Teneriffa 2014/15 – Der Weg zu den Sternen

Tag 26 – 5. Januar

Es ist Montag und weil mir der Heimweg des Vortages noch ein wenig in den Knochen steckt lasse ich es heute ganz ruhig angehen. Um 10h30 treffen sich an jedem Morgen einige Residenten bei der Bar „Pepito“ in La Paz, dem deutschsprachigen Stadtteil von Puerto de la Cruz. Dort will ich mich mit meinem Freund Wolfgang treffen, allerdings bin ich heute fast eine Viertelstunde zu spät. Stören tut das hier indes niemanden, wer auf Teneriffa lebt hat meistens viel Zeit und alle Ruhe der Welt. Das gilt leider auch für Handwerker aller Art…

Gegen Mittag bin ich wieder im Hotel, schreibe einen Artikel für meinen BLOG und gammle ein wenig im Hotel herum. Das ist entspannt aber auch ziemlich langweilig. Immer wieder muss ich an Veronica denken, die ich vor ein paar Jahren kennengelernt habe. Sie konnte stundenlang aufzählen in welchen Ländern sie schon im Urlaub war und hatte tausende Fotos von ihren Reisen. Seltsamerweise war sie auf ALLEN Fotos im Bikini an unterschiedlichsten Pools in Hotelanlagen zu sehen, die letztlich doch alle wieder ähnlich aussahen. Als ich sie damals gefragt habe ob sie sich denn mal ein Auto gemietet hat um die Landschaft zu erkunden, war sie irritiert und sprachlos. Sie hat wirklich über all die Jahre hinweg ihre freie Zeit vollständig in weit entfernten Hotelanlagen verbracht und kannte die Länder drumherum nur durch die Fenster der Shuttle-Busse.

Damals habe ich mir geschworen, dass ich solch einen Urlaub niemals nie nicht machen werde!!! Und heute bin ich doch ein wenig zu einem Teil davon geworden. Irgendwie ist es mir unangenehm zwischen all den Menschen mit dem blauen „All-Inclusive-Armband“ am Pool zu sitzen. Natürlich habe ich nichts gegen sie persönlich, aber diese Art Urlaub zu machen, mit Flatrate-Saufen und Sonnenbrand bis es verbrannt riecht, kann ich einfach nicht ab.

Als es dunkel wird muss ich da raus, es ist mir einfach unerträglich. Beim abendlichen Buffett esse ich noch schnell etwas Fisch, Kartoffeln und Gemüse und staune nicht schlecht als meine „Lieblingskellnerin“ mir völlig ungefragt ganz locker im vorbeigehen einen großen Humpen leckeres kaltes Bier auf den Tisch stellt. Was für ein Service und diese total netten Mitarbeiter müssen sich den ganzen Tag mit Menschen herumschlagen die ihre unvorteilhaften Figuren missmutig und betrunken am Pool herum bewegen. Oh je, jetzt werde ich zynisch, also lassen wir das…

Im Zimmer raffe ich meine Fototaschen zusammen. Es ist alles hier und dort verteilt weil ich am Nachmittag vor lauter Langeweile einen neuen Teil für „Ansgar’s kleine Fotoschule“ aufgenommen habe.

Als ich los will ist es erst 19h, eigentlich noch viel zu früh für schöne Fotos der Sterne hoch oben in den Bergen über Teneriffa. Also schneide ich noch schnell die Videoschnipsel des Nachmittages zu einem herrlich verwackelten YouTube-Video zusammen. Diesmal habe ich alles einfach ganz schnell und hemdsärmelig mit meinem Handy gefilmt. Schon beim Schneiden wird mir flau im Magen und ich bin gespannt wie viele meiner Zuschauer dabei wegen akuter visueller Überforderung in Ohnmacht fallen werden 🙂

Zuletzt widerstehe ich noch der dringenden Versuchung mit fieser Fresse „Aalter isch Rahsier Disch!“ in die Kamera zu grunzen oder so laut wie möglich „Knallgas“ ins Mikrofon zu brüllen. Besser ist das, denn das machen ja schon die angesagten Stars auf YouTube. Wer nicht weiß wovon ihr hier schreibe gibt sich mal kurz den „Kaller“ oder auch „Gillette Abdi“ – Au Backe – Das Video von „Gillette Abdi“ wurde schon fast eine halbe Millionen mal angeschaut. Was ist nur aus unserer Welt geworden? Alles wird den Bach runter gehen und weil die Jugend nur noch so einen Müll anschaut, wird sie es noch nicht einmal bemerken sondern nur dazu johlen: „Aaalter wir eh wir rasyrn dysch eh aalter…“

Aber das soll uns egal sein, wir wollen ja die Sterne fotografieren, also weiter geht’s… Um zum Pico del Teide hinaufzufahren gibt es insgesamt rund sechs verschiedene Möglichkeiten. Weil es schon 22h ist mag ich heute nicht viele Kurven fahren und entscheide mich für die sehr entspannte Anfahrt aus dem Nord-Osten über den kleinen Ort La Esperanza. Das ist zwar deutlich weiter, aber die Straßen sind gut geteert und viel besser zu befahren als die Straße oberhalb von La Orotava.

Anfahrt-Teide-La-Esperanza

Ein paar Kilometer hinter dem Flughafen montiere ich meine neue GoPro HD HERO 4+ Black Edition auf das Dach meines Autos, starte das WiFi-Netzwerk und steuere die Kamera aus dem warmen Auto heraus mit meinem Smartphone. Das funktioniert ganz wunderbar und nachdem ich eine Video-Sequenz aufgenommen habe die etwa 5 Minuten dauert, schalte ich die Kamera in den Zeitraffermodus für Nachtaufnahmen (Night-Time-Lapse). Mit ISO-800 und einer Belichtungszeit von etwas einer Sekunde knipst die GoPro nun Bild um Bild. Als ich ein paar Kilometer später anhalte bin ich richtig aus dem Häuschen als ich sehe wie schweinemäßig cool diese Fotos aussehen.

chasing the evil through the forest walls

Draußen sind es jetzt nur noch 5°C und der Akku meiner GoPro macht wegen unvollständiger Ladung, akutem Stromentzug und fieser Kälte schlapp. Ich verstehe das, wäre ich eine Batterie mir wäre da oben auf dem Auto auch nicht wohl. Also hole ich die kleine Kamera aus dem Unterwassergehäuse auf dem Dach und lade sie über einen USB-Adapter der im Zigarettenanzünder steckt.

Am ersten Aussichtspunkt angekommen baue ich meine Nikon D800E und das Nikkor 2,8/14-24mm auf und lasse sie bei ISO-800 und Blende 4 ganze 30 Sekunden lang belichten. Bereits diese ersten Fotos sehen gut aus, denn über mir am Himmel scheint der volle Mond so hell, dass man fast Zeitung lesen könnte. Während ich mit der D800E immer mal wieder neue Bildausschnitte wähle, habe ich inzwischen auch die Olympus OM-D E-M1 startklar. Für die ersten Fotos verwende ich das Leica 1,2/42,5mm Nocticron. Den Autofokus habe ich auf  M wie „Manuell“ gestellt. Schalte ich die Kamera aus und wieder ein, so fokussiert sich das lichtstarke Nocticron sauber auf „Unendlich“, das funktioniert wirklich gut!

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OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Mit der Olympus probiere ich nun verschiedene Einstellungen aus. In meinem Auto habe ich die Kamera zuvor etwas umkonfiguriert und so kann ich nun mit dem Feature „Live-Time“ bei Blende 4 und ISO-400 schöne Fotos machen. Eine feste Belichtungszeit gibt es dabei nicht. Auf dem Display kann ich verfolgen wie das Bild entsteht. Unten links im Bild wird ein Histogramm eingeblendet und immer wenn ich das Gefühl habe, dass keine dunklen Bildbereiche „abgeschnitten“ werden, drücke ich den Auslöser ein zweites Mal um den Belichtungsvorgang zu beenden. Weil der feste relativ fixe Blickwinkel mir irgendwann zu starr ist, nehme ich noch einige Fotos mit dem Panasonic 2,8/35-100mm (FX: 70-200mm) und dem Panasonic 2,8/12-35mm (FX: 24-70mm) auf.

El Teide at Night #1 - Nikon D800E & Nikkor 2,8/14-24mm

Um das „Geschehen“ dokumentieren zu können, lasse ich die kleine GoPro die Szenerie verfolgen. Sie knipst jetzt mit 30s Belichtungszeit lautlos vor sich hin. Ein drittes Stativ für die GoPro habe ich leider nicht dabei, aber es gibt an diesem Aussichtspunkt überall Möglichkeiten um die Kamera abzustellen. Wegen des krassen Weitwinkels der GoPro kommt es auch nicht so genau darauf an wo und wie sie steht, sie knipst irgendwie schon das was ich möchte. Zwischendurch zücke ich kurz mein Smartphone und kontrolliere sicherheitshalber doch was in der kleinen GoPro vor sich geht.

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Gegen 1h am Morgen habe ich den Eindruck, dass ich alles soweit wie sinnvoll „abfotografiert“ habe. Am Aussichtspunkt ist es fast windstill und es sind 7°C, so bin ich auch nach mehr als einer Stunde nicht total durchgefroren und nehme schnell mit meiner GoPro im Auto ein weiteres Video zum Thema „Nachts fotografieren“ auf.

Es geht weiter zur nächsten Location. Es ist eine nicht weit entfernte Stelle die mein Freund Wolfgang mal als den „Grand-Canyon von Teneriffa“ bezeichnet hat. Dort kann man das Auto gut abstellen und bewaffnet mit meinen Kameras geht es einen kleinen Hügel hinauf auf einen gewaltigen Felsvorsprung. Von hier aus kann ich La Orotava und Puerto de la Cruz sehen. Gleich links oberhalb thront majestätisch der Pico del Teide sehr fotogen am Horizont. Direkt von oben beleuchtet das Mondlicht die Szenerie auf fast gespenstische Art und Weise.

Und wieder fotografiere ich was das Zeug hält. Hier ist es nun etwas kälter, es sind nur noch 3°C aber es ist nahezu windstill. So muss ich mir keine Sorgen machen, dass ein Windstoß eine meiner Kameras in den tiefen Canyon schubsen könnte. Mit zwei Kameras geht es auch hier sehr effizient voran. Ich flitze zwischen Kameras hin und her und immer wenn die eine Kamera belichtet und die Rauschunterdrückung ausführt hantiere ich an der jeweils anderen Kamera. So vergeht die Zeit wie im Flug und als ich irgendwann meine Füße kaum noch spüren kann ist es auch schon deutlich nach 3h am Morgen.

El Teide at Night #2 - Nikon D800E & Nikkor 2,8/14-24mm

Weil die Session so viel Spaß gemacht hat war ich zwischendurch regelrecht euphorisch und habe ernsthaft in Betracht gezogen an weiteren Locations zu fotografieren und zum Sonnenaufgang unterhalb des kleinen Gala auf der Westseite des Vulkans zu sein. Aber die Müdigkeit übermannt mich jetzt unaufhaltsam und so beschließe ich meine Sachen zu packen und zurück zu Hotel zu fahren.

Der Rückweg ist denn auch gar nicht leicht und es fällt schwer die Augen offen zu halten. Aber die Füße tauen langsam auf. Während die Heizung auf der höchsten Stufe läuft muss ich schließlich ein Fester ein wenig öffnen um noch etwas Frischluft im Auto zu haben. Im Hotel angekommen fällt mir jeder Meter schwer. Von meinem Proviant habe ich nichts aber auch gar nichts gegessen. Aber es war gut ihn dabeizuhaben, man weiß nie was passiert und welche absurden Ideen mir manchmal mitten in der Nacht durch den Kopf schießen.

Vor meiner Zimmertüre im Hotel setzt schlagartig große Ernüchterung ein. Die Euphorie ist weg, denn meine Karte für das Türschloss funktioniert nicht mehr. Oh je, es ist kurz nach 4h am Morgen und ich komme nicht in mein Zimmer. Meine Kameras und alles andere lasse ich vor dem Zimmer liegen und laufe schnell zur Rezeption hinüber. Dort treffe ich zum Glück eine der Mitarbeiterinnen die hier sonst tagsüber arbeitet. Eigentlich hatte ich den Nachtportier erwartet. Meine Zimmer-Karte ist schnell neu programmiert und als ich gefragt werde wo ich denn so spät in der Nacht noch wandern war zücke ich mein Telefon um voller stolz einige der Fotos auf meinem Smartphone zu präsentieren die ich in den letzten Tagen bei flickr hochgeladen habe.

Die Mitarbeiterin des Hotels ist irritiert und kann kaum glauben, dass diese vielen Fotos in der Nacht entstanden sein sollen. Aber ich kann ihr die Sterne zeigen und sie kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Als ich mich verabschiede haut es mich fast aus den Schuhen als sie mir sagt sie sei völlig überrascht was man heutzutage alles mit einem modernen Telefon fotografieren könne 🙂

Teneriffa 2014/15 – Die vegane Frühstückszeremonie

Canarian style near Taganana - Nikon 1 V3 & 10-100mm

Tag 23 – 2. Januar 2015

Ich bin jetzt schon seit mehr als drei Wochen auf dieser wunderschönen Insel und jeden Morgen ist es immer wieder witzig was man beim Frühstück alles beobachten kann. Auch heute finde ich einen Platz an einem der wenigen freien Tische draußen auf der Terrasse vor dem Restaurant. Während ich eine größere Menge kleiner lauwarmer Pfannkuchen mit verschiedenen Sorten Marmelade zu mir nehme, nimmt gleich neben mir ein großer sehr dünner Typ mit auffälliger Sonnenbrille platz. Eigentlich ist der Himmel voller Wolken und niemand außer ihm trägt eine Sonnenbrille, aber vielleicht gehört das ja zu seinem Stil der allerdings irgendwie seltsam anmutet. Während er immer wieder zwischen Tisch und Restaurant pendelt füllt sich sein Tisch langsam aber sicher mit verschiedenen Tellern auf denen er Salate, Gemüse und Obst gestapelt hat. Dazu gibt es ein Gläschen zuckersüßen Ananas-Saft aus dem Automaten. Auf seiner letzten Tour bringt er schließlich einen Teller mit auf dem zwei Scheiben Toast und jeweils drei Scheiben Käse liegen die wie ein V geschnitten sind.

Ich bin ein großer Fan der leicht skurrilen Fernsehserie „Der Tatortreiniger“ mit Bjarne Mädel in der Hauptrolle. „Meine Arbeit fängt da an wo sich die meisten Menschen vor Ekel übergeben müssen!“ – Das ist das Credo seiner Arbeit als jemand der kommt nachdem die Spurensicherung weg ist.

Tatortreiniger

In der dritten Staffel gibt es die überragende Folge „Fleischfresser“. Dort stellt Tatorteiniger „Schotty“ vor der Türe hinter der er die Spuren eines Verbrechens beseitigen soll und stellt fest, dass er die Wohnungsschlüssel in der Firma vergessen hat. Er ruft seinen Chef an und organisiert, dass jemand kommt und die Schlüssel bringt. Während er im Hausflur wartet kommt eine junge hübsche Frau in einem Rollstuhl aus dem Aufzug. Weil er mal dringend pinkeln muss, darf er kurz in ihre Wohnung. Was dann kommt ist ein wunderbares Kammerspiel zum Thema „Vegan leben“.

Fleischfresser

Ständig klingelt das Telefon und der Ex-Freund der Rollstuhlfahrern ruft immer wieder an, bettelt und entschuldigt sich für seine grauenhafte Tat. Schließlich klärt sich die Sache auf. Sie ist Veganer und ER hat heimlich Schnitzel gegessen. Daher musste er gehen. Jetzt will er alles wieder gut machen. Tatortreiniger Schott zerreißt es fast das Herz und schließlich bietet er ihr eine „Vegane Patenschaft“ an. Er isst 14 Tage lang kein Fleisch und kompensiert damit die Schnitzel ihres Freundes. So kann er wenigstens für diese Zeit mit gutem Gewissen wieder mit ihr zusammen sein. Eine wirklich lustige Idee der Drehbuchautoren…

Während mein Frühstücksnachbar mit einem speziellen Messer, das er wohl mitgebracht hat, sein Obst bearbeitet gehen mir die Szenen mit Schotty und der „veganen Patenschaft“ durch den Kopf. Irgendwie muss ich in mich hinein grinsen, zu witzig sieht es aus wie dort Birnen, Äpfel und Bananen akkurat seziert und dann mit Messer und Gabel verspeist werden.

Nach dem Obst wendet sich mein Nachbar den nahrhaften Dingen zu. Es gibt zwei Scheiben Toast und genau 5 Scheiben V Käse. Doch halt, zunächst werden am Vollkorntoast die ungesunden dunklen Krusten mit dem Obstmesser entfernt. Nun werden die dunklen Ränder der Käseecken entfernt. Anschließend werden die V Käseecken so auf dem verbleibenden Toast verteilt, dass sie ein sauberes Parallelogramm bilden. Doch was ist das? Ein V ist noch übrig. Wohin damit? Ah, es wird präzise in der Mitte geteilt und dann auf die beiden Scheiben Toast gelegt. Nun wird der Käse mit etwas Brokkoli, Karotten und anderem gedünsteten Gemüse belegt. Als alles fertig ist versucht mein Nachbar es zu essen. Aber das ganze Gemüse kullert ihm wieder von seinem randlosen Vollkorntoast herunter. Das Problem scheint die Instabilität des Brotes zu sein, es hat eben keinen stabilen Rand mehr. Der Veganer denkt kurz nach um danach mit Obstmesser und Gabel das Gemüse zunächst etwas zu zerkleinern und dann vorsichtig mit Messer und Gabel zu verspeisen. Bei jedem Stückchen Toast kullert immer wieder Gemüse zurück auf den Teller, das vegane Leben hält doch allerei Herausforderungen parat. Ich frage mich warum er nicht einfach einen Toast mit Marmelade isst, das wäre deutlich einfacher.

Als der Toast schließlich bewältigt ist geht es mit einem guten Mix aus Tomaten und Salaten weiter. Ein Dressing gibt es nicht, auch Salz und Pfeffer müssen fern bleiben. Während ich das Schauspiel betrachte bekomme ich richtig Appetit auf eine Tasse Kaffee und zwei Brötchen mit Marmelade. Wie ungeheuer simpel mein Leben doch ist…

Nach dem Essen tausche ich wieder 20 Euro in einzelne Münzen und wasche ein zweites Mal meine Anziehsachen. Während die Turbo-Waschmaschine 30 Minuten lang im Keller meine Kleidung säubert ist Zeit diesen Artikel zu schreiben.

Jetzt muss ich kurz unterbrechen, denn nun muss die Wäsche schon in den Trockner. Also nicht wegklicken, ich bin gleich zurück…..

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Ok, da bin ich wieder…

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Die Waschmaschine läuft keine 30 sondern etwa 35 Minuten. Weil Masseur Jerome schräg gegenüber wahrscheinlich gerade eine ältere Dame von ihrem Verspannungen befreit, warte ich vor dem Waschraum bis die Maschine fertig geschleudert hat. Dabei geht mir erneut der Tatortreiniger durch den Kopf. „Warum ich Schweinebraten esse?? Na weil es lecker ist…“ Als ich mich an die Wand neben der Türe anlehne kann ich es kaum glauben, sie vibriert im Rhythmus der schleudernden Waschmaschine, wie krass ist das denn?

Als die „Speed-Queen“ – so die offizielle Bezeichnung – fertig ist hole ich schnell meine Wäsche heraus. Meine farbechten Trekking-Hemden sind zwar nicht der letzte modische Schrei, aber man kann sie problemlos zusammen mit weißer Unterwäsche waschen. Doch in den Trockner sollten sie nicht, das ich auch gar nicht notwendig denn die Speed-Queen hat fast jedes einzelne Wassermolekül herausgeschleudert.

Nun habe ich wieder 45 Minuten Zeit bis Schlafanzug und Unterwäsche frisch duftend und sauber aus dem Trockner kommt. Man braucht hier echt nicht viel Wäsche. Ich habe Hemden für eine Woche, drei vier Hosen und Socken und Unterhosen für 8 Tage. Damit habe ich enorm viel Raum und Gewicht in meinem Koffer gespart, dass ich mit Objektiven und anderem Foto-Equipment ausfüllen konnte.

Allerdings habe ich auch auf dieser Reise wieder viel mehr mit als ich letztlich benutzen kann. Die beiden GoPros sind noch immer fast ungenutzt, das 24mm Shift & Tilt steht seit dem ersten Tag im Schrank und mit der D800E habe ich bis jetzt nur zweimal nachts oben am Teide fotografiert. Da hier das Wetter derzeit etwas durchwachsen ist, fallen die Sonnenaufgänge und -untergänge meist eher unspektakulär aus. Auch oben am Teide hatte ich nicht viel Glück, meistens haben dichte Wolken selbst und 2500 Metern Höhe die freie Sicht auf die Sterne versperrt.

Müsste ich die Reise mit sehr wenig Gepäck antreten, so würde ich wohl nur die Nikon 1 V3 samt 6,7-13mm, 10mm, 10-100mm und das famose 70-300mm einpacken. Sollen während der Reise hochwertigere Fotos entstehen so würde ich statt der Nikon die Olympus OM-D E-M1 mit den Panasonic Objektiven 4/7-14mm, 2,8/12-35mm, 2,8/35-100mm und das Leica Nocticron 1,2/42,5mm einpacken. Zusätzlich käme dann noch das Panasonic 100-300mm in die Fototasche, das im FX Format einem 200-600mm Teleobjektiv entspricht. An das Äquivalent von 189-810mm die das 70-300 der Nikon 1 bietet kommt es letztlich allerdings nicht heran.

Wenn ich auf einer Reise primär Tiere fotografieren möchte und das Gepäck stark limitiert ist, so würde ich lediglich die Nikon 1 V3 mit dem 10-100mm und dem das 70-300mm einpacken. Hier habe ich einige Beispielfotos die ich mit der Nikon 1 V3 und dem 1Nikkor AF-S G VR ED 4,5-5,6/70-300mm (was für eine Typenbezeichnung…) fotografiert habe.

Fish Eagle Portrait - Nikon 1 V3 & AF-S VR 70-300mm

The Observant Eagle - Nikon 1 V3 & 1Nikkor 70-300mm CX

Jungle Park #2 - Nikon 1 V3 & 1Nikkor 70-300mm CX

Jungle Park #1 - Nikon 1 V3 & 1Nikkor 70-300mm CX

Simba #1 - Brother & Sister - Nikon 1 V3 & 1Nikkor 70-300mm CX

El Medano Surfer #3 - Nikon 1 V3 & 70-300mm CX

Die schwere Nikon D800E mag ich unglaublich gern, aber sie ist eben inkl. der zugehörigen Objektive auf Reisen eher hinderlich. An eine klobige Nikon D4s darf ich dabei erst gar nicht denken. Klar sind diese Kameras cool und liefern die allerbesten Ergebnisse, aber solange man nicht beruflich fotografiert und eh nur alle seine Werke im Internet präsentiert ist es als würde man mit „Kanonen auf Spatzen schießen“.

Da ich gern nachts unterwegs bin würde ich auf die Nikon D800E und das 2,8/14-24mm und sehr ungern verzichten. Sie liefert einfach tolle Ergebnisse und im direkten Vergleich kann die grundsätzlich sehr gute und in vielen Foren gefeierte Olympus OM-D E-M1 einfach nicht mithalten. Wenn es gar nicht anders geht, kann man natürlich auch mit dieser Kamera nachts tolle Fotos aufnehmen, aber die meine erste Wahl ist sie zumindest bislang noch nicht.

Ok, es ist Freitag der 2. Januar 2015 und ich habe noch eine Woche auf dieser Insel. Gleich ist meine Wäsche trocken und dann kann ich schauen was ich hier heute anstelle. Wahrscheinlich werde ich mal die D800E mit dem 3,5/24mm Shift & Tilt einpacken und dann mit einigen Filtern im Gepäck der und den GoPro Kameras auf, an und im Auto die wichtigsten Locations auf dieser Insel „abfahren“ damit ich in meinem nächsten Video zeigen kann wie es dort aussieht.

Kurz vor der Reise habe ich mir extra nicht ein kleines neues Schwebestativ gekauft. Vielleicht benutze ich es heute mal. Morgen ist Samstag und dann soll es mit einigen Freunden von Taganana aus an der Küste entlang zum Strand bei Arfur gehen.

Teneriffa 2014/15 – Silvester unter Sternen

The Stone Monster is waiting for new tourists....

Tag 21 – 31. Dezember 2014

Nun bin ich schon seit drei Wochen auf Teneriffa. Kurz vor der Abreise hat mich noch irgend ein Virus erwischt und für fast zwei Wochen umgehauen. So war die Anreise kein Zuckerschlecken und während der ersten Tage habe ich mich noch so richtig krank gefühlt. Das ist inzwischen vergessen, die Lebenslust ist wieder zurück. Ich fühle mich ausgeruht und unternehmenslustig, diese Insel bewirkt Wunder, jedes Jahr aufs Neue.

Weil ich mich wieder recht gut fühle und die überflüssigen und überbewerteten Sylvester-Parties vor der Türe stehen, überlege ich am Morgen was ich den Tag über unternehmen will. So recht fällt mir nichts ein, so gammle ich lange im Hotel herum und verbringe einige Zeit damit auf dem Balkon zu sitzen und zwei Artikel für meinen BLOG zu schreiben. Dabei macht es mich fast wahnsinnig, dass immer wieder die WiFi-Verbindung ausfällt und alles nur im Schneckentempo funktioniert. Später am Abend treffe ich mich mit Ines, André und Wolfgang in La Paz dem deutschen Viertel von Puerto de la Cruz. Wir wollen die Fotos unseres Shootings austauschen.

Auf der Speicherkarte habe ich satte 42 GB Bildmaterial das meine Olympus OM-D E-M1 während unserer Foto-Session am Montag darauf gespeichert hat. André hat eine kleines Notebook dabei, der Akku ist ziemlich am Ende und so landen wir schließlich in einer Pizzeria neben einer Steckdose. Doch der Datentransfer dauert länger als die Pizzeria geöffnet hat und so müssen wir die Segel streichen. Ines und André nehmen meine Speicherkarte mit und wir vereinbaren uns am nächsten Tag um 12h in meinem Hotel zu treffen.

Zurück im Hotel haben schon die Vorbereitungen für die große Sylvester-Gala im Hotel begonnen. Überall rennen die Frauen in aufwändigen Abendkleidern herum, einige der Männer tragen sogar einen Anzug. Bei den meisten Anzügen sieht es allerdings aus als wenn sie vor 5-6 Jahren zuletzt korrekt gesessen hätten. Ich habe nur Turnschuhe und Trekking-Kleidung dabei. So mag ich mich nicht unter das Volk mischen, somit fällt das Abendessen für mich heute aus. Seit dem Frühstück habe ich noch nichts rechtes gegessen. Im Kühlschrank gibt es noch ein Stückchen leckeren Schweizer Käse, das muss für heute reichen.

Gegen 21h geht es los hinauf in die Canadas del Teide. Den ganzen Tag über hatten wir einen wunderbar klaren blauen Himmel, vielleicht kann ich heute mal ein paar Sterne oder die Milchstraße sehen, schauen wir mal…

Der Weg hinauf zum Teide ist sehr einsam, es kommt mir auf der gesamten Strecke nur ein Auto entgegen. Kurz hinter der Repsol-Tankstelle oberhalb von La Orotava steht ein Wegweiser nach „Aguamansa“. Dort ist die Forellenzucht an der ich schon so oft vorbei gefahren bin. Hier beginnt die „Abkürzung“ die ich bis lang erst zweimal bergab gefahren bin. Heute versuche ich es mal bergauf. Mein OPEL Astra hat hier ganz schon zu arbeiten. Die Straße geht über weite Strecken extrem steil bergauf, es kommt mir vor als wären es annähernd 45°. Meist kann ich nur im 1. Gang fahren weil im 2. Gang er Motor abstirbt.

Wieder an der Hauptstraße angekommen hat alles gut geklappt und ich werde die Abkürzung wohl noch des öfteren fahren, so spart man wirklich viel Zeit und etliche Kilometer sowie echt viele Kurven! Mit einem Motorrad würde ich diese Straße allerdings eher nicht fahren wollen. Hier zu wenden ist mit einem schweren Motorrad fast unmöglich und wenn man hier plötzlich halten muss, so ist es nicht abwegig einfach aus versehen umzukippen weil die Schwerkraft stärker ist.

In den Canadas angekommen ist der Himmel mit einzelnen Wolken überzogen. Es könnte also was werden mit den Sternen, aber nur wenn die Wolken abziehen!

Irgendwann so gegen 23h bin ich bei den Los Roques de Garcia. Mit dabei sind die Nikon D800E samt AF-S 2,8/14-24mm und meine Olympus OM-D E-M1 mit einem kleinen Fuhrpark unterschiedlichster Objektive. Außerdem habe ich noch die Nikon 1 V3 im Rucksack, ich will mal schauen wie sich sich bei Nacht so schlägt.

Es ist extrem windig und das Thermometer im Auto zeigt saukalte 3°C. Eigentlich wäre es auf einer guten Party vielleicht doch ganz nett? Egal, ich habe mich gegen gezwungene Fröhlichkeit unter Menschen entschieden die ich eigentlich gar nicht kenne!

Die ersten Fotos mit der Nikon D800E sind dann auch sehr überraschend. Obwohl der Mond nur etwas zur Hälfte zu sehen ist leuchtet er so hell, dass ich bei ISO-800 mit Blende 2.8 und 30s Belichtungszeit völlig korrekt belichtete Fotos hinbekomme, das ist echt cool. Sterne sehe ich indes nur wenige, der Mond ist so hell, dass er einfach alles überstrahlt. Vor ein paar Tagen als ich mit meinem Sohn Leon hier oben war, da wäre es gut gewesen, aber da kam der Calima mit seinem fiesen Sahara-Sandstaub…

Aber auch meine Olympus OM-D E-M1 schlägt sich nicht schlecht. Hier habe ich eines der Fotos das ich mit dem Leica 1,2/42,5mm Nocticron aufgenommen habe.

Roque Chincado at Night - Olympus OM-D E-M1 & Leica Nocticron 1,2/42,5mm

Heute gibt es auch einige Wolken, aber weil es so stürmisch ist, ziehen sie sagenhaft schnell am Himmel dahin. Ich fotografiere mich meinen beiden Kameras parallel, während die Nikon die Rauschunterdrückung ausführt flitze ich zur Olympus, wähle ein etwas anderes Motiv und starte die Belichtung, dann geht es zurück zu D800E. Auf Dauer ist es ein echtes Gehetze und einmal vergesse ich die Kette die einen Teil des Areals umgibt und lege mich beinahe voll auf die Nase.

Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm versus Olympus OM-D E-M1 & Panasonic 4/7-14mm

Der U(m/n)fall

Weil es so extrem windig ist habe ich mich schon in den Windschatten eines großen Felsbrockens zurückgezogen, aber der Wind pfeift hier trotzdem noch ganz ordentlich. Während ist mal wieder an meiner großen schweren Nikon D800E hantiere frischt der Wind erneut auf. Ich muss daran denken wie mir im Jahr 2009 mein Stativ in der Wave bei den Coyote Buttes North umgekippt ist, das will ich nicht noch einmal erleben. Schnell mache ich einige hastige Schritte auf meine schöne Olympus OM-D E-M1 zu, als das Unglaubliche passiert. Der Tragegurt der Kamera weht wie eine Fahne im Wind und plötzlich kippt das ganze Stativ samt Kamera wie von Geisterhand bewegt einfach um. Das Stativ ist ein wunderbar leichtes Modell des Herstellers BENRO das aus einer Mischung aus Aluminium und Magnesium gefertigt ist. Grundsätzlich ist das eine echt feine Sache, aber heute wäre ein schönes schweres GITZO Stativ die bessere Wahl gewesen. 😦

Als ich meine Kamera erreiche liegt sie schon auf dem felsigen Boden. Aber sie ist in einen ganz kleinen Haufen mit etwas Sand gefallen und das 7-14mm Ultraweitwinkel-Objektiv hat nur eine kleine Schrammen abbekommen. Hui das ist noch einmal gut gegangen!

Bei den nächsten Fotos spreize ich die Beine des leichten Stativs deutlich weiter ab, so dass es sicherer steht und die Kamera einen etwas niedrigeren Schwerpunkt hat.

Während ich Bild um Bild aufnehme kommen immer mal wieder Autos vorbei. Es ist kurz vor dem Jahreswechsel, sie fahren zweimal um den Kreisverkehr gleich nehmen mir, es gibt ein paar Knaller und dann ist der Spuk auch schon wieder vorbei. Mich nervt das eher und das Licht de Scheinwerfer stört auch beim Fotografieren.

Also gehe ich ein paar Meter in Richtung Roque Chincado. Aber jetzt kommen sogar ein paar Motorräder angeknattert. Und immer wieder werden Knaller und Raketen gezündet, nicht einmal am Fuße des höchsten Berges der Spanier hat man an Sylvester seine Ruhe…

Gegen 2h am Morgen ist der Spuk dann vorbei, es ist Ruhe eingekehrt. Aber nun ist der Himmel mit dicken Wolken überzogen. Ich mache noch ein paar letzte „Abschiedsfotos“ mit meiner kleinen Nikon 1 V3 und dem 2,8/10mm Objektiv (FX: 27mm). Diese Bilder sehen sogar überraschend gut aus, nur das Fokussieren bereitet in der Dunkelheit Probleme. Während ich mit der Olympus in Verbindung mit dem lichtstarken Leica Nocticron 1,2/42,5mm im Mondlicht sogar sehen kann was ich fotografieren will und irrwitziger Weise sogar der Autofokus funktioniert, sehe ich im Display der Nikon 1 V3 nur Bildrauschen. Ich muss quasi „blind“ fotografieren. Also Kamera aufstellen, Foto abwarten, Position auf dem Stativ verändern, warten, ändern, warten, ändern, das ist nicht wirklich toll. Erst der Wechsel zur ISO-Automatik mit ISO-6500 schafft letztlich Abhilfe. Damit ich das kleine 10mm Objektiv korrekt fokussieren kann, habe ich meinen neuen grünen Laserpointer dabei den ich mir einige Wochen zuvor bei PEARL bestellt habe. Das Ding kann ich via USB aufladen und es sieht aus wie ein Kugelschreiber. Dabei ist der grüne Laserpointer ausreichend hell um auf einem etwa 20 Meter entfernten Felsen einen Lichtfleck zu erzeugen, der vom Autofokus der Nikon 1 V3 erkannt wird. Ich stelle also den Autofokus zunächst auf AF-S und schiebe ein einzelnes Autofokus-Messfeld an eine Stelle an der ein etwa 50 Meter weit entfernter Fels zu sehen ist. Dann peile ich die gleiche Stelle mit dem Laserpointer an und betätige kurz ganz leicht den Auslöser der Kamera. Nachdem sie korrekt auf den „Lichtfleck“ des Laserpointers fokussiert hat, schalte ich den Autofokus wieder auf M wie „Manuell“ zurück. Fortan ändere ich nichts mehr an der Fokussierung und schalte die Kamera auch nicht aus und wieder ein.

Shooting Nikon D800E while shooting El Teide

Die Fotos aus der Nikon 1 V3 zeigen bei ISO-800 ein deutliches Rauschen, das ich aber später mit dem NIK Filter „Define“ recht leicht entfernen kann. Für das eine oder andere gepflegte „Erinnerungsfoto“ ist die Qualität der Fotos aus der Nikon 1 V3 durchaus ausreichend. Bei der Olympus OM-D E-M1 sind die Ergebnisse erwartungsgemäß ein wenig besser. Aber an die Fülle der Details welche die Nikon D800E mit dem 2,8/14-24mm Objektiv selbst bei Mondlicht liefert kommt sie erwartungsgemäß einfach nicht heran. Auch wenn die Olympus Werbestrategen schreiben „Besser als DSLR“, das ist Blödsinn! Physik kann man nicht überlisten und ein viermal größerer Chip wird auch in 100 Jahren noch bessere Bildergebnisse liefern.

Aber die Ergebnisse die sich nachts mit der Olympus OM-D E-M1 können sich trotzdem sehen lassen. Auch sind Features wie Live-BULB und Live-Composite sehr interessant und bei der Nikon D800E gar nicht vorhanden!

Nikon D800E versus Olympus OM-D E-M1 - Olympus

Hier zum Vergleich ein fast identisches Foto aus meiner Nikon D800E.

Nikon D800E versus Olympus OM-D E-M1 - Nikon

Nach etwa vier Stunden in bitterer Kälte und fiesem Wind muss ich die Segel streichen. Ich spüre meine Füße kaum noch und die Kälte kriecht jetzt langsam aber sicher in alle Ritzen. Am Auto fällt es mir schwer meine schweren Wanderstiefel gegen die leichten Turnschuhe zu tauschen. Die Finger sind von der Kälte ganz steif, trotz der Handschuhe.

Diese musste ich immer wieder ausziehen, denn sowohl die Nikon 1 V3 als auch die Olympus OM-D E-M1 kann man mit Handschuhen praktisch nicht bedienen. Auch funktioniert der Touchscreen der Kameras mit Handschuhen nicht. Bei meiner Nikon D800E sind alle Bedienelemente größer und die Abstände dazwischen deutlich weiter. Auch hat der Auslöser einen deutlich fühlbaren Druckpunkt. Hier merkt man eben, dass dieses Kamera von Profis für Profis gemacht wurde. Eine Nikon D800 oder auch die D3, D4 usw. muss eben auch in der Arktis beim Fotografieren von Eisbären und Pinguinen funktionieren. Hier wäre man mit einer Olympus OM-D E-M1 total aufgeschmissen.

Shooting at night with the Nikon 1 V3

Das Verstauen meiner Ausrüstung geschieht fast in Zeitlupe, irgendwie bin ich durch das lange Herumstehen in der Kälte kaum noch in der Lage mich „flüssig“ zu bewegen. Als ich endlich den Motor starte kommt es mir in den Sinn, das ich noch schnell einen neuen Teil  für „Ansgar’s kleine Fotoschule“ aufnehmen könnte. Aber mir ist so kalt, erstmal muss ich mich aufwärmen. So fahre ich einige Kilometer bis ich kurz vor dem Ende der Canadas seitlich neben der Straße anhalte um mit meinem HTC ONE M8 schnell ein kleines YouTube-Video aufzuzeichnen.

Dieses Vorhaben dauert letztlich doch etwas länger, weil ich immer wieder husten muss, die eisige Luft fordert ihren Tribut. Nach etwa 45 Minuten ist aber alles fertig und ich mache mich auf den Weg zum Hotel. Dort angekommen bin ich so aufgekratzt, dass ich erst noch einige der Fotos anschauen und meine vielen Neujahrsgrüße lese und beantworte. Als ich endlich im Bett liege ist es schon fast 5h am Morgen, was für ein abgedrehtes Silvesterfest…

Teneriffa 2014/15 – Teno Alto

Buenavista del Norte #1 - Olympus OM-D E-M1

Tag 20 – 30. Dezember

Das ist ist nun fast geschafft, noch einige wenige Stunden und das Jahr 2014 wird Geschichte sein. Die letzten Stunden möchte ich nutzen um mich ein wenig im Nord-Westen von Teneriffa herumzutreiben. In meinem Fotorucksack habe ich heute fast alles bis auf die Nikon D800E. Sie liegt gut verpackt mit Gehäusedeckel ohne Objektiv neben dem 2,8/14-24mm und dem 24mm Shift & Tilt im Zimmersafe.

Einen konkreten Plan für den heutigen Tag habe ich eigentlich nicht, ich will mich treiben lassen und schauen was ich auf dem Weg nach Teno Alto erleben werde. Teneriffa besteht aus den drei unterschiedlich alten Vulkanen Anaga, Teno und Teide. Entsprechend ihres Alters ist auch die Landschaft sehr unterschiedlich. Im Anagagebirge, das hoch oben im Norden gelegen ist kann man keinen echten Vulkan mehr erkennen. Aber er muss gewaltig gewesen sein, denn die Felsen die er geschaffen hat sind auch bis heute beeindruckend. Die Vegetation ist hier sehr urwüchsig, die Bäume zumeist gedrungen und abenteuerlich geschwungen. Zum Bau von Schiffen war dieses Holz nie geeignet und so hat es über die Jahrhunderte auch den Schiffbau-Wahn der Spanier überstanden. Dort wo heute die Stadt „La Laguna“ angesiedelt ist war einst eine Lagune, welche natürlich der Stadt auch ihren Namen gab. Durch die Abholzung der Wälder und den Bau von Schiffen ist diese Lagune vor langer Zeit ausgetrocknet. Ich glaube es war vor etwa zwei Jahren als rund um La Laguna gewaltige Regengüsse niedergingen und für ein paar Tage war sie wieder da die alte Lagune. Nur standen die Häuser der Altstadt von La Laguna mittendrin.

Dort irgendwo muss es auch gewesen sein wo die letzte Schlacht der Spanier mit den Guanchen, den Ureinwohnern von Teneriffa stattgefunden hat. Noch heute findet man überall Graffitis auf denen zu lesen ist, dass die Kanaren NICHT zu Spanien gehören und die Menschen hier KEINE SPANIER sind. Wie in vielen Teilen der Erde haben es die Spanier vor vielen hundert Jahren geschafft sich die Kanaren „unter den Nagel zu reißen“. Für uns ist es natürlich toll weil wir hier alles mit unseren deutschen Euros bezahlen können und die Infrastruktur hier fast wie bei uns daheim anmutet. Ein wenig seltsam bleibt es trotzdem, da ist man gleich neben Afrika, Marokko ist bei Google Earth je nach Zoom-Level nur einen Steinwurf entfernt und es gibt hier Lidl, Mediamarkt und Nutella…

Aber lassen wir das, die Falklandinseln gehören angeblich ja auch zu England und die Queen von England ist das Oberhaupt der Kanadier, verkehrte Welt…

Während der Himmel keine Hoffnung auf schöne Fotos macht fahre ich immer weiter in Richtung Nord-Westen. Letztlich lande ich wieder in der Nähe des „Restaurants am Ende des Universums“. Heute kehre ich dort nicht ein, heute gibt es keine gegrillte Seezunge, heute habe ich ein ofenfrisches Baguette und etwas Käse. Das alles habe ich mir zuvor im Al Campo gegenüber des Hotels gekauft. Dort konnte ich am Geldautomaten auch maximal 300,- Euro abheben. Wie hoch die Gebühren dafür waren ist mir indes nicht ganz klar. Während ich auf einer Parkbank sitze und genussvoll mein Baguette verspeise klärt sich völlig unerwartet  der Himmel etwas auf. Als alles aufgegessen ist schnappe ich mir meine Olympus OM-D E-M1 und mache ein paar Fotos. Ich benutze das Leica/Panasonic Noctricron 1,2/42,5mm. Davor habe ich einen 64x ND-Filter und einen Tabak-farbenen Verlaufsfilter geschraubt. Wieder weiß ich den wunderbaren elektronischen Sucher der E-M1 sehr zu schätzen. Man bemerkt praktisch keinen Unterschied wenn man diesen schon sehr dichten Graufilter (Hersteller: Haida) vor der Linse hat. Auch die Farbwiedergabe ist noch ganz ordentlich.

Buenavista del Norte #3 - Olympus OM-D E-M1

Während ich so vor mich hin knipse fällt mir ein immer heller werdender „Spot“ in der Mitte der Fotos auf. Ich schalte die Kamera auf HDR1 um, natürlich benutze ich ein Stativ und einen Kabelauslöser! Doch das Licht ist so extrem, dass auch HDR1 damit nicht klar kommt. Also versuche ich es mit Belichtungsreihen. Vielleicht kann ich daraus später ein paar nette HDR-Fotos zaubern. Hier nervt es ziemlich, dass die Schrittweite der Belichtungsreihen minimal 1.0 EV, also eine Blendenstufe beträgt. Einen Weg das zu ändern gibt es scheinbar nicht. Bei meiner Nikon D2x, D300, D700 und der D800E hat man deutlich mehr Freiheiten. Dort lassen sich Unterschiede zwischen 0.3, 0.7, 1.0, 1.3, 1.7, 2.0 usw. ganz bequem über das vordere Wählrad konfigurieren. Das geht bei der Olympus OM-D E-M1 scheinbar nicht. Damit kann ich zwar Belichtungszeiten aufnehmen, aber die Unterschiede zwischen den einzelnen Fotos sind so extrem, dass es mir später im Hotel einfach nicht gelingen will daraus einige wirklich ansprechende HDR-Bilder zu erstellen. So hat jede Kamera ihre spezifischen Vor- und Nachteile.

Buenavista del Norte #2 - Olympus OM-D E-M1

Während sich der Himmel immer weiter aufklart und die Wolken in fast unglaublicher Geschwindigkeit am Himmel vorbeiziehen schraube ich den ND-1000 Graufilter vor mein Nocticron. Nun kann ich Dauerbelichtungen machen und ich versuche auch mal welche Ergebnisse der recht einzigartige Live-Composite Modus liefert. In diesem Modus macht die Olympus in regelmäßiger Reihenfolge ein Bild nach dem anderen und rechnet die Fotos zu einem einzigen Bild zusammen. Sehr cool ist dabei, dass man die Entstehung des Bildes auf dem Display verfolgen kann. Ich bin ziemlich begeistert angesichts dessen was ich auf dem Display zu sehen bekomme. Später im Hotel wird die Euphorie aber einer deutlichen Ernüchterung weichen. Denn Live-Composite sieht eben doch wie Live-Composite und nicht wie eine Langzeitbelichtung aus. Es macht einen echten Unterschied ob man viele Bilder mit recht kurzer Belichtungszeit über einen Zeitraum von sagen wir mal 2 Minuten überlagert, oder ob man wirklich „echte“ zwei Minuten belichten kann. Beim Live-Composite sieht die Bewegungsunschärfe in den Wolken somit auch ziemlich merkwürdig aus. Es mutet eher nach einen schlechten Photoshop-Effekt als nach einem guten Foto an.

Die Fotos bei denen ich wirklich lange belichtet habe gefallen mir eindeutig besser. Allerdings ist „Live-Composite“ trotzdem eine Bereicherung denn man kann damit tolle Effekte erzielen. Gern würde ich mal einige „Sternenspuren“ damit aufnehmen. Na schauen wir mal, vielleicht klappt das ja in der Nacht von 2014 auf 2015… Das Feuerwerk über Puerto de la Cruz wäre eine nette Alternative, wir werden sehen…

In meinem Schrank im Hotelzimmer wartet noch einiges an Equipment das ich bislang noch gar nicht benutzt habe. Vor allem die vielen Lens-Baby Dinge harren noch immer der Dinge die da kommen werden. Seit einigen Wochen habe ich ein Lens-Baby Composer mit einem Anschluss für MFT-Kameras (Micro-Four-Thirds oder auch 4/3). Aber dieses Ding hat mich etwas enttäuscht, denn es ist das gleiche Lens-Baby das ich bereits für meinen Nikon-F Anschluss habe, also für die D800E usw. An der D800E macht das Lens-Baby mit seiner schrulligen 80mm Linse eine recht gute Figur. An einer MFT-Kamera wird es zu einem 160mm Teleobjektiv und das ist nicht wirklich für die typischen Spielereien geeignet die man mit einem Lens-Baby so macht.

Sehr cool sind aber die Einsätze die man in das Lens-Baby Composer einschrauben kann. So lässt sich das gesamte optische System herausnehmen und durch ein Extrem-Weitwinkel ersetzen. Damit hat man ein Fisheye das sich schwenken lässt. An einer FX-Kamera ist das wirklich sehr crazy, aber der Olympus OM-D E-M1 sehen die Einsätze Fish-Eye, Superwide, und Sweet-35 immerhin noch ganz ordentlich aus.

Richtig geil finde ich ein sehr preiswertes kleines Set mit speziellen „Kreativ-Blenden“ die sich über den kleinen magnetischen „Pen“ in das Standard-Objektiv einsetzen lassen. Hier gibt es Herzchen, Sterne und vieles mehr. Bei Fotos vor einem glitzernden Hintergrund ergeben sich damit witzige Effekte die besonders in den unscharfen Bildbereichen, also im „Bokeh“ der Fotos sichtbar werden. Wer möchte sein geliebtes Frauchen nicht einmal vor dem in der Abendsonne glitzernden Meer ablichten und statt der üblichen Reflexe kleine Herzen im Hintergrund sehen?

Ok, all das habe ich auf dieser Reise dabei, aber es war so recht noch keine Gelegenheit all das zu verwenden. Aber ich bin ja noch ein paar Tage hier… Auch hätte ich sehr gern mit meinem Sohn einige tolle Zeitlupen-Videos am Strand von El-Medano aufgenommen, aber das haben wir irgendwie auch nicht hingekriegt. Überhaupt habe ich mir viel mehr vorgenommen als es sich in 4 Wochen Teneriffa bewältigen lässt. Und primär bin ich ja auch hier um mich zu erholen und neue Energie für das kommende Jahr zu tanken.

Identitätskrise…

Ganz gleich wie viele Objektive ich auch mitschleppe, was ich hier fotografiere, filme und ausprobiere, letztlich bringt mich das alles eigentlich eh nicht weiter. Es kostet alles nur viel Zeit und Geld, einbringen gut es im besten Falle eine paar „Gefällt mir“ Klicks bei flickr, YouTube und facebook, mehr leider nicht. Aktuell kommen über Werbung auf YouTube und andere Plattformen im Monat etwa 100 Euro zusammen. Damit kann ich so eben die Kosten für meinen Webserver und die Stromkosten für die Uploads der YouTube Videos bezahlen. Da nervt es manchmal total, dass viele „YouTube-Kids“ Ad-Blocker verwenden, also Browser-Erweiterungen die Werbung unterdrücken. Im Jahr 2014 ist es im Internet noch immer selbstverständlich, dass man alle Infos die man haben möchte kostenlos bekommt und dass man sich über jene die diesen Content liefern gern auch mal lustig macht.

Wirklich nervtötend sind dabei jene Besserwisser und Vollidioten die bspw. zwar einen YouTube-Account haben, dort aber weder ein Profilfoto noch einen echten Namen hinterlegen. Eigene Videos haben sie schon keine und was sie kommentieren und posten ist oft so tief unterhalb der Gürtellinie, dass man sie im Iran dafür öffentlich an einem Baukran aufhängen würde. Erst neulich berichtete mir ein YouTube-Freund von einem Kommentar in dem ihm ein anderer „Youtuber“ schrieb „er würde ihn gern mit Benzin übergießen, anstecken und dann mit einer Gabel löschen“.

Das ist wirklich krank und wenn ich darüber nachdenke was mir persönlich das Schreiben dieses BLOGs und die viele Zeit die ich mit der Erstellung und Bearbeitung von Videos und Fotos verbringe letztlich einbringt, so ist das Fazit mehr als ernüchternd. Dieser BLOG frisst einfach irrwitzig viel Zeit und Geld und während ich hier entspannt bei einem Glas Sekt auf dem Balkon vor meinem Hotelzimmer sitze, sehe ich drüben am Pool die Mehrheit der Hotelgäste lässig mit einem Buch am Pool in der Sonne liegen. Sollte ich das nicht lieber auch so machen? Einfach diesen BLOG ruhen lassen und nur noch das tun was mir Spaß macht?

Grundsätzlich erscheint mir das keine schlechte Idee zu sein, aber nur am Pool zu liegen und in der Sonne ein Buch zu lesen ist mir einfach viel zu langweilig. Da kriege ich echt die Krise wenn ich nur daran denke zwischen all den alten Leuten den ganzen Tag still liegen und lesen zu müssen. Ist es also doch ok diesen BLOG zu schreiben? Ist es letztlich einfach meine Art den Urlaub zu verbringen? Na vielleicht gibt es ja irgendwann einmal die große Revolution im Internet und die Leser eines BLOGs bezahlen 5 Euro-Cent pro Artikel oder so. Dann wäre es cool, denn dann könnte man vielleicht irgendwann davon leben und eine bessere Qualität, neue spannende Reisen und so letztlich den Lesern eine „noch bessere Leseerfahrung präsentieren“ – wie man es im APPLE Jargon nennen würde…

Aber das wird wohl nie passieren und so werden wohl hunderttausende „kleine Blogger“ bis ans Ende ihrer Postings mit dem Schicksal hadern und ihre BLOGs irgendwann einfach brach liegen lassen. Dies passiert übrigens wirklich oft, denn solange es keinerlei monetäre Anreize gibt einen BLOG weiter zu schreiben ist es irgendwann einfach lästig und verkommt mehr und mehr zu einer ungeliebten Pflicht als zu einem Hobby das Spaß bereitet und dazu anspornt es noch besser und intensiver zu betreiben.

Während ich an meiner Kamera hantiere geht mir all das in meinem Kopf herum. Und so bemerke ich erst spät, dass mir plötzlich die Sonne ins Gesicht scheint. Hey was ist denn das, die Wolkendecke hat ein Loch bekommen!! Schnell tausche ich die Objektive und nun ist das wunderbare Panasonic 4/7-14mm an der Reihe. Als es fest im Bajonett meiner der Olympus sitzt hole ich den famosen neuen Filterhalter von Helge Süß (helge-suess.com) aus Österreich heraus und schiebe meinen Haida ND-1000 Filter im Format 150x150mm hinein. Schnell noch die Kamera umkonfigurierten und dann kann es schon los gehen… Doch in diesem Augenblick trifft mich der erste von wirklich vielen Regentropfen. Ich stehe inmitten von riesigen Kieselsteinen die so dick sind, dass man einen Bagger brächte um sie zu bewegen und nun regnet es? Hier wechselt das Wetter manchmal wirklich schnell und ich habe noch sehr gut in Erinnerung wie ich mit meiner Sandra vor einigen Monaten auf einer unserer letzten Motorradtouren so nass geworden bin, dass dabei mein wunderbares noch fast neues HTC ONE M7 gestorben ist 😦

Also heißt es jetzt schnell zum Auto zu flitzen ohne sich dabei ein Bein zu brechen, was hier gar nicht so einfach ist.

Auf nach Teno Alto

Im Auto angekommen sind es 21°C und es regnet. Ich warte eine Weile aber es scheint nicht weniger zu werden, also starte ich den Motor meines OPEL Astra und mache mich auf den Weg nach Teno Alto, meinem ursprünglichen Tagesziel. Es geht ein paar hundert Meter zurück in Richtung Puerto de la Cruz, danach nehme ich die Straße in Richtung Masca. Nun geht es in vielen Kurven steil den Berg hinauf. Nach etwa 10 Minuten ist „Teno Alto“ nach rechts ausgeschildert. Diese Straße ist wirklich schmal, es gibt keine Sicherungen, keine Markierungen, gar nichts, einfach nur sehr alten kaputten Asphalt. Wüsste ich es nicht besser, man könnte meinen die sei keine öffentliche Straße.

Painting with light - Olympus OM-D E-M1

Auf dem Weg nach Teno Alto ergeben sich immer wieder neue Sichten auf die nördliche Seite der Spitze des Teide. Dort liegt noch Schnee und die Wolken die in der warmen Abendsonne daran vorbei ziehen sehen immer wieder anders und immer wieder gut aus. Anzuhalten ist nicht ganz einfach, denn die Straße ist unglaublich schmal. Dort wo es geht springe ich schnell aus dem Auto und schnappe mir meine Kamera die schussbereit samt Stativ auf dem Rücksitz wartet. Dabei ist es toll ein Auto mit vier Türen zu fahren!!

Als ich schließlich in Teno Alto eintreffe steht die Sonne schon sehr tief, nun heißt es sich zu beeilen um den Sonnenuntergang über La Gomera nicht zu verpassen. Es geht vorbei an der kleinen Dorfkneipe und dann schräg rechts den Berg hinunter. Die Straße kann man nun nicht mehr Straße nennen, es ist nur noch ein einspurige holprige betonierte Piste mit einer Regenrinne in der Mitte. Alle Menschen die ich hier treffe haben alle Ruhe der Welt. Sie sitzen entspannt am Wegesrand, lächeln sehr freundlich und heben die Hand zum Gruß als ich vorbeifahre. Sicher sind es keine Hobbyfotografen und auch keine Blogger oder YouTuber, möglicherweise wissen sie gar nicht was das ist und trotzdem sehen sie aus als wären sie zufriedenen mit dem was sie haben und wie sie leben.

Pico del Teide seen from Teno Alto #2 - Olympus OM-D E-M1

Sollte ich diese ganze BLOG-, Foto- und „YouTube-Scheiße“ nicht einfach an den Nagel hängen und mich dazusetzen? Einen kurzen Moment bin ich versucht voll in die Bremse zu treten, aber dann lockt das Wolkenschauspiel stärker als gedacht…

Beim letzten Mal habe ich an einer recht exponierten Stelle geparkt. Meine Sandra hat damals zwei Stunden allein im Auto auf mich gewartet und ist dabei von Canarios angesprochen worden. Vielleicht wollten sie helfen oder so? Verstanden hat sie jedenfalls nichts und es war ihr mehr als unheimlich. Das habe ich noch im Hinterkopf und so will ich versuchen eine Stelle zu finden die näher an der Felskante mit Blick auf La Gomera liegt. Doch welche der winzigen Straßen ich auch fahre, alle führen mich weg von La Gomera tief in die „Eingeweide“ des eigentlich wunderschönen Teno-Gebirges.

Hat man hier erst einmal eine falsche Straße eingeschlagen, so ist es unmöglich das Auto zu wenden. Die einzige Chance ist so lange der Straße zu folgen bis man auf eines der wenigen Häuser trifft. Dort springt meist gleich ein Hund auf das Auto zu, was aber ungefährlich ist solange man nicht aussteigt. Gäste sind hier wohl mehr als selten!

Irgendwann schaffe ich es mein Auto zu wenden. Es geht zurück und dabei komme ich an einem Gehöft vorbei das auch in den schottischen Highlands einen guten Eindruck machen würde. Es sieht sehr verlassen aus und erscheint baufällig zu sein, ob hier noch jemand wohnt? Es gibt gleich auf der Ecke einen Masten mit einer Antenne. Also wird hier wohl jemand wohnen, warum sollte hier sonst diese Antenne stehen? Und tatsächlich werde ich nach der nächsten Kurve argwöhnisch von einem alten Mann beäugt wie ich hier so im Abendlicht herumkurve. Ich winke ihm freundlich zu und er winkt und lächelt freundlich zurück, Zähne hat er leider keine mehr.

Pico del Teide seen from Teno Alto #1 - Olympus OM-D E-M1

Als die Sonne tief steht bin ich wieder ganz genau dort wo meine Sandra damals auf mich gewartet hat, einen anderen „Weg zum Horizont“ scheint es mit dem Auto nicht zu geben, jedenfalls nicht von hieraus. Also schnappe ich mir meine Kamera und will zu Fuß weiter. Aber es ist extrem windig und inzwischen auch schwer kalt geworden. Schnell ziehe ich eine Weste und eine Fleece-Jacke über, aber das reicht noch nicht. Erst als ich in meiner alten Jacke aus Gore-Tex stecke, die ich mir im Jahr 2003 für die erste Reise nach Teneriffa gekauft habe, ist mir halbwegs warm. Viel Gepäck will ich nicht mitschleppen, also stecke ich nur das 2,8/12-35mm (FX: 24-70mm) Zoom in die Jacke und nehme die Olympus samt 2,8/35-100mm (FX: 70-200mm) mit. Die Sonne ist schon fast weg, mein vergeblicher Umweg hat sehr viel Zeit gekostet. Im Laufschritt geht es der alten Finca am Horizont entgegen an der ich schon mehrmals schöne Fotos machen konnte.

Während ich über Lava-Brocken haste schaut die Sonne immer mal wieder für einige wenige Sekunden sehr magisch durch die massive Wolkendecke über La Gomera. Als ich schließlich „in Stellung“ bin ist das Schauspiel aber leider vorbei. Nun ist nur noch eine wolkige Szenerie zu sehen, alles ist „Blau in Blau“ mit einigen gelben Farbakzenten an der falschen Stelle des Horizontes. So ein Mist ich habe es vergeigt!

Etwas frustriert geht es zurück zum Auto. Meine Krankheit ist inzwischen recht gut auskuriert und ich habe nicht mehr so massiv mit meinem Asthma zu kämpfen wie noch vor zwei Wochen. Dennoch ist es beschwerlich wieder zum Auto aufzusteigen. Als dann erneut einige dicke Regentropfen auf meinen Kopf klatschen habe ich echt keine Lust mehr und frage mich erneut warum ich das alles auf mich nehme. Alle anderen Gäste sitzen jetzt bei einem Glas Sekt im Restaurant und schlagen sich die Mägen voll.

Endlich am Auto angekommen ist es dunkel und es regnet. Ich habe es so eben geschafft, dass meine Kamera nicht zu heftig durchnässt wurde, es wird wohl noch alles heil sein. Schnell starte ich den Motor und erschrecke mich zutiefst als es plötzlich im Auto hell wird. Was war denn das? Ich komme mir vor als hätte mich jemand fotografiert, jemand mit einem echt großen Blitzlicht. Aber es ist ein Gewitter das sich gerade anschickt sich über dem Meer zu entladen.

Während die schweren Regentropfen auf das Autodach einhämmern und hinter mir die Blitze über den dunklen Hummel zucken geht es zurück, hoffentlich geht es zurück… Hier vom Weg abzukommen könnte bei diesem Wetter in der Dunkelheit mehr als schlimm werden. Bei der Anfahrt habe ich der Umgebung nicht viel Beachtung geschenkt, alles in mir war auf das Schauspiel am Himmel über La Gomera fixiert. Nun sieht die Umgebung unwirklich und fremd aus. Immer wieder zweifle ich daran ob mein Weg tatsächlich richtig ist. Am Horizont kann ich Lichter sehen, das müsste Teno Alto sein und sie werden langsam größer, das gibt mir Hoffnung.

Schließlich erreiche ich Teno Alto doch noch und als ich an der Dorfkneipe vorbeifahre ist bereits alles wie ausgestorben. Aber die Türe steht offen, drinnen brennt Licht und als ich langsam daran vorbei rolle winkt mir jemand zu. Die Menschen hier sind so freundlich!

Von Teno Alto muss ich nun noch hinab in die Zivilisation wie wir sie kennen. Und das ist gar nicht so einfach. Es gibt keine Straßenlampen, keine Fahrbahnmarkierungen, aber dafür gibt es Felsbrocken auf der Straße die so groß sind, dass zumindest ein Reifen platzen wird wenn man sie versehentlich mit dem Auto erwischt. Also ist Vorsicht angezeigt!

Als erfahrener „Lenker“ wie es die Schweizer nennen, klappt letztlich alles problemlos. Als ich gut zwei Stunden nach meiner Abfahrt im Hotel in Puerto de la Cruz eintreffe bin ich müde in kaputt aber irgendwie geht es mir auch gut. Beim Abendessen fragt mich eine der Bedienungen was denn mit meinem Sohn los ist, ob er schon im Bett liegen und schlafen würde. Aber nein, er ist schon wieder daheim bei der Mama und bereitet sich auf den Jahreswechsel vor.

Teneriffa 2014/15 – Fotoshooting mit Ines und André

Shooting Ines & André #1 - Olympus OM-D E-M1

Tag 19 – 29. Dezember

Als ich am Morgen aufwache stelle ich entsetzt fest, dass ich vergessen habe meinen Handy-Wecker zu aktivieren. Um 10h will ich mich eigentlich mit meinem Freund Wolfgang bei Pepitos Bar in La Paz treffen. Aber es ist erst kurz vor 8h, ich bin also noch gut in der Zeit. Als ich um 10h nach einem ausgiebigen Frühstück bei Pepito eintreffe wird die Bar gerade erst eröffnet. Die Mädels rücken draußen die Tische zurecht und ich stehe eine Weile wie bestellt und nicht abgeholt in der Gegend herum. Dann rücken sie zwei Tische so zusammen, dass sechs Personen daran Platz haben. Als ich mich gerade setzen will werde ich ermahnt, dass dieser Tisch schon reserviert sei. Aber ich kann klarstellen, dass ich der erste der „regelmäßigen Montagsbesucher“ bin und dass mein Freund Wolfgang gleich noch dazu stoßen wird. Nun ist alles klar, mein Status ist geklärt und ich darf mich setzen.

Just in diesem Moment taucht auch schon der „Foto-Peter“ auf und nur Sekunden danach trifft auch Wolfgang ein. Wolfgang will nicht im Schatten sitzen, so früh am morgen ist es ihm hier noch zu kalt, also ziehen wir um an einen Tisch der wunderbar in der Sonne steht. Es gibt Tage, da hat man es als Wirt mit seinen Gästen nicht so leicht! Als dann noch Ulla eintrudelt gibt es eine ausführliche Diskussion über die Nachfolge von „Wanderboss Heinz“, der zum Jahreswechsel die Segel streicht und mit rund 80 Jahren zurück nach Deutschland will. Die Diskussion ist mehr als lebhaft, Wolfgang und Ulla sind sich einig, dass der Wanderboss einen Nachfolger braucht, jemanden der die Wanderungen organisiert und alles zusammenhält. Aber niemand will es machen und die Mehrzahl der inzwischen älteren auf Teneriffa ansässigen Wanderer sträubt sich bei der Planung künftiger Wanderungen auf moderne Kommunikationsmedien wie beispielsweise Facebook zu vertrauen. Dass man dort eine private Gruppe organisieren kann und diese auch wirklich privat bleibt will so recht niemand glauben und viele haben eine diffuse Angst davor ihre Daten bei Facebook preiszugeben. Letztlich findet man in diesem kleinen Kreis eh keine Lösung und man darf gespannt sein ob die Gruppe jetzt auseinander fallen wird oder ob sich eine Lösung findet.

Mich soll es nicht stören, ich stoße frühestens in 10 Jahren dazu 🙂

Kurz vor 11h geht es dann zusammen mit Wolfgang der heute kein eigenes Auto hat zum Botanischen Garten, der nur ein paar hundert Meter entfernt gelegen ist. Dort treffen wir uns mit Ines und André. Sie haben eine Weile auf Teneriffa nach einer Möglichkeit für ein kleines Fotoshooting gesucht, aber alle „offiziellen“ Fotografen haben ihnen absagen müssen. Schließlich sind sie bei Wolfgangs Webseite gelandet und nun fahren wir gemeinsam in Richtung Los Realejos um in der Ruine des Hamilton-Hauses, das hier auch oft als „Casa de Dios“ bezeichnet wird, mit uns ein kleines Shooting zu veranstalten.

Der Weg ist nicht wirklich weit und nachdem wir meinen Mietwagen geparkt haben geht es an den Abstieg zur Ruine. Dabei fällt mir auf, dass sich hier seit meinem letzten Besuch schon wieder einiges geändert hat. Es gibt ein völlig neue Brücke und oberhalb der Ruine ist nun auch ein Zaun mit einem Tor das den Weg versperrt. Aber das Tor ist nicht verschlossen, Wolfgang hat den Zugang bereits vorsorglich am Vortag abgecheckt.

Shooting Ines & André #2 - Olympus OM-D E-M1

In der Ruine angekommen ist es kurz vor 12h und die Mittagssonne scheint jetzt ohne Erbarmen in das alte Gemäuer. Die Kontraste sind hart und es ist schwer unser Paar so zu fotografieren, dass sie gleichmäßig ausgeleuchtet sind. Als sehr hilfreich erweist sich dabei der große Reflektor den Wolfgang mitgebracht hat. Wir positionieren die beiden im Gegenlicht und ich helle mit dem Reflektor ihre Gesichter auf. So schießt Wolfgang eine erste Fotoserie. Danach bin ich an der Reihe. Wir beginnen mit einigen einfachen „Klassikern“. Die beiden sitzen artig in einer der Fensteröffnungen der alten Ruine und schauen hinaus aufs Meer. So wurden hier sicher schon viele tausend Fotos geknipst. Dabei haben wir die glänzenden Flächen des Reflektors jetzt entfernt und Wolfgang hält es dünne weiße Tuch jetzt wie ein Segel über unser Paar. So sitzen die beiden im Schatten, müssen nicht mit den Augen zwinkern und das Licht ist wunderschön gleichmäßig.

Ines & André - Classic Shot #1 - Olympus OM-D E-M1

Ines & André - Classic Shot #2 - Olympus OM-D E-M1

Meine Kameraausrüstung ist noch die gleiche wie beim Vortag. Ich habe die Olympus OM-D E-M1 mit einigen Objektiven dabei. Zuerst fotografiere ich die zwei mit dem ausgezeichneten Panasonic 2,8/35-100mm Zoom-Objektiv. Dabei kommt ein Polfilter zum Einsatz. An der Kamera ist der RAW-Modus eingestellt und ich fotografiere bei ISO-200 mit der Zeitautomatik. So kann ich über die Öffnung der Blende sehr schön die Tiefenschärfe steuern. Bei etwa 100mm Brennweite muss ich schon einige Meter zurück treten wenn ich unser Paar beispielsweise im Hochformat vollständig ablichten möchte. Für Aufnahmen auf denen nur ihre Gesichter zu sehen sind kann ich näher heran kommen und durch einfaches Verschieben des aktiven Autofokus-Messfeldes kann ich mal auf ihr und mal auf sein Gesicht fokussieren. Bei der Kamera habe ich den schnellen Serienbild-Modus aktiviert und ich schieße immer gleich ganze Serien von 10 bis 20 Bildern. Zwischendurch versuche ich den Beiden einige Anweisungen zu geben, damit die Fotos etwa so werden wie ich es mir vorstelle. Aber es ist nicht ganz einfach, es ist auch noch Wolfgang mit dabei und manchmal schaut er Wolfgang an und sie meine Kamera und dann ist es auch schon wieder umgekehrt. Ich versuche ihre Blicke in die gleiche Richtung zu lenken in dem ich sie bitte mal knapp über meine linke und dann über die rechte Schulter zu blicken. Nichts sieht bei einem Paar-Shooting blöder aus, als wenn sie in unterschiedliche Richtungen schauen. Das wirkt auf den Fotos so, als hätten sie sich nichts mehr zu sagen und als wären sie sich uneinig was sie denn wollen. Das kann natürlich auch eine Aussage sein, aber heute erscheint sie mir nicht gewünscht zu sein.

Mehrfach wechseln wir die Location innerhalb der Ruine und ich verwende unterschiedliche Objektive. Wir experimentieren mit abenteuerlichen Positionen und unterschiedlichen Kameraperspektiven. Mir gefällt es oft sehr gut wenn man Menschen aus einer niedrigen Position portraitiert, also die Kamera leicht unterhalb der Augen ist. Ist sie jedoch zu tief, so senken die Models oft den Kopf. Lehnen sie sich dabei noch zurück so hat fast jeder Mensch ein Doppelkinn was nicht wirklich fotogen ist. Es gilt also die richtige Position für die Kamera zu finden und das Paar dazu zu bringen etwas Körperspannung aufzubauen. Auch ist übertriebenes Grinsen für schöne Fotos mehr als hinderlich. Klar ist eine ausgelassene Stimmung am Set hilfreich, aber es sollten eben nicht beide grinsen wie Kinder die das erste Mal dem Weihnachtsmann gegenüberstehen.

Nach einigen hundert Fotos finde ich alles was wir bislang fotografiert haben eher „traditionell“ um nicht das böse Wörtchen „langweilig“ zu verwenden. Gern hätte ich eine Serie von Bildern die eine kleine Geschichte oder Begebenheit erzählen. Ich habe schon seit zwei Tagen die Idee im Kopf, dass wir etwas fotografieren das nicht nur nach „Friede, Freude, Eierkuchen“ aussieht sondern nach einer Situation die jeder schon erlebt hat oder vielleicht auch nicht erleben möchte. Toll fände ich einen kleinen Konflikt irgendwas mit etwas „Action“. Meine Idee ist, dass er oder sie das Handy des anderen in Händen hält und dort etwas findet das er bzw. sie dort eigentlich nicht finden sollte. Was ist ganz egal, es ist nur ein Mittel zum Zweck. Nachdem wir das kurz besprochen haben und die beiden Einverstanden sind geht es los. Ines und André ziehen sich kurz um und nun inszenieren wir einen kleinen Konflikt.

Damit dieser Konflikt nicht super scharf und damit statisch und langweilig herüberkommt, schraube ich einen Graufilter vor mein Panasonic/Leica 1,2/42,5mm Nocticron, der nur noch 1/64-tel des Lichtes passieren lässt. Mit diesem Filter kann ich nun bei ISO-100, Blende 2,8 etwa 1/8s belichten. Öffne ich die Blende etwas, so wird die Belichtungszeit kürzer, schließe ich sie so wird sie entsprechend wieder länger. Damit kann ich nun trotz des extrem hellen Tageslichts Bewegungen so fotografieren, dass sie nicht statisch sind sondern auf den Bildern als Bewegung erkennbar bleiben. Sehr schön ist hierbei der großartige elektronische Sucher meiner Olympus OM-D E-M1. Schaut man durch den Sucher so sieht man praktisch keinen Unterschied zum Sucherbild ohne Filter. Bei meiner Nikon D800E wäre mit diesem Filter das Sucherbild so dunkel, dass ich kaum etwas erkennen könnte.

Damit meine Fotos grundsätzlich nicht verwackelt sind, aktiviere ich den sehr guten in der Kamera eingebauten 5-Achsen Bildstabilisator und verwende zusätzlich ein Stativ.

Nun geht es zur Sache. Nach etwas Eingewöhnung und Übung inszeniert mein Paar einen Streit und einen Absturz in der alten Ruine. Das sieht echt geil aus und ich lasse den mechanischen Verschluss meiner Olympus rattern was das Zeug hält. Meine „Darsteller“ dürfen ruhig laut schreien und ich schreie mit um die Stimmung etwas aufzulockern und ihre Hemmungen abzubauen. Je öfter wir es fotografieren umso besser sieht der inszenierte „Beinahe-Absturz“ aus. Dabei ist es sehr wichtig wie die zwei zur Kamera stehen und dass kein Arm ein Gesicht verdeckt usw. Die Stimmung ist mehr als ausgelassen, was grundsätzlich positiv ist. Doch leider werde ich später feststellen, dass die Glaubwürdigkeit der Fotos etwas unter dem mitunter fröhlichen Gesichtsausdruck meiner beiden Hauptdarsteller leidet. Darauf sollte ich bei künftigen Shootings noch mehr achten.

Shooting Ines & André with Motion Blurr #1 - Olympus OM-D E-M1 & Nocticron

Wir probieren immer wieder neue Situationen aus, mal droht er abzustürzen, mal sie. Als sie richtig locker sind geht es an die Nummer mit dem Handy. Ich stelle meine Kamera so auf, dass beide mit etwas Abstand zueinander davor genügend Spielraum für Bewegungen haben. So kann ich die Person im Hintergrund unscharf abbilden, während die Person im Vordergrund scharf ist und umgekehrt. Durch die Variation der Blende kann ich die Stärke der Unschärfe regeln, allerdings beeinflusse ich damit auch die Belichtungszeit und damit auch die Stärke der Bewegungsunschärfe sobald etwas „Action“ aufkommt. Dies kann ich aber recht einfach durch eine angemessene Änderung der ISO-Empfindlichkeit ausgleichen.

Shooting Ines & André with Motion Blurr #2 - Olympus OM-D E-M1 & Nocticron

Es geht los, Ines steht nah bei der Kamera hält sein Telefon ganz ungläubig in der Hand und er kommt aus dem unscharfen Hintergrund angerannt um ihr das Handy wegzunehmen und schlimmeres zu verhindern. Das geht mal so und mal so. Je öfter wir es üben umso besser werden die beiden. Irgendwann fangen sie richtig an zu schauspielern. Sie schaut herrlich entsetzt auf das Telefon und er steht wie ein Häufchen Elend gebückt im Hintergrund und hält sich die Hände vor das Gesicht. Das sieht echt gut aus. Wie geil wäre es wenn man jetzt noch alles mit Ketchup einsauen könnte und eine „unfreiwillige“ Leiche zwischen die beiden legen könnte? Ok, hier geht meine Phantasie vielleicht zu weit, aber das wäre schon cool. Auch ohne das Telefon könnte man so mit nur einem Bild die Geschichte von einem jungen Paar erzählen die aus Versehen jemanden erstochen hat und nun entsetzt auf das schaut was sie da angerichtet haben. Na ja, es ist nicht das letzte Shooting 🙂

Shooting Ines & André with Motion Blurr #1 - Olympus OM-D E-M2 & Nocticron

Shooting Ines & André with Motion Blurr #3 - Olympus OM-D E-M1 & Nocticron

Shooting Ines & André with Motion Blurr #4 - Olympus OM-D E-M1 & Nocticron

Gegen 14h packen wir unsere Sachen zusammen und machen uns an den Aufstieg zum Auto. Dort angekommen beratschlagen wir kurz wie es weitergehen soll. Wir uns einig, dass wir es noch einmal beim famosen Restaurant von Luzie versuchen wollen. Also geht es los nach San Juan de la Rambla. Am Restaurant angekommen trauen wir unseren Augen kaum, es ist schon wieder geschlossen. So ein Mist, wie kann das denn sein. Wolfgang steigt aus und sieht sich das Schild mit den Öffnungszeiten genauer an. Die Lösung des Problems ist schnell gefunden, das Restaurant ist Dienstags und Mittwochs geschlossen und ist am Montag erst ab 18:30 geöffnet. Also haben wir schon wieder verloren, so ein Mist…

Auf dem Weg den Berg hinunter finden wird eine kleine Dorfkneipe und gleich davor einen freien Parkplatz. Als wir eintreten hängt ein übergewichtiger älterer Herr gelangweilt über seinem Tresen. Er murmelt etwas auf Spanisch, wir zucken mit den Schultern, Wolfgang sagt etwas auf Spanisch und der Herr weist mit dem rechten Arm auf ein Lokal auf der anderen Straßenseite. Wir bedanken uns und überqueren die Straße. Hui, das sieht nicht gerade einladend aus. An der Bar sitzen lauter einheimische etwas heruntergekommene Männer zwischen 50 und 70 Jahren. Es läuft komische Musik und es ist dunkel. Wolfgang geht mal vor um die Lage zu sondieren. Kurz darauf erhellt sein Lächeln die Szenerie, er winkt, wir sollen eintreten.

Shooting Ines & André - Olympus OM-D E-M1 & Panasonic 4/7-24mm

Am Ende des Tresen geht es nach rechts um die Ecke und dort ist ein kleines Speiserestaurant das sehr wahrscheinlich nur von Einheimischen aufgesucht wird. Hier gibt es keine Speisekarte in 5 Sprachen, hier ist alles auf Spanisch und es steht an der Wand angeschrieben. Als wir gerade sitzen bekommen die vier Gäste am Tisch hinter uns ihr Essen aufgetischt. Wolfgang schaut kurz was es ist und es sieht sehr appetitlich aus. Und obwohl wir alle kein Spanisch sprechen, schaffen wir es uns dieses Gericht gleich viermal zu bestellen. Dann bekommt ein anderer Gast einen Teller mit Suppe serviert und wieder schaffen wir es uns eine solche Suppe als Vorspeise zu bestellen. Die Suppe erweist sich als äußerst schmackhafte Linsensuppe mit Kartoffeln und Fleischeinlage. Danach gibt es ein riesiges Putensteak mit Bratkartoffeln und Salat. Dazu noch etwas Brot und Aioli, das schmeckt alles wirklich gut. Als wir später bezahlen kostest unser Essen inkl. der Getränke gerade einmal 6,- Euro pro Nase. Ich bin fast geschockt, beim Fischrestaurant am Roque de las Bodegas haben wir am Vortag lockere 20,- Euro pro Nase bezahlt und hatten nicht viel mehr zu Essen. Wolfgang hat schon recht wenn er sagt, dass er lieber einheimische Restaurants ansteuert als die typischen „Touristenfallen“. Es schmeckt dort meist gut und ist in der Regel deutlich preiswerter!

Nach dem Essen lädt Wolfgang uns noch zu einer Tasse Kaffe auf seine Terrasse ein. Während wir dort die unvergleichliche Aussicht genießen ist Zeit uns etwas näher kennenzulernen und uns via Facebook zu „adden“ wie man das heutzutage nennt 🙂

Am Ende des Tage setze ich die beiden noch bei Ihrem Mietwagen vor dem Botanischen Garten ab und bin auf dem Rückweg wirklich froh, dass ich heute schon wieder einen so schönen entspannten Tag auf dieser genialen Insel verbringen durfte.