La Palma – Tag 12

Als ich am Vortag meinen BLOG veröffentlich habe, kommt auch schon meine liebe Sandra um die Ecke. Sie war erfolgreich und hat sich etwas zum Anziehen und natürlich ein Paar schicke neue Schuhe gekauft. Gemeinsam wollen wir den Abend fern der All-Inclusive Gäste in einem einheimischen Restaurant verbringen. Es geht hinauf zum Vulkan San Antonio. Etwa 100 Meter vor dem Visitor-Center ist auf der linken Seite eine sehr einladend wirkende Bodega. Als wir dort eintreffen müssen wir leider feststellen, dass wir den Ruhetag erwischt haben! Also drehen wir um und fahren noch ein paar Spitzkehren weiter den Berg hinauf. Oben im kleinen Örtchen Los Canarios gibt es einen Wegweiser der uns zu einem sehr gemütlichen kleinen Restaurant führt.

Wir sind die einzigen Gäste, das kommt mir etwas komisch vor, aber dann gibt es ein kaltes Radler (Cerveza con Seven-Up) und schon bin ich im Urlaubsmodus 🙂

Sandra bestellt sich ein Steak mit einem kleinen Salat, ich entscheide mich für den Fisch des Tages mit handgeschnittenen Kartoffeln aus der Fritteuse. Mein Fisch ist ganz ok, wenngleich auch nicht gerade Weltspitze, aber mir schmeckt es. Sandra knabbert relativ langsam und lustlos an ihrem Steak herum. Als ich frage was damit los ist erfahren ich, dass es wohl irgendein Missverständnis gegeben hat. Sie hatte mit einem Rindersteak gerechnet. Auf dem Teller liegt aber ein Stück Schweinefleisch. Sie kann damit dann aber doch ganz gut leben. Wir gehören nicht zu den Gästen die sich den Chef kommen lassen und eine Welle machen die ganze Dörfer wegspülen könnte.

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Nach dem Essen gibt es noch einen kleinen kanarischen Espresso mit aufgeschäumter Milch (Café Cortado). Für Sandra würden wir gern einen Ramazotti bestellen, aber die Kellnerin kennt das nicht. Wir versuchen es mit einem „Hierbas“, auf Teneriffa bekommt man dann meist einen kleinen Schnaps der ein wenig an einen süßen Grappa erinnert. Hier versteht man unter „Hierbas“ aber eher einen Kräuterlikör. Die Kellnerin hat auch sofort einen Jägermeister zur Hand. Aber den mag Sandra nicht. Wie erklären wir nur was wir wollen? Ich versuche es mit „Un hierbas similar a grappa?“ Sie flitzt kurz weg und bringt mir kurz darauf meinen Café Cortado und Sandra einen doppelten Grappa in einem Gläschen das ein wenig an ein zu klein geratenes Sektglas erinnert. Ich darf mal kurz kosten, es ist ein Grappa und er ist echt gut!

Bei Sandra hinterlässt dieser große Schnaps dann aber schnell ziemliche Spuren. Im Bauch wird es warm und im Kopf beginnt sich alles zu drehen. Sie ist ein wenig angetrunken, hicks… Also setze ich sie unten am Hotel ab und fahre etwa 1000 Meter vom Hotel in Richtung Norden durch die angrenzenden Bananenplantagen. Dort gibt es eine kleine „Bude“ mit tollem Blick auf das Meer. Als ich dort eintreffe rattert dort ein kleiner Stromgenerator und es sind recht viele Jugendliche dort die den beginnenden Sonnenuntergang bei einem Bier genießen. Als ich starklar bin fällt mir eine Treppe auf die nach rechts abzweigt. Ich schaue mir das genauer an und bin ziemlich überrascht, dass es hier einen tollen Abstieg zu einem kleinen einsamen schwarzen Strand gibt, großartig!

Unten am Strand bin ich schließlich allein in einer kleinen Bucht, umgeben von dunklem Basalt und viel viel schwarzem Lava-Sand und Lava-Kies. Vor mir stimmt die Sonne ein tolles Schauspiel an und den Blick nach Westen versüßen mir einige respektable Lava-Formationen die wunderbar aus dem Meer herausragen. Meine tolle neue Timex Armbanduhr verrät mir, dass wir gerade wieder einmal Ebbe haben. Das ist für Fotos am Strand mit Sonnenuntergang meist ideal, weil man dann auf dem flach abfallenden Strand fotografieren kann.

Leider habe ich nur die kleine Nikon 1V1 und die Panasonic HC-X909 Videokamera dabei. Es sind zwar tolle Geräte aber für wirklich eindrucksvolle Aufnahmen bei krassem Gegenlicht oder in der Stunde nach dem Sonnenuntergang eher weniger gut geeignet. Trotzdem nehme ich einige Video-Sequenzen auf bis mir die Idee kommt, endlich mal den Verlaufsfilter vor die Panasonic Videokamera zu schrauben. Dieser Filter ist zur Hälfte klar und zur anderen Hälfte dunkelbraun, man nennt das auch „Tabak“. Den Filter kann ich drehen und wenn man die braune Hälfte nach oben dreht, so bekommt der Abendhimmel eine bedrohliche fast surreale Wirkung. Ein wenig schade ist, dass der Übergang von klar nach getönt genau in der Mitte des Filter ist. So muss man ein wenig mit der Aufnahmeposition spielen bis das Ergebnis gut aussieht. Hier ist der Einsatz der quadratischen Cokin-Filter oft einacher. Man schraubt den Filterhalter an die Kamera und kann dann bist zu drei Filter einschieben und in der Höhe kombinieren. Allerdings muss man dabei auch bedenken, dass jede Filterscheibe die Bildqualität ein wenig verringert. Daher ist mein Tipp, irgendwelche Filter nicht grundsätzlich zu benutzen sondern nur dann wenn sie sinnvoll sind oder schöne Effekte ermöglichen.

Während die Panasonic-Kamera ein wenig vor sich hin filmt baue ich meine Nikon 1V1 und das zweite Stativ auf. Als ich die  Kamera einschalte muss ich leider feststellen, dass ich die Speicherkarte im Hotelzimmer vergessen habe. Alle Reservekarten sind im großen Fotorucksack und der ist auch im Hotel. Ich versuche das gelassen hinzunehmen, man kann eh nicht mit zwei Kameras gleichzeitig fotografieren. Also wechsle ich die Speicherkarte immer mal zwischen Videokamera und Fotoapparat. Gern würde ich ja auch mal den Verlaufsfilter an die Nikon 1 setzen, aber sie hat ein 40,5mm Filtergewinde. Mein Verlaufsfilter hat 52mm, die Panasonic hat 49mm. Wie passt das alles zusammen? Ganz einfach, mit Filteradaptern. Solch ein Exemplar habe ich auf die Panasonic aufgeschraubt, 49 -> 52mm – damit passen fast alle Filter die ich für meinen guten alten manuellen Nikon Objektive habe. Auch die Streulichtblenden usw. kann ich verwenden, das ist sehr praktisch. Für die Nikon 1 habe ich auch einen Adapter von 40,5 auf 52mm, aber ihr habt es sicher schon erraten, ich weiß mal wieder nicht wo er ist…

Die Video-Sequenzen sehen auf dem Klappdisplay der Panasonic richtig gut aus. Später im Hotel bin ich aber doch etwas enttäuscht. Filmt man mit dieser Kamera direkt in dei Sonne so ist das einfach zu krass. Zwar ist die Sonne ein korrekter heller runder Punkt, aber rund herum machen sich komische orangefarbene Farbsäume breit, das sieht nicht wirklich gut aus. Hier ist der kleine Sensor der Kamera deutlich überfordert. Vielleicht würde es helfen einen zusätzlichen Polfilter oder einen dichten Graufilter zu verwenden. Aber wenn man mehrere runde Filter aufeinander schraubt werden sie spätestens ab dem zweiten Filter im Bild sichtbar. Es gibt dann runde schwarze Ecken und die will man lieber nicht haben. Man kann sich ein wenig behelfen indem man die Kamera nicht ganz auf Weitwinkel sondern etwas auf „Tele“ einstellt. Dann ist der Blickwinkel enger und die Ränder sind dann weg. Aber damit bekommt man oft das was man filmen möchte nicht mehr in voller Breite zu sehen.

Helfen könnte hier ein weiterer Filteradapter bspw. von 52 auf 77mm. So etwas habe ich sogar dabei und ich weiss sogar wo er ist! Auch habe ich 77er Polfilter, Graufilter und Grauverlaufsfilter mit auf die Insel genommen. Aber während ich da unten ganz allein am Strand stehe sind sie natürlich im Hotelzimmer!

Leute da hilft nur EINES – ich muss da noch einmal hin!

Nachdem die Show vorbei ist steige ich die Treppenstufen wieder hinauf und laufe mal bis zur Spitze dieses Aussichtspunktes. Dort staune ich nicht schlecht, als ich neben „meiner“ Bucht eine zweite Bucht entdecke! Und diese Bucht ist sogar noch viel cooler denn da sind die tollen Lavafelsen direkt davor! Hier wäre es ein Fest einen tollen Sonnenuntergang zu fotografieren. Und auch hier scheint es eine Treppe zu geben die etwa 30 Meter von der Klippe hinunter zum Strand führt. Das werde ich mir mal anschauen, aber nun geht es erst einmal zurück zum Hotel.

Als ich dort eintreffe läuft gerade „Déjà Vu“ im ZDF. Ein seltsamer Streifen mit einem Denzel Washington der vier Tage in die Vergangenheit schauen kann. Es geht darum einen Terroranschlag aufzuklären oder gar zu vereiteln. Es ist schon eine krude Geschichte aus der Tony Scott versucht einen passablen Actionstreifen zu zimmern. Sogar  Val Kilmer ist mit am Set, aber wirklich überzeugen kann mich das alles nicht. Während ich meine Fotos sichte höre ich nur die pathetische Filmmusik und die vielen Soundeffekte. Ich habe den Eindruck, dass man hier versucht hat mit knalligen Soundeffekten den recht sinnfreien Plot aufzumotzen. Da ist es kein Fehler wegzuschauen und sich auf die „fotografische Beute“ zu konzentrieren.

Hier bin ich besonders auf die Fotos aus der Nikon 1V1 gespannt. Aber die Fotos sind weniger gut als erhofft. Auf dem kleinen Monitor der Nikon 1 sah das alles noch toll aus, aber wenn man sich die dunklen Bildbereiche mal genauer anschaut, dann haben sie oft keine Zeichnung oder sind sogar total verpixelt. Wenn man die Bilder kräftig überbelichtet, so werden bei den im Gegenlicht liegenden dunklen Lavafelsen Strukturen sichtbar. Allerdings ist dann der Himmel nun noch ein großer ausgefranster weißer Fleck. Das kann die Nikon D800 viel besser. Der Grund ist der kleine Chip im CX-Format den die Nikon Ingenieure für die Nikon 1 Serie konstruiert haben. Dieser kleine Chip macht war das gesamte System schön klein und handlich, aber die Bildqualität kann in Grenzsituationen mit „erwachsenen“ Kameras in keiner Weise mithalten. Aber wen wundert es, dass eine kleine Kamera die mit Objektiv 279,- Euro gekostet hat nicht die gleichen Fotos liefert wie eine Nikon D800E die mit einem guten Objektiv schnell bei 5.000 Euro liegt?

Hier zwei Beispielfotos aus der Nikon 1V1 – jeweils 1000 Pixel breit oder hoch.

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Beim nächsten Foto sah das Wasser nicht wirklich schön aus, also habe ich es mit Photoshop ein wenig „glatt gebügelt“ 🙂

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Hier auf La Palma ist es jetzt gleich 12h am Mittag. Sandra und ich werden gleich  aufbrechen und uns vielleicht den Vulkan „San Antonio“ anschauen und danach ggfs. einen zweiten Anlauf in der kleinen Bodega neben dem Visitor-Center wagen. Ok, schauen wir einfach mal was passiert 🙂

La Palma – Tag 11

Als der elfte Tag beginnt bin ich endlich mal ausgeruht und fit für das Frühstück. Auf dem Weg zur Futterkrippe habe ich meine kleine Nikon 1V1 dabei, so kann ich beginnen mein aktuelles Fotoprojekt umzusetzen. Ich habe mir vorgenommen einige der am frühen Morgen bereits mit Handtüchern, Handtaschen und anderen Accessoires reservierten Liegen zu fotografieren und daraus eine kleine völlig menschenleere Kollage zu erstellen.

Nach dem Frühstück geht es ganz allein in aller Ruhe mit dem gemieteten Opel Astra den Berg hinauf. Ein echtes Ziel habe ich nicht, ich lasse alles auf mich zukommen und will mal sehen wo ich lande. Sandra will heute mal den Bus ausprobieren und schauen ob sie in dem kleinen Örtchen oberhalb des Hotels nicht ein paar kleine nette Läden findet und vielleicht mal einen Tag ohne tausend Kurven verbringen kann.

Auf etwa 600 Höhenmetern geht es von der Hauptstraße rechts ab zum Teneguia. Das ist ein Vulkan der den Südzipfel der Insel sehr geprägt hat. Bei seinem letzten Ausbruch im Jahr 1971 sind viele ausgedehnte neue Lavafelder entstanden die vom Hotel sehr einfach zu erreichen sind. Am Tag nach unserer Ankunft waren wir schon einmal kurz in der Nähe dieses Vulkans, aber letztlich konnte ich ihn nicht genauer unter die Lupe nehmen. Das soll sich heute endlich ändern!

Nach wenigen Metern geht der gute Asphalt in losen Schotter über. Mit dem Motorrad wäre es schwierig, aber mit dem Auto ist es eigentlich kein Problem. Die extrem spitzen Steine sollte man umfahren, ein geplatzter Reifen ist hier nicht witzig und kann einem den kompletten Tag ruinieren. Nach einigen wenigen Kilometern kann ich den Teneguia schon sehen. Immer wieder halte ich kurz an und während die kleine GoPro rechts am Auto eifrig alles filmt, nehme ich mit meiner Panasonic HC-X909 einige Videosequenzen auf und schieße mit der Nikon D800E einige Fotos.

(Alle Bilder sind 1920 Pixel breit – einfach anklicken um sie größer zu sehen…)

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Ganz in der Nähe des Teneguia kann man sein Auto abstellen und die letzten paar hundert Meter bis zum Vulkan zu Fuß zurücklegen. Der Weg ist sehr einfach zu begehen, ich habe nicht einmal Wanderschuhe an. Die liegen seit der Ankunft ungenutzt im Kofferraum. Alles was ich hier gelaufen bin, habe ich bisher in ganz normalen robusten Trekking-Sandalen erledigt. Die Dinger sind schon ein paar Jahre alt und abends riechen sie meist etwas streng. Da ist es gut wenn man sie weit weg vom Bett oder sogar auf der Terrasse oder dem Balkon auslüften lassen kann.

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Von der Spitze des Teneguia hat man eine tolle Aussicht und es wird schnell klar, dass hier die Lava nicht nur aus einem Schlot heraus gebrodelt ist, sondern dass es mehrere Öffnungen gab. Erst von der Spitze des Vulkans wird mir das wahre Ausmaß der Lavafelder bewusst. Mit meiner schönen neuen Timex Armbanduhr prüfe ich die Himmelsrichtung und siehe da, hier wäre sicher ein genialer Aussichtspunkt um sowohl Sonnenaufgänge als auch Sonnenuntergänge zu fotografieren. Wer dies tun will sollte sich allerdings eine gute Taschenlampe und vielleicht doch festes Schuhwerk und Wanderstöcke mitnehmen. Hier in der Dunkelheit auf- oder abzusteigen könnte ansonsten recht schwierig werden. An einigen Stellen ist der Weg sehr eng und wer hier abrutscht der wird sich schwere Hautabschürfungen und vielleicht auch Knochenbrüche zuziehen. Es ist also etwas Vorsicht angezeigt!

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Auf dem nächsten Foto kann man die beiden Leuchttürme und die wunderbare Saline sehen. Bei diesem Foto wird auch klar warum die Betreiber der Saline nach dem Ausbruch des Teneguia am Ende des Lavastroms, der direkt vor ihrer Saline halt gemacht hat, aus Dankbarkeit eine kleine Kapelle errichtet haben.

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Nach meiner ausgedehnten Fotosession auf dem Vulkan geht es weiter. Jetzt kenne ich den Weg, es ist die kleine Straße die ich vor ein paar Tagen gemeinsam mit Sandra hinauf gefahren bin. Unten an der Hauptstraße entschließe ich mich ganz spontan nach rechts abzubiegen und dem schönen alten Leuchtturm und seinem neuen Pendant einen erneuten Besuch abzustatten. Als ich das erste Mal hier war ist es bei einem kleinen Spaziergang um den Leuchtturm geblieben, heute fahre ich die Straße ein paar Meter weiter und finde dort ein kleines nettes Fischerdörfchen. Am Strand liegen zwei junge Mädchen in der Sonne und als ich meine Panasonic Videokamera startklar mache kommt ein Fischer mit einem kleinen blauen Holzboot in die Bucht gerudert. Am Strand wartet bereits einer seiner Freunde. Auf den letzten Metern holt der Fischer mit den Rudern kräftig Schwung und lässt das Boot auf den schwarzen Lavastrand gleiten. Sein Freund ist sofort zur Stelle und gemeinsam schieben sie das Boot den Strand hinauf. Später kann ich dann sehen wie er mit einer großen Kiste auf der Schulter den morgendlichen Fang in das Auto seines Freundes verlädt. Das ist wirklich „fangfrisch“. Einen Augenblick später sind sie dann auch schon verschwunden.

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Ich verbringe an diesem idyllischen Örtchen fast eine ganze Stunde. Während meine Panasonic eine kleine Zeitraffer-Sequenz aufzeichnet schieße ich mit meiner Nikon D800E einige Fotos. Zwischendurch wird dann auch immer mal wieder mit der D800E gefilmt. Das angesetzte Objektiv ist ein 16-35mm Weitwinkel und Videoaufnahmen sehen damit schon ziemlich beeindruckend aus. Irgendwie ist es eine gute Kombination, für die weichen Zoomfahrten und alles wo ich einen wirklich guten Bildstabilisator brauche verwende ich die Panasonic. Soll es sehr scharf, sehr hochauflösend und kontrastreich sein, dann ist die Nikon D800E mein Freund. Eigentlich könnte ich auch mit der Nikon 1V1 filmen, aber sie zeichnet mit 30 Bildern pro Sekunde auf. Die Panasonic und die D800E filmen hingegen mit 25 Bildern pro Sekunde. Später beim Videoschnitt wäre es aufwändig die Sequenzen aus der Nikon 1V1 korrekt zu integrieren. Daher ist sie meine Kamera für den schnellen Schnappschuss aus dem Handgelenk.

Kurz nach diesem Foto habe ich die beiden Fischer auf dem Schlauchboot mit der Panasonic-Videokamera mit langer Tele-Einstellung verfolgt. Bei der Anlandung am Ufer hat es einen der beiden jungen Männer voll verrissen und er ist kopfüber im Wasser gelandet. Später ist der dann bei der Bergung des Bootes nochmals ausgerutscht, es war heute nicht sein Tag. Für mich war es cool, so habe ich einen echt lustigen „FAIL“ dokumentiert.

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Gegen 15h30 entschließe ich mich heute keine große Inselrundfahrt mehr zu unternehmen und statt dessen meinen Magen und meine Nerven zu schonen. Die kleine GoPro klebe ich diesmal mit reichlich Spucke mitten auf den oberen Rand der Windschutzscheibe. Mit laufender Kamera geht es die paar letzten Kilometer durch die menschenleeren Bananenplantagen zurück zum Hotel.

Als ich dort mein Auto geparkt habe kommt der Chef der Hotel Security auf mich zu und erzählt mir etwas, das mir irgendwie „spanisch“ vorkommt. Ich verstehe nur das Wort „Reception“. Scheinbar soll ich irgend etwas an der Rezeption mit ihm besprechen. Während ich in aller Ruhe meine vielen Fotosachen einpacke beäugt er mich ganz argwöhnisch. Als ich dann startklar bin schnappt er mich und schiebt mich in Richtung Rezeption. Dort ist eine Mitarbeiterin die recht gut übersetzen kann. Er hat die Kamera oben auf meinem Mietwagen gesehen und hat Sorge, dass ich irgendwelche Persönlichkeitsrechte verletzt haben könnte. Scheinbar will er als Chef der Security verhindern, dass vor dem Hotel irgendwelche Gäste gefilmt werden und man das später bei YouTube zu sehen bekommt. Wahrscheinlich ist ihm nicht klar, dass meine D800E in Verbindung mit einem langen Teleobjektiv die 100 mal besseren „Spionagefotos“ liefern könnte. Aber deshalb steht er ja auch den ganzen Tag vor dem Hotel und sorgt für Sicherheit während ich hier Urlaub machen darf 🙂

Irgendwann ist dann endlich geklärt, dass ich mit der GoPro oben am Teneguia und am Leuchtturm gefilmt habe. Gern würde er sich das auf der Kamera zeigen lassen, aber meine GoPro hat eben kein Display oder ähnliches. Es gibt einen Knopf zum Einschalten und einen um die Aufnahme zu starten. Das ist alles was es an Bedienelementen gibt. Ich werde noch gefragt ob ich das professionell machen würde. Das kann ich mit sehr gutem Gewissen verneinen. Wenn ich von meinen Fotos und Videos leben müsste, dann würde ich versuchen Promis vor Hotels und in prekären Situationen zu fotografieren. Da ich mein Geld zum Glück aber ganz anders verdienen kann, können meine Videos und Fotos ein ausgedehntes teures Hobby bleiben!!

Als ich schließlich im Hotelzimmer eintreffe ist von Sandra keine Spur zu sehen. Ich versuche sie anzurufen, es meldet sich immer wieder nur die Mailbox. Mein Magen knurrt und es wäre ja schön gemeinsam etwas essen zu können. Auch könnte ich sie oben im Ort abholen, dann müsste sie nicht mit dem Bus fahren. Aber auch meine SMS bleibt scheinbar ungelesen. So sitze ich jetzt hier im abgedunkelten Hotelzimmer an meinem Notebook. Um mich herum sind lauter Fotogeräte und um das mein Überleben abzusichern steht da auch noch eine kleine Flasche Mineralwasser 🙂

La Palma – Tag 10

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Langsam aber sicher haben wir uns hier eingelebt und beginnen zu verstehen wie diese Insel funktioniert. Beim Frühstück muss ich beim Anblick mehrerer einsamer Handtücher mit aufgedruckter britischer Flagge innerlich mehrfach den Kopf schütteln. Morgen werde ich mal einen Fotoapparat mitnehmen und vor dem Frühstück eine kleine Collage mit reservierten Liegen ganz ohne Menschen erstellen. Das sieht bestimmt schwer witzig aus 🙂

Während des Frühstücks ist dann wieder dieser kleine Junge zugegen. Er hat sich angewöhnt immer wieder einen gellendes durch Mark und Bein gehendes Kreischen abzusondern. „Das ist kein Kind, das ist akustische Umweltverschmutzung!“ – kommt es mir dabei immer wieder in den Sinn. Bereits gestern hatte er sich einfach aus Spaß an einer der Futterstellen neben meine Freundin Sandra gestellt und sie in einem ruhigen Augenblick so unerwartet angekreischt, dass ihr beinahe der Teller aus der Hand gefallen wäre. Auch heute ist der Kreischer wieder zugegen und es ist einfach nur nervtötend, dass seine Mutter diese akustischen Absonderungen auch noch zu honorieren scheint. Ziemlich genervt verziehen wir uns nach dem Frühstück mit unseren Notebooks in die sehr schöne große Lobby des Hotels. Wir lassen wir uns etwas Zeit, denn wir haben es ja nicht eilig. In der Lobby gibt es ein kleines Podium, darauf steht ein leicht verstimmter kleiner schwarz glänzender Flügel. Abend für Abend spielt darauf eine junge Frau ein Medley ihrer größten Hits. Leider ist ihr Repertoire nicht sonderlich umfangreich und so verliert diese „dezente akustische Untermalung“ nach einer Woche  jeglichen Reiz und droht sich gar ins Gegenteil zu verkehren. Während ich da mit meinem MacBook neben dem noch ruhenden Flügel sitze, stürmt plötzlich wie aus dem Nichts ein kleines Mädchen im hübschen weißen Kommunionskleid auf das Instrument zu. Sie versucht „Happy birthday to you“ mit dem Zeigefinger zu spielen. So ganz klappt es nicht, einige Noten sind wirklich ziemlich daneben, aber ich finde es ganz witzig. Als sie das kleine Lied dann aber stetig in wechselnden Tonlagen wiederholt beginne ich langsam daran zu zweifeln, dass es wirklich ein Geburtstagsständchen ist.

Nach einer quälend langen Zeitspanne kommt ein Zwillingsschwesterchen angerannt. Doch meine Hoffnung, dass sie ihre Schwester zum gemeinsamen Spielen abholen möchte erfüllt sich leider nicht. Statt dessen hämmern nun zwei Kinderzeigefinger vollkommen unkoordiniert auf den leicht verstimmten Flügel ein. Was für eine Getöse… Ich bin kurz davor auf meinem Mac iTunes zu starten und den Song AAAA von Knorkator so laut wie möglich abzuspielen, als die beiden Rauschgoldengelchen sich endlich neue Opfer suchen und gemeinsam weiterziehen. Doch der glückliche Moment der himmlischen Ruhe wird vom kleinen Kreischer messerscharf durchtrennt. Er ist mit seiner vielleicht 25 Jahre alten, blonden übergewichtigen Mutter auf der anderen Seite des kleinen Brunnens. Der Kreischer hüpft auf und ab, greift mit den Händen in das Wasser, verspritzt es in der Luft und – ihr ahnt es sicher schon – kreischt sich dabei die Seele aus dem Leib. Seine Mama grinst ihn nur an, sondert einige Worte einer mir unbekannten Kindersprache ab und grinst danach noch breiter als ein Honigkuchenpferd.

„Wenn kleine Scheisser noch EINMAL kreischt, dann stehe ich auf, stelle mich neben ihn und schreie ihn an so laut ich nur kann…“ – geht es mir durch den Kopf. Aber dann ergreift seine Mama sein kleines süßes Kinderhändchen und watschelt mit ihrem so innig geliebten Junior von dannen – noch mal gut gegangen…

Bevor wir uns neuen akustischen Attacken stellen müssen räumen Sandra und ich das Feld. Mein BLOG-Artikel zum Vortag ist online und alle ungelesenen E-Mails habe ich abgearbeitet. Wir packen unsere sieben Sachen und machen uns auf zu einem italienischen Restaurant oberhalb von Los Llanos das wir in dem kleinen kulinarischen Reiseführer entdeckt haben. Den genauen Weg haben wir uns via Google-Maps angeschaut und so finde ich auf meinem Garmin Colorado 300 tatsächlich unser „Ziel des Tages“.

Während die Gäste mit den blauen Bändern beginnen die Köstlichkeiten des Mittagsbuffets wahllos in sich hineinzustopfen, starten wir unseren kleinen schwarzen Diesel und rattern relativ gemütlich den Berg hinauf. Auf meinem Garmin habe ich eine schon etwas ältere Ausgabe der Open-StreetMap für Europa. Ich habe sie vor etwa 3 Jahren mal nach einer längeren Recherche gefunden und diese Karte ist für einen Besuch der Kanaren wirklich gut geeignet. Wer sie für ein identisches oder ähnliches GPS sucht: Einfach mal nach „Computerteddy Open Street Map Europa“ googeln…

Diese Karte ist auf dem GPS das eigentlich eher für Geocaching und Trekking gedacht ist, tatsächlich routingfähig! Zwar kann das GPS nicht „sprechen“, aber an den wichtigen Wegpunkten macht es sich mit einem kleinen „Ping“ bemerkbar. Das funktioniert ganz gut und so finden wir unser italienisches Restaurant auch recht schnell. Etwa auf halbem Wege stöbert Sandra noch ein wenig in diesem kulinarischen Reiseführer und gelangt zu der Erkenntnis, dass das Ziel unserer Begierde ausgerechnet am Sonntag geschlossen hat! Wir steuern das Restaurant trotzdem an, dann kennen wir wenigstens den Weg. Am Restaurant angekommen ist es tatsächlich geschlossen. Aber kein Problem, damit haben wir ja gerechnet. Wir fahren weiter in Richtung Norden, unser neues Ziel ist die Straße an der südlichen Kante des Barranco de Taburiente. Dort finden wir wenig später dann das Restaurante Balcon de Taburiente. Dort lassen wir es uns wirklich gut gehen, Sandra bestellt Fischfilet und ich gönne mir ein leckeres Filetsteak vom Grill.

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Als wir das Restaurant verlassen, lockt die Einbahnstraße in Richtung Osten. Sie führt direkt tief in die Caldera de Taburiente hinein. Also wende ich unser Auto und los geht es.

Nach einigen Spitzkehren passieren wir einen kleinen Info-Stand für Touristen. Etliche Spitzkehren weiter sind wir unten im Barranco angekommen. Dort findet sich ein kleiner Parkplatz und dort stehen schon mehrere Autos, sogar ein Wohnmobil ist dabei. Da es hier im Hochsommer extrem selten regnet ist der Flusslauf im Barranco komplett ausgetrocknet. So ist es für uns überhaupt kein Problem die trockene Furt zu queren und uns an den viele Kilometer langen Aufstieg zum Mirador de los Brecitos zu machen.

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Die Straße ist einspurig, extrem eng und kurvenreich, aber recht ordentlich asphaltiert. Leitplanken oder ähnliche Schutzmaßnahmen sucht man allerdings vergeblich. Sandra kriegt eine ziemlich Krise und ich glaube zu spüren, dass sie am liebsten umkehren möchte. Solche Straßen flößen ihr Angst ein und sie hat viel Phantasie um sich einen Absturz in die tiefe Schlucht bildlich vorzustellen. Aber sie ist heute ganz besonders tapfer und dafür hat sie eigentlich einen Orden verdient 🙂

Auf der gesamten Strecke sind 20km/h vorgeschrieben, schneller kann man auch nicht wirklich fahren wenn man sicher fahren möchte. Auf dem Weg zum Mirador schrauben wir uns auf annähernd 1.200 Meter hoch. Die Furt durch das ausgetrocknete Flussbett liegt bei etwa 250 Höhenmetern, der Anstieg ist also schon ganz ordentlich!

Als wir fast auf fast 1.000 Höhenmetern ein kleines Dorf passieren staunen wir nicht schlecht!

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Am Mirador angekommen müssen wir erst einmal ein wenig verschnaufen. Diese Fahrt war echt abenteuerlich und ich würde sie jedem empfehlen der sich mit seinem Mietwagen in der Lage fühlt eine extrem enge kurvenreiche nicht ganz ungefährliche Straße zu befahren. Der Lohn sind spektakuläre Einblicke in die großartige Caldera de Taburiente, die man so an keiner anderen Stelle der Insel erhalten kann.

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Kurz bevor wie uns auf den Rückweg aus dieser etwa 16 Kilometer langen Sackgasse machen wollen, kommt mir ein junges Paar entgegen. Sie sehen noch ganz fit aus und ich bin schwer verwundert. Auf den verschiedenen Hinweisschildern habe ich gelesen, dass die Wanderung hinab nach Los Llanos etwa 6-7 Stunden dauert und es wird dazu geraten keinesfalls nach Mittag aufzubrechen. Sollten diese beiden tatsächlich einen Aufstieg gewagt haben? Nein, haben sie nicht! Ihnen gehört der Mietwagen der einige Kurven weiter unten geparkt ist. Sie sind nur ein wenig spazieren gegangen. Etwas erleichtert machen wir uns auf den Rückweg.

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Es geht fast stetig steil bergab und einige Spitzkehren sind so eng, dass unser Opel Astra mühe hat sie in einem Schwung zu nehmen. Oft reicht der Wendekreis so eben aus. Sandra ist ganz still und versucht Angst und Panik zu beherrschen. Dann kommt in einer nicht einsehbaren Kurve plötzlich ein etwas älterer weißer Citroen Xsara mit echt flottem Tempo auf uns zu gerast. Wir haben nur Schritttempo drauf und unser Opel steht praktisch sofort, aber der Citroen rammt uns trotzdem fast frontal. Es fehlen nur ein paare Zentimeter und ich bin echt erschrocken und schwer bedient. Der Fahrer des Citroen ist ein junger Spanier, mit Baseball-Kappe und verspiegelter Sonnenbrille, er ist unglaublich cool aber er hat sich wohl auch erschrocken. Ich kann etwas ausweichen, er setzt zurück und dann passen unsere Autos haarscharf aneinander vorbei, das ist noch einmal gut gegangen. Ein paar Kurven tiefer kommt uns später ein recht großer roter 4WD Truck entgegen. Der Wagen fährt aber sehr langsam, ich muss vielleicht 20 Meter zurücksetzen und dann passen wir aneinander vorbei. Während der nächsten Kurven versuchen wir unseren Blutdruck zu stabilisieren, aber dann kommt in einer engen Kurve ein etwas älterer grauer Mercedes auf uns zugeschossen. Au Backe warum müssen die Leute hier auf der Insel alle fahren wie die Henker? Aber auch hier geht alles gut. Eines muss man den Kanarios ja lassen, so krass sie ihre kleinen Blechkarren auch um die engen Kurven zirkeln, so gut haben sie das auch im Griff – die meisten jedenfalls…

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Als wir die Fuhrt erreichen machen wir eine kurze Pause. Ich kann ein paar Videoaufnahmen für meinen Reisebericht aufnehmen und Sandra kann etwas verschnaufen. Der Rest des Weges ist dann ziemlich einfach zu fahren und es gibt keine weiteren atemberaubenden Zwischenfälle.

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Auf halbem Wege zwischen Los Llanos und unserem Hotel zieht dann Nebel auf. Das Wetter kann sich hier auf den Kanaren schnell ändern. In den 70er Jahren hat ein schnell aufziehender Nebel auf dem Flughafen Teneriffa Nord zum schwersten Flugzeugunglück aller Zeiten „am Boden“ geführt. Dort sind damals zwei vollgetankte und voll besetzte Ferienflieger im Nebel auf der einzigen Start und Landebahn kollidiert weil es damals noch kein Bodenradar gab. Während der Nebel dichter und dichter wird muss ich an dieses schlimme Unglück denken. Die Straße ist echt kurvig und schwer unübersichtlich und dann dieser wirklich dichte Nebel. Das ist nicht so angenehm wie es sich hier liest!

Als wir endlich zum Hotel „absteigen“ können, lichtet sich bei etwa 500 Höhenmetern der Neben und über uns ist tatsächlich eine dichte tief hängende Wolkendecke. Nach all dem ultrablauen Himmel der letzten Tage können wir das kaum fassen.

Am Hotel sind wir ziemlich erledigt und es geht nur schnell etwas essen. Danach schreibe ich diesen kleinen Bericht und gleich wird er in der Lobby noch schnell veröffentlicht. Das war er dann, der zehnte Tag auf einer echt tollen Insel. Auch wenn man nicht so gut vorwärts kommt wie auf Teneriffa und das Hotel sehr abgelegen ist, so hat auch diese Insel ihre schönen Seiten. In den kleinen Orten und Dörfern sieht fast alles aus wie auf Teneriffa, aber die Bergwelt ist komplett verschieden. Während man auf Teneriffa von einem Vulkan aus den nächsten sehen kann, gilt es hier von unterschiedlichen Stellen aus in eines der größten Löcher – also die Caldera de Taburiente – zu schauen das ich je gesehen habe.

La Palma – Tag 9

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(Alle Fotos sind 1920 Pixel breit oder hoch – einfach anklicken um sie größer anzuschauen)

Den neunten Tag verbringen wir weitgehend faul irgendwo zwischen dem Pool, Sonnenliegen und einer der Futterstellen. Fotografiert wird heute gar nichts, auf dem Tagesprogramm steht einfach nur Langeweile, grenzenlose verschwitzte Langeweile. Als es mir zu bunt wird mit diesem „in der Sonne dahin vegetieren“ wandere ich rüber in unser Zimmer, schalte die Klimaanlage auf 120% und höre auf dem Bett liegend ein wenig Musik. Das tut sein Wirkung und ich bin irgendwann im Reich der Träume. Geweckt werde ich schließlich von Sandra, es ist schon spät und es gibt gleich Frühstück!

Also geht es rüber zur Pizzeria, dort stopfen wir gemeinsam mit all den rot verbrannten Briten einen Burger mit Käse und Pommes in uns hinein (Hamburgo con Queso y Patatas Fritas).

Danach soll ich versuchen wie alle anderen Urlauber ordentlich in der Sonne zu liegen. Das fällt mir leider denkbar schwer denn diese Liegen sind unbequem und so schmal, dass ich einfach nicht weiß wo ich meine Arme lassen soll. Das geht mir alles auf die Nerven, ich kann einfach nicht still am Pool herum liegen. Nach einer Stunde ist die Tortour endlich vorüber und wir bereiten uns langsam auf das Gefecht am abendlichen Buffet vor. Als Erste stehen wir etwas später um 18h53 vor den geschlossenen Türen des Restaurants. Als diese pünktlich um 19h00 geöffnet werden, erledigt Sandra die Formalitäten mit der kleinen Pappkarte und der Quittung mit den drei Durchschlägen. Ich starte einfach ganz frech durch und reserviere mir den mit Abstand besten Platz in diesem Restaurant. Es ist ein Eckplatz an einem kleinen Balkon von dem aus man einen tollen Blich über die Bananenplantage hinaus auf das Meer hat. Als ich gerade sitze steht eine recht komische kleine Familie mit einer schwer verzogenen jugendlichen Tochter hinter mir. Sie wollten genau diesen Tisch und weil ich es wusste und weil sie komisch sind bin ich so flink los gedüst und habe mich hier schweigend breit gemacht, ätsch! Sie wollen einen dritten Stuhl an einen der anderen Tische heran stellen. Aber das will der Kellner nicht, denn dann wird es so eng, dass man nicht mehr an den Tischen vorbeikommt. Sie müssen also nach nebenan in den großen Saal. Von dort können sie zwar ähnlich gut sehen, aber sie sitzen eben nicht so schön allein wie ich!

Wer hätte gedacht, dass ich an diesen kleinen Urlaubsnickeligkeiten einmal teilhaben würde? Als Sandra neben mir sitzt kann sie die verzogene Göre schräg gegenüber sitzen sehen. Sie sagt nur „Wenn Blicke töten könnten, läge ich jetzt tot unten auf der Straße!“ Hihi…

Morgen wird etwas ganz witziges geschehen, wir werden nicht um 18h53 vor dem Restaurant stehen, statt dessen wird dort aber diese Kleinfamilie bereits um 18h49 darauf warten uns beim Kampf um den besten Tisch auszustechen 🙂

Nach dem Abendessen ist Sandra von der ganzen Sonne total erledigt. Ihre Romanze aus der alten Ritterzeit hat sie nun zu Ende gelesen, aber der Preis war ein Tag am Pool mit knallroten Schultern und einer verbrannten Nasenspitze. Während sie sich gemeinsam mit James Bond und Dr. No von ihrem langen Sonnenbad erholt, bin ich um 20h mit dem Auto unterwegs in Richtung Süden. Während der langen langweiligen Zeit in der Sonne habe ich überlegt welche Bildideen sich hier umsetzen lassen. Dann fiel mir der südliche Zipfel der Insel mit seinen beiden Leuchttürmen ein. Östlich davon ist die alte Saline (Anlage zur Gewinnung von Meersalz) gelegen. Dort gibt es schöne große Becken in denen das Meerwasser langsam verdunstet und letztlich das wertvolle das Meersalz preisgibt. Wenn am Abend im Westen die Sonne untergeht sollte es doch möglich sein irgendwo in der Saline einen Platz zu finden, an dem die Sonne genau in der Kanzel des alten Leuchtturmes steht. Das wäre doch mal eine Bildidee.

Also geht es in flotter Fahrt durch die Bananenplantagen in Richtung Süden. Die Sonne steht schon etwas tief und es könnte knapp werden, ich trete auf das Gaspedal. An der Saline angekommen muss ich noch ein paar hundert Meter laufen, doch dann finde ich mitten zwischen den Salzwasser-Becken den optimalen Standpunkt. Die Sonne spiegelt sich in der Wasseroberfläche und der alte Leuchtturm und sein moderner Bruder stehen genau zwischen mir und der Sonne. Schnell mache ich ein paar Testschüsse. Der Autofokus meiner Nikon D800E wird wie immer abgeschaltet, die Belichtungsautomatik ebenfalls. Ich stelle den RAW-Modus ein, ISO-50, Blende 16, 1/125s und das 9-fach Bracketing mit einer Blende Schrittweite (1.0EV). Außerdem wird die Spiegelvorauslösung aktiviert und der Kabelfernauslöser in Position gebracht. Nun geht es los, eine Belichtungsreihe nach der anderen entsteht. Mehrfach verwende ich auch den heiß geliebten „Fingertrick“. Wie das geht findet Ihr hier im BLOG unter dem Menüpunkt „Photoshop“. Nach etwa 10 Minuten ist es  soweit, für etwa 2 Minuten scheint die Sonne durch die Kanzel des stillgelegten alten Leuchtturms, nun darf er ein letztes Mal aktiv werden, nur für mich 🙂

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Als die Show vorüber ist packe ich schnell alles ein und mache mich auf den Weg zu diesem kleinen Fischerdörfchen das etwa auf halber Strecke zwischen Leuchtturm und Hotel liegt. Auf dem Weg zum Auto kommt mir ein weiterer Fotofan entgegen. Er fragt mich was ich denn da unten fotografiert hätte. Wir unterhalten uns kurz und er wird sicher am nächsten Abend dort stehen und den alten Leuchtturm für sich leuchten lassen 🙂

Als ich im kleinen Fischerdörfchen eintreffe, steht die Sonne schon sehr tief. Ich bin überrascht wie viele Leute dort noch auf den Beinen sind. Es ist Samstag und dort ist richtig „Party“ angesagt. Eine einheimische Kapelle spielt, die Menschen trinken und tanzen. Das ist das echte Leben, nicht das Gegröle der besoffenen Kids in der Hotelanlage. Die D800E ist noch auf dem Stativ, lediglich die Beine habe ich etwas zusammen geschoben. Das AF-S VR 4/16-35mm Weitwinkel ist auch noch montiert. Also kann ich sofort durchstarten. Jetzt ist es sehr von Vorteil, dass ich die Location schon kenne, weil ich ein paar Tage zuvor mit Sandra schon einmal hier war.

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Meine tolle neue Timex Intelligent Quartz Tide Temp Compass hat mir ausgerechnet, dass heute Abend Ebbe sein wird. Das kommt mir sehr gelegen, denn dann gibt das Meer die großen mit Moos bewachsenen Lavabrocken preis. Als die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist montiere ich das neue Rokinon 3.5/24mm Shift & Tilt Objektiv an meine D800E. Den vorderen Teil des Objektives kippe ich leicht nach unten und verschiebe alles ein wenig nach oben. Nun kann ich bei einem Abstand von etwa einem Meter zu den ersten Lavabrocken alles scharf abbilden. Also extremer Vordergrund und sehr weit entfernter Hintergrund. Ein wenig ärgere ich mich, dass ich keinen passenden Grauverlaufsfilter für dieses Objektiv habe. Der Filterdurchmesser beträgt satte 82mm, da ist es gar nicht so einfach einen Cokin-Filter oder ähnliches zu befestigen!

Bei einigen Fotos halte ich den Cokin-Filter einfach mal vor das Objektiv. Das ist schwieriger als man denkt. Die Kamera muss auf dem Stativ etwa 30 Sekunden lang vollkommen erschütterungsfrei stehen und während dieser unendlich lang wirkenden 30s muss man den Cokin-Filter vor das Objektiv halten, so still wie möglich ohne die Kamera zu berühren! Aber die Ergebnisse können sich auch sehen lassen.

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Als ich zurück im Hotel bin, wird dort noch eine große Hochzeit gefeiert. Überall laufen Leute herum, die Männer in dunklen Anzügen, die Weibchen in farbenfrohen Abendkleidern. Sicher wäre es auch ganz nett gewesen hier mit einer Kamera die Menschen abzulichten. Aber meist wollen sie das nicht und ich denke, bei einer Hochzeit sind „fremde Fotografen“ eher unerwünscht.

So bleibt mir nur noch die „Beute des Abends“ zu sichten, alles auf meine externe Urlaubsfestplatte zu kopieren und irgendwann einzuschlafen. So geht ein friedlicher Tag ganz friedlich zu Ende. Während ich langsam in das Reich der Träume hinüber gleite bin ich schließlich doch sehr froh das „große Equipment“ mit auf diese Reise genommen zu haben. So schön und praktisch diese kleine Nikon 1V1 auch ist, sobald es um etwas anspruchsvollere Aufgabenstellungen geht muss sie passen. Dann hilft nur eine echte Männerkamera wie die Nikon D800E weiter 🙂

La Palma – Tag 8

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Und auch der achte Tag beginnt wie die Tage zuvor. Allerdings sind inzwischen noch mehr Gäste angereist und die Hotelanlage platzt bald aus allen Nähten. Während wir beim Frühstück das Meer nur mit einem Auge beobachten, registriert das andere Auge das Treiben der Gäste an Pools und Sonnenliegen. Kaum ein seltsames Paar das nicht seine Handtücher oder irgendwelche anderen Accessoires verwendet um „IHREN“ Platz an einem der vielen Pools zu reservieren. Das ist eine Unart die schon etwas nerven kann. Es gibt durchaus Hotels bei denen dies untersagt ist und alle herrenlosen Badetücher früh am Morgen einfach eingesammelt werden. Wer glaubt sich damit dennoch eine Liege reservieren zu können, der muss für ein neues Badetuch an der Rezeption die „Hosen runterlassen“ und sich als „illegaler Liegen-Reservierer“ outen. Mir würde es gut gefallen wenn diese vielen „sehr speziellen Gäste“ mit einem entsprechenden „Fluch“ belegt würden. Aber hier lässt man sie gewähren. Manche kommen total verschlafen aus den Zimmern, legen nur das bescheuerte Badetuch auf „IHRE“ beknackte Liege und watscheln dann wieder ungewaschen zurück in ihre Zimmer. „IHRE“ Liege lassen sie während der nächsten Stunden dann meist ungenutzt. Da fasst man sich echt an den Kopf und fragt sich was das soll?

Ein anderes Thema ist „All-Inclusive“. Eigentlich mag ich das auch nicht, denn vielerorts graben die großen Hotels mit ihren „All-Inclusive“ Angeboten den umliegenden kleinen Bars und Restaurants das Wasser ab. Das ist auch der Grund warum wir auch ich auch bei dieser Reise nur Halb-Pension gebucht haben. Ein weiterer ganz persönlicher Grund ist meine Abscheu während der gesamten Reise immer und überall diese blöden blauen „All-Inclusive“ Markierungsarmbänder tragen zu müssen. Da sträubt sich in mir einfach alles, diese Dinger finde ich „voll scheiße“ – sorry…

Aber hier gibt es nicht wirklich viele Restaurants in der Umgebung. Bis in den nächsten Ort fährt man etwa eine Viertelstunde lang in Serpentinen den Berg hinauf. Um die Fischerbuden von gestern zu besuchen ist man sogar mehr als eine Stunde unterwegs.

Beim Check-In hat sich die nette Dame zunächst etwas vertan und uns zwei dieser blauen Einweg-Plastikarmbändchen auf den Tresen gelegt. Ich war echt verdutzt, ich konnte mir gar nicht vorstellen das gebucht zu haben. Hatte ich auch nicht, ihr war es dann peinlich und statt dessen haben wir jetzt diese kleine braune Pappkarte mit unseren Namen und der Zimmernummer. Außerdem ist dort groß und breit „Halbpension“ zu lesen.

Diese Karte ist ganz praktisch, aber bezahlen müssen wir trotzdem alles was wir damit zu Essen oder zu Trinken bestellen. Und wenn wir zum Abend gemeinsam mit den „Blau-Bändern“ essen wollen, dann müssen wir uns am Eingang des Restaurants registrieren, eine Quittung in dreifacher Ausfertigung vorab unterschreiben und dürfen uns erst danach einen Tisch aussuchen. Dort müssen wir warten bis ein Kellner Zeit für uns hat. Er schreibt anschließend unsere Getränke-Bestellung auf alle drei Zettel und nimmt zwei davon mit. Den blauen Zettel (warum ist der eigentlich blau?) dürfen wir zur Kontrolle behalten. Sobald wir unsere Getränke haben, dürfen wir aufstehen und uns etwas zu Essen holen. Während dieser Prozedur latschen die „Blau-Bänder“ meist kreuz und quer an uns vorbei. Sie schenken sich Bier und Wein nach belieben ein und können tun und lassen was sie wollen. Das ist alles ein wenig komisch.

Und rückblickend muss ich leider sagen, dass diese blauen Bändchen hier gar nicht so blöd sind wie sie aussehen. Das Hotel liegt am Ende der Welt und man kann auch als „All-Inclusive“ Reisender das eine oder andere Mittagessen mal in einem urigen kleinen Kanarischen Restaurant zu sich nehmen.

Daher mein Tipp an Euch:
Wenn ihr mit dem Gedanken spielt im gleichen Hotel ein paar Tage zu verbringen, dann solltet ihr ernsthaft über All-Inclusive nachdenken. Zwar widerspricht dieser Rat all meinen Prinzipien, ist aber dennoch das einfachste was man hier machen kann.

Als „einfache Halb-Pensionäre“ überlegen wir natürlich auch heute wieder wo wir ein Mittagessen her bekommen. Wir haben ein kleines Italienisches Restaurant im Auge, etwas oberhalb von Los Llanos mit einer tollen Aussicht auf Berge und Meer. Doch als wir kurz vor Los Llanos wieder einmal an dieser sehr einladend wirkenden Bodega vorbeifahren, trete ich instinktiv auf die Bremse. Auf dem Parkplatz ist noch was frei und wenige Minuten später sitzen wir in einem urigen Weinkeller der schon seit mehr als 40 Jahren das Restaurant Bodegon Tamanca beherbergt. Die Kellner sind allesamt total auf Zack und super freundlich. Das Essen schmeckt auch wirklich gut. Ich bestelle mir mein erstes „La Palma Steak“ und bin mit der Qualität wirklich mehr als glücklich!

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Weil die Kellner so nett sind, ist das meiner Freundin Sandra fünf Euro Trinkgeld wert. Und siehe da, der smarte Kellner zeigt uns sogar das gesamte Restaurant, schaltet Licht für uns ein und öffnet und tatsächlich den Keller in dem die gewaltigen Weinfässer stehen. Wir dürfen fotografieren soviel wir wollen und sollen nur später die Türe schließen. Während wir das Restaurant verlassen muss ich an die „Blau-Bänder“ denken die geizig an all ihren pauschal bezahlten Cocktails nuckeln, sie werden diese tolle Bodega wahrscheinlich niemals finden…

Nach dem Essen geht es weiter durch Los Llanos hinab in den Barranco de Taburiente und dann weiter in Richtung Nord-Westen. Unser Ziel ist ein kleiner Aussichtspunkt am nordwestlichen Zipfel der Insel.

Tipp für Leserinnen:

Nordwesten ist links oben auf der Karte wenn Norden ebenfalls oben ist! Norden ist dann oben wenn man die Ortsnamen lesen kann! Osten ist dann übrigens rechts 🙂

Unterwegs halten wir immer mal wieder an, die Landschaft ist einfach wunderbar.

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Der Weg zu diesem Aussichtspunkt ist etwas abenteuerlich und Sandra ist auf dem Beifahrersitz merkwürdig still. Als wir dort eintreffen ist sie aber angesichts der tollen Aussicht wieder recht entspannt. Überhaupt ist sie eine sehr gute belastbare Beifahrerin. Mir würde als Beifahrer hier ständig übel. Auf dieser Insel gibt es nur sehr wenige Straßen die länger als 200 Meter OHNE eine Kurve auskommen.

Während Sandra lieber oben am fest gemauerten Aussichtspunkt bleibt, klettere ich ein wenig den Abhang hinunter. Mit meinen Trekking-Sandalen ist es nicht ganz einfach auf dem losen Geröll nicht zu stürzen. Das könnte schnell passieren und wäre wirklich übel. Ich habe keine Lust mit Hautabschürfungen oder einem Gipsarm den Rest der Reise zu bestreiten! Hilfreich ist bei dieser etwas unsicheren Kletterei das „kleine Fotogepäck“. Statt der großen Kameras mit den schweren Objektiven habe ich nur die kleine Nikon 1V1 und meine Panasonic HC-X909 Videokamera dabei.

Hier habe ich einen Vergleich der Bildqualität Nikon versus Panasonic für Euch. Die beiden ersten Fotos habe ich mit der Nikon 1V1 und dem serienmäßigen 10-30mm Objektiv aufgenommen. Eine starke Telebrennweite ist das nicht gerade, hier hat die Panasonic Videokamera eindeutig sehr viel mehr zu bieten. Aber die Bildqualität ist längst nicht so gut wie bei der Nikon 1V1. Aber das ist kein Problem solange man beide Kameras dabei hat. Mit der Nikon wird geknipst und mit der Panasonic wird „gefilmt“ – wenn man das heutzutage überhaupt noch so nennen darf…

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Gegen 17h machen wir uns auf den Rückweg zum Hotel. Nach ein paar Kilometern zweigt links die LP111 ab. Diese Straße sieht sowohl auf der Karte als auch auf dem GPS nach einer kleinen Abkürzung aus. Allerdings ist die Nutzung für LKW mit mehr als 8t verboten. Das lässt auf eine niedliche kleine enge Straße schließen. Meine Sandra wird diesmal nicht groß gefragt, ich biege einfach instinktiv auf diese Straße ab. Jetzt sind wir schon zweimal daran vorbei gefahren, nun will ich sie mal ausprobieren und das soll sich nicht als Fehler erweisen!

Die Straßenführung hier auf La Palma ist mehr als einfach, im Grunde genommen gibt es nur eine Ringstraße und zwei Querstraßen – fertig! Die Ringstraße heißt im Norden (also OBEN) LP1 und im Süden (also UNTEN) LP2. Die südliche Querverbindung ist die LP3, die „darüber“ die LP4. Will man zum Observatorium muss man die LP4 nehmen. Will man schnell von Los Llanos nach Santa Cruz hin- oder wieder zurück, so nimmt man die LP3.

Alle anderen Straßen sind kleinere Nebenstraßen und zum Teil nur einspurig ausgebaut. Wenn sie einspurig sind, dann gibt es immer wieder kleine Ausweichflächen. Das funktioniert in der Regel ziemlich gut, verursacht bei meiner Freundin trotzdem regelmäßig feuchte Hände. „Und was machst Du wenn uns jetzt jemand entgegen kommt?“ Diesen Satz höre ich seit Jahren immer wieder und so ist es auch mit der LP111. Während die Ringstraße meist auf einer Höhe von ca. 600 – 800 Metern oberhalb es Meeresspiegels verläuft, schraubt sich die verwunschene kleine kurvenreiche LP111 schnell auf über 1.250 Meter hinauf. Die Aussicht ist immer wieder grandios und man fährt etwa 13 Kilometer lang durch mystische Wälder und passiert einsame kleine Weinberge. Diese Straße ist mein Tipp für alle die nicht zu geizig sind sich hier wenigstens für ein paar Tage einen PKW zu mieten.

Als wir von der LP111 wieder zurück auf der LP1 sind, geht es recht zügig zurück zum Hotel. Als wir dort eintreffen ist es schon fast 20h. Die Sonne steht tief und wir finden tatsächlich sofort einen freien Platz unter den vielen anderen Gästen. Nach einem sehr entspannten Abendessen möchte Sandra noch etwas im Web surfen. Als ich vor dem Hotel den Stand der Sonne und die Farbe der kleinen Wolke über mir sehe, entschließe ich mich spontan es endlich einmal ernsthaft mit einer kleinen abendlichen Fotosession zu versuchen. Schnell geht es ins Hotelzimmer, die famose Nikon D800E wird starklar gemacht. Der Rucksack wird etwas „ausgemistet“ damit ich ihn auch tragen kann. Darin bleiben das AF-S VR 4/16-35mm, das AF-S 2.8/24-70 und das neue Rokinon 3.5/24mm Shift & Tilt Objektiv. Am Ende des Tages werde ich nur das 24-70 und das 16-35 benutzt haben, aber so ist das eben, man hat viele Bilder im Kopf schleppt allerhand Krempel mit sich herum und benutzt letztlich doch immer wieder nur ein oder zwei Objektive.

Als ich am Auto eintreffe muss leider feststellen, dass ich den „richtigen“ Sonnenuntergang schon verpasst habe – MIST!!!

Aber: Wie an fast allen Tagen zuvor war auch dieser Sonnenuntergang echt langweilig. Blauer Himmel und ein kleines schmales Wolkenband am Horizont – schwupps ist die Sonne weg und fertig. Das ist echt langweilig, für einen gewaltigen wirklich fotogenen Sonnenuntergang braucht man eine lockere Wolkendecke und einen freien Horizont. Ganz kurz bevor die Sonne komplett verschwunden ist, kann sie dann noch ihre letzte tiefrot gefärbten Strahlen auf die Unterseite der Wolken werfen. Diese beginnen dann in den tollsten Farben zu leuchten. Solche Momente sind für viele Landschaftsfotografen meist sehr wertvoll und man kann sie nicht kalkulieren, sondern nur erhoffen. Sind sie endlich „da“ so muss man bereit sein und es muss jeder Handgriff sitzen. Leider tut er das bei vielen Amateurfotografen oft mehr als überhaupt nicht. Ich erinnere mich noch gut als ich im Jahr 2009 mitten in der Nach aufgestanden bin um einen perfekten Sonnenaufgang am Mesa-Arch im Canyonlands Nationalpark zu fotografieren. Damals war ich nicht allein und die währen die „Profis“ schweigend Bild um Bild aufnahmen gab es gleich neben mir eine hitzige Diskussion wie denn das Objektiv zu wechseln sei, warum der Autofokus jetzt wieder nicht funktioniert und warum alle Bilder „viel zu hell sind“. Letztlich gab es eine handfeste Ehekrise, denn er hatte alle wichtigen schönen Momente verpasst und beide waren früh aufgestanden um ohne ein einziges schönes Foto zurückzukehren.

Daher kann ich nur raten, spielt wann immer es geht mit neuem Equipment herum. Fotografiert die Katze des Nachbarn oder die Blumen bei der Oma. Egal was ihr auch fotografiert, versucht es gut zu machen und merkt Euch alle Handgriffe. Nur so ist man im richtigen Augenblick bereit und schnell genug für das perfekte Foto!

Hier habe ich jetzt noch ein paar Fotos die ich am Abend mit der D800E aufgenommen habe. Die Fotos sind etwa eine Stunde NACH Sonnenuntergang entstanden, also zur „Blauen Stunde“. Das erste Foto zeigt sehr schön warum wir Fotofans diese Stunde so nennen 🙂 Man beachte auch den Schattenwurf, er ist extrem weich weil es fast kein Licht mehr gab. Dieses Foto habe ich satte 45 Sekunden lang belichtet!

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Hier noch eine Variante mit bewusst falsch einstelltem Weißabgleich.

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