geht weiter entlang der Mosel. Bei Treis-Karden kreuzen wir die Mosel und schon wieder geht es in Serpentinen die Berge hinauf. Oben angekommen gibt es eine kleine Kappelle mitten in den Feldern. Hier habe ich schon oft Mopedfahrer bei einer kleinen Pause gesehen. Warum sollten wir hier nicht auch mal rasten?

Als die Motorräder abgestellt sind, stelle ich fest, dass Sandra nicht wirklich fröhlich ist. Sie hat ihre Belastungsgrenze erreicht und will eigentlich nur noch nach Hause. Sie schimpft herum und fragt mich, ob ich meinen männlichen Ego-Trip endlich beenden kann. Ich bin gelinde gesagt ‚überrascht‘. Wir ruhen uns also ein wenig aus und diskutieren das Für und Wieder der vollkommen unterschiedlichen Motorradkonzepte. Als es wieder losgeht fühlt sich meine BMW irgendwie anders an, irgendwie noch besser als früher. Ich sitze ganz entspannt und das Ding fährt sich im Gegensatz zur CBR-1100 fast wie ein Fahrrad. Es ist eher ein „Opa-Motorrad“ – genau richtig für mich 🙂

Kurz vor Oberwesel haben wir einen fantastischen Blick hinab ins Rheintal. Hier würde ich gern anhalten und ein paar schöne Fotos machen, aber wir haben keine Kamera dabei. An einer kleinen Anhöhe sieht es so aus als wäre dort ein kleiner Aussichtsplatz, also Blinken und raus. Aber es ist nur der Anfang eines staubigen Feldweges. Unter den verwunderten Blicken meiner „Beifahrer“ fahre ich wieder weiter. In Oberwesel finden wir bei einem Italiener ein schönes schattiges Plätzchen. Es gibt ein Steak mit Fritten und Salat – lecker!

Inzwischen ist es Abend geworden und wir verabschieden uns um etwa 19h30. Zwei Stunden ist es noch hell und vor uns liegen noch etwa 100 Kilometer bis nach Bonn. Sandra fährt ein Stück vor mir her. So kann ich die Landschaft genießen, habe sie im Blick und muss mir keine Sorgen machen. Fährt sie hinter mir, so muss ich ständig in den Spiegel schauen um zu checken ob alles ok ist. Sie versteht das nicht wirklich, sie fährt eigentlich am Liebsten am Ende der „Karawane“. Doch das hat Anas den ganzen Tag über schon gemacht. „Warum muss ich jetzt schon wieder vorfahren“ scheint sie zu denken. Irgendwie ist das alles nicht so einfach. Fahre ich vor, bekomme ich beim nächsten Stopp zu hören, dass ich wieder mal zu schnell gefahren bin oder zu wenig Pausen gemacht habe. Selbst vorfahren will sie aber nicht, weil sie sich dann bedrängt fühlt und den Weg nicht kennt. Wie löst man diesen Konflikt??

Ab Koblenz fahre ich vor, ganz langsam. Die Sonne steht tief und blendet, es ist nicht wirklich angenehm. Ich fahre nicht schneller als 80 und schaue permanent in den Rückspiegel. Als wir daheim von den Motorrädern steigen ist Sandra kurz vor dem Umfallen, sie kann nicht mehr und ist völlig am Ende. Später gibt es die 8. Staffel von 24. – Jack Bauer muss wieder ordentlich was einstecken und die ganze Welt vor den bösen Buben retten. Wir schauen uns drei Folgen an und schlafen dann wie die Murmeltiere.

Mitten im Schlaf knackt dann etwas in meinem Mund. Ich werde wach und spüre etwas scharfkantiges auf der Zunge. Ohje, was ist das denn? Schlaftrunken taumle ich ins Bad. Vor dem Spiegel wird mir klar was geschehen ist. Ich habe scheinbar so krass mir den Zähnen geknirscht, dass der linke Schneidezahn zerbrochen ist. Nicht schon wieder! Hört das denn nie auf? Gerade habe ich eine erfolglose Kieferoperation hinter mir. Danach wurde der gebrochene Eckzahn gezogen und ich versuche mich jetzt an die Delle im Kiefer und die neue Brücke zu gewöhnen. Nun bricht der andere Schneidezahn auseinander. Das darf alles nicht wahr sein. Das abgebrochene Stück bleibt im Bad vor dem Spiegel und ich gehe frustriert zurück ins Bett.

Am nächsten Morgen bin ich früh wach. Die Sonne scheint und der Zahn ist krass scharfkantig. Es ist als hätte ich einen spitzen Säbel dort wo ein Zahn sein sollte. Um 8h rufe ich beim Zahnarzt an, aber es ist nur der Anrufbeantworter erreichbar. Um 9h10 versuche ich es erneut. Es klingelt, dann ist die Leitung unterbrochen. Ich rufe erneut an und habe wieder nur den Anrufbeantworter in der Leitung. Alle weiteren Versuche schlagen fehl. Ich werde es also am Montag versuchen müssen oder eine Woche lang mit einem zerborstenen Zahn herumlaufen müssen. Mein Leben als „Externer“ ist manchmal nicht so einfach. Meist bin ich dort wo genau das nicht ist was ich gerade brauche. Sei es eine Werkstatt, ein Zahnarzt oder sonst etwas.

Nun aber ab unter die Dusche und dann wird hier ein wenig aufgeräumt…

Feierabendtour





Am Wochenende gibt es in meiner Heimatstadt die Erstkommunion meiner kleinen Nichte. Dementsprechend fallen die kulinarischen Köstlichkeiten recht überschwänglich aus. Gegen 17h geht es mit Sandra und meinem Sohn wieder los. Erst bringen wir Sandra nach Hause, dann wird mein Sohn bei der Mama abgesetzt, anschließend geht es zu mir nach Haus. Dort werden schnell ein paar Anziehsachen zusammen gepackt und um 20h30 bin ich dann unterwegs auf der blauen BMW in Richtung Süden. Es geht nach Mainz. Noch 50 Minuten, dann wird es dunkel, vor mir liegen etwa 150 Kilometer. Der Bordcomputer zeigt eine „Restlaufzeit“ von 289 Kilometern an, das sollte reichen. Dort wo es geht gebe ich auf der Autobahn kräftig Gas. Die Nadel tanzt zwischen 180 und 230 Km/h. Ohne Gehörschutz wäre da nichts zu machen! Nach etwa 70 Kilometern sind von den ursprünglich errechneten 289 Kilometern nur noch etwa 70 Kilometer übrig, das könnte wirklich eng werden. Fährt man nicht im „Schleichgang“ durch die Gegend, so steigt der Spritverbrauch von ca. 5 Liter auf knapp 9 Liter/100 Km!! Also muss ich doch noch tanken. An der Tankstelle muss ich dringend die vielen toten Fliegen vom meinem Visier waschen. Als ich bezahlt habe und wieder startklar bin, ist die Sonne untergegangen.

Das neue getönte Visier an meinem Schuberth S1 Pro schließt nicht vernünftig und so zieht es im Helm wie verrückt. Klappt man die im Helm zusätzlich eingebaute Sonnenblende vor die Augen, so zieht es nicht mehr auf die Augen, aber es ist dann echt finster. Pest oder Cholera, freie Sicht oder eine Bindehautentzündung? Ich entscheide mich gegen die gute Sicht und fahre die letzen Kilometer mit 80 km/h hinter einem LKW her. So komme ich auch ohne große Fernsicht heil in Mainz an. Aber es ist schon spät und der Tag war lang und anstrengend. Hinter mir liegen etliche Stunden im Auto und auf dem Motorrad – ich bin ziemlich platt.

Da ich der einzige Gast bin, gibt es am Montagmorgen kein Frühstück und so kann ich schon um kurz vor 8h im Büro sein, ganz praktisch! Etwa 10 Stunden später geht es kurz zu meinem Physiotherapeuten, meine verspannten Schultern freuen sich und es vertreibt die ständigen Kopfschmerzen. Danach dann ab zu Louis. Mal sehen, ob die nicht ein klares Visier für meinen Helm haben. Das Visier haben sie und es gibt auch eine neue Visier-Mechanik. Am neuen getönten Visier sind schon wieder zwei ganz winzig kleine Plastik-Ecken abgebrochen und so springt es immer gleich aus der Führung wenn man es versehentlich komplett öffnet. Überaus blöd ist das wenn man an einer Ampel steht, das Visier öffnet und es dann plötzlich in der Hand hat. Doof, wirklich doof!

Das neue Visier passt dann auch besser und es zieht hoffentlich nicht mehr so doll in den Helm. Ich kaufe mir noch ein Reinigungsspray für die Innenpolster, inzwischen ist das wirklich mal wieder nötig. Vor dem Verlassen des Ladens fallen mir dann noch zwei Spiegel auf. Sie kosten 39 Euro pro Stück und sind deutlich kleiner und windschnittiger als die großen „Fliegenklatschen“ an meiner K1200. Gesehen, gekauft. Weil ich kein Werkzeug habe, nehme ich gleich noch ein paar Schraubenschlüssel mit, davon kann man(n) eh nie genug haben 🙂 Vor der Montage gibt es an der ESSO Tankstelle gegenüber von Louis noch schnell einen Hotdog und einen Muffin. Dann werden die Spiegel montiert. Gut sieht das aus, da muss man doch gleich eine kleine Tour machen 🙂 Gesagt getan, rein in die Klamotten und rauf auf den „Bock“.

Es geht über B9 nach Nierstein, dann in Richtung Süd-Westen. Das Thermometer zeigt 30°C – es ist krachig warm, da tut der Fahrtwind richtig gut. Schräg vor mit bahnt sich ein traumhafter Sonnenuntergang an. Zwischendurch halte ich kurz mal an und nehme mit dem Handy ein paar kurze Video-Sequenzen auf. Das Thermometer zeigt nun entspannte 25°C, ich genieße die Landschaft in vollen Zügen. Es geht durch kleine Weindörfer rüber zum Rhein und wieder zurück nach Mainz. Unten am Rhein sind es dann wieder 28°C – hui – der Sommer ist da! In Mainz angekommen bin ich wieder ziemlich platt, was für ein schöner Tag.

Kloster Eberbach

Es ist 18h und die „Externen“ haben langsam Hunger. Wie sieht die Abendplanung aus? Wir stimmen uns kurz ab, um 18h30 sitzen wir in meinem Mietwagen, ein Peugeot 207 SW. Es geht in Richtung Kloster Eberbach. Für einige Kollegen ist es noch neu und auf dem Weg durch die Weinberge gibt es heimlich den einen oder anderen staunenden Blick – Deutschland ist schön 🙂 Als wir am Kloster Eberbach eintreffen, steht die Sonne tief, aber es sind noch lässige 22°C. Morgen soll sich das Wetter wenden, es soll erst krass warm und dann schlagartig kalt werden. Also geniessen wir den schönen Sommerabend. Das Essen ist super und die Themen deftig wie das Essen. Man merkt sofort, wenn keine Kolleginnen zugegen sind – Nicoletta Du fehlst…

Als es dunkel wird geht es gut gesättigt mit dem kleinen Peugeot zurück nach Mainz. Was für ein schöner Tag 🙂

Fotoquatsch mit den Bierflaschen der „anderen“ 🙂

Während meine Dieselrakete in der Werkstatt auf einen neuen Kabelbaum wartet, fahre ich mal Peugeot 207 SW – eigentlich kein schlechtes Auto. Er hat Platz, ist komfortabel und braucht laut Bordcomputer etwa 6,5 Liter Super auf 100 Kilometern. Witzig ist, dass er wirklich hagelneu ist. Bei der Abfahrt stand der Tacho bei 163 Km. Irgendwann habe ich den Scheibenwischer betätigt – vielleicht das erste Mal? Der 1.4 Liter Motor ist nicht die Offenbarung wenn es um Beschleunigung geht, aber das Auto fährt damit und wenn man ganz ganz ehrlich ist, braucht man eigentlich auch nicht mehr…