Tag 11 – Exkursion in das Anaga-Gebirge

Neben den Canadas del Teide ist das Anaga-Gebirge im Norden Teneriffas eines meiner persönlichen Highlights. Nach den wolkigen Tagen geht es am Montag vor Weihnachten gegen Mittag los in diese schöne urwüchsige Bergregion. Unser Ziel ist Benijo, ein winzig kleiner Ort am Ende einer echt langen kurvenreichen Sackgasse.

Der Weg dorthin führt durch mystische Wälder und atemberaubende Passstraßen. Fährt man etwas langsamer, so wird auch den Beifahrern bei den vielen engen Kurven nicht übel 🙂

Mit einigen Stopps dauert unsere Anfahrt dauert fast drei Stunden. Als wir in Benijo eintreffen haben wir Hunger und sind froh, dass es in der Bar „El Fronón“ leckeren gegrillten Fisch gibt.

Danach wandere ich die vielen Stufen hinab zum einsamen Strand mit Blick auf den Roque de Benijo. Dort vergnüge ich mich mehrere Stunden mit der Nikon D700 und dem SAMYANG 2.8/14mm Fisheye. Zwischendurch wird ein wenig mit der D7000 gefilmt, dann kommt das Nikon AF-S VR 4/16-35mm an die D700. Am Meer liegen viele große Felsbrocken, teilweise sind sie mit grell grünem Moos bewachsen. Einige haben kleine Dellen in den sich kleine Pfützen gebildet haben. Gern würde ich eine solche Pfütze mit dem Weitwinkel ganz groß im Vordergrund abbilden. Aber die Steine sind auch glitschig und nirgendwo kann ich mein Stativ ordentlich aufstellen. Das ist alles gar nicht so einfach wie ich es mir zuvor ausgemalt habe.

Nach einiger Zeit verliere ich ein wenig die Lust und ich beschließe zu den absoluten Anfängen der Fotografie zurück zu kehren, zumindest teilweise. Vor meine D700 kommt eine „Weitwinkel-Lochblende“. Dieses Ding hat irgendwas um Blende 128 oder so, es ist nur ein kleines Loch, dass mit einem Laser-Strahl in eine Art Gehäusedeckel geschossen wurde. Kein Glas kein nichts, nur ein kleines Loch – schon fertig…

Bei der D700 reicht das einfallende Licht aus um den Life-View mit ausreichend viel Licht zu versorgen. So kann man seine Bilder in Ruhe komponieren. Wegen der winzig kleinen Blende sind bei ISO-100 Belichtungszeiten von bis zu 2 Sekunden möglich. Damit ist das Wasser malerisch verwischt, doch es ist gar nicht so einfach bei heftigem Wind zwei Sekunden lang die Kamera still zu halten. Trotz Stativ sind viele Bilder verwackelt. Ein Stativ kann eben nie zu schwer und stabil genug sein. Also muss man warten bis der Wind kurz abflaut. Ein Geduldspiel, fast wie beim Angeln…

Etwas lästig ist, dass der Wechsel zwischen Spiegelvorauslösung und Life-View bei der D700 etwas fummelig ist. Na ja, man kann nicht alles haben, vielleicht kann das die D4 oder D800 irgendwann einmal etwas besser.

Nach meiner langen Fotosession geht es die vielen Stufen zum Auto hinauf und wir fahren zurück in Richtung „Las Mercedes“. Am letzten Mirador angekommen schieben sich gerade schwere Wolken mit abenteuerlicher Geschwindigkeit vor die Sonne. Diese schickt sich an in 10 bis 20 Minuten hinter dem Pico del Teide zu verschwinden. Während Sandra bei einem Gemüsehändler einige Kaktus-Früchte einkauft, lasse ich die kleine GoPro auf der Eieruhr die Szenerie aufzeichnen. Mit der D7000 und dem 16-85mm mache ich einige Fotos und zeichne einige Video-Sequenzen auf. Diese kleine Kamera macht mir immer wieder richtig viel Spaß!

Später daheim bin ich bei der RAW-Konvertierung ziemlich überrascht, was sich trotz der krassen Gegenlicht-Situation für schöne Fotos ergeben haben!

Hier noch zwei Beispielfotos die mit der Lochblende an der D700 entstanden sind.

Zum Abendessen geht es dann einmal wieder in das Monasterio bei Los Realejos, heute gibt es dort Bier und Garbanzas – lecker!

 

Nikon D700 – Tierfotografie mit AF-S VR 4/200-400mm

Tag 10 – Auf der Flucht vor dem Sturmtief

Der Wetterbericht verheißt für heute nicht viel gutes. Ein kräftiger Nordwind soll schwere Wolken mit sich bringen, für die Nordseite der Insel ist Regen angesagt. Was tun, daheim auf der Finca im Trockenen sitzen und abwarten bis es vorbei ist? Oder einfach rein ins Auto und mal schauen ob sich ein sonniges Eckchen auf dieser doch recht großen Insel finden lässt? Wir entschließen uns zur „Flucht nach Vorn“ oder besser gesagt „Auf nach Süden“.

Auf der Höhe von La Orotava beratschlagen wir uns kurz. Wollen wir eine halbe Stunde oder länger im täglichen Stau vor La Laguna stehen oder fahren wir über die Berge auf die andere Seite der Insel? Wir entscheiden uns gegen den Stau, den haben wir ab Januar in Deutschland wieder zur Genüge. Also runter von der Autobahn und auf ins Gebirge. Oberhalb von La Orotava halte ich kurz an und montiere die kleine GoPro auf die Windschutzscheibe. Es geht weiter, an einem Aussichtspunkt halten wir mal an um die GoPro zu kontrollieren. Und siehe da, das Unterwassergehäuse ist von Innen wieder einmal total beschlagen. So ein Mist, fährt man mit dem Ding weite Strecken bergauf so ändern sich die Temperaturen mitunter wirklich stark und damit kommt die kleine Kamera im geschlossenen Gehäuse nicht klar. Es gibt kleine Streifen aus Silica-Gel, diese könnte man in das Gehäuse legen um die Feuchtigkeit aufzunehmen. Aber die haben ich nicht! Alternativ könnte man eine offene Rückwand verwenden, aber die habe ich auch nicht dabei! Also bleibt nur alle paar Minuten anzuhalten, das Gehäuse zu öffnen und die Linse mit einem Stück Taschentuch zu trocknen. Das ist lästig und nervig, aber es geht leider nicht anders.

Der Weg durch die Berge und die Canadas del Teide zieht sich schier endlos dahin. Als wir unterhalb von Arona am Jungle Parque eintreffen ist es schon fast 11h. Der Park öffnet um 10h und schließt  um 16h30. Der Eintrittspreis für Erwachsene beträgt 24 Euro pro Tag. Innerhalb des Parks gibt es viele Tiere zu sehen, man kann meist gut fotografieren und für das Leibliche Wohl wird auch gesorgt.

Heute habe ich endlich das dicke Nikon AF-S VR 4/200-400mm dabei. Dieses Monstrum habe ich nur für diesen Tag eingepackt. Weil ich dieses Ding mitnehmen wollte musste ich mir einen neuen Handgepäckkoffer kaufen und ihn mit der „dicken Linse“ und anderen Objektiven bestücken während der Fotorucksack mit allem nicht ganz wichtigen Zubehör im Koffer transportiert wurde.

Heute ist also endlich der Tag der Tag, heute ist „Telephoto-Day“!!

Später daheim auf unserer Finca habe ich fast 3.000 Bilder mit der D700 und etwa 100 Bilder mit der D7000 geschossen. Mit der D7000 und dem dicken Tele habe ich einige Video-Sequenzen in echter Blue-Ray-Qualität aufnehmen können. Eine Symbiose aus D700 und D7000 wäre genau DIE KAMERA für mich. Mit ein wenig Glück wird es sie zu meinem nächsten Geburtstag ja schon geben. Im April ist die neue Nikon D800 vielleicht endlich da, mal abwarten…

Solange sie nicht da ist, muss ich mit zwei Gehäusen hantieren, ständig wechseln und habe ständig Probleme mit Staub auf den Chips der Kameras. Zwar haben sie eine automatische Staubentfernung via Ultraschall. Aber diese Staubentfernung funktioniert meist nur sehr ungenügend. Sind die Staubpartikel ein wenig widerspenstig, so bleiben sie einfach auf dem Chip haften, ganz gleich wie stark er sich auch schüttelt. Oft wird an der Nikon D3 bemängelt, dass der Chip den Staub nicht abzuschütteln vermag. Aber mal ganz ehrlich, so wirklich gut funktioniert das eh nicht und wenn man sowieso den Chip putzen muss, dass braucht man auch keine Ultraschall-Schüttelfunktion 🙂

Daheim fallen mir immer wieder Staubkörner in den Bildern auf, besonders bei den Fotos auf denen man fliegendes Federvieh vor hellen Wolken sehen kann. Wirklich ärgerlich, aber ich habe heute ausschließlich im RAW-Format fotografiert und ein aktuelles „Staubkorrektur-Bild“ habe ich auch. Also kann ich später daheim in aller Ruhe mit Nikon Capture das eine oder andere RAW-Bild öffnen und mal schauen wie gut das automatische Retuschieren der Staubpartikel funktioniert.

Für heute bin ich jedenfalls erst einmal ziemlich froh und geschafft…

Ach ja, Regen habe wir keinen gehabt! Der Pico del Teide ist fast 4.000 Meter hoch und der Jungle Parque bei Aroma liegt bei Nordwind in seinem Windschatten. So haben wir zwar den ganzen Tag über Wolken gesehen, aber irgendwie nur um uns herum 🙂 Auf dem Rückweg hat es bei La Laguna ordentlich geschüttet, aber das war gar kein Problem, nun ist unser Mietwagen endlich wieder sauber 🙂

Nikon D700 – Sterne fotografieren

Tag 9 – Schwere Wolken – Keine Fotos

Als ich wach werde bin ich allein, die Uhr auf dem Nachttischchen neben mir zeigt 8h50. Im Bad dröhnt ein Fön, Zeit aufzustehen! Kurz drauf gibt es wieder ein famoses Frühstück. Es ist wieder Sonntag, also gibt es Weißwürstchen mit süßem Senf und Brezeln – super! Danach etwas Süßes, Kaffee und Sekt, so kann der Tag beginnen.

Später finde ich auf meinem Telefon eine SMS von meinem deutschen Mobilfunk-Provider:

Sie haben 80 Prozent des Daten Roaming Limits erreicht. Für weitere Datennutzung in der EU nach Erreichen des Limits geben Sie bitte *142# in Ihr Endgerät ein.

Mein aktueller Tarif „Reisevorteil Plus“ enthält ein gewisses Datenvolumen, wenn ich mich nicht irre sind es 300 MB zum Preis von 50 Euro. Nach Erreichen dieses Limits wird der Datenverkehr abgeschaltet. Wie ich mit einige wenigen BLOG-Einträgen schon bei 300MB / 100 * 80 = 240MB angekommen bin ich mir höchst schleierhaft. Ich denke, da Thema „Datentelefonie im Ausland“ wird auch innerhalb der EU noch für Jahre ein leidiges kostspieliges Thema bleiben.

Später am Abend gebe ich dann *142# ein und drücke auf „Anrufen“. Einen kurzen Augenblick später zeigt mein Telefon diese Meldung an „Ihr Datenlimit wurde aufgehoben“. Ok, ab jetzt kann es ggfs. so richtig fies teuer werden!

Ab jetzt heißt es also „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!“ Auf meinem Android-Telefon habe ich das kleine APP „NetCounter von Cyril Jaquier“ Es zeigt mir derzeit an, dass ich während der letzten 7 Tage 107,78 MB verbraucht habe. Das ist deutlich weniger als 240MB – oder? Heute ist der neunte Tag auf Teneriffa, während der ersten beiden Tage habe ich meine Telefon gar nicht benutzt. Also entweder habe ich mich verrechnet, das Programm hat einen Fehler oder mein Mobilfunk-Provider „bescheißt“ – was ich eigentlich nicht glauben kann. Ich denke eher, dass es beim Datenvolumen um Down- und Up-Stream geht und dass das kleine APP ggfs. nicht beide „Richtungen“ aufzeichnet.

Okay, zurück zum Thema des Tages: Am Himmel künden schwere Wolken eine kleine Schlechtwetterperiode an. Was tun? Egal, im Augenblick scheint die Sonne, also ab auf die Liege und etwas Sonne tanken. Erst gegen Mittag haben wir Lust etwas zu unternehmen. Mit dem Auto geht es zum Alcampo, dem großen Einkaufszentrum bei Puerto de la Cruz. Während ich durch die Elektronik-Abteilung schleiche kauft Sandra Ersatz für ihre zerbrochene Haarspange. Ich studiere ein wenig die Preise und muss erneut feststellen, dass es kaum einen Unterschied macht. Es lohnt sich nicht irgendwelche Fotosachen hier zu kaufen. Teilweise werden sogar Auslaufmodelle zu Preisen angeboten die in Deutschland längst überholt wären. In Las Vegas wäre es etwas anderes, dort würde es sich ggfs. lohnen ein wenig Zubehör für Notebook, Camera & Co. zu erstehen, hier auf Teneriffa lohnt es eher nicht.

Klar kann man in Puerto de la Cruz an der Promenade bei einem der vielen „Foto-Inder“ auf das eine oder andere Schnäppchen hoffen. Aber was dort angeboten wird ist in der Regel spezielle „Touristen-Ware“. Artikel für Leute die damit nach Hause fliegen und erst dort bemerken, dass etwas nicht ganz ok ist, oder dass der Artikel vielleicht sogar schon benutzt oder nicht ganz vollständig ist. Also lieber die Finger davon lassen!

Nach mehreren Stunden im Alcampo telefonieren wir kurz mit Wolfgang und Karin und verabreden uns zum Eis am Mirador bei El Sauzal. Dort angekommen ist es schwer bewölkt. Meine D7000 lasse ich einfach im Kofferraum. Lediglich den kleinen ZOOM H2 und meine GoPro auf der „Eieruhr“ nehme ich mal mit. Am Mirador ist ein rostiges altes Gerüst. Dort wurden einst Waren mit einer Winde an Seilen vom Meer hinauf transportiert. Heute ist es nur noch ein rostiges Relikt aus alten Zeiten. Aber es ist aus Eisen und meine Eieruhr hat auf der Unterseite einen Dauermagneten. So haftet meine kleine Kamera ganz prima an diesem Gerüst. Ich lasse sie mal eine halbe Stunde vor sich hin filmen. Dann noch eine etwas andere Position und plötzlich spüre ich die ersten Regentropfen. Also ab ins Auto. Ein paar Minuten später ist der Regen schon wieder Geschichte und Wolfgang und Karin sind auch schon da.

Unten am Mirador gibt es eine kleine nette Eisdiele. Ich freue mich jetzt auf einen leckeren Krokant-Becher! Während wir schmausen und plauschen gehen erneut ein paar Regentropfen nieder, aber wir rücken unter den Sonnenschirmen etwas zusammen, alles gar kein Problem. Gegen 17h verabschieden wir uns und fahren in Richtung Monasterio. Dort finden wir auch gleich einen Tisch und der Oberkellner empfiehlt und das frische Spanferkel mit Salat, kanarischen Pellkartoffeln und Apfelmus. Dazu ein großes Bier und schon bin ich der glücklichste Mensch auf Erden – ist doch ganz einfach.

Diese enorme Köstlichkeit runden wir mit einer Crema Catalana und einem Glas Calvados ab. Alles zusammen kostet knapp 60 Euro.

Daheim auf unserer Finca ist der Himmel wieder klar und ich versuche mich mal an ein paar Sternenbildern mit der Nikon D700 und dem neuen AF-S 1,4/50mm. Bei echt hohen ISO-Werten, Blende 1,4 und 4s gelingen Bilder mit nicht verwischten Sternbildern. Doch sie sind dann doch etwas verrauscht und eine Vignettierung der Bildränder ist auch ganz deutlich sichtbar. Bei Blende 2,8 ist die Vignettierung kaum noch sichtbar, steigert man die Belichtungszeit auf etwa 8 Sekunden sind bei ISO 16.000 noch ganz passable Sternenfotos möglich.

Gern hätte ich ein paar Fotos der Milchstraße, wenn ich nur wüsste wo sie ist!! Hoch oben auf in 2250 Metern Höhe am Fuße des Pico del Teide sollte es bei klarem Himmel mit dem AF-S 4/200-400 und meinem stabilen BENRO Stativ eigentlich irgendwie gehen. Mit dem 50mm Objektiv entstehen eigentlich nur Fotos die eine relativ gleichmäßige Verteilung heller Punkte zeigen. Nicht wirklich schön sieht das aus. Aber wo ist die Milchstraße? Ich versuche es mal mit Google Skymap, aber das will auch nicht so richtig klappen.

Heute ist Sonntag und in 7 Tagen geht es leider schon wieder zurück nach Deutschland. Eigentlich ist jede Reise immer viel zu kurz. Es wäre ein echter Traum mal ein halbes Jahr oder länger um die Welt reisen und sich gänzlich der Fotografie und der Kommunikation mit Land und Leute verschreiben zu können. Aber bis das klappt muss man wohl in Rente sein oder einen reichen Sponsor finden.

Falls diese Zeilen von einem potentiellen reichen Sponsor gelesen werden sollten, ich wäre bereit täglich zu berichten und viele schöne Geschichten und Fotos zu veröffentlichen! Entsprechende Spendenquittungen würde ich natürlich auch gern ausstellen 🙂

Okay, jedenfalls geht wieder ein Tag zu Ende und es ist wieder an Tag an dem weder eines meiner beiden Teleobjektive, noch der Teleconverter, die AW-100 oder sonstiges Fotozeugs benutzt worden wären…

Eigentlich sollte ich mal mit einer Packung frischer Rollfilme, einer 500er Hasselblad und einigen wenigen Objektiven hierhin reisen. Am Ende würde vielleicht sogar mehr schöne Fotos entstehen als mit all dem digitalen Ballast den ich derzeit mal wieder mit mir herum schleppe. Na mal sehen, vielleicht im nächsten Jahr 🙂

Das war also Tag 9 – man könnte ihn so zusammenfassen: „Größtenteils harmlos!“

Hier noch zwei Beispiel des Nachthimmels über unserer kleinen Finca – gesehen durch ein 50mm Objektiv. Man sieht ja echt viele Sterne, aber wirklich schön sieht da eigentlich nichts aus… Die Bilder sind übrigens wie immer 1000 Pixel breit – also einfach anklicken um sie in der „1000er Auflösung“ zu sehen.

Tag 8 – Schreck in der Abendstunde

Als wir beim Frühstück sitzen ist es draußen schwer bewölkt und der Wetterbericht verheißt für heute und die kommenden Tage wenig gutes. Es soll Regen geben und so richtig ungemütlich werden, was man auf den Kanaren eben so als „ungemütlich“ bezeichnen darf. Wir lassen und nicht beeindrucken und frühstücken erst einmal in aller Ruhe.

Zurück an unserem kleinen Häuschen sind die Betten schon gemacht. Also schnell den Artikel zum Vortag fertig schreiben, via Roaming eine Datenverbindung mit dem Mobiltelefon herstellen, einen WLAN-Hotspot auf dem Telefon einrichten, mit dem MacBook eine Verbindung zum Telefon herstellen und dann den frisch getippten Artikel publizieren. Noch schnell ein paar Fotos reinhängen, noch einen kleinen Fehler korrigieren und schon sind wir fertig. Noch kurz die E-Mails checken, Sandra schaut auch noch schnell bei Google-Mail rein und schon können wir die Datenverbindung wieder kappen.

Viele Daten können es ja nicht gewesen sein, mir kommt die verwegene Idee mal kurz im Telefon nachzuschauen. Dort habe ich einen kleinen „Verbrauchszähler“ installiert. 22,89 MB wurden heute übertragen!! Ohje, der Spaß hat also 13,51€ gekostet. Wow, das geht wirklich schneller als man denkt! Mein Tarif enthält eine Auslandsoption, ein Megabyte kostet 0,59€ bei „fairer 10KB Taktung“. Die Verbindung ist hier völlig ok, es klappt sogar alles mit HSPDA-Geschwindigkeit. Aber wirklich preiswert ist das trotzdem nicht! Und noch einen Haken hat der Spaß, der Tarif hat bei 50€ eine Obergrenze. Ist diese Grenze erreicht ist keine weitere Verbindung möglich bis man direkt über den Provider ein neues Paket frei geschaltet hat. Nur wie das geht weiß ich gar nicht. Während der kommenden Tage muss ich also etwas vorsichtig mit meinem „Datenvolumen“ umgehen.

Die automatischen Updates usw. habe ich ja schon ausgeschaltet und ich klicke auch keine unnötigen Web-Seiten usw. an. E-Mails mit Anhängen lade ich gar nicht erst herunter, aber dennoch kommt allerhand zusammen. Ein Problem scheint mir auch zu sein, dass viele Web-Seiten inzwischen via AJAX egal wo man klickt immer mal im Hintergrund Daten mit dem zugehörigen Web-Server austauschen. Man bemerkt es nicht wirklich, aber es geschieht meist allerhand im Hintergrund.

Nach dem kleinen „Datenschock“ überlegen wir was wir heute anstellen könnten. Mein Freund Wolfgang fährt bei schlechter Wetterlage auf der Nordseite Teneriffas gern mal rüber in den Süden nach Candelaria. Ich selbst war dort noch nicht und angesichts des schwer bedeckten Himmels könnte es eine gute Idee sein. Wir packen also alles ein was wir für notwendig halten. Später am Abend wird es wieder viel zu viel gewesen sein…

Heute ist auch die kleine GoPro dabei. Ich montiere sie mit dem Autoscheiben-Halter von außen oben in der Mitte der Windschutzscheibe. Und schon geht es los. Später unten kurz vor der Autobahn halten wir an und ich „sichere“ die kleine Kamera, wer weiß was geschieht wenn sie sich bei 120 km/h lösen sollte?

Die Fahrt nach Candelaria ist nicht wirklich weit und das Wetter wird sonniger je mehr wir uns Candelaria nähern. Von innen habe ich mein Garmin Colorado 300 an die Scheibe „geklebt“. So können wir den Track des Tages aufzeichnen. Vor zwei Tagen habe ich es tatsächlich geschafft eine kostenlose routing-fähige Karte für alle Kanarischen Inseln auf meinem Garmin zu installieren. Die Karte ist wirklich detailliert und recht genau, allerdings gibt es keine Höhenlinien oder ähnliches, was beim Wandern hilfreich sein könnte. Es ist eben eine reine Straßenkarte. Wer sie selbst auf seinem GPS installieren möchte, sollte mal im Web nach „Islas Canarias“ und „Computerteddy“ suchen.

In Candelaria angekommen sind wir überrascht eine quirlige niedliche Innenstadt vorzufinden. Mit Los Christianos oder anderen Hotelburgen hat das hier gar nichts zu tun. Das ist pure kanarische Lebensart, wirklich schön!

Bewaffnet mit meiner Nikon D7000 und dem superguten AF-S VR 16-85mm geht es durch die Stadt. Es entsteht ein Knipsbild nach dem anderen, bis wir schließlich in einer italienischen Pizzeria landen. Die Pizza ist wirklich gut und inkl. Getränken und einem tollen Espresso kostet es 19,10€. Noch ein wenig Trinkgeld dazu und wir sind bei 22,- € für ein komplettes Mittagessen, nicht schlecht!

Nach dem Essen möchte Sandra ein wenig durch die Geschäfte stöbern, ich schaue mir während dessen die Basilika an, sie ist ab 15h wieder geöffnet. Innerhalb der Basilika fotografiere ich ein wenig mit der Nikon D700 und dem ebenfalls superguten AF-S VR 16-35mm. Um ohne Stativ fotografieren zu können muss ich die ISO-Empfindlichkeit bis auf 16.000 steigern. Später am Notebook bin ich von der Bildqualität wirklich überrascht! Im Gegensatz zur D7000 kann man diese hohen ISO-Werte an der D700 nicht nur einstellen sondern tatsächlich verwenden!!

Aber dennoch bin ich nicht so wirklich glücklich mit den Ergebnissen. Die Bilder haben entweder helle Flecken oder dunkle schwarze Flächen. Eigentlich schreit das hier nach einem HDR. Also ab zum Auto, das kleine Manfrotto Stativ holen. Das große BENRO Stativ liegt derweil noch immer unbenutzt in meinem Koffer im „Kinderzimmer“ auf unserer Finca.

Zurück in der Basilika stelle ich ISO-200 ein und setzte das neue SAMYANG MF 2.8/14mm an die D700. Nun ist der Blickwinkel wirklich krass. Vom Ende der Kirche bekomme ich fast das gesamte Kirchenschiff auf ein Bild! Die Kuppel ist wunderschön, hier muss ich nicht auf der Erde liegen, einfach bei ISO-800 und Blende 4 kurz nach oben recken und schon ist sie fotografiert. Später am Notebook sieht das alles wirklich gut aus. Wenn man bedenkt, dass dieses Objektiv für unter 300 Euro zu haben ist, gar nicht schlecht! Ok, es hat nicht einmal eine CPU, es ist die ganz billige Version! Daher wird es an einfacheren Kameras wie Nikon D3000 oder der D60 nicht wo richtig gut funktionieren. Aber an der D700 macht es so wie es ist eine gute Figur, auch wenn wegen der fehlenden CPU nur die mittenbetonte Belichtungsmessung funktioniert.

Im Anschluss an die Fotosession in der Basilika würde ich noch gern einen Zeitrafferschwenk mit meiner kleinen GoPro und der Eieruhr machen. Direkt am Wasser finde ich auch ein geeignetes Geländer auf dem die magnetische Unterseite meiner GoPro-Eieruhr sehr schön haftet. Allerdings ist der Wind vom Meer so stürmisch, dass die Kamera fortlaufen „zittert“. So ist sicher keine schöne Zeitrafferaufnahme möglich. Also lassen wir das und gehen zurück zum Auto.

Was nun? Wir werfen einen kurzen Blick auf die Karte die Sandra eben gekauft hat. Wir könnten über Arafo hoch zum Teide fahren, dort einen Kaffee trinken und zum Abendlicht über La Esperanza hinab fahren. Gesagt getan, das Garmin wird schnell programmiert, es geht los in Richtung Arafo. Dort angekommen halten wir kurz an und nun kommt wieder die kleine GoPro auf die Windschutzscheibe. Es geht in endlosen Serpentinen hinauf auf über 2.000 Meter. Das Wetter ist grandios und von oben können wir sehen, dass rund um Candelaria ein gewaltiges „Wolken-Loch“ ist. Alles andere liegt unter einer dicken schweren Wolkendecke. Also war Candelaria gar keine schlechte Idee! Als wir oben am Restaurant in den Canadas del Teide eintreffen bin ich ziemlich frustriert als ich die kleine GoPro von der Scheibe nehme. Sie filmt nicht mehr und das Unterwassergehäuse ist wieder einmal von Innen komplett beschlagen. So ein Mist, diese kleinen Dinger sind wirklich nicht einfach zu handhaben. Wenn man wirklich sicher sein will, dass man ein brauchbares Ergebnis erzielt muss man alle 10 Minuten anhalten und das Ding kontrollieren.

Seit ein paar Wochen gibt es eine neue Version dieser Kamera. Auch hier hat der Hersteller nun erkannt, dass es blöd ist wenn man die Funktion der Kamera nur von der Vorderseite anhand einer blinkenden LED ausmachen kann. Die neue Version hat auch LEDs an der Ober- und Rückseite. Beim Motorradfahren ist es mir schon mehrfach so wie heute ergangen. Ich dachte ich hätte ein großartige Tour durch allergenialste Landstriche gefilmt und hatte letztlich nichts oder weniger als erwartet auf der SD-Speicherkarte.

Das könnte mir der neuen Version der GoPro HD HERO besser werden. Aber, dass das Unterwassergehäuse bei starken Temperaturschwankungen beschlägt, das wird man nur mit einem offenen Gehäuse oder diesen speziellen Strips abwenden können. Diese Strips legt man in das Unterwassergehäuse der GoPro und sie nehmen dann die sich ggfs. entwickelnde Feuchtigkeit auf. Leider habe ich das alles nicht dabei. Bei den nächsten Versuchen werde ich also immer mal wieder anhalten und kontrollieren müssen.

Überhaupt habe ich das Programm welches ich mir gewünscht habe noch nicht einmal annähernd geschafft. Das monströse 4/200-400mm Teleobjektiv ist noch unbenutzt, das 2.8/70-200 Tele ebenfalls. Das 1.4/50mm ist noch nicht ausgepackt, das  AF-S 24-85mm auch nicht. Der Infrarotfilter ist so fest mit einem Reduzierring verschraubt, dass ich ihn nicht abbekomme. Also gibt es auch keine Infrarot-Fotos. Die AW-100 liegt noch unbenutzt im Koffer, die Liste ließe sich verlängern. Und um all das mit hier hin zu schleppen habe ich mir extra einen neuen Koffer gekauft. Na, es gibt eben Menschen die werden einfach nicht klug – ich scheine dazu zu gehören 🙂

Ok, wo waren wir? Ach ja, das Restaurant in den Canadas del Teide. Dort gibt es eine Kaffee und ein Glas Orangensaft. Sandra trinkt ein Bier mit Lemon, diese Mischung wird hier auch als „Shandy“ gehandelt. Es schmeckt gut und ist eigentlich so etwas wie unser „Radler“.

Als die Sonne sehr tief steht wollen wir los um noch ein paar schöne Fotos zu machen. Ich montiere wieder die GoPro an der Windschutzscheibe, packe meine Jacke in den Kofferraum, steige ein, starte den Motor, lege den Rückwärtsgang ein und bewundere noch kurz die drei superschönen BMW Motorräder neben uns. Ich denke an nichts böses und plötzlich rummst unser schöner neue Opel Astra gegen irgend etwas was da nicht sein sollte, bzw. eben noch nicht dort war? Es ist gelb!! Ein anderes Auto, oh SCHEISSE – das darf ich hier mal schreiben… Wo kommt der denn her?? Vorwärtsgang einlegen, zwei Meter vorfahren, Motor stoppen und schauen was passiert ist. In dem gelben Kleinwagen sitzt ein völlig konsternierter Fahrer. Ich öffne seine Türe und frage „Ist alles ok?“ Aber er ist Ire und kommt aus Dublin. Wir machen auf Englisch weiter. Er ist perplex und weiß nicht was wir machen sollen. Ich schlage vor, dass wir die Mietverträge nehmen, sie gegenseitig abfotografieren und ein paar Fotos „der Situation“ machen.

Beide Autos haben sicher eine Vollkaskoversicherung, die Frage ist nur „Wie hoch ist die Eigenbeteiligung?“

Mein Unfall-Partner ist wirklich nett und unter anderen Umständen hätten wir sicher einen ausgedehnten „Fotos-Plausch“ geführt. Aber so sind wir nach ein paar Minuten wieder im Auto und fahren immer noch etwas perplex von dannen, natürlich begleitet von den grinsenden Gesichtern der spanischen Motorradfahrer…

Ich versuche nicht daran zu denken wie es mit der verbeulten Stoßstange weiter geht, aber es kommt mir doch immer wieder in den Sinn. Wer hat eigentlich Schuld? Wo kam dieses Auto her? Was genau hat der andere Fahrer eigentlich gesagt? Hätten wir ggfs. ein paar Stunden auf die Polizeit warten müssen? Wen hätten wir anrufen können? Während ich still vor mich hin grüble verschwindet draußen die Sonne direkt hinter dem Pico del Teide. An einem der vielen Aussichtspunkte halten wir an und ich mache mit der D700 ein paar schnelle Belichtungsreihen.

Als es weiter den Berg hinab geht muss ich doch weiter grübeln. Ich bin froh, dass nur eine Delle in der Stoßstange ist, außerdem war diese Stoßstange genau an dieser Stelle eh schon ziemlich verschrammt, nun hat sie dort noch eine Delle…

Na, wir werden sehen wir es weitergeht – ich werde berichten!

Da bin ich nun zum X-ten mal mit einem Mietwagen unterwegs, tausende Kilometer bin ich schon auf Teneriffa herum gefahren und immer habe ich gegrinst wenn ich ein verbeultes Auto gesehen habe. Nun habe ich selbst ein Beule in ein fast neues Auto gefahren. Bin ich eigentlich hinein gefahren? Hat der gelbe Wagen eigentlich gestanden? Ich weiß es nicht und irgendwie will ich es heute auch gar nicht mehr wissen…

Tag 7 – Expedition nach Teno Alto

Später am Nachmittag fahren wir in westlicher Richtung bis Buenavista del Norte. Dort biegen in Richtung Masca nach Süden ab. Nach gefühlten 50 Spitzkehren erreichen wir ein kleines Dorf. Dort zweigt nach rechts eine kleine Straße ab, es geht weiter nach Teno Alto. Mein Garmin Colorado hängt endlich mal wieder an der Windschutzscheibe und es stellt sich langsam das „Indiana Jones Feeling“ ein. Hinter uns ist ein eiliger Spanier, als die Straße etwas breiter wird lassen wir ihn passieren. Der Asphalt wird schlechter und die Straße windet sich den Berg hinauf. Einige Minuten Später kommen uns zwei grinsende Omis in einem Opel Corsa entgegen. Prompt ist das „Indiana Jones Feeling“ wie weggewischt… Woher die beiden wohl kommen? An unserem Wandertag hieß es, dass Wanderboss Heinz für den nächsten Donnerstag eine Wanderung im Teno-Gebirge plant. Zum Abschluss einer jeden Wanderung plant er meist einen Besuch in einem netten Restaurant ein. So eng wie hier die Straße ist, kann ich kaum glauben, dass es hier hier ein Restaurant geben soll. Aber diese Insel hat mich ja schon so oft überrascht, dass sie mich eigentlich gar nicht mehr überraschen kann 🙂

Die schmale holprige Straße windet sich durch das Gebirge, die Sonne steht schon tief und die Landschaft ist wirklich zauberhaft. Nur das Meer können wir nicht sehen. Eigentlich hatte ich gehofft, dass wir einen Punkt finden von dem man einen tollen Blick auf La Gomera hat. Angesichts der tief hängenden Wolken bin ich inzwischen skeptisch. Es sieht eher so aus als würde diese Tour ohne nette Fotos zu Ende gehen.

Nach einer Weile erreichen wir ein kleines Örtchen. Hier am Ende der Welt gibt es tatsächlich menschliches Leben. Das Örtchen heißt Teno Alto, wir sind also fast am Ziel. Und tatsächlich gibt es hier ein Restaurant, ich bin beeindruckt. Es sieht sogar alles ganz nett aus. Kurz hinter dem Restaurant gabelt sich die Straße. Wo geht es lang? Ich entscheide mich für „Links“ – das sieht aus als ginge es in Richtung Sonnenuntergang. Die Straße wird etwas besser, aber vom Meer trennen uns immer noch ein oder vielleicht auch mehrere Felskämme. Ein paar hundert Meter weiter gabelt es sich erneut, wo nun entlang? Ich entscheide mich wieder für „Links“. Die Straße ist nun ein schlecht betonierte Piste mit einer Regenrinne in der Mitte. Sandra ist relativ entsetzt, ich habe das „Indiana Jones Feeling“ zurück gewonnen.

Hoffentlich kommt uns jetzt niemand entgegen!! Nach jeder Kurve sieht die Landschaft anders aus und ich sende ein neues Stoßgebet gen Himmel. Und, das wirkt sogar! Wir haben keinen Gegenverkehr!

Schließlich zweigt die Straße nach rechts ab, nach Norden. Das sieht nicht zielführend aus, vor uns ist eine Art Bunker oder Wasserwerk in einen Hügel hineingemauert. Ich parke unseren Opel und schaue mich zu Fuß ein wenig um. Es sieht so aus, als könnte man zu Fuß den letzten „Hügel vor dem Meer“ erreichen. Sandra ist es zu kalt und zu windig. Sie hat das Feeling nicht und will lieber im Auto bleiben und ihren Krimi weiterlesen. Ich schnappe mit die D700 mit dem AF-S VR 4/16-35mm. Der Batteriegriff ist noch dran, mehr nicht. Stativ, Filter und was nicht alles bleiben im Kofferraum. Eine winddichte Jacke ziehe ich auch noch über, es sind nur etwa 14°C, wir sind etwa 1000 Meter hoch.

Zu Fuß geht es den Hang hinab. Auf er rechten Seite ist ein „angefressener“ Hügel aus Asche vulkanischen Ursprungs. Es gibt einigen recht tiefe Höhlen. Darin liegt Müll und es sieht aus als wären schon Menschen hier gewesen. Ich gehe mal hinein, es riecht auch nicht gut! Aber man hat einen interessanten Blick nach draußen. Ok, mit er „False Kiva“ im Canyonlands Nationalpark können diese Höhlen nicht mithalten, aber sie sind trotzdem nett. Leider kann ich hier praktisch nicht fotografieren. Entweder ist die Höhle stockschwarz oder die Landschaft draußen völlig überbelichtet. Spätestens jetzt hätte ich gern einen Kabelauslöser und ein Stativ dabei…

Es geht weiter den Hügel hinab. Auf der rechten Seite finde ich am Fuße des kleinen Hügels eine Finca. Sie sieht verlassen aus, aber es steht ein großer weißer SUV davor. Am Horizont sind weitere einsame Gebäude zu sehen. In der Ferne höre ich Schafe und es bellt ein Hund. Vorbei an einer verlassenen Finca und ausgedehnten Feldern mit saftig grünen Kakteen geht nach links wieder bergauf. Danach erhoffe ich mir einen Blick auf das Meer. Und tatsächlich, plötzlich liegt vor mir La Gomera, leider umhüllt von dicken Wolken. Schade, man kann die Insel eigentlich gar nicht erkennen. Die Sonne steht schon tief, es sind vielleicht noch 20 Minuten bis zum Sonnenuntergang. Ich laufe ein wenig herum um mir einen guten Punkt für eine schönes Foto zu suchen.

Plötzlich finde ich weiter unten eine weitere nette Ruine. „Propierto Privado“ oder so ähnlich steht es auf einem Schild geschrieben. Ich muss daran denen wie ich 2009 am Waterholes Canyon plötzlich eingesperrt war und der Polizist nur sagte „This is a private property“ – nach dieser Erfahrung fällt die Übersetzung nicht weiter schwer…

Ich steige über die Abgrenzung und hoffe nur, dass mir nicht gleich ein knurrender Hund am Hosenbein hängen wird. An der Runine sieht es dann eigentlich ganz cool aus. Meine Kamera kann ich auf den alten Mauern ablegen und so kann ich sogar das eine oder andere HDR schießen. AF und VR schalte ich dazu aus. Die Kamera stelle ich auf „A“ wie „Aperture Priority“ – also Blenden-Priorität. So bleibt bei jedem Bild einer Belichtungsreihe die Tiefenschärfe immer gleich. Das Bracketing stelle ich auf 7 Bilder mit einer Blende (1 EV) Unterschied. Die Bildfolge steht auf kontinuierlich und schnell (CH). So entstehen dann doch mehrere Belichtungsreihen. Später auf der Finca an meinem MacBook bin ich überrascht wie gut sie doch ganz ohne Stativ, Kabelauslöser und Spiegelvorauslösung geworden sind.

Der Sonnenuntergang selbst ist völlig unspektakulär. Die Sonne versinkt einfach hinter den Wolken über La Gomera und es wird dunkel, that‘s it. Ich trete den Rückweg an und muss daran denken wie ich im Frühjahr zusammen mit Alan Vasenius im Monument Valley auf das famose „Schattenspiel“ von „Left & Right Mitten“ gewartet habe. Damals ist nicht aber auch gar nichts aus diesem Schattenspiel geworden, aber statt dessen hatten wir den genialsten Sonnenuntergang des gesamten Trips. Alan hat damals auf dem Rückweg zum Auto nur mit den Schultern gezuckt und gesagt „Well, that‘s outdoor photography!“

So ähnlich sehe ich es auch heute, mal hat man Glück und mal hat man Pech. Wüsste ein Angler vor dem Angeln was anbeißen wird hätte er auch nur den halben Spaß. So geht es mir auch mit der Fotografie, mal gewinnt man, mal verliert man. Heute war ich irgendwo dazwischen.

Oben auf der Anhöhe kann ich unseren Opel schon sehen. Ich schwenke wild die Arme, vielleicht kann Sandra mich ja sehen. Als ich etwa 15 Minuten später am Auto eintreffe ist sie ziemlich fertig mit den Nerven. Kaum war ich weg kamen drei Spanier vorbei und wollten etwas von Ihr, was sie allerdings aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse nicht zu deuten vermochte. So hat sie etwas verängstigt im Auto gesessen, das Beifahrerfenstern einen Spalt breit geöffnet und nur „No Problemo“ gesagt. Irgendwann sind die Typen dann abgezogen. Aber Sandra war trotzdem verunsichert, vielleicht auch weil es in ihrem Krimi um eine einsame Frau geht die von bösen Buben belagert wird.

Wie dem auch sei, sie ist jedenfalls froh als es mit hereinbrechender Dunkelheit endlich zurück geht. Als die gefühlten 100 Spitzkehren endlich geschafft sind steht mein Magen quer. Diese Fahrerei macht mich total fertig. In Garachico angekommen parken wir das Auto und lassen es uns im gleichen Restaurant das wir schon am Vortag besucht haben gut gehen.

Zurück an der Finca ist es nach 21h, es ist kalt und dunkel. Ich freue mich über eine heiße Dusche während Sandra schon wie ein Stein ins Bett gefallen ist. Was für ein schöner Ausflug.