Teneriffa 12-2013 – Tag 13

Der zweite Weihnachtstag beginnt wie alle Tage hier auf der Insel. Der Himmel ist etwas bedeckt und der Wellengang ist ein wenig stärker als sonst. Obwohl das Meer zwar in unmittelbarer Sichtweite aber dennoch etliche hundert Meter entfernt ist, kann ich das Donnern der Wellen hier oben ganz deutlich hören.

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Via Internet habe ich mir eine Trial-Version der Software Sandisk RescuePRO besorgt und damit versucht die defekten Dateien auf Sandras Speicherkarten wieder herzustellen. Nach etlichen Stunden musste ich dann aber feststellen, dass dieses Programm nur Dateien wiederherstellen kann die man versehentlich gelöscht hat. Wer also versehentlich seine Speicherkarte neu formatiert hat und noch keine neuen Bilder darauf abgelegt hat, der kann mit dieser Software die vermeintlich gelöschten Fotos wieder herstellen. Bei einer 32GB großen Speicherkarte dauert das Prozedere fast zwei Stunden. Im Profil des angemeldeten Benutzers wird danach ein Ordner mit dem Namen „Recovered“ angelegt. Dort gibt es Unterorder mit Zeitstempeln für jeden Wiederherstellungslauf. Da es die Trial-Version ist, kann man nur maximal 25 Dateien wiederherstellen. So enthält der Recovered-Ordner nach der langwierigen Aktion nur Dateien, die man ohnehin ganz normal anzeigen und abspielen konnte. Also versuche ich das System auszutricksen und lösche auf der Speicherkarte alle Dateien die wir sowieso schon kopiert haben und die völlig in Ordnung sind. Weitere zwei Stunden später hat das Programm dann aber genau dieses Dateien ein weiteres Mal gefunden. Wiederherstellen kann ich sie jedoch nicht, weil man mit der Trial-Version nur einmalig maximal 25 Dateien retten kann. Also war die mehr als vier Stunden andauernde Prozedur mehr als überflüssig. Wir werden die Speicherkarten mal mit heim nehmen und dort versuchen ob sich die beschädigten Dateien irgendwie reparieren lassen.

Sandra will gleich mit dem Bus in die Stadt fahren und dort endlich einmal das wunderschöne Schwimmbad besuchen das der Kanarische Künstler César Manrique hier im Jahr 1971 gestaltet hat.

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Ich werde mich wohl in meinen OPEL Meriva setzen und wieder einmal mit kompletter Fotoausrüstung samt GoPro auf der Suche nach schönen Motiven durch das Gebirge fahren.

>>Pause<<

Etwa eine Stunde später bin ich endlich startklar, während Sandra in den Bus nach Puerto de la Cruz einsteigt fahre ich mit meinem Mietwagen in Richtung La Esperanza in der Nähe von La Laguna im Norden der Insel. Im Gepäck habe ich so ziemlich alle Fotosachen die ich derzeit hier auf Teneriffa habe. Die Auffahrt zum Teide macht Spaß, unterwegs halte ich kurz an und befestige meine GoPro an der linken hinteren Seitenscheibe. Am Abzweig der in Richtung Südosten nach Güimar hinabführt ist dann die Straße gesperrt – arg… Die Schranken sind geschlossen und es stehen zwei Polizeifahrzeuge davor. Die zwei Autofahrer sind direkt vor mir fuhren stehen direkt vor der Absperrung und diskutieren mit den Polizisten. Ich habe darauf keine Lust, es käme mir sehr wahrscheinlich eh alles spanisch vor 🙂

Also biege ich nach links in Richtung Güimar ab. In diesem Ort gibt es mehrere kleine etwas seltsam anmutende Pyramiden, das Wahrzeichen dieses Ortes. Ich glaube sogar, dass Thor Hayerdahl diese Pyramiden in den 70er Jahren gefunden hat, ich sollte es mal nachschlagen… Oberhalb von Güimar halte ich am Seitenstreifen an und überlege was ich mit dem so jäh unterbrochenen Tag anfangen soll. Weil ich soviel Fotozeugs dabei habe, versuche ich mich an einem kurzen YouTube Video – ob es was geworden ist werden wir im nächsten Jahr sehen 🙂

Ganz witzig ist, dass ständig irgendwelche Autos hinter mir anhalten, die Leute aussteigen und sich wundern warum ich dort halte, wo es dort doch gar nichts außergewöhnliches zu sehen gibt. Ich glaube so beginnt „Schwarmintelligenz“ 🙂

Nachdem ich meine Spielereien abgeschlossen habe geht es hinab zur Süd-Autobahn und dann weiter bis Los Christians. Dort biege ich auf die TF-28 ab und fahre via Arona vorbei am Jungle Park und dem Camel Park über Vilaflor hinauf in die Canadas del Tiede. Die Fahrt ist wirklich schön, aber auch weit und anstrengend. Nach einem Umweg von fast 150 Kilometern bin ich um ca. 17h am südlichen Zipfel der Canadas del Teide. Ich nehme ein paar Fotos auf und filme ein wenig mit der Nikon 1 V1 und meinem kleinen Manfrotto Schwebestativ zu dem ich zuvor ein mein kurzes Video aufgenommen habe. Danach erzähle ich im Auto noch etwas zum Thema „Fotografieren auf Teneriffa“ und mache mich dann auf zu den Los Roques. Leider fehlt mir letztlich ganz genau die Zeit die ich im Auto mit meinem YouTube Video verplempert habe. Statt eines tollen Sonnenuntergangs mit Schattenspiel und allem Drumherum ist die Show schon fast vorbei. Aber egal, ich habe schon so viele tolle Fotos aus dieser Perspektive 🙂 Letztlich schnappe ich mir nochmals die Nikon 1 V1 samt Schwebestativ und nehme noch eine kleine Video-Sequenz auf. Darüber vergesse ich fast die Zeit und als ich wieder am Auto bin ist schon richtig dunkel und wirklich kalt geworden.

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Auf meinem Weg zurück zum Hotel halte ich kurz an und schreibe meiner Sandra eine SMS, dass ich ca. 20h am Hotel sein werde. Sie antwortet sofort und wird mit dem Essen auf mich warten. Es ist sehr cool, dass das jetzt hoch oben in den Canadas funktioniert. Vor etwa drei Jahren hatte man dort oben noch keinen Handy-Empfang. Es ist sehr cool und trägt auch ein Stück weit zur Sicherheit der Wanderer bei, dass man dort jetzt telefonieren kann.

Ich mache mich auf den langen Weg zurück zum Hotel. Nach einigen wenigen Kilometern blockiert  ein Mietwagen mit zwei weißhaarigen Insassen praktisch die Straße. Es ist eng und kurvenreich und man kann im Grunde genommen eigentlich nicht überholen. Quälend langsam schleichen sie den Berg hinunter und stellen mich auf eine enorme Gedultsprobe. Ich bin kurz davor hektisch auf die Hupe zu schlagen als wir an eine etwas längere gerade Straßenpassage kommen. Der Typ im Auto vor mit blinkt rechts und geht vom Gas, also nehme ich mir ein Herz und überhole ihn. Als ich vor ihm bin schaltet der Kerl hinter mir das Fernlicht ein. Entweder peilt er gar nichts mehr oder er will mich ärgern weil ich seiner Meinung nach zu lange zu dicht hinter ihm her gefahren bin. Die Scheinwerfer seines Autos blenden schrecklich und so gebe ich kräftig Gas damit ich schnell weit weg bin und er mich nicht mehr ärgern kann. Während ich so mit eigentlich viel zu hoher Geschwindigkeit den Berg hinab flitze tauchen plötzlich hinter mir die Lichter eines echt großen Autos auf. Das Fahrzeug hat auch die Nebelscheinwerfer eingeschaltet und fährt so dicht auf, dass ich das Gefühl habe, er wolle mich von der Straße schieben. Da ich eigentlich viel zu schnell war habe ich ein echt schlechtes Gewissen und hoffe sehr, dass es nicht die Polizei ist. Für den Fall der Fälle gehe ich etwas vom Gas und fahre nun ganz vorschriftsmäßig. Nach einer Weile kommt wieder eine etwas längere Gerade und da schießt das Auto dann auch an mir vorbei, es ist ein Porsche Cayenne! Darin sitzen ein grobschlächtiger Typ mit Glatze und eine Frau die aussieht als wäre sie auf den Kanaren aufgewachsen. Der Typ tritt jetzt mächtig aufs Gas und da es keine Polizei ist und da er mit seinem schweren „Panzer“ sowieso alles platt machen würde was sich uns  in den Weg stellt, sause ich hemmungslos hinterher. Der Porsche-Fahrer fühlt sich dadurch schwer angespornt und so wird es wirklich sportlich und eigentlich auch ziemlich gefährlich. Aber ich fahre seit mehr als 30 Jahren fast täglich mit dem Auto, ich kenne die Strecke sehr gut und so klebt mein OPEL Meriva Minivan wie eine Zecke an diesem schweinegeilen sauteuren großen fetten SUV. Die Straße ist eng und kurvenreich, es ist dunkel und sicher hat er schweren Stress mit seiner weiblichen Begleitung, der mit großer Sicherheit schwer übel ist. Aber wenn man erst einmal mit dem Pimmelfechten angefangen hat, ist es schwer damit wieder aufzuhören!

Kurz hinter der Forellenzucht erreichen wir bewohntes Gebiet und bei der extrem steilen „Abkürzung“ reißt der Typ ohne zu blinken das Lenkrad herum und jagt fast senkrecht Berg hinab. Eigentlich mag ich diese Straße nicht, aber sie spart brutal viele Kurven und so sause ich hinterher. Die Straße ist so steil, dass selbst im ersten Gang die Motorbremse nicht ausreicht und man eigentlich permanent auf der Bremse stehen muss.

Der Porsche gibt zwischendurch sogar noch Gas und so riecht es nach wenigen Metern mehr als penetrant nach verbrannten Bremsbelägen. Etwa auf der Hälfte der echt langen „Abkürzung“ hält der Porsche rechts an und ich denke, dass er dort wohl wohnen wird. Also fahre ich einfach an diesem großen SUV vorbei und stehe urplötzlich vor einem kleinen gelben Auto das sich in Gegenrichtung den Berg hinauf quält. Es wird eng, sogar echt eng, aber es passt und nun ist mir auch klar warum der Porsche dort oben angehalten hat, bei ihm hätte es nämlich nicht gepasst.

Jetzt ist der Typ aber so richtig angepisst, mit kompletter Festbeleuchtung schiebt er mich regelrecht den steilen Hang hinunter. An einer besonders engen Stelle ist die Straße als Einbahnstraße ausgelegt und man muss entweder links oder rechts um die Häuserblöcke herumfahren. Ich fahre links herum, der Porsche rechts. Irgendetwas scheint ihn dort aber aufgehalten zu haben, denn als ich wieder auf den letzten Metern der „Abkürzung“ bin, ist er endlich weg. Als ich einige Minuten später unten in La Orotava auf die Autobahn auffahre ist er plötzlich wieder hinter mir. Auf dem Beschleunigungsstreifen brüllt der Motor auf und noch bevor die durchgezogene Linie aufgehört hat durchgezogen zu sein, schießt das schwere SUV-Ding links an mir vorbei direkt auf die Überholspur.

Na der Typ hat sich über diesen Mietwagen den er einfach nicht abschütteln konnte heute sicherlich einen Besenstiel in den Hintern geärgert 🙂 Ich bin einige Minuten später am Hotel und muss tatsächlich feststellen, dass ich dort fast 20 Minuten eher als geplant eingetroffen bin. Allerdings habe ich echt schwer feuchte Hände und bevor es zum Essen geht muss ich meine schwitzigen Ralley-Finger erst einmal mit reichlich Seife und kaltem Wasser auf normale Betriebswärme herunter kühlen. Die ganze Heizerei hat dann doch ein wenig an den Nerven gezerrt und ich beschließe mich beim nächsten Mal nicht wieder provozieren zu lassen, hoffentlich klappt es, ich sollte es mir vielleicht zu Sylvester erneut als guten Vorsatz für das neue Jahr durch den Kopf gehen lassen.

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2 thoughts on “Teneriffa 12-2013 – Tag 13

  1. Hehe, der letzte Abschnitt könnte von mir sein. Spüre förmlich wie sich Dein Adrenalinspiegel anhob. Eigentlich ja total unvernünftig aber einfach Geil. Der Porsche Fahrer hat sich ganz sicher ganz fest geärgert. 🙂
    Ich weiss nicht wie das rauskommen würde wenn wir beide zusammen auf Teneriffa rumkurven würden. 🙂 Kann es auch nicht ausstehen wenn einer vor mir kriecht oder wenn einer hinter mir drängelt. Beide Situationen müssen umgehend geklärt werden 🙂
    Doch bei mir sitzt meistens noch ‚die Vernunft‘ auf dem Beifahrer Sitz. Darum wird es dann meistens nicht so spektakulär.

    LG Heinz

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