100.000 Kilometer mit der Nikon D300

100.000 Kilometer mit der Nikon D300 – So würde die Schlagzeile eines Dauertests lauten wenn die D300 ein Auto wäre und ich hier für die Auto-BILD schreiben würde. Auch wenn es nicht ganz passend erscheint, passt diese Schlagzeile meiner Meinung nach doch sehr gut. Im Jahr 2005 habe ich mir nach mehreren Jahren mit der Nikon D100 und diversen analogen Kameras eine D2x für damals sagenhafte 4.800 Euro gekauft. Diese Kamera hat mich ein lange Zeit begleitet und ich habe sie noch heute. Im Jahr 2007 kam dann eine deutlich preiswerte Nikon D300 dazu. Die Software der D300 ist im Vergleich zur D2x eine Generation weiter und das Display ist deutlich größer geworden. Aber die D2x ist auch heute noch eine gute Kamera. Wer im RAW-Modus bei ISO-100 fotografieren kann, der wird auch im Jahr 2012 mit einer D2x noch viel Spaß haben können.

Mit beiden Kameras war ich dreimal im Südwesten der USA und ungezählte Male auf den Kanaren, in Norwegen, der Schweiz und anderswo. Mit diesen Kameras habe ich die fotografisch gesehen vielleicht wichtigste Zeit meines Lebens verbracht und die Ergebnisse   sind auch heute noch mehr als ansehnlich. Ist ein Einsatz unter perfekten Bedingungen möglich, so spielt auch die D2x noch heute ihre Stärken aus. Der Detailreichtum der Bilder ist großartig und ein gut konvertiertes RAW-Bild ist von einem identischen Pendant aus der D300 praktisch nicht zu unterscheiden. Gut gebrauchte Modelle der D300 oder auch der D2x bekommt man heute bei den diversen Online-Plattformen für 700 Euro und weniger.

Wer die durch den kleinen Chip bedingte kompakte Baugröße der Objektive für diese Kameras zu schätzen weiß, kann im Jahr 2012 für wenig Geld sehr leistungsfähige überaus robuste Kameras erwerben für die es gute Weitwinkel und kompakte Teleobjektive gibt.

Vor einigen Tagen hat mich via Facebook der Martin angefunkt und mich gefragt ob ich ihm als Ersatz für seine Nikon D90 eher eine D300s oder eine D7000 empfehlen würde. Das will ich hier kurz beantworten…

Also: Wer eine große schwere robuste Kamera mit schneller Bildfolge sucht die via 9-fach Bracketing tolle HDR-Bilder ermöglicht, der ist bei D2x und D300 genau richtig. Wer zusätzlich filmen möchte, der könnte auch zur D300s greifen. Wer wenig HDR macht, eine etwas höhere Auflösung such und mit gleichzeitig leider leichtverringerter Dynamik leben kann und in 1080p mit 23,95 B/s filmen möchte, der sollte zur D7000 greifen.

Wenn ich losziehe und „nur“ fotografieren will und dabei das Gewicht der Kamera keine Rolle spielt, dann packe ich eine D2x oder eine D700 mit Batteriegriff ein. Die D700 falls ich wenig Licht erwarte, die D2x wenn das Licht gut ist und ich ggfs. den Drop-Faktor für Bilder mit einem 400er Teleobjektiv nutzen will. (Das dann fast wie ein 600er wirkt) Steht eine anstrengende Wanderung auf dem Programm, dann die D300 oder die D7000 ohne Batteriegriff. Klein, handlich kompakt…

Wenn ich hauptsächlich oder auch nur nebenbei filmen will, dann ist die D7000 mein Freund.

Sobald die D800E da ist, wird sich das alles verschieben und ich werde wahrscheinlich ausschließlich die D800 benutzen. Aber warten wir es mal ab…

Hier einige Beispiele zur Nikon D2x, D300 und D7000.

Beginnen wir mit einem Video das ich komplett mit der D7000 erstellt habe. Wer es schon kennt scrollt einfach weiter 🙂

Hier nun einige Bespiele aus der D300 und der D2x. (Alle Bilder sind 1000 Pixel breit oder hoch, einfach anklicken)

Nikon D300 - Upper Antelope Canyon

Nikon D300 - La Sal Sunrise

Nikon D2x - Storm over Canyonlands

Nikon D2x - Storm over Canyonlands II

Nikon D300 - Bryce Canyon Sunrise

Nikon D2x - Monument Valley Sunrise

Nikon D2x - La Sal Morning I

Nikon D2x - La Sal Morning II

Nikon D300 - Second Wave

Nikon D2x - Alstrom Point

Nikon D2x - Alstrom Point II

Nikon D300 - Hiking the Wave

Nikon D2x - Balanced Rock

Nikon D300 - False Kiva

Nikon D300 - Horse Shoe Bend

Nikon D2x - Arches NP - Window Section

Nikon D2x - Arches NP - Navajo Arch

Nikon D300 - Lonesome Wave Photographer

100.000 Kilometer mit der Nikon D300 – wie lautet das Fazit? In der Autowelt würde man jetzt Benzinverbrauch, Drehmoment, Beschleunigung, Verbrauch und Unterhaltskosten einander gegenüberstellen. All das fällt weder bei der D300 noch bei der D2x an. Die D2x ist mir im Jahr 2010 bei einem Sturz im Arches NP einen Abhang hinunter gekugelt. Das Gehäuse war an der Unterseite gebrochen und der Autofokus hat nicht mehr funktioniert. Ich hatte sie abgeschrieben, aber sie konnte für etwa 900 Euro repariert werden. Leider musste ich sie dreimal einschicken bis alles wieder korrekt funktioniert hat. Aber jetzt arbeitet alles wieder wie am ersten Tag!

Auch die D300 hat inzwischen viele tausend Auslösungen hinter sich, alles ohne Probleme. Während meine Fuji Finepix X100 gleich nach einigen Tagen eine Weile in die Werkstatt musste, haben alle Nikons vom ersten Tag an wunderbar funktioniert. Ich habe alle Firmware-Updates eingespielt, wirklich notwendig waren sie indes nicht.

Wer seine Bilder im Internet publiziert und Prints bis zu einem Format von 60x90cm in bester Qualität braucht, der ist sowohl mit der D2x, als auch der D300, D700 oder D7000 bis heute gut bedient.

Die Nikon D4 oder auch die D800 bzw. D800E werden vieles ändern, vor allem aber den Preis der älteren Modelle auf dem Gebrauchtmarkt. Wer ohne Pixelwahn leben kann und nicht unbedingt in HD filmen muss, für den ist sicher eine gebrauchte D300s mit einigen guten Objektiven in den kommenden Monaten eine gute Wahl. Viele Kunden der D800 werden ihre „alten“ Kameras preiswert verscherbeln um sich die neue Nikon D800 leisten zu können.

Hier findet derzeit so etwas wie eine „Wachablösung“ statt. Jeder der sich bislang keine dieser Kameras leisten konnte kann in den nächsten 6 Monaten kräftig in die Hände schlagen und versuchen eine dieser Kameras preiswert bei eBay & Co zu ergattern.

Meine D300 hat die ersten 100.000 Kilometer gut überstanden, ich denke sie schafft auch die 200.000 Kilometer 🙂

10 Jahre Nikon-Fotografie

Das Vorhaben alle meine CD’s in die Apple iCloud zu kopieren gestaltet sich zunehmend als schwierig. Hunderte von CD’s warten noch in Kisten und Kartons auf den Weg in die iCloud aber sie ist voll! Da heißt es jetzt „selektieren“ – auch wenn es weh tut – der Schrott muss weg – definitiv! Doch das gestaltet sich mehr und mehr als Abenteuer. iTunes produziert eine Fehlermeldung nach der anderen und mein „Hauptrechner“ ist unter Windows 7 seit zwei Wochen damit beschäftigt genau die Songs in die Cloud zu „pumpen“, die via iTunes-Match nicht erkannt wurden.

Es muss in großem Stil aufgeräumt werden! Zu blöd, das iTunes sogar auf dem Mac gern einfach mal abschmiert wenn man mehrere hundert Dubletten, ungeeignete Dateien und anderen Schrott aus seiner Mediathek und der iCloud löschen möchte. Aber in all dem Chaos gibt es auch kleine Lichtblicke! So ist mir doch heute eine winzig kleine MP3-Datei ins „Auge gesprungen“ die ich vor sage und schreibe 11 Jahren auf meinem Klavier im meinem Wohnzimmer mit 5 Mikrophonen, einem Mackie-Mischpult und einem DAT-Recorder aufgenommen habe.

Mit dem neuen AKG Kopfhörer klingt das gar nicht mal schlecht, eigentlich sogar gut genug um es nicht auf der 2001er Weihnachts-CD versauern zu lassen. Man könnte diese „meditative kleine Perle“ bei YouTube einstellen, dann kann sie jeder hören und mir sagen wie es ihm gefällt. Mit Final Cut Pro X ist schnell ein Titel gemacht und das Lied darunter gelegt, aber das Ergebnis ist super langweilig. Eigentlich wäre eine Diashow ganz nett? Ich gebe bei der Google-Bildersuche einfach mal Ansgar Hillebrand fotocommunity ein und finde auf einen Schlag viele viele Fotos die ich im Laufe der letzten Jahre in der fotocommunity abgelegt habe. Gleich neben meinen Safari-Webbrowser ist ein Fenster des „Finders“ geöffnet. Via Drag & Drop wandert so ein Bild nach dem anderen in einen Ordner auf der lokalen Festplatte.

Doch wie macht man aus den vielen Bildern ohne großen Aufwand eine ansprechende Diashow? Da kommt mir eine Idee – auf dem Mac gibt es doch iPhoto! Damit habe ich mich schon mehrfach beschäftigt und versucht ansehnliche Fotobücher zu erstellen. Diese habe ich letztlich alle wieder verworfen weil iPhoto bei vielen Fotos kein vernünftiges Fotobuch mehr hinbekommt – Sorry Annette – es waren die Bilder Deines 50. Geburtstages – ich schäme mich ja auch – aber iPhoto kriegt das einfach nicht so hin wie ich es mir gewünscht habe… 😦

Aber vielleicht klappt es ja mit einer Diashow? Und siehe da, das ist gar nicht schwer. Es gibt verschiedene nette Vorlagen, man kann die Musik selbst auswählen, alles ganz einfach. Doch dann dauert es doch etwas länger weil ich die Fotos sortieren möchte. Einen richtigen Leuchttisch hätte ich gern, aber iPhoto stellt einfach nur alle Bilder in einer langen Reihe nebeneinander dar. Man kann sie verschieben, doch wenn es viele Bilder sind, gerät das zur Geduldsprobe. Doch letztlich ist es dann fertig! Ich exportiere die Diashow in Full HD mit allerhöchster Auflösung, das dauert eine ganze Weile, aber es klappt! Doch das Ergebnis haut mich um! Keine 5 Minuten dauert das Video und es hat 2,27 GB – was für ein Wahnsinn dieses HD-Zeitalter doch ist… Also versuche ich mich mit anderen Einstellungen. Schließlich wähle ich „Exportieren für Monitor“. Damit entsteht nach etwa 20 Minuten eine 0,23 GB große Datei – das ist ok! Man sieht zwar deutliche Spuren der krassen Kompression, aber YouTube würde auch die gewaltige Video-Datei auf eine Qualität eindampfen die nur wenig besser wäre, wenn überhaupt… Also ab damit in Richtung YouTube.

Und hier ist sie nun, meine erste iPhoto-Diashow mit lauter selbst fotografierten Bildern (relativ wahllos ausgewählt) und einem kleinen selbst gespielten Präludium von Johann Sebastian Bach aus dem Jahr 2001 – Violà…

Vorfreude

Eigentlich kann ich es kaum noch erwarten, noch dreimal schlafen, einmal früh aufstehen und 11h Flug überstehen, dann ein paar hundert Kilometer mit dem SUV durch die Wüste und schon sind wir im Furnace Creek Inn – klingt doch alles ganz einfach – oder? Bei der elektronischen VISA-Anmeldung https://esta.cbp.dhs.gov/esta muss man angeben wo man die erste Nacht verbringen wird. Das sollte dann auch stimmen und es ist im Zweifel von Vorteil wenn man bei der Einreise eine Reservierung vorlegen kann. Ich hatte mir im Vorfeld ein Hotel mitten in einer natürlichen Oase ausgesucht. Das Furnace Creek Inn ist nun schon über einhundert Jahre alt. Die Oase selbst hat schon so manchen halb verdursteten Reiter auf seinem Weg in den Westen das Leben gerettet. Dass die Übernachtung dort nicht ganz preiswert sein würde hatte ich ja vermutet. Aber als ich nach erfolgreicher Beantragung unserer VISA dann das Zimmer für die erste Nacht buchen wollte, hat mich doch ein wenig der Schlag getroffen. Die etwas preiswerteren kleineren Zimmer waren schon alle belegt. Wir werden von Sonntag auf Montag für läppische 370$ in Furnace Creek übernachten – Autsch…

Ob ein Frühstück enthalten ist weiß ich nicht…

Na ja, ich werde berichten!

Hier habe ich noch ein Foto das jemand aus der Fotocommunity für die FC-Galerie vorgeschlagen hat. Es war von meiner Seite nicht für eine solche Abstimmung gedacht gewesen. Eigentlich habe ich es in die FC eingestellt um mal zu zeigen welch krasse Wetterphänomene es in der Wüste geben kann. Das Foto ist mit einem Fisheye-Objektiv fotografiert. Nur so bekommt man den krassen Himmel auf den Chip gebannt. Leider verzerren diese Objektive die „Wirklichkeit“ sehr stark. Wer sich mal mit „Optik“ beschäftigt versteht auch sehr schnell, dass das gar nicht anders geht – Fotografie ist eben zu 50% Physik. Im Rahmen der FC-Abstimmung hat dann jemand das hier geschrieben:

Bielefelder Bilder-Freak, gestern um 18:50 Uhr
imA ein misslungener Bildaufbau. Unten zu wenig, oben zuviel.

Was ist am Bildaufbau misslungen? Schaut und überlegt mal selbst…

Ok, der „Fotoexperte“ hatte es ja schon auf den Punkt gebracht – Oben zu viel – unten zu wenig – ein Problem mit dem auch mancher Autobahnraser männlichen Geschlechts zu kämpfen hat… (Siehe vorheriger Post…)

In den meisten Abhandlungen zum Thema Bildaufbau & Co. wird die „Drittelregel“ erklärt. Das obige Bild folgt dieser Regel in keinster Weise – aus technischen Gründen – damit der Horizont nicht krumm wie eine Gurke wird…

Das Resultat ist ganz nett, aber doch irgendwie unbefriedigend. Warum? Ich denke, dem Bild fehlt einfach die Spannung, ist der Horizont in der Bildmitte ist es einfach total langweilig. Da kann der Himmel krass sein wie er will, die Erde kann von Außerirdischen umgepflügt sein, egal, es ist und bleibt langweilig!

Also habe ich das Bild noch einmal kurz in Photoshop geöffnet und es einfach ein wenig in die Länge gezogen. Man wählt Strg+A Strg+T und zieht einfach mit der Maus an der unteren Kante des Bildes – fertig! Danach habe ich noch kurz in den LAB-Modus gewechselt und die Kontraste verstärkt. Macht man das im LAB-Modus, so werden die Farben weniger unnatürlich verändert. Das Bild ist danach einfach etwas kräftiger. Die Korrekturen waren marginal, aber mir macht das untere Bild jetzt richtig Spaß.

Auch wenn man es eigentlich nicht will, aber solch ein Sturm hat auch seinen Charme!

Sodele, jetzt noch dreimal schlafen…

Noch 19 Arbeitstage

Noch einen Monat arbeiten, noch eine Produktivstellung überleben und noch einen ganzen Sack voll kleiner Softwarefehler finden und korrigieren. Zwischendurch noch zweimal nach Hause fahren und Wäsche waschen, dann heißt es wieder „Jetzt bloss nichts vergessen!!“

Geplant sind Las Vegas, Death Valley, Los Angeles, Santa Monica, Highway No. 1, San Francisco, Yosemite, Mono Lake, Bodie und dann wieder las Vegas. Mal sehen was zwischendurch alles passiert. In Las Vegas muss ich Sandra dann allein in den Flieger setzen, sie muss nach drei Wochen zurück. Die zwei Wochen danach kann ich dann die USA auf eigene Faust erkunden. Die Spannung ist schon ein wenig da, aber auch die Ratlosigkeit wohin es denn genau gehen soll.

Abends lese ich in diversen Reiseführern und danach schaue ich mir noch bei Google-Earth die vielen Panoramio Fotos an. Das ist gar keine schlechte Sache, so findet man schnell heraus welche coolen Locations es so gibt.

Sehr hilfreich ist auch der Google-Streetview. So kann man schon mal schauen wie man auf die Golden Gate Bridge auffährt, wo die Bezahl-Häuschen sind und so weiter. Wirklich überaus praktisch! Während ich mit Google-Streetview vorab die USA erkunde muss ich immer wieder an das ganze Hin und Her in Deutschland denken. Mir kommt in den Sinn, dass mein Zuhause nur eine milchig farbige Fläche ist weil ich komische Nachbarn habe die um ihre Privatsphäre bangen. Aber was soll das denn, nichts ist öffentlicher als die Fassade eines Hauses. Will man ein Haus oder eine Wohnung vermieten, so steigert Google-Streetview sogar den Wert der Immobilie! Aber egal, die Nachbarn sind eben wie sie sind und ich kann und will sie ja auch nicht ändern…

Heute ist der erste Februar 2011. Am 27. Februar fliegen wir nach Las Vegas und ich kann es kaum noch abwarten.

Gestern habe ich noch ein wenig in den Bildern des letzten Trips gewühlt und mir ist eine Belichtungsreihe aus der False Kiva im Canyonlands Nationalpark in die „Hände“ gefallen.

Ein Blick aus der False Kiva in den Canyonlands National Park

Dieses Bild hier ist ein HDR das ich aus 7 einzelnen Bildern zusammen gestellt habe, die jeweils mit einem Unterschied von einer Blende belichtet waren. Dies bei konstanter Blende und variabler Zeit – also mit ZEITAUTOMATIK

Das mag alles sehr verwirrend klingen, ist es aber gar nicht.

Wer mag, kann ja mal hier nachlesen wie das geht.

Rudelknipsen am Mesa Arch – Oder: Everybody is trying to get the perfect shot

Heute fiel das frühe Aufstehen nicht leichter als gestern. Um 6h15 war dann aber alles gepackt. Koffer, Fressalien, Knipsereien – alles im Auto! Und los geht’s. Dunkel ist es, nach ein paar Kilometern überhole ich einen Fahrradfahrer! Etwa auf Höhe des Eingangs zum Arches Nationalpark ist er bei 36° Fahrenheit mit Kopflampe auf dem Rennrad unterwegs. Es gibt nicht nur dicke und faule Amerikaner! 36° Fahrenheit sind etwa 2° Celsius – unausgeschlafen fühlt sich das bei Wind dann an wie -10°C – bibber. Den Weg zum Canyonlands National Park kenne ich inzwischen. Später werde ich überrascht feststellen, dass es einen zweiten Eingang gibt und der ist fast 80 Kilometer entfernt! Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen! Dieser Park hat ZWEI Eingänge im Abstand von 80 Kilometern! Es gibt Leute die sich das in vier Stunden anschauen und dann denken sie hätten alles gesehen! Ich habe in den beiden Tagen nur ein wenig an der Oberfläche gekratzt. Diesen Park richtig zu erkunden würde sicher viele Wochen dauern. Aber man kann dort echt coole Off Road Touren machen! Die Adventure Company in Moab bietet Touren mit einem umgebauten echten Hummer an. Das Ding sieht aus wie eine Touristenfalle – da wo eigentlich die Ladefläche ist sind zwei Sitzreihen zu je 4 Personen montiert und davor dann noch die Kuschelecke für die beiden frisch Verliebten. Ob das Spaß macht weiß ich nicht – aber die Jungs die das veranstalten kennen sich sicher gut aus und um mal einen Überblick zu bekommen ist es vielleicht nicht schlecht. Danach kann man sich dann ein ATV (All-Terrain-Vehicle) mieten und selbst auf Entdeckungsreise gehen. Damit dabei nichts anbrennt sollte man sich ein Handy organisieren das auch im “Outback” funktioniert und ggf. zusätzlich eines der preiswerten Walkie-Talkies vom Walmart.

Jo, ich bin also rechtzeitig 10 Minuten vor Sonnenaufgang mit vollem Rucksack und großem Stativ am Mesa Arch. Wer ist vor mir da – eine ganze Horde fotosüchtiger Profis und Amateure – ich bin der letzte und werde ein wenig verspottet. Nix Early Bird und so – “You’re late!” grinsen sie mich an! Ich zeige stolz min GPS und präsentiere dessen Voraussage für den Sonnenaufgang an diesem Geopunkt zu diesem Tage – es kehrt andächtige Ruhe ein… Und, es stimmt perfekt! Auf die Minute genau erhebt sich die Sonne hinter den La Sal Mountains! Das Gerangel um die besten Plätze ist längst entschieden – ich habe verloren! Also versuche ich mir etwas längerer Brennweite zwischen den Rücken der Early Birds hindurch einen Blick auf den Mesa Arch zu erheischen. Rechts von mir steht ein bulliger Typ mit dicker Winterjacke, sein linker Ellenbogen ragt immer wieder ins Bild. Links ein etwas älteres sehr nettes Paar ganz aus der Nähe. Er links außen, sie direkt vor meinem linken Fuß. Beide haben eine Nikon D200 und ein original Nikon 12-24mm Weitwinkel. Die Stative sind die gleichen, die Kabelauslöser auch. Lustig ist. dass sie immer wieder überhaupt nicht klar kommt und ihr Mann total angenervt reagiert. Es klingt so als würde er denken “Warum hast Du das nicht daheim mal geübt und warum hinderst Du mich jetzt daran das Foto zu machen mit dem ich berühmt hätte werden können!” Die Situationen ähneln sich. Ich sitze oft daheim mit meinen Kameras auf dem Sofa und spiele solange damit herum, bis ich alles im Schlaf bedienen kann. Wenn es dann drauf ankommt muss schließlich jeder Handgriff sitzen.

Die meisten Frauen bringen für derart männliche Beschäftigungstherapie in der Regel wenig Verständnis auf. Mann und Frau sind da echt total verschieden. Während ER beim Spielen mit dem Equipment vom ultimativen Foto träumt sieht SIE den Staub in den Ecken und ärgert sich, dass die Mülltonne wieder überquillt. Beides ist sicher legitim – aber eben doch grundverschieden!

So gibt es links neben mir jedenfalls fast einen Ehekrach während der Typ rechts neben mir mit rechteckigen Grauverlaufsfiltern experimentiert. Als sie ihm das zweite mal in den Sand fallen weil die Handschuhe so dick sind ist er auch leicht gereizt. Ich knipse derweil was das Zeugs hält. Jede Einstellung wird 18 Mal abgelichtet. Jeweils zwei 9-fache Belichtungsreihen von ganz dunkel bis ganz hell. Beim zweiten Mal halte ich einen Finger so vor das Objektiv, dass er die Sonne verdeckt. Ist die Sonne bspw. oben rechts im Bild würden sich sonst in der unteren linken Bildecke starke farbige Reflektionen an den Linsenoberflächen bemerkbar machen. So kann ich später mit Photoshop aus jeweils zwei Bildern eines machen – ein Bild dass das Beste aus beiden Welten enthält. Hat man das dann noch in unterschiedlichen Belichtungsstufen, kann man sich mit Photoshop ein Bild zusammen montieren in dem die Sonne ein weißer Punt statt eines riesigen weißen Kleckses ist und in dem es statt großer schwarzer Flächen wenn auch dunkle, so doch sichtbare Details gibt. Der Typ rechts neben mir ist total irritiert, dass ich immer so viele Bilder mache und dann noch einen Finger vor die Kamera halte. Das kann er überhaupt nicht verstehen. Nachdem er sich eine Weile gewundert hat fragt er schließlich was dieser Blödsinn soll. Ich zeige ihm einfach die 18 unterschiedlichen letzten Bilder und er versteht es sofort! “Ah, that’s a pretty cool trick!” Danach versucht er es auch – die Grauverlaufsfilter liegen kurz drauf wieder im Sand. Sein Finger ist zu dick – er hält ihn auch direkt an die Frontlinse. Es gibt eine kleine Einweisung – eine Minute später hat er es drauf und ist glücklich wieder was gelernt zu haben.

Rechts neben ihm sind derweil zwei total professionell aussehenden Asiaten zugange. Sie benutzen Großformatkameras. Nach jedem “Schuß” wird ein neues Stück Planfilm samt Aluminiumcassette in die Kamera geschoben. Die Fotorucksäcke der beiden sehen aus wie Kindersärge. Die beiden kommen mir bekannt vor, später erkennen wir, dass wir uns gestern am Delicate Arch schon mal gesehen haben.

Mit der Bewegung der Sonne kommt auch Bewegung in das Rudel der Sonnenanbeter. Stativ hin, her, hoch, runter, vor, zurück, mal stolpert einer über mein Stativ, mal über ein anderes. Es ist ganz witzig. Alle sind über 40 und benehmen sich wie die kleinen Kinder vor dem Weihnachtsbaum. Das muss was mit Glück zu tun haben!

Und hier sind die drei auf die schnelle groß zusammen geklickte Bilder vom morgendlichen Rudelknipsen. Sie sind fern ab von dem was ich mir wünschen würde – aber als erstes Ergebnis doch ganz ansprechend. Daraus kann man noch was zaubern! Wie fragte doch einer der beiden Koreaner – “Are you a Photoshopper?” – Ja, ich bin ein Photoshopper – auch wenn es nicht unbedingt dieses Programm zu Bildbearbeitung sein muss – Photoshopper ist eher ein Sammelbegriff für 95% der Leute die beispielsweise in der Fotocommunity ihre Bilder zeigen. Da ist fast alles geschummelt. Aber was soll’s, wenn es gut geschummelt ist, dann ist auch doch legitim.

Hier nun die Wanderung der Sonne zwischen 7h25 und 8h15…

Als das Schauspiel vorbei ist, sind nur noch die beiden Asiaten und ich übrig. Sie kommen aus Südkorea. Einer heißt Benedict Yang und spricht so gut englisch, dass wir uns fast fließend über Fotografie unterhalten können. Diese Vokabeln habe ich drauf, aber im Subway einen Sub des Tages zu ordern, das macht mich hier immer wieder total fertig! Statt dass sie mir einfach ein Stück  Brot belegen gibt es tausend Gegenfragen, welches Brot, welcher Käse, welche Sauce, welcher Salat, warm machen, mitnehmen… Das ist die Hölle! Mit einem Südkoreaner über Fotoequipment zu fachsimpeln ist da viel einfacher. Irgendwann ist raus, dass ich aus Deutschland komme. Ahh, Deutschland – er hat ein Berlebach Holzstativ – das kommt aus Deutschland! Ok, ich habe eine Carbonstativ aus China! Er hat ein Objektiv schon Scheider Kreuznach – das kommt auch aus Deutschland. Ok, meine Nikon kommt (vielleicht) aus Japan. So geht das weiter, schließlich holt er noch seine kleine Leica aus der Hosentasche – auch aus Deutschland. Wobei ich mir sicher bin, dass diese Leica nicht in Deutschland hergestellt wurde – aber das werde ich noch herausfinden 🙂

Schließlich machen wir noch ein paar Gruppenfotos und er gibt mir seine Karte. www.betterpicture.net – dort gibt es seine Bilder – schön sind sie!!

Wieder am Parkplatz sind unsere Autos die beiden letzten. Kurz noch ein Abschiedsfoto mit meiner F5 die gerade auf der Rücksitzbank liegt und da sind sie auch schon weg. Sie haben sich einen echt riesigen schwarzen Allradwagen gemietet. Der Kofferraum ist brechend voll mit Alukisten, Stativen und sonstigem Zubehör – die Jungs geben alles! Das sind die echten Enthusiasten!

Ich mache mich auf in Richtung Süden. Vor mir liegen 7 Stunden einsamer Highway, Tempomat und Country Musik! Ein Lied spielen sie derzeit immer wieder. Es ist ganz witzig – im Refrain singt eine kernige Männercombo “Save a horse – ride a cowboy!” Was damit wohl gemeint ist? Und das im prüden UTAH! Die Zeiten ändern sich…

Zwischendurch halte ich immer mal wieder an weil es rechts des Weges einen schönen See gibt, der im Hintergrund von einem verschneiten Gebirge eingerahmt wird. Toll ist es hier! Einen Abstecher beim berühmten “Mexican Hat” gibt es auch noch.

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In Page angekommen steuere ich direkt das Rodeway Inn an – warum experimentieren wenn es dort ok ist? Das Zimmer kostet inkl. aller Steuern 45 Dollar pro Tag. Ich buche erst einmal zwei Nächte. Als alles ins Zimmer geschleppt ist gehe ich mal rüber zum Touristenbüro und frage nach einer Bootsfahrt zum Rainbow Arch, dem Heiligtum der Navajo Indianer. Die Touren gibt es nur Freitag, Samstag und Sonntag. Was tun? Ich entschließe mich nach kurzer Denkpause die verfügbare große Tour am Freitag zu buchen. 7,5 Stunden auf dem Lake Powell in einem richtigen Schiff. Dazu ein Dinner, hoffentlich schönes Licht und zwischendurch ein kurzer Fußmarsch zu einem der schönsten Natursteinbögen die Amerika zu bieten hat! Der Spaß kostet knapp 150 Dollar, ich kann am Freitag mit Kreditkarte zahlen. Um 8h30 ist das Treffen im Hotel an der Wahweap Marina. Da gibt es eine kurze Einweisung, da wird die Kohle eingestrichen und um 9h soll es dann losgehen. Prima!Zurück im Motel verlängere ich dann nochmal um zwei Tage! Ich bin also bis Samstag morgen in Page! Ich werde am Samstag versuchen so früh wie möglich loszukommen um am östlichen Eingang des Zion National Parks die Wanderung zu unternehmen die Wolfgang mir kurz vor seiner Abreise so wärmstens empfohlen hat. Danach geht es noch kurz ins Steakhouse unten an der Straße. Es ist 17h – ich bin der einzige Gast und alle sind total nett. Als ich erzähle, dass ich 7 Stunden lang extra aus Moab hergefahren bin um hier ein Steak zu essen bin ich die Sensation des Tages. Als ich dann noch erzähle wie sehr ich mich auf ein kaltes Bier freue gibt es Gelächter – die Leute in Arizona lachen sich gern mal schlapp darüber, dass es auf der anderen Seite der Grenze – und die ist ja nur ein paar Autominuten entfernt – Steakhäuser ohne Bier gibt! Mir kam das fast vor wie Schalke und Dortmund – oder Bayern und Ostfriesland…Heute ist Dienstag – Mittwoch & Donnerstag kann ich also hier in Page noch verplanen. Vielleicht ein Flug mit einer Cessna am Donnerstag? Mal sehen!Beim Kopieren der Bilder fällt dann auf, dass die neue 500 GB Urlaubsfestplatte fast voll ist! Ich bin wahnsinnig! Allein heute sind fast 20 GB Bildmaterial angefallen. Ich habe schon seit Tagen keine Zeit mehr das alles abends in Ruhe anzuschauen. Ich bin froh wenn es auf der Platte ist und ich die Karte in der Kamera neu formatieren kann. Sicher könnte man 95% löschen, weil verwackelt, falsch belichtet oder schlicht und ergreifend gähnend langweilig. Aber dazu ist keine Zeit. Also gleich mal rüber zum Walmart – neulich gab es da 320er Festplatten für knapp 90 Dollar.Das ist nicht weltbewegend – ich hatte mir da mehr erwartet – aber es ist ok. Überhaupt ist die Versorgung mit Elektronikartikeln in den Orten die ich bislang gesehen habe mager. Um für Wolfgang ein neues GPS zu kaufen mussten wir 500 Kilometer weit fahren! Zwischendurch habe ich mal überlegt, ob ich den schweren Fotokrams nicht durch die Anschaffung des in der Fotocommunity als “Deppenzoom” verschrienen 18-200mm VR erleichtern soll. Aber es gibt das Ding hier nirgends! Entweder ordert man es via Internet und hat einen festen Wohnsitz, oder man fährt nach Las Vegas. Viele Alternativen gibt es nicht!So – nun fahre ich mal zum Walmart…Hier noch schnell der Link zur täglichen Diashow.

Update um 23h46

Habe bei Walmart für umgerechnet 80 Euro eine 320er Platte gekauft – damit komme ich dann die nächsten Tage über die Runden…Ein erstes HDR habe ich auch schon zusammen gefrickelt und in der Fotocmmunity ausgestellt. Wer es mal sehen möchte klickt einfach hier.

Update um 9h38:

Bin eben aufgewacht – ganz ohne Wecker! Die Nacht war wieder kalt und zittrig. Ich hätte die Decke vom zweiten Bett gebraucht aber da liegen alle Fotosachen drauf. Das wegzuräumen wäre nachts zu aufwändig gewesen 🙂 Lieber frieren…Dann habe ich eben gesehen, dass TilmanF meinen Sonnenaufgang am Mesa Arch in der Fotocommunity für die Galerie vorgeschlagen hat. Nun können sich die Experten wieder streiten ob es ein gutes oder schlechtes Foto ist 🙂 Ich bin gespannt wie es ausgeht.An dieser Stelle noch ein Dankeschön an Tilman!!