USA-2014 – Tag 21,5 – Shafer Trail

Als ich im Jahr 2009 das erste Mal am Horse Shoe Bend in der Nähe von Moab war, kamen mir einige große blaue Flächen irgendwo tief unten im Canyonlands National Park ziemlich mysteriös vor. Es hat eine Weile gedauert bis mir klar wurde, dass dies eine „Mine“ ist und dass dort Kaliumcarbonat bzw. Pottasche oder wie man es hier nennt Potash gewonnen wird. Pottasche ist vielseitig einsetzbar, von der Herstellung von Seife bis hin zur analogen Fotografie wird es weltweit eingesetzt. Die Gewinnungsanlage nahe Moab existiert noch nicht wirklich lange und es wurde speziell für den Abtransport des Kaliumcarbonats die vorhandene Eisenbahnlinie verlängert. Außerdem wurde die Straße am Colorado River die zur Gewinnungsanlage führt besonders gut ausgebaut, so dass sie von schweren Trucks problemlos befahren werden kann.

Diese blauen Seen geistern mir nun also schon lange Zeit im Kopf herum und heute ist der Tag an dem ich sie mir genauer anschauen möchte. Als die größte Hitze des Tages vorbei ist mache ich mich auf den Weg, es ist fast 18h (6 pm) und die Sonne steht schon tief. Nach einigen Kilometern erreiche ich das Ende der Bahnlinie und die dort neu gebaute Abfüllungsanlage. All das lasse ich einfach rechts liegen und fahre weiter auf der Straße die sich noch ein wenig idyllisch am Colorado River entlang windet. Dann geht diese Straße schlagartig in eine recht raue Schotterpiste (Gravel Road) über. Ein paar Kilometer später bin ich tatsächlich bei der Gewinnungsanlage.

D800E_9956

Der Zugang zur Anlage ist eigentlich verboten, aber das Tor ist nur angelehnt. Also parke ich direkt daneben und schnappe mir meine Nikon D800E mit dem AF-S 2,8/14-24mm das ich in den letzten Wochen fast ausschließlich benutzt habe.

Potash Sunset - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Potash Sunset - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Potash Sunset - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Nach meiner kleinen Fotosession geht es weiter, ich habe ein Hinweisschild zum legendären Shafer Trail gesehen und dem will ich ein paar Kilometer weit folgen. Die Straße ist recht gut befahrbar und es sind schon Leute mit Autos ohne Allradantrieb hier entlang gefahren. Diese Straße sollte für einen reinrassigen Geländewagen wie meinen GMC YUKON kein Problem darstellen. Zwar hat er keine Differentialsperre, aber bei meinen ersten Off-Road Tests hat er sich bereits bestens bewährt.

Etwas oberhalb der Gewinnungsanlage hat man dann auch einen grandiosen Blick auf die im letzten Abendlicht rot aufleuchtenden Tafelberge und die dahinter im Dunst gelegenen La Sal Mountains.

Potash Sunset - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Einige Minuten später erreiche ich dann einen Aussichtspunkt der es wirklich in sich hat. Direkt neben mir unten in der Schlucht lockere 200 Meter tiefer fließt der Colorado River in Richtung Las Vegas. Ich laufe ein wenig an der nicht gesicherten Kante entlang und bin einfach nur sprachlos was die Natur in vielen tausenden von Jahren hier geschaffen hat. An meinem Auto habe ich vergessen das Licht abzuschalten. Irgendwann bin ich soweit weg, dass es mit auf das Bild passt und diese Perspektive gefällt mir wirklich gut weil das winzige Auto neben dem majestätischen Fluss einen tollen Maßstab bildet.

Colorado Sunset - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

Es geht weiter und auf meinem GPS kann ich sehen, dass der Shafer Trail gar nicht mehr so extrem lang ist. Also beschließe ich ihn bis zum Ende zu fahren, allerdings in der umgekehrten Richtung die von „normalen“ Touristen eingeschlagen wird.

Shafer-Trail-Moab-Utah

Es gibt einen Abschnitt der wirklich heftig ist und bei dem es steil mit einigen Spitzkehren bergauf geht. Die Straße ist dort nicht gesichert und nur eine staubige Holperpiste. An den meisten Abschnitten passt auch nur ein Auto auf diese „Straße“, bei Gegenverkehr muss man schauen wie man an den Ausweichstellen klarkommt die jeweils einige hundert Meter von einander entfernt verfügbar sind. Hier gilt es auf engstem Raum etwa 200 Höhenmeter zu überwinden und das auf einem besseren Feldweg. Das ist nicht jedermanns Sache und meine Sandra dürfte heute nicht neben mir sitzen. Ich bin sehr froh, dass sie wegen ihrer Kopfschmerzen im Hotel geblieben ist. Andernfalls hätte sie sicher an einigen Stellen hysterisch „Aaaaannnsssgaaaaaaarrr“ geschrien. So kann ich laut Country-Musik hören und mein kleines Abenteuer in vollen Zügen genießen.

Daran, dass es gleich neben mir steil in die Tiefe geht darf ich allerdings auch nicht denken. Auf diesem Bild aus dem Jahr 2009 sieht man sehr schön wie der Shafer Trail sich aus dem Tal die Klippe hinauf windet. Ganz rechts kann man Teile der „Straße“ erkennen. Es ist schon krass wie es dort in die Tiefe geht und dass hier nicht täglich die Touristen aus aller Welt abstürzen…

Shafer Trail - Nikon D2x

Nach etwa vier Stunden treffe ich wieder in Moab ein. Mit einige kurzen Fotostopps kann man den Shafer Trail also an einem Nachmittag bequem bewältigen. Allerdings sollte man sich darüber im Klaren sein, dass solche Abenteuer mit einem Mietwagen grundsätzlich nicht erlaubt sind. Fährt man hier den neuwertigen Wagen zu Schrott so werden sich die Mitarbeiter der zuständigen Versicherung lachend auf die Schenkel schlagen weil sie eben keinen einzigen Cent des entstandenen Schadens übernehmen müssen. Wer hier einen Wagen wie meinen gemieteten GMC YUKON komplett zerlegt, wird rund 50.000 Euro für sein Off-Road Abenteuer bezahlen müssen.

Meistens passiert nichts und die Straßen sind grundsätzlich ja auch sicher und befahrbar, nicht umsonst mieten sich alle Touristen einen 4×4 (Four by Four) mit viel Bodenfreiheit (High Clearance) um eben solche Pisten zu fahren. Aber man sollte sich trotz allem immer wieder bewusst machen, dass ein schweres Gewitter besonders unbefestigte Straßen schnell unpassierbar machen kann. Im einfachsten Fall bleibt man stecken und muss vielleicht lange Zeit auf einen extrem teuren Abschleppdienst warten. Im schlimmsten Fall gerät man in eine Schlammlawine oder rutscht in eine Felsspalte. Wenn man es überlebt ist es halb so wild, dann wird es eben einfach nur so richtig teuer. Aber es verlieren in diesen Parks auch regelmäßig unaufmerksame Touristen ihr Leben.

Im Film 127 Hours von Danny Boyle wird beispielsweise die wahre Geschichte eines Mannes nachgezeichnet der hier in genau diesem Park beim Wandern in eine Felsspalte gestürzt ist und sich dabei mit einem dicken Felsbrocken den rechten Unterarm eingeklemmt hat. Er hat 127 Stunden lang auf Hilfe gewartet die nicht gekommen ist. Schließlich hat er sich mit einem stumpfen kleinen Messer den rechten Unterarm selbst amputiert und seinen „kleinen Ausflug“ mit viel Glück überlebt.

Wer sich auf Abenteuer wie den Shafer Trail einlässt sollte das alles im Kopf behalten und es nicht wie ich kurz vor Anbruch der Dunkelheit wagen. Ich habe in den letzten Jahren viel Erfahrung auf einsamen Off-Roads gesammelt und kenne auch den Shafer Trail von meinem Besuch im Jahr 2009. So war das Risiko heute sehr überschaubar. Wer hier aber fremd ist und ein wenig Zeit für das Fotografieren haben möchte, der sollte besser 5-6 Stunden einplanen und dementsprechend rechtzeitig vor Sonnenuntergang losfahren.

Morgen geht es dann weiter nach Escalante. Schauen wir mal was und dort erwartet 🙂

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USA-2014 – Tag 19 – Nachts in der False Kiva

Der in Moab ansässige Fotograf Tommy Till war einer der Ersten, vielleicht sogar DER erste Fotograf der Fotos aus der False Kiva im Canyonlands National Park bereits vor vielen Jahren veröffentlich hat. In seiner Galerie in Moab ist dieses Foto bis heute eines der Highlights der Ausstellung. Tom Till hat damals eine schwere und handliche Großformat-Kamera mit Planfilmen benutzt und auf der Basis dieser Vorlagen exorbitante Vergrößerungen erstellt. Diese hochwertigen großen Vergrößerungen auf „richtigem Fotopapier“ können in seiner Galerie bewundert und zu Preisen ab ca. 2.000$ erworben werden.

Bildschirmfoto 2014-05-20 um 12.15.25

Als ich im Jahr 2009 sein Foto der False Kiva zum ersten Mal sah, hat es mich regelrecht umgehauen. In den Tagen danach habe ich lange im Internet recherchiert um herauszufinden wo Tom Till dieses Foto aufgenommen hat. Schließlich habe damals ich einige GPS Koordinaten gefunden und in den letzten Jahren die False Kiva mehrfach besucht. Nach vielen hundert Fotos muss ich aber sagen: „Tom Till is the Master!“ Sein Foto der False Kiva schlägt einfach alles was ich bislang an Fotos der False Kiva gesehen habe.

Bildschirmfoto 2014-05-20 um 12.16.04

Als ich die False Kiva das erste Mal besucht habe war der Himmel über dem Canyonlands National Park langweilig und ohne Ausdruck. Aber bereits an diesem Tag war mir klar, dass eine Wanderung zur False Kiva mit den steilen Ab- und Aufstiegen durch teilweise abenteuerliche Geröllfelder nicht ganz einfach ist. Trotzdem bin ich in den letzten Jahren immer wenn ich die Gelegenheit hatte wieder zur False Kiva abgestiegen, weil mich diese Location über alle Maßen fasziniert. In diesem Jahr habe ich mir für das Shooting in der False Kiva sogar ein neues Objektiv, das Nikon AF-S 2,8/14-24mm zum Preis von 1.600 € gekauft.

Am Abend des 19. Mai ist es dann wieder soweit. Zur Sicherheit gebe ich erneut die Koordinaten der False Kiva und des Parkplatzes sowie des Einstiegs in den Wanderweg in mein Garmin Colorado 300 ein. Ein echter ausgeschilderter Wanderweg ist es allerdings nicht, es ist eher ein schmaler Trampelpfad.

Gegen 22h am Abend (10 pm) geht es wieder los zur False Kiva. Mit dabei habe ich mein großes leichtes SIRUI M3204 Carbon Stativ mit dem SIRUI K30-X Kugelkopf. Außerdem meine Nikon D800E mit Nikon MC-20 Kabelauslöser und einigen Objektiven – Sicher ist Sicher!

Der Weg vom Adventure Inn Motel zum inoffiziellen Trailhead ist etwa 60 Kilometer lang und man fährt etwa eine Stunde. Am wichtigen Abzweig zum Upheaval Dome fahre ich in der Dunkelheit versehentlich voll vorbei, bemerke es aber schon einige hundert Meter später, weil ich ja mein GPS an der Scheibe kleben habe – sehr praktisch!! Also heißt es den großen Wagen auf der schmalen Straße zu wenden und den richtigen Weg einzuschlagen. Etwa 10 Minuten später habe ich den Trailhead erreicht. Von den vielen Kurven ist mir nicht ganz wohl im Magen, ich fühle mich als wäre ich zweimal mit einer Achterbahn gefahren, aber es hilft ja nichts… Also werden die Schuhe ordentlich geschnürt, die Fotoausrüstung gecheckt und dann geht es auch los. Für den Fall der Fälle habe ich heute mal eine Mütze dabei, die ich aber nicht brauchen werde. Da die Geröllfelder schon bei Tageslicht nicht einfach zu überwinden sind, werden heute auch meine gefederten LEKI Carbon-Wanderstäbe aktiviert.

Außerdem habe ich eine kleine Camping-Lampe dabei die ich für 0,99$ vor einigen Tagen in einem Walmarkt gekauft habe. Diese kleine Lampe ähnelt einem Kugelschreiber und man kann sie sich sehr gut an seine Jacke oder das Hemd klemmen. In meiner rechten Hand habe ich zusätzlich zum Wanderstab eine LED Lenser P7  Taschenlampe und ein Päckchen mit Reserve-Batterien. Vom Parkplatz geht es zunächst etwa 500 Meter zurück und dann nach rechts den Trampelpfad entlang. Der erste Teil des Weges ist sehr einfach zu gehen und auch in der Dunkelheit leicht zu erkennen. Nach einigen hundert Metern beginnt es dann aber schwierig zu werden. Man muss nun eine unwegsame Passage mit vielen Felsen überwinden auf denen sich die Fußspuren verlieren und man schnell in die falsche Richtung läuft. Auch wenn ich nun schon mehrfach hier war, in der Dunkelheit bin ich ziemlich ratlos. Aber schließlich schaffe ich es anhand einiger „Steinmännchen“ (Waypoint-Marker) diesen Abschnitt zu überwinden. Nach etwa 30 Minuten bin ich an der Klippe angekommen und nun beginnt der schwierige kräftezehrende Abstieg durch das chaotische Geröllfeld. Die False Kiva ist eine wundbare Höhle die inmitten einer steilen Klippe liegt. Um sie zu erreichen muss man sie unterhalb passieren um dann durch losen Sand und Steine von Hinten wieder zum Ziel aufzusteigen.

Vor mir weiter unten kann ich Lichter sehen, ich werde hier heute also nicht allein sein. Das ist gut weil es in der Dunkelheit nicht ungefährlich ist. Hier zu stürzen und sich zu verletzten kann schnell das Ende bedeuten! Einige Minuten später kommen mir zwei drahtige gut trainiert Jungs mit Kopflampen entgegen. Sie halten kurz an und wir unterhalten uns kurz. Sie haben den Sonnenuntergang in der False Kiva fotografiert und sind jetzt auf dem Rückweg zu ihrem Auto. Sie erzählen mir, dass weiter vorn ein Mädchen unterwegs zur Höhle ist. Ziemlich verwundert setze ich mich wieder in Bewegung.

Einige hundert Meter weiter kann ich sie dann sehen, sie ist etwas oberhalb von mir und schon fast an der False Kiva angelangt. Plötzlich lösen sich einige etwa faustgroße Steinbrocken und rollen auf mich zu. Oh nein, jetzt keine Kopfverletzung schießt es mir durch das Hirn. Instinktiv wende ich mich ab, mache mich klein und halte meine Arme schützend hinter meinen Kopf. Aber die schweren Brocken schlagen einige Meter hinter mir auf. Puh, das ist ja noch einmal gut gegangen. Noch vorsichtiger mache ich mich wieder auf den Weg. Als ich schließlich reichlich verschwitzt und aus der Puste in der False Kiva ankomme sind dort zwei Jungs in ein Mädchen – Corinna, Chris und ein Freund dessen Namen ich leider vergessen habe. Chris fotografiert auch mit einer Nikon D800E, sein Freund benutzt ein Canon DSLR. Corinna begleitet ihre Freunde nur und vertreibt sich die langweilige Wartezeit mit ein paar Spielen auf ihrem iPhone.

Es geht los, ich nehme zunächst wieder einige Orientierungsfotos auf: ISO-25600, Blende 2,8 und 8s Belichtungszeit. So kann man selbst in nahezu totaler Dunkelheit auf dem Display sehen welchen Ausschnitt die Kamera gerade „sieht“ und ob das Objektiv korrekt fokussiert ist. Danach stelle ich ISO-1600 und Blende 4 ein. Weil meine D800E als längste Belichtungszeit nur 30 Sekunden ermöglicht, benutze ich den Timer des MC-20 Kabelauslösers. Damit sind Belichtungszeiten von 1s bis hin zu 10h möglich. Ich versuche es zunächst mit 2 Minuten, aber die Bilder sind unterbelichtet. Auch wenn sie in der Dunkelheit auf dem Display gut aussehen, so kann man im Histogramm doch sehen, dass es deutliche schwarze Bereiche ohne jegliche Zeichnung gibt. Bei 4 Minuten sehen die Bilder dann auf dem Display gut aus und das Histogramm ist so ausgewogen wie es sein sollte.

Damit in den Fotos wegen der langen Belichtungszeiten keine bunten „Hotspots“ zu sehen sind, sollte man in der Kamera die Option „Rauschunterdrückung bei Langzeitbelichtung“ aktivieren. Diese Rauschunterdrückung benötigt allerdings exakt die gleiche Zeit die vorher für die Belichtung verwendet wurde. Bei 4 Minuten Belichtungszeit muss man also geschlagene 8 Minuten lang warten bis man etwas zu sehen bekommt und das bei einem schon recht hohen Wert von ISO-1600! Wirklich viele Fotos kann man so also in einer Nacht nicht aufnehmen und man sollte sich gut überlegen welche Perspektiven tatsächlich lohnenswert sind.

Weil wir zu dritt fotografieren und wir alle mit Taschenlampen hantieren ist es nicht ganz einfach das Geschehen zu koordinieren. Wird während einer Belichtungszeit von 4 Minuten eine extrem helle Taschenlampe wie meine P7 auch nur kurz eingeschaltet, so ist das Foto meist komplett ruiniert. Manchmal kann es ganz gut aussehen eine zusätzliche Lichtquelle zu haben, aber meistens eben nicht. So rufen wir uns auch immer wieder zu „Are you open?“ „Yes I am open!“ „Ok, now the noise reduction is active“.

Einmal kommt der Freund von Chris zu seiner Kamera zu rück und sagt „Oh, it’s thinking!“ Ich verstehe es erst beim zweiten Mal, muss dann aber wirklich breit in die Dunkelheit hinein grinsen. Am Vortag am Marlboro Point ist kurz nach Mitternacht der Mond aufgegangen. Heute passiert es irgendwie nicht zur erwarteten Zeit. Mit meiner gelben kleinen Lampe haben wir die Struktur innerhalb der False Kiva so ausgeleuchtet, dass es ein wenig nach einem Lagerfeuer aussieht. Zusätzlich habe ich ganz rechts außen meine Handy mit eingeschalteter LED auf meinem Fotorucksack positioniert. Als dritte Lichtquelle leuchtet meine P7 direkt die rötliche Felswand an. Das reflektierte Licht ist jetzt nicht mehr fies blau, den es wird jetzt primär die Farbe der Wände reflektiert, so dass es sich harmonisch in das Gesamtbild einfügt.

Irgendwann steht Chris neben mir und schimpft „I am unable to find a good composition!!“ Er ist erst vor kurzem von einer Nikon D300 auf die D800E umgestiegen und hat noch kein wirkliches Weitwinkel für das größere FX-Format. Als ich ihm zeige wie meine Fotos bei 16mm Brennweite aussehen sagt er mehr aus Spaß „Do you have a second one?“ Und tatsächlich habe ich mein Nikon AF-S VR 4/16-35mm im Fotorucksack – Sicher ist Sicher!! In der Dunkelheit kramen wir das Objektiv heraus und Chris montiert es an seine D800E. Allerdings schafft er es nicht korrekt, doch auch das ist nach einigem Augenblicken geklärt, am Objektiv ist der Autofokus abgeschaltet. Corinna hat eine sehr helle Lampe die mit vielen LED bestückt ist. Sie leuchtet für uns die Struktur der Höhle aus und mit dieser Hilfe funktioniert dann auch der Autofokus unserer Kameras. Nachdem alles korrekt fokussiert ist, schaltet sie die Lampe wieder aus, wir schalten den Autofokus auf Manuell und warten wieder geduldig ab bis die Rauschunterdrückung ihre Arbeit verrichtet hat.

Als gegen 2h der Mond die Landschaft unten im Canyonlands immer noch nicht wirklich so ausleuchtet wie ich es mir wünschen würde bin ich schwer enttäuscht, ich hatte mir mehr gewünscht. Langsam nähere ich mich von Bild zu Bild der Struktur innerhalb der Höhle und stelle an meinem Objektiv einen immer kürzere Brennweite ein, bis ich bei 14mm angekommen bin. So wirkt die Struktur im Vordergrund sehr dominant und man bekommt zusätzlich auch mehr Sterne auf das Bild weil die Kamera nicht etwa 3m von der Rückwand der Höhle entfernt ist und so besser aus der Höhle „herausschauen“ kann.

Langsam aber sicher wird mir richtig flau im Magen. ich bin total übermüdet, habe nichts zu essen dabei und das lauwarme Wasser aus den beiden kleinen Plastikfläschchen vermag mich auch nicht wirklich aufzurichten. Mein Körper ist unterzuckert und ich würde mich am liebsten hier irgendwie flach hinlegen, aber hier sind überall Felsbrocken und Fotorucksäcke im Weg. Einige Fotos später muss ich aufgeben, mir geht es nicht gut und ich sollte jetzt schnellstens den Rückweg antreten wenn ich es heil zum Auto schaffen will. „Ok Folks, I need a beed and I think I’m leaving…“ Das ist der Startschuss für den Abmarsch. Meine neuen Freunde packen auch alles zusammen, wir tauschen das 16-35mm Objektiv zurück und Chris sagt „Thank you my friend, you saved my life!“ Das freut mich sehr und bestätigt mich wieder darin, dass es in den USA fast nur hilfsbereite wirklich freundliche Menschen gibt.

Es mag ja die Ausnahmen geben die wir in Film und Fernsehen präsentiert bekommen, aber ich selbst habe solche Menschen hier im gelassenen Süd-Westen der USA noch nicht erlebt.

Als ich endlich alles zusammen gepackt habe sind die Corinna, Chris und ihr Freund schon losmarschiert. Ich kann anhand der Position ihrer Lampen erahnen wo ich selbst entlang muss. 50 Jahre alt und ein untrainierter „Bürohengst“ bin ich allerdings deutlich langsamer als diese jungen drahtigen Amerikaner. So wird der Abstand Imme größer und schließlich bin ich ganz allein mit meiner Taschenlampe in der unwegsamen Wildnis. Jeder Schritt fällt schwer und mir ist übel. Immer wieder muss ich anhalten und verschnaufen bevor ich meinen übergewichtigen Körper auf den nächsten steilen Felsbrocken hieve und das nächste schräge Stück Slickrock überwinde. Es kommt mir ein wenig vor wie bei meinem letzten Besuch auf dem Pico del Teide zusammen mit meinem Freund Ashraf aus München. Damals hatte ich auch nichts zu Essen und zu trinken dabei und wäre hoch oben auf dem höchsten Berg der Spanier beinahe kraftlos umgefallen. Damals hat mich unten in der Talstation ein Stück Kuchen und eine zuckersüße kalte Cola wieder aufgerichtet. Mir kommt die Szene aus dem Danny Boyle Film „127 Hours“ in den Sinn als James Franko tagelang eingeklemmt hier im Canyonlands National Park ausharrt und sich in einer Traumsequenz die Flasche Gatorade aus dem Kofferraum seines Autos herbeisehnt. Jetzt ein kalte Cola, dafür würde ich echt was geben. Aber alles was ich habe ist eine kleine Flasche mit lauwarmem stillen Wasser…

Schließlich habe ich den steilen Anstieg hoch zur Klippe geschafft. Die kleinen Steinmännchen waren hier eine große Hilfe. Doch ich musste auch immer wieder stehen bleiben und mit meiner Taschenlampe das Terrain intensiv ableuchten um den nächsten Waypoint-Marker zu finden. Nun geht es etwa gemächlicher weiter, doch einige hundert Meter weiter verlieren sich wieder die Spuren im Sand. Es ist die Passage mit den vielen Felsen auf der ich mich bereits auf dem Hinweg etwas verirrt hatte. Die Batterien in meinem GPS sind fast am Ende, daher habe ich es bislang ausgeschaltet gelassen. So klettere ich in der Dunkelheit mit meiner Taschenlampe umher bis ich nach etwa 10 Minuten wieder ein kleines Steinmännchen finde. Die Erleichterung ist groß und es geht weiter. Am Horizont kann ich die Lichter meine Freunde sehen, es sieht aus als hätten sie einen völlig anderen Weg eingeschlagen.

Etwas später sind meine Reserven weitgehend aufgebraucht, ich kann eigentlich nicht mehr wirklich weiter. Da sehe ich nur einige hundert Meter weiter wie ein Auto hin und her fährt und die Lichthupe bedient. Das sind meine Freunde, die „Cave-Men“ wie wir uns spaßeshalber genannt haben. Das ist wirklich hilfreich, denn so kann ich sehen wir die Straße ist. Doch das Gelände wird immer unwegsamer und weil es nicht mehr weit zum Auto sein kann schalte ich nun mein GPS ein um den restlichen Strom der Batterien sinnvoll zu nutzen. Das GPS braucht einen Augenblick um die neue Position zu bestimmen, dann kann ich auf der sehr detaillierten Karte sehen, dass ich einige hundert Meter nach rechts vom Hinweg abgekommen bin. Das ist sehr hilfreich und letztlich komme ich gegen 3h in der Nacht an meinem Auto an.

Ich bin völlig fertig und schaffe es nicht einmal einen Cräcker herunterzuwürgen. Mit einem weiteren Schluck des lauwarmen Wassers aus dem Kofferraum klappt es schließlich. Ich habe noch einige Äpfel im Kofferraum, aber selbst den kann ich nicht aufessen. Nach den ersten Bissen packe ich nur meine Sachen in den Kofferraum, schiebe die Pullover, Mützen und Jacken auf der Rücksitzbank etwas zusammen und versuche ein wenig zu schlafen.

Vor Kälte und zitternd werde ich etwa zwei Stunden später wieder wach. Es geht mir besser, aber das Thermometer zeigt nur noch 9°C. Tagsüber in Moab waren es 32°C und bei meiner Ankunft am „Trailhead“ waren es noch 25°C. Ich bin in der Wüste und hier kann es nachts wirklich kalt werden. Leicht zitternd setze ich mich auf den Fahrersitz, nehme noch einen guten Schluck des inzwischen nicht mehr lauwarmen Wassers zu mir und starte den großen Achtzylinder.

Der Weg zurück zum Motel fällt mir wirklich schwer und ich muss mich sehr konzentrieren weil immer wieder schwarze Rinder mitten auf der Straße stehen oder kleine Hasen vorbeizusehen. Jetzt noch einen Unfall zu haben, das muss nicht sein. Als ich am Parkplatz in der Nähe des Mesa Arch vorbeifahre stehen dort schon mehr als 20 Autos, der Himmel über den La Aal Mountains ist schon gelblich eingefärbt und die Wolken über mir haben nun schon etwas mehr Kontur als während unserer Fotosession in der False Kiva. „Rudelknipsen am Mesa Arch“ kommt es mir in den Sinn. Das habe ich auch schon mehrfach erlebt und dort trotzdem eines meiner bislang besten Fotos aufgenommen. Wäre ich nicht so sehr neben der Spur, ich würde die paar hundert Meter zum Mesa Arch laufen und das „magische rote Leuchten“ statt mit 12 MPix nun mit satten 36,3 Megapixeln fotografieren. Aber es geht mir nicht gut und so muss ich auf dieses Gemeinschafts-Erlebnis heute leider verzichten. Aber mein Fotos aus dem Jahr 2009 ist mit der Zeit nicht schlechter geworden und so fällt es leicht einfach weiterzufahren.

Mesa Arch - La Sal Sunrise

Endlich im Motel angekommen schaffe ich es nur die Schuhe auszuziehen und falls saft- und kraftlos auf meine Matratze neben dem Bett in dem meine Sandra endlich einmal leise vor sich hin schnarcht. Als ich wieder wach werde bin ich allein und draußen scheint schon die Sonne. Kurz darauf öffnet sich dann auch die Türe und meine Sandra ist vom morgendlichen Einkaufsbummel zurück. Es ist schon nach 11h und die Zimmermädchen warten schon darauf, dass wir das Zimmer endlich räumen. Schnell springe ich unter die Dusche und bin erneut erstaunt welche regelrecht magische Wirkung Wasser doch haben kann. Trinkt man es lauwarm aus einer Plastikflasche ist es eher langweilig, aber wenn es mit gemäßigtem Druck auf den Kopf prasselt ist es wunderbar.

Gegen 12h sind wir dann im Dennis am südlichen Ende der Stadt. Als wir uns gerade hinsetzen steht plötzlich Chris neben uns. Ich bin derartig überrascht, dass mir fast die Worte fehlen. Wer mich kennt weiß, dass das nur sehr selten der Fall ist 🙂 Chris freut sich, dass ich es heil zurückgeschafft habe. Und ich bedanke mich dafür, dass sie mir mit dem Auto in der Nacht signalisiert haben wohin ich laufen muss. Sie selbst hatten sich auch etwas verirrt und sind einen recht weiten unwegsamen Umweg gewandert.

In der Nacht habe ich ihnen meine Visitenkarte gegeben und Chris hat sogar schon in meinen BLOG geschaut. Ich habe einen neuen Follower 🙂

That’s why I love America…

Nachdem sich Chris verabschiedet hat ordern wir uns unser Frühstück und es gibt endlich süße Bluberry Pancakes, Rührei, Speck, Kartoffeln, Kaffee und last but not least ein Glas mit herrlich kalter Cola mit viel Eis. Das Leben als Amateurfotograf kann so schön sein!

Nach dem Frühstück sichte ich meine Beute und bin mit zwei Bildern ganz glücklich. All die Strapazen für nur ZWEI FOTOS!! Nun kann ich auch ermessen, warum Tommy Till seine exzellenten Fotos der False Kiva nicht zum Selbstkostenpreis verschenken kann.

Und hier ist es endlich, mein Foto des Tages aus der False Kiva zu nächtlicher Zeit 🙂

False Kiva @ Night - Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm

USA-2014 – Tag 18 – Nachts am Marlboro Point

This Night @ Marlboro Point #1

Es ist unsere zweite Nacht in Moab. Am Morgen habe ich kurz an der Rezeption nachgefragt ob vielleicht jemand ein Zimmer mit zwei Betten abgesagt hat, aber es ist noch zu früh. Sandra ist wirklich schlecht drauf weil sie während der gesamten Nacht kein Auge zu bekommen hat. Etwas später macht uns die Eigentümerin des Adventure Inn Motels den Vorschlag doch einfach eine Matratze neben das Bett zu legen und diese mit einem Bettlaken usw. zu beziehen. Wir willigen ein und Sandra freut sich auf die erste Nacht in der sie hoffentlich wieder richtig schlafen kann.

Wenig später treffen wir uns mit unseren Freunden Angenie und Peter aus Idahoe. Sie sind mit ihrem „Truck“ unterwegs der mehr ein Wohnmobil mit viel Bodenfreiheit (High Clearance) und Allrad-Antrieb (4×4 – Four by Four) ist. Gemeinsam lassen wir es uns im örtlichen „Old Jailhouse“ richtig gut gehen. Dies ist wirklich der alte „Knast“ aus der Zeit als hier noch die Desperados mit ihren Colts auf kleinen aber zähen Quarter-Horses die Gegend unsicher gemacht haben. Inzwischen gibt es dort ein leckeres Frühstück und das Restaurant ist so gut besucht, dass sich die Gäste in eine Warteliste eintragen lassen müssen. Angenie und Peter haben genau das kurz zuvor schon erledigt und so sind wir sehr schnell an der Reihe.

Nach dem Frühstück probieren kurz unsere neue Schlafgelegenheit aus. Dann geht es mit dem Auto zur Red Cliffs Lodge im nahe gelegenen wunderschönen Castle Valley. Dort buchen wir für Sandra ein „Horseback Adventure“. Sie wird am nächsten Morgen um 8h30 für drei Stunden in einer Gruppe von 8 Reitern und einem Guide auf einem Pferd das Castle Valley erkunden.

Später treffen wir uns erneut mit Angenie und Peter, diesmal zum Abendessen bei einem der vielen Mexikanischen Restaurants. Für mich gibt es einen Burrito mit grüner Sauce und etwas Sour Cream und Guacamole. Dazu ein Bier und der Tag ist gerettet. Ganz witzig ist, dass Angenie und Peter für eine Nacht im gleichen Motel eingecheckt haben und gleich zwei Zimmer weiter wohnen. Aber bereits am nächsten Tag werden sie weiter in Richtung Escalante reisen. Sandra und ich werden noch bis Donnerstag hier in Moab bleiben und dann vielleicht auch nach Escalante fahren. Dort könnten Sandra und Angenie einen gemeinsamen Ausritt buchen während Peter und ich vielleicht eine kleine Fotowanderung unternehmen.

Nachdem wir uns verabschiedet haben packe ich meine Fotosachen zusammen und mache mich selbst auf zum Marlboro Point.

This Night @ Marlboro Point #2

Eigentlich hatte ich geplant das Areal tagsüber zu erkunden um die nächtliche Anreise zu vereinfachen. Aber dann kam die Buchung des Pferde-Abenteuers dazwischen. So bin ich nun ganz allein in pechschwarzer Nacht unterwegs zu einer etwas abseits gelegenen Location. Sehr hilfreich ist dabei mein Garmin Colorado 300 das ich mit sehr detaillierten topografischen Karten bestückt habe. Doch selbst meine Navigations-Software „Copilot 9″scheint die Location zu kennen. Ich starte mal eine entsprechende Route und bekomme angezeigt, das sie unwegsame Streckenabschnitte enthält. Ok, darauf bin ich vorbereitet und genau deshalb habe ich den teuren großen Geländewagen gemietet.

Letztlich führt mich meine Navigations-Software aber direkt an einen Zaun mitten im nächtlichen Nirgendwo zwischen Dead Horse Point und Canyonlands National Park. Also geht es ein Stück zurück und nun verlasse ich mich lieber auf das topografische Kartenmaterial. So finde ich auch etwa 30 Minuten später einen Punkt wo ich mein Auto abstellen und den Rest des Weges bequem laufen kann.

This Night @ Marlboro Point #3

Mit dabei habe ich meine Nikon D800E mit dem Nikon AF-S 2,8/14-24mm und zusätzlich das alte aber extrem gute AiS 2,8/55mm Macro Objektiv. Außerdem habe ich einen Reserve-Akku, zwei Taschenlampen, eine Flasche Wasser, eine warme Jacke, Stativ, Reservebatterien, Kabelauslöser und mein HTC ONE samt Akkupack dabei. Während ich mit dem GPS in der linken Hand und der Kamera samt Stativ auf der rechten Schulter meinen Weg durch die nächtliche Wildnis suche leuchte ich den Boden mit meiner extrem hellen Taschenlampe des Typs „LED Lenser P7“ ab. Hier gibt es Skorpione, giftige Spinnen, Klapperschlangen und anderes Getier dem man lieber nicht begegnen möchte. Außerdem trage ich meine hohen Wanderstiefel und eine lange Hose die ich unten an den Stiefeln ganz eng zusammen geschnürt habe, damit nichts in das Hosenbein hineinkriechen kann.

Weil ich noch nicht weiß wo der eigentliche Marlboro Point ist und man in der Dunkelheit ohne Taschenlampe praktisch gar nichts sehen kann, halte ich zwischendurch immer wieder an und nehme bei allerhöchster ISO-Empfindlichkeit mit offener Blende und ca. 4s Belichtungszeit (ohne Rauschunterdrückung) einige schnelle „Orientierungsfotos“ auf. So finde ich nach etwa 30 Minuten tatsächlich einen sehr guten Punkt für schöne Fotos. Ein großes Problem ist der kräftige Wind, der nicht nur allerfeinsten Sand mit sich bringt, sondern auch kräftig an Kamera und Stativ rüttelt. Um die Angriffsfläche zu verringern winde ich den Kameragurt um das Stativ und klemme ihn an der Halterung ein die normalerweise verwendet wird und das Stativ zusätzlich zu beschweren.

Nach einer kurzen Suche finde ich auch eine etwas windgeschützte Ecke wo sich mein Stativ aufstellen lässt und ich eine gute Sicht auf die „Needles“ unten im Canyonlands National Park habe. Mit der Taschenlampe leuchte ich vorsichtig in alle Spalten und Ritzen zwischen den Steinen um sicher zu gehen, dass ich hier nirgendwo giftiges Getier überraschen kann. Aber alles ist „clean“ und so kann die Fotosession beginnen. Anfangs ist es noch stockfinster und so muss ich bei ISO-6400 fast 2 Minuten lang belichten um überhaupt etwas auf den Chip zu bekommen. Später reduziere ich die ISO-Empfindlichkeit auf ISO-800 und belichte satte 12 Minuten. Das ist eine lange Zeit und da wird einem schnell langweilig, besonders wenn die notwendige Rauschunterdrückung nochmals ganze 12 Minuten verschlingt. 24 Minuten für nur EIN Foto, das bekommt man eigentlich nur Nachts hin 🙂

Während ich drauf warte, dass die 12 Minuten endlich abgelaufen sind schaue ich mich etwas um und sehe ganz links von mir einen hellen Flecken am Horizont. Bei genauerer Betrachtung ist es der Mond der gerade hinter den Bergen in der Ferne aufgeht. Innerhalb von etwa 6 Minuten ist er komplett zu sehen und hat etwa während der Hälfte der Belichtungszeit meines Fotos die Szenerie ausgeleuchtet. Nun beginnt das bange Warten während die Rauschunterdrückung ihre Arbeit verrichtet. Am Ende ist das Foto entstanden das ich ganz oben in diesen Artikel eingefügt habe.

Während der Mond höher und höher steigt treten die vielen Millionen Sterne leider in den Hintergrund. Der Mond überstrahlt einfach alles. Die erhofften Fotos mit der Milchstraße über dem Marlboro Point gibt es heute also nicht. Aber statt dessen entstehen trotzdem eine sehr schöne Fotos die man erst beim zweiten Hinschauen als „Nachtaufnahmen“ erkennt. Als ich meine alles „im Kasten“ zu haben lasse ich mich doch noch einmal hinreißen trotz der staubigen Umgebung das Objektiv zu wechseln. Von einem etwas anderen Standpunkt aus entstehen nun noch einige Fotos mit dem alten Nikon AiS 2,8/55mm Micro Nikkor. Später muss ich feststellen, dass mir dieser etwas engere Blickwinkel auch gefällt und dass es durchaus die richtige Entscheidung war dieses Objektiv in die Jackentasche zu stecken.

This Night @ Marlboro Point #4

Zurück beim Auto nehme ich noch ein paar „Making Of“ Fotos auf und setze mich im Auto abermals für etwa 30 Minuten vor meine Kamera um etwas Material für ein weiteres  YouTube-Video zum Thema „Fotografieren bei Nacht“ aufzunehmen. Anschließend geht es über die teilweise extrem anstrengende Off-Road Piste zurück zum Adventure Inn nach Moab. Dort angekommen ist Sandra trotz allem noch wach. Sie kann derzeit einfach nicht gut schlafen. Ich habe alles gegeben um ihr einige Stunden mit ruhigem Schlaf zu gönnen, nun ist sie an der Reihe… Gegen 5h mache ich schließlich die Augen zu und als ich um 8h30 wieder wach werde bin ich allein. Sandra hat mich nicht geweckt um zur Red Cliffs Lodge gefahren zu werden sondern sie hat sich die Autoschlüssel geschnappt und ist selbst gefahren. Das mag ich an ihr, sie ist manchmal wirklich völlig unkompliziert.

This Night @ Marlboro Point - Making Of

So beginnt der dritte Tag in Moab mit der Sichtung meiner nächtlichen Beute. Auch wenn ich die erhofften Fotos mit der Milchstraße nicht hinbekommen habe, so sind dennoch einige wenige sehr coole Fotos entstanden die für alle Mühe und das nächtliche Abenteuer entschädigen.

Heute ist Montag, wir werden Moab am Donnerstag verlassen. Es ist also noch etwas Zeit für weitere Abenteuer. Vielleicht knöpfe ich mir den Delicate Arch im nahegelegenen Arches National Park auch einmal bei Nacht vor, schauen wir mal…

Moab nach Escalante – Oder: Schwätzchen mit Amy

Es ist mal wieder 08:20 – draußen ist es hell und ich will eigentlich noch gar nicht aufstehen. Aber was sein muss das muss sein! Also ab unter die Dusche, auch wenn es weh tut. Etwa eine Stunde später ist alles ins Auto gepackt. Sandra geht das ständige Wechseln der Motels langsam auf die Nerven. Aber das ist der Preis den man für die vielen schönen und so unterschiedlichen Eindrücke zahlen muss.

Wir verabschieden uns von der Chefin und dann geht es erst einmal zur Zions Bank am anderen Ende des Ortes. Sandra tauscht hier ihre letzten Euros in Dollar um. Das geht entweder in Kanab oder in Moab. In Page und Kayenta war es nicht möglich! Der Umtausch kostet 5 Dollar.

Ich belaste meine Kreditkarte mit 500 Dollar, das Geld geht hier weg wie nix…

Dann fahren wir zu Denny’s – endlich ist es nicht mehr so voll wie an den letzten Tage. “Hi Amy, how are you today?” “Hi folks, how are you, nice to see you again!!” Amy ist echt nett und wir halten ein langes Schwätzchen. Der Kellner mit dem wir gestern bei Denny’s gesprochen haben hat auch Bekannte in Deutschland. Es ist schon witzig, immer wieder geht es mir durch den Kopf: “Everybody has some roots in germany!” Amy hat auch bekannte in Deutschland. Total überrascht ist sie, als wir ihr erklären, dass es in Deutschland keinen “Refill” für Kaffe gibt. Trinkt man in einem deutschen Café zwei Tassen Kaffee, so muss man auch zwei Tassen bezahlen. Hier zahlt man 1,99 Dollar und dafür gibt es Kaffee bis zum Abwinken. Eine feine Sache, Amy ist richtig entgeistert. Keinen Refill in Europa – sowas…

Mit “Build your on grand slam” kenne ich mich inzwischen ganz gut aus. Heute gibt es zwei Rühreier: “Two Scambled Eggs” und zwei kleine Brötchen die man gut mir dem Ei belegen kann. Die nennt man hier “English Muffins” – keine Ahnung warum, mit Muffins haben diese Dinger wirklich gar nichts zu tun! Dazu gibt es zwei kleine Würstchen. Die heißen hier “Sausage Links” und schmecken recht gut. Dazu dann noch ein “Premium Item” – “Granola with Milk”. Das ist eine Art Müsli, auch ganz lecker. Dazu noch ein kleines Glas Orangensaft. Fertig ist ein Frühstück das nicht sehr teuer ist und lange satt macht.

Nach dem Frühstück gibt es noch ein wenig Smalltalk mit Amy und dann fahren wir los. Es ist etwa 10:30 – bis nach Escalante sind es etwa 390 Km – Luftlinie zwischen den Orientierungspunkten im GPS.

Die Fahrt macht Spaß, es sind lässige 19°C und die Landschaft ändert sich ständig. Irgendwann biegen wir links ab und dann geht es in Richtung Capitol Reef National Park. Die gut geteerte Straße geht bald in einen holprigen Schotterweg über. Links und recht sehen wir blühende Wüstenlandschaften die an Horizont von verschneiten Bergen gesäumt werden. Das ist einzigartig und wirklich grandios.

Dann biegen wir rechts ab und nun beginnt der Burr Trail. Es geht in engen Serpentinen steil bergauf. Uns begegnet ein Gruppe cool aussehender Motorradfahrer mit richtigen Cross-Maschinen. Sie halten auf halbem Weg an und fotografieren sich gegenseitig, ob es Japaner sind? 🙂

Oben angekommen machen wir auch ein paar Fotos und dann geht es weiter nach Escalante. So gegen 16h kommen wir am Circle-D Motel an. Es ist noch ein Zimmer für 5 Tage frei. Es hat jemand wegen des Vulkanausbruches auf Island abgesagt, ein Typ aus Deutschland. Ob es Wolfgang war der seine Reise am letzten Dienstag stornieren musste?

Wolfgang, liest Du das hier? Haben wir Dein Zimmer?

Nachdem wir alles ausgepackt haben geht es in das Restaurant am Circle-D. Im letzten Jahr war es eine Großbaustelle, in diesem Jahr ist es ein richtig schönes neues Restaurant. Die Kellnerin ist sowas von nett. Es gibt sogar einen wirklich exquisiten Rotwein aus dem kalifornischen Weingut Fetzer – einen Cabernet Sauvignon – der kostet hier nur 19 Dollar und er ist wirklich vorzüglich – und DAS IN UTAH!!

Dazu gibt es einen leckeren “1/3 Pound Burger”. Sandra bestellt etwas mit Fisch, es ist eine Empfehlung der Kellnerin und sie wird kurz darauf sehr zufrieden sein!! Mein Burger ist auch super. Es gibt danach noch Blaubeerkuchen und einen Espresso. Hier geht es uns gut! Wir machen einen kleinen Spaziergang durch das Dorf. Vorbei an den niedlichen alten Häusern die immer noch zum Verkauf stehen und die langsam aber sicher zu verfallen scheinen.

Zurück im Motel sind wir froh über die tolle schnelle Internet-Anbindung im Circle-D. Eine Nacht kostest hier für zwei Personen 65 Dollar plus etwa 10% Steuern. Das Zimmer hat zwei große Betten, einen Fernseher, einen großen Kühlschrank und eine Mikrowelle – Herz was willst Du mehr?

Während im Fernseher GAC läuft schreiben wir an unseren BLOGs. Auf diesem Fernsehsender läuft mit ein paar Werbepausen rund um die Uhr richtig nette Country-Musik.

Wir sind angekommen!

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Die Diashow des Tages gibt es hier.

Der letzte Tag in Moab

Es ist Sonntag und die meisten Freaks werden im Laufe des Tages mit ihren ‘Classic Cars’ wieder nach Hause fahren. Da werden sie ein Jahr lang werkeln und schrauben und im nächten Jahr wieder an der Parade der verrücktesten Autos teilnehmen.

Wir würden gern bei Denny’s frühstücken, aber es ist brechend voll. Aber wir finden was, es gibt bei JAX ein gutes Frühstück. Danach kurz im City Market einkaufen – der hat auch am Sonntag geöffnet! Anschließend geht es zum Dead Horse Point, Sandra kennt dieses schöne Fleckchen Erde noch nicht. Dann weiter zur False Kiva. Gestern war der Himmel ein wenig langweilig, heute verspricht er schönere Bilder. Auch war ich gestern ein wenig spät an dieser kleinen Höhle. Etwas früher am Nachmittag scheint die Sonne direkt von oben hinein, das sieht auch gut aus.

Sandra hat die rechte Ferse schlimm wund gelaufen, aber sie beißt die Zähne zusammen. Als sie schließlich sieht wie es auf den letzten paar hundert Metern auf und ab geht gibt sie unter Schmerzen auf. Sie will warten bis ich zurück bin. Also los, unterwegs treffe ich eine Familie aus Denver. Sie fragen ob ich schon mal hier war. Klar war ich das, erst gestern! Ich kenne den Weg – folgt mir einfach! In der False Kiva treffen wir dann noch zwei Typen die auch fleißig fotografieren. Einer von ihnen ist Allen Johnson und wir haben vieles gemeinsam, wir mögen keine Locations an denen sich regelmäßig hunderte Fotofreaks versammeln. Wir unterhalten uns lebhaft und es macht großen Spaß. Alle haben wieder irgendeinen Verwandten oder Bekannten in Deutschland. Die Welt ist ein Dorf!

Nach und nach wandern sie alle zurück, ich bin der Letzte, abschließen muss ich nichts, es gibt ja keine Türen. Sandra treffe ich später auf dem halben Weg zum Auto. Jeder Schritt tut weh, trotz Blasenpflaster aus dem City Market. Aber morgen müssen wir ja nicht viel laufen, morgen werden wir im wesentlichen mit dem Auto unterwegs sein. Morgen geht es weiter nach Escalante!

Hier noch ein paar Fotos des Tages:

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Und noch einer meiner Flag-Shots:

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Hier gibt es eine GPX-Datei für alle die mal selbst zur False Kiva wandern wollen.

Hier ist noch eine KMZ-Datei die man mit Google Earth öffnen kann, um sich den Weg von Moab zum Dead Horse Point und zur False Kiva anzuschauen. Da die False Kiva eine Höhle ist, hat dort das GPS keinen Empfang mehr! Daher sieht der Track gegen Ende ein wenig ‘wirr’ aus. Ist aber kein Problem, wenn man den Abstieg zur Höhle gefunden hat geht man über den Felsvorsprung unterhalb der Höhle bis zum gegenüberliegenden Ende und steigt dann vorsichtig durch Schutt und Sand zu False Kiva auf. Es gibt eine Reihe von ‘Steinmännchen’ (Waypoint-Marker) die bei der Orientierung helfen.

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Der Dead Horse Point:

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