Tag vier – Oder: Überleben ohne Internet

Und schon wieder ist ein Nacht vorbei. Der Gecko ist vom Schlafzimmer ins Badezimmer gewandert. Mitten in der Nacht saß er dort an der Wand und hat den Lichtschalter kontrolliert. Der Schreck war groß, auf beiden Seiten!

Zum Morgengrauen ein kurzer Blick nach draußen ob es sich vielleicht lohnt in Unterhose hektisch auf die Dachterrasse des Nachbargebäudes zu klettern um ein Alpenglühen am Pico del Teide zu fotografieren. Es lohnt sich nicht, der Himmel ist noch genauso verhangen wie gestern – schade für die Fotoausbeute – gut für das Schlafdefizit.

Um 8h unter die Dusche – eigentlich ist es noch viel zu früh, das Frühstück startet offiziell erst um 9h. Aber so kann man noch ein wenig bloggen – leider offline! Es ist nun schon der vierte Tag ohne verstörende E-Mails, ohne Abbuchungsmitteilungen der Hausbank, ohne Hilferufe von Kollegen, ohne irgendwas das einem den Urlaub vermiesen könnte. Eigentlich gar nicht so schlecht…

Um 10h ist ein Treffen mit Karin und Wolfgang anberaumt. Unten im Ort an der Kirche soll es sein. Irgendwie ist es schon witzig, dass hier echt jeder kleine Ort seinen zentralen Platz mit einer Kirche hat. Daran merkt man, dass man nicht in einer der Touristenhochburgen im Süden ist. Ich kann mir kaum vor stellen, dass es in Playa de las Americas einen verträumten Platz vor einer Kirche umsäumt von alten Palmen gibt. Aber das könnte man ja vielleicht mal nachschauen. Nur wann? Am Mittwoch geht es schon wieder nach Hause. Dann ist das Internet wieder da, Fluch oder Segen? Ein wenig unklar ist es mir inzwischen. Vor 20 Jahren habe ich ohne Internet auch ganz gut gelebt. Manchmal erinnere ich mich noch an die Zeiten in den frühen 80er Jahren als RTF, SAT1 und PRO7 an den Start gingen. Damals gab es bei Conrad-Elektronik skurril anmutende Richtantennen mit Parabolspiegeln und Verstärkern. Wenn ich überhaupt mal ein verrauschtes neuen Fernsehbild gefunden hatte, dann durfte ich auf keinen Fall die Jalousie aus Metall herunter lassen!! Dann war es sofort wieder vorbei mit Chin Chin & Co. Harte Zeiten waren das! Mein Fernseher hatte damals 7 Stationstasten und unter eine kleinen Klappe waren kleine kaum bedienbare weiße Plastikrädchen mit denen man über kleine Drehkondensatoren einen Schwingreis auf einen der heiß begehrten neuen Sender abstimmen konnte. Heute gibt es die News im Netz oder als Podcast – die Zeiten ändern sich!

Mit der schrulligen Hasselblad SWC habe ich bislang nur 8 Bilder geschossen. Das Zählwerk steht zwar auf 10 aber ich habe bei zwei Bildern vergessen den Objektivdeckel abzunehmen. Bei einer Sucherkamera merkt man das nicht sofort… Aber das gehört ja irgendwie auch dazu.

Während ich zwischen den Steinen am Punta de Teno meine Fotos mit “unendlicher Tiefenschärfe” bei Blende 16 und 12mm Brennweite mache kommt mir der Hasselblad Flexbody in den Sinn. Damit könnte man das auch machen, sogar mit einem digitalen Rückeil – wenn man 10.000 Euro dafür ausgeben würde. Doch vor dem Bild hieße es statt des Rückteils die Mattscheibe und den Lupensucher zu montieren. Man müsste den Verschluss öffnen und die ganze Geschichte so einstellen, dass von vorn bis ganz weit hinten alles scharf ist. Dazu hätte man eine Gittermattscheibe und ein Bild das auf dem Kopf steht. Würde man die Mattscheibe eine wenig verschwenken, und das wäre für die “unendliche Tiefenschärfe” notwendig würde sich ab einer Verschwenkung von etwa 10° das Bild auf der Mattscheibe abdunkeln und man müsste die 10° oder die 20° Korrekturscheibe zusätzlich einschieben. Je nachdem in welche Richtung man schwenken würde von links oder von rechts. Hätte man alles eingestellt würde man den Drahtauslöser – ohne den beim Flexbody gar nichts geht – halb durchdrücken und so den Verschluss wieder schließen. Danach würde man die Mattscheibe abnehmen, das digitale Rückteil oder das Filmmagazin ansetzen. Beim Filmmagazin würde man den Edelstahlschieber entfernen. Danach hieße es mit einem externen Belichtungsmesser die korrekte Belichtung zu ermitteln und die am Objektiv einzustellen. Dann käme der Schuss – ein völlig unspektakuläres kaum wahrnehmbares “Klick” wäre das akustische Ergebnis. Bei einem Filmmagazin würde man dann den Film weitertransportieren und den Edelstahlschieber wieder einstecken. Dann die Mattscheibe wieder montieren und sich das nächste lohnenswerte Filmmotiv suchen. Mit der Hasselblad 500 C/W wäre das alles ein wenig einfacher, aber das ist ja auch eine Kamera für ausgemachte Weicheier!

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All das geht mir durch den Kopf während ich etwa 30 Fotos mache. In vergleichbarer Zeit hätte man den Flexbody nicht einmal aufgestellt. Das wäre irgendwie so wie bloggen ohne Internet. Irgendwie cool aber doch etwas schrullig. Na, irgendwann komme ich vielleicht mal mit dem Flexbody hier her und genieße die Langsamkeit des Systems 🙂

Noch 20 Minuten bis zum Frühstück…

Los!

Tag drei – Oder: Wie man bei verhangenem Himmel Fotomotive findet

Nach dem großartigen Abendmahl ein kurzer Schreck im Schlafzimmer. Hoch oben an der Wand eine Eidechse, oder ist es ein Gecko? Hm, mal bei Caro Schlichting nachfragen! Ok, die Tiere haben keine Zähne, haben Angst vor Menschen, sind nachtaktiv und mögen keine ebenen Flächen. Es gibt auch einen alten Spruch der besagt, dass es Glück bringt wenn man einen Gecko im Hause hat. Die Tiere fressen alles Ungeziefer, ok dann schlafen wir mal unter Beobachtung eines nachtaktiven Geckos ein…

8h21 – Es hat geklappt – der Gecko ist weg!

Um 9h gibt es wieder ein geniales Frühstück – man ist das gut! Zum Abschluss gibt es noch ein Stück frisch gebackenen Apfelkuchen – wow. Ab 11h kommen dann die deutschen Frühstücksfans. Es hat sich herumgesprochen und Qualität zahlt sich eben aus!

Dennoch ist der Himmel sehr verhangen, Hochnebel könnte man das nennen. Vielleicht ein gutes Wetter für eine kleine Fototour durch die Innenstadt von Garachico? Mal sehen! Erst einmal gibt es ein paar Blümchen die hier überall wachsen und ein neues Kapitel für das tägliche BLOG 🙂

Hier sind die Blümchen:

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Update um 17h30

Es war einfach kein schönes Fotowetter, der Himmel verhangen und diesig. Nach einem ausgiebigen Zwischenstopp in Garachico geht es weiter zum Punta de Teno. Dort ist so eben noch das Meer zu sehen, von La Gomera keine Spur weit und breit – schade! Aber es muss auch solche Tage geben 🙂 Also rein ins Auto und ab zum Restaurante La Terazza in Los Realejos. Das Wiedersehen ist toll, die Wirtin ist einfach super! Es gibt deutschen Kaffee und Apfelstrudel mit Vanilleeis und Schlagsahne – lecker!

Später in der Finca werden dann die Bilder gesichtet, die Beute ist nicht groß. Aber ein paar nette Schüsse sind doch dabei.

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Und um 19h gibt es schon wieder Abendessen 🙂

Update um 20h15

Das Abendessen war wieder großes Kino – genial! Frisch gebackene Ciabatta-Brötchen, selbst gemachte Kräuterbutter, vier kleine Blätterteighörnchen mit Käse und Schinken gefüllt – heiß aus dem Ofen. Dann zwei Melonenspalten in einer leckeren Sauce mit vier Röllchen gekochtem Schinken – genial! Dann Putenbrust-Geschnetzeltes mit Wildreis und frischen Gemüse in einer tollen Sauce. Zum Durchatmen einen Ramazotti auf Eis mit Zitrone, danach Vanille-Eis auf Erdbeeren mit Cointraux und frischen Minzblättern – auf Wunsch mit Schlafsahne – wow…

Jetzt noch schnell die Bilder anschauen, dann Duschen und ab ins Bettchen 🙂

Der erste Tag – Taganana und Benijo

Nach dem Genuss des besten Frühstücksbuffet der Welt geht es schnell ins große Einkaufszentrum in Los Realejos. Badehose, Sonnenbrille, Käppi, Getränke… dann weiter Richtung La Laguna. Auf Höhe des Flughafens Tenerife Norte geht es von der Autobahn ab und dann an der historischen Altstadt von La Laguna vorbei. In La Laguna hat vor ein paar Wochen bei den schweren Unwettern die ganze Altstadt unter Wasser gestanden. Heute stehen schon ein paar Baukräne herum um das UNESCO Weltkulturerbe wieder herzurichten.

Weiter geht es durch das urwüchsige Anaga-Gebirge. Insgeheim hoffe ich auf Nebel, denn dann könnte ich nach all den Jahren vielleicht endlich mal ein paar Fotos im berühmten Nebelwald machen. Aber es gibt keinen Nebel! Statt dessen ist der Himmel trüb und verhangen. Aber egal, die Stimmung ist gut und der Tag am Meer bei Taganana und Benijo ist wunderbar.

Um 18h geht es in der Finca kurz ans Notebook – BLOG muss sein!

Dann schnell ein paar Fotos anschauen und dann gibt es ein mit hoher Wahrscheinlichkeit überragendes Abendessen!

Update um 22h:

Das Essen war wieder großartig! Nach einer italienischen Vorspeise gab es leckere Fischfilets auf Teigwaren. Als Dessert ein kleines Törtchen mit Waldbeeren in einem kleinen Meer aus Eierlikör und Erdbeeren – so kann man es hier ertragen 🙂 Ein nettes Paar aus Bamberg ist auch angereist, da gibt es gleich jemanden zum Schwätzen.

Hier noch schnell die Bilder des Tages und dann ab ins Bettchen…

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Teneriffa 2010 – Oder: Abseits des Massentourismus

17. März 2010 – Heute ist es mal wieder so weit – vier Stunden und dreißig Minuten in der Luft – schon ist man auf Teneriffa 🙂 Diesmal ist es neben der obligatorischen Motivsuche eine Geburtstagsparty die auf Teneriffa lockt.

Der Mietwagen kommt wieder von Cicar, es geht alles wie gewohnt schnell und problemlos. Aus dem Augenwinkel sehe ich meinen Namen sogar auf einer Liste stehen – fein! Diesmal ist es ein fast neuer Astra mit vier Türen. Alles ist auf dem aktuellen Stand, nichts riecht diesmal nach ollem Zigarettenqualm, das macht Spaß!

Nach 60 Minuten wird im Einkaufszentrum bei Los Realejos schnell eine 500er Platte und etwas zu Essen und zu trinken gekauft. Die Platte kostet hier 89 Euro! Dann zum Kaffee hoch zu Karin und Wolfgang. Die einäugige Katze und der Haushund Schröder sind auch da. Irgendwie ist es hier schon fast wie zuhause 🙂 Um 17h Ortszeit – die Zeitverschiebung beträgt eine Stunde – gibt es das erste kühle Bier in der Finca San Juan.

Finca San Juan

Es ist ein verträumter toller Ort. Hier kann man die Seele baumeln lassen, es gibt heute KEINE anderen Gäste! Ein Prozedere des Eincheckens gibt es nicht. Statt die Kreditkarte vorzuzeigen gibt es ein kühles Bier in der Sonne und Smalltalk mit Jo Schlichting dem Chef auf diesem wundervollen Anwesen. Die letzten Stürme haben Teneriffa hart getroffen, aber hier hat es nur ein paar Dachziegel herunter geweht und die sind schon wieder repariert. Es gibt Geschichten über die Kanaren. In den 70er Jahren sollte es mal einen Deal mit Gran Canaria geben. Die liefern Sand für einen Strand und bekommen dafür eine Pipeline mit gutem Trinkwasser. Aber der Sand war eine Domäne von Gran Canaria. Der Sand kam dann aus der Sahara und auf Gran Canaria gibt es heute immer noch kein gutes Trinkwasser. Eine schöne Geschichte. Danach wird das Häuschen inspiziert. Es ist ein kleines toll modernisiertes Kanarisches Haus mit kleiner Terrasse, uriger Einrichtung und Blick auf das Meer – zauberhaft.

Koffer auspacken, die eben gekaufte Schokolade im Kühlschrank verstauen und die neue Festplatte auspacken. Dann das Notebook anwerfen und mit dem neuen BLOG beginnen.

Tippeditipp…

So, nun gibt es das erste Abendessen 🙂

Update um 21h:

Das Abendessen war genial! Als Vorspeise gab es gegrillte Paprikaschoten die scheinbar mit grobem Salz gefüllt waren, dazu frisches Brot und Aioli – lecker! Danach dann Champignons die in einer Öltunke gebacken wurden, das alles mit frischem Knoblauch – genial! Danach dann superzarte Schweinelendchen auf Zwiebeln in einer Sauce mit Martini – der Wahnsinn! Drauf dann drei kleine Rösti – sicher selbst gemacht – wow! Als Abschluss ein Himbeer-Parfait mit einem Schuss Cointraux – göttlich!

Wenn das Frühstück morgen das gleiche Niveau hat, dann wird es für das Frühstück im Quartier 65 in Mainz schwer das beste Frühstück der Welt zu bleiben. Aber ich denke es wird auf ein Unentschieden hinauslaufen. Das Frühstück im Quartier 65 kann man einfach nicht toppen – man kann es allen falls “einholen” 🙂

Nun schnell die Zähne putzen und dann ab ins Bett – es war ein langer schöner Tag! 4h Aufstehen in Mainz, 21h05 Schlafen gehen in der Nähe des Äquators – Sooo oft gibt es das nicht im Leben. Gut, dass es sooo gut ist! <|:-) 

Update am 18. März

Die Nacht war lang und rückblickend vielleicht sogar traumlos, aber wer kann das schon mit Sicherheit sagen? Vielleicht waren die Träume auch einfach von minderer Qualität, so dass die Realität am Morgen den Commit verhindert hat und das Unterbewusstsein einen stillen Rollback ausgelöst hat. Hm, ich braucht doch Urlaub…

Ok, der Kopf dröhnt ein wenig, der Wein war aber gut. Dich Matratze ist ungewohnt, der Rücken gibt die entsprechenden Signale. Aber der erste Blick auf das Meer macht alles wieder gut! Das kleine Häuschen ist echt niedlich und draußen ist schon angenehm warm. Jetzt geht es unter die Dusche und danach zum Restaurant-Test.

FINCA SAN JUA versus QUARTIER 65

Das wird ein harter Zweikampf! Ich werde berichten…

Update nach dem ersten Frühstück

Es war ein harter Kampf der Titanen und es gibt keinen Gewinner, denn man kann es nicht wirklich vergleichen. Im Quartier 65 gibt es Granit und Bambus, hier gibt es Palmen und Vulkane. Im Quartier 65 einen gedeckten Tisch von archarischer Schönheit, hier ein Menü des Überflusses. Man weiß gar nicht was man zuerst essen soll, es ist einfach alles sehr gut!

Ich entscheide mich für ein klares Unentschieden! Jedes Frühstück ist für sich das mit Abstand beste der Welt.

Sodele, nun wird das Notebook mal wieder weg gepackt und dann geht es raus in die Sonne! Mit dem schwarzen Opel nach Masca und zum Punta de Teno. Zwei Klassiker die immer wieder “gern genommen werden”. Morgen dann vielleicht Taganana und Benijo? Mal sehen es sind ja noch ein paar Tage!

Hier noch schnell das erste “Bild des Tages”

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Besuch bei der Oma – Oder: Ein entspannter letzter Reisetag

Die schöne letzte Etappe

Am letzten Abend vor der Heimreise lassen wir es uns im Restaurant Zum Seestern am Steinhuder Meer noch mal gut gehen. Der Junior vertilgt eine große Portion gebratenen Lachs mit Salat während sich der Senior über eine Pizza Hawaii freut. Auf dem Rückweg hat der Junior solch einen Bewegungsdrang, dass er immer mal wieder unvermittelt mit Warp-Geschwindigkeit an mir vorbei rennt. Klar, er hat schließlich fast 4500 Kilometer still gesessen! Wir waren nicht wandern und haben uns zu Fuß recht sparsam fortbewegt. Ich finde es witzig und er bekommt dann auch die Schlüssel für das Reisemobil, damit er schon mal hinrennen kann. Es sind gut 2.000 Meter. Er zischt ab und ich gehe entspannt hinterher. Es ist ein warmer schwüler Sommerabend. Im Reisemobil ist es sehr warm und ich bin froh, dass man alles öffnen und mit Fliegengittern wieder verriegeln kann. Als wir dann endlich im Bettchen liegen geht ein angenehmes Lüftchen und ich bin ein wenig traurig, dass die schöne Zeit schon bald zu Ende sein wird.

Am nächsten Morgen kitzelt uns die Sonne schon sehr früh wach. Die Fliegengitter halten zwar die Moskitos ab, gegenüber den Strahlen der Sonne sind sie aber vollkommen hilflos. Um 9h sind wir beim Frühstück, wenig später abmarschbereit. Nach einer längeren Suche ist der nette ältere Herr gefunden, der den Schlüssel zum Stromanschlusskasten verwaltet. Wir werden ausgestöpselt und können nun losfahren. Ein letztes Mal wird noch das Chemieklo entleert. Eigentlich ist es gar nicht schlimm. Im Vorfeld der Reise habe ich mir echt einen Kopf drum gemacht und mir die aller ekligsten Dinge vorgestellt, aber es ist harmlos! Auf einigen Autobahnparkplätzen in Schweden und Dänemark und an vielen kleinen Tankstellen gibt es spezielle Stationen um die Toilette zu entleeren. Es gehört irgendwie zur Reisemobilität dazu und die Skandinavier sehen das alles scheinbar ganz locker. Während die grüne Flüssigkeit in das große Becken gluckert muss ich noch mal an meinen Sohn denken wir er sagte “…vielleicht mache ich was falsch und dann spritzt mir alles ins Gesicht…” Kinder sind schon was niedliches…

Frisches Wasser tanken wir gar nicht mehr, warum auch. Das Gas wird auch abgedreht, der Kühlschrank eine letztes Mal auf Batteriebetrieb umgestellt. Dann geht es los, immer der Nase nach. Frau NAVIGON gibt zwischendurch mal einen Tipp. Um 13h30 sind wir bei der Oma, sie hält noch ihr Mittagsschläfchen und hört einfach gar nichts. Gut, dass der kleine Bruder nicht weit weg wohnt und die Nichten sind auch gerade da! Es wird ein entspannter Nachmittag und nachdem die Oma ausgeschlafen hat gibt es leckeren Kuchen – perfekt! Um 18h30 geht weiter nach Bonn, es sind noch 130 Kilometer. Wir hören uns nochmal durch eine unserer selbstgebrannten MP3 CDs hindurch. Ein bisschen Stoppok – “Ärger Du kannst mich nicht anschmieren…”, dann die “Liste der noch zu küssenden Frauen”, dann ein paar Top 40 Hits – die Zeit vergeht im Flug. Der Tempomat steht auf 110 Km/h, wir haben die mittlere Spur für uns gepachtet und ich versuche zu ignorieren, dass ich mich als PKW-Fahrer immer über diese “Mittelspurer” aufrege. Es ist echt ne bequeme Sache auf einer dreispurigen Autobahn einfach auf der mittleren Spur an den LKWs vorbei zu zuckeln ohne immer wieder dieses “Rein/Raus” zu exerzieren.

So ungefähr um 20h sind wir in Bonn. Der Sohnemann wird fröhlich empfangen, alle sind überglücklich! Das ist ein schöner Abschluss dieser tollen Reise. Wir packen alle Kindersachen aus und ich wundere mich sehr was er alles dabei hatte. Wir verabschieden uns herzlich und gegen 21h bin ich dann bei mir daheim.

Fortuna meint es gut mit mir und ich kann wieder fast vor der Haustüre parken! Bangen Schrittes betrete ich meine Wohnung und bin erleichtert, dass alles trocken ist. Keine Wasserflecken, keine Pfützen auf dem Boden! Prima ist auch, dass von den 100 Umzugskartons schon ein paar ausgepackt sind! Mit vier leeren großen Kartons wandere ich zum Reisemobil und wundere mich wie schnell die doch voll sind! Dazu noch die vielen anderen Taschen. Notebooks, Fotoausrüstungen, Bettwäsche, Kleiderbügel, Handtücher, es wird gar nicht weniger. Der Kühlschrank muss leer geräumt werden, das Schränkchen im Bad, der Stauraum, die Handschuhfächer, überall findet sich noch irgendwas. Es geht hin und her und hin und her – im Hausflur sieht es aus wie bei einem Umzug!

Wasserschaden??

Da ist dann die Nachbarin aus dem Haus mit dem Wasserschaden! Wir unterhalten uns und ich bin froh zu erfahren, dass sich alles geklärt hat. In der Wohnung nebenan hat ein Wasserhahn in der Küche getropft. Alles ist erkannt, behoben und nun müssen noch die Schäden beseitigt werden. Ich bin erleichtert. Während wir noch ein wenig weiterquatschen treffen mich plötzlich echt große Wassertropfen. Es gibt ein heftiges Sommergewitter. Ich habe noch das aufgetaute Eis in der Hand welches der Junior in Stavanger käuflich zu erwerben in der Lage war. Schnell damit zur Mülltonne, unterwegs schmerzt der rechte Fuß. Oh je, die nassen Campingsandalen haben eine große Blase am rechten Fuß erzeugt. Es tut weh und die Haut hängt in Fetzen dort rum – aua…

Ich humple durch den Regen und bin klitschnass als ich vor der Haustüre ankomme, au weia, die Türe am Reisemobil ist offen – schnell nochmal durch den Regen, nun bin ich ganz nass – wie aus der Dusche. Die Nachbarin sicher auch, ihre Haustüre ist zugefallen und sie musste ums Haus herum durch den Garten!

Unten im Hausflur stehen sie nun meine ganzen Habseligkeiten. Barfuß geht es auf und ab, bestimmt zehn mal oder öfter. Dann noch das Besteck, und die anderen Sachen die ich im Reisemobil vergessen habe – egal – das mache ich morgen!

Oh nein, die Wohnung steht nun partiell doch unter Wasser! Ich hatte alle Fenster weit aufgerissen und es hat überall herein geregnet. Ich flitze Barfuß mit Lappen hin und her bis alles wieder trocken und die Fenster geschlossen sind. Uff, was für ein Reiseabschluss. Später dann auf dem Bett mit dem Reisenotebook will ich kurz das Abschlusskapitel für mein Reisetagebuch schreiben. Aber es gibt keine Internetverbindung. NEIN – NICHT SCHON WIEDER…

Bei den vielen Versuchen mit dem UMTS-Stöpsel habe ich auch die gespeicherte heimische Verbindung gelöscht. Wie war doch nur noch mein WPA-Passwort? Nach einigen Fehlversuchen fällt es mir wieder ein – geschafft – ich muss es nicht von einem der anderen Rechner aus zurücksetzen – alles ist gut!

Statistik

Hinter uns liegen fast 5.000 Kilometer. Das Auto hat laut Bordcomputer 9.7 Liter Diesel auf 100 Kilometern verbraucht, das Durchschnittstempo lag bei 79 Km/h. Wir haben es auch knapp 60 Stunden reine Fahrzeit gebracht. Eine der beiden 11-KG Gasflaschen ist leer, die zweite kurz angebrochen. Das Frischwasser hat stets für mehrere Tage ausgereicht. Der Grauwassertank fasst gut 120 Liter und es reicht wenn man ihn alle 3-4 Tage entleert. Das ist total problemlos, man öffnet einfach ein kleines Ventil unterhalb des Einstieges. Wir waren einmal im Restaurant Essen. Ansonsten hat die Selbstversorgung prima geklappt. Im Kühlschrank ist noch Essen für 2-3 Tage… Meine Hemden habe ich exakt aufgebraucht. Unterwäsche ist auch keine mehr übrig.

Fotoausbeute

Ich habe mehrere tausend digitale Fotos geschossen, wirklich gut gefällt mir aber nur eine kleine Anzahl der Bilder, vielleicht fünf bis zehn Fotos. Belichtet habe ich drei Rollfilme, einen Diafilm aus den USA habe ich in meiner blauen Wanderjacke gefunden! Die Mamiya 645 Pro habe ich gar nicht benutzen können. Ich habe sie versehentlich nicht ausgeschaltet und nun war die Batterie wieder mal leer. Immer wenn ich diese Kamera benutzen will hat sie keinen Strom. Das nervt zumal die Batterien pro Stück gut 10 Euro kosten und schwer zu bekommen sind. Fast alle digitalen Fotos habe ich mit dem 2.8/17-55 gemacht! Das Fisheye habe ich für etwa 5 Bilder benutzt, das Lensbaby gar nicht, das Tokina 4/12-24 höchst selten und das 2.8/70-200 fast nur im Vogelpark ins Walsrode. Das nagelneue 18-200mm “Deppenzoom” habe ich auch wenig benutzt. Vielleicht liegt es am preiswerten Hama Polfilter, ich weiß es nicht, aber einige der Bilder die ich bei etwa 200mm Brennweite gemacht habe sind nur in der Mitte scharf, das 70-200 ist da um Größenordnungen besser. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass bei eingeschaltetem VR das Objektiv nie wirklich exakt zentriert sein kann? Ich werde noch ein paar Testbilder mit Stativ & Co. machen. Wenn sich meine ersten Eindrücke bestätigen werde ich mich mal um eine Austauschexemplar bemühen und mich vielleicht damit abfinden müssen, das wirklich gute Objektive einfach groß und schwer sind…

Mein SB-900 Blitzlicht habe ich wie schon in den USA gar nicht benutzt!!

Die Fotoausbeute ist jedenfalls bei weitem nicht das was ich mir erhofft habe. Zum Teil lag es an der schlechten Vorbereitung, zum Teil auch am großen Reisemobil. Man kann mit dem Dinge einfach sehr schlecht mal kurz anhalten wenn man was schönes am Wegesrand sieht! Auch haben wir auf viele Highlights bewusst verzichten müssen, weil die Zeit so sehr knapp bemessen war.

Lessons Learned

Diese Reise hatten wir lange Zeit schon im Kopf. Eigentlich seit unserer ersten gemeinsamen Vater & Sohn-Tour im letzten Herbst nach Teneriffa. Doch wirklich geplant und vorbereitet hatte ich fast nichts. Der Termin schien immer in weiter Ferne. Lediglich eine grobe Route hatte ich mir überlegt und das neue NAVIGON eingekauft. Eine Deutschlandkarte hatte ich dabei und zwei Reiseführer. In den Bildbänden und den Reiseführern hatte ich mich grob orientiert. Auch das mit dem AutoPASS hatte ich gelesen, aber dann doch vergessen einen solchen Pass zu kaufen. Was hätte man besser machen können?

  1. Bei der Anmietung des Reisemobils nicht gleich das erst beste Angebot nehmen sondern früher anfangen zu Suchen und besser über die Modalitäten informieren – Inklusiv-Kilometer usw.
  2. Einen AutoPASS besorgen, das spart den Streß an den Mautstationen.
  3. Die Reiseroute bspw. via Google-Maps mal durchplanen und schauen welche Etappen realistisch sind.
  4. Lieber drei Wochen einplanen – zwei sind echt zu wenig!
  5. Fahrten mit Fähren im Vorfeld planen und via Internet reservieren oder fest buchen, das ist billiger und spart ggf. Wartezeiten.
  6. Die interessanten Fotospots nicht unterwegs sondern im Vorfeld abklären. Unterwegs gibt es selten ein WLAN usw. das macht es alles viel schwieriger!
  7. Kreditkarten sind das A und O, damit kann man in Norwegen fast alles bezahlen! Ohne die geht fast nichts!
  8. Ein paar Brocken der jeweiligen Landessprache helfen definitiv beim Verständnis von Maut- und Tankautomaten!!
  9. Ein 12 Volt nach 220 Volt Wechselrichter ist sehr nützlich um mal einen Rasierapparat oder Akkus aufzuladen. Will man täglich BLOGGEN ist er fast unverzichtbar!
  10. Will man von den lokalen WLANs unabhängig sein sollte man mal prüfen ob nicht vielleicht via ein Mobilfunkbetreiber preiswerte UMTS-Datenverbindungen in den Nordics anbietet.
  11. Ein zweiter Akku für das Notebook ist ggf. hilfreich.
  12. Ein Navigationssystem sollte vor der Abreise mit ganz aktuellem Kartenmaterial bestückt werden. Dann fordert es nicht bei 110 Km/h zur Umkehr um weil es es denkt die schöne neue Autobahn sei eine Sackgasse 🙂
  13. Glücklich ist, wer seine Kamera auch mit normalen AA-Batterien (Mignon) betreiben kann!
  14. Statt der langen Anreise durch Deutschland, Dänemark und Schweden ggf. eine Fähre nach Bergen a b Dänemark buchen. Oder direkt nach Bergen fliegen und dort ein Wohnmobil mieten. Doch ACHTUNG, die Dinger sind ggf. “nackt” also ohne Bettzeug, Besteck, Geschirr usw. Das muss man ggf. Vorort kaufen oder im Koffer mitnehmen!

Was haben wir falsch gemacht?

Eigentlich nichts wirklich. Wir sind vielleicht zu viel gefahren und haben zu wenig gesehen. Wir hätten die Route besser planen können. Speziell in Kinsarvik wäre eine Wanderung zu den vielen Wasserfällen sicher großartig gewesen. Von den Großstädten haben wir nichts gehen. Oslo, Götheburg, Stockholm, Stavanger, Bergen, wie sie auch heißen mögen, wir haben sie gemieden. Die Gründe sind vielfältig, zu wenig Zeit, ein unhandliches Reisemobil und zu wenig Informationen über das was dort wirklich lohnenswert ist.

Gesehen haben wir viel Natur, geniale Fjorde, großartige Seen, Wälder und irre viele Autobahnkilometer.

Statt der Übernachtungen an einsamen Seen und auf einfachen Parkplätzen hätten wir auf den vielen gut ausgestatteten Campingplätzen bestimmt mehr Menschen getroffen und neue Freundschaften knüpfen können.

Ok, das war’s! Morgen läuft die Waschmaschine, dann wird das Reisemobil abgegeben und ab Samstag bin ich dann schon wieder unterwegs…