Teneriffa 12-2013 – Tag 19

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Als ich die Augen aufschlage ist es fast genau 7h30 – Zeit um aufzustehen – heute geht es nach Arona in den Jungle Park. Um 8h30 sind wir auf der Autobahn und wie erwartet herrscht hier endlich einmal gähnende Leere. 99,9% aller Bewohner dieser Insel liegen noch im Bett und versuchen die Folgen des rauschenden Silvesterfestes zu verarbeiten. Wir haben den Jahreswechsel tatsächlich verschlafen, für mich das erste Mal seit etwa 40 Jahren – ich sollte es im Kalender rot anstreichen! Aber ich habe nun auch keinen Kater, bin gut ausgeruht und das einzige was mich stört ist die noch tief stehende Morgensonne.

Während ich mich auf dem Fahrersitz hin und her winde frage ich mich, warum die Konstrukteure moderner Autos es nach einer Entwicklungszeit von rund 100 Jahren immer noch nicht geschafft haben Gegenlichtblenden zu konstruieren, die dort wo der Innenspiegel ist auch gegen das blendend grelle Sonnenlicht schützen? Es ist wirklich seltsam, man kann inzwischen Autos bauen die wie von Geisterhand ganz allein rückwärts in eine Parklücke einparken, aber ein Auto bei dem die Sonne den Fahrer nicht ständig um den Rückspiegel herum blendet, scheint es noch immer nicht zu geben…

Weil die Autobahn so sensationell frei ist, erreichen wir den Jungle Park oder auch Adler-Park sogar ein paar Minuten zu früh. Wir parken unser Auto in der wärmenden Morgensonne, das Thermometer zeigt zur frühen Stunde gerade einmal 13°C, aber im Laufe des Tages wird es noch auf lässige 22°C klettern!

Pünktlich um 10h öffnen sich die Pforten dieses kleinen schönes Parks. Der Andrang ist mit dem Loro Parque in Puerto de la Cruz nicht zu vergleichen. Hier hat man an „normalen“ Tagen noch ein wenig Ruhe, heute ist es sogar richtig still 🙂 Der Eintritt kostet 24,- Euro pro Nase, der Park ist von 10 bis 16h30 geöffnet. Die letzte Show ist im 16h danach werden die Gehege geputzt und die Tiere gefüttert. Die meisten Menschen sind während dessen bereits auf dem Heimweg.

In meinem Fotorucksack habe ich die Nikon 1 V1 und die Nikon 1V2. Heute will ich im wesentlichen mit der Nikon 1 V2 filmen und habe die Nikon 1V1 mit dem 6,7-13mm Weitwinkel-Zoom bestückt und auf mein kleines Manfrotto Schwebestativ montiert. So kann ich zwischendurch immer mal einen kleinen Kamera-Schwenk aufnehmen und sofort danach wieder mit dem lange Teleobjektiv voll draufhalten ohne etwas umbauen zu müssen.

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Die Nikon 1 V2 ist mit dem FT-1 Adapter an mein AF-S VR 2,8/70-200mm montiert. Alles zusammen ruht auf meinem großen SIRUI 3204 Carbon-Stativ mit KX-30 Kugelkopf. Sitzen die Tiere still an einer Stelle, so ist es recht einfach die Kamera präzise auszurichten und den Kugelkopf stramm zu ziehen. Allerdings sollte man den Ausschnitt stets ein klein wenig zu hoch wählen. Ist der Kugelkopf stramm gezogen und lässt man die Kamera los, so sackt sie ein klein wenig ab. Das ist für längere Teleobjektive ziemlich typisch und eine gute Kombination aus Kugelkopf & Stativ schafft es diese „Nick-Bewegung“ klein zu halten. Bei meinem Stativ fällt es relativ klein aus und ich bin damit recht zufrieden.

Bewegen sich die Tiere in ihren Gehegen, so wird es allerdings mit einem Kugelkopf recht schwierig ihnen „flüssig“ zu folgen. Mit ein wenig Übung findet man eine Einstellung für die „Friktion“ bei der sich der Kugelkopf recht geschmeidig drehen lässt. Allerdings liegt es in der Natur der Sache, dass ein langes Teleobjektiv auf einem Kugelkopf dazu neigt seitlich wegzukippen. Hier wäre eigentlich eine „Affenschaukel“ wie in einem meiner Videos der Reihe „Das perfekte Stativ“ angesagt. Aber meine BENRO Affenschaukel wiegt fast ein Kilogramm und ist einfach zu schwer für die Reise. Also lege ich meine linke Hand auf das Objektiv und versuche es so gut wie möglich zu stabilisieren. Wenn ich „Mitzieher“ filme, habe ich den VR eingeschaltet. Wenn ich Fotos der Tiere aufnehme, schalte ich den VR aus und löse die kleine Nikon möglichst mit dem ML-L3 Infrarot-Auslöser völlig erschütterungsfrei aus.

Gegen Mittag treffen Sandra und ich uns an einem der kleinen Restaurants. Es gibt ein ganz ordentliche Tiefkühlpizza und eine große Pepsi mit echt viel Eis. Danach gehen wir wieder getrennt auf Fotopirsch. Um 16h wollen wir uns am zentralen Platz treffen und gemeinsam die letzte große Greifvogel-Show fotografieren. Extra für diese Show habe ich die Nikon 1 V2 mit nach Teneriffa genommen. Diese Kamera kann mit 5, 15, 30 oder 60 Bildern pro Sekunde im vollen RAW-Format fotografieren. Damit sollten sich geile Fotos der Greifvögel aufnehmen lassen, wenn sie an einem der beiden Türme starten oder landen.

Gegen 15h trudle ich dort ein und meine Sandra ist auch schon da. Mir tun inzwischen kräftig die Füße weh und sie ist komplett durchgefroren. Sie bittet mich um den Autoschlüssel und sitzt ein paar Minuten später allein im warmen Auto. Während ich auf den Beginn der Show warte vergeht mir irgendwie die Lust. Es ist schon blöd wenn Sandra allein mehr als 90 Minuten im Auto auf mich wartet während ich die Adler knipse. Nach etwa 10 Minuten habe ich schließlich auch keine Lust mehr und außerdem habe ich diese Show schon fast 10-mal gesehen und mit Nikon D2x, D300 und D700 immer wieder ausgiebig fotografiert. In meinem Archiv sollte ich so ziemlich alle Fotos dieser Show haben, also packe ich um 16:10 meine Sachen und mache mich auch auf den Weg zum Auto.

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Der Rückweg geht fast so schnell vonstatten wie die Anreise. Als wir am Hotel eintrudeln ist es noch früh am Abend und es ist noch Zeit die Inhalte unserer Speicherkarten auf unsere externen Festplatten zu kopieren und unsere „Beute“ kurz zu sichten.

Auch heute habe ich fast nur gefilmt und ich bin richtig glücklich mit der Video-Qualität der Nikon 1 V2 in Verbindung mit dem AF-S VR 2,8/70-200mm. Einige wenig Szenen sind etwas unscharf, aber das meiste sieht gut aus, ich habe inzwischen etwas Übung im Umgang mit diesem Setup.

Auch die wenigen Fotos sehen klasse aus. Der kleine CX-Sensor des Nikon 1 Systems wurde in den letzten Monaten von vielen selbsternannten Fotoexperten regelmässig verrissen. Aber ich finde ihn so richtig gut! Berücksichtigt man den Verlängerungsfaktor von 2,7, so wird aus meinem 70-200mm ein 180-540mm Teleobjektiv mit durchgehender Lichtstärke 2,8 und gut funktionierendem Bildstabilisator. Wenn ich meinen Teleconverter dazwischen setze, habe ich ein 320-920mm Supertele mit Blende 4,8. Das ist einfach „schweinegeil“ und besonders bei Videoaufnahmen mit offener Blende werden Netze und Gitter der Gehege unsichtbar und lassen sich die Tiere in ihren Gehegen wunderbar von der Umgebung abheben.

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Da ich schon viele tausend „Standard-Tierfotos“ in meinem Archiv habe, versuche ich heute ein wenig mit Objekten im Vordergrund zu spielen und achte darauf, dass der Hintergrund so weit weg wie möglich ist. Auch versuche ich Positionen zu finden in denen der Hintergrund relativ „ruhig“ und möglichst einheitlich und ggfs. sogar dunkel ist.

Gegen Ende des Tages habe ich dann die Idee eine Position zu finden in der ich zwei Weißkopfseeadler im Bild habe und eine „Schärfefahrt“ zwischen den Köpfen der Tiere filmen kann. Das funktioniert nach einige Versuchen wirklich gut und ich bin mit dem Ergebnis sehr glücklich. Allerdings muss ich die Kamera recht tief stellen, fast auf Augenhöhe der Adler. In dieser Stellung durch den elektronischen Sucher der Nikon 1 V2 zu schauen ist ohne gewaltige Verrenkungen fast nicht möglich. Nachdem ich eine Weile vor der Kamera gekniet habe, kommt mir eine geniale Idee. Die beiden „Imbissbuden“ hinter mit sind schon geschlossen und davor stehen viele Tische und Stühle. Also schnappe ich mit einen bequemen Korbstuhl und stelle ihn von meine Kamera – herrlich – so könnte ich diese beiden Tiere stundenlang filmen 🙂 Als meine Szene „im Kasten ist“, stelle ich den Stuhl zurück und freue mich über das Ergebnis.

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Später im Hotel meldet sich pünktlich um 18h30 der kleine Hunger. Als wir gerade zum Essen wollen fällt mir der famose Abendhimmel auf. Das wäre was für eine schnelle Zeitraffersequenz. Also schnell die Nikon 1 V1 greifen (die schöne Nikon 1 V2 kann leider keine Intervallbilder aufnehmen…) und das Stativ suchen. Mist, alles ist durcheinander, keine Speicherkarte, der Akku schon im Ladegerät, die Stativplatte irgendwo im Rucksack und meine Sandra steht in der Tür und will zum Abendessen. Ich wühle durch den Rucksack, da ist die Stativplatte… Schnell anschrauben, Mist, jetzt kriege ich den Akku nicht mehr hinein, alles wieder ab, Akku und Speicherkarte rein, Stativplatte wieder dran, alles schnell ans Stativ schrauben…

Plötzlich liegt meine schöne Nikon 1 V1 samt 6,7-13mm Weitwinkelzoom mit einem lauten Rumms auf den Fliesen unserer Suite. Irgendwie habe ich sie in der Eile nicht korrekt in den Schwalbenschwanz des Stativkopfes geschoben. Ohhh NEIIINNN….

Aber es ist nichts passiert, die Streulichtblende hat den Sturz abgefangen und hängt jetzt etwas schief am Objektiv. Aber es ist nichts kaputt, ich kann nicht einmal Schrammen finden – noch einmal gut gegangen…

Also ab auf den Balkon damit, Kamera einschalten, Intervallbilder starten – oh Mist, es ist einfach alles total falsch eingestellt… Also ISO-100 wählen, RAW-Modus, Zeitautomatik, Blende 8, fokussieren und dann auf MF umschalten, Intervall 5 Sekunden und 300 Bilder einstellen, los geht’s – Schatz wir können zum Abendessen…

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Nach dem Essen läuft im Fernsehen Pretty Woman, wieder einmal. Ich weiß schon gar nicht mehr wie oft meine Sandra diesen Film in meinem Beisein schon angeschaut hat. Er gefällt ihr immer wieder. Aber es ist alles cool, so kann ich schnell diesen Artikel zusammen tippen. Gleich schnell runter in die Lobby und schon ist mein erster BLOG-Artikel für das Jahr 2014 fertig 🙂

Fazit

Die kleine Nikon 1 V2 hat heute gezeigt war in ihr steckt. In Verbindung mit famosen Objektiven liefert diese Kamera trotz des kleines Chips überraschend gute Bildergebnisse. Für mich ist der Kleine CX-Sensor der größte Vorteil dieses Kamerasystems. Der Sensor ist deutlich größer als bei den preiswerten Videokameras und trotzdem noch groß bzw. klein genug um kompakte Objektive mit brauchbarer Bildqualität kombinieren zu können. Wer mit dieser Kamera keine vernünftigen Ergebnisse erzielt, der verwendet die falschen Objektive oder macht irgendetwas falsch.

Einmal mehr muss ich sagen/schreiben, dass ich dieses wunderbare Kamerasystem total unterschätzt habe. Aktuell sind alle Nikon-Fans total geil auf „Vollformat“ oder sparen für eine Nikon Df in schrägem Retro-Design. Nach der Nikon 1 kräht eigentlich kein Hahn, wie ich meine völlig zu Unrecht.

Klar rauscht der kleine Sensor bei ISO 1.600 und natürlich stellt er jedes Objektiv vor die doppelte Herausforderung im Vergleich zur Nikon D800E. Und für Zeitrafferaufnahmen in völliger Dunkelheit nimmt man besser eine Nikon D610, aber diese Kamera hat eben ganz andere Stärken! Viele meiner „Adlerportraits“ habe ich heute mit 15 Bildern pro Sekunde im vollen RAW-Format aufgenommen. Welche andere Nikon kann das schon?

Auch mein relativ altes Nikon AF-S VR 2,8/70-200mm wird von vielen „Lens-Nerds“ gescholten, weil am äußersten Bildrand im „Vollformat“ die Schärfe leicht abfällt. Fotografiert man mit dieser Linse im DX oder CX Format ist dieser Schärfeabfall nicht sichtbar und im Zentrum ist diese Linse einfach derartig „rattenscharf“, dass sogar der 14.000.000 Pixel Sensor der Nikon 1 V2 damit adäquat gefüttert werden kann.

Ich habe schon mal überlegt auf die neuere Version umzusteigen, aber mich doch immer wieder dagegen entschieden. Wenn ich mit diesem Objektiv an meiner D800E fotografiere ist der Schärfeabfall meiner Meinung nach zu vernachlässigen, bei vielen Portraits und Tierfotos sieht er im Vollformat sogar ganz gut aus. Und im Vergleich zur neueren Version ist die Naheinstellgrenze signifikant kürzer, was aus meiner Sicht ein deutlicher Vorteil ist. Gerade wenn man in Tierparks fotografiert und die Tiere aus kurzer Entfernung „so richtig groß“ ablichten will, ist eine kurze Naheinstellgrenze für mich deutlich wertvoller als eine Nanokristallvergütung und ein VR der zweiten Generation.

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Womit wir schon beim nächsten Thema wären 🙂

Oft fragen mich meine Leser wann man denn den VR einschalten sollte und wann nicht? Früher habe ich ausschließlich mit eingeschaltetem VR fotografiert und das Objektiv falls möglich sogar auf „Aktiv“ gestellt. Doch inzwischen bin ich davon immer weiter abgerückt. Besonders der Modus „Aktiv“ kostet echt viel Batteriestrom. Ich habe heute mit der Nikon 1 V2 wieder drei Akkus vollständig entleert! Beim Filmen schalte ich den VR immer dann ein, wenn ich versuche einem Motiv zu folgen, die Ergebnisse sind einfach deutlich ruhiger. Bei Serienbildern schalte ich den VR inzwischen meistens ab, weil der Autofokus ohne VR spürbar schneller arbeitet. Wenn ich mit Stativ und Fernauslöser fotografiere, ist der VR ebenfalls ausgeschaltet, denn nur so ist das Objektiv wirklich sauber zentriert und das Ergebnis in allen Bildecken gleichmäßig scharf oder eben unscharf, ganz wie man es haben möchte.

Ein Objektiv mit VR ist in den meisten Fällen ein Plus, aber es geht oft auch sehr gut ohne. Bewegt sich ein Tier sehr schnell, so helfen nur kurze Belichtungszeiten für scharfe Fotos. Hier hilft ein VR-System meist nur wenig. Im Internet liest man immer wieder, dass die Leute nach einem 2,8/24-70 mit VR schreien oder sogar das 2,8/14-24 mit VR haben wollen. Meiner Meinung nach kommen diese ohnehin großen und schweren Objektive sehr gut ohne VR aus. Bei den meisten Vollformat-Kameras kann man die ISO-Empfindlichkeit ohne große Einbußen bei der Bildqualität inzwischen recht hoch einstellen und so die kurzen Belichtungszeiten erzielen die man für scharfe Foto braucht. Hier würde ein VR System die Objektive nur träger, größer, schwerer und teurer machen und außerdem zusätzlichen Batteriestrom verbrauchen. Bei Teleobjektiven ist ein VR meiner Meinung nach trotzdem ein Segen, denn besonders im Modus „Aktiv“ ist das Sucherbild gerade bei sehr langen Brennweiten deutlich ruhiger. Dies ist zumindest für mich eine große Hilfe bei der Komposition überlegter Fotos.

VR hin oder her, in Teleobjektiven halte ich ihn für sinnvoll aber nicht grundsätzlich für notwendig. Bei einem 14-24mm Objektiv ist ein VR meiner Meinung nach überflüssig.

Teneriffa 12-2013 – Tag 17

Als ich aufwache fühlen sich Mund und Hals an als hätte ich Zement geschluckt. Alles ist trocken und ich habe gar keine Spucke mehr im Mund, scheinbar habe ich die Nacht mit weit geöffnetem Mund verbracht und nun sind alle Schleimhäute komplett ausgetrocknet. Im Bad grenzt es an ein Wunder was sich mit Zahnbürste, Zahnpasta, einfachem Wasser und etwas Mundspülung ausrichten lässt, ich kann wieder schlucken!!

Wetterbericht-Silvester

Schlucken muss ich auch als mir meine Sandra einige Minuten später offenbart, dass ich die ganze Nacht geschnarcht habe wie drei oder vielleicht auch vier Männer die in einem Sägewerk arbeiten. Wirklich geschlafen hat sie indes nicht. Den Griff zum Ohropax wollte sie nicht wagen, zu groß war die Angst zu verschlafen und sich letztlich wieder mit Heerscharen von Touristen durch den Loro Parque quetschen zu müssen. So sind wir heute echt früh dran und als wir am Loro Parque eintreffen sind sogar  alle Parkplätze frei und das Tor ist noch geschlossen. Wir müssen ein paar Minuten warten und dann werden pünktlich um 8h30 die beiden großen Tore beiseite geschoben. Ich bin heute der erste Gast der ein Ticket kauft, die anderen Gäste haben entweder eine Jahreskarte oder das „Come Back Ticket“ für 10,- Euro. Weil ich beim letzten Besuch vergessen habe mir dieses Ticket ausstellen zu lassen, muss ich heute ein zweites Mal volle 33,- Euro berappen. Aber im Grunde genommen ist es für mich ok, denn ein großer Teil der Eintrittsgelder kommt hier den Tieren zugute. Nichts wäre schlimmer als wenn der Park sich nicht rentieren würde und die laufenden Kosten letztlich auf dem Rücken der Tiere gesenkt werden müssten.

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(Nikon 1 V2 mit 1,2/32 und B&W ND1000)

Um kurz vor 9h ist der Park noch schön ruhig, einige Tiere sind gerade gefüttert worden und besonders die Gorillas sind sehr aktiv. Leider ist es richtig schwer die abrupten Bewegungen einzufangen. Man müsste sich sicher über mehrere Tage hinweg immer wieder nur mit ihnen befassen um einige wenige Minuten Videomaterial aufnehmen zu können, die ihrem Wesen und Verhalten wirklich gerecht werden. Aber ich habe inzwischen gelernt, dass das Verhalten vieler Tiere im Zoo oft ein wenig vorhersehbar ist. Viele Tiere tun in ihren Gehegen meist immer wieder die gleichen Dinge. Beispielsweise die Raubkatzen haben oft feste Wege auf denen sie wieder und wieder durch ihr Gehege streifen. Hat man dies erst einmal verstanden, so kann man mit etwas Geduld sehr gute Fotos schießen indem man sich auf einzelne Abschnitte des Geheges konzentriert. Manchmal braucht man aber eben auch etwas mehr Geduld und eben auch viel Zeit. Aber die Zeit ist meist das Hauptproblem, will man mit mehr als nur einigen wenigen Szenen oder Fotos nur einer Tierart aus dem Zoo zurückkommen, so kann es schnell recht stressig werden. Hier ist es meiner Meinung nach besser sich auf einige wenige Gehege und ihre Tiere zu konzertieren und sich andere Tierarten für einen späteren Besuch aufzuheben. Hier heißt es die richtige Balance zu finden. Hetzt man nur von einem Gehege zum nächsten, so wie es 99,9% aller „normalen“ Besucher machen, hat man am Ende eines Tages nur die üblichen Knipsbilder. Tiere von hinten, unscharf, verwackelt, ihr kennt das sicher alle… Für ein wirklich gelungenes Tierfoto muss man sich auch im Zoo oder Tierpark wirklich viel Zeit nehmen und zusätzlich das richtige Equipment dabei haben.

Ich habe heute wieder nur die Nikon 1 V1 und Nikon 1 V2 dabei. Außerdem einige Objektive und den FT-1 Adapter samt Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm. Am Ende des Tages sind die mit Abstand besten Sequenzen mit genau diesem Objektiv entstanden. Sequenzen deshalb, weil ich auch heute (bis auf einige wenige Ausnahmen) wieder nur gefilmt habe. Eben habe ich meine „Beute“ gesichtet und bin mit einigen kurzen Einstellungen ganz glücklich. Leider sitzt bei einigen grundsätzlich sehr schönen Einstellungen die Schärfe nicht so präzise wie ich es mir wünschen würde. Die Mehrzahl der Einstellungen habe ich mit 1/100s und Blende 2,8 und der ISO-Automatik gefilmt. Diese Belichtungszeit ist bei der Nikon 1 im Video-Modus leider die kürzeste Zeit. Lieber wäre mit 1/60s oder gar 1/30s, denn dann könnte man bei wenig Licht mit deutlich geringeren ISO-Werten filmen und hätte außerdem mehr Kontrolle über die „richtige“ Bewegungsunschärfe.

Durch das Filmen mit der komplett geöffneten Blende ergibt sich mit dem AF-S VR 2.8/70-200 eine tolle Hintergrundunschärfe und man kann die Tiere die man filmen möchte sehr schön vom Hintergrund abheben, sofern er ein paar Meter entfernt ist. Ist die Brennweite nur lang genug, so kann man auch mit kleinen Chips mit selektiver Schärfe spielen.

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Allerdings ist genau das dann schnell auch der Grund für unscharfe Aufnahmen. Bewegen sich die Tiere und versucht man ihnen mit der Kamera zu folgen, so klappt es auch mit dem kontinuierlichen Autofokus meist nicht sie wirklich scharf im Bild zu halten. Verwendet man stattdessen den AF-S (Einzel-Autofokus) zu muss man während man filmt immer mal wieder den Auslöser drücken um den Autofokus neu einzustellen. „Sieht“ das zentrale AF-Messfeld in diesem Augenblick nicht genügend viele Kontraste, so ist die Einstellung meist komplett ruiniert, weil der Autofokus einmal komplett hin und her fährt und dann auch noch einfach in einer Position stehen bleibt, in der einfach gar nichts mehr scharf ist. Hier hilft dann nur, die Schärfe manuell mit der linken Hand nachzuführen. Dies ist allerdings gar nicht so einfach, aber dank des hochauflösenden scharfen hellen Suchers der Nikon 1 ist es zumindest „machbar“. Wie gut die Ergebnisse letztlich ausfallen hängt stark von der Übung des Kameramannes oder der Kamerafrau ab. Ein weiteres Problem ist, dass man beim ständigen Herumfuchteln am Objektiv immer dazu neigt die gesamte Aufnahme zu verwackeln.

Wer hofft im Zoo mit tollem teuren Equipment Aufnahmen hinzubekommen wie man sie bspw. von den Tierdokumentationen der BBC kennt, der wird am Ende des Tages mehr als enttäuscht sein.

Ich war heute schon während der Aufnahmen teilweise enttäuscht. Denn beispielsweise die Gorillas haben sich immer mal groß aufgerichtet und sich lautstark geben den Brustkorb geschlagen. Doch immer wenn sie es taten war die Kamera gerade nicht bereit oder ein anderes Tier im Fokus.

Letztlich habe ich heute Videomaterial mit einem Umfang von fast 64GB erstellt, das wahrscheinlich mehrere Stunden laufen würde wenn man es komplett anschauen müsste. Wenn es gut läuft, sind davon etwa 2-3 Minuten wirklich gelungen, vielleicht ist auch nichts dabei was wirklich gut ist! Es ist alles eine Frage der eigenen Maßstäbe, aber wenn man sich seine Aufnahmen objektiv und wirklich kritisch ansieht, wird man bei den allermeisten Einstellungen etwas finden was störend ist und sie damit von professionell erstellten Szenen unterscheidet.

Ist eine Video-Sequenz korrekt belichtet, nicht verwackelt, mit perfektem Weißabgleich, niedrigem ISO-Rauschen, schöner Bewegungsunschärfe und guter Freistellung des Motivs, dann braucht es immer noch irgendeine Form der „Action“. Wer will schon einem schläfrigen Löwen dabei zuschauen wie sich allenfalls die Schwanzspitze bewegt? Wer einen ganzen Tag im Zoo verbringt und dort eine Speicherkarte nach der anderen füllt und einen Akku nach dem anderen entleert, der kann Pech haben und am Ende des Tages mit „leeren Händen“ heimkehren.

Ich hoffe, dass es bei mir heute halbwegs gut gelaufen ist und ich wie gesagt einige Minuten Video-Material aufzeichnen konnte, dass man sich anschauen kann ohne dabei einzuschlafen.

Ob dieser Eindruck aber wirklich korrekt ist, das wird letztlich erst das fertige Video im Januar oder Februar zeigen.

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Nach unserer Session im Lord Parque rufe ich meine Sandra mal via Handy an und sie hat den Park längst verlassen. Sie ist in der Innenstadt und hat sogar schon eine Pizza gegessen. Also mache ich mich auf den Weg zum Auto. Auch heute ist alles gut, keine platten Reifen und diesmal sogar komplett kostenlos und direkt neben dem Eingangstor! Etwa 10 Minuten später bin ich am Playa Martiánez und kann dort meine Sandra einsammeln. Wir überlegen nicht lange und fahren einfach schnell zur Finca San Juan um dort Caro & Jo Schlichting zu besuchen.

Dort angekommen ist Jo leider gerade unterwegs um neue Gäste vom Flughafen abzuholen. Aktuell bekommt man keine Mietwagen mehr und so ist es gar nicht so einfach sich vom Flughafen zur Finch San Juan durchzuschlagen. Da ist es ein toller Service vom Meister persönlich am Flughafen abgeholt zu werden!

Caro hat wieder leckeren Kuchen für uns. Und während ich noch einen Kaffee trinke, bekommen zwei Gäste am Nachbartisch lauter leckere Sachen serviert. Als der Kuchen verputzt ist, bestellen wir uns daher zwei Portionen Gambas mit Brot und Aioli. Das schmeckt so richtig gut und als wir zwei Stunden später die Heimreise antreten wollen geht es uns ganz prächtig. Auf dem Parkplatz kommen wir noch mit zwei  sehr netten deutschen Urlaubern ins Gespräch. Sie sind an dem Tag an dem wir am Playa de San Marcos den großen Regen hatten durch den Barranco de Ruiz hinauf zum Aussichtspunkt Mazape gewandert. Dort hat sie der große Regen überrascht und sie haben sich zur Finch San Juan „gerettet“. Als der Regen einfach nicht aufhören wollte, hat Jo sie hinunter zu ihrem Auto gefahren und sie wollen sich heute nochmals für ihre „Rettung“ bedanken.

So geht für uns wieder ein typischer Tag auf Teneriffa zu Ende. Lauter schöne Eindrücke, leckeres Essen und tolle entspannte Leute, das ist es was mir hier immer wieder so gut gefällt.

Teneriffa 12-2013 – Tag 16

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Es sind noch zwei Tage bis wir 2013 abhaken können und wir haben absolut keinen Plan was heute abgehen soll. Letztlich entschließen wir uns zu einer kleinen „Rundreise“ um diese manchmal doch überraschend große Insel. Gegen Mittag geht es über Buenavista del Norte nach Masca im Teno Gebirge. Oberhalb von Masca machen wir am Mirador eine kleine Pause, essen ein belegtes Brötchen und machen uns auf in Richtung Santiago del Teide. Gern würden wir im malerischen Masca einen kleinen Spaziergang unternehmen, aber der Ort platzt aus allen Nähten. Die Parkplätze sind übervoll und die Touristen haben auch schon alle Wendezonen und Sperrflächen zugeparkt. Wie hier noch einer der Linienbusse durchkommen soll ist mir völlig schleierhaft. Würde die Polizei hier mit einer Armee von Abschleppwagen anrücken, sie würden heute sicher steinreich…

Auf der „anderen Seite“ von Masca machen wir kurz halt, dort hat man einen zauberhaften Blick auf den Teide und das herrliche verschlafene Santiago del Teide. Wenn man ein paar Schritte den Berg hinaufgeht und sich etwas in die Hocke begibt, so kann man einige Sträucher und Felsbrocken so in den Vordergrund seiner Fotos rücken, dass sie jegliche Anzeichen von Zivilisation perfekt verdecken. Alternativ kann man auch etwas am Zoomring drehen und so das Objekt der fotografischen Begierde etwas „heranholen“.

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So entstehen in kürzester Zeit fast 100 neue Fotos meines Lieblingsberges 🙂 Allerdings sind sie heute nicht in Farbe, denn ich habe mich entschieden die Nikon D300 mitzunehmen die ich mir auf Infrarot 830nm habe umbauen lassen.

Unsere kleine Reise führt uns weiter nach Puerto del Santiago, ein hübscher sonniger Ort mit schönem Strand und kleinen netten Restaurants soweit das Auge reicht. Nach einem kurzen Stop an einem kleinen Supermarkt geht es weiter in Richtung Santa Cruz und letztlich wieder zurück zu Hotel.

Am Hotel angekommen sieht der Himmel wirklich toll aus und statt gleich zum Abendessen zu wandern gibt es noch eine kleine Fotosession. Während ich mit der Nikon D300 fotografiere, nimmt meine wunderbare Nikon 1 V1 mit AF-S VR 10-100 PD einige schöne Video-Sequenzen auf.

Nach einer Stunde ist die Show vorbei und es gibt zum Abendessen. Der Speisesaal ist deutlich leerer als gestern, es sind heute wirklich viele Gäste abgereist. So können wir die letzten Tage mit ein wenig Ruhe verbringen, worauf ich mich sehr freue.

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Während im Fernsehen „Iron Man 2“ läuft schaue ich mir die Beute des Tages an und bin sehr erfreut welch coole Fotos meine Infrarot-Kamera auch heute wieder geliefert hat. Die wichtigste Zutat für schöne Infrarot-Fotos hatten wir heute, blauen Himmel mit kräftigen weißen Wolken! Und das hat sich wieder einmal mehr als ausgezahlt 🙂

Auch wenn es 33,- Euro Eintritt kosten wird, morgen geht es nochmals in den Loro Parque. Damit wir vor dem großen Gedränge dort sind, werden wir versuchen um ca. 8h15 dort einzutreffen. So können wir um 8h30 mit den ersten Gästen in den Park und uns mit unseren Kameras den noch entspannten Tieren widmen. Irgendwann zwischendurch werden wir ein kurzes Frühstück einstreuen und solange unsere Füße uns tragen versuchen ein paar schöne Tierfotos zu schießen. Ob uns das gelingt werdet Ihr morgen oder übermorgen zu lesen und so sehen bekommen 🙂

Teneriffa 12-2013 – Tag 15

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Es ist der 28. Dezember 2013 und wir sind jetzt seit mehr als zwei Wochen auf dieser tollen Insel. Kurz vor der Abreise habe ich fast zwei Wochen lang mit einer Lungenentzündung im Bett gelegen. Es hat sich schlimm angefühlt und es gab zwei Tage an denen ich gedacht habe, dass ich es vielleicht nicht schaffe. Aber das liegt jetzt fast einen Monat zurück und diese Insel hat mir wieder einmal sehr gut getan. Es ist wirklich ein wenig so wie in der Fernsehserie „Lost“. Dort stranden einige Überlebende eines Flugzeugabsturzes auf einer seltsamen einsamen Insel. Und diese Insel hat magische Fähigkeiten. Lahme können plötzlich wieder laufen, Wunden heilen schneller als üblich und Erkältungskrankeiten kennen die Gestrandeten auch nicht.

Das klingt alles sehr nach Hollywood, ist es auch – aber hier gibt es zumindest für mich echte Parallelen. Mein Asthma bessert sich wenn ich hier bin innerhalb von etwa zwei Wochen spürbar. Viele der alten Leute die hier dauerhaft leben kommen ohne Medikamente aus, die für sie in Deutschland zum Alltag gehört haben. Und selbst wenn der Himmel hier mal bewölkt ist, so wirklich kalt wird es nur oben in den Bergen. Für mich ist diese Insel einer der besten Orte der Welt, ganz ehrlich!

Was indes nervt sind die ewig unzufriedenen alten Leute die in absolut jeder Suppe ein Haar oder mehrere zu finden in der Lage sind. Vorgestern standen wir kurz mit einer verschrobenen alten Dame im Aufzug und während wir nur zwei Etagen hinauf gefahren sind, hat sie sich bei uns einmal über das gesamte Hotel beschwert. Aus den Duschen kommt nicht genug Wasser, die Hotelleitung spart an allen Ecken und Enden – es war eine echt lange Negativliste die da aus ihr heraus gesprudelt ist. Wie ich finde, völlig zu Unrecht! Das Hotel ist sauber und in gutem Zustand, das Essen ist auf gutem Niveau und alle Mitarbeiter sind stets zuvorkommend und unglaublich freundlich. Für mich gibt es hier bis auf die schlechte Anbindung ans Internet nicht aber auch gar nichts zu bemängeln.

Manchmal frage ich mich, warum diese unzufriedenen Leute nicht einfach daheim im nasskalten Deutschland bleiben und dort ihre Nachbarn ärgern. Da kommen sie Jahr für Jahr zu Weihnachten auf diese Insel und finden alles doof. Mir will das irgendwie nicht so recht in den Kopf, aber vielleicht sind es ja Reise-Masochisten? Aber warum wohnen sie dann nicht in den teils arg verranzten alten Hotelburgen die es hier ebenfalls zur Genüge gibt? Na, vielleicht sind sie eben **** Reise-Masochisten, wer weiß das schon…

Ich für meinen Teil genieße es jedenfalls morgens die Augen zu öffnen und zu sehen wie sich die Wolken schon ein wenig rosa verfärbt haben. Direkt gegenüber des Fußendes unserer Betten ist ein Fenster und das zeigt in Richtung Nord-Osten. Mit einem langen Teleobjektiv kann ich sogar das Haus von Wolfgang & Karin ganz deutlich in der Ferne ausmachen.

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Weil der Himmel heute besonders toll aussieht, schnappe ich mir um kurz nach 7h meine Nikon 1 V1 und montiere schnell das 1,2/32mm, stecke eine Speicherkarte ein, formatiere sie schnell, dann noch ein frischer (neuer!) Akku, alles auf mein großes stabiles Stativ und wenig später nimmt sie auch schon eine Serie mit 300 Fotos und einem Intervall von 5s auf. Am Abend zuvor habe ich die Nikon 1 V2 noch ein wenig den Abendhimmel filmen lassen. Das Video kann man später beim Videoschnitt einfach deutlich schneller ablaufen lassen und hat dann mit wenig Aufwand eine ganz nette Zeitraffer-Sequenz. Aber das klappt nur über einen Zeitraum von maximal 20 Minuten. Eine wirklich große Zeitspanne lässt sich damit also nicht überwinden. Da die Nikon 1 V2 leider KEINE Intervall-Bilder aufnehmen kann, ist also meine Nikon 1 V1 die Kamera der Wahl wenn es um Zeitraffer-Sequenzen geht, die sich über einen längeren Zeitraum erstrecken. Sehr cool ist dabei auch, dass diese Kamera keinen Spiegel hat und man einen elektronischen Verschluss benutzen kann. Ich muss mir also keine Sorgen über Verschleiß am Verschlusssystem machen, sondern kann einfach nach Lust und Laune tausende Fotos mit meiner kleinen Nikon 1 aufnehmen. Sehr cool ist dabei übrigens auch, dass der elektronische Verschluss zu 100% erschütterungsfrei arbeitet. Selbst bei der Nutzung extrem langer Teleobjektive sind damit verwackelte Bilder ausgeschlossen, sofern nicht gerade der Wind Kamera und Stativ durchschüttelt.

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Gegen Mittag entschließen wir uns zu einer kleinen Tour in Richtung Süd-Westen. Wir meiden die Autobahn und fahren entspannt durch Los Realejos bis wir schließlich doch auf der Höhe des Mirador Pedro aus dem Ausläufer der Autobahn landen. Ein echtes Ziel haben wir nicht, mir schwebt vor, in der Nähe von Icod de los Vinos nach rechts in Richtung Meer abzubiegen und mal zu schauen was wir dort finden. Als wir Icod erreichen, ist der „Playa de San Marcos“ ausgeschildert. Wir folgen der Beschilderung und landen in einem kleinen Örtchen ganz unten am Meer. Des gibt einen kleinen Hafen und einen Kran um die Fischerboote ins Wasser zu hieven. Während ich mich meiner Nikon 1 V1 einige kurze Video-Sequenzen aufnehme, sondiert meine Sandra die Restaurants in dieser netten kleinen Bucht. Letztlich landen wir in einem niedlichen kleinen Restaurant mit dem Namen „La Valanala“ (oder so ähnlich).

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Die Kellnerin stammt aus Berlin Tegel und ist zur „Hälfe“ Spanierin. Sie kann uns ein Steak mit Bratkartoffeln und Gemüse anbieten. Das klingt und nach all dem Fisch der letzten beiden Wochen freue ich mich über ein „richtiges“ Mittagessen.

Vor dem Essen waren in süd-westlicher Richtung über Garachico und Buenavista bereits schwere Wolken zu sehen die sich langsam über das Teno-Gebirge in unsere Richtung bewegten. Als wir mit dem Essen fertig sind und noch ein wenig mit der sehr netten Inhaberin des Restaurants schwätzen, beginnt es dann so richtig zu regnen. Abgesehen von den letzten vier Wochen erlebt man hier recht selten und so sind die Menschen sehr entspannt. Während sich in Deutschland alle ärgern wenn es mal wieder regnet, sind hier die meisten Menschen froh denn der Regen bringt der Insel dringend benötigtes Frischwasser. Überall an den Feldern sind große betonierte Wasserspeicher und diese müssen in der Sommerzeit manchmal über viele Monate hinweg ausreichen um die Felder mit Tomaten, Kartoffeln, Bananen und anderen Gewächsen zu bewässern. Unter den „Einheimischen“  ist der gelegentliche Regen also mehr als willkommen.

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Im letzten Jahr gab es ab April über einen Zeitraum von sagenhaften 8 Monaten keinen Regen auf dieser Insel! Also bin ich auch nicht sauer sondern hole schnell das Auto und lade meine Sandra ein. Die Chefin des Restaurants lässt es sich nicht nehmen meine Sandra mit einem Sonnenschirm auf die andere Straßenseite zu begleiten und beim Einsteigen dafür zu sorgen, dass es nicht in unseren Mietwagen regnet. In welcher Stadt dieser Erde würde man diesen Service bekommen? Es sind genau diesen netten Begebenheiten die ich für mich die Reisen zu dieser Insel so lebenswert machen.

Zurück im Hotel lassen wir den Abend gemütlich ausklingen. Sandra schaut noch ein wenig Fern und ich schaue mir im Schlafzimmer auf dem iPad via Watchever Offline-Client eine weitere Folge der Fernsehserie „True Blood“ an. Diese Serie begann etwas schleppend, aber etwas seit der Mitte der ersten Staffel geht es ganz ordentlich zu Sache und es macht wirklich Spaß diese etwas anderen Vampir-Geschichte zu verfolgen.

Irgendwann meldet sich dann doch noch der „kleine Hunger“ und so beschließen wir nachzusehen was die anderen Gäste vom Buffet noch übrig gelassen haben. Der große Ansturm ist schon vorbei und so finden wir auf Anhieb einen Tisch. Es gibt auch heute wieder viele leckere Dinge und es ist gar nicht so einfach sich für etwas zu entscheiden. Ich bin kein Mensch der gern Lebensmittel wegwirft und so versuche ich das was ich mir vom Buffet hole auch aufzuessen. Wenn ich nicht weiß ob mir etwas schmeckt, so tendiere ich eher dazu es mir nicht auf den Teller zu schaufeln und halte mich an das was ich kenne. Viele der anderen Gäste denken diesbezüglich scheinbar ganz anders. Einige schaufeln sich die Teller voll als gäbe es kein Morgen um nach dem ersten Bissen allen anderen Gästen im Saal lautstark mitzuteilen, dass ihnen genau das was sie da in größeren Mengen vom  Buffet geholt haben nicht schmeckt. Ich frage mich beispielsweise wie man von einer Schüssel mit eingelegter Makrele die zwischen den Salaten steht erwarten kann, dass der Fisch warm und frisch gebraten ist?

Am Tisch neben uns fallen mir vier Leute mit schütterem Haar um die 60 auf. Sie sitzen einander schweigend gegenüber. Mann – Frau – Mann – Frau und in der Mitte des Tisches steht eine Flasche Rotwein. Sauber zur rechten Hand steht jeweils ein Weinglas, alle vier Gläser sind akkurat in exakt gleicher Weise gefüllt. Alle vier schweigen sich an und schauen etwas betreten die Flasche an. Wüsste ich es nicht besser, man könnte meinen es wären vier Vampire die lieber ein Schlückchen „True-Blood B+“ trinken würden. Unversehens macht die Dame auf 6h einen Anfang und ergreift mit der Rechten ihre Glas, sie nimmt einen winzigen Schluck und stellt das Glas präzise an die gleiche Stelle zurück. Genau 30 Sekunden später greift der Mann zu ihrer Linken in der gleichen Weise zu seinem Glas, nimmt schweigend einen Schluck zu sich und stellt sein Glas mit gleicher Präzision zurück. Das Spiel wiederholt sich fortan mehrfach, jeweils im Uhrzeigersinn auf 0h, 3h, 6h und 9h. Nun wird mir klar, das sind keine Vampire, es sind Anhänger eines geheimen Ordens, vielleicht die Rotweinschweiger, oder quadrophile Rotweinjünger die ein Schweigegelübte abgelegt haben?

Plötzlich geht mir ein Licht auf, alle tragen ein blaues Band am linken Handgelenkt, es sind Glaubensbrüder des ALLINC-Ordens, wie konnte ich das nur übersehen! Sie haben wahrscheinlich  den ganzen langen Tag über alles Essen und trinken müssen was im Hotel angeboten wurde. Nun sind sie ermattet und zu müde um sich noch über irgendetwas zu beschweren…

Am Tisch zu meiner Rechten sitzen zwei Frauen und ein Mann. Alle zusammen scheinen mit etwa 200 Jahre alt zu sein. Er erklärt uns und den anderen Gästen wie hoch die Margen im Einzelhandel sind und dass es schon Fernseher gibt mit denen man sogar ins Internet gehen kann? Ich frage mich wie das funktionieren soll, denn die meisten Fernseher werden ja heutzutage mit einer Wandhalterung fest ab einer ebensolchen angeschraubt. Aber ich habe wahrscheinlich einfach nur keine Ahnung.

Zu meiner Linken sitzen zwei Männer und eine Frau. Einer der beiden hat eine Glatze, trägt eine Brille und erfreut die anderen Gäste mit einer sonoren Stimme bei der sogar Herr Naseband aus dem Unterschichtenfernsehen neidisch werden würde. An diesem Tisch geht es um den Verlust von Wertgegenständen aus verschlossenen Automobilen. Tatsächlich hat jemand für nur fünf Minuten an einem Aussichtspunkt sein Fahrzeug verlassen und bei seiner Rückkehr überraschend die komplette Geldbörse vermisst. Entweder war es Zauberei oder die Diebe waren einfach gut. Man stelle sich vor, die haben die Geldbörse komplett mitgenommen, also inkl. der eingesteckten Kreditkarten, EC-Karten, Führerschein, Personalausweis und vielem mehr. Ich beginne über die Brutalität dieses Verbrechens nachzudenken und es ist wirklich unglaublich, dass die Diebe nicht den Anstand hatten Vorort kurz das Bargeld auszusortieren und die wertlosen Plastikkarten artig zurückzulegen. Daran merkt man, dass wir nicht in Deutschland sind. Ein ordentlicher deutscher Dieb wäre sicherlich nicht mit der kompletten Geldbörse abgerauscht. In Deutschland sind eben sogar die Diebe in jeder Hinsicht professioneller!

Zurück in unserem Zimmer kann ich mir einige bissige Sätze nicht verkneifen, zu laut und zu rücksichtslos erscheinen mir manche Gäste. Wahrscheinlich sind es aber genau diese Gäste die sich an der Rezeption beschweren wenn des nachts im Nebenzimmer ein Kind weint oder vielleicht einmal ein Floh hustet. Das Leben scheint mit den Jahren schwerer zu werden und den älteren Menschen die Augen für die Unzulänglichkeiten unseres Daseins zu öffnen… Ich bin nun schon fast 50 und wenn ich darüber nachdenke habe ich echt Angst davor einmal so zu werden wie diesen unzufriedenen Herrschaften.

Mir soll das aber vorerst alles egal sein, ich habe heute mit meiner Nikon 1 V1 großen Spaß gehabt, aber kein einziges Foto aufgenommen sondern nur Videos und Zeitraffer-Sequenzen geknipst. Für diesen Artikel habe ich einige Bilder aus den Videos ausgeschnitten, daher die etwas „einfache“ Qualität.

Den Abend beschließe ich auf dem Sofa mit meinem iPad und schaue mir noch zwei Folgen von „True Blood“ an, die Mehrzahl dieser „Serien-Vampire“ hat nämlich wirklich gute Manieren!

Teneriffa 12-2013 – Tag 13

Der zweite Weihnachtstag beginnt wie alle Tage hier auf der Insel. Der Himmel ist etwas bedeckt und der Wellengang ist ein wenig stärker als sonst. Obwohl das Meer zwar in unmittelbarer Sichtweite aber dennoch etliche hundert Meter entfernt ist, kann ich das Donnern der Wellen hier oben ganz deutlich hören.

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Via Internet habe ich mir eine Trial-Version der Software Sandisk RescuePRO besorgt und damit versucht die defekten Dateien auf Sandras Speicherkarten wieder herzustellen. Nach etlichen Stunden musste ich dann aber feststellen, dass dieses Programm nur Dateien wiederherstellen kann die man versehentlich gelöscht hat. Wer also versehentlich seine Speicherkarte neu formatiert hat und noch keine neuen Bilder darauf abgelegt hat, der kann mit dieser Software die vermeintlich gelöschten Fotos wieder herstellen. Bei einer 32GB großen Speicherkarte dauert das Prozedere fast zwei Stunden. Im Profil des angemeldeten Benutzers wird danach ein Ordner mit dem Namen „Recovered“ angelegt. Dort gibt es Unterorder mit Zeitstempeln für jeden Wiederherstellungslauf. Da es die Trial-Version ist, kann man nur maximal 25 Dateien wiederherstellen. So enthält der Recovered-Ordner nach der langwierigen Aktion nur Dateien, die man ohnehin ganz normal anzeigen und abspielen konnte. Also versuche ich das System auszutricksen und lösche auf der Speicherkarte alle Dateien die wir sowieso schon kopiert haben und die völlig in Ordnung sind. Weitere zwei Stunden später hat das Programm dann aber genau dieses Dateien ein weiteres Mal gefunden. Wiederherstellen kann ich sie jedoch nicht, weil man mit der Trial-Version nur einmalig maximal 25 Dateien retten kann. Also war die mehr als vier Stunden andauernde Prozedur mehr als überflüssig. Wir werden die Speicherkarten mal mit heim nehmen und dort versuchen ob sich die beschädigten Dateien irgendwie reparieren lassen.

Sandra will gleich mit dem Bus in die Stadt fahren und dort endlich einmal das wunderschöne Schwimmbad besuchen das der Kanarische Künstler César Manrique hier im Jahr 1971 gestaltet hat.

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Ich werde mich wohl in meinen OPEL Meriva setzen und wieder einmal mit kompletter Fotoausrüstung samt GoPro auf der Suche nach schönen Motiven durch das Gebirge fahren.

>>Pause<<

Etwa eine Stunde später bin ich endlich startklar, während Sandra in den Bus nach Puerto de la Cruz einsteigt fahre ich mit meinem Mietwagen in Richtung La Esperanza in der Nähe von La Laguna im Norden der Insel. Im Gepäck habe ich so ziemlich alle Fotosachen die ich derzeit hier auf Teneriffa habe. Die Auffahrt zum Teide macht Spaß, unterwegs halte ich kurz an und befestige meine GoPro an der linken hinteren Seitenscheibe. Am Abzweig der in Richtung Südosten nach Güimar hinabführt ist dann die Straße gesperrt – arg… Die Schranken sind geschlossen und es stehen zwei Polizeifahrzeuge davor. Die zwei Autofahrer sind direkt vor mir fuhren stehen direkt vor der Absperrung und diskutieren mit den Polizisten. Ich habe darauf keine Lust, es käme mir sehr wahrscheinlich eh alles spanisch vor 🙂

Also biege ich nach links in Richtung Güimar ab. In diesem Ort gibt es mehrere kleine etwas seltsam anmutende Pyramiden, das Wahrzeichen dieses Ortes. Ich glaube sogar, dass Thor Hayerdahl diese Pyramiden in den 70er Jahren gefunden hat, ich sollte es mal nachschlagen… Oberhalb von Güimar halte ich am Seitenstreifen an und überlege was ich mit dem so jäh unterbrochenen Tag anfangen soll. Weil ich soviel Fotozeugs dabei habe, versuche ich mich an einem kurzen YouTube Video – ob es was geworden ist werden wir im nächsten Jahr sehen 🙂

Ganz witzig ist, dass ständig irgendwelche Autos hinter mir anhalten, die Leute aussteigen und sich wundern warum ich dort halte, wo es dort doch gar nichts außergewöhnliches zu sehen gibt. Ich glaube so beginnt „Schwarmintelligenz“ 🙂

Nachdem ich meine Spielereien abgeschlossen habe geht es hinab zur Süd-Autobahn und dann weiter bis Los Christians. Dort biege ich auf die TF-28 ab und fahre via Arona vorbei am Jungle Park und dem Camel Park über Vilaflor hinauf in die Canadas del Tiede. Die Fahrt ist wirklich schön, aber auch weit und anstrengend. Nach einem Umweg von fast 150 Kilometern bin ich um ca. 17h am südlichen Zipfel der Canadas del Teide. Ich nehme ein paar Fotos auf und filme ein wenig mit der Nikon 1 V1 und meinem kleinen Manfrotto Schwebestativ zu dem ich zuvor ein mein kurzes Video aufgenommen habe. Danach erzähle ich im Auto noch etwas zum Thema „Fotografieren auf Teneriffa“ und mache mich dann auf zu den Los Roques. Leider fehlt mir letztlich ganz genau die Zeit die ich im Auto mit meinem YouTube Video verplempert habe. Statt eines tollen Sonnenuntergangs mit Schattenspiel und allem Drumherum ist die Show schon fast vorbei. Aber egal, ich habe schon so viele tolle Fotos aus dieser Perspektive 🙂 Letztlich schnappe ich mir nochmals die Nikon 1 V1 samt Schwebestativ und nehme noch eine kleine Video-Sequenz auf. Darüber vergesse ich fast die Zeit und als ich wieder am Auto bin ist schon richtig dunkel und wirklich kalt geworden.

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Auf meinem Weg zurück zum Hotel halte ich kurz an und schreibe meiner Sandra eine SMS, dass ich ca. 20h am Hotel sein werde. Sie antwortet sofort und wird mit dem Essen auf mich warten. Es ist sehr cool, dass das jetzt hoch oben in den Canadas funktioniert. Vor etwa drei Jahren hatte man dort oben noch keinen Handy-Empfang. Es ist sehr cool und trägt auch ein Stück weit zur Sicherheit der Wanderer bei, dass man dort jetzt telefonieren kann.

Ich mache mich auf den langen Weg zurück zum Hotel. Nach einigen wenigen Kilometern blockiert  ein Mietwagen mit zwei weißhaarigen Insassen praktisch die Straße. Es ist eng und kurvenreich und man kann im Grunde genommen eigentlich nicht überholen. Quälend langsam schleichen sie den Berg hinunter und stellen mich auf eine enorme Gedultsprobe. Ich bin kurz davor hektisch auf die Hupe zu schlagen als wir an eine etwas längere gerade Straßenpassage kommen. Der Typ im Auto vor mit blinkt rechts und geht vom Gas, also nehme ich mir ein Herz und überhole ihn. Als ich vor ihm bin schaltet der Kerl hinter mir das Fernlicht ein. Entweder peilt er gar nichts mehr oder er will mich ärgern weil ich seiner Meinung nach zu lange zu dicht hinter ihm her gefahren bin. Die Scheinwerfer seines Autos blenden schrecklich und so gebe ich kräftig Gas damit ich schnell weit weg bin und er mich nicht mehr ärgern kann. Während ich so mit eigentlich viel zu hoher Geschwindigkeit den Berg hinab flitze tauchen plötzlich hinter mir die Lichter eines echt großen Autos auf. Das Fahrzeug hat auch die Nebelscheinwerfer eingeschaltet und fährt so dicht auf, dass ich das Gefühl habe, er wolle mich von der Straße schieben. Da ich eigentlich viel zu schnell war habe ich ein echt schlechtes Gewissen und hoffe sehr, dass es nicht die Polizei ist. Für den Fall der Fälle gehe ich etwas vom Gas und fahre nun ganz vorschriftsmäßig. Nach einer Weile kommt wieder eine etwas längere Gerade und da schießt das Auto dann auch an mir vorbei, es ist ein Porsche Cayenne! Darin sitzen ein grobschlächtiger Typ mit Glatze und eine Frau die aussieht als wäre sie auf den Kanaren aufgewachsen. Der Typ tritt jetzt mächtig aufs Gas und da es keine Polizei ist und da er mit seinem schweren „Panzer“ sowieso alles platt machen würde was sich uns  in den Weg stellt, sause ich hemmungslos hinterher. Der Porsche-Fahrer fühlt sich dadurch schwer angespornt und so wird es wirklich sportlich und eigentlich auch ziemlich gefährlich. Aber ich fahre seit mehr als 30 Jahren fast täglich mit dem Auto, ich kenne die Strecke sehr gut und so klebt mein OPEL Meriva Minivan wie eine Zecke an diesem schweinegeilen sauteuren großen fetten SUV. Die Straße ist eng und kurvenreich, es ist dunkel und sicher hat er schweren Stress mit seiner weiblichen Begleitung, der mit großer Sicherheit schwer übel ist. Aber wenn man erst einmal mit dem Pimmelfechten angefangen hat, ist es schwer damit wieder aufzuhören!

Kurz hinter der Forellenzucht erreichen wir bewohntes Gebiet und bei der extrem steilen „Abkürzung“ reißt der Typ ohne zu blinken das Lenkrad herum und jagt fast senkrecht Berg hinab. Eigentlich mag ich diese Straße nicht, aber sie spart brutal viele Kurven und so sause ich hinterher. Die Straße ist so steil, dass selbst im ersten Gang die Motorbremse nicht ausreicht und man eigentlich permanent auf der Bremse stehen muss.

Der Porsche gibt zwischendurch sogar noch Gas und so riecht es nach wenigen Metern mehr als penetrant nach verbrannten Bremsbelägen. Etwa auf der Hälfte der echt langen „Abkürzung“ hält der Porsche rechts an und ich denke, dass er dort wohl wohnen wird. Also fahre ich einfach an diesem großen SUV vorbei und stehe urplötzlich vor einem kleinen gelben Auto das sich in Gegenrichtung den Berg hinauf quält. Es wird eng, sogar echt eng, aber es passt und nun ist mir auch klar warum der Porsche dort oben angehalten hat, bei ihm hätte es nämlich nicht gepasst.

Jetzt ist der Typ aber so richtig angepisst, mit kompletter Festbeleuchtung schiebt er mich regelrecht den steilen Hang hinunter. An einer besonders engen Stelle ist die Straße als Einbahnstraße ausgelegt und man muss entweder links oder rechts um die Häuserblöcke herumfahren. Ich fahre links herum, der Porsche rechts. Irgendetwas scheint ihn dort aber aufgehalten zu haben, denn als ich wieder auf den letzten Metern der „Abkürzung“ bin, ist er endlich weg. Als ich einige Minuten später unten in La Orotava auf die Autobahn auffahre ist er plötzlich wieder hinter mir. Auf dem Beschleunigungsstreifen brüllt der Motor auf und noch bevor die durchgezogene Linie aufgehört hat durchgezogen zu sein, schießt das schwere SUV-Ding links an mir vorbei direkt auf die Überholspur.

Na der Typ hat sich über diesen Mietwagen den er einfach nicht abschütteln konnte heute sicherlich einen Besenstiel in den Hintern geärgert 🙂 Ich bin einige Minuten später am Hotel und muss tatsächlich feststellen, dass ich dort fast 20 Minuten eher als geplant eingetroffen bin. Allerdings habe ich echt schwer feuchte Hände und bevor es zum Essen geht muss ich meine schwitzigen Ralley-Finger erst einmal mit reichlich Seife und kaltem Wasser auf normale Betriebswärme herunter kühlen. Die ganze Heizerei hat dann doch ein wenig an den Nerven gezerrt und ich beschließe mich beim nächsten Mal nicht wieder provozieren zu lassen, hoffentlich klappt es, ich sollte es mir vielleicht zu Sylvester erneut als guten Vorsatz für das neue Jahr durch den Kopf gehen lassen.