Route des Grandes Alpes

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Die Route des Grandes Alpes ist einer der berühmten französischen Wege durch die Alpen zum Mittelmeer. Sie führt von Thonon-les-Bains am Genfersee nach Menton an der Côte d’Azur und überquert 16 Alpenpässe (6 davon über 2000 m), darunter den Col de l’Iseran, den mit 2764 m höchsten Straßenpass der Alpen. Die Route überwindet auf ca. 700 km Länge einen Höhenunterschied von insgesamt 15.700 m. Die 1913 für die ersten fünf Teiletappen eröffnete Strecke setzt sich heute aus 600 km Departementsstraßen und 68 km Nationalstraßen zusammen. Mehrere Teilstücke bilden Etappen der Tour de France.

Der Verlauf der Route ist (teils etwas spärlich) ausgeschildert und in vielen Straßenkarten eingezeichnet. Die Route des Grandes Alpes ist durchgängig von Juni bis zum 15. Oktober befahrbar.

Soweit der Auszug aus der Wikipedia…

Einen Teil dieser Route habe ich bereits hinter mir. Am Vorabend habe ich bei Google Maps angeschaut was der nächste Tag so bringen könnte. Und das was ich dort gesehen habe, scheint wirklich großartig zu sein.

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Nach dem gemeinsamen Frühstück verabschiede ich mich von meinen neuen Freunden aus Paris. Während Pascal und sein Sohn die Honda Africa Twin beladen, sitze ich auf dem Balkon mit dem fantastischen Ausblick und genieße die herrliche Aussicht, das Leben kann so schön sein.

Als ich die Honda den Berg hinunter düsen höre packt auch mich das Fernweh und ich beginne erneut alles zusammen zu raffen. Bis ich wirklich startklar bin vergeht allerdings noch eine ganze Stunde.

Einen Spickzettel mit Zwischenzielen habe ich heute nicht, aber ich habe mir recht genau angeschaut wo es langgehen soll. Gegen 10:30 starte ich den Motor, lege den ersten Gang ein und manövriere die überladene Fuhre aus der Parkbucht. Heute soll es wieder den ganzen Tag lang nur nach Süden gehen, geil!! Hey was ist das? Scheiße, der Bordcomputer signalisiert einen platten Hinterreifen. Oh nein, Scheiße, Scheiße, Scheiße, das kann doch wohl nicht wahr sein… Anhalten kann ich hier gerade nicht und so tuckere ich im ersten Gang vorsichtig weiter. Am Ende der steilen und sehr engen Hotelzufahrt halte ich auf dem großen Parkplatz und schaue mir das Drama genauer an. Der Hinterreifen sieht ganz normal aus, so wie immer. Ich setze mich noch mal auf das Motorrad und wippe kräftig hin und her, es sieht alles gut aus. Was ist los? Ich nehme mir eine Minute um mich zu besinnen, dann ziehe ich den Zündschlüssel ab, halte ihn eine weitere Minute in der Hand, stecke ihn wieder ein, drehe ihn in die mittlere Stellung warte ab was geschieht. Der Bordcomputer macht einen Check und es leuchtet nur die rote ABS-Lampe. Das ist aber normal, denn im Stand kann das ABS nicht gecheckt werden. Erst wenn das Motorrad ein paar Meter gerollt ist wird diese Lampe erlöschen.

Ich starte den Motor und drücke so oft auf den INFO-Knopf am linken Griff bis der Bordcomputer den Reifendruck anzeigt. Beim Vorderreifen kann ich 2.3 erkennen, das sieht gut aus. Beim Hinterreifen steht — und das ist gar nicht gut…

Ich fahre langsam los und drehe ein paar Runden auf dem Parkplatz. Plötzlich scheint es eine spontane Selbstreparatur gegeben zu haben, der Hinterreifen hat wieder 2.7 Bar. Das ist zwar ein kleines bisschen zu wenig, aber was soll’s. Alles ist gut, ich kann tief durchatmen und meine Tour des Tages beginnen.

Hinter dem Parkplatz zeigt mein TomTom an, dass ich links abbiegen soll. Ich bin mir nicht sicher ob ich diese Straße auch am Vorabend den Berg hinauf gefahren bin. Aber was soll’s, die „TomTom-Algorithmen kennen meinen Weg“.

Das was dann kommt spottet jeder Beschreibung. Dieses Mal hätte ich besser nicht auf das TomTom vertraut. Das was das TomTom hier vorschlägt ist keine echte Straße, es ist eher ein schmaler Fahrradweg der mit unzähligen engen Spitzkehren steil den Berg hinabführt. Es ist kein Entrinnen, mein Motorrad ist viel zu schwer, der Weg zu steil und zu schmal, an Umkehr ist nicht zu denken. Still fluche ich in meinen Helm hinein und absolviere ein „Fahrsicherheitstraining – Stufe III“.

Auf dem TomTom kann ich sehen, dass es möglicher Weise gleich vorbei sein wird. Doch dann passiere ich eine Baustellenausfahrt und das mitten im Wald? Ab jetzt gibt es nur noch großen Schotter und Spitzkehren die in ein Kinderzimmer passen würden. Mit Schweiß auf der Stirn gebe ich im 1. Gang mein Bestes um hier mitten im Wald nicht den Abhang hinab zu rutschen und irgendwo zwischen den Bäumen hängen zu bleiben.

Nach schier endlos wirkenden Schottenmetern, erreiche ich schließlich wieder die Hauptstraße. Geschafft, nicht gestürzt, nichts kaputt, alles wird gut. Uff, dieser Spaß hat mich nun eine gute halbe Stunde gekostet. Auf der „richtigen Straße“ wäre ich in 10 Minuten unten gewesen und das ganz ohne Angstschweiß. Ich beschließe meinem TomTom ab nun nicht mehr zu vertrauen und jeden Weg den es mir vorschlägt genauer anzuschauen, damit so ein Mist nicht wieder passiert.

Unten in Saint Maurice angekommen ist dann die Welt wieder in Ordnung. Auf der „Route des Grandes Alpes“ geht es in Richtung Val d´Isère. Diese Straße ist so richtig geil. Kurve reiht sich hier an Kurve, es gibt idyllisch gelegene Dörfer, Stauseen, Tunnels, Pässe, es ist ein echtes Paradies für Motorradfahrer. Bei einem Wasserfall halte ich an und treffe einen extrem cool wirkenden Biker der mit einer bösen mattschwarzen Ducati unterwegs ist. Er kommt aus Schweden und macht eine etwas größere Tour. Wir unterhalten uns und ich erzähle ihm von meinem Plan, mindestens 100 Tage mit dem Motorrad unterwegs sein zu wollen. „Well, that could be a tour of a lifetime!“ sagt er und schüttelt mir anerkennend die Hand. Kurz darauf startet er seine Ducati und fährt mit schier unglaublichem Lärm davon.

Für mich geht es den Rest des Tages allein weiter. Fahren, staunen, stoppen, fotografieren, fahren, staunen, stoppen… Es nimmt hier einfach alles kein Ende. Am Horizont liegt gegen Ende Juli noch Schnee auf den Bergen, ein grandioses Panorama folgt dem nächsten.

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Einige todesmutige Mountainbiker sehe ich auch. Wenn sie dort an der Felswand abstürzen geht es wirklich tief hinab, sicher wäre ein Sturz hier tödlich. Mich würden keine 10 und auch keine 100 Pferde mit einem Fahrrad auf diesen Weg bringen…

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Gegen 14h regt sich der Hunger. Ich parke mein Motorrad vor einem kleinen Restaurant und suche mir drinnen einen Tisch an dem ich das Motorrad sehen kann. Eine sehr nette Dame kommt mit einem handgeschriebenen Zettel auf dem lauter Französische Dinge stehen. Sie liest es mir vor, aber ich verstehe weniger als nur Bahnhof. Es scheint ein Menü mit drei Gängen zu sein, das 19 Euro kosten soll. Im oberen Abschnitt kann ich „Salat“ lesen, im mittleren Päckchen steht „Entrecôte“. Das sieht gut aus, ich tippe auf diese beiden Dinge. Sie fragt mich was ich trinken will und ich versuche ihr klar zu machen, dass ich gern ein alkoholfreies Bier hätte. Sie grinst, grinst noch mehr, wendet sich den anderen Gästen zu und ruft auf Französisch etwas das Klingt wie „Hey Freunde, hier ist jemand aus Deutschland der ein Bier ohne Alkohol haben will, ha ha ha…“. Schließlich bestelle ich eine Coca Cola…

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Hinter mir im Restaurant wird zurück gerufen, ich habe das Gefühl, dass sich hier jemand über mich lustig macht. Aber was soll’s, ich bekomme ein Stückchen warmen Quiche auf Salat. Das schmeckt sehr gut! Danach gibt es total geniale gratinierte Kartoffeln und ein großes Stück Fleisch mit etwas Salat. Danke lieber Gott, dass Du mir dieses Mahl geschenkt hast und mich in das Land der Feinschmecker geleitet hast 🙂

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Zwei Stunden später bin ich von meinem Tagesziel noch rund 20 Kilometer entfernt. Oben beim Restaurant waren es nur 12°C, hier unten sind es jetzt 32°C. Am Himmel scheint sich ein Gewitter zusammen zu brauen, mir ist viel zu warm, ich bin müde und ich brauche ganz dringend eine Toilette. Genau in diesem Augenblick rückt ein Hotel in mein Blickfeld. Das Hotel selbst rückt natürlich nicht, denn es steht ja fest, aber ich bin halt in Bewegung, also nicht wirklich ich selbst, denn ich sitze ja still auf meinem Motorrad, aber das bewegt sich und obwohl ich mich selbst nicht bewege, bewege ich mich doch und mit mir auch das Hotel, verstanden?

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Das Hotel hat den schönen Namen EDELWEISS und sieht ganz niedlich aus. Ich parke mein Motorrad und frage nach einem Zimmer. Da kein Schnee liegt und die Wintersaison noch lange nicht begonnen hat, ist im Hotel fast alles frei. Ich bekomme Zimmer Nummer 2 und kann mein Motorrad hinter dem Hotel in einem Unterstand für Motorräder abstellen.

Um 19:30 soll es Abendessen geben. Schinken auf Melone als Vorspeise und als Hauptgang Spaghetti Carbonara. Das klingt gut, aber ich habe eigentlich noch keinen großen Hunger. Weil ich von den Pässen, den Kurven und den tollen Eindrücken ziemlich geschafft bin falle ich einfach quer auf mein Bett und schlafe ein. Um 19:50 klingelt dann ein Telefon. Ich werde im Restaurant erwartet, etwas ungelenk und verschlafen wanke ich die Treppe hinunter. Das Restaurant ist riesig, überall stehen fein gedeckte Tische und ich bin der einzige Gast.

Nach der Vorspeise bin ich eigentlich schon satt, ich habe heute echt viel zu viel gegessen. Außerdem habe ich einen kleinen Aperitif intus und nuckle an einer 0.66 Liter Flasche Bier herum. Dann kommen die Spaghetti, sie sind großartig und ganz anders als daheim in Deutschland. Es schmeckt super und ich sollte vielleicht erwähnen, dass ich gerade schon einmal wieder in Italien bin.

Schaut man aus dem Norden in Richtung Mittelmeer, so kann man mit seinen Blicken der Grenze die zwischen Frankreich und Italien verläuft folgen. Im Osten die Po-Ebene, im Westen die französischen Alpen. Es ist also kein Ding immer mal wieder zwischen Frankreich und Italien zu pendeln, es gehört irgendwie sogar dazu. Grenzübergänge gibt es hier in den Alpen nicht. Man passiert lediglich ein paar Hinweisschilder und schon hat sich die Sprache von einer die ich gar nicht verstehe zu einer die ich überhaupt nicht verstehe geändert. Das ist alles, so einfach ist das hier.

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