USA-2014 – Tag 23 – Devils Garden

Devils Garden # - Nikon D800E & AF-D 1,4/85mm

In den letzten Tagen hatte es der Wetterbericht schon angekündigt und nun ist es tatsächlich soweit, wir sind in Escalante und haben schlechtes Wetter. Am Morgen beim Frühstück sieht der Himmel noch ganz ordentlich aus, aber als wir mit dem Frühstück fertig sind beginnt es schon zu regnen. Ich schraube schnell meine GoPro samt Unterwassergehäuse auf meinen „Kitchentimer“ und positioniere das Konstrukt auf dem Dach unseres Mietwagens. So nimmt die GoPro etwa 15 Minuten lang alle 3 Sekunden ein Foto auf, das ich später mit dem Programm „Time-Lapse“ auf meinem Mac zu einer Zeitraffer-Sequenz zusammenfügen kann.

Als sich mein kleiner Küchen-Wecker um etwa 100° gedreht hat wird der Regen langsam stärker. Schnell rette dieses schier unglaubliche Panorama-System vor der Überflutung. Während es draußen regnet schauen wir uns die Fotos der letzten Tage an. Im Fernsehen läuft ein alter Western mit vielen bekannten Gesichtern. Als der Regen langsam aufhört klingelt unser Telefon, wir haben Besuch. Hey cool, unsere Freunde Angenie und Peter aus Idaho sind da! Viel Zeit haben sie leider nicht. Da alle Motels im Umkreis ausgebucht sind und sie nicht viel länger ausschließlich mit ihrem 4×4 Wohnmobil unterwegs sein wollen, sind sie gekommen um sich von uns zu verabschieden. Wir unterhalten uns noch eine Weile über die weiteren Pläne und dann machen sie sich wieder auf den Weg nach Norden und Richtung Idaho.

Devils Garden # - Nikon D800E & AF-D 1,4/85mm

Weil der Himmel nun etwas heller ausschaut packen Sandra und ich nun unsere Sachen und fahren in Richtung Devils Garden. Das ist ein Areal auf der südlichen Seite der HITRR (Hole In The Rock Road) das ganz einfach zu erreichen ist. Nach etwa 45 Minuten kommen wir etwas eingestaubt und ordentlich durchgerüttelt dort an. Schnell zücken wir unsere Kameras und machen uns an die Arbeit, denn am Horizont hängen schon die nächsten schweren dunklen Wolken. Kaum haben wir einige Fotos auf den Speicherkarten untergebracht beginnt es auch schon wieder zu regnen. Eine Weile suchen wir in der Nähe des berühmten Metate-Arch Schutz und einem felsigen Überhang. Als es uns zu langweilig wird huschen wir durch den Regen schnell zurück zum Auto.

Devils Garden # - Nikon D800E & AF-D 1,4/85mm

Wanderungen jeglicher Art werden uns heute keine Freude bereiten und so beschließen wir zurück nach Escalante zu fahren. Beim Outfitters halten wir an und gönnen uns einen Kaffee und etwas zu Essen. Sandra bestellt ein famoses Tunfisch-Sandwich mit einem gemischten Salat, ich entscheide mich mal einen besonderen Beeren-Kuchen zu versuchen der in einer kleinen Suppentasse gebacken wurde. Er steht in der Kühlung und bevor ich mich darüber her machen kann, wird er eine ganze Weile in einem Ofen aufgewärmt. So erhalte ich nach ein paar Minuten den ersten warmen Beerenkuchen meines Lebens aus einer kleinen Suppentasse. Er schmeckt himmlisch gut!

Während wir unser Essen genießen surfen wir wie alle anderen Gäste auch ein wenig mit unseren Smartphones im Internet, schließlich wollen wir nicht unangenehm auffallen und außerdem müssen wir uns dann auch nicht unterhalten. Als ich mit meinem Kuchen zu 56% durch bin flackert plötzlich das Licht mehrmals und dann wird es ganz still und etwas dunkler. Keine Musik, keine Klimaanlage, kein Radio, kein Pizzaofen, keine Kasse, keine Kühltheke, kein Internet, immer noch keine Gespräche…

Devils Garden # - Nikon D800E & AF-D 1,4/85mm

Die sichtlich genervte Kassiererin ruft nur aus „Oh my god, welcome to Escalante…“ Mit der letzten Hitze des Backofens kann der Koch noch zwei Pizzen zubereiten. Sandras Sandwich hatte er schon kurz vorher im Ofen gehabt. Nach ein paar Minuten kommt er schließlich aus der Küche und sieht etwas ratlos aus. Zwei hungrige Wanderer haben sich eine Pizza bestellt, aber ohne Strom kann sie nicht gebacken werden. Doch das junge Paar am Nachbartisch erkennt den Ernst der Lage und so teilen sie sich die letzte Pizza die der Ofen noch hergegeben hat. So ist das hier im Südwesten der USA, hier wird nicht lange herumgemacht, hier hält man zusammen und hilft sich gegenseitig!

Die Kellnerin macht sich mit Papier und Kugelschreiber daran zu notieren wer was auf dem Teller hat und was letztlich zu bezahlen sein wird. Als wir später unseren Zettel erhalten gehen wir damit zur Kasse die auch nicht mehr funktioniert. Dort sitzt ein junge Frau die sehr gelassen mit der Taschenrechner-App auf ihrem Smartphone ausrechnet was wir zu bezahlen haben.

Devils Garden # - Nikon D800E & AF-D 1,4/85mm

Als wir im Motel eintreffen ist dort auch alles dunkel. Es gibt keine Heizung, kein Fernsehen, kein heißes Wasser in der Dusche, uns bleibt nur der Strom der Akkus unserer Notebooks. Als diese schließlich auch erschöpft sind versuchen wir mal wieder miteinander zu sprechen und siehe da, es klappt noch! Wir haben es nicht verlernt, trotz der Segnungen durch Facebook, Twitter, Google+, WordPress, flickr, 500px und was es nicht alles sonst noch auf der Welt gibt. Oder vielleicht sollte ich sagen: „…außerhalb von Escalante gibt“ 🙂

Irgendwann am Abend ist schließlich der Strom wieder da. Bei SyFy läuft auch sofort irgend ein Unsinn mit Piranhas aus grauer Vorzeit und statt zu Reden kann ich wieder still und leise diesen Artikel veröffentlichen, das Leben kann so schön sein 🙂

Devils Garden # - Nikon D800E & AF-D 1,4/85mm

Devils Garden # - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm

Devils Garden # - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm

Devils Garden # - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm

Devils Garden # - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm

Devils Garden # - Nikon 1 V1 - Infrared 700nm & 6,7-13mm

USA-2014 – Tag 22 – Auf nach Escalante

Larb Hollow #3 - Nikon 1 V1 - 6,7-13mm - Infrared 700nm
Es ist unser letzter Tag in Moab. Als ich wach werde ist es kurz vor 8h am Morgen, draußen scheint die Sonne und es ist nicht mehr ganz so heiß wie in den vergangenen Tagen. Unter der heißen Dusche überlege ich welche Route wir heute nach Escalante nehmen. Ich bin in den letzten Wochen fast fast 7.000 Kilometer gefahren und daher wäre ich sehr froh wenn Sandra heute ein weiteres Mal fahren würde. Eigentlich wäre es eine schöne Sache bis zum Capitol Reef National Park zu fahren, dann auf die nicht asphaltierte Scenic Road abzubiegen und von dort aus über den wunderschönen Burr Trail und das Örtchen Boulder nach Escalante zu fahren.

Aber wenn Sandra fährt, ist das recht lange Stück mit ziemlich holprigen und staubigen Off-Road Abschnitten sicher nicht ihr Ding. Für sie wäre es bestimmt einfacher den Capitol Reef National Park komplett auf der asphaltierten Straße zu durchqueren um dann auf den wunderschönen Highway 12 in Richtung Süden abzubiegen. Während ich die Zähne putze reift in mir die Einsicht, dass diese Route sicher besser und einfacher für sie zu fahren ist.

Bevor wir auschecken fahren wir noch schnell ein letztes Mal zu Denny’s um dort zu frühstücken. Danach geht alles ganz schnell, wir sind ja schon geübt. Innerhalb von 30 Minuten ist das Zimmer geräumt und alles recht ordentlich im Auto verstaut – ok – leider nur fast alles…

Wir verabschieden uns bei der Eigentümerin Kris Schwalen und tauschen noch schnell unsere Visitenkarten aus. So können wir auch später von Deutschland aus in Kontakt bleiben. Auch in diesem Jahr hat es uns im Adventure Inn wieder sehr gut gefallen, dieses Motel ist eine echte Empfehlung im unglaublich quirligen und aktiven Moab.

Unsere Reise führt uns zunächst nach Norden, denn gleich westlich neben uns ist der gewaltige Canyonlands National Park gelegen, den wir heute komplett umfahren müssen. Nach etwa 30 Kilometern biegen wir in westlicher Richtung auf die Interstate ab und folgen ihr bis Hanksville. Nun fahren wir wieder in Richtung Süd-Westen und nähern uns langsam aber sicher dem beeindruckenden Capitol Reef National Park. Die Landschaft verändert sich immer wieder und als wir den Trailhead zur Hickman Bridge passieren fühlen wir uns schon fast wieder wie zuhause.

Später geht es auf dem unglaublich schönen Highway 12 hinauf in die Berge bis wir schließlich einen 9600 Fuß hohen Pass erreichen. Die Aussicht auf das Capitol Reef ist hier wirklich beeindruckend und so steuern wir den Larb Hollow Overlook ab. Hier habe ich bereits im Jahr 2009 auf dem Rückweg vom Krankenhaus in Bicknell eine Pause eingelegt. Damals konnte ich zwar nur auf einem Auge sehen, aber es war dennoch mehr als beeindruckend. Im Gegensatz zu damals liegt hier heute kein Schnee mehr, alles blüht und durch das Objektiv meiner kleinen Infrarot-Kamera sieht die Umgebung einfach gewaltig aus.

Larb Hollow #2 - Nikon 1 V1 - 6,7-13mm - Infrared 700nm

Etwa 30 Minuten später treffen wir im winzig kleinen Örtchen Boulder ein. Hier wollen wir bei der Boulder Guest Ranch fragen ob wir einen Ausritt für meine Sandra buchen können. Grundsätzlich ist es kein schlechter Deal wenn ich meiner Sandra den Spaß auf einem Pferderücken ermögliche und ich im Gegenzug nachts fotografieren gehen kann bis der Arzt kommt. Eine Hand wäscht die Andere, das funktioniert auch in den USA 🙂

Die Ranch finden wir erst nach einigem hin und her, denn wir haben die eigentlich sehr gute Anfahrtsbeschreibung auf ihrer Homepage nicht vollständig gelesen. Daher dauert es eine Weile bis wir begreifen, dass wir weit südlich von Boulder in Richtung Devils Backbone nach rechts abbiegen müssen um dann nach etwa 5 Kilometern Off-Road Strecke die Boulder Guest Ranch zu finden. Als wir dort eintreffen werden wir sehr freundlich begrüßt und alles macht hier einen tollen Eindruck. Allerdings ist diese Ranch derzeit komplett ausgebucht. Es sind deutsche Urlauber die derzeit Utah überfluten und so sind auch die Wrangler (so heißen hier die Tour-Guides für Horseback Rides) komplett ausgebucht. Eine Gruppe deutscher Urlauber hat gar einen Horseback-Ride mit einem Umfang von satten 5 Tage gebucht! Hier geht also nichts, ziemlich enttäuscht fahren wir daher weiter nach Escalante.

Welcome to Boulder - Nikon 1 V1 - 6,7-13mm - Infrared 700nm

Während meine Sandra unseren riesigen Geländewagen mit nur einer Hand über den Highway 12 lenkt bekomme ich auf dem Beifahrersitz still und heimlich eine kleine Krise. Fast nichts ist hier befestigt und es geht gleich rechts von mir immer wieder mehrere hundert Meter steil in die Tiefe. Ich bekomme feuchte Hände und mag auch nicht an meiner GoPro herum fummeln. Während meine Sandra einen fast 30 minütigen Monolog über Pferde, ihre Pflege, das Zureiten, die besten Sättel und vieles mehr hält, schweige ich still vor mich hin und erfahre am eigenen Leib wie sie sich manchmal fühlt wenn unsere Rollen nicht getauscht sind.

Irgendwann fragt sie mich warum ich so ruhig bin? Danach müssen wir beide lachen, jetzt fällt es auch leichter denn nun würden wir uns nur überschlagen falls wir von der Straße abkommen…

Larb Hollow #1 - Nikon 1 V1 - 6,7-13mm - Infrared 700nm

In Escalante steuern wir gleich das Circle-D Motel an. Inzwischen sind wir hier alte Bekannte und ich muss grinsen als ich erfahre, dass auch hier alles mit Urlaubern aus Deutschland besetzt ist. Einige Tage zuvor habe ich versucht via Internet hier ein Zimmer für mehrere Tage zu buchen, denn rund um Escalante gibt es mindestens soviel zu sehen wie rund um Moab. Aber Escalante liegt deutlich höher und hier ist es deshalb derzeit etwas kühler. Doch es war nur noch ein einziges Zimmer für eine Nacht zu bekommen. Während wir das Eincheck-Prozedere mit Anmeldung und Kreditkarte abwickeln läutet an der Rezeption das Telefon. Es ist eine Dame am anderen Ende die bereits im März sechs Zimmer reserviert hat und nun zwei Zimmer absagen muss.
Hey das ist unser Glück! Eine Weile werden nun die Zimmer hin und her geschoben bis wir durchgehend vom heutigen Donnerstag bis zum Sonntag im frisch renovierten großen Zimmer 3 bleiben können.

Als ich mit dem CheckIn fertig bin geht schon wieder das Telefon. Ein weiterer deutscher Gast fragt ob noch ein Zimmer frei ist, heute habe ich hier wieder einmal richtig großes Glück gehabt. Als wir das Zimmer beziehen ist Sandra sehr glücklich, denn es ist groß und geräumig und hat zudem ein sehr schön renoviertes Badezimmer. Hier kann man es sehr gut aushalten, es gibt auch eine Kaffeemaschine, Mikrowelle und einen großen Kühlschrank. Aber das beste an diesem Zimmer sind die beiden großen getrennten Betten. So kann ich nachts rotieren wie ich will und meine Sandra wird davon nicht alle 15 Minuten wach.

Ausgeglichene Schlafphasen sind der Schlüssel zur weiblichen Ausgeglichenheit und die ist auf Reisen oft mehr wert als alles Gold dieser Welt!!

Larb Hollow #4 - Nikon 1 V1 - 6,7-13mm - Infrared 700nm

Später bin ich nochmals an der Rezeption und versuche herauszufinden ob es nicht noch andere Anbieter für den ein oder anderen Horseback Ride gibt. Nach einigen Telefonaten werden wir an die „Outfitters“ etwas weiter die Straße hinunter verwiesen. Dort angekommen ist unsere große Hoffnung Capt. Nathan Waggoner leider nicht erreichbar. Eigentlich bietet er geführte Fly Fishing Trips an. Aber er hat auch Pferde und vielleicht wäre das etwas zu machen. Unsere Smartphones, die man hier Cellular-Phone oder auch Cell-Phone nennt, haben leider keine Empfang. Herrn Waggoner scheint es derzeit ganz ähnlich zu gehen. So vertreiben wir uns die Wartezeit bei einer leckeren Pizza ein paar Meter weiter im gleichen Gebäude.

Als wir mit unserem Abendessen durch sind ist Herr Waggoner erreichbar, aber er hat schon am Telefon abgewunken und uns die Boulder Guest Ranch empfohlen. Aber dort waren wir ja schon…

Etwas geknickt kaufen wir im Supermarkt nebenan das Nötigste für die nächsten Tage. Bei unserer etwas überstürzten Abreise haben wir im Adventure Inn das Shampoo in der Dusche vergessen. Also kaufen wir eine neue Flasche, dazu einige Getränke und etwas zu essen. Zurück am Motel beschließen wir gleich nebenan in der vor etwa vier Jahren eröffneten Circle-D Eatery ein Gläschen Rotwein zu trinken. Es ist recht voll und wir nehmen erst einmal an der Bar Platz. Dort erfahren wir, dass es in Utah Gesetz ist und man nicht allein ein Glas Rotwein bestellen kann, sondern stets irgend etwas zu Essen dazu bestellen MUSS. Es kann ein Muffin oder eine andere Kleinigkeit sein, aber ganz ohne geht es nicht! Also bestelle ich mir ein Stück Schokoladenkuchen. Sandra ordert sich ein paar Nachos mit Sauce.

Der Kuchen ist lecker aber besteht fast ausschließlich aus Butter, Kakao und Zucker. Wer in seinem ganzen Leben noch kein Sodbrennen hatte, der macht spätestens nach diesem Stück Kuchen seine ersten Erfahrungen damit… Sandras Nachos sind herrlich bunt und die Sauce ist lecker aber scharf wie die Hölle. Sie trinkt ein Glas Wasser nach dem anderen, man soll ja auch viel trinken… Zum Abschluss gibt es für mich noch einen Kaffee, den Kuchen habe ich einfach nicht annähernd aufessen können. Auch Sandra muss bei den Nachos passen, ihre Calzone wirkt mindestens noch genauso nach wie meine Pizza aus dem Outfitters. Unsere beiden Gläser Wein kosten so inkl. Trinkgeld knapp 32$. Es ist kein billiger Spaß wenn man in Utah ein Glas Wein trinken möchte…

Später im Hotel stellt Sandra fest, dass sie ihr kleines wichtiges Schmusekissen im Adventure Inn in Moab zwischen all dem Bettzeug vergessen hat. Als ihre E-Mail gleich nach ein paar Minuten beantwortet wird ist sie sehr froh. Es gibt Dinge die sind nicht viel wert und doch gleichzeitig unersetzbar. So auch dieses Schmusekissen! Mrs. Schwallen vom Adventure Inn wird es ihr mit der Post nach Deutschland schicken. Ziemlich erleichtert machen wir gegen 23h das Licht aus und freuen uns, dass auch dieser Tag im wundervollen Südwesten der USA so reibungslos und voller unbeschreiblicher Eindrücke verlaufen ist.

USA-2014 – Tag 21,5 – Shafer Trail

Als ich im Jahr 2009 das erste Mal am Horse Shoe Bend in der Nähe von Moab war, kamen mir einige große blaue Flächen irgendwo tief unten im Canyonlands National Park ziemlich mysteriös vor. Es hat eine Weile gedauert bis mir klar wurde, dass dies eine „Mine“ ist und dass dort Kaliumcarbonat bzw. Pottasche oder wie man es hier nennt Potash gewonnen wird. Pottasche ist vielseitig einsetzbar, von der Herstellung von Seife bis hin zur analogen Fotografie wird es weltweit eingesetzt. Die Gewinnungsanlage nahe Moab existiert noch nicht wirklich lange und es wurde speziell für den Abtransport des Kaliumcarbonats die vorhandene Eisenbahnlinie verlängert. Außerdem wurde die Straße am Colorado River die zur Gewinnungsanlage führt besonders gut ausgebaut, so dass sie von schweren Trucks problemlos befahren werden kann.

Diese blauen Seen geistern mir nun also schon lange Zeit im Kopf herum und heute ist der Tag an dem ich sie mir genauer anschauen möchte. Als die größte Hitze des Tages vorbei ist mache ich mich auf den Weg, es ist fast 18h (6 pm) und die Sonne steht schon tief. Nach einigen Kilometern erreiche ich das Ende der Bahnlinie und die dort neu gebaute Abfüllungsanlage. All das lasse ich einfach rechts liegen und fahre weiter auf der Straße die sich noch ein wenig idyllisch am Colorado River entlang windet. Dann geht diese Straße schlagartig in eine recht raue Schotterpiste (Gravel Road) über. Ein paar Kilometer später bin ich tatsächlich bei der Gewinnungsanlage.

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Der Zugang zur Anlage ist eigentlich verboten, aber das Tor ist nur angelehnt. Also parke ich direkt daneben und schnappe mir meine Nikon D800E mit dem AF-S 2,8/14-24mm das ich in den letzten Wochen fast ausschließlich benutzt habe.

Potash Sunset - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Potash Sunset - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Potash Sunset - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Nach meiner kleinen Fotosession geht es weiter, ich habe ein Hinweisschild zum legendären Shafer Trail gesehen und dem will ich ein paar Kilometer weit folgen. Die Straße ist recht gut befahrbar und es sind schon Leute mit Autos ohne Allradantrieb hier entlang gefahren. Diese Straße sollte für einen reinrassigen Geländewagen wie meinen GMC YUKON kein Problem darstellen. Zwar hat er keine Differentialsperre, aber bei meinen ersten Off-Road Tests hat er sich bereits bestens bewährt.

Etwas oberhalb der Gewinnungsanlage hat man dann auch einen grandiosen Blick auf die im letzten Abendlicht rot aufleuchtenden Tafelberge und die dahinter im Dunst gelegenen La Sal Mountains.

Potash Sunset - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Einige Minuten später erreiche ich dann einen Aussichtspunkt der es wirklich in sich hat. Direkt neben mir unten in der Schlucht lockere 200 Meter tiefer fließt der Colorado River in Richtung Las Vegas. Ich laufe ein wenig an der nicht gesicherten Kante entlang und bin einfach nur sprachlos was die Natur in vielen tausenden von Jahren hier geschaffen hat. An meinem Auto habe ich vergessen das Licht abzuschalten. Irgendwann bin ich soweit weg, dass es mit auf das Bild passt und diese Perspektive gefällt mir wirklich gut weil das winzige Auto neben dem majestätischen Fluss einen tollen Maßstab bildet.

Colorado Sunset - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Es geht weiter und auf meinem GPS kann ich sehen, dass der Shafer Trail gar nicht mehr so extrem lang ist. Also beschließe ich ihn bis zum Ende zu fahren, allerdings in der umgekehrten Richtung die von „normalen“ Touristen eingeschlagen wird.

Shafer-Trail-Moab-Utah

Es gibt einen Abschnitt der wirklich heftig ist und bei dem es steil mit einigen Spitzkehren bergauf geht. Die Straße ist dort nicht gesichert und nur eine staubige Holperpiste. An den meisten Abschnitten passt auch nur ein Auto auf diese „Straße“, bei Gegenverkehr muss man schauen wie man an den Ausweichstellen klarkommt die jeweils einige hundert Meter von einander entfernt verfügbar sind. Hier gilt es auf engstem Raum etwa 200 Höhenmeter zu überwinden und das auf einem besseren Feldweg. Das ist nicht jedermanns Sache und meine Sandra dürfte heute nicht neben mir sitzen. Ich bin sehr froh, dass sie wegen ihrer Kopfschmerzen im Hotel geblieben ist. Andernfalls hätte sie sicher an einigen Stellen hysterisch „Aaaaannnsssgaaaaaaarrr“ geschrien. So kann ich laut Country-Musik hören und mein kleines Abenteuer in vollen Zügen genießen.

Daran, dass es gleich neben mir steil in die Tiefe geht darf ich allerdings auch nicht denken. Auf diesem Bild aus dem Jahr 2009 sieht man sehr schön wie der Shafer Trail sich aus dem Tal die Klippe hinauf windet. Ganz rechts kann man Teile der „Straße“ erkennen. Es ist schon krass wie es dort in die Tiefe geht und dass hier nicht täglich die Touristen aus aller Welt abstürzen…

Shafer Trail - Nikon D2x

Nach etwa vier Stunden treffe ich wieder in Moab ein. Mit einige kurzen Fotostopps kann man den Shafer Trail also an einem Nachmittag bequem bewältigen. Allerdings sollte man sich darüber im Klaren sein, dass solche Abenteuer mit einem Mietwagen grundsätzlich nicht erlaubt sind. Fährt man hier den neuwertigen Wagen zu Schrott so werden sich die Mitarbeiter der zuständigen Versicherung lachend auf die Schenkel schlagen weil sie eben keinen einzigen Cent des entstandenen Schadens übernehmen müssen. Wer hier einen Wagen wie meinen gemieteten GMC YUKON komplett zerlegt, wird rund 50.000 Euro für sein Off-Road Abenteuer bezahlen müssen.

Meistens passiert nichts und die Straßen sind grundsätzlich ja auch sicher und befahrbar, nicht umsonst mieten sich alle Touristen einen 4×4 (Four by Four) mit viel Bodenfreiheit (High Clearance) um eben solche Pisten zu fahren. Aber man sollte sich trotz allem immer wieder bewusst machen, dass ein schweres Gewitter besonders unbefestigte Straßen schnell unpassierbar machen kann. Im einfachsten Fall bleibt man stecken und muss vielleicht lange Zeit auf einen extrem teuren Abschleppdienst warten. Im schlimmsten Fall gerät man in eine Schlammlawine oder rutscht in eine Felsspalte. Wenn man es überlebt ist es halb so wild, dann wird es eben einfach nur so richtig teuer. Aber es verlieren in diesen Parks auch regelmäßig unaufmerksame Touristen ihr Leben.

Im Film 127 Hours von Danny Boyle wird beispielsweise die wahre Geschichte eines Mannes nachgezeichnet der hier in genau diesem Park beim Wandern in eine Felsspalte gestürzt ist und sich dabei mit einem dicken Felsbrocken den rechten Unterarm eingeklemmt hat. Er hat 127 Stunden lang auf Hilfe gewartet die nicht gekommen ist. Schließlich hat er sich mit einem stumpfen kleinen Messer den rechten Unterarm selbst amputiert und seinen „kleinen Ausflug“ mit viel Glück überlebt.

Wer sich auf Abenteuer wie den Shafer Trail einlässt sollte das alles im Kopf behalten und es nicht wie ich kurz vor Anbruch der Dunkelheit wagen. Ich habe in den letzten Jahren viel Erfahrung auf einsamen Off-Roads gesammelt und kenne auch den Shafer Trail von meinem Besuch im Jahr 2009. So war das Risiko heute sehr überschaubar. Wer hier aber fremd ist und ein wenig Zeit für das Fotografieren haben möchte, der sollte besser 5-6 Stunden einplanen und dementsprechend rechtzeitig vor Sonnenuntergang losfahren.

Morgen geht es dann weiter nach Escalante. Schauen wir mal was und dort erwartet 🙂

USA-2104 – Tag 21 – Snapshot day in Moab

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Als ich am Morgen wach werde ist es schon fast 9h. Sandra hat schon Hunger und wenn ich genau in mich hinein höre, geht es mir genauso. Schnell geht es unter die Dusche und dann zum Frühstück zu Denny’s. Dort begrüßen uns die Kellner schon ganz freundlich denn langsam werden wir als Stammgäste identifiziert. Nach dem Frühstück bin ich satt und faul und da tut es gut ein wenig Zeit mit meinem Mac im Garten vor dem Motel zu verbringen und den letzten Tag in einem Artikel zusammenzufassen. Während dessen ist Sandra zu Fuß auf Einkaufstour. Sie ist etwa 3h unterwegs und als sie zurück ist haben wir beide schon wieder Hunger. Man könnte sagen, dass wir aktuell zu 110% im Urlaubsmodus sind.

Inzwischen knurrt langsam wieder der Magen. Sandra hat auf ihrer Wanderung ein sehr cooles Restaurant mit dem ebenfalls coolen Namen „ZAX“ entdeckt. Zu Fuß, was eigentlich ungewöhnlich ist, geht es zum ZAX. Weil ich von Moab noch gar keine Fotos habe entschließe ich mich zum „Tag der offenen Blende“ oder auch „Day of the open aperture“. Mit dabei habe ich daher lediglich meine Nikon D800E und die „Königin des unscharfen Hintergrundes“ das Nikkor AF-D 1,4/85mm mit einem B&W Polfilter. So bewaffnet geht es los…

Als wir bei der Tom Toll Gallery ankommen bitte ich meine Sandra mich doch auch mal zu fotografieren und zwar genau vor der Galerie des großen Meisters. Was für ein Moment 🙂 Man beachte auch die gepflegte Freistellung und den dezent unscharfen Hintergrund, das geht so nur mit diesem Objektiv!

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Auf dem weiteren Weg zum ZAX fallen mir überall kleine Details aus die für diesen Ort so typisch sind und das Flair von Moab ganz wesentlich ausmachen. Man beachte jeweils die dezenter Freistellung der Hauptmotive, also die Unschärfe im Vorder- und Hintergrund!! Die meisten Fotos habe ich bei Blende 1,8 bis Blende 2,8 aufgenommen. Dieses Objektiv ist wirklich außergewöhnlich!

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Dies ist eine sehr typische Straßenszene in Moab. Hier ist alles unterwegs was man sich vorstellen kann. Total verdreckte Off-Road Geländewagen, kraftstrotzende Cabrios und brave Familienkutschen.

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Die Straßenkarte der Innenstadt ist mehr als übersichtlich 🙂

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Beim nächsten Foto habe ich die gelbe Werbetafel anvisiert und die Kamera dann am nach oben gereckten Arm mehrmals ausgelöst. Dabei ist diese schöne Straßenszene entstanden.

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Die Schaufenster des Ortes sind übervoll mit Hüten und anderen Artikeln die das Leben als Cowboy so richtig lebenswert erscheinen lassen 🙂

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Nach dem extrem guten Burger geht es zu Fuß zurück zum Motel. Gleich neben der Galerie von Tom Till ist ein kleiner Fotoladen auf dem mir der „Nikon“ Schriftzug ins Auge fällt, der exakt das gleiche Gelb hat wie das Schild über der Tom Till Gallery! Das ist wieder ein Motiv für meine Bokeh-Königin 🙂

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Moab ist definitiv die Spaßstadt der aktiven Amerikaner. So viele Geschäfte für die aktive Freizeitgestaltung findet man an anderen Orten nur sehr schwer.

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Es ist immer wieder erstaunlich wie plastisch sich selbst recht weit entfernte Motive wie dieses Szenerie mit dem 1,4/85mm abbilden lassen.

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Kurz bevor wir das Adventure Inn erreichen kommen wir wieder bei M.O.Y.O vorbei. Das ist die MOab YOghurt Company. Hier gibt es aus 4+3 Zapfhähnen unterschiedliches Sorbet auf der Basis von Yoghurt. Man geht einfach hinein, schnappt sich einen Becher in der mittleren oder größeren Größe, zapft sich das Eis das man haben möchte, geht zur Theke mit dem „Toppings“ und wählt zwischen etwa 20 verschiedenen Dekorationen aus. Es gibt Gummibärchen, Nüsse, Sonnenblumenkerne, fein geschnittene frische Erdbeeren, allerlei Waldbeeren, es ist sicher für jeden etwas dabei. Hat man das Eis in seinem Becher gebührend verziert stellt man den Becher auf eine Waage und bezahlt genau das was man sich genommen hat. Die Inhaberin ist etwas überrascht, dass wir so genau wissen wie alles funktioniert, normalerweise muss sie scheinbar deutschen Touristen wie uns das Vorgehen immer wieder erklären. Als sie hört, dass wir schon dort waren und wissen „wie der Hase läuft“ grinst sie nur und ich bezahle etwas über 9$ für zwei sehr große Portionen Yoghurt-Sorbet – lecker…

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Während wir das süße Halbgefrorene auf der Veranda vor dem M.O.Y.O. verputzen, fällt mir der über und über mit Aufklebern gespickte alte rote Wagen auf. Im Hintergrund sieht man eine der zahlreichen Vermietstationen für die hier sehr beliebten ATVs (All-Terrain-Vehicle).

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Gleich auf der anderen Straßenseite ist eine der besten Locations für ein extrem gutes Frühstück.

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Kurz drauf hält dort der mit dem hier so typisch rotem Schlamm eingesaute SUV von der Ampelszene weiter oben.

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Kaum haben wir uns auf den Weg zum Adventure Inn gemacht, da biegt aus einer Seitenstraße dieses extrem coole Auto auf die Hauptstraße ab. Meine D800 ist sofort startklar und mein so inniglich geliebtes Portrait-Objektiv löst auch hier das Auto so unglaublich gut aus der Umgebung heraus, dass man fast meinen könnte es wäre eine Miniatur.

Im Gegensatz zu den übrigen Fotos habe ich dieses Bild nicht auf 1000 Pixel Kantenlänge, sondern auf 1920 Pixel Kantenlänge verkleinert. Schaut es mal in Ruhe an, dieses Auto ist der Hit…

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Die Anbieter für Ausflüge und Abenteuer ziehen sich durch die gesamte Stadt. Wer hier seinen persönlichen Kick nicht findet, der ist sicher selbst schuld 🙂

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Zurück am Adventure Inn macht sich dann auch einer unser Nachbarn auf den Weg zur nachmittäglichen Genusstour.

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So vergeht dann fast ein ganzer Tag ohne die Hatz nach dem perfekten Foto. Irgendwie sind gepflegte Knipsbilder auch ganz schön.

USA-2014 – Tag 20 – Onion Creek Canyon

False Kiva #2 - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Meine dritte Woche in den USA neigt sich dem Ende zu. Den Tag haben wir bei großer Hitze relativ beschaulich vertrödelt. Sandra war ein wenig Einkaufen, ich habe mich ausgeschlafen und zur Mittagszeit haben wir uns in den kleinen Garten vor dem Motel zwischen vier schattenspendende Bäume gesetzt und einen Salat verspeist den wir uns zuvor im sehr gut sortierten Moab Citymarket gekauft hatten. Nach dem Essen schaue ich noch ein wenig in meine Fotos die ich in der Nacht in der False Kiva aufgenommen habe und finde ein Bild das aus einer etwas anderen Perspektive aufgenommen ist. Es ist etwas früher entstanden als das Foto aus dem letzten Artikel und es gefällt mir auch recht gut.

Sandra hat der morgendliche dreistündige Ausritt bei der Red Cliffs Lodge so gut gefallen, dass sie heute in den Abendstunden gern die kleinere Tour reiten möchte. So packe ich mein Notebook zusammen und gegen 16h (4 pm) starten wir unseren schwarzen Geländewagen und fahren zur Red Cliffs Lodge.

Die Strecke zieht sich doch immer wieder ganz schön hin, aber die Landschaft ist so atemberaubend, ich könnte immer wieder durch das Castle Valley fahren. Nach etwa 30 Minuten sind wir bei der Red Cliffs Lodge. Wir parken in der Nähe des Hauptgebäudes, es gibt dort einen großen Besucherparkplatz und fragen an der Rezeption nach ob noch ein Platz für den abendlichen Ausritt frei ist. Sandra hat Glück, es sind erst 4 Personen angemeldet. Ich zahle 69 $ mit meiner Kreditkarte und wenig später bin ich schon wieder unterwegs in Richtung Osten auf der Straße durch das Castle Valley.

Red-Cliffs-Lodge-Moab-Utah

Während Sandra sich auf den Ausritt vorbereitet erreiche ich den Abzweig zum Onion Creek Canyon. Die Straße ist anfangs noch recht gut zu befahren, ändert sich aber schnell von einer Gravel Road zu einer schmalen holprigen Dirt Road.

Onion-Creek-Road-Moab-Utah

Die Landschaft wird immer grandioser, die Schlucht tiefer und die umgebenden Felsen höher. Auf dem Dach habe ich meine GoPro HD HERO 3+ und auf dem Armaturenbrett steht meine auf Infrarot 700nm umgebaute Nikon 1V1. Sie steht auf einem kleinen Taschenstativ und wird von der Halterung für mein Smartphone so gegen die Windschutzscheibe gedrückt, dass sie nicht wackelt und in Verbindung mit dem VR (Vibration Reduction) des 6,7-13mm Weitwinkel-Zooms ein tolles sschwarzweißes Infrarot Video aufnimmt. Damit sich die Helligkeit nicht ständig ändert habe ich die Belichtungsautomatik abgeschaltet und manuell 1/100s und Blende 11 bei ISO-100 eingestellt.

Auch die GoPro 3+ liefert nun endlich scharfe Bilder. Man sollte sie bei solchen Aktionen unbedingt in den Modus „Wide“ bringen. Alles was ich bislang im Modus „Medium“ oder „Narrow“ gefilmt habe ist einfach nur unscharfer Matsch der leider komplett unbrauchbar ist. Die Einstellungen mit den engeren Blickwinkeln sind nur im Nahbereich zu gebrauchen. Dann liefern sie auch durchaus respektable Ergebnisse. Für ein Interview aus ca. 1m Entfernung ist „Narrow“ eine wirklich geeignete Einstellung. Sobald man aber etwas filmen möchte was etwas weiter entfernt ist wird man eine große Enttäuschung erleben.

Hier habe ich eine kurze Video-Sequenz deren Upload trotz geringer 480p Auflösung bereits fast eine Stunde benötigt hat. YouTube ist nichts für Leute die in den USA auf dem Land leben…

 

Für mein Video-Bearbeitungsprogramm Final Cut Pro X gibt es diverse kostenpflichtige Plug-Ins mit denen sich die einem Fisheye sehr ähnliche Verzeichnung des GoPro-Objektivs in Verbindung mit dem Modus „Wide“ recht gut korrigieren lässt. Dies ist meiner Meinung nach die beste Möglichkeit und brauchbare Videos mit einem fahrenden Auto oder Motorrad etc. aufzuzeichnen.

Nach etwa einer Stunde puren Off-Road-Vergnügens halte ich an einer Ausbuchtung an und mache meine Nikon D800E samt AF-S 2,8/14-24mm startklar. Die Sonne steht schon tief und dort wo sich am Boden die Grenze zwischen Licht und Schatten abzeichnet hat man immer wieder gute Gelegenheiten für interessante Gegenlichtaufnahmen. Hier kommt es sehr auf den Standpunkt der Kamera an, einige Zentimeter mehr oder weniger entscheiden darüber wie stark das Gegenlicht ist. Ich mag es wenn die Sonne fast komplett von einer Felskante verdeckt ist und nur ein kleiner Teil direkt ins Objektiv hineinstrahlt. So lassen sich in Verbindung mit Belichtungsreihen und meinem „Fingertrick“ immer wieder interessante HDR-Aufnahmen erstellen.

Um einen Eindruck von den Dimensionen der Felswände zu bekommen, habe ich meine D800E an den „Straßenrand“ gestellt und sie alle 10s ein Bild machen lassen. Während sie vor sich hin geknipst hat bin ich die Straße hinunter gelaufen und habe mich ganz hinten (wo die Sonne scheint) in die Kurve gestellt. Wer mich in diesem Bild findet hat einen Preis verdient, ich bin nur einige Pixel groß 🙂

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Als die Uhr auf 17:30 (5:30 pm) vorgerückt ist packe ich alles zusammen und muss mit Entsetzen feststellen, dass während der kompletten Session das hintere rechte Seitenfenster geöffnet war. Das gesamte Auto ist von innen mit feinem roten Sand eingestaubt. Ohje, da werden die Leute von der Autovermietung ordentlich was mit dem Staubsauger zu tun haben…

Als ich wieder bei der Red Cliffs Lodge eintreffe bin ich vielleicht 3 Minuten zu spät um ein Foto der Gruppe bei ihrer Heimkehr aufzunehmen. Aber auf meinem GoPro-Video kann man die Freizeit-Cowboys noch kurz sehen wie sie die Ranch erreichen.

Nach dem Ausritt ist Sandra wieder der glücklichste Mensch der Welt, auch wenn sie der Meinung ist total verdreckt zu sein und nach Pferd zu riechen. Mir ist das egal, wir beide haben jetzt großen Hunger und wir steuern so direkt wie möglich das örtliche Denny’s Restaurant an. Hier waren wir jetzt schon mehrfach essen. Es geht schnell, schmeckt gut und ist nicht ganz so teuer wie in den „richtigen“ Restaurants. Das Konzept hinter Denny’s ist irgendwie zwischen der richtigen Gastronomie mit Kellnern und gemütlichem Ambiente und einem McDonalds Restaurant angesiedelt. Die Einrichtung ist schlicht aber zweckmäßig und die Kellner sind freundlich und sehr zuvorkommend. Für eine leckeres Abendessen zu Zweit mit Getränken etc. zahlt man inkl. Trinkgeld etwa 30 Dollar, also umgerechnet etwa 22 Euro.

Zurück im Hotel geht es unter die Dusche und den Rest des Abends verbringen wir bei einem lauen Lüftchen zwischen den Bäumen auf der Wiese vor dem Motel. Später am Abend sind es noch 29°C, aber im Schatten der Bäume ist das sehr gut zu ertragen. Etwas nervig sind allerdings die jungen Typen mit ihren getunten japanischen Kleinwagen. Sie bremsen immer wieder fast bis auf Schrittgeschwindigkeit ab um dann mit enormem Getöse auf die erlaubte Höchstgeschwindigkeit zu beschleunigen. Dazu kommen alle paar Minuten Trupps mit knatternden auf Hochglanz polierten Harley’s vorbei. Zwischendurch ein lautes ATV und der ein oder andere LKW. Von den großen Trucks hört man meist nur ein dumpfes Grollen. Alles in allem ist es direkt an der Hauptstraße in Moab schon ziemlich laut, aber irgendwie auch interessant weil die vorbei fahrenden Fahrzeuge teilweise unglaublich cool aussehen.

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Während ich an meinem BLOG schreibe kommt Sandra mit einer Flasche importiertem Jägermeister und kleinen Schnapsgläsern um die Ecke. So kann man es hier echt aushalten. Während ich das eine oder andere Gläschen Jägermeister zu mir nehmen versuchen sehr gestandene Männer die Bremsanlage einer KTM zu entlüften. Sie geben wirklich alles, aber das Set bestehend aus Pumpe und Schläuchen das sie sich besorgt haben scheint nicht wie gewünscht zu funktionieren. Bis tief in die Dunkelheit werkeln sie im Licht ihrer Taschenlampen an dem reinrassigen Cross-Motorrad. Später holen sie noch einen Kompresser dazu. Am nächsten Morgen sind alle Cross-Motorräder wieder weg, es scheint letztlich doch noch geklappt zu haben.

Ich habe die abendliche Zeit nicht genutzt um „MEINEN TRAUM“ von der False Kiva letztlich mit Photoshop zu realisieren. Trotz aller Anstrengungen und Mühen habe ich es nicht geschafft die False Kiva UND die Milchstraße auf ein Bild zu bannen. Also habe ich eine Montage aus zwei separaten Bildern erstellt die so aussieht wie ich mir mein Foto aus der False Kiva seit langem wünsche.

False Kiva & Milky Way

Grundsätzlich sollte es möglich sein ein ähnliches Foto mit nur EINEM SCHUSS zu erstellen. Aber dazu braucht es die richtige Jahreszeit und einen komplett klaren Himmel und vor allem „Neumond“. Denn sobald der Mond den Himmel erleuchtet ist es viel zu hell um die Milchstraße sehen zu können. Da ich hier leider keine 6 bis 12 Monate verbringen kann um dieses Foto „an einem Stück“ aufzunehmen muss vorerst (??) diese Fotomontage genügen. 🙂

Nach einer Flasche Bier und einigen Gläschen Jägermeister habe ich schließlich die richtige „Bettschwere“ und verzichte für heute auf ein nächtliches Abenteuer. Der anstrengende nächtliche Ausflug zur False Kiva steckt mir zudem noch tief in den Knochen.