Zeitraffer mit GoPro HD HERO 960

Es ist Freitag, die Wohnung ist nun ein wenig aufgeräumt und gesaugt habe auch schon. Während das kleine MacBook im Hintergrund meinen neuen „Fahrfilm – Rüdesheim nach Bonn“ bei YouTube hoch zu laden versucht, schaue ich mir mein „Werk“ mal an. Die Zeitraffersequenz am Ende ist mir irgendwie zu langsam. Also lege ich ein neues Projekt an und ziehe nur die zweistündige „Wolkensequenz“ hinein. Mit iMovie kann ich das um den Faktor 20 beschleunigen. Ohne weitere Änderungen mache ich einen Export auf die Festplatte und verwendet den Quicktime-Exportfilter. Bei der Kompression wähle ich die höchste Qualität, den Ton schalte ich ab, da gibt es eh nichts zu hören. Nach etwa 30 Minuten ist der Export abgeschlossen.

Nun importiere ich den um 2000% beschleunigte  Filmschnipsel. Schnell einen Titel und den üblichen Abspann einfügen und das Tempo erneut um den Faktor 5 beschleunigen. Nun ziehen die Wolken so richtig dramatisch schnell über die Bonner Museumsmeile. Leider hat die kleine GoPro Kamera mit der ich das Video aufgenommen habe ein krasses Weitwinkelobjektiv mit 170° Blickwinkel. Es sind sogar noch die Ränder des Fensterrahmens zu sehen und der Horizont ist krumm wie eine Wurst. Je dunkler es wird um so höher hat die Kamera den ISO-Wert geschraubt und parallel die Rauschunterdrückung hochgefahren. Zum Ende hin ist der Film dadurch ziemlich unscharf. Aber egal, es ist ja nur ein Experiment!  Mit iMovie kann man sehr leicht einen Ausschnitt wählen der den Fensterrahmen nicht enthält. Durch den Beschnitt reduziert sich die ohnehin geringe Auflösung leider nochmals um ca. 50%!!

Schnell noch eine passende musikalische Untermalung aus dem iMovie-Archiv heraussuchen und dann ab nach YouTube. Beim Upload wähle ich eine kleine 380p, mehr würde keinen Sinn machen, da einfach nicht mehr an Informationen „drin“ sind.

Der Upload läuft parallel zum riesigen „Fahrfilm“. Über mein 6 MBit/s „Hausfrauen-DSL“ ist der winzige Filmschnipsel nach etwa 30 Minuten schon online – wer hätte das gedacht 🙂

Und hier ist es nun, mein neues Experiment:

 

Und pünktlich zu Kaffee und Kuchen ist dann auch das Monstervideo online – der Soundtrack stammt übrigens von Dredge!

UPDATE: Und genau dieser Soundtrack scheint das Problem zu sein! Obwohl die Musik in mono, leiser und 4% schneller unterlegt ist wird sie vom YouTube Content-Filter als BMG-Content erkannt. Daher ist das Video weltweit sichtbar, nur nicht in Deutschland. Ich habe jetzt mal via Audio-Swap irgendeinen belanglosen Title aus der Rubrik „Easy Listening“ unterlegt – Dancing with desire – heißt der Song. Mal sehen wie lange die YouTube Server-Farm brauchen wird um das riesige Video einmal durch den Fleischwolf zu drehen…

 

 

Eine neue Woche in Mainz

Update am 12.08.2011:

Hier habe ich noch eine Version mit GEMA-freier Musik. Die sollte man sich hoffentlich auch in Deutschland ohne Probleme anschauen können 🙂

 

Als mein Telefon klingelt ist es 5h morgens, es ist mein privater Weckruf und es ist schön am Morgen Sandras vertraute Stimme zu hören. Kurz drauf stehe ich unter der Dusche, dann schnell anziehen und das Motorrad satteln. Heute darf mal der Tankrucksack mit den ich noch nie benutzt habe, Kollege Hauke möchte ihn sich mal anschauen. Der Rucksack ist ganz praktisch, hätte ich gar nicht gedacht! Es passt sogar die Nikon D7000 hinein, endlich kann ich mal einen Fotoapparat auf dem Motorrad mitnehmen ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen – cool!

Als es losgeht ist es noch vor 6h – es ist Sommer und doch recht kalt – das Thermometer zeigt gerade einmal 15,5°C – ich trage nur eine Lederkombi und oben herum auch nur ein T-Shirt – nicht wirklich klug – damit hätte ich nicht gerechnet. Bei Bad Breisig fällt mir dann auf, dass die kleine GoPro Kamera wieder einmal im Fotomodus war und ich bei meiner Abfahrt nur ein Bild geknipst habe statt die Aufnahme zu starten. Aber das wird jetzt nach geholt. Kaum habe ich den Seitenstreifen verlassen kommt von hinten ein Typ in einem Porsche, Lichthupe, dicht auffahren, ganz plötzlich steht Pimmelfechten auf dem Programm. Also kurz den Gashahn aufreißen, 2. Gang, 3. Gang, wenige Sekunden vergehen und vom schweineteuren Porsche sind im Rückspiegel nur noch zwei kleine Lichter übrig. Aber da heißt es dann auch schon wieder vom Gas zu gehen. Erstens darf man hier noch gar nicht so schnell fahren und zweitens ist da auch ein Bus der die freie Sicht versperrt. Der Typ im Porsche hat es kapiert, da fährt keine voll bepackte 125er vor ihm, er hält Abstand und kurz drauf ist er dann auch hinter den überholten Autos verschwunden. 2KG/PS sind kein schlechtes Verhältnis 🙂

Es geht über die B9 nach Mainz, das Wetter ist nicht so schön wie erwartet. Statt des erhofften grandios eingefärbten Morgenhimmels gibt es nur Nebel im Rheintal. Aber kurz nach Bingen klart es dann auf. In Mainz steuere ich kurz mein Appartement an. Schnell umziehen und dann ab ins Büro, die Arbeit wartet.

Später kopiere ich die Video-Dateien auf meinen Mac Mini. Der Import der Dateien soll mehrere Stunden dauern, da bleibt Zeit für einen Besuch auf der Kirmes gleich nebenan. Als ich zurück bin ist immer noch nicht alles konvertiert, was für eine Datensintflut…

Bis das Video geschnitten, exportiert und bei YouTube hochgeladen ist werden mehrere Tage vergehen!

Am Donnerstag starte ich um kurz nach 7h den Upload. Das Video läuft knapp 28 Minuten und ist etwa 1,8GB groß – wow… Am Abend ist es dann geschafft, das Video ist online – aber in einigen Ländern wegen der unterlegten Musik von Joe Satriani gesperrt. Also schnell das Einspruchsformular ausfüllen, die Songs sind krass zusammen gedampft und die Lautstärke ist reduziert, das wird sich wohl niemand heraus kopieren und auf eine CD brennen wollen.

Schnell noch diesen kurzen Artikel schreiben und dann geht es auch schon wieder zurück nach Bonn. Draußen scheint die Sonne, die Batterie der kleinen GoPro ist frisch geladen und ich überlege welchen Weg ich fahren und filmen soll. Na, schauen wir einfach mal…

Los geht’s – bis später 🙂

Bonn nach Mainz im Zeitraffer

 

Es ist 17h am Donnerstag und ich kann schon ins Wochenende starten. Zuerst geht es vom Büro zum Appartement, umziehen, die sieben Sachen zusammenpacken und dann rauf aufs Motorrad. Über die Route habe ich mir keine großartigen Gedanken gemacht, ich will erst einmal raus aus Mainz und dann vielleicht mal Rhein entlang, aber mal sehen.

Die ersten paar hundert Meter ist noch alles gut. Es ist etwa 17:30 und es sind angenehme 25 °C, vor mir liegen ca. 150 Kilometer Fahrspaß – denke ich – doch es soll noch ganz anders kommen…

Kaum auf der Autobahn ist da ein riesiger Stau weil kurz vor dem Mainzer Tunnel ein Auto liegen geblieben ist. Als das durchgestanden ist will ich weiter bis Bingen auf der Autobahn fahren. Doch dann wieder ein Stau, nicht ganz so groß, aber auch nervig. Ich entschließe mich die Autobahn zu verlassen, doch diese Ausfahrt ist gesperrt. „Meine“ Fahrbahn wird gerade neu asphaltiert. Es zwängen sich vier enge Fahrspuren auf endlosen Kilometern über die gegenüberliegende Seite der Autobahn. Die Zeit vergeht im Zeitraffer. Neben mir stehen dicke LKW und pusten mir den Ruß auf das Visier. Nach einer halben Stunde kann ich die Kupplung kaum noch ziehen, ich stehe jetzt insgesamt schon fast eine Stunde im Stau herum. Dann die Erlösung, es ist ein Auto liegen geblieben, ein Polizist steht daneben und winkt damit die Gaffer weiterfahren und den Stau nicht noch länger machen.

Endlich bin ich an einer Ausfahrt, es ist schon kurz vor Bingen. Also runter von der Autobahn, wer weiß was mich noch erwarten würde. Es geht über die B9 in Richtung Rhein. Bei Bingen muss ich anhalten. Der Gehörschutz, den ich mir kurz vor der Abfahrt noch schnell bei LOUIS für 5,95 Euro gekauft habe, ist schon wieder heraus gerutscht. Diese kleinen Silikon-Dinger sind ja nett, aber erst bekommt man sie in die Ohren nicht hinein und dann fallen sie von allein wieder heraus. Kann das im Sinne des Erfinders sein? Ich muss mal bei Hein Gericke schauen, ob die nicht etwas haben was in meinen Ohren besser funktioniert.

Nachdem die guten alten Ohropax in die Ohren gestopft sind geht es wieder weiter. Als ich um kurz vor 21h daheim ankomme bin ich fix und fertig. Fast vier Stunden hat die Fahrt ins Wochenende gedauert. Kurz lüften, etwa trinken und dann auf dem MacBook mal schauen wie die Video Sequenzen mit der neuen GoPro geworden sind.

Die Verarbeitung dauert ewig lang. Während dessen spiele ich mal ein wenig mit Photo-Booth herum. Das Ergebnis lade einfach mal so wie es ist bei YouTube hoch und verlinke es in einem kurzen Artikel. Als ich das Video dann anschaue sind Bild und Ton in keiner Weise synchron – was ist denn da schon wieder schief gelaufen?

Also alles löschen und ab ins Bett – meine Abonnenten werden sich fragen was das denn wohl ist – aber heute werden sie ja aufgeklärt 🙂

Am nächsten Tag steht eine Motorradtour mit meinem Sohn auf dem Programm, um 14h soll es losgehen. Es ist also noch etwas Zeit um das Video zu schneiden und in den Wartezeiten mal den Staubsauger zu benutzen. Während die Reinigung der Wohnung schnell gute Formen annimmt, geht es mit dem Video nur schleppend voran. Die Datenmengen sind gewaltig. Der Film ist relativ schnell geschnitten, aber der Export ist langwierig. Das kleine MacBook arbeitet zwei Stunden vor sich hin um dann irgendwie abzubrechen, es ist kein Video auf der Festplatte. Ich starte neue und versuche allerhand, bis es schließlich klappt. Das Video hat in guter Qualität bei einer Auflösung von 720p satte 4,43GB !!!

Also eine zweite Version erstellen, doch es ist schon 13h und ich muss langsam los um meinen Sohn abzuholen. Das Video muss also noch warten.

Als ich spät am Abend wieder daheim bin, geht es weiter. In iMovie wähle ich „Exportieren mit Quicktime“ und schraube so lange an den Einstellungen bis letztlich eine etwa 0,45GB große Datei entsteht. 10% der Originalgröße – das ist doch was – aber man sieht auch den Unterschied! Leider kann ich alles andere in diesem Leben wohl nicht mehr bei YouTube abladen 🙂 Also hoch damit.

Am nächsten Morgen ist es dann endlich geschafft – mein neues Video ist online 🙂

Vatertag

Es ist Mittwoch der 2. Juni 2011 und es ist mal wieder „Vatertag“. Eigentlich ist ja „Christi Himmelfahrt“ – aber wenn es einen „Muttertag“ gibt, sollte es vielleicht auch einen „Vatertag“ geben, oder? Keine Ahnung wer sich das ausgedacht hat, aber an diesem Tag ziehen allerorts betrunkene Männer durch die Gegend. Teilweise sitzen sie in kleinen Planwagen die von einem Trecker gezogen werden und trinken warmes Bier in großen Mengen. Das ist nichts für uns!

Am Vortag haben wir uns noch schnell für 11h mit meinem Freund Anas verabredet. Anas wohnt bei Frankfurt und arbeitet in Bonn. Ich wohne eigentlich in Bonn und arbeite bei Frankfurt – verkehrte Welt… An meinen Motorrädern kleben die Leichen tausender kleiner Fluginsekten. Da wir viel früher wach geworden sind als gedacht, nehme ich mir einen Eimer und einen Schwamm aus der Abstellkammer und fülle ihn mit heißem Wasser. Ich könnte die Mopeds ja mal wieder ein wenig säubern bevor es wieder los geht. Sandra ist gerade im Bad, dort wären die Putzmittel. Hm, ich erinnere mich an eine Folge von Galileo bei der verschiedene Strategien für eine Autowäsche vorgestellt wurden. Jemand hat dort versucht mit Cola die toten Fliegen von seinem Auto zu waschen. Das scheint sogar gut zu funktionieren, allerdings ist das Auto danach klebrig wie Gaffa Tape. In der Küche finde ich eine Flasche Essig-Essenz und Spülmittel. Das sollte auch gehen. Bei Galileo hieß es, dass Essig die kleinen Fliegenleichen gut ablösen kann. Ich starte meinen eigenen Versuch.

Eine halbe Stunde später stehen beide Motorräder relativ sauber in der Sonne und wir warten auf Kumpel Anas. Die Mischung funktioniert recht gut. Anas kommt auf die Sekunde genau mit seiner CBR-1100 um die Ecke gebogen. Er wäre schon früher angekommen, aber es ist mal wieder einer der vielen Bahnübergänge gesperrt. Na, so lernt man seine neue Heimat kennen 🙂

Wir sprechen uns kurz ab und starten dann in Richtung Café Fahrtwind. Sandra und mir knurrt der Magen, wir freuen uns auf ein entspanntes Frühstück in der Mittagssonne. Bei der Ausfahrt Meckenheim ist dann wieder ein Stau auf der Autobahn, ja hört das denn niemals auf? Alle die gestern nach Bonn gefahren sind wollen heute scheinbar in die Eifel. Das sieht nicht spaßig aus und wir fahren gleich wieder ab in Richtung Meckenheim. Mein TomTom berechnet die Route neu und will links abbiegen, warum nicht? Letztlich führt es uns einmal im Kreis und will dann zurück zur Autobahn. Als ich endlich erkenne was das kleine Ding zu denken scheint – können Navis denken? – halte ich kurz an und ändere die Routenführung auf „Autobahn vermeiden“. Es geht weiter, das TomTom möchte jetzt über Adenau fahren, warum nicht? Doch dann ist schon wieder alles vorbei, wir stehen vor dem nächsten Stauende. Scheinbar haben sie es alle so gemacht wie ich „Stau umfahren auf den nächsten 10 Kilometern“ – na prima…

Wir stimmen uns kurz ab und schon ist die Planung mit dem Frühstück im Café Fahrtwind Geschichte. Es geht nach Rheinbach. Dort im Brauhaus kann man schön draußen sitzen und es sich gut gehen lassen. Gegen 12h30 geht es dann weiter in Richtung Gerolstein. Dort war ich schon lange nicht mehr, es ist nicht das primäre Touristenziel und der Weg dorthin ist sehr schön. Wir nutzen die Routenführungsoption „Kurvenreiche Strecke“ und das TomTom findet lauter schöne Straßen. Es geht auf verschlungenen Pfaden durch verwunschene Wälder. Zwischendurch immer mal ein Stück Bundesstraße und dann biegen wir wieder ab auf den nächsten „Trampelpfad“. Viele Strecken kenne ich noch von meinen ersten „Expeditionen“ als ich 1993 nach meinem Umzug in Richtung Bonn begonnen habe meine neue Heimat zu erforschen.

In Gerolstein finden wir dann eine tolle Eisdiele. Es ist schon Nachmittag und der Hintern tut schon ziemlich weh. Nach dem Eis wollen wir die Mopeds auftanken und weiter in Richtung Oberwesel fahren. Dort sollen sich unsere Weg trennen. Anas will heim in Richtung Frankfurt und wir wollen nach Norden in Richtung Bonn. Sandra wünscht sich eine Fahrt ohne ständige Spitzkehren, einfach auf der Bundesstraße dahingleiten. Kein Problem, das TomTom kann das – IQ-Routes heißt das. Aber zuerst wollen wir tanken. Bei der Tankstelle tauschen Anas und ich dann mal die Mopeds. Nun fahre ich mal Honda CBR-1100 – eine „Double X“. Es ist ein krasses Teil, der Motor leistet etwa 150 PS. Das Ding ist schwer wie die Hölle und liegt auf der Straße wie ein Brett. Tief gedruckt hänge ich am M-Lenker. Diese Sitzposition ist wirklich sportlich – nichts für mich – immer wieder ertappe ich mich dabei wie ich mich am schmalen Lenker abstütze. Dieses Bike dirigiert man eher durch Gewichtsverlagerung als mit dem Lenker. Der Motor ist bärenstark, hat richtig Bums und läuft auch im Teillastbetrieb sehr ruhig. Mit 50 Km/h im 4. Gang durch eine Ortschaft zu trödeln ist gar kein Problem. Da sind meine BMWs irgendwie nervöser.

Bei Cochem erreichen wir die Mosel und stehen eine halbe Ewigkeit an einer Baustellenampel. Als es endlich grün wird, eröffnet sich uns das gesamte Ausmaß dieser Baustelle. Ganz Cochem ist eine Baustelle und auf der Hauptstraße unten an der Mosel staut sich der Verkehr über viele Kilometer. Es ist inzwischen wirklich warm und ich bin froh, dass wir am Stau vorbeifahren können. Es geht weiter entlang der Mosel. Bei Treis-Karden kreuzen wir die Mosel und schon wieder geht es in Serpentinen die Berge hinauf. Oben angekommen gibt es eine kleine Kappelle mitten in den Feldern. Hier habe ich schon oft Mopedfahrer bei einer kleinen Pause gesehen. Warum sollten wir hier nicht auch mal rasten?

Als die Motorräder abgestellt sind, stelle ich fest, dass Sandra nicht wirklich fröhlich ist. Sie hat ihre Belastungsgrenze erreicht und will eigentlich nur noch nach Hause. Sie schimpft herum und fragt mich, ob ich meinen männlichen Ego-Trip endlich beenden kann. Ich bin gelinde gesagt ‚überrascht‘. Wir ruhen uns also ein wenig aus und diskutieren das Für und Wieder der vollkommen unterschiedlichen Motorradkonzepte. Als es wieder losgeht fühlt sich meine BMW irgendwie anders an, irgendwie noch besser als früher. Ich sitze ganz entspannt und das Ding fährt sich im Gegensatz zur CBR-1100 fast wie ein Fahrrad. Es ist eher ein „Opa-Motorrad“ – genau richtig für mich 🙂

Kurz vor Oberwesel haben wir einen fantastischen Blick hinab ins Rheintal. Hier würde ich gern anhalten und ein paar schöne Fotos machen, aber wir haben keine Kamera dabei. An einer kleinen Anhöhe sieht es so aus als wäre dort ein kleiner Aussichtsplatz, also Blinken und raus. Aber es ist nur der Anfang eines staubigen Feldweges. Unter den verwunderten Blicken meiner „Beifahrer“ fahre ich wieder weiter. In Oberwesel finden wir bei einem Italiener ein schönes schattiges Plätzchen. Es gibt ein Steak mit Fritten und Salat – lecker!

Inzwischen ist es Abend geworden und wir verabschieden uns um etwa 19h30. Zwei Stunden ist es noch hell und vor uns liegen noch etwa 100 Kilometer bis nach Bonn. Sandra fährt ein Stück vor mir her. So kann ich die Landschaft genießen, habe sie im Blick und muss mir keine Sorgen machen. Fährt sie hinter mir, so muss ich ständig in den Spiegel schauen um zu checken ob alles ok ist. Sie versteht das nicht wirklich, sie fährt eigentlich am Liebsten am Ende der „Karawane“. Doch das hat Anas den ganzen Tag über schon gemacht. „Warum muss ich jetzt schon wieder vorfahren“ scheint sie zu denken. Irgendwie ist das alles nicht so einfach. Fahre ich vor, bekomme ich beim nächsten Stopp zu hören, dass ich wieder mal zu schnell gefahren bin oder zu wenig Pausen gemacht habe. Selbst vorfahren will sie aber nicht, weil sie sich dann bedrängt fühlt und den Weg nicht kennt. Wie löst man diesen Konflikt??

Ab Koblenz fahre ich vor, ganz langsam. Die Sonne steht tief und blendet, es ist nicht wirklich angenehm. Ich fahre nicht schneller als 80 und schaue permanent in den Rückspiegel. Als wir daheim von den Motorrädern steigen ist Sandra kurz vor dem Umfallen, sie kann nicht mehr und ist völlig am Ende. Später gibt es die 8. Staffel von 24. – Jack Bauer muss wieder ordentlich was einstecken und die ganze Welt vor den bösen Buben retten. Wir schauen uns drei Folgen an und schlafen dann wie die Murmeltiere.

Mitten im Schlaf knackt dann etwas in meinem Mund. Ich werde wach und spüre etwas scharfkantiges auf der Zunge. Ohje, was ist das denn? Schlaftrunken taumle ich ins Bad. Vor dem Spiegel wird mir klar was geschehen ist. Ich habe scheinbar so krass mir den Zähnen geknirscht, dass der linke Schneidezahn zerbrochen ist. Nicht schon wieder! Hört das denn nie auf? Gerade habe ich eine erfolglose Kieferoperation hinter mir. Danach wurde der gebrochene Eckzahn gezogen und ich versuche mich jetzt an die Delle im Kiefer und die neue Brücke zu gewöhnen. Nun bricht der andere Schneidezahn auseinander. Das darf alles nicht wahr sein. Das abgebrochene Stück bleibt im Bad vor dem Spiegel und ich gehe frustriert zurück ins Bett.

Am nächsten Morgen bin ich früh wach. Die Sonne scheint und der Zahn ist krass scharfkantig. Es ist als hätte ich einen spitzen Säbel dort wo ein Zahn sein sollte. Um 8h rufe ich beim Zahnarzt an, aber es ist nur der Anrufbeantworter erreichbar. Um 9h10 versuche ich es erneut. Es klingelt, dann ist die Leitung unterbrochen. Ich rufe erneut an und habe wieder nur den Anrufbeantworter in der Leitung. Alle weiteren Versuche schlagen fehl. Ich werde es also am Montag versuchen müssen oder eine Woche lang mit einem zerborstenen Zahn herumlaufen müssen. Mein Leben als „Externer“ ist manchmal nicht so einfach. Meist bin ich dort wo genau das nicht ist was ich gerade brauche. Sei es eine Werkstatt, ein Zahnarzt oder sonst etwas.

Nun aber ab unter die Dusche und dann wird hier ein wenig aufgeräumt…

Umzug

Für einen externen Mitarbeiter ist jedes Büro immer nur „geliehen“. Am Dienstag ist es dann soweit, ich packe meine Sachen zusammen und ziehe zu Hauke und Tobias. Die ganze Aktion ist in ein paar Minuten erledigt, ich habe ja schon Übung. Später kommen die Hausmeister und nehmen Tobias und Hauke die kleineren 19″ Monitore weg. Die Leasing-Verträge sind abgelaufen und sie werden gegen 24″ Monitore ausgetauscht. Aber am Montag werden sich beide erst einmal wundern, dass ich jetzt in ihrem Büro sitze und dass ihre „Zweit-Panels“ weg sind.

Als kleinen Ausgleich habe ich ein paar Teneriffa-Poster mit Magneten an die Wände gepinnt. Es ist wirklich praktisch, dass bei der letzten Renovierung dünne Stahlplatten unter die Tapete geklebt wurden!

Am Mittwoch geht es dann abends mit dem Motorrad zurück nach Bonn. Auf den Straßen ist die Hölle los, am Donnerstag ist Feiertag. Wo wollen die bloß alle hin? Als ich schließlich in Bingen auf der B9 bin geht es recht entspannt voran. Alle anderen stehen auf der A61 im Stau. Bei Andernach kurz vor der ewigen Brückenbaustelle wird es dann wieder einmal einspurig. Ich überhole noch ein paar Autos die wirklich langsam dahin schleichen, als plötzlich etwa 400 Meter vor Beginn der Baustelle ein etwas älterer 3er BMW mit M-Logo ruckartig auf die Überholspur zieht und mir den Weg versperrt.

Mir kommt es so vor als wolle er verhindern, dass ich ihn vor der Baustelle noch überhole, was für ein Idiot. Brav fahre ich ewig lang mit 55 Km/h hinter ihm her. Die Baustelle ist wirklich lang, 60 Km/h sind erlaubt und der Abstand zu den Vorderleuten wird größer und größer. Will der mich ärgern oder warum fährt der Typ jetzt so langsam? Als die Baustelle zu Ende ist setze ich den Blinker und meine BMW schießt im 3. Gang mit einem heiseren Kreischen an ihm vorbei. Der Typ schaut mich kurz verdutzt an, dann bin ich schon schon weg. Keine Ahnung was er erwartet hat. In den neuen Spiegeln wird sein nachgemachter M3 schnell kleiner.

Kurz vor Bad Breisig ist dann „Schluss mit Lustig“, es geht gar nichts mehr, vor mir nur ein wirklich langer Stau. Plötzlich quietschen Reifen hinter mir. Während das Adrenalin durch die Adern rauscht drehe ich mich um und sehe den Typen mit seinem „Möchtegern Rennwagen“ wie er nur wenige Zentimeter hinter meinem Motorrad zum Stehen kommt. So wie es aussieht hat er das Stauende übersehen und mich beinahe umgefahren, großartig!

Die Spur neben dem Stau ist völlig frei, dort geht es hoch auf eine Brücke und dann rüber nach Westen in Richtung A61. Diese Straße bin ich erst neulich zusammen mit Sandra gefahren, warum nicht? Vielleicht ist auf der A61 inzwischen weniger los? Auf der Route des Vulkan-Express geht es durch die schöne Landschaft in Richtung Burgbrohl. Kurz tanken und dann ist da schon die A61. Kaum aufgefahren ist aber auch schon wieder alles vorbei. Kurzentschlossen fahre ich beim Dreieck Sinzig wieder ab auf die A561, eigentlich nur ein kleiner „Wurmfortsatz“, aber hier ist wieder alles frei. Kurz drauf bin ich wieder unten am Rhein. Nun fließt dort alles ganz vorzüglich. Ich halte Ausschau nach meinem „Freund im M3“ – aber er taucht nicht mehr auf. Ist sicher besser so.

Als ich daheim ankomme ist Sandra schon da. Sie hat für 95 Kilometer drei Stunden gebraucht und ist komplett bedient. Im Vorratsschrank gibt es noch eine Packung Spaghetti Bolognese und ein paar kleine Pizza-Happen. Danach sind wir froh, dass dieser Tag nun fast geschafft ist. Bei einer kalten Bionade schauen wir uns einen Filmtipp von Fabian an: „Uncertain Guest“. Ein spanischer Film mit einer wirklich ungewöhnlichen Story. Er gefällt uns gut und wir schlafen irgendwann ein – trotz der Geschichte des „unheimlichen Mitbewohners“ 🙂