Teil 2 der Mopedtour – Oder: Keine Tour für Weicheier :-)

Die Schlange an der Sicherheitskontrolle ist lang, sehr lang! Das Flughafenpersonal ist überfordert und dann kommt auch noch dieses afrikanische Fußballteam! Die Jungs sind spät dran und werden schnell durch gewunken damit sie ihren Flieger nicht verpassen. Den wartenden Gästen passt das gar nicht, ein großer kräftiger Ryp beginnt herum zu stänkern, dann bricht die Hölle los, es gibt eine Schlägerei, jeder prügelt auf jeden ein, ich gehe schutzsuchend in Deckung als es an der Türe klopft. Als ich wach werde steht Florian in der Tür “Hey Bruderherz was ist los, wir haben schon fast 9h – Frühstück!”

Morning Glory?

Das mit dem Weiterschlafen hat funktioniert, definitiv. Ich quäle mich unter die Dusche, gefühlte 200 Minuten später bin ich beim Frühstück – aber in der Realität war ich schneller. Mir kommt der Film Inception in den Sinn, da läuft im Traum auch alles langsamer ab. Wenn dieser Traum eine Inception war, was wolle die Manipulatuere dann bewirken? Wollen sie mir vielleicht sagen, dass wir uns traumhaft schöne Strecken durch den Schwarzwald suchen sollen auf denen wir fast allein sind? Klingt nicht schlecht, so lasse ich mich im Traum gern manipulieren 🙂

Zwei Zimmer – ein Bad – zwei Brüder kriegen das hin 🙂

DSCN0115

DSCN0118

Kurz vor der Abfahrt noch ein Blick aus dem Fenster

DSCN0130

DSCN0135

Als wir losfahren ist der Himmel dramatisch bedeckt, aber es ist trocken. Der große Bruder hat ne tolle Route geplant, ich bin verzückt. Wir machen einen kleinen Abstecher hoch zum Kandel, dort gibt es heißen Kaffee. Kalt ist es, aber wir sind gut angezogen. Wir treffen zwei Biker die eine Tour in den Pyrenäen geplant hatten. Die Tour sollte via Autoreisezug starten. Leider haben sie erst am Bahnhof erfahren, dass in Frankreich mal wieder gestreikt wird! Also ab in den Schwarzwald, eine geniale Alternative!

Abstecher zum Kandel

2010-09-25_145548

Bikerpause am Kandel

DSCN0138

DSCN0144

DSCN0155

Vom Kandel geht es die gleiche Strecke zurück. In St. Peter verirren wir uns ein wenig weil ein Umleitung ausgeschildert ist die im Nichts endet. Danach steht endlich “Schauinsland” auf dem Programm. Als wir unterhalb ankommen beginnt es dann doch zu regnen. Unter einem großen Baum halten wir an. Florian geht kurz pinkeln, wie ich später spüren werde, eine wirklich gute Idee! Danach pellen wir uns in unsere Regenkombis. Witzig ist, dass wir uns total unabhängig voneinander exakt die gleichen Kombis gekauft haben. Brüder eben! Gut auch wenn man zu zweit ist, da kann man sich gegenseitig helfen. Es ist immer wieder blöd wenn man schon ein wenig nass ist und dann eine Regenkombi überstreifen will, da klemmt einfach wie die Hölle!

Irrfahrt durch St. Peter und dann “Schauinsland”

2010-09-25_145624

2010-09-25_145741

2010-09-25_145834

Aber wir kriegen es hin. Ich tausche die perforierten Sommerhandschuhe endgültig gegen zwei Exemplare mit Gore-Tex. Die weichen nicht ganz so schnell durch wie die gelochten Lederhandschuhe. Dann geht es los. Die Fahrt auf dieser genialen Strecke macht aber keinen wirklichen Spaß, zu schlecht ist die Sicht und zu kalt die Atemluft. Immer wieder kommen uns Horden frustrierter Biker entgegen. Aber alle grüßen trotzdem ganz freudig. In einer der letzten Spitzkehren holt Florian weit aus, sehr weit! Danach weiß ich, dass wenn jemand mit seinem Wohnmobil ohne Tankdeckel spazieren fährt der Diesel immer am Rand der Spitzkehre aus dem Tank heraus schwappt! Diesel und Regenwasser, eine fatale Kombination. Florians R1150 kommt gefährlich ins Rutschen. Er fängt sie noch ab und ich spüren wie auch meine K1200 gefährlich ins Schlingern gerät. Nach der Kurve habe ich das Gefühl auch Florians Adrenalin Spiegel nahezu spüren zu können. Das war knapp, echt knapp! Wenig später laufen wir in Freiburg ein. An einer Tankstelle machen wir halt, dort ist es trocken. Der Regen wird immer schlimmer und wir beraten wie es weiter gehen soll. Die Wettervorhersage ist verheerend, also zurück nach Hause, auch wenn es schwer fällt. Bis in die Nähe von Bonn wollen wir gemeinsam fahren, dann sollen sich die Wege trennen. Später wird dann doch alles wieder einmal ganz anders kommen!

Stauflucht im strömenden Regen

 2010-09-25_150046

Volltanken und los! Ein paar hundert Meter weiter ist dann die Hölle los, nichts geht, es ist Freitag und wir haben etwa 15h. Wir stehen im strömenden Regen mitten im Stau. Irgendwann meldet der Bordcomputer meiner K1200 ein Problem. Ein rotes Warndreieck blinkt und es werden ein Motorsymbol mit einem Ausrufezeichen und eine kleine Ölkanne angezeigt. Nein bloß das jetzt nicht!! Anhalten geht nicht, absteigen auch nicht, wir stecken mitten drin. Ich bange um den Motor, aber er läuft ganz normal. Als wir etwa 15 Minuten später endlich raus aus dem Schlamassel sind halten wir unter einer Brücke. Motor aus und das Handy raus kramen, ich will beim Motorradhaus Senger anrufen um zu fragen was ich tun soll. Florian meint wir sollten bis zur nächsten Tankstelle fahren, vielleicht ist nur zu wenig Öl drauf. Mein TomTom sagt, dass es nur ein paare hundert Meter sind. Warum nicht, hier können wir eh nicht bleiben. Als ich das Handy wieder eingepackt habe starte ich den Motor und alles scheint wieder ganz normal, nichts blinkt, nichts leuchtet. Hm, ob sie vielleicht einfach nur zu heiß war? Ich denke positiv und wir fahren weiter.

Auf der Autobahn geht es gut voran, aber es ist viel los – Freitagnachmittag! Bei Rastatt ist dann alles vorbei. Autos stauen sich auf vier Fahrspuren! Wir fahren ein langes Stück über den Standstreifen. Ich haben Angst, dass meine K1200 wieder heiß laufen könnte. Jenseits der Autobahn lotsen uns die Navis auf ganz seltsame Wege, das kann alles nicht wahr sein. Wir halten Kriegsrat, dann sage ich meinem TomTom, dass es uns nach Bonn bringen soll und dass wir NICHT auf die Autobahn wollen. Das klappt recht gut auch wenn wir lange im Regen an echt roten Ampeln herumstehen.

Hunger in Speyer

2010-09-25_150338

24092010669

24092010673

Schließlich schaffen wir es auf die B9 und da fließt dann alles ganz wunder bar. Bei Speyer ist bei Florian der Hunger unerträglich. Er überholt und wir biegen die nächste Ausfahrt ab. Kriegsrat, POI = Restaurant eingeben und los. Das Restaurant hat natürlich geschlossen, es ist 17h – Mist!! Zwei Tage zuvor habe ich mit die Liste der McDonalds-“Restaurants” auf mein neues TomTom geladen. Es sind nur ein paar wenige Kilometer bis dorthin. Es gibt verschiedene Varianten, ich wähle “POI auf Route”. Das klappt bestens, wir landen in Speyer bei McDonalds – super! Während wir essen überlegen wir, was unsere Frauen wohl dazu sagen würden. Igitt oder so 🙂 Florian ist total kaputt. Die 12 Stunden des Vortages stecken ihm in den Knochen. Er ist etliche Stunden länger gefahren als ich, schließlich hat er mich in Mainz aufgesammelt! Er würde gern in Speyer bleiben. Aber wir haben meine Sandra schon gebeten in Bonn ein Hotelzimmer zu buchen. Noch am gleichen Tag ins Münsterland zu fahren scheint uns unmöglich.

Es geht weiter, frisch gestärkt. Inzwischen war ich auch mal Pinkeln, nicht so einfach mit dem ganzen Regenzeugs. Florian hatte das bessere Timing 🙂

Auf der Autobahn zieht es sich wie Kaugummi, es ist wird dunkel und in der Nähe von Stromberg an der A61 fahren wir einen Rasthof an, der Sprit ist fast alle. Es gibt einen Snickers und dann geht es weiter. Unter unseren Helmen beißen wir die Zähne zusammen. Florian hat einen sauteuren original BMW Helm – Made by Schuberth. Das Visier hat eine Antibeschlagbeschichtung, nur heute wo er sie braucht blättert sie langsam aber sicher ab. Er fährt meist im Blindflug. Auf der Autobahn wechseln wir uns ab, mal fährt er vor, mal fahre ich vor. Eigentlich ist es mir lieber wenn er vor mit ist, dann muss ich nicht ständig schauen ob er noch dran bleibt. Meine K1200 hat fast die doppelte Motorleistung, da ist es einfach ihn nicht zu verlieren. Als wir kurz vor 21h in Bonn ankommen sind wir ziemlich erledigt. Ich liefere den großen Bruder im Hotel ab und bin froh als ich heil daheim angekommen bin. Die Treppen von der Tiefgarage nach oben fallen mir schwer. Um so schöner ist es, dass Sandra mir die Türe öffnet als ich noch schnaufend auf der Treppe stehe. Welch ein Service! Es gibt Spaghetti Bolognese – der Tag ist gerettet!

DSCN0157

Am nächsten Morgen kommt Florian noch auf einen Kaffee vorbei. Gegen 10h startet er dann durch. A59, A560 in Richtung Hennef, dann an der Sieg entlang bis Siegen, dann auf die Autobahn in Richtung Münsterland. Ich hoffe er ist gut angekommen.

46 Jahre gewartet – Oder: Die erste Mopedtour mit dem großen Bruder

Die Wetterprognosen sind schlecht und Sandra ist krank. Die blaue K1200 ist bei Motorrad Senger in Rüsselsheim. Wo würden Elefanten gern wohnen? Klar do, in Rüsselsheim! Wie dem auch sei, es ist Mittwoch und ich fiebere dem Wochenende entgegen.  Die Tage im Büro sind derzeit lang und anstrengend, die Produktivstellung steht vor der Tür. Gut, wenn man vorher noch ein Wochenende lang den Spätsommer auf dem schönen neuen Moped genießen kann, das gibt Kraft für das was die nächsten Wochen vielleicht wie eine Sintflut über mich hereinbrechen wird. Vielleicht auch nicht, egal, dann ist es einfach nur ein schönes Wochenende ohne therapeutischen Hintergrund 🙂

Am Donnerstag ist  um 14 soweit alles erledigt, es geht zum besten Hotel der Welt, schnell umziehen und die Sachen packen, gleich kommt der große Bruder mit seiner blauen R1150r. Und pünktlich wie die Dachdecker steht er auch vor der Türe, es ist Donnerstag der 23. September, die Sonne scheint und die Laune ist gut. Schnell was trinken, kurz aufs Klo und dann mit zwei BMWs auf nach Süden, der Sonne entgegen!

An meiner K1200 ist erstmals das neue TomTom Urban Rider montiert. Das gab es bei amazon.de für 228 Euro, inkl. RAM-Mount – Herz was willst Du mehr… Glücklicherweise habe ich schon den Halter für das “alte” TomTom Rider 2 montiert. Selbiges liegt daheim in der Küche auf dem Tisch und wartet darauf, dass Sandra kommt und mit der weißen K1200 gen Mainz düst um uns zu begleiten. Leider alles ein Satz mit X – Sandra ist krank! Wir fahren also allein und das “alte” TomTom wird noch ein paar Tage auf dem Tisch liegen bleiben…

Ist schon blöd wenn bei 3 Fahrern etwa 33,3% ausfallen – aber wir kriegen auch mit verbleibenden 66,7% eine Tour hin – hoffentlich. Jedenfalls sind wir um 15h07 abfahrbereit – Auch Biker brauchen einen geregelten Tagesablauf!!

Es geht über die B9 nach Süden, Nierstein, Oppenheim, dann Worms. Ich fahre voraus, am neuen TomTom ist die Routenführung auf “Kurvenreiche Strecke” eingestellt. Unser Ziel ist Biberach, erst viel später soll ich erfahren warum 🙂

Auf der B9 geht es gut voran, zwischendurch knubbelt es sich in Worms, der große Bruder übernimmt mal für eine Weile die Führung, wir fahren in Schlangenlinien über die Autobahn, nicht dass die nagelneuen Reifen nur in der Mitte verschleißen 🙂 Irgendwo etwa auf der Höhe von Heidelberg verlässt der große Bruder die Autobahn, kurz drauf gibt es Sprit für die Mopeds und Mars-Riegel für die Fahrer 🙂 Ich korrigiere den Luftdruck im Vorderreifen, es sind “nur” 2.3 bar – hier hat die wirklich vorbildliche Werkstatt des Motorradhauses Senger in Rüsselsheim einen Tick zu wenig Luft drauf gemacht. Das RDC-System mosert schon eine ganze Weile….

Danach geht es weiter gen Biberach, ich fahre voraus, das neue TomTom sucht schöne kurvenreiche Strecken aus. Das witzige bei der Angelegenheit ist, dass der große Bruder an einigen Ampeln neben mir erstaunt ist, dass das neue TomTom automatische ohne jegliche Planung die gleichen Wege fährt die er zuvor daheim via Mapsource für sein Garmin GPS geplant hat.

2010-09-24_063301

Mit einer kleinen Tankpause kommen wir schließlich in Biberach an, juchu wir sind im Schwawrzwald. Irgendwie ist alles komisch, eine neue Umgehungsstraße, das neue TomTom weiß auch nicht wo es lang geht, kollektive Ratlosigkeit beherrscht die Szenerie. Mir kommt diese neue Schnellstraße bekannt vor, der große Bruder biegt rechts ab und dann sehe ich es, in diesem Gasthof haben wir im letzten Jahr, als Sandra mit ihrer YPSE dabei war, übernachtet. Cool! Definitiv! Wir entsatteln die Mopeds, es gibt Rinder-Steak und Filetspitzen vom Reh, alles ganz frisch und lecker!! Danach noch ein Bier und jede Menge Ramazotti – bis wir beide betrunken sind. Auf dem Zimmer das die gleiche Nummer hat wie das gemeinsame Elternhaus wird dann kurz gebloggt und dann auch schon geschlafen…

Gute Nacht – morgen geht es weiter – es ist jetzt 0:43….

Update um 6h22

Die Nacht war kurz, ich werde um kurz nach 6h wach weil sich wieder mal gefühlt eine ganze Mückenfamilie an mir zu schaffen gemacht hat. Sie haben diesmal in die Füße gestochen und es juckt wie die Hölle. Nur gut, dass ich eine kleine Tube Fenistil im schmalen Biker-Gepäck habe. Im Magen ist es ein wenig komisch, die zwei Bier, der Espresso und die 4-5 Ramazotti machen mir noch zu schaffen. Kurz bloggen, vielleicht hilft es ja 🙂

Fehlanzeige, es hilft nicht, ich lege mich wieder hin…

Party in der Heimat – Oder: Die Mopedsaison geht zu Ende…

Freitagmorgen, ausschlafen, Bürokrams erledigen, Rechnungen bezahlen, Unterlagen für den Steuerverbrater zurecht machen, kurz bloggen dann geht es schon fast wieder los. Alexandra feiert ihren 40. Geburtstag – da geht es hin – in die Heimat!

So um 13h werden alle Sachen zusammen gepackt, um 14h bin ich abmarschbereit. Ich hole die blaue Turbine aus der Tiefgarage und parke sie kurz vor der Haustüre. Die Koffer sind schnell montiert. Diesmal sind sie wieder besonders voll. Nur gut, dass sie flexibel sind und trotz der relativ kleinen Außenmaße allerhand hinein passt. So um 14h25 geht es los, in der Straße spielen die Kinder, die Sonne scheint, es ist Spätherbst. Raus aus der Spielstraße, links abbiegen, ein paar Meter später rechts abbiegen und schon die erste rote Ampel. Vor mit ein silberner Mazda mit Kölner Kennzeichen. Es ist eine lange Schlange vor der Ampel ich brauche drei Rotphasen bis ich endlich drüber hinweg bin, es ist FREITAG: Keine Ahnung was das mit FREI oder vielleicht sogar FREIHEIT zu tun haben soll, es ist einfach der Tag vor dem Wochenende und der fängt schon echt blöd an. Nach der Ampel rechts, wir haben Gegenverkehr. Vor mit der Mazda, die Lenkerin scheint sich beim Anblick des Gegenverkehrs zu ängstigen. Ich denke nur “Gib doch endlich Gas, gleich ist die Schranke wieder runter!!!” Kaum gedacht schon wieder rotes Licht – Bing – Bing – die rotweißen Balken senken sich bedrohlich – Motor aus – warten. Mir wird warm, es steht nur ein Mazda und eine blaue BMW vor den Schranken – aaahhh….

Während sich das Schwitzwasser in den Stiefeln sammelt gehe ich ein wenig an der Schranke spazieren und schaue mit die ängstliche Dame genauer an. An meinem Schuberth S1 pro ist das Sonnenvisier geschlossen, der Anblick scheint die Dame zu ängstigen, als ich mich auf sie zu bewegen drückt sie den Verriegelungsknopf herunter. Hä? Ok, ich sehe brutaler aus als ich es bin, aber ganz ehrlich, für die Schleicherei würde ich ihr gern eine Beule in die Türe treten, aber ich bin zu gut erzogen!!

Nach nur FÜNF Zügen öffnet sich die Schranke wieder, es kann los gehen. Ich starte die blaue Turbine und zische ab. Am Posttower ist dann schon wieder die Hölle los. In den Rheinauen scheint am Wochenende wieder Flohmarkt zu sein, die Straße nach Godesberg ist wieder zur Hälfte gesperrt. Nichts geht und alle Mitarbeiter haben den Posttower scheinbar gleichzeitig verlassen. Ich kriege langsam aber sicher die Krise. Nach Minuten die mir wie Stunden vorkommen bin ich auf der Rheinbrücke, es geht auf die A59 in Richtung Norden. Gleich in der ersten Kurve wieder zähflüssiger Verkehr, ja hört das denn nie auf? Nein soll es nicht!!

Auf der A59 geht es gemütlich aber stetig voran, dann beim Wechsel auf die A3 ist wieder alles voll, nichts geht mehr! Ich rolle im zweiten Gang langsam auf dem Seitenstreifen dran vorbei. Der Stau zieht sich in die Länge, dann von hinten ein Polizeifahrzeug – mit dem schlechtesten Gewissen der Welt mogle ich mich zwischen die Autos, die Polizisten nehmen keine Notiz von mir, es gibt wohl wichtigeres. Später sehe ich einen Audi A4 der verkehrt herum auf dem Seitenstreifen steht, kurz dahinter ein LKW. Was da wohl wieder passiert ist. Der Stau nimmt kein Ende und jetzt fängt es auch noch an zu regnen, es macht einfach keinen Spaß. Auf der A3 angekommen geht das Chaos weiter, scheinbar haben sich hier alle Autofahrer zu fröhlichen Sit-In verabredet – oder ist es eine Afterjob-Party – aber wo ist das Bier?

Ich schaffe es schließlich auf die A1 – mein Ziel ist das Ruhrgebiet, dann bei Wermelskirchen ist wieder alles vorbei, nichts geht. Ich verlasse entnervt die Autobahn. Es geht kurz an eine Bushaltestelle, das TomTom Rider muss still stehen damit man alle Menüs bedienen kann! Ich “sage” ihm, dass ich auf den nächsten 5Km eine Blockierung umfahren will, das klappt sehr gut, als ich wieder auf der A1 lande fließt alles und ich habe die komplette Baustellengeschichte auf netten Straßen umfahren, leider im Nieselregen!

Später auf der A43 wird es etwas besser, aber Spaß kommt nicht auf, das ich einfach nur Fortbewegung nicht mehr und nicht weniger.

Bei Sandra in Marl angekommen bin ich froh über eine warme Dusche und freue mich auf eine leckeres Abendessen.

Samstag dann ausschlafen, frühstücken und mal beim MediaMarkt in Recklinghausen schauen was es da so gibt. Ich will mir mal das neue DELL STREAK anschauen. Sieht gut aus, macht einen ordentlichen Eindruck, aber es hat keinen Strom. Dann quatscht mich ein Verkäufer an. Das Ding soll 629 Euro kosten – hallo – dafür gibt es ein gut ausgestattetes iPAD!!

Jaaaa, mit einem Trick könnte ich es für 405 Euro bekommen. Ich soll voll im Ernst DREI Verträge bei O2 abschließen, die nach sechs Monaten kündigen und dann inkl. aller Anschlussgebühren 405 Euro bezahlen. Das DELL STREAK soll dann nur noch 1 Euro kosten! Klingt ja verlockend aber ich bin trotzdem skeptisch, wäre zusätzlich zum Basispaket die Weltherrschaft enthalten, dann vielleicht aber so? Ich weiß nicht… 1983 habe ich mal die “Keyboards” abonniert und es hat mich fast 20 Jahre gekostet das wieder loszuwerden! Lieber kein Abo mehr wenn es nicht nötig ist….

 

Ok, es ist geschafft, das Master XXL-Paket hat der MediaMarkt auch gar nicht im Angebot – vielleicht wäre ich sonst noch schwach geworden… Satt dessen finde ich ein Gehäuse für externe Festplatten das einen pfeilschnellen eSATA-Anschluß haben soll – cool – kostet 59 Euro – dazu noch für 99 Euro eine 1TB Platte, 3,5” und 7200 U/Min – lieber hätte ich 10.000 oder so, aber das gibt es nicht – vielleicht in Kombination mit der Weltherrschaft oder so??…

Egal, ich habe alles, noch mal schnell nach den Surfsticks schauen, wir werden fündig. Sandra bekommt einen O2 Prepaid-Stick geschenkt. Es sind 5 Tage enthalten und das Ding kostet ganze 15 Euro – alles zusammen inkl. HSPDA-Modem! Ob man das wohl hacken und für was anderes benutzen könnte? Auch egal, es soll ja nur für den Fall sein, dass sie mal irgendwo steht und kein WLAN hat.

 

Ich frage mal kurz ob es die vor kurzem angekündigte neue Nikon Coolpix 7000 schon gibt. Es gibt sie natürlich noch nicht! Aber in einer Wühlkiste liegen massenweise Nikon Coolpix S3000 – hey ist das nicht die kleine niedliche Knipse die sich die Sandra im April in den USA für 149 Dollar gekauft hat? Hier soll sie 109 Euro kosten – wenn das kein Deal ist! Später stelle ich fest, dass ich mit den vielen Typenbezeichnungen immer wieder durcheinander komme. Mein Superschnäppchen ist ganz regulär bei amazon.de für 108 Euro zu haben und Sandra hat was ganz anderes, ich glaube sie hat eine S5000 oder so ähnlich. Egal, die kleine Knipse sieht nett aus und ist sicher prima geeignet um sie beim Mopedfahren einfach mal in die Jackentasche zu stecken.

2010-09-19_205946

Wieder daheim wird die kleine Babynikon ans Ladegerät gehängt und mit einer 8GB Karte betankt. Wir ziehen los mal ein Pferdl anschauen. Eddy ist ein Friese und was für einer! Ich bin echt erstaunt und filme Sandra mit meinem alten NOKIA N95 während sie mit demonstriert was sie diesem jungen Pferd in den letzten Wochen bei gebracht hat. Er hört jetzt auf ihre Stimme und geht auf Kommando in den Trab, Galopp und wieder in seinen Schaukelgang. Ich bin beeindruckt.

Nach der Reiterei wird Eddy noch geputzt und gefüttert. Es geht zurück, duschen und dann zur Party! Die Party ist witzig, viele Leute die ich gar nicht kenne ich nicht mehr wieder erkenne. Es ist witzig sich mit einem Fremden zu unterhalten den man seit seiner Kindheit kennt 🙂 Die Nichten und Neffen sind schon so groß, dass sie die Erwachsenen mit Bier und anderen Leckereien versorgen können. Es ist das Größte Pils und Radler zu unterscheiden und die Pils-Flasche dann auch noch öffnen zu dürfen! Sie sind alle schon sooo groß 🙂

Am nächsten Morgen ist der Kopf entsprechend schwer, aber Sandras Frühstück und ein leckerer Kaffee rücken alles wieder zurecht.

Kurz vor 12 sind wir bei ihrer Garage, ich sattle meine blaue Rakete, wir verabschieden uns und schon geht es wieder weiter. Erst Bonn, dann Mainz, am Montag warten wieder die Codezeilen auf mich. Als ich starte ist in Marl der Himmel bedeckt und das Bordthermometer zeigt 16 °C – der Sommer scheint vorbei zu sein. Als ich am Flugplatz Lohmühle vorbei fahre landen gerade wieder ein paar Fallschirmspringer. Hier hat damals der Möllemann im Acker gesteckt, war sicher kein schöner Anblick. Während ich am Landeplatz vorbei fahre kommt mir kurz in den Sinn was wäre wenn einer der Fallschirmspringer voll auf mich drauf klatschen würde… Ich gebe Gas – schnell weg hier…

Auf der Autobahn läuft mal alles nach Plan. Ich fahre die A43, später die A1, dann die A3, A59 und bin auch schon nach etwa 90 Minuten in Bonn. Zwischendurch sehe ich auf der A1 in Gegenrichtung einen Stau der von Wuppertal bis Wermelskirchen reicht – hui – das hätte ich am Freitag noch vor mir gehabt. Gut, dass ich diese ewige Baustelle dank des TomTom Rider geschickt umfahren konnte!

Daheim schnell alles umpacken und dann nach einer Stunde wieder los. Die Sonne scheint, es sind 22°C und ich habe Sommergefühle – noch! Über Godesberg geht es auf die Autobahn, dann bei Grafschaft über Landstraßen weiter nach Adenau. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen mal kurz zu halten und mit der neuen S3000 ein paar Bilder zu knipsen, aber die blaue Rakete läuft so gut, ich mag sie gar nicht abstellen. Auf großartigen Straßen bei wenig Verkehr geht es nach Cochem. Der Anblick vom nördlichen Ufer der Mosel hinunter auf die Stadt ist immer wieder grandios, leider ist der Aussichtspunkt auf der falschen Straßenseite. Egal, es gibt tausende solcher Knipsbilder bei Panoramio….

Unten an der Mosel dann rechts in Richtung Luxembourg, kurz drauf finde ich eine Brücke die ich mir zuvor auf dem Klo via iPad angesehen habe… Am anderen Ufer liegt Treis-Karden – die Straße geht nach der Brücke gleich weiter, super! Es geht auf schönen kurvigen Straßen gen Süd-Osten. Der Weg führt mich vorbei an Burgen und Klöstern, es ist ein Traum!

DSCN0057

DSCN0060

DSCN0063

Irgendwann erreiche ich die A61. Ich bin nun seit 6 Stunden unterwegs und entschließe mich einfach schnell den Rest des Wegs über die Autobahn zu fahren. In Mainz ist dann an meiner präferierten Tankstelle die Hölle los. Der Sprit reicht laut Bordcomputer noch für 17 Kilometer, egal ich tanke statt Superplus einen großen Milchkaffee und ein belegtes Brötchen. Danach schnell das Moped abstellen und noch Fuß zurück noch ein paar Leckereien für den Abend einkaufen 🙂

Daheim in meinem Appartement überspiele ich erst einmal alles auf den neuen Mac und versuche mich mit iMovie. Ist ja ganz nett aber unter Windows 7 geht mir das leichter von der Hand…

Nach einigem Hin- und Her habe ich dann mein erstes Video fertig. Die geschätzte Verarbeitungszeit für den YouTube-Upload wird auf 45 Minuten geschätzt. Ist dieser Mac wirklich das modernste seit der Erfindung der Glühbirne?? In mir keimen Zweifel…

Aber da bleibt noch Zeit ein paar Bilder einzubetten und eine erste Version zu veröffentlichen…

DSCN0066

DSCN0071

DSCN0070

Hier ist das Video von Sandra und Eddy – mein erstes iMovie-Projekt – seid bitte nachsichtig – gefilmt ist es zudem mit einem Handy!!

 

Hier sind noch die Track die ich mit meinem Garmin Colorado 300 aufgezeichnet habe.

Track 1 – Wahnsinn am Freitagnachmittag…

2010-09-19_222414

Hier die Umfahrung der Großbaustelle auf der A1 bei Wuppertal im Detail.

2010-09-19_223516

Track 2 – Die letzten Sonnenstrahlen auf den Umwegen von Bonn nach Mainz

2010-09-19_222232

2010-09-19_222842

Die GPX-Datei habe ich hier zum Download bereitgestellt. Hier gibt es diese schöne Route als KMZ-Datei für Google-Earth.

Die letzten schönen Tage – Oder: Der Weg zur Arbeit kann ganz nett sein

Es ist Sonntag, die Sonne scheint und mir steckt die Tour vom Samstag in den Knochen. Aber Kaffee und Frühstück – die täglichen Heilsbringer – rücken alles wieder zurecht. Die Hütte wird ein wenig aufgeräumt und um 12h geht es dann schon wieder los. Schnell den blauen Blitz aus der Garage holen. Als Sandra schon auf dem Weg nach Hause ist starte ich den agilen Vierzylinder. Es geht los nach Mainz, am Montag muss ich wieder im Büro sein.

Wie fahren, das ist die Frage? Die Wettervorhersage hat für den Nachmittag Regen in Bonn vorausgesagt. Daher haben wir uns so beeilt. Sandra muss sich auch noch um ihr Pferd kümmern, später erzählt sie mir am Telefon, dass sie nur in der Reithalle reiten konnte. Der Regen kam aus Norden – klingt fast wie ein Titel für ein Unwetterepos… Franka Potente und Moritz Bleibtreu im neuen Film vom Tom Tykwer: “Der Regen kam von Norden!”  Nicht schlecht, oder?

Ich will in Richtung Adenau, dann weiter zur Mosel und dann über Bad Kreuznach nach Mainz, ob das klappt? Als ich kurz vor Grafschaft auf die A61 wechseln könnte sehe ich in der Ferne über der Eifel dicke fast schwarze Regenwolken. Auf der anderen Seite der Autobahn sind Biker mit Regenkombi unterwegs – oh je – nicht schon wieder… Ich entschließe ich neu zu disponieren. Die A61 führt östlich an der Eifel vorbei, vielleucht kann ich so den Regen umfahren. Ich gebe Gas… Die Markierungslinien fliegen unter mir hindurch, gut dass ich Oropax in die Ohren gestopft habe, sonst wäre es mir bei 140 viel zu laut. Es ist relativ wenig los, in kurzer Zeit bin ich fast schon wieder bei der Mosel. Da steht ein Schild am Wegesrand das den Weg nach Ochtendung anpreist. Hey, da war ich am Donnerstag zuletzt, warum nicht! Blinken und abbiegen! Super, es gibt auch eine Tankstelle, das passt gerade richtig gut. Inder Ferne kann ich die Gewitter über dem Nürburgring sehen, der Plan hat funktioniert – Super!! Dann geht es weiter, verschlungene wunderschöne Straßen führen mich wieder hinab zur Mosel. Das kenne ich nun auch schon, also über die Brück auf die südliche Seite. Vor mir dann eine BMW K1300RS. Der Typ fährt recht zivilisiert, ich schließe mich einfach an. Dann drei andere Mopeds und schon sind wir ein Team. Zusammen ist man weniger allein.

Doch dem K1300er fahren die alle zu langsam, kurz nach Alken dreht er so richtig auf, warum nicht? Die K1200 bleibt im 5 Gang ganz gut dran. Es macht keinen großen Unterschied ob man 163 oder 175 PS. Gemeinsam flitzen wir an der Mosel entlang. Immer wieder habe ich den Eindruck, dass er mal testen möchte ob er die etwas ältere “kleine” K1200 nicht abhängen kann, klappt aber nicht, Spaß macht es trotzdem. Später bei Treis-Karden biege ich links ab und mache mich auf den Weg nach Süden. Der nächste Ort ist Lieg. Über die Dörfer geht es auf wunderschönen Straßen in Richtung Bacharach. Dort angekommen bin ich wieder auf meiner “Hausstrecke”. Seit Juni 2007 fahre ich hier regelmäßig lang und es ist immer wieder schön!

Die ganze Heizerei über die Dörfer war fast schweißtreibend, zumal das Bord-Thermometer der BMW warme 26°C anzeigt. Ich bin ganz froh, dass es jetzt ruhig am Rhein entlang geht. Der Abstieg runter nach Bacharach war gar nicht so ohne und das letzte Stück Kopfsteinpflaster echt holprig. Jetzt gleitet die BMW im ESA-Comfort-Programm am Rhein entlang, wunderbar! Kurz vor Bingen wieder die große Baustelle und wieder der übliche lange Stau. Ich warte ab bis nichts mehr kommt, dann ab durch die Mitte, das klappt immer wieder. Als ich am Anfang der Schlange ankomme springt die Ampel auf GRÜN und ich kann mich vor dem ersten Wohnmobil einfädeln. Nun habe ich freie Fahrt, nichts und niemand kann mich aufhalten, was für ein Gefühl. In Bingen geht es weiter über die B9 – nix Autobahn – nur Landstraße – erst einmal.

Dann ein Stück hinter Ingelheim müsste ich über die Saarstraße in die City und dann wieder raus zur Wormser Straße zum Quartier 65. Nee, das ist nicht mehr mein Ding, nun doch schnell die Autobahn. 5 Minuten später bin ich dann schon fast auf der Wormser Straße. Schnell parken, die Klamotten auspacken und schon bin ich wieder “daheim”. Feine Sache wenn man kein wirkliches Zuhause hat… Manchmal wenigstens… Das Wetter in Mainz ist noch wunderbar, doch als ist später meinen BLOG schreibe gewittert es draußen bereits.

DER REGEN KAM VON NORDEN – witzige Idee – ob ich mal ein Drehbuch schreibe?

Am Helm kleben mindestens Zweimillionen tote Fliegen – uah…

12092010644

Im Appartement gibt es ein Portion Spaghetti Bolognese und weil die zu klein war noch eine Chinesische Nudelsuppe. Junkfood ist doch was Feines – heißes Wasser drauf – 5 Minuten warten und schon kann man sich die Zunge verbrennen – wer mag das nicht? Dazu ein Bier, fertig ist das Biker-Abendessen 🙂

2010-09-12_185203 

Hier die Trackanalyse:

2010-09-12_190156

Hier die Auswertung der gefahrenen Geschwindigkeiten – ich war nicht wirklich langsam unterwegs – maximal 195,12 km/h!!

Geschwindigkeit > 150km/h 14,46% – – – habe ich gar nicht so bemerkt – ist halt ne echte Turbine das Ding 🙂

2010-09-12_190532

Sie sieht die Geschwindigkeitsverteilung in Excel aus:

Bonn-Ochtendung-Bacharach-Mainz.png

Hier noch der “Abstieg” nach Bacharach – wunderschön!!

2010-09-12_191012

Und zum Schluss noch der gesamte Track als GPX-Datei und als KMZ-Datei für Google-Earth.

Mit Sandra an der Lahn – Oder: Ein Blau-Weißer Ausflug

Samstag morgen, die Sonne scheint, ich habe einen Brummschädel. Schlecht geschlafen, die Nase trieft, ich fühl mich mies. Ein erster Kaffee hilft und das Frühstück richtet mich dann doch noch auf. Es ist etwa 9h und wir beide sind schon ganz kribbelig. Moped fahren? Aber klar! Wohin? “Hm, wie wäre es wenn wir auf der B42 zur Lahn fahren, dann in Richtung Nassau und anschließend auf verschlungenen Pfaden zurück nach Bon?” “Jo, das klingt doch mal nach einem Plan!”

Zähne putzen, anziehen, ab in die Tiefgarage und los. Sandra schnappt sich die weiße Turbine ich nehme wieder den blaue “Brüderchen”. Es ist schon fast Mitte September, die Sonne lacht und als wir bei etwa 20°C mit 100 Km/h den Rhein überqueren keimt in mir die Hoffnung auf einen goldenen Herbst auf. Die Fahrt auf der B42 über Königswinter, Unkel, Remagen usw. ist schön aber nicht überwältigend. Auf der Höhe von Koblenz verlassen wir die B42 in Richtung Bad Ems/Nassau/Montabaur. Die B260 in Richtung Bad Ems ist gut ausgebaut, irgendwann wechseln wir auf die südliche Seite der Lahn. Dann vor einem langen Straßentunnel die Entscheidung “Bad Ems versus Nassau” – wir fahren durch den Tunnel! Am Ende des Tunnels bekommen wir dann doch noch ein wenig von Bad Ems zu sehen. Wir wechseln wieder ans nördliche Ufer und weiter geht’s. In Nassau angekommen ist es schon fast Mittag. Wir suchen wir ein Lokal, finden aber auf Anhieb nicht das Richtige. Also muss das TomTom Rider ran! POIs in der Nähe suchen, Restaurants – es gibt ein Schlossweingut nur 3,7 Km entfernt? Das klingt doch gut, wir verlassen Nassau ohne dieses hübsche Städtchen weiter zu erkunden, schade eigentlich.

http://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Nassau

Nassau-Klein  

(Quelle: Wikipedia: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f7/Aerial_fg070.JPG)

Weiter geht es nach Obernhof, das TomTom Rider zeigt an, dass das Schlossgut ganz in der Nähe ist. Doch ich habe mein Blue-Tooth-Headset mal wieder nicht aufgeladen. Und als wir am Schlossgut vorbeifahren scheint die Sonne so wunderbar auf das Display des TomTom Rider, dass man absolut gar nichts erkennen kann. Wir schießen also über das Ziel hinaus – passiert… Ist aber auch alles gar nicht schlimm denn ein paar hundert Meter weiter ist links ein auf den ersten Blick ganz nettes Lokal vor dem zwei BMWs stehen – wenn das kein Grund ist dort einzukehren? 🙂

Während ich das 240 KG Moped neben den beiden BMWs auf einem leicht abschüssigen kleinen Schotterparkplatz abstelle kurvt Sandra mit der gleichen Fuhre auf dem Gehweg herum. Sie hat gleich gesehen, dass diese Fläche NICHT EBEN ist und würde eigentlich gern rückwärts einparken, damit sie später besser wieder heraus kommt. Aber die Kante des Gehwegs ist hoch und überhaupt ist alles blöd, sie parkt dann neben mir. Irgendwie werden wir da schon wieder heraus kommen…

Oben auf der Terrasse hat Sandra schon ganz gelb verfärbte Pupillen, gut dass es hier eine Toilette gibt! Ich bin auch froh…

Auf der Speisekarte steht gebratene Forelle und Rumpsteak mit Zwiebeln, das klingt gut – Sandra die Forelle ich das Steak. Sandra ist schlapp und müde und fragt nach einem Red Bull. Sie haben sowas nicht, aber die Kellnerin ist großartig und sagt uns, dass sie sich eine private Dose mitgebracht hat für den Fall, dass es bei schönem Wetter mal wieder spät wird. Den Doseninhalt serviert sie kurz darauf auf Eis in einem kleinen Bierglas – was für ein Service!

Während wir Essen füllt sich die Terrasse zunehmen. Das Paar mit den BMWs macht sich wieder auf den Weg, dafür trudeln zwei ältere Holländer ein. Beide parken rückwärts, die haben das gleich geblickt! Sie hat ähnliche Probleme mit der hohen Gehwegkante wie Sandra kurz zuvor. Er ist ein Gentleman und parkt für seine Frau das Moped ein. Es gibt auch nette Holländer 😉

Während wir unser Essen verspeisen kommt eine Horde Mopedfahrer nach der Anderen. Viele biegen auf die Brücke gegenüber der Terrasse ab. Ich nehme mal das TomTom Rider und lasse eine Route mach Montabaur ausrechnen. Es ist nicht wirklich weit, und nachdem ich mehrmals auf “Alternative berechnen” gedrückt habe will auch das TomTom über diese Brücke fahren. Ich zoome mal hin und her und siehe da, es lacht uns eine schöne Serpentinenstrecke an. Als wir bezahlen wollen will die supernette Kellnerin uns die Dose Red Bull schenken, weil sie ja nicht auf der Karte steht. Das Essen kostet zusammen 29,90 Euro – ich gebe ihr 35 Euro und sie schaut ganz glücklich. Die Mopeds aus der Parkbucht zu schieben ist ein größerer Kraftakt, aber es geht. Der Schotter ist nur blöd weil man keinen wirklich festen Stand hat. Erst schiebe ich die blaue Turbine auf den Gehweg, dann helfe ich Sandra mit dem weißen Zwilling. Ingenieure können auch ganz nett sein 🙂

Es geht über die Brücke und das TomTom hat nicht zu viel versprochen! Oben auf dem Berg geht es dann munter lustig weiter, wunderschöne Kurven, tolle Landschaft und grandioses Wetter. Deutschland ist schön! Definitiv!!

Zwischendurch ein kurzer Stopp für ein paar Erinnerungsknipsbilder mit dem NOKIA N95:

11092010636 11092010632

11092010631

In Montabaur angekommen fahren wir hoch zum Schloss. Leider ist alles ein Großbaustelle und man muss ich an der Rezeption anmelden wenn man den Innenhof betreten will. Kaum haben wir die Mopeds geparkt springt uns auch schon eine ganz nette Dame an um uns zu erklären, dass das hier kein öffentlicher Parkplatz ist.. Im Bistro gibt es Speisen und Getränke nur für Tagungs- und Hotelgäste. Deutschland ist schön? Nicht überall… Weiter geht’s…

Das TomTom Rider zeigt in einigen wenigen Kilometern einen McDonalds – da gibt es sicher auch für einfache Leute wie uns ein Cola und eine Toilette – also los. Wir fahren in Richtung ICE-Bahnhof, dann rechts ab, nur welche der Straßen? Zack, wieder falsch, wir kurven durch ein Industriegebiet, links – rechts – links – rechts – links – links – rechts – dann auf der linken Seite ein Burgerking – die bewirten sicher auch einfache Biker wie uns, also links ab.

Die Cole schmeckt genauso wie bei McDonalds. Kleiner Spaß am Rande, wie heißt das Lieblingsrestaurant von Steve Jobs? Ganz einfach MacDonalds 🙂

Die Cola weckt die Lebensgeister die nach dem Steak und der Forelle ein wenig müde geworden waren. Es geht weiter in Richtung Altenkirchen. Das TomTom kennt den weg – es meidet Autobahnen und findet viele schöne Straßen, das macht Spaß. Das Wetter ist immer noch sonnig und wir haben deutlich über 20°C – wunderbar. Die Mopeds sind so scharf, dass sie hinter Gitter müssen…

11092010640 11092010641

In der Nähe von Niederpleis kommt uns dann alles doch wieder sehr bekannt vor. Der Stallinstinkt lockt uns nach Hause, doch dann vor uns eine Hochzeitsgesellschaft – und was für Eine!! Die haben sich sogar einen uralten restaurierten Bus gemietet und mit weißen Stoffen geschmückt – ist ja alles ganz hübsch, aber auf dem Motorrad dahinter her zu schleichen nervt total. An der ersten Ampel fahren wir an der langen Schlange vorbei und stellen uns ganz vorn neben das erste Auto. Ein paar Meter weiter dann Teil 2 dieser Gesellschaft – wie viele Verwandte kann man haben? Dann wieder eine Ampel, wieder links dran vorbei. Am Haltebalken ein VW Touareg, definitiv kein Hochzeitsgast! Am Steuer ein echter Griesgram im fortgeschrittenen Alter, er tippt auf das Gaspedal und scheint sich schon zu ärgern weil wir uns frech neben ihn gestellt haben.

Es wird grün, ich lasse meine blaue Turbine so richtig fliegen, 8s von 0 – 200Km/h – das treibt einem die Tränen in die Augen. Im Spiegel sehe ich Sandra, sie lässt die Zwillingsturbine auch fliegen und das macht sie sonst eigentlich NIE! Dann geht es auch schon rechts ab nach Stieldorf. Der VW biegt auch ab. Die Straße ist von den vielen Treckern – es ist wieder Jauche-Saison – stark verschmutzt. Sandra fährt vorsichtig – besser ist das – der mittelalte Typ in seiner überdimensionierten Familienkutsche hat hohen Blutdruck und fährt Sandra fast auf dem Hinterreifen. Ich schaue mit das Spiel im Rückspiegel an und bin kurz davor anzuhalten, die Straße zu blockieren und ihn zu fragen was der Blödsinn soll. Aber dann kommt schon der Abzweig nach Bonn. Der Typ rollt seinen Dieselpanzer neben uns und staunt nicht schlecht als er begreift, dass der Typ auf dem weißen Motorrad kein Typ ist! Die Ampel wird rot, wir haben wieder unseren Frieden, besser ist das!

Ein paar hundert Meter oberhalb von T-Mobile geht es dann auf stark abschüssiger Straße links auf das Stückchen Autobahn das über den Rhein bis zum Posttower führt. Der Asphalt ist wellig wie die Hölle und ich bremse fast bis zur Schrittgeschwindigkeit runter. Das Moped holpert im zweiten Gang um die Kurve und ich bin froh, dass wir nicht zu schnell waren! Sandra ist kurz hinter mir, sie hat den 1. Gang eingelegt (eigentlich wäre der zweite besser gewesen) und als sie die Bodenwellen nimmt ruckt sie so am Gas, dass es ihr Angst und Bange wird. Diese weiße Turbine kann ganz schön giftig werden .Daheim berichtet sie mir später von den Schrecksekunden des Tages…

Auf dem Rhein zischt plötzlich eine winkende Sandra an mir vorbei. Sie hat gute Laune, das Drama des letzten Wochenendes ist vergessen, ihr geht es gut und sie hat Spaß in den Backen!

Als die Zwillinge schließlich in der Garage stehen sind wir beide ziemlich platt. Aber es liegt eine wirklich schöne Tour hinter uns.

2010-09-12_174021

Hier gibt es den Track als GPX-Datei zum Download.

Hier das Höhenprofil:

2010-09-12_174630

2010-09-12_180355

Hier habe ich aus dem Track noch eine KMZ-Datei für die Ansicht mit Google Earth erstellt.

So sieht das dann aus:

2010-09-12_182015

2010-09-12_182307