Teneriffa 2014/15 – Die Milchstrasse fotografieren

Tag 12 – 22. Dezember – Unter der Milchstraße

Auch der nächste Tag beginnt mit üblichen Ritualen, nur dass diesmal mein Sohn Leon der Langschläfer ist. In der ersten Woche war meine Sandra regelmäßig vor mir wach und hat mich angetrieben mich endlich anzuziehen, damit wir zum Frühstück wandern können. Nun ist es mein Leon der trotz geöffneter Vorhänge, Fenster und Gedudel aus dem Handy einfach weiterschläft. Jeder Mensch mit Schlafstörungen die ihn dabei sehen könnte wäre sowas von neidisch 🙂

Aber irgendwann ist es geschafft! Nach dem Frühstück geht es mit dem Auto runter nach La Paz, dem deutschen Stadtteil von Puerto de la Cruz. Gegenüber vom Supermercado 2000 ist eine kleine Bar namens „Pepito“. Hier treffen sich jeden Montag um 10h30 einige deutsche Residenten um den Spiegel zu lesen und das Geschehen in der Welt zu diskutieren. Als wir dort eintrudeln ist die Runde schon gut besetzt, mein Freund Wolfgang hat uns zwei Plätze freigehalten. Wir genehmigen und zwei große „Zaperoco“ und haben wirklich Gefallen an diesem Gemisch aus Zitrone, Likör, Sahne, Zimt, Kakao und aufgeschäumter Milch.

Gegen Mittag machen wir uns wieder auf den Weg zum Hotel. Irgendwie sind wir von der guten Luft hier so kaputt, dass man meinen könnte wir hätten eine Sauerstoff-Vergiftung. Damit das nicht noch schlimmer wird hängen wir ein Weilchen im Garten des Hotels herum und schieben uns schließlich eine Pizza mit Tunfisch zwischen die Backenzähne. Während meine erste Portion Wäsche in der Waschmaschine im Basement ihre Runden dreht, verbringen wir weitere Stunden damit zu einfach nichts, wirklich gar nichts zu tun. Man mag es kaum glauben, aber das ist total anstrengend…

Später schieben wir uns noch ein Abendessen hinein und wären nun eigentlich bereit ausgiebig an der Matratze zu horchen. Aber wir haben noch ein Tagesziel, wie wollen die Milchstraße von ihrer allerbesten Seite fotografieren. Im Mondphasenkalender habe ich schon vor Wochen gesehen, dass wir heute Neumond haben und dass damit die allerbesten Voraussetzungen gegeben sind um die Sterne der Milchstraße klar und deutlich sehen zu können. Nun müssen nur noch die Wolken mitspielen!! Im Mai in den USA hatte ich einige Tage, an denen es tagsüber sehr bewölkt war und spät in der Nacht doch noch alle Wolken abgezogen und die Sterne klar und deutlich zu sehen waren. So habe ich die Hoffnung, dass es heute auch wieder klappen könnte

Der Weg hinauf in die  Canadas del Teide geht sehr zügig voran, wir sind praktisch allein unterwegs. Als wir nach etwa 90 Minuten bei den Los Roques eintreffen stehen dort ein Polizei- und ein Rettungswagen. Irgendwo unterhalb des Roque Chinchado sind Lichter zu sehen. Wir lassen uns davon nicht abhalten und starten unsere Fotosession. Zunächst machen wir wieder mit allerhöchster ISO-Empfindlichkeit einige schnelle Orientierungsfotos um dann die ISO-Werte langsam zu reduzieren und die Belichtungszeiten zu verlängern. Bei der Nikon D2x meines Sohnes ist die Rauschunterdrückung ausgeschaltet. Bei ISO-800 und 2 Minuten Belichtungszeit sieht man schon auf dem Display ein ganz ausgeprägtes Bildrauschen. So geht das nicht! Als ich schnell die Rauschunterdrückung aktivieren will finde ich den zugehörigen Menüpunkt nicht. Man kann tausend Sachen an dieser Kamera konfigurieren aber die Rauschunterdrückung scheinbar nicht. Aber es muss gehen, nur wo? Schließlich finde ich den Menüpunkt „Langzeitbelichtung“ – das muss es sein. Wir schalten die Option ein und siehe da, nun führt die D2x eine Rauschunterdrückung durch. Danach sehen die Bilder signifikant besser aus. Hier habe ich ein Beispiel aus seinem neuen flickr-Account. Der winzige Typ der den Roque Chinchado anstrahlt bin ich 🙂

Spotlight on Pico del Teide - Nikon D2x

So fotografieren wir hier und da vor uns hin. Das Thermometer ist inzwischen drastisch gefallen und wir haben nur noch 3°C. Es bewahrheitet sich mal wieder meine alte Weisheit aus „Ansgar’s kleine Fotoschule – Fotografieren bei Nacht“, dass warme Kleidung wichtiger als eine teure Kamera ist.

Gegen 3h am Morgen haben wir fast drei Stunden lang in der Kälte fotografiert und meinem Leon fallen fast die Zehen ab. Er hat nur leichte Turnschuhe dabei, ich mit meinen dicken Socken und Wanderstiefeln bin besser ausgestattet. Weil der Himmel mit Wolken verhangen ist und wir die Milchstraße trotz der langen Wartezeit noch immer nicht sehen können, packen wir gegen 2h unsere Sachen zusammen und machen uns auf den Rückweg zum Hotel.

Colorful Night @ El Teide - Nikon D800E & Nikkor 2,8/14-24mm

Heute nehme ich mitten in der Nacht wieder die steile Abkürzung direkt hinter der Forellenzucht in Aguamansa. Es geht extrem steil den Berg hinab aber so sparen wir mehrere Kilometer und echte viele Kurven! Als ich um 4h am Morgen in meinem Bett liege bin ich völlig fertig, aber überglücklich weil wir so einen schönen Tag auf Teneriffa verbringen durften.

Tag 13 – 23. Dezember – Zu Besuch bei Lucie

Als sich nur einige wenige Stunden nach unserer nächtlichen Fotosession mein Handy-Wecker meldet bin ich hundemüde. Aber wir haben uns für 13h mit unseren Freunden Karin und Wolfgang zum Essen verabredet. Damit es vorher noch zu einem Frühstück reicht müssen wir uns beeilen. Mein Leon schläft so tief und fest, er ist kaum wach zu bekommen. Als wir es endlich zum Frühstück geschafft haben ist es 10h und es das Buffett wird gerade abgebaut. Aber es ist noch reichlich da und wir können bei allerbestem Sonnenschein auf der Terrasse frühstücken.

Als wir um 13h beim Mirador Pedro eintreffen, sind Karin und Wolfgang nur zwei Wagenlängen hinter uns. Gemeinsam geht es zu einem Restaurant das hier derzeit als völliger Geheimtipp gehandelt wird, wir wollen zu „Lucie“.

Als wir schließlich bei Lucie eintreffen ist das Restaurant leider geschlossen, wir sind frustriert. Da haben wir extra gestern angerufen und gefragt ob heute geöffnet ist und dann haben wir eine falsche Auskunft bekommen. Gleich vor dem Hotel treffen wir zwei sehr gut durchtrainierte junge Wanderer aus Deutschland. Sie haben 500 Höhenmeter überwunden um hier zu Mittags zu essen und jetzt sind auch sie frustriert. Gemeinsam überlegen wir wo wir stattdessen essen könnten. Die Auswahl ist nicht wirklich groß und so landen wir schließlich wieder in der Finca San Juan die nur einige wenige Kilometer entfernt gelegen ist.

Dort gibt es alles was lecker ist und wir sind letztlich nicht wirklich traurig, dass bei Lucie heute geschlossen ist.

Gegen 17h sind wir in der Nähe des Hotels und entschließen uns schnell ein paar Getränke und Süßigkeiten im Einkaufszentrum auf der gegenüberliegenden Seite der Autobahn zu kaufen. Es ist ein typischer Männereinkauf und ich bin mir knapp 30 Euro dabei. Im Einkaufswagen haben wir mehrere Liter Mineralwasser, diverse Softdrinks, Bitter Lemon, Chips und etwas Obst, man(n) muss ja auf die Gesundheit achten 🙂

Fotografiert haben wir heute gar nichts, außer mit dem Smartphone. Der Grund warum wir in der Nacht die Milchstraße nicht sehen konnten ist uns heute klar geworden, wir haben seit heute eine sehr spezielle Wetterlage die man hier „Calima“ nennt. Dabei wird nach einem Sturm allerfeinster Sand aus der Sahara in Richtung Westen auf das Meer hinaus gewirbelt. Dieser Staub ist so unendlich fein, er schafft es locker bis nach Teneriffa. Und dort hängt er dann meist einige Tage lang über der Insel in der Luft bis der Wind und die Schwerkraft ihn dazu bewegen können sich im Meer und auf der Insel niederzuschlagen.

Bei dieser Wetterlage ich es rund um Teneriffa und die umliegenden Inseln, wie La Gomera, Gran Canara, La Palma usw. flächendeckend trüb. Man kann tagsüber die Sonne kaum sehen und häufig geht diese Wetterlage mit ungewöhnlich hohen Temperaturen einher. Für schöne Fotos ist das einfach nicht geeignet. Weil der Calima erfahrungsgemäß immer einige Tage anhält, werden wir in den nächsten Tagen leider auf schöne Sonnenuntergänge am Meer ebenso verzichten müssen wir auf den tollen Blick auf die Milchstraße. Wenn in vier Wochen wieder Neumond ist, könnte man einen neuerlichen Versuch wagen hier die Milchstraße eindrucksvoll zu fotografieren, aber dann werde ich längst zurück in Deutschland sein.

Under the Canarian Sky - Nikon D800E & 2,8/14-24mm

Den meisten Betrachtern von Fotos der Milchstraße ist gar nicht klar was es beutetet derartige Fotos aufzunehmen. Man hat nur an wenigen Tagen im Jahr die Chance sie wirklich klar zu sehen und an diesen Tagen müssen der Ort und das Wetter perfekt zusammen passen. Um ein wirklich gutes Foto des nächtlichen Sternenhimmels aufnehmen zu können braucht es also Glück, gute Planung, viel Zeit und eine geeignete Fotoausrüstung.

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