Teneriffa 2014/15 – Silvester unter Sternen

The Stone Monster is waiting for new tourists....

Tag 21 – 31. Dezember 2014

Nun bin ich schon seit drei Wochen auf Teneriffa. Kurz vor der Abreise hat mich noch irgend ein Virus erwischt und für fast zwei Wochen umgehauen. So war die Anreise kein Zuckerschlecken und während der ersten Tage habe ich mich noch so richtig krank gefühlt. Das ist inzwischen vergessen, die Lebenslust ist wieder zurück. Ich fühle mich ausgeruht und unternehmenslustig, diese Insel bewirkt Wunder, jedes Jahr aufs Neue.

Weil ich mich wieder recht gut fühle und die überflüssigen und überbewerteten Sylvester-Parties vor der Türe stehen, überlege ich am Morgen was ich den Tag über unternehmen will. So recht fällt mir nichts ein, so gammle ich lange im Hotel herum und verbringe einige Zeit damit auf dem Balkon zu sitzen und zwei Artikel für meinen BLOG zu schreiben. Dabei macht es mich fast wahnsinnig, dass immer wieder die WiFi-Verbindung ausfällt und alles nur im Schneckentempo funktioniert. Später am Abend treffe ich mich mit Ines, André und Wolfgang in La Paz dem deutschen Viertel von Puerto de la Cruz. Wir wollen die Fotos unseres Shootings austauschen.

Auf der Speicherkarte habe ich satte 42 GB Bildmaterial das meine Olympus OM-D E-M1 während unserer Foto-Session am Montag darauf gespeichert hat. André hat eine kleines Notebook dabei, der Akku ist ziemlich am Ende und so landen wir schließlich in einer Pizzeria neben einer Steckdose. Doch der Datentransfer dauert länger als die Pizzeria geöffnet hat und so müssen wir die Segel streichen. Ines und André nehmen meine Speicherkarte mit und wir vereinbaren uns am nächsten Tag um 12h in meinem Hotel zu treffen.

Zurück im Hotel haben schon die Vorbereitungen für die große Sylvester-Gala im Hotel begonnen. Überall rennen die Frauen in aufwändigen Abendkleidern herum, einige der Männer tragen sogar einen Anzug. Bei den meisten Anzügen sieht es allerdings aus als wenn sie vor 5-6 Jahren zuletzt korrekt gesessen hätten. Ich habe nur Turnschuhe und Trekking-Kleidung dabei. So mag ich mich nicht unter das Volk mischen, somit fällt das Abendessen für mich heute aus. Seit dem Frühstück habe ich noch nichts rechtes gegessen. Im Kühlschrank gibt es noch ein Stückchen leckeren Schweizer Käse, das muss für heute reichen.

Gegen 21h geht es los hinauf in die Canadas del Teide. Den ganzen Tag über hatten wir einen wunderbar klaren blauen Himmel, vielleicht kann ich heute mal ein paar Sterne oder die Milchstraße sehen, schauen wir mal…

Der Weg hinauf zum Teide ist sehr einsam, es kommt mir auf der gesamten Strecke nur ein Auto entgegen. Kurz hinter der Repsol-Tankstelle oberhalb von La Orotava steht ein Wegweiser nach „Aguamansa“. Dort ist die Forellenzucht an der ich schon so oft vorbei gefahren bin. Hier beginnt die „Abkürzung“ die ich bis lang erst zweimal bergab gefahren bin. Heute versuche ich es mal bergauf. Mein OPEL Astra hat hier ganz schon zu arbeiten. Die Straße geht über weite Strecken extrem steil bergauf, es kommt mir vor als wären es annähernd 45°. Meist kann ich nur im 1. Gang fahren weil im 2. Gang er Motor abstirbt.

Wieder an der Hauptstraße angekommen hat alles gut geklappt und ich werde die Abkürzung wohl noch des öfteren fahren, so spart man wirklich viel Zeit und etliche Kilometer sowie echt viele Kurven! Mit einem Motorrad würde ich diese Straße allerdings eher nicht fahren wollen. Hier zu wenden ist mit einem schweren Motorrad fast unmöglich und wenn man hier plötzlich halten muss, so ist es nicht abwegig einfach aus versehen umzukippen weil die Schwerkraft stärker ist.

In den Canadas angekommen ist der Himmel mit einzelnen Wolken überzogen. Es könnte also was werden mit den Sternen, aber nur wenn die Wolken abziehen!

Irgendwann so gegen 23h bin ich bei den Los Roques de Garcia. Mit dabei sind die Nikon D800E samt AF-S 2,8/14-24mm und meine Olympus OM-D E-M1 mit einem kleinen Fuhrpark unterschiedlichster Objektive. Außerdem habe ich noch die Nikon 1 V3 im Rucksack, ich will mal schauen wie sich sich bei Nacht so schlägt.

Es ist extrem windig und das Thermometer im Auto zeigt saukalte 3°C. Eigentlich wäre es auf einer guten Party vielleicht doch ganz nett? Egal, ich habe mich gegen gezwungene Fröhlichkeit unter Menschen entschieden die ich eigentlich gar nicht kenne!

Die ersten Fotos mit der Nikon D800E sind dann auch sehr überraschend. Obwohl der Mond nur etwas zur Hälfte zu sehen ist leuchtet er so hell, dass ich bei ISO-800 mit Blende 2.8 und 30s Belichtungszeit völlig korrekt belichtete Fotos hinbekomme, das ist echt cool. Sterne sehe ich indes nur wenige, der Mond ist so hell, dass er einfach alles überstrahlt. Vor ein paar Tagen als ich mit meinem Sohn Leon hier oben war, da wäre es gut gewesen, aber da kam der Calima mit seinem fiesen Sahara-Sandstaub…

Aber auch meine Olympus OM-D E-M1 schlägt sich nicht schlecht. Hier habe ich eines der Fotos das ich mit dem Leica 1,2/42,5mm Nocticron aufgenommen habe.

Roque Chincado at Night - Olympus OM-D E-M1 & Leica Nocticron 1,2/42,5mm

Heute gibt es auch einige Wolken, aber weil es so stürmisch ist, ziehen sie sagenhaft schnell am Himmel dahin. Ich fotografiere mich meinen beiden Kameras parallel, während die Nikon die Rauschunterdrückung ausführt flitze ich zur Olympus, wähle ein etwas anderes Motiv und starte die Belichtung, dann geht es zurück zu D800E. Auf Dauer ist es ein echtes Gehetze und einmal vergesse ich die Kette die einen Teil des Areals umgibt und lege mich beinahe voll auf die Nase.

Nikon D800E & AF-S 2,8/14-24mm versus Olympus OM-D E-M1 & Panasonic 4/7-14mm

Der U(m/n)fall

Weil es so extrem windig ist habe ich mich schon in den Windschatten eines großen Felsbrockens zurückgezogen, aber der Wind pfeift hier trotzdem noch ganz ordentlich. Während ist mal wieder an meiner großen schweren Nikon D800E hantiere frischt der Wind erneut auf. Ich muss daran denken wie mir im Jahr 2009 mein Stativ in der Wave bei den Coyote Buttes North umgekippt ist, das will ich nicht noch einmal erleben. Schnell mache ich einige hastige Schritte auf meine schöne Olympus OM-D E-M1 zu, als das Unglaubliche passiert. Der Tragegurt der Kamera weht wie eine Fahne im Wind und plötzlich kippt das ganze Stativ samt Kamera wie von Geisterhand bewegt einfach um. Das Stativ ist ein wunderbar leichtes Modell des Herstellers BENRO das aus einer Mischung aus Aluminium und Magnesium gefertigt ist. Grundsätzlich ist das eine echt feine Sache, aber heute wäre ein schönes schweres GITZO Stativ die bessere Wahl gewesen. 😦

Als ich meine Kamera erreiche liegt sie schon auf dem felsigen Boden. Aber sie ist in einen ganz kleinen Haufen mit etwas Sand gefallen und das 7-14mm Ultraweitwinkel-Objektiv hat nur eine kleine Schrammen abbekommen. Hui das ist noch einmal gut gegangen!

Bei den nächsten Fotos spreize ich die Beine des leichten Stativs deutlich weiter ab, so dass es sicherer steht und die Kamera einen etwas niedrigeren Schwerpunkt hat.

Während ich Bild um Bild aufnehme kommen immer mal wieder Autos vorbei. Es ist kurz vor dem Jahreswechsel, sie fahren zweimal um den Kreisverkehr gleich nehmen mir, es gibt ein paar Knaller und dann ist der Spuk auch schon wieder vorbei. Mich nervt das eher und das Licht de Scheinwerfer stört auch beim Fotografieren.

Also gehe ich ein paar Meter in Richtung Roque Chincado. Aber jetzt kommen sogar ein paar Motorräder angeknattert. Und immer wieder werden Knaller und Raketen gezündet, nicht einmal am Fuße des höchsten Berges der Spanier hat man an Sylvester seine Ruhe…

Gegen 2h am Morgen ist der Spuk dann vorbei, es ist Ruhe eingekehrt. Aber nun ist der Himmel mit dicken Wolken überzogen. Ich mache noch ein paar letzte „Abschiedsfotos“ mit meiner kleinen Nikon 1 V3 und dem 2,8/10mm Objektiv (FX: 27mm). Diese Bilder sehen sogar überraschend gut aus, nur das Fokussieren bereitet in der Dunkelheit Probleme. Während ich mit der Olympus in Verbindung mit dem lichtstarken Leica Nocticron 1,2/42,5mm im Mondlicht sogar sehen kann was ich fotografieren will und irrwitziger Weise sogar der Autofokus funktioniert, sehe ich im Display der Nikon 1 V3 nur Bildrauschen. Ich muss quasi „blind“ fotografieren. Also Kamera aufstellen, Foto abwarten, Position auf dem Stativ verändern, warten, ändern, warten, ändern, das ist nicht wirklich toll. Erst der Wechsel zur ISO-Automatik mit ISO-6500 schafft letztlich Abhilfe. Damit ich das kleine 10mm Objektiv korrekt fokussieren kann, habe ich meinen neuen grünen Laserpointer dabei den ich mir einige Wochen zuvor bei PEARL bestellt habe. Das Ding kann ich via USB aufladen und es sieht aus wie ein Kugelschreiber. Dabei ist der grüne Laserpointer ausreichend hell um auf einem etwa 20 Meter entfernten Felsen einen Lichtfleck zu erzeugen, der vom Autofokus der Nikon 1 V3 erkannt wird. Ich stelle also den Autofokus zunächst auf AF-S und schiebe ein einzelnes Autofokus-Messfeld an eine Stelle an der ein etwa 50 Meter weit entfernter Fels zu sehen ist. Dann peile ich die gleiche Stelle mit dem Laserpointer an und betätige kurz ganz leicht den Auslöser der Kamera. Nachdem sie korrekt auf den „Lichtfleck“ des Laserpointers fokussiert hat, schalte ich den Autofokus wieder auf M wie „Manuell“ zurück. Fortan ändere ich nichts mehr an der Fokussierung und schalte die Kamera auch nicht aus und wieder ein.

Shooting Nikon D800E while shooting El Teide

Die Fotos aus der Nikon 1 V3 zeigen bei ISO-800 ein deutliches Rauschen, das ich aber später mit dem NIK Filter „Define“ recht leicht entfernen kann. Für das eine oder andere gepflegte „Erinnerungsfoto“ ist die Qualität der Fotos aus der Nikon 1 V3 durchaus ausreichend. Bei der Olympus OM-D E-M1 sind die Ergebnisse erwartungsgemäß ein wenig besser. Aber an die Fülle der Details welche die Nikon D800E mit dem 2,8/14-24mm Objektiv selbst bei Mondlicht liefert kommt sie erwartungsgemäß einfach nicht heran. Auch wenn die Olympus Werbestrategen schreiben „Besser als DSLR“, das ist Blödsinn! Physik kann man nicht überlisten und ein viermal größerer Chip wird auch in 100 Jahren noch bessere Bildergebnisse liefern.

Aber die Ergebnisse die sich nachts mit der Olympus OM-D E-M1 können sich trotzdem sehen lassen. Auch sind Features wie Live-BULB und Live-Composite sehr interessant und bei der Nikon D800E gar nicht vorhanden!

Nikon D800E versus Olympus OM-D E-M1 - Olympus

Hier zum Vergleich ein fast identisches Foto aus meiner Nikon D800E.

Nikon D800E versus Olympus OM-D E-M1 - Nikon

Nach etwa vier Stunden in bitterer Kälte und fiesem Wind muss ich die Segel streichen. Ich spüre meine Füße kaum noch und die Kälte kriecht jetzt langsam aber sicher in alle Ritzen. Am Auto fällt es mir schwer meine schweren Wanderstiefel gegen die leichten Turnschuhe zu tauschen. Die Finger sind von der Kälte ganz steif, trotz der Handschuhe.

Diese musste ich immer wieder ausziehen, denn sowohl die Nikon 1 V3 als auch die Olympus OM-D E-M1 kann man mit Handschuhen praktisch nicht bedienen. Auch funktioniert der Touchscreen der Kameras mit Handschuhen nicht. Bei meiner Nikon D800E sind alle Bedienelemente größer und die Abstände dazwischen deutlich weiter. Auch hat der Auslöser einen deutlich fühlbaren Druckpunkt. Hier merkt man eben, dass dieses Kamera von Profis für Profis gemacht wurde. Eine Nikon D800 oder auch die D3, D4 usw. muss eben auch in der Arktis beim Fotografieren von Eisbären und Pinguinen funktionieren. Hier wäre man mit einer Olympus OM-D E-M1 total aufgeschmissen.

Shooting at night with the Nikon 1 V3

Das Verstauen meiner Ausrüstung geschieht fast in Zeitlupe, irgendwie bin ich durch das lange Herumstehen in der Kälte kaum noch in der Lage mich „flüssig“ zu bewegen. Als ich endlich den Motor starte kommt es mir in den Sinn, das ich noch schnell einen neuen Teil  für „Ansgar’s kleine Fotoschule“ aufnehmen könnte. Aber mir ist so kalt, erstmal muss ich mich aufwärmen. So fahre ich einige Kilometer bis ich kurz vor dem Ende der Canadas seitlich neben der Straße anhalte um mit meinem HTC ONE M8 schnell ein kleines YouTube-Video aufzuzeichnen.

Dieses Vorhaben dauert letztlich doch etwas länger, weil ich immer wieder husten muss, die eisige Luft fordert ihren Tribut. Nach etwa 45 Minuten ist aber alles fertig und ich mache mich auf den Weg zum Hotel. Dort angekommen bin ich so aufgekratzt, dass ich erst noch einige der Fotos anschauen und meine vielen Neujahrsgrüße lese und beantworte. Als ich endlich im Bett liege ist es schon fast 5h am Morgen, was für ein abgedrehtes Silvesterfest…

Teneriffa 2014/15 – Teno Alto

Buenavista del Norte #1 - Olympus OM-D E-M1

Tag 20 – 30. Dezember

Das ist ist nun fast geschafft, noch einige wenige Stunden und das Jahr 2014 wird Geschichte sein. Die letzten Stunden möchte ich nutzen um mich ein wenig im Nord-Westen von Teneriffa herumzutreiben. In meinem Fotorucksack habe ich heute fast alles bis auf die Nikon D800E. Sie liegt gut verpackt mit Gehäusedeckel ohne Objektiv neben dem 2,8/14-24mm und dem 24mm Shift & Tilt im Zimmersafe.

Einen konkreten Plan für den heutigen Tag habe ich eigentlich nicht, ich will mich treiben lassen und schauen was ich auf dem Weg nach Teno Alto erleben werde. Teneriffa besteht aus den drei unterschiedlich alten Vulkanen Anaga, Teno und Teide. Entsprechend ihres Alters ist auch die Landschaft sehr unterschiedlich. Im Anagagebirge, das hoch oben im Norden gelegen ist kann man keinen echten Vulkan mehr erkennen. Aber er muss gewaltig gewesen sein, denn die Felsen die er geschaffen hat sind auch bis heute beeindruckend. Die Vegetation ist hier sehr urwüchsig, die Bäume zumeist gedrungen und abenteuerlich geschwungen. Zum Bau von Schiffen war dieses Holz nie geeignet und so hat es über die Jahrhunderte auch den Schiffbau-Wahn der Spanier überstanden. Dort wo heute die Stadt „La Laguna“ angesiedelt ist war einst eine Lagune, welche natürlich der Stadt auch ihren Namen gab. Durch die Abholzung der Wälder und den Bau von Schiffen ist diese Lagune vor langer Zeit ausgetrocknet. Ich glaube es war vor etwa zwei Jahren als rund um La Laguna gewaltige Regengüsse niedergingen und für ein paar Tage war sie wieder da die alte Lagune. Nur standen die Häuser der Altstadt von La Laguna mittendrin.

Dort irgendwo muss es auch gewesen sein wo die letzte Schlacht der Spanier mit den Guanchen, den Ureinwohnern von Teneriffa stattgefunden hat. Noch heute findet man überall Graffitis auf denen zu lesen ist, dass die Kanaren NICHT zu Spanien gehören und die Menschen hier KEINE SPANIER sind. Wie in vielen Teilen der Erde haben es die Spanier vor vielen hundert Jahren geschafft sich die Kanaren „unter den Nagel zu reißen“. Für uns ist es natürlich toll weil wir hier alles mit unseren deutschen Euros bezahlen können und die Infrastruktur hier fast wie bei uns daheim anmutet. Ein wenig seltsam bleibt es trotzdem, da ist man gleich neben Afrika, Marokko ist bei Google Earth je nach Zoom-Level nur einen Steinwurf entfernt und es gibt hier Lidl, Mediamarkt und Nutella…

Aber lassen wir das, die Falklandinseln gehören angeblich ja auch zu England und die Queen von England ist das Oberhaupt der Kanadier, verkehrte Welt…

Während der Himmel keine Hoffnung auf schöne Fotos macht fahre ich immer weiter in Richtung Nord-Westen. Letztlich lande ich wieder in der Nähe des „Restaurants am Ende des Universums“. Heute kehre ich dort nicht ein, heute gibt es keine gegrillte Seezunge, heute habe ich ein ofenfrisches Baguette und etwas Käse. Das alles habe ich mir zuvor im Al Campo gegenüber des Hotels gekauft. Dort konnte ich am Geldautomaten auch maximal 300,- Euro abheben. Wie hoch die Gebühren dafür waren ist mir indes nicht ganz klar. Während ich auf einer Parkbank sitze und genussvoll mein Baguette verspeise klärt sich völlig unerwartet  der Himmel etwas auf. Als alles aufgegessen ist schnappe ich mir meine Olympus OM-D E-M1 und mache ein paar Fotos. Ich benutze das Leica/Panasonic Noctricron 1,2/42,5mm. Davor habe ich einen 64x ND-Filter und einen Tabak-farbenen Verlaufsfilter geschraubt. Wieder weiß ich den wunderbaren elektronischen Sucher der E-M1 sehr zu schätzen. Man bemerkt praktisch keinen Unterschied wenn man diesen schon sehr dichten Graufilter (Hersteller: Haida) vor der Linse hat. Auch die Farbwiedergabe ist noch ganz ordentlich.

Buenavista del Norte #3 - Olympus OM-D E-M1

Während ich so vor mich hin knipse fällt mir ein immer heller werdender „Spot“ in der Mitte der Fotos auf. Ich schalte die Kamera auf HDR1 um, natürlich benutze ich ein Stativ und einen Kabelauslöser! Doch das Licht ist so extrem, dass auch HDR1 damit nicht klar kommt. Also versuche ich es mit Belichtungsreihen. Vielleicht kann ich daraus später ein paar nette HDR-Fotos zaubern. Hier nervt es ziemlich, dass die Schrittweite der Belichtungsreihen minimal 1.0 EV, also eine Blendenstufe beträgt. Einen Weg das zu ändern gibt es scheinbar nicht. Bei meiner Nikon D2x, D300, D700 und der D800E hat man deutlich mehr Freiheiten. Dort lassen sich Unterschiede zwischen 0.3, 0.7, 1.0, 1.3, 1.7, 2.0 usw. ganz bequem über das vordere Wählrad konfigurieren. Das geht bei der Olympus OM-D E-M1 scheinbar nicht. Damit kann ich zwar Belichtungszeiten aufnehmen, aber die Unterschiede zwischen den einzelnen Fotos sind so extrem, dass es mir später im Hotel einfach nicht gelingen will daraus einige wirklich ansprechende HDR-Bilder zu erstellen. So hat jede Kamera ihre spezifischen Vor- und Nachteile.

Buenavista del Norte #2 - Olympus OM-D E-M1

Während sich der Himmel immer weiter aufklart und die Wolken in fast unglaublicher Geschwindigkeit am Himmel vorbeiziehen schraube ich den ND-1000 Graufilter vor mein Nocticron. Nun kann ich Dauerbelichtungen machen und ich versuche auch mal welche Ergebnisse der recht einzigartige Live-Composite Modus liefert. In diesem Modus macht die Olympus in regelmäßiger Reihenfolge ein Bild nach dem anderen und rechnet die Fotos zu einem einzigen Bild zusammen. Sehr cool ist dabei, dass man die Entstehung des Bildes auf dem Display verfolgen kann. Ich bin ziemlich begeistert angesichts dessen was ich auf dem Display zu sehen bekomme. Später im Hotel wird die Euphorie aber einer deutlichen Ernüchterung weichen. Denn Live-Composite sieht eben doch wie Live-Composite und nicht wie eine Langzeitbelichtung aus. Es macht einen echten Unterschied ob man viele Bilder mit recht kurzer Belichtungszeit über einen Zeitraum von sagen wir mal 2 Minuten überlagert, oder ob man wirklich „echte“ zwei Minuten belichten kann. Beim Live-Composite sieht die Bewegungsunschärfe in den Wolken somit auch ziemlich merkwürdig aus. Es mutet eher nach einen schlechten Photoshop-Effekt als nach einem guten Foto an.

Die Fotos bei denen ich wirklich lange belichtet habe gefallen mir eindeutig besser. Allerdings ist „Live-Composite“ trotzdem eine Bereicherung denn man kann damit tolle Effekte erzielen. Gern würde ich mal einige „Sternenspuren“ damit aufnehmen. Na schauen wir mal, vielleicht klappt das ja in der Nacht von 2014 auf 2015… Das Feuerwerk über Puerto de la Cruz wäre eine nette Alternative, wir werden sehen…

In meinem Schrank im Hotelzimmer wartet noch einiges an Equipment das ich bislang noch gar nicht benutzt habe. Vor allem die vielen Lens-Baby Dinge harren noch immer der Dinge die da kommen werden. Seit einigen Wochen habe ich ein Lens-Baby Composer mit einem Anschluss für MFT-Kameras (Micro-Four-Thirds oder auch 4/3). Aber dieses Ding hat mich etwas enttäuscht, denn es ist das gleiche Lens-Baby das ich bereits für meinen Nikon-F Anschluss habe, also für die D800E usw. An der D800E macht das Lens-Baby mit seiner schrulligen 80mm Linse eine recht gute Figur. An einer MFT-Kamera wird es zu einem 160mm Teleobjektiv und das ist nicht wirklich für die typischen Spielereien geeignet die man mit einem Lens-Baby so macht.

Sehr cool sind aber die Einsätze die man in das Lens-Baby Composer einschrauben kann. So lässt sich das gesamte optische System herausnehmen und durch ein Extrem-Weitwinkel ersetzen. Damit hat man ein Fisheye das sich schwenken lässt. An einer FX-Kamera ist das wirklich sehr crazy, aber der Olympus OM-D E-M1 sehen die Einsätze Fish-Eye, Superwide, und Sweet-35 immerhin noch ganz ordentlich aus.

Richtig geil finde ich ein sehr preiswertes kleines Set mit speziellen „Kreativ-Blenden“ die sich über den kleinen magnetischen „Pen“ in das Standard-Objektiv einsetzen lassen. Hier gibt es Herzchen, Sterne und vieles mehr. Bei Fotos vor einem glitzernden Hintergrund ergeben sich damit witzige Effekte die besonders in den unscharfen Bildbereichen, also im „Bokeh“ der Fotos sichtbar werden. Wer möchte sein geliebtes Frauchen nicht einmal vor dem in der Abendsonne glitzernden Meer ablichten und statt der üblichen Reflexe kleine Herzen im Hintergrund sehen?

Ok, all das habe ich auf dieser Reise dabei, aber es war so recht noch keine Gelegenheit all das zu verwenden. Aber ich bin ja noch ein paar Tage hier… Auch hätte ich sehr gern mit meinem Sohn einige tolle Zeitlupen-Videos am Strand von El-Medano aufgenommen, aber das haben wir irgendwie auch nicht hingekriegt. Überhaupt habe ich mir viel mehr vorgenommen als es sich in 4 Wochen Teneriffa bewältigen lässt. Und primär bin ich ja auch hier um mich zu erholen und neue Energie für das kommende Jahr zu tanken.

Identitätskrise…

Ganz gleich wie viele Objektive ich auch mitschleppe, was ich hier fotografiere, filme und ausprobiere, letztlich bringt mich das alles eigentlich eh nicht weiter. Es kostet alles nur viel Zeit und Geld, einbringen gut es im besten Falle eine paar „Gefällt mir“ Klicks bei flickr, YouTube und facebook, mehr leider nicht. Aktuell kommen über Werbung auf YouTube und andere Plattformen im Monat etwa 100 Euro zusammen. Damit kann ich so eben die Kosten für meinen Webserver und die Stromkosten für die Uploads der YouTube Videos bezahlen. Da nervt es manchmal total, dass viele „YouTube-Kids“ Ad-Blocker verwenden, also Browser-Erweiterungen die Werbung unterdrücken. Im Jahr 2014 ist es im Internet noch immer selbstverständlich, dass man alle Infos die man haben möchte kostenlos bekommt und dass man sich über jene die diesen Content liefern gern auch mal lustig macht.

Wirklich nervtötend sind dabei jene Besserwisser und Vollidioten die bspw. zwar einen YouTube-Account haben, dort aber weder ein Profilfoto noch einen echten Namen hinterlegen. Eigene Videos haben sie schon keine und was sie kommentieren und posten ist oft so tief unterhalb der Gürtellinie, dass man sie im Iran dafür öffentlich an einem Baukran aufhängen würde. Erst neulich berichtete mir ein YouTube-Freund von einem Kommentar in dem ihm ein anderer „Youtuber“ schrieb „er würde ihn gern mit Benzin übergießen, anstecken und dann mit einer Gabel löschen“.

Das ist wirklich krank und wenn ich darüber nachdenke was mir persönlich das Schreiben dieses BLOGs und die viele Zeit die ich mit der Erstellung und Bearbeitung von Videos und Fotos verbringe letztlich einbringt, so ist das Fazit mehr als ernüchternd. Dieser BLOG frisst einfach irrwitzig viel Zeit und Geld und während ich hier entspannt bei einem Glas Sekt auf dem Balkon vor meinem Hotelzimmer sitze, sehe ich drüben am Pool die Mehrheit der Hotelgäste lässig mit einem Buch am Pool in der Sonne liegen. Sollte ich das nicht lieber auch so machen? Einfach diesen BLOG ruhen lassen und nur noch das tun was mir Spaß macht?

Grundsätzlich erscheint mir das keine schlechte Idee zu sein, aber nur am Pool zu liegen und in der Sonne ein Buch zu lesen ist mir einfach viel zu langweilig. Da kriege ich echt die Krise wenn ich nur daran denke zwischen all den alten Leuten den ganzen Tag still liegen und lesen zu müssen. Ist es also doch ok diesen BLOG zu schreiben? Ist es letztlich einfach meine Art den Urlaub zu verbringen? Na vielleicht gibt es ja irgendwann einmal die große Revolution im Internet und die Leser eines BLOGs bezahlen 5 Euro-Cent pro Artikel oder so. Dann wäre es cool, denn dann könnte man vielleicht irgendwann davon leben und eine bessere Qualität, neue spannende Reisen und so letztlich den Lesern eine „noch bessere Leseerfahrung präsentieren“ – wie man es im APPLE Jargon nennen würde…

Aber das wird wohl nie passieren und so werden wohl hunderttausende „kleine Blogger“ bis ans Ende ihrer Postings mit dem Schicksal hadern und ihre BLOGs irgendwann einfach brach liegen lassen. Dies passiert übrigens wirklich oft, denn solange es keinerlei monetäre Anreize gibt einen BLOG weiter zu schreiben ist es irgendwann einfach lästig und verkommt mehr und mehr zu einer ungeliebten Pflicht als zu einem Hobby das Spaß bereitet und dazu anspornt es noch besser und intensiver zu betreiben.

Während ich an meiner Kamera hantiere geht mir all das in meinem Kopf herum. Und so bemerke ich erst spät, dass mir plötzlich die Sonne ins Gesicht scheint. Hey was ist denn das, die Wolkendecke hat ein Loch bekommen!! Schnell tausche ich die Objektive und nun ist das wunderbare Panasonic 4/7-14mm an der Reihe. Als es fest im Bajonett meiner der Olympus sitzt hole ich den famosen neuen Filterhalter von Helge Süß (helge-suess.com) aus Österreich heraus und schiebe meinen Haida ND-1000 Filter im Format 150x150mm hinein. Schnell noch die Kamera umkonfigurierten und dann kann es schon los gehen… Doch in diesem Augenblick trifft mich der erste von wirklich vielen Regentropfen. Ich stehe inmitten von riesigen Kieselsteinen die so dick sind, dass man einen Bagger brächte um sie zu bewegen und nun regnet es? Hier wechselt das Wetter manchmal wirklich schnell und ich habe noch sehr gut in Erinnerung wie ich mit meiner Sandra vor einigen Monaten auf einer unserer letzten Motorradtouren so nass geworden bin, dass dabei mein wunderbares noch fast neues HTC ONE M7 gestorben ist 😦

Also heißt es jetzt schnell zum Auto zu flitzen ohne sich dabei ein Bein zu brechen, was hier gar nicht so einfach ist.

Auf nach Teno Alto

Im Auto angekommen sind es 21°C und es regnet. Ich warte eine Weile aber es scheint nicht weniger zu werden, also starte ich den Motor meines OPEL Astra und mache mich auf den Weg nach Teno Alto, meinem ursprünglichen Tagesziel. Es geht ein paar hundert Meter zurück in Richtung Puerto de la Cruz, danach nehme ich die Straße in Richtung Masca. Nun geht es in vielen Kurven steil den Berg hinauf. Nach etwa 10 Minuten ist „Teno Alto“ nach rechts ausgeschildert. Diese Straße ist wirklich schmal, es gibt keine Sicherungen, keine Markierungen, gar nichts, einfach nur sehr alten kaputten Asphalt. Wüsste ich es nicht besser, man könnte meinen die sei keine öffentliche Straße.

Painting with light - Olympus OM-D E-M1

Auf dem Weg nach Teno Alto ergeben sich immer wieder neue Sichten auf die nördliche Seite der Spitze des Teide. Dort liegt noch Schnee und die Wolken die in der warmen Abendsonne daran vorbei ziehen sehen immer wieder anders und immer wieder gut aus. Anzuhalten ist nicht ganz einfach, denn die Straße ist unglaublich schmal. Dort wo es geht springe ich schnell aus dem Auto und schnappe mir meine Kamera die schussbereit samt Stativ auf dem Rücksitz wartet. Dabei ist es toll ein Auto mit vier Türen zu fahren!!

Als ich schließlich in Teno Alto eintreffe steht die Sonne schon sehr tief, nun heißt es sich zu beeilen um den Sonnenuntergang über La Gomera nicht zu verpassen. Es geht vorbei an der kleinen Dorfkneipe und dann schräg rechts den Berg hinunter. Die Straße kann man nun nicht mehr Straße nennen, es ist nur noch ein einspurige holprige betonierte Piste mit einer Regenrinne in der Mitte. Alle Menschen die ich hier treffe haben alle Ruhe der Welt. Sie sitzen entspannt am Wegesrand, lächeln sehr freundlich und heben die Hand zum Gruß als ich vorbeifahre. Sicher sind es keine Hobbyfotografen und auch keine Blogger oder YouTuber, möglicherweise wissen sie gar nicht was das ist und trotzdem sehen sie aus als wären sie zufriedenen mit dem was sie haben und wie sie leben.

Pico del Teide seen from Teno Alto #2 - Olympus OM-D E-M1

Sollte ich diese ganze BLOG-, Foto- und „YouTube-Scheiße“ nicht einfach an den Nagel hängen und mich dazusetzen? Einen kurzen Moment bin ich versucht voll in die Bremse zu treten, aber dann lockt das Wolkenschauspiel stärker als gedacht…

Beim letzten Mal habe ich an einer recht exponierten Stelle geparkt. Meine Sandra hat damals zwei Stunden allein im Auto auf mich gewartet und ist dabei von Canarios angesprochen worden. Vielleicht wollten sie helfen oder so? Verstanden hat sie jedenfalls nichts und es war ihr mehr als unheimlich. Das habe ich noch im Hinterkopf und so will ich versuchen eine Stelle zu finden die näher an der Felskante mit Blick auf La Gomera liegt. Doch welche der winzigen Straßen ich auch fahre, alle führen mich weg von La Gomera tief in die „Eingeweide“ des eigentlich wunderschönen Teno-Gebirges.

Hat man hier erst einmal eine falsche Straße eingeschlagen, so ist es unmöglich das Auto zu wenden. Die einzige Chance ist so lange der Straße zu folgen bis man auf eines der wenigen Häuser trifft. Dort springt meist gleich ein Hund auf das Auto zu, was aber ungefährlich ist solange man nicht aussteigt. Gäste sind hier wohl mehr als selten!

Irgendwann schaffe ich es mein Auto zu wenden. Es geht zurück und dabei komme ich an einem Gehöft vorbei das auch in den schottischen Highlands einen guten Eindruck machen würde. Es sieht sehr verlassen aus und erscheint baufällig zu sein, ob hier noch jemand wohnt? Es gibt gleich auf der Ecke einen Masten mit einer Antenne. Also wird hier wohl jemand wohnen, warum sollte hier sonst diese Antenne stehen? Und tatsächlich werde ich nach der nächsten Kurve argwöhnisch von einem alten Mann beäugt wie ich hier so im Abendlicht herumkurve. Ich winke ihm freundlich zu und er winkt und lächelt freundlich zurück, Zähne hat er leider keine mehr.

Pico del Teide seen from Teno Alto #1 - Olympus OM-D E-M1

Als die Sonne tief steht bin ich wieder ganz genau dort wo meine Sandra damals auf mich gewartet hat, einen anderen „Weg zum Horizont“ scheint es mit dem Auto nicht zu geben, jedenfalls nicht von hieraus. Also schnappe ich mir meine Kamera und will zu Fuß weiter. Aber es ist extrem windig und inzwischen auch schwer kalt geworden. Schnell ziehe ich eine Weste und eine Fleece-Jacke über, aber das reicht noch nicht. Erst als ich in meiner alten Jacke aus Gore-Tex stecke, die ich mir im Jahr 2003 für die erste Reise nach Teneriffa gekauft habe, ist mir halbwegs warm. Viel Gepäck will ich nicht mitschleppen, also stecke ich nur das 2,8/12-35mm (FX: 24-70mm) Zoom in die Jacke und nehme die Olympus samt 2,8/35-100mm (FX: 70-200mm) mit. Die Sonne ist schon fast weg, mein vergeblicher Umweg hat sehr viel Zeit gekostet. Im Laufschritt geht es der alten Finca am Horizont entgegen an der ich schon mehrmals schöne Fotos machen konnte.

Während ich über Lava-Brocken haste schaut die Sonne immer mal wieder für einige wenige Sekunden sehr magisch durch die massive Wolkendecke über La Gomera. Als ich schließlich „in Stellung“ bin ist das Schauspiel aber leider vorbei. Nun ist nur noch eine wolkige Szenerie zu sehen, alles ist „Blau in Blau“ mit einigen gelben Farbakzenten an der falschen Stelle des Horizontes. So ein Mist ich habe es vergeigt!

Etwas frustriert geht es zurück zum Auto. Meine Krankheit ist inzwischen recht gut auskuriert und ich habe nicht mehr so massiv mit meinem Asthma zu kämpfen wie noch vor zwei Wochen. Dennoch ist es beschwerlich wieder zum Auto aufzusteigen. Als dann erneut einige dicke Regentropfen auf meinen Kopf klatschen habe ich echt keine Lust mehr und frage mich erneut warum ich das alles auf mich nehme. Alle anderen Gäste sitzen jetzt bei einem Glas Sekt im Restaurant und schlagen sich die Mägen voll.

Endlich am Auto angekommen ist es dunkel und es regnet. Ich habe es so eben geschafft, dass meine Kamera nicht zu heftig durchnässt wurde, es wird wohl noch alles heil sein. Schnell starte ich den Motor und erschrecke mich zutiefst als es plötzlich im Auto hell wird. Was war denn das? Ich komme mir vor als hätte mich jemand fotografiert, jemand mit einem echt großen Blitzlicht. Aber es ist ein Gewitter das sich gerade anschickt sich über dem Meer zu entladen.

Während die schweren Regentropfen auf das Autodach einhämmern und hinter mir die Blitze über den dunklen Hummel zucken geht es zurück, hoffentlich geht es zurück… Hier vom Weg abzukommen könnte bei diesem Wetter in der Dunkelheit mehr als schlimm werden. Bei der Anfahrt habe ich der Umgebung nicht viel Beachtung geschenkt, alles in mir war auf das Schauspiel am Himmel über La Gomera fixiert. Nun sieht die Umgebung unwirklich und fremd aus. Immer wieder zweifle ich daran ob mein Weg tatsächlich richtig ist. Am Horizont kann ich Lichter sehen, das müsste Teno Alto sein und sie werden langsam größer, das gibt mir Hoffnung.

Schließlich erreiche ich Teno Alto doch noch und als ich an der Dorfkneipe vorbeifahre ist bereits alles wie ausgestorben. Aber die Türe steht offen, drinnen brennt Licht und als ich langsam daran vorbei rolle winkt mir jemand zu. Die Menschen hier sind so freundlich!

Von Teno Alto muss ich nun noch hinab in die Zivilisation wie wir sie kennen. Und das ist gar nicht so einfach. Es gibt keine Straßenlampen, keine Fahrbahnmarkierungen, aber dafür gibt es Felsbrocken auf der Straße die so groß sind, dass zumindest ein Reifen platzen wird wenn man sie versehentlich mit dem Auto erwischt. Also ist Vorsicht angezeigt!

Als erfahrener „Lenker“ wie es die Schweizer nennen, klappt letztlich alles problemlos. Als ich gut zwei Stunden nach meiner Abfahrt im Hotel in Puerto de la Cruz eintreffe bin ich müde in kaputt aber irgendwie geht es mir auch gut. Beim Abendessen fragt mich eine der Bedienungen was denn mit meinem Sohn los ist, ob er schon im Bett liegen und schlafen würde. Aber nein, er ist schon wieder daheim bei der Mama und bereitet sich auf den Jahreswechsel vor.