Teneriffa 2012 – Tag 12

Fotosession in der Geisterstadt

Nikon D800E - Abades - Teneriffa - Tenerife

Es ist noch gar nicht lange her als ich bei www.fotocommunity.de einige Fotos einer Geisterstadt auf Teneriffa gefunden habe. Die Location schien wirklich cool zu sein und ich trage nun schon seit vielen Monaten den Wunsch mit mir herum, diese Geisterstadt mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Aber was hat es mit dieser Geisterstadt auf sich?

Nikon D800E - Abades - Teneriffa - Tenerife

Als ich in den 60er Jahren das Licht der Welt erblickte wusste ich noch nicht wie froh ich sein durfte, dass meine Mutter während sie mit mir schwanger war keine Medikamente eingenommen hat. Bei tausenden anderer Menschen in meinem Alter sah das anders aus. Da gab es ein Medikament der Grünenthal GmbH, das besonders gut verträglich sein sollte und rezeptfrei in den Apotheken erhältlich war. Viele schwangere Frauen nahmen es gegen die morgendliche Übelkeit sowie Unruhe und Schlafstörungen ein und brachten einige Monate später schwer missgebildete Kinder zur Welt. Menschen bei denen mitunter die Hände ohne Arme direkt oben an den Schultern angewachsen waren. Viele leben bis heute mit diesen schweren Behinderungen und haben bedingt durch ihre Behinderung andere Krankheiten bekommen. Oft sind es schwere Rückenbeschwerden. Das Medikament hieß „Contergan“ und der Rechtsstreit der aus diesem ersten großen Medikamentenskandal der Menschheitsgeschichte hervorging, zog sich über viele Jahrzehnte hin.

Nikon D800E - Abades - Teneriffa - Tenerife

Eine Weile nach dem Skandal gab es den Arzt Dr. Jacob Sheskin der sich in Jerusalem um Menschen gekümmert hat die an der Lepra erkrankt waren. Heute kennen wir dieses Krankheit nicht mehr, aber als sie noch auf dieser Erde gewütet hat wurden die Menschen die an Lepra erkrankt waren isoliert. Eine anderen Chance hatte man nicht. Dort wo sie nicht auf eine einsame Insel verbannt werden konnten wurden Lager erreichtet in denen die Kranken bis zu ihrem Tode isoliert wurden. Eine Chance auf Heilung gab es nicht. Dann kam der Tag an dem eben jener Dr. Shesekin einer an Lepra erkrankten Frau aus Restbeständen Contergan verabreichte damit sie besser schlafen konnte. Einige Zeit später musste dieser Arzt dann feststellen, dass sich die Lepra-Symptome seiner Patientin zurück gebildet hatten. Ein neues hochwirksames Mittel gegen Lepra war gefunden und es begann die Renaissance des Contergan Wirkstoffes Thalidomid. In Europa hatte es schwer gewütet und war die Ursache für tausende fehlgebildeter Babies. In Jerusalem, Indien und vielen anderen Ländern half es nun die Lepra zu bekämpfen. Wirklich ausgerottet ist die Lepra indes noch nicht. Man kann sie heute mit einem Aufwand von etwa 20 Euro heilen. Aber selbst diese 20 Euro haben viele der erkrankten Menschen nicht und sterben an einer Krankheit, die unsere Kinder wahrscheinlich nicht einmal mehr vom Hören und Sagen kennen.

Nikon D800E - Abades - Teneriffa - Tenerife

Die Entdeckung von Dr. Sheskin leitete den Untergang der Lepra-Station im Süden Teneriffas ein. Nachdem die letzten Kranken verstorben oder geheilt waren wurde die Station geschlossen und dem Verfall preisgegeben.

Nikon D800E - Abades - Teneriffa - Tenerife

Als dann in den 70er Jahren eine Welle von Flugzeugentführungen und Geiselnahmen die Welt in Atem hielt, übten die auf Teneriffa stationierten Soldaten auf dem Gelände der verlassenen Lepra-Station für den Ernstfall. Sie übten die Befreiung von Geiseln mit Waffengewalt.

Nikon D800E - Abades - Teneriffa - Tenerife

Diese Geisterstadt kann also auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken. Am Vorabend habe ich mit meiner Freundin Sandra abgesprochen, dass ich heute dorthin fahren will. Sie ist nicht böse, denn so kann sie sich wieder einmal einen Tag in Puerto de la Cruz vergnügen. Mittlerweile scheint ihre diese recht ursprüngliche Stadt sehr gut zu gefallen. Besonders der alte Stadtkern und die Promenade haben es ihr angetan.

Da ich das Morgenlicht in der Geisterstadt ohnehin nicht mehr schaffe, lassen wir es beim Frühstück langsam angehen. Als ich endlich losfahre ist es schon 11h. Die Sonne scheint, dass es eine wahre Freude ist. Das Thermometer in meinem gemieteten Opel Astra zeigt satte 27°C, so kann man es am 20. Dezember aushalten! Als ich nach etwa 60 Minuten Fahrzeit an der Geisterstadt die Autobahn verlasse, zeigt das Thermometer sogar 29°C. Am Eingang zur Geisterstadt staune ich nicht schlecht als ich einen Ford Fiesta antreffe aus dem gerade fünf Junge Männer in Tarnanzügen mit Waffen und Helmen aussteigen. Sie haben GoPro Kameras an den Helmen und ihre Gewehre sehen aus wie die Waffen die man bei der neuen „Modesportart“ Paintball benutzt. Sie haben gute Laune, grüßen mich und machen sich dann auf zu ihrem großen „Abenteuerspielplatz“…

D800E_5765_BW_1000px

Ich packe unterdessen meine Sachen zusammen und los geht der Spaß. Die Gebäude der alten Station sind von den Übungen der Soldaten schwer gezeichnet. Überall sind Einschuss- und vielfach sogar Durchschuss-Löcher in den Wänden zu sehen. Die Gebäude sind zu weiten Teilen betoniert und gemauert, daher trotzen sie seit vielen Jahren den Winden die unmittelbar am Meer oftmals nicht zu verachten sind.

Nikon D800E - Abades - Teneriffa - Tenerife

Von der Station kann ich ins Gebirge schauen und der Pico del Teide thront majestätisch über des Szenerie. Ich mache einige Fotos mit Polfilter und versuche mich auch mal mit dem Nikon AF-D 80-400mm Telezoom in Verbindung mit dem Infrarotfilter (HAMA IR20). Aber in der Infrarotfotografie liegt der korrekte Fokuspunkt etwas anders. Früher hatten alle Objektive einen roten Punkt. Man hatte zuerst manuell fokussiert, dann auf das Objektiv geschaut und dann den eingestellten Wert bis zu eben diesem „roten Punkt“ weitergedreht. Das war einfach und leicht zu verstehen. Heute ist das alles anders. Heute verwenden viele Fotografen moderne Objektive mit eingebauten Ultraschall-Motoren die das Autofokussystem steuern. Einen richtigen „Endanschlag“ für „Unendlich“ gibt es nicht mehr und den roten Punkt für alle die gern mit Infrarot-Filtern fotografieren wollen, den gibt es eben auch nicht mehr. Man muss also bei den digitalen Spiegelreflexkameras den korrekten Fokuspunkt ein wenig abschätzen oder Testbilder machen bis man ihn gefunden hat. Bei Objektiven mit extrem kurzer Brennweite ist das fast egal, sobald man sie um zwei Stufen abblenden kann ist auch mit einem Infrarot-Filter alles scharf. Bei einem 400mm Teleobjektiv ist das aber etwas anderes. Hier zählt wirklich jeder Millimeter bei der Fokussierung.

Nikon D800E - Abades - Teneriffa - Tenerife

Und da die Sonne scheint wie verrückt kann ich auf dem Display meiner Nikon D800E fast nichts erkennen. An die Überprüfung ob meine Bilder korrekt scharf sind ist gar nicht zu denken. Später werde ich dann auch feststellen, dass fast alles was ich mit dem Teleobjektiv und aufgeschraubtem Infrarot-Filter fotografiert habe nicht brauchbar ist, schade!

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Während der Tag voranschreitet genieße ich die Sonne und erforsche die vielen alten Gebäude. Überall liegt Schutt und Dreck herum. Fast keine Wand ist ohne Graffitis und in einigen Gebäuden liegen alte Matratzen und es stehen halb volle Wasserflaschen herum. Es sieht so aus als hätten die einige Obdachlose kampiert.

Fotosession in der Geisterstadt    Es ist noch gar nicht lange her als ich bei www.fotocommunity.de einige Fotos einer Geisterstadt auf Teneriffa gefunden habe. Die Location schien wirklich cool zu sein und ich trage nun schon seit vielen Monaten den Wunsch mit mir herum, diese Geisterstadt mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Aber was hat es mit dieser Geisterstadt auf sich?    Als ich in den 60er Jahren das Licht der Welt erblickte wusste ich noch nicht wie froh ich sein durfte, dass meine Mutter während sie mit mir schwanger war keine Medikamente eingenommen hat. Bei tausenden anderer Menschen in meinem Alter sah das anders aus. Da gab es ein Medikament der Grünenthal GmbH, das besonders gut verträglich sein sollte und rezeptfrei in den Apotheken erhältlich war. Viele schwangere Frauen nahmen es gegen die morgendliche Übelkeit sowie Unruhe und Schlafstörungen ein und brachten einige Monate später schwer missgebildete Kinder zur Welt. Menschen bei denen die Hände ohne Arme direkt oben an den Schultern angewachsen waren. Viele leben bis heute mit diesen schweren Behinderungen und haben bedingt durch ihre Behinderung andere Krankheiten bekommen. Oft sind es schwere Rückenbeschwerden. Das Medikament hiess „Contergan“ und der Rechtsstreit der aus diesem ersten großen Medikamentenskandal der Menschheitsgeschichte hervorging, zog sich über viele Jahrzehnte hin.    Eine Weile nach dem Skandal gab es den Arzt Dr. Jacob Sheskin der sich in Jerusalem um Menschen gekümmert hat die an der Lepra erkrankt waren. Heute kennen wir dieses Krankheit nicht mehr, aber als sie noch auf dieser Erde gewütet hat wurden die Menschen die an Lepra erkrankt waren isoliert. Eine anderen Chance hatte man nicht. Dort wo sie nicht auf eine einsame Insel verbannt werden konnten wurden Lager erreichtet in denen die Kranken bis zu ihrem Tode isoliert wurden. Eine Chance auf Heilung gab es nicht. Dann kam der Tag an dem eben jener Dr. Shesekin einer an Lepra erkrankten Frau aus Restbeständen Contergan verabreichte damit sie besser schlafen konnte. Einige Zeit später musste dieser Arzt dann feststellen, dass sich die Lepra-Symptome seiner Patientin zurück gebildet hatten. Ein neues hochwirksames Mittel gegen Lepra war gefunden und es begann die Renaissance des Contergan Wirkstoffes Thalidomid. In Europa hatte es schwer gewütet und war die Ursache für tausende fehlgebildeter Babies. In Jerusalem, Indien und vielen anderen Ländern half es nun die Lepra zu bekämpfen. Wirklich ausgerottet ist die Lepra indes noch nicht. Man kann sie heute mit einem Aufwand von etwa 20 Euro heilen. Aber selbst diese 20 Euro haben viele der erkrankten Menschen nicht und sterben an einer Krankheit die unsere Kinder wahrscheinlich nicht einmal mehr vom Hören und Sagen kennen.    Die Entdeckung von Dr. Sheskin leitete den Untergang der Lepra-Station im Süden Teneriffas ein. Nachdem die letzten Kranken verstorben oder geheilt waren wurde die Station geschlossen und dem Verfall preisgegeben.    Als dann in den 70er Jahren eine Welle von Flugzeugentführungen und Geiselnahmen die Welt in Atem hielt, übten die auf Teneriffa stationierten Soldaten auf dem Gelände der verlassenen Lepra-Station für den Ernstfall. Sie übten die Befreiung von Geiseln mit Waffengewalt.    Diese Geisterstadt kann also auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken. Am Vorabend habe ich mit Sandra abgesprochen, dass ich heute dorthin fahren will. Sie ist nicht böse, denn so kann sie sich wieder einmal einen Tag in Puerto de la Cruz vergnügen. Mittlerweile scheint ihre diese recht ursprüngliche Stadt sehr gut zu gefallen. Besonders der alte Stadtkern und die Promenade haben es ihr angetan.  Da ich das Morgenlicht in der Geisterstadt ohnehin nicht mehr schaffe, lassen wir es beim Frühstück langsam angehen. Als ich endlich losfahre ist es schon 11h. Die Sonne scheint, dass es eine wahre Freude ist. Das Thermometer in meinem gemieteten Opel Astra zeigt satte 27°C, so kann man es am 20. Dezember aushalten! Als ich nach etwa 60 Minuten Fahrzeit an der Geisterstadt die Autobahn verlasse, zeigt das Thermometer sogar 29°C. Am Eingang zur Geisterstadt staune ich nicht schlecht als ich einen Ford Fiesta antreffe aus dem gerade 5 Junge Männer in Tarnanzügen mit Waffen und Helmen aussteigen. Sie haben GoPro Kameras an den Helmen und ihre Gewehre sehen aus wie die Waffen die man bei der neuen „Modesportart“ Paintball benutzt. Sie haben gute Laune grüßen mich und machen sich dann auf zu ihrem großen „Abenteuerspielplatz“...    Ich packe unterdessen meine Sachen zusammen und los geht der Spaß. Die Gebäude der alten Station sind von den Übungen der Soldaten schwer gezeichnet. Überall sind Einschuss- und vielfach sogar Durchschuss-Löcher in den Wänden zu sehen. Die Gebäude sind zu weiten Teilen betoniert und gemauert, daher trotzen sie seit vielen Jahren den Winden die unmittelbar am Meer oftmals nicht zu verachten sind.    Von der Station kann ich ins Gebirge schauen und der Pico del Teide thront majestätisch über des Szenerie. Ich mache einige Fotos mit Polfilter und versuche mich auch mal mit dem Nikon AF-D 80-400mm Telezoom in Verbindung mit dem Infrarotfilter (HAMA IR20). Aber in der Infrarotfotografie liegt der korrekte Fokuspunkt etwas anders. Früher hatten alle Objektive einen roten Punkt. Man hatte zuerst manuell fokussiert, dann auf das Objektiv geschaut und dann den eingestellten Wert bis zu eben diesem „roten Punkt“ weitergedreht. Das war einfach und leicht zu verstehen. Heute ist das alles anders. Heute verwenden viele Fotografen moderne Objektive mit eingebauten Ultraschall-Motoren die das Autofokussystem steuern. Einen richtigen „Endanschlag“ für „Unendlich“ gibt es nicht mehr und den roten Punkt für alle die gern mit Infrarot-Filtern fotografieren wollen, den gibt es eben auch nicht mehr. Man muss also bei den digitalen Spiegelreflexkameras den korrekten Fokuspunkt einwenig abschätzen oder Testbilder machen bis man ihn gefunden hat. Bei Objektiven mit extrem kurzer Brennweite ist das fast egal, sobald man sie um zwei Stufen abblenden kann ist auch mit einem Infrarot-Filter alles scharf. Bei einem 400mm Teleobjektiv ist das aber etwas anderes. Hier zählt wirklich jeder Millimeter bei der Fokussierung.    Und da die Sonne scheint wie verrückt kann ich auf dem Display der D800E fast nichts erkennen. An die Überprüfung ob meine Bilder korrekt scharf sind ist gar nicht zu denken. Später werde ich dann auch feststellen, dass fast alles was ich mit dem Teleobjektiv und aufgeschraubtem Infrarot-Filter fotografiert habe nicht brauchbar ist, schade!    Während der Tag voranschreitet genieße ich die Sonne und erforsche die vielen alten Gebäude. Überall liegt Schutt und Dreck herum. Fast keine Wand ist ohne Graffitis und in einigen Gebäuden liegen alte Matratzen und es stehen halb volle Wasserflaschen herum. Es sieht so aus als hätten die einige Obdachlose kampiert.    Mein Freund Wolfgang hat mir vom schönen Strand bei der Geisterstadt berichtet. Als ich dort eintreffe liegt dort ein nackter Mann in der Sonne. Als er das Klicken meiner Kamera hört schnappt er sich ein Handtuch, zieht sich an und verlässt etwas verschämt die Szenerie.  Vom Strand geht es hinauf zur Kirche. Dieses Gebäude kenne ich aus der Fotocommunity. Die Fassade ist komplett aus Beton gegossen und steht auch nach vielen Jahren noch immer wie eine EINS. Vor der Kirche treffe ich ein junges Paar aus Holland. Sie kommen aus der Nähe von Alkmaar und haben einen Geocache gesucht. Er scheint irgendwo in der Kirche versteckt zu sein. Wo genau wollen sie mir nicht sagen, ich bin schließlich keine Geocacher :-) Wir unterhalten uns trotzdem sehr nett und als sie sich verabschieden steht die Sonne schon tief. Ich knipse eine Belichtungsreiche nach der Anderen. Zuvor habe ich in einigen Gebäuden schon den neuen HDR-Modus der D800E getestet. Er funktioniert leider nicht im RAW-Modus. Also habe ich einige TIFF-Dateien geknipst. Diese haben satte 112 MB, pro Bild natürlich! Die D800E ist ein echtes Pixelmonstrum. Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Wer keine Lust auf stundenlange Bildbearbeitung mit Photomatix und anderen HDR-Programmen hat, der ist mit dem neuen HDR-Modus der D800E recht gut bedient. Allerdings darf man sich von den HDR-Bildern aus der D800E keine surrealen Kunstwerke, wie das was man seit einigen Jahren ständig bei flickr und anderswo findet, erwarten. Nikon wäre nicht Nikon wenn sie den HDR-Modus der D800E nicht so konzipiert hätten, dass er einfach nur hilft Motivsituationen mit extrem hohen Kontrasten in den Griff zu bekommen. Hat man das akzeptiert, so wird man mit den Ergebnissen sehr zufrieden sein. Der Gewinn beim Dynamikumfang beträgt etwas zwei Blendenstufen, das kann sich sehen lassen!  Kurz bevor es dunkel wird verlasse ich dann dieses wirklicht tolle Location und mache mich auf den Heimweg. Ich habe heute wirklich viel mit der D800E fotografiert und zwischendurch immer wieder mit der kleinen Panasonic HC-X909 gefilmt. Und wieder muss ich sagen, die Bildqualität der D800E ist etwas besser, aber das Handling der Videokamera ist einfach unschlagbar. Allein der extrem gut arbeitende Bildstabilisator, der elektronische Sucher, der krasse Zoombereich und vor allem der super sanft arbeitende Motorzoom sind Pluspunkte die einfach keine Spiegelreflexkamera derzeit zu bieten hat.  Eigentlich hatte ich noch vor mich in der Geisterstadt irgendwo hinzu setzen und ein kurzes Video unter dem Motto „Was habe ich in meinem Fotorucksack“ aufzunehmen. Aber irgendwie hatte ich dann doch keine Lust und die 6 Stunden in der Geisterstadt sind auch wie im Flug vergangen. Das Video werde ich dann im neuen Jahr nachliefern. Dann wird es auch wieder neue Testberichte zu diversen Objektiven und anderem Foto-Schnickschnack geben - versprochen :-)

Mein Freund Wolfgang hat mir vom schönen Strand bei der Geisterstadt berichtet. Als ich dort eintreffe liegt dort ein nackter Mann in der Sonne. Als er das Klicken meiner Kamera hört schnappt er sich ein Handtuch, zieht sich an und verlässt etwas verschämt die Szenerie.

Nikon D800E - Abades - Tenerife - Teneriffa

Vom Strand geht es hinauf zur Kirche. Dieses Gebäude kenne ich aus der Fotocommunity. Die Fassade ist komplett aus Beton gegossen und steht auch nach vielen Jahren noch immer wie eine EINS. Vor der Kirche treffe ich ein junges Paar aus Holland. Sie kommen aus der Nähe von Alkmaar und haben einen Geocache gesucht. Er scheint irgendwo in der Kirche versteckt zu sein. Wo genau wollen sie mir nicht sagen, ich bin schließlich keine Geocacher 🙂 Wir unterhalten uns trotzdem sehr nett und als sie sich verabschieden steht die Sonne schon tief.

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Ich knipse eine Belichtungsreiche nach der Anderen. Zuvor habe ich in einigen Gebäuden schon den neuen HDR-Modus der D800E getestet. Er funktioniert leider nicht im RAW-Modus. Also habe ich einige TIFF-Dateien geknipst. Diese haben satte 112 MB, pro Bild natürlich! Die D800E ist ein echtes Pixelmonster. Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Wer keine Lust auf stundenlange Bildbearbeitung mit Photomatix und anderen HDR-Programmen hat, der ist mit dem neuen HDR-Modus der D800E recht gut bedient. Allerdings darf man sich von den HDR-Bildern aus der D800E keine surrealen Kunstwerke, wie das was man seit einigen Jahren ständig bei flickr und anderswo findet, erwarten. Nikon wäre nicht Nikon wenn sie den HDR-Modus der D800E nicht so konzipiert hätten, dass er einfach nur hilft Motivsituationen mit extrem hohen Kontrasten in den Griff zu bekommen. Hat man das akzeptiert, so wird man mit den Ergebnissen sehr zufrieden sein. Der Gewinn beim Dynamikumfang beträgt etwa zwei Blendenstufen, das kann sich sehen lassen!

Hier zum Vergleich ein „echtes“ HDR da sich eben mit Photomatix Pro aus drei JPG-Dateien manuell zusammen gerechnet habe.

Nikon D800E - Abades - Tenerife - Teneriffa

 

Hier ein vollautomatisch in der D800E erstelltes HDR:

Nikon D800E - Abades - Tenerife - Teneriffa

Hier noch ein HDR das ich aus 9 JPGs erstellt habe  – es ist noch suboptimal – in den nächsten Wochen gibt es sicher weitere schönere Varianten zu sehen 🙂

Nikon D800E - Abades - Tenerife - Teneriffa

Kurz bevor es dunkel wird verlasse ich dann diese wirklich tolle Location und mache mich auf den Heimweg. Ich habe heute wirklich viel mit der Nikon D800E fotografiert und zwischendurch immer wieder mit der kleinen Panasonic HC-X909 gefilmt. Und wieder muss ich sagen, die Bildqualität der D800E ist etwas besser, aber das Handling der Videokamera ist einfach unschlagbar. Allein der extrem gut arbeitende Bildstabilisator, der elektronische Sucher, der krasse Zoombereich und vor allem der super sanft arbeitende Motorzoom sind Pluspunkte die einfach keine Spiegelreflexkamera derzeit zu bieten hat.

Nikon D800E - Abades - Tenerife - Teneriffa

Eigentlich hatte ich noch vor mich in der Geisterstadt irgendwo hinzu setzen und ein kurzes Video unter dem Motto „Was habe ich in meinem Fotorucksack“ aufzunehmen. Aber irgendwie hatte ich dann doch keine Lust und die 6 Stunden in der Geisterstadt sind auch wie im Flug vergangen. Das Video werde ich dann im neuen Jahr nachliefern. Dann wird es auch wieder neue Testberichte zu diversen Objektiven und anderem Foto-Schnickschnack geben – versprochen 🙂

Nikon D800E - Abades - Teneriffa - Tenerife

 

Nikon D800E - Abades - Tenerife - Teneriffa

Teneriffa 2012 – Tag 11

Morgengrauen am kleinen Gala

Am Vortag habe ich kein einziges Foto geschossen sondern nur gefilmt. Heute will ich das ändern und mich mal wieder am einen oder anderen unwirklichen HDR-Foto (High-Dynamic-Range) versuchen. Nach dem Abendessen des Vortages kläre ich mit meiner Freundin Sandra, dass auch dieses Unterfangen eher was für extrem begeisterte Fotofreaks ist. Sie fotografiert selbst zwar auch sehr gern, aber ihre Toleranzgrenze ist deutlich niedriger. Sie nimmt in der Regel fotografisch mit was sich am Wegesrand bietet. Früh aufzustehen um einen grandiosen Sonnenaufgang zu fotografieren ist weniger ihr Ding. Und während andere Fotofreaks dem perfekten Sonnenuntergang entgegen fiebern, denkt sie eher an das Abendessen und eine heiße Dusche. So sind die Mädchen eben – ok nicht alle – aber fast alle 🙂

Wir haben das erkannt und einigen uns darauf, dass sie ausschlafen will und ich früh aufbrechen möchte um rechtzeitig an der Location meiner Wahl zu sein. Damit ich sie nicht wecke wenn ich früh am Morgen aufbreche, entscheide ich mich für ein  paar Stunden auf dem Sofa. Da ich der absolute Morgenmuffel bin, ziehe ich zum Schlafen einfach fast alles an was am nächsten Morgen den Körper bekleiden soll. Alle Fotosachen werden gepackt und so vor die Türe gestellt, dass ich im Halbschlaf nichts vergessen kann.

Nikon D800E - Tenerife - Sunrise

Da ich zu solch früher Stunde ohne einen Wecker niemals wach werden würde stelle ich den Wecker in meinem Telefon auf 5:00. Damit er auch wirklich um 5:00 Ortszeit klingelt muss ich noch die korrekte Zeitzone UTC+0 einstellen. Danach ist alles perfekt. Während Sandra an der Matratze lauscht gehe ich hinunter in die Lobby und schreibe meinen Artikel des Tages. Als ich deutlich nach Mitternacht wieder im Zimmer bin gibt es Schelte von meiner Freundin weil ich die „Türkarte“ mitgenommen habe. So wurde in unserem Appartement der Strom abgeschaltet und Mädchen fürchten sich im Dunkeln. Und schlimmer noch, es ging weder eine Nachttischlampe noch etwas anderes. Während ich unten in der Lobby an meinem BLOG geschrieben habe wurde hier oben die zweite „Türkarte“ gesucht um den Strom wieder einschalten zu können. Ok, der Strom ist wieder da, aber Sandra ist jetzt auch wieder hell wach. Wir verabschieden uns erneut und ich mache es mir auf dem Sofa so gut es geht für ein paar Stunden bequem. Um 4:45 steht dann Sandra neben mir, weckt mich und fragt warum ich noch hier bin. Ich wollte doch so früh los um nichts zu verpassen. Ok ok, ich bin ja schon weg. Während sie wieder im Bett verschwindet deaktiviere ich den Wecker in meinem Telefon, er hätte 15 Minuten später Alarm gegeben!

Nikon D800E - Tenerife - Sunrise

Zur geplanten „Weckzeit“ bin ich dann schon mit unserem Mietwagen auf der Autobahn in Richtung Süd-Westen unterwegs. Über El Tanque geht es weiter in Richtung Süden. Die Straße ist schmal und es gibt unendlich viele Kurven. Vor mit tuckert schon eine ganze Weile ein LKW den Berg hinauf. Er ist bis über die Unterkante mit Holz beladen und hat Mühe nach den Spitzkehren wieder in Fahrt zu kommen. Mir soll es recht sein, ich bin sehr gut in der Zeit. Da tauchen hinter mir die Lichter eines großen Nissan Trucks auf. Es ist eines dieser riesigen SUV Dinger mit Ladefläche und verchromten Überrollbügeln. Er fährt so dicht auf, dass ich im Rückspiegel nur noch seine Scheinwerfer sehen kann. In meinem Opel ist es taghell. Der Typ nervt total schließlich kann ich nicht schneller, denn vor mir ist der LKW. Das geht eine ganze Weile so bis wir einen Aussichtspunkt passieren. Dort kann ich kurz rechts ranfahren und den Drängler vorbei lassen. Innerlich koche ich aber inzwischen vor Wut. Klar ich sollte cool bleiben, weiß ich ja alles, aber es brodelt trotzdem. Nun drehe ich den Spieß mal um und fahre dicht hinter ihm stets leicht versetzt. Er scheint es irgendwann zu bemerken und als endlich ein gerades übersichtliches Straßenstück kommt hüllt er meinen Opel in dicke Ruß-Schwaden und überholt endlich den langsamen LKW. Ich bleibe dran, im zweiten Gang kommt mein Astra ganz gut vorwärts. Die Verfolgungsjagd geht los, es ist maskulines Pimmelfechen auf hohem Niveau. Der Typ ist nicht schlecht, er zirkelt seine 2 Tonnen schwere Allradkiste in atemberaubenden Tempo über die kurvenreiche enge Straße. Aber ich fahre auch seit fast 30 Jahren Auto und DER hängt mich heute nicht ab. Während wir uns gegenseitig den Berg hinauf scheuchen, rückt mein Ziel immer näher. Als ich beim Abzweig bin gehe ich von Gas und lasse die Rücklichter meines  Gegners in der Dunkelheit verschwinden. Eine total überflüssige gefährliche Jagd war das. Beim nächsten Mal versuche ich mich wieder zu beherrschen. Aber irgendwie ist das hier so üblich, fast jeder Einheimische drängelt was das Zeug hält sobald vor ihm ein Auto auftaucht auf dem einer dieser dämlichen Aufkleber der Mietwagen-Firmen zu sehen ist. Auf Dauer nervt das total. Ok, ein wenig kann ich es verstehen denn die meisten Mietwagen werden hier von alten Leuten kutschiert die unsicher und im Schneckentempo von einem Aussichtspunkt zum nächsten schleichen. Das kann einem wirklich den letzten Nerv rauben. Aber deshalb muss man die anderen Autofahrer nicht notorisch bedrängen. Bei mir soll es heute die Ausnahme gewesen sein, ich gelobe es hiermit hoch und heilig 🙂

Zur Auflockerung des Textes hier ein „Auto-Suchbild“ – einfach in neuem Tab öffnen und den silbernen Opel suchen…

Nikon D800E - Tenerife - Sunrise

Als ich am Parkplatz ankomme, an dem der Weg hinauf zum kleinen Gala beginnt, überlege ich kurz ob ich die letzten hundert Höhenmeter laufen soll? Eigentlich ist hier die Durchfahrt verboten, obwohl der Weg halbwegs akzeptabel asphaltiert ist. Aber es ist stockdunkel und es wird hier so früh am morgen weder ein Wanderer noch ein Förster vorbei kommen, also rauf auf‘s Gas und den Berg hinauf. Die Stelle an der ich parken will habe ich mir bei der letzten Fotosession schon ausgeguckt. Dort angekommen parke ich den Opel rückwärts auf einem Abzweig zu einem Feldweg ein. Das ist gar nicht so leicht denn es ist stockfinster und der Feldweg zweigt im Winkel von fast 45° nach oben ab. Aber der Opel schafft das und die Handbremse hält das Auto sicher dort fest.

Es ist noch stockfinster als ich mich auf mache um die wenigen letzten Meter zu meinem Fotospot zu laufen. In der Jackentasche habe ich die tolle LED-Taschenlampe. Dieses Ding ist extrem hell und ohne sie würde ich nur nachtblind durch die Gegen stolpern. Gut, dass ich sie dabei habe!

Die Kameras sind schnell aufgebaut. Während die kleine Panasonic in Richtung Santiago del Teide hinunter zum Meer blickt und auf die ersten Sonnenstrahlen wartet, mache ich die Nikon D800E und das AF-S 2.8/24-70mm schussbereit. Bei ISO-800, Blende 4 und 30 Sekunden Belichtungszeit schießt sie ein Bild nach dem anderen. Später möchte ich daraus wieder eine kurze Zeitraffersequenz (Time Lapse) erstellen. Die Kamera steht auf meinem großen stabilen Carbon-Stativ. Aber es ist wirklich windig und die ersten Fotos sind total verwackelt. Wind ist neben Staub und Dunst der schlimmste Feind des Naturfotografen. Ich kann es mildern indem ich mich direkt neben die Kamera stelle und sie so in meinem Windschatten ihre Arbeit verrichten kann. So stehe ich nun fast eine Stunde zusammengekauert neben meiner Kamera und zähle die Minuten die im Schneckentempo vergehen.

Während ich dort stehe fällt mir ein hell leuchtender Stern auf der gleicht rechts neben der Spitze des Pico del Teide aufgeht. Er bewegt sich irgendwie schneller als die anderen Sterne. Was ist das? Da kommt mir eine Idee, ich habe auf meinem HTC Telefon das Programm „Google Sky-Map“. Schnell hole ich mein Telefon hervor und siehe da, es ist die Venus! Das hätte ich nicht erwartet, ich sehe wie die Venus am Himmel empor klettert, der Wahnsinn. Dieser Planet wird von unserer Sonne fast so hell beleuchtet wie unser Mond. Die Venus ist größer als unser Mond aber viel weiter entfernt und daher nur als kleiner heller Punkt am Himmel auszumachen. Auf dem Telefon kann ich auch die Position der Sonne ausmachen, sie wird noch ein Stückchen unterhalb des virtuellen Horizonts angezeigt. Ich habe noch eine Weile Zeit…

Hier ein „Venus-Suchbild“…

Nikon D800E - Tenerife - Sunrise

Nach etwa einer Stunde schaue ich mal nach was die kleine Panasonic inzwischen aufgenommen hat. Es ist praktisch nichts zu sehen, für diese Kamera ist es einfach noch viel zu dunkel. Während ich hin und der probiere ist es dann plötzlich als hätte jemand neben mir das Licht eingeschaltet. Fast ist es als könnte ich es hören, die Sonne schaut frech rechts unterhalb der Spitze des Pico del Teide hervor. Genau so hatte ich es mir gewünscht und mein Studium der Location bei Google-Earth hat sich wieder einmal ausgezahlt.

Nikon D800E - Tenerife - Sunrise

Eine Stunde später ist das Schauspiel dann vorbei und auf der Speicherkarte meiner Nikon D800E haben sich sage und schreibe 43 GB Bildmaterial angesammelt. Es geht zurück zu Hotel und als ich dort gegen 10h eintreffe freue ich mich auf ein ausgedehntes Frühstück. Danach wird die Beute gesichtet und ich bin mehr als zufrieden. Daraus wird sich in den nächsten Wochen noch das eine oder andere schöne Foto zaubern lassen. Gegen 14 haben wir dann unseren nächsten Termin. Während Sandra mit der Frau meines Freundes Wolfgang einen ausgedehnten Ausritt durch die Bergwelt von Teneriffa unternimmt sitzen wir in der Sonne und unterhalten uns über die schönsten Foto-Locations im Süd-Westen der USA. Später geht es auf ein Eis und einen Kaffee nach El-Sauzal. Pünktlich zum Sonnenuntergang sind wir zurück und genießen ein großartiges Schauspiel über dem Tal von La Orotava.

Nikon D800E - Tenerife - Sunrise

Morgen soll es dann nach Abades zur ehemaligen Lepra-Station gehen. Dort hat das Militär in den 70er Jahren für Geiselbefreiungen trainiert. Heute ist es eine kleine Geisterstadt am Meer. Ich bin gespannt welche Motive sich dort morgen finden lassen werden.

Teneriffa 2012 – Tag 10

Loro Parque - Tenerife

Tiere filmen im Loro Parque

Nun sind wir schon mehr als eine Woche auf dieser paradiesischen Insel. Die Eingewöhnung haben wir hinter uns, langsam beginnt die Erholung. Nach den morgendlichen Ritualen sind wir etwas ratlos was heute auf dem Programm stehen soll. Sandra würde gern ein paar Stunden am Strand verbringen. Mein Ding ist das irgendwie so gar nicht. Beim Grillen in der Sonne bekomme ich Kopfschmerzen und Herzrasen. Badeurlaube sind nicht meine Welt. Ich mag es lieber warm und schattig als heiß und sonnig. So beschließen wir, dass ich Sandra unten am Playa de Jardin absetze und dann ein paar hundert Meter weiter zu Loro Parque fahre. Dort war ich nun schon wirklich oft und eigentlich wollte ich ihn in diesem Jahr nicht schon wieder besuchen. Aber letztlich bin ich doch wieder 33,- Euro ärmer und später am Abend um 14 GB Videomaterial reicher.

Zum Auftakt meiner Wanderung durch den Loro Parque verwende ich diesmal die kleine feine Panasonic HC-X909 Videokamera. Diese Kamera filmt in Full HD mit 50 Bildern/Sekunde (1080/50p). Das ist für meine heimischen Computer leider noch zu viel. Mit Magix Video Deluxe MX kann ich dieses Material überhaupt nicht sinnvoll schneiden. Die Vorschau ruckt ständig und man bekommt einfach keinen Einruck davon ob die Schnitte richtig sind oder nicht. Auf dem Mac mit Final Cut Pro X klappt es besser, aber nur wenn man auch Proxy-Medien erstellt. Und die sprengen ganz schnell die Kapazität meiner internen SSD-Festplatte. Ohne Proxy-Medien macht der Video-Schnitt einer 1080/50p Datei auch auf dem Mac keinen Spaß. Also filme ich mit „angezogener Handbremse“. Im Modus „XE“ arbeitet die Kamera „nur“ mit 25 Bildern/Sekunde. Damit sind die Videodateien nur halb so groß. Das spart Platz auf der Speicherkarte und den Festplatten.

Loro Parque - Tenerife

Da ich meine Videos nicht auf Blu-Ray verkaufe sondern nur bei YouTube und Vimeo zeige, ist die Qualität immer noch mehr als ausreichend. Lädt man eine dieser Dateien bei YouTube hoch und später wieder herunter, so hat das Ergebnis nur etwa 10% der ursprünglichen Dateigröße. Wie krass die Videos bei YouTube komprimiert werden ist damit klar. Aber man muss das auch verstehen. Google bietet mit YouTube einen kostenlosen Video-Dienst an den viele Millionen Menschen tagtäglich nutzen. Jeden Tag werden viele tausend Stunden Videomaterial bei YouTube hochgeladen, alles völlig kostenlos. Und diese Videos werden dann mit unter millionenfach angeschaut. Würde man dieses Material nicht rigoros komprimieren, so würde es den „Dienst als solchen“ und Teile des Internets einfach sprengen.

Schon heute machen Videodienste den Löwenanteil des gesamten Datenvolumens im Internet aus. Würden alle Videos im „Original“ transportiert, so würde das Internet in seiner aktuellen Ausbaustufe für die meisten von uns einfach „still stehen“. Also filme ich derzeit im Modus XE – ganz ohne Skrupel. In ein paar Jahren sieht das vielleicht anders aus. Aber derzeit ist alles andere „nutzloser Overkill“.

Loro Parque - Tenerife

Nach etwa zwei Stunden geht der große „Zweit-Akku“ meiner Panasonic zu Ende. Ich habe noch den kleinen Original-Akku. Der liegt jetzt schon etwa eine Woche in der Fototasche und hat sich leider bereits weitgehend selbst entladen. So bleiben mir mit diesem Akku noch etwa 10 Minuten danach ist meine schöne Panasonic leider „tot“. Zusammen gekommen sind dabei etwa 6 GB Videomaterial. In der Kamera steckt meine 8 GB große Reservekarte. Als ich mit der Filmerei loslegen wollte musste ich nämlich feststellen, dass ich nicht nur mein Telefon sondern auch meine Speicherkarten im Hotel vergesse hatte. Überhaupt ist diese gesamte Reise davon geprägt, dass ich lauter Sachen vergessen habe. Im Fotorucksack sind aber noch ein paar Reservekarten. Die habe ich für den Fall der Fälle eigentlich immer dabei. Und als dann die D800E als Videokamera zum Einsatzkommen soll, fehlt auch hier die Speicherkarte! Aber kein Problem, es sind noch eine 64 GB und zwei 16 GB Karten im Rucksack. Für meine Videoaufnahmen verwende ich an der D800E das AF-D VR 80-400mm Telezoom-Objektiv. Auch dieses Objektiv habe ich nur versehentlich eingepackt. Eigentlich wollte ich das AF-S VR 2.8/70-200mm einpacken. Nun muss ich mich mit dem älteren etwas sperrigen 80-400 begnügen. Aber letztlich sehen die Sequenzen bei denen alles korrekt eingestellt war auch mit diesem Objektiv wirklich gut aus. Was hier allerdings massiv stört ist der Autofokus. Ist es etwas dunkel so liegt die D800E im Videomodus beim automatischen Fokussieren eigentlich ständig leicht daneben. Der Fokus fährt zweimal hin und her und bleibt dann kurz hinter dem korrekten Wert stehen, das nervt ziemlich. Meinen Video-Neiger habe ich auch daheim vergessen, also muss ich meinen Kugelkopf des Typs FLM-38FT auf meinem großen BENRO Carbon-Stativ benutzen. Für Fotos ist das eine großartige Kombination, für Videos ist es massiv „suboptimal“.

Loro Parque - Tenerife

Saubere Schwenks oder die die „Verfolgung“ eines Tieres das langsam durch sein Gehege streift sind damit kaum möglich. Die Videos rucken und zappeln, dass man sie sich nicht anschauen möchte. Eigentlich klappt es nur wenn die Kamera absolut ruhig steht und man sie nicht berührt. Dann ist alles gut, sobald man versucht sie irgendwie zu bewegen wird bei Brennweiten ab ca. 100 mm praktisch alles sofort total verwackelt. Auch ist gar nicht daran zu denken langsame Zoomfahrten oder ähnliches mit der D800E und dem 80-400mm Telezoom zu versuchen. Mit der kleinen Panasonic klappt so etwas mit ein wenig Übung sehr gut. Wer beide Systeme im Vergleich benutzt der wird sich sofort in die kleine Panasonic verlieben. Das Handling dieser Kamera ist für Video-Filme gemacht und funktioniert einfach gut. Zwar ist bei der D800E die Bildqualität etwas besser, aber man braucht viel mehr Zeit bis alles eingestellt ist und verpasst gerade als „Tierfilmer“ damit immer wieder die besten Szenen.

Loro Parque - Tenerife

Bei der Sichtung meiner „Tages-Beute“ bin ich geschockt wie wenig wirklich brauchbares Videomaterial in etwa 6 Stunden entstanden ist. Mit der BENRO GH-2 „Affenschaukel“ und dem dicken fetten Nikon  AF-S VR 4/200-400mm wäre die Ausbeute deutlich besser gewesen. Aber diese Kombination hätte auch das doppelte Gewicht! Besonders das AF-S Fokus-System der moderneren Objektive ist für Videoaufnahmen perfekt. Man kann den Fokus einfach während man filmt manuell übersteuern. Das geht mit einem Objektiv ohne AF-S leider nicht und es stellt damit einen echten „Hemmschuh“ dar. 

Loro Parque - Tenerife

Eine Alternative ist in diesem Fall für mich sogar das alte manuell fokussierte Nikon AiS 80-200. Dieses Objektiv ist noch kompakter und die Bedienung des Schiebezooms funktioniert wirklich gut. Man kann sehr schnell zoomen und den Fokus-Punkt korrekt einstellen. Alles mit einem Ring, großartig! Verwendet man noch eine Lupe vor dem Display der D800E hat man damit auch an hellen Tagen eine gute Kombination für beeindruckende Tierfilme. Ich habe mal ein wenig experimentiert und die D800E sowohl im FX Modus als auch im DX Modus filmen lassen. Man sieht im Endergebnis bei „normalen“ ISO-Werten praktisch keinen Unterschied. Nutzt man diese Einstellung, so wird aus einem alten manuell fokussierten AiS 80-200mm im DX-Modus ein 160-400mm Teleobjektiv. Über die Abbildungsqualität muss man sich beim Videofilmen keine Sorgen machen. Sind die Videos unscharf, dann liegt es immer daran, dass man nicht korrekt fokussiert hat! Die Auflösung der Videos ist so gering, das schafft auch ein 40 Jahre altes Nikon Teleobjektiv 🙂 Sobald man diese Objektive um etwa zwei Stufen abblenden kann erkennt man im fertigen Video praktisch keinen Unterschied zwischen einem 40 Jahre alten Tele von eBay für 200 Euro und einem modernen Superobjektiv für 2.000 Euro.

Loro Parque - Tenerife

Entscheidend ist was man an der Kamera einstellt und wie die Lichtverhältnisse sind. Auch ein 10.000 Euro Profiteleobjektiv zaubert an der D800E nicht automatisch geniale Videosequenzen. Hier sind Erfahrung und eine Portion Glück viel wichtiger als der letzte „Hightech-Schrei“.

Dies beweisen auch meine heute aufgenommenen Video-Schnipsel. Der Ausschuss liegt bei etwa 90%. Das liegt aber nicht nur daran, dass die D800E und das heute verwendete 80-400mm Objektiv etwas sperrig zu bedienen sind. Es sind auch die Tiere die eben Individuen sind und nicht immer gleich das machen was man sich wünscht. Manchmal machen sie eben einfach gar nichts! Sie hängen faul in der Sonne ab und warten drauf, dass endlich die nervigen Scheibenklopfer, Pfeiffer, Hampelmänner, Schreier und Knipsblitzer nach Hause gegangen sind. Für die Tiere sind diese Besucher meisten eine echte Qual. Schaut man sich das Treiben mit etwas Distanz an, so fragt man sich manchmal wer hier wen mustert. Besonders bei den Gorillas kam es mir heute wieder so vor als würden diese majestätischen Tiere innerlich mit dem Kopf schütteln, angesichts dieser schwachsinnig wirkenden Menschenmasse die sich an ihren „Schaufenstern“ vorbei quält.

Loro Parque - Tenerife

Loro Parque - Tenerife

Der Loro Parque ist bekannt für seine Delfin-Show und die Shows mit den Orcas die es dort seit ein paar Jahren zu bestaunen gibt. Seit die Orcas dort ihre Kunststückchen vollführen müssen hat es schon zwei tödliche Unfälle gegeben. Gegen den deutschen Betreiber des Loro Parque wurde von Tierschützern sogar Anzeige wegen unterlassener Sorgfaltspflicht gegenüber den Trainern der Orcas gestellt. Die Trainer trugen bspw. keine Schwimmwesten. Und nach dem ersten Todesfall hieß es offiziell „Der wollte nur spielen!“. Mich erinnert das immer wieder an die Sprüche der Besitzer unberechenbarer Hunde. Wie waren sie noch die drei Standardsätze?

  1. Der macht nichts!
  2. Der will nur spielen!!
  3. Das hat er noch nie gemacht!!!

Daran erinnern mich auch die Statements der Leitung des Loro Parque die ich bezüglich des ersten Todesfalles mit den Orcas gelesen habe. Inzwischen ist der zweite Trainer der Orcas gestorben. Offiziell auch ein „Versehen“ – „Der wollte nur spielen“. Doch die Leiche des Trainers wies gebrochene Rippen und Bisswunden auf. „Das hat er noch nie gemacht“ – kommt mir da als Entschuldigung in den Sinn. Wie soll man zu alle dem stehen? Die Delfin-Show und die Orcas habe ich während der letzten Jahre mehrfach angeschaut und sie hat mir eigentlich immer recht gut gefallen. Weder Orcas noch Delfine habe ich jemals in freier Natur beobachten können. Erst im Loro Parque konnte ich einen Eindruck davon gewinnen wie intelligent und pfiffig diese Tiere sind.

Loro Parque - Tenerife

Es gibt viele Stimmen die Shows mit Delfinen und Orcas verbieten wollen. Ich bin der Meinung, dass diese Shows nicht wirklich notwendig sind. Aber ich würde auch nicht so weit gehen zu fordern, dass Orcas und Delfine grundsätzlich nicht in Zoos gehalten werden dürfen.

Meine Mama hat seit Jahrzehnten ein Aquarium in der Küche stehen, früher hatten wir sogar mal einen Wellensittich. War das Tierquälerei? Mein Freund Wolfgang hat hier einen Hund, den Westerwälder Hütehund (Wäller) namens „Balu Schröder“. Ist das Tierquälerei? Ich habe heute Seeroben, Pinguine, Tiger, Papageien, Karpfen und viele andere Tiere gesehen. Alle leben in Gefangenschaft, genau wie die Delfine und die Orcas. Sollte man hier nicht sagen, wenn schon denn schon? Gleiches Recht für alle? „Free Willy and all of his friends!“ Warum schließen wir nicht den Loro Parque, den Allwetter-Zoo in Münster, den Tierpark Hagenbeck in Hamburg, den Palmitos Parque auf Gran Canaria?

Gleiches Recht für alle, warum eine Sonderbehandlung für Orcas und Delfine?

Natürlich bin ich nicht dafür alle diese Zoos und Parks zu schließen. Das war gerade die reine Provokation 🙂 Zoologische Gärten helfen weltweit die wenigen Tiere aussterbender Arten zu retten. In Deutschland gab es einst Bären und Wölfe. Doch die Menschen haben sie ausgerottet. Wer will nachts beim Joggen im Bonner Kottenforst schon einem Wolf begegnen? So leben die letzten ihrer Art in Zoos verteilt über ganz Deutschland. Und sie können froh sein, dass sie dort leben dürfen. Meine ganze private Meinung. Würde man sie in die Freiheit entlassen, so wären sie nach ein paar Tagen verstorben, garantiert! Wenn nicht verhungert und nicht auf der Autobahn überfahren, so dann letztlich von einem Jäger abgeknallt, das ist sicher!

Loro Parque - Tenerife

Einer der Orcas aus dem Loro Parque wurde vor einigen Monaten in Holland an Land gespült. Statt ihn im Norwegen langsam wieder „auszuwildern“ zieht er jetzt in einem Becken im Loro Parque seine Runden das 120 Meter lang ist. Klar kann er sich hier nicht so austoben wie im freien Meer. Aber es gibt sicher auch einen Grund warum er in Holland gestrandet ist. Ohne die Hilfe der Menschen wäre er längst tot. Irgendwas ist bereits vor längerer Zeit im Leben dieses Orcas gründlich schief gelaufen und ich denke, dass es für ihn vielleicht besser ist im Loro Parque gefüttert und geliebt zu werden als nach der „Auswilderung“ an der Küste Dänemarks oder sonst wo langsam und qualvoll zu verenden.

Loro Parque - Tenerife

In den Weltmeeren gibt es tausende Delfine, einige hundert kann man in den Zoos auf dieser Welt bestaunen. Klar führen sie dort keine tolles Leben und klar, die Zoos verdienen Geld damit sie in Shows vorzuführen. Aber irgendwie muss man ja auch ein Becken bezahlen das 120 Meter lang ist und irgendwie muss man ja auch den Fisch bezahlen den ein erwachsener Orca Jahr für Jahr in sich hineinstopft…

Die Gegner der Orca-Show bemängeln auch, dass im Loro Parque die Besucher absichtlich von den Orcas nass gespritzt werden. Scheinbar waren sie noch nie Vorort. Denn dort ist eine besondere „Splash-Zone“ gut lesbar ausgeschildert. Die Besucher können sich Regenmäntel aushändigen lassen und wer keinen Bock auf diese „Erfahrung“ hat, der muss sich ja nicht mit dem Wasser bespritzen lassen in das der eine oder andere Orca seine kleinen und großen Geschäfte erledigt hat.

Alle Besucher haben die Wahl und wer sich später über Spuren von Orca-Kot auf dem hübschen neuen Sonntagskostüm aufregt, der hat eben bei der Platzwahl nicht nachgedacht.

Die Gegner der Delfin-Shows rufen weltweit zum Boykott dieser Shows auf. Irgendwie kann ich das alles gut verstehen und ich habe sie mir auch heute nicht erneut angesehen. Mir würde es gut gefallen wenn man diese Tiere einfach nur beim Schwimmen und fressen beobachten könnte. Aber vielleicht ist es auch richtig sie geistig zu fordern und mit ihnen zu arbeiten um sie von ihrem tristen Dasein in den viel zu kleinen Wasserbecken abzulenken? Wären sie eine noch größere Attraktion und würden noch viel mehr Menschen kommen um sie zu sehen, dann könnten ihre Becken sicher noch größer und schöner gebaut werden und vielleicht wäre dann auch ein Sonnendach im Budget enthalten. So, dass sie keinen Sonnenbrand mehr bekommen und nicht von den Pflegern mit Sonnencreme eingerieben werden müssen? Und vielleicht könnte man die Becken dann auch so gestalten, dass sie sich nicht selbst die Zähne abbrechen während sie in die stählernen Abgrenzungstore beißen? Ich denke, weniger Besucher und der Boykott der Shows helfen den Tieren die bereits in Gefangenschaft leben nicht wirklich. Akzeptiert man das „wie es ist“ so würde es ihnen eher helfen wenn die Betreiber der Zoos mehr Geld durch sie einnehmen könnten und dies dann auch tatsächlich in die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen investieren würden.

Loro Parque - Tenerife Loro Parque - Tenerife

Aber zurück zu meinem „Bericht des Tages“. Als sich der Tag dem Ende neigt hole ich Sandra wieder am Strand ab und gemeinsam geht es zum Monasterio, ein altes Kloster in der Nähe von Puerto de la Cruz. Hier gibt es mehrere gute Restaurants und was soll ich sagen, genau wie der Loro Parque ist auch hier der Betreiber ein Deutscher. Auch hier gibt es Kellner die in viel zu kleinen Räumen viel zu viele Gäste bedienen müssen. Tagtäglich vollbringen sie kleine Kunststückchen damit alle Gäste hübsch zufrieden sind und hoffentlich bald wieder kommen. Sandra und ich gönnen und heute jeweils ein großes supergutes saftiges Filet-Steak. Diese Steaks schmecken einmalig gut. Aber sie stammen von lebenden Kühen, eigentlich leben sie jetzt nicht mehr, aber irgendwann haben sie das mal getan, soviel ist sicher! Und laut Speisekarte haben sie in Südamerika gelebt, wahrscheinlich in Argentinien. Und auch dort leben viele Kühe auf viel zu kleinen Flächen und werden systematisch abgefüttert und dann nach einem wenig erquicklichen Rinderleben in einem hoffentlich nahegelegenen Schlachthof möglichst „artgerecht“ getötet und zu herrlich leckeren Filetsteaks weiterverarbeitet. Irgendwie eklig, aber trotzdem sowas von lecker!

Loro Parque - Tenerife

Denkt man darüber nach wie viele hundert Kilogramm Kraftfutter und Getreide notwendig waren um diese beiden saftigen kross gegrillten Steaks „herzustellen“, man könnte sofort zum Vegetarier werden. Nicht weil all das schon eklig genug ist, nein weil es total unvernünftig ist, massenweise hochwertiges Getreide an Tiere zu verfüttern die dann in zerlegter Form nur noch einen Bruchteil des Nährwertes ihrer lebenslänglichen Futtermenge wert sind.

Loro Parque - Tenerife

Und doch haben diese beiden kross gegrillten innen leicht rosigen Steaks heute echt gut geschmeckt. Aber es werden für den Rest der Reise die einzigen Steaks bleiben. Ok, vielleicht gibt es zu Weihnachten statt einer Ente oder eines Hühnchens noch einmal ein Stück totes Rind. Zwischendurch wird es viel Salat und Kartoffeln geben. Und den ein oder anderen toten Fisch – urgs – schon wieder ein totes Tier. Aber bevor es uns die Wale auf ihrem Weg zum Golf von Mexico wegfressen…

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Die Moral von der Geschichte? Ich sollte Vegetarier werden, das wäre echt vernünftig. Aber ab und zu schmeckt ein Steak oder ein frisch gegrillter Fisch eben richtig gut. Und solange man all das nicht übertreibt ist es irgendwie auch so halbwegs in Ordnung. Morgen früh gibt es zum Frühstück wieder selbstgekaufte Erdbeermarmelade mit kleinen leckeren Pancakes. Das ist total vegetarisch, na fast wenigstens…  

Teneriffa 2012 – Tag 9

Relaxen am Pool

Nach den eisigen Stunden im Hochgebirge bin ich bei der Ankunft im Hotel mehr als durchgefroren. Am nächsten Morgen habe ich Halsweh und die ersten Gedanken sind „Scheiße jetzt habe ich mich auch noch erkältet…“ Aber diese Insel hat magische Kräfte, nach dem Frühstück ist alles schon wieder gut. Aber richtig Lust gleich die nächste Fototour zu starten habe ich nicht. Also genieße ich den Tag, schreibe einen Artikel für meinen BLOG und freue mich zur Mittagszeit über ein wirklich leckeres Essen im Garten des Hotels. Bei 25°C mit Blick auf das Meer gibt es den „Fisch des Tages“ mit Papas Arrugadas und einem Shandy – lecker.

Las Aguilas Sunrise

Als sich der Tag dem Ende neigt verkrümele ich mich ins Schlafzimmer und höre ein paar Stunden im Bett ganz entspannt die neue Musik die ich mir in den letzten Wochen gekauft habe. Besonders die isländische Band „Of Monsters and Men“ hat es mir derzeit angetan.

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Mein BOSE Quiet Comfort 15 lässt den Fernseher von nebenan und alle anderen Geräusche verstummen. Einmal mehr habe ich großen Spaß an diesem Kopfhörer den ich mit im Jahr 2010 bei „Best Buy“ in St. George in Utah für etwa 330 Dollar gekauft habe. Diese Investition war wirklich gut und ich möchte nicht mehr ohne diese Kopfhörer fliegen.

Las Aguilas Art

So geht der Tag zu Ende, ein Tag ohne Stress und ohne Fotos. Das hat auch was 🙂

Teneriffa 2012 – Tag 8

Exkursion in den Norden und zur Milchstraße

Und auch am achten Tag ist alles wie es immer ist. Argwöhnische Blicke beim Frühstück, besonders den Deutschen fällt es hier schwer die anderen Gäste einfach zu ignorieren. Inzwischen kennt man seine „Pappenheimer“. Da ist zum Beispiel der exzentrische Typ mit Halbglatze und akkurat gestyltem langen grauen Backenbart. Er und seine Angetraute sitzen tagtäglich im Abseits, jenseits des Pöbels. Zunächst wird der Tisch reserviert indem man eine Tasche oder etwas auf einem der Stühle neben dem Tisch abstellt. Dann beginnen Sie damit Teller voller Lebensmittel heranzuschleppen. Wirklich fatal wäre es wenn man ein zweites Mal gehen müsste um sich einen Nachschlag zu holen, ein weiteres Mal vorbei an diesen ordinären anderen Gästen. So machen sie es tagtäglich, finden sich gut dabei und bemerken gar nicht wie sie Aufmerksamkeit und Gespräche der anderen Gäste auf sich ziehen. Nach einer Woche beginnt „man“ sich das Maul über sie zu zerreissen. Hier und da werden Spekulationen laut ob es sich um einen Schulleiter handeln könnte. Vielleicht auch ein Oberstudienrat mit Auszeichnung, oder ein Lateinlehrer? Vielleicht auch Physik? Wir Deutschen können leider nicht anders, wie müssen lästern und mutmaßen 🙂

Nachdem alle Frühstücksrituale erfolgreich abgeschlossen sind begeben wir uns zum Parkplatz. Heute ist unser Ziel das kleine Fischerdorf Taganana im Nord-Westen der Insel. Dieser Ort hat es auch meiner Freundin angetan und an der „Strandpromenade“ zwischen Taganana und Benijo gibt es mehrere gute „Fischbuden“. Bereits im letzten Jahr haben wir dort riesige komplette Fische verspeist die frisch vom Grill kamen. Das ist auch heute unser Ziel. Und wir werden nicht enttäuscht. Zum Preis von 42,90 Euro gibt es zwei Shandy (Bier mit Sprite), zwei kleine Schnäpse, einen Espresso, einen Karamell-Pudding, Kanarische Schrumpelkartoffeln (Papa Arugadas), rote Mojo Sauce (Mojo rosso), Aioli, frisches Weißbrot, einen gemischten Salat, Garnelen in kochendem Olivenöl und als Krönung einen kompletten Zackenbarsch. Was für ein Festessen!!!

Taganana mit Nikon D800E

Nach dem üppigen Mahl genießen wir die stürmische Brandung und ich versuche mit meiner Video-Kamera den Moment festzuhalten in dem die gewaltigen Wellen umstürzen und an der oberen Kante der Welle für einen kurzen Augenblick ein leichter Nebel aus feinen Wassertropfen zu sehen ist. Aber es gelingt mir nicht wirklich. Die Kontraste sind extrem und der kleine Chip der Kamera ist nicht in der Lage diese riesigen Unterschiede zwischen hell und dunkel korrekt einzufangen. Ich versuche die Belichtung zu korrigieren, schließe die Blende und verkürze die Belichtungszeit. Jetzt sind die Schaumkronen der Wellen keine undefinierte weiße Fläche mehr sondern sauber akzentuiert. Aber dafür versinkt alles andere in Dunkelheit, fast als würde man das Meer zu nächtlicher Zeit bei Vollmond filmen.

Das ist für mich das einzige Manko dieser kleinen genialen Panasonic HC-X909. Hier ist die Nikon D800E mit ihrem drastisch größerem Chip klar im Vorteil. Aber der D800E fehlt im Videomodus der Sucher. Ist es hell so erkennt man auf dem rückwärtigen Display rein gar nichts. Bei der Panasonic zieht man den Sucher etwas heraus. Damit wird er automatisch aktiviert und man kann selbst bei hellem Sonnenlicht seine Motive sehr gut verfolgen. Gut gefällt mir an der Panasonic auch die Möglichkeit extrem schnell zwischen der „intelligenten Automatik“ und dem manuellen Modus wechseln zu können. Hier reicht ein Druck auf einen der wenigen Knöpfe und schon kann man auf dem Touchdisplay wählen welche Parameter man manuell einstellen möchte. Die Werte lassen sich sogar durch drehen des „Fokus-Ringes“, der eigentlich ein Universal-Einstellring ist, kinderleicht verändern. Kurzum, das Filmen mit dieser Kamera geht einfacher und besser von der Hand als mit der großen sperrigen Nikon D800E. Allerdings muss man mit Einschränkungen beim Dynamikumfang und der Auflösung leben. Aber so ist das im Leben, man kann nicht alles haben 🙂

Nach unserer Videosession geht es weiter bis zum Ende der Sackgasse. Dort erreichen wir das kleine Örtchen Benijo. Hier beginnt eine Off-Road-Piste die sich eng an den Felsen entlang bis zu einem winzigen Örtchen windet das wirklich am „Arsch der Welt“ liegt. Hier gibt es einen Parkplatz und man kann zum Roque de Dento wandern. Eines der vielen Wahrzeichen Teneriffas und der Felsbrocken der den Blick vom Strand bei Taganana in Richtung Norden ganz entscheidend prägt.

Taganana mit Nikon D800E

Die Straße ist eng und holprig. Kommt einem hier ein Auto entgegen so muss eines der beiden Fahrzeuge ggfs. 100 Meter und weiter zurück setzen. Leitplanken gibt es nicht und Sandra kriegt die totale Krise. Als ich schließlich erwähne, dass ich mir vorstellen könnte hier den Sonnenuntergang abzuwarten und den genialen Blick hinüber nach Taganana fotografisch festzuhalten, ist sie kurz vor der Panik. Bloß nicht noch im Dunkeln diese „Straße“ zurück fahren!!! Ok, es gibt keine Fotos, keine Videoschnipsel, wir drehen einfach um fahren zurück nach Taganana. Zwischendurch rutscht ein etwa 20cm dicker Felsbrocken vor das linke Hinterrad. Das Auto bleibt kurz stehen, die Räder drehen durch und mit einem deutlichen „Hoppla“ geht es nach einem Augenblick weiter. Nun ist es bei Sandra ganz vorbei. Ich soll anzahlten, sie will aussteigen und den Rest des Weges zu Fuß gehen. Ich fahre langsam im ersten Gang weiter und mit den Metern legt sich die Panikattacke. Als wir wieder „festen Boden“ unter den Reifen spüren sind wir beide erleichtert. Manche Straßen sind hier auf Teneriffa ein echtes Abenteuer 🙂

Ohne viele Umschweife geht es zurück zum Hotel. Dort schauen wir uns den Tatort im ARD an. Danach wird bei Günther Jauch über Zwangsprostitution mit Minderjährigen diskutiert. Irgendwann höre ich nicht mehr zu weil ich mich frage warum man das überhaupt diskutieren muss? Es gehört bestraft und ist so ziemlich das Fieseste was ich mir denken kann. Aber in Italien soll es ja sogar mal einen Staatschef gegeben haben der sich junge Mädchen zum „Bunga Bunga“ kommen ließ. Was für eine fiese Welt…

Die Milchstraße

So gegen 23h breche ich dann wieder auf. Heute will ich endlich mal die Milchstraße sehen! Die Bedingungen sind grandios. Der Himmel ist wolkenlos, es ist klar und der zunehmende Mond versteckt sich noch auf der anderen Seite der Erde. Also los…

Im Gepäck ist alles was beim letzten Anlauf auch schon dabei war. Es geht wieder einmal die 100.000 Kurven über La Orotava hinauf zum Teide. Auf dem neuen USB-Stick haben ich drei Alben der „Supergroup“ Chickenfoot. Der Motor heult und die krachigen Girattenriffs versuchen ihn zu übertönen. Es gibt Momente im Leben eines Mannes die kann man einfach nur allein genießen!

Nikon D800E - HowTo Timelapse

Nach etwa 90 Minuten bin ich um ca. 0:30 am Parador oben in den Canadas del Teide. Hier ist ein staatlich geführtes Hotel, es gibt eine nette kleine Kapelle und einen großen Busparkplatz auf dem man nachts nur selten stolpert. Ich parke meinen Opel Astra in der Nähe der kleinen Kapelle, so habe ich sie und den Gipfel des höchsten Berges der Spanier gleichzeitig im Blick. Die Nikon D800E wird mit dem SAMYANG 2.8/15mm bestückt. An die Nikon D7000 montiere ich das „kleine Schwarze“ – das AF-D 2.8/10.5mm Fisheye. Bei beiden Kameras stelle ich ISO-1600 ein, die Blende wird jeweils vollständig geöffnet, beide Objektive haben einen definierten Anschlag für „unendlich“. Das ist nachts extrem praktisch denn der Autofokus funktioniert dann nicht. Und bei den schönen modernen AF-S Objektiven hat man keinen exakten Anschlag für „unendlich“ mehr. Hier passiert es schnell, dass man hunderte Fotos aufnimmt, sich die halbe Nacht lang neben den Kameras im Auto den Arsch abfriert und Später bei der Video-Bearbeitung feststellen muss, das alles unscharf ist. Wer will das schon?

Bei ISO-1600 und Blende 2.8 liefern Belichtungszeiten zwischen 10 und 30 Sekunden meist recht ansprechende Ergebnisse. Bei der D800E kann man durchaus auch bei ISO-800 mit 30s fotografieren. Allerdings dauert dann die ggfs. aktivierte Rauschunterdrückung etwa weitere 30s. So kann man nicht kontinuierlich fotografieren, sondern muss sich mit Intervallen von etwa 60s abfinden. Ich nehme jeweils 100 Bilder auf. Bei 25 Bildern/Sekunde sind das später Sequenzen die 4 Sekunden lang sind. Reduziert man bei der Videobearbeitung das Tempo etwas, so kann man sie ohne dass es „ruckt“ auf etwa 6 Sekunden strecken.

Nikon D800E - HowTo Timelapse

Während meine beiden Kameras unterschiedliche Motive um die Wette knipsen fällt das Thermometer von Stunde zu Stunde. Um etwa 3h zeigt es noch eisige 4°C. Ich sitze in meinem Auto und bibbere vor Kälte. Den Motor will ich auch nicht stundenlang laufen lassen, denn dieser Opel schaltet dann automatisch das Standlicht ein. Das beleuchtet die Umgebung und sieht später nicht wirklich gut aus. Also beschließe ich um etwa 3h am Morgen, dass es jetzt genug ist. Es geht zurück zum Hotel. Der Heimweg über menschenleere Straßen ist heute noch ganz so heftig wie beim letzten Mal. Ich lasse es ruhig angehen, schließlich bin ich hundemüde und ich will auch keines der vielen Kaninchen überfahren. Um kurz vor 5h geht im Hotel dann gar nichts mehr. Nur schnell die Zähne putzen und dann schlafen… Sandra will ich nicht stören, so lege ich mich so wie ich bin auf das Sofa. Eine Kuscheldecke gibt es dort noch. Als Sandra mich um 8h30 weckt bin ich noch immer ziemlich durchgefroren. Aber ich habe Hunger und freue mich auf das leckere Frühstück in der wärmenden Morgensonne.

Nikon D800E - HowTo Timelapse

Später wird die „Beute der Nacht“ gesichtet und ich bin wirklich überrascht wie gut diese beiden Kameras bei hohen ISO-Werten und wenig Licht funktionieren. Auch sind gar nicht die befürchteten Datenmengen zusammen gekommen. Dadurch, dass man nur alle 60 Sekunden ein Bild schießen kann, gibt es eine „natürliche Obergrenze“. Ich habe in dieser Nacht Bildmaterial im Umfang von etwa 16GB eingesammelt. Das ist harmlos 🙂

Tipp

Mit einer dieser modernen leistungsfähigen LED-Taschenlampen lassen sich nächtliche Szenerien ganz wunderbar ausleuchten!

Fazit

Rückblickend war es eine der schönsten Erfahrungen meines Lebens. Eine so klare Nacht mit so unglaublich vielen Sternen habe ich mir schon seit vielen Jahren gewünscht. Früher dachte ich, dass man ein Teleobjektiv braucht um ein Foto der Milchstraße aufnehmen zu können. Ich dachte es sei eine kleine Formation irgendwo zwischen dem „Kleinen Wagen“ und dem „Großen Wagen“. Aber weit gefehlt, die Milchstraße erstreckt sich wie ein gewaltiges Band von einem Ende des Himmels zum gegenüberliegenden Ende. Wollte man sie in einem Foto aufnehmen, so bräuchte man ein Objektiv mit einem Blickwinkel von etwa 180°. Mit meinem 10.5mm Fisheye liege ich da also gar nicht so verkehrt. Doch man muss ich auch gut aussuchen wo und wie man die Kamera aufstellt. In den Canadas del Teide kann man die Kamera sauber gen Himmel richten und hat an den Bildrändern  doch immer wieder Teile der umgebenden Berge auf dem Bild. Wenn man diese Berge also schon nicht weg bekommt, dann sollte man sie eben in die Fotos einbeziehen. Für mich hat das dann seinen ganz besonderen Reiz. Erst wenn man die Sterne der Milchstraße am höchsten Berg Spaniens vorbeiziehen sieht bekommt der Betrachter einen Eindruck der Dimensionen und der eigentlichen Bewegung.

Nikon D800E - HowTo Timelapse

Es würde mich sehr reizen die nächtliche Fotografie intensiver zu betreiben. Aber dann bräuchte man eigentlich auch einen „Slider“ und noch ein weiteres Stativ. Nur so gelingen dynamische Kamerafahrten im Schneckentempo. Aber wie soll man all das transportieren und wie soll ich meiner Freundin erklären, dass wir gemeinsam verreisen ich aber nachts immer weg bin und tagsüber müde durch die Gegend schleiche oder gar schlafend im Bett liege? Es wird also vorerst meine letzte Nacht im Gebirge bleiben müssen. In den kommenden Tagen möchte ich noch zum Sonnenaufgang die eine oder andere Tour ins Gebirge unternehmen. Aber dabei wird es dann auch bleiben.

Das größte Problem sind hier im Dezember die kalten Nächte im Gebirge auf mehr als 2200 Metern. Im Hochsommer ist es 5 bis 10°C wärmer. Wer hier im Dezember die Sterne beobachten will sollte sich warme Winterkleidung mitnehmen.

Zum Abschluss hier noch zwei Bilder aus der kleinen aber feinen Nikon D7000.

Nikon D7000 - HowTo Timelapse

Nikon D7000 - HowTo Timelapse