Mit Sandra an der Lahn – Oder: Ein Blau-Weißer Ausflug

Samstag morgen, die Sonne scheint, ich habe einen Brummschädel. Schlecht geschlafen, die Nase trieft, ich fühl mich mies. Ein erster Kaffee hilft und das Frühstück richtet mich dann doch noch auf. Es ist etwa 9h und wir beide sind schon ganz kribbelig. Moped fahren? Aber klar! Wohin? “Hm, wie wäre es wenn wir auf der B42 zur Lahn fahren, dann in Richtung Nassau und anschließend auf verschlungenen Pfaden zurück nach Bon?” “Jo, das klingt doch mal nach einem Plan!”

Zähne putzen, anziehen, ab in die Tiefgarage und los. Sandra schnappt sich die weiße Turbine ich nehme wieder den blaue “Brüderchen”. Es ist schon fast Mitte September, die Sonne lacht und als wir bei etwa 20°C mit 100 Km/h den Rhein überqueren keimt in mir die Hoffnung auf einen goldenen Herbst auf. Die Fahrt auf der B42 über Königswinter, Unkel, Remagen usw. ist schön aber nicht überwältigend. Auf der Höhe von Koblenz verlassen wir die B42 in Richtung Bad Ems/Nassau/Montabaur. Die B260 in Richtung Bad Ems ist gut ausgebaut, irgendwann wechseln wir auf die südliche Seite der Lahn. Dann vor einem langen Straßentunnel die Entscheidung “Bad Ems versus Nassau” – wir fahren durch den Tunnel! Am Ende des Tunnels bekommen wir dann doch noch ein wenig von Bad Ems zu sehen. Wir wechseln wieder ans nördliche Ufer und weiter geht’s. In Nassau angekommen ist es schon fast Mittag. Wir suchen wir ein Lokal, finden aber auf Anhieb nicht das Richtige. Also muss das TomTom Rider ran! POIs in der Nähe suchen, Restaurants – es gibt ein Schlossweingut nur 3,7 Km entfernt? Das klingt doch gut, wir verlassen Nassau ohne dieses hübsche Städtchen weiter zu erkunden, schade eigentlich.

http://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Nassau

Nassau-Klein  

(Quelle: Wikipedia: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f7/Aerial_fg070.JPG)

Weiter geht es nach Obernhof, das TomTom Rider zeigt an, dass das Schlossgut ganz in der Nähe ist. Doch ich habe mein Blue-Tooth-Headset mal wieder nicht aufgeladen. Und als wir am Schlossgut vorbeifahren scheint die Sonne so wunderbar auf das Display des TomTom Rider, dass man absolut gar nichts erkennen kann. Wir schießen also über das Ziel hinaus – passiert… Ist aber auch alles gar nicht schlimm denn ein paar hundert Meter weiter ist links ein auf den ersten Blick ganz nettes Lokal vor dem zwei BMWs stehen – wenn das kein Grund ist dort einzukehren? 🙂

Während ich das 240 KG Moped neben den beiden BMWs auf einem leicht abschüssigen kleinen Schotterparkplatz abstelle kurvt Sandra mit der gleichen Fuhre auf dem Gehweg herum. Sie hat gleich gesehen, dass diese Fläche NICHT EBEN ist und würde eigentlich gern rückwärts einparken, damit sie später besser wieder heraus kommt. Aber die Kante des Gehwegs ist hoch und überhaupt ist alles blöd, sie parkt dann neben mir. Irgendwie werden wir da schon wieder heraus kommen…

Oben auf der Terrasse hat Sandra schon ganz gelb verfärbte Pupillen, gut dass es hier eine Toilette gibt! Ich bin auch froh…

Auf der Speisekarte steht gebratene Forelle und Rumpsteak mit Zwiebeln, das klingt gut – Sandra die Forelle ich das Steak. Sandra ist schlapp und müde und fragt nach einem Red Bull. Sie haben sowas nicht, aber die Kellnerin ist großartig und sagt uns, dass sie sich eine private Dose mitgebracht hat für den Fall, dass es bei schönem Wetter mal wieder spät wird. Den Doseninhalt serviert sie kurz darauf auf Eis in einem kleinen Bierglas – was für ein Service!

Während wir Essen füllt sich die Terrasse zunehmen. Das Paar mit den BMWs macht sich wieder auf den Weg, dafür trudeln zwei ältere Holländer ein. Beide parken rückwärts, die haben das gleich geblickt! Sie hat ähnliche Probleme mit der hohen Gehwegkante wie Sandra kurz zuvor. Er ist ein Gentleman und parkt für seine Frau das Moped ein. Es gibt auch nette Holländer 😉

Während wir unser Essen verspeisen kommt eine Horde Mopedfahrer nach der Anderen. Viele biegen auf die Brücke gegenüber der Terrasse ab. Ich nehme mal das TomTom Rider und lasse eine Route mach Montabaur ausrechnen. Es ist nicht wirklich weit, und nachdem ich mehrmals auf “Alternative berechnen” gedrückt habe will auch das TomTom über diese Brücke fahren. Ich zoome mal hin und her und siehe da, es lacht uns eine schöne Serpentinenstrecke an. Als wir bezahlen wollen will die supernette Kellnerin uns die Dose Red Bull schenken, weil sie ja nicht auf der Karte steht. Das Essen kostet zusammen 29,90 Euro – ich gebe ihr 35 Euro und sie schaut ganz glücklich. Die Mopeds aus der Parkbucht zu schieben ist ein größerer Kraftakt, aber es geht. Der Schotter ist nur blöd weil man keinen wirklich festen Stand hat. Erst schiebe ich die blaue Turbine auf den Gehweg, dann helfe ich Sandra mit dem weißen Zwilling. Ingenieure können auch ganz nett sein 🙂

Es geht über die Brücke und das TomTom hat nicht zu viel versprochen! Oben auf dem Berg geht es dann munter lustig weiter, wunderschöne Kurven, tolle Landschaft und grandioses Wetter. Deutschland ist schön! Definitiv!!

Zwischendurch ein kurzer Stopp für ein paar Erinnerungsknipsbilder mit dem NOKIA N95:

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In Montabaur angekommen fahren wir hoch zum Schloss. Leider ist alles ein Großbaustelle und man muss ich an der Rezeption anmelden wenn man den Innenhof betreten will. Kaum haben wir die Mopeds geparkt springt uns auch schon eine ganz nette Dame an um uns zu erklären, dass das hier kein öffentlicher Parkplatz ist.. Im Bistro gibt es Speisen und Getränke nur für Tagungs- und Hotelgäste. Deutschland ist schön? Nicht überall… Weiter geht’s…

Das TomTom Rider zeigt in einigen wenigen Kilometern einen McDonalds – da gibt es sicher auch für einfache Leute wie uns ein Cola und eine Toilette – also los. Wir fahren in Richtung ICE-Bahnhof, dann rechts ab, nur welche der Straßen? Zack, wieder falsch, wir kurven durch ein Industriegebiet, links – rechts – links – rechts – links – links – rechts – dann auf der linken Seite ein Burgerking – die bewirten sicher auch einfache Biker wie uns, also links ab.

Die Cole schmeckt genauso wie bei McDonalds. Kleiner Spaß am Rande, wie heißt das Lieblingsrestaurant von Steve Jobs? Ganz einfach MacDonalds 🙂

Die Cola weckt die Lebensgeister die nach dem Steak und der Forelle ein wenig müde geworden waren. Es geht weiter in Richtung Altenkirchen. Das TomTom kennt den weg – es meidet Autobahnen und findet viele schöne Straßen, das macht Spaß. Das Wetter ist immer noch sonnig und wir haben deutlich über 20°C – wunderbar. Die Mopeds sind so scharf, dass sie hinter Gitter müssen…

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In der Nähe von Niederpleis kommt uns dann alles doch wieder sehr bekannt vor. Der Stallinstinkt lockt uns nach Hause, doch dann vor uns eine Hochzeitsgesellschaft – und was für Eine!! Die haben sich sogar einen uralten restaurierten Bus gemietet und mit weißen Stoffen geschmückt – ist ja alles ganz hübsch, aber auf dem Motorrad dahinter her zu schleichen nervt total. An der ersten Ampel fahren wir an der langen Schlange vorbei und stellen uns ganz vorn neben das erste Auto. Ein paar Meter weiter dann Teil 2 dieser Gesellschaft – wie viele Verwandte kann man haben? Dann wieder eine Ampel, wieder links dran vorbei. Am Haltebalken ein VW Touareg, definitiv kein Hochzeitsgast! Am Steuer ein echter Griesgram im fortgeschrittenen Alter, er tippt auf das Gaspedal und scheint sich schon zu ärgern weil wir uns frech neben ihn gestellt haben.

Es wird grün, ich lasse meine blaue Turbine so richtig fliegen, 8s von 0 – 200Km/h – das treibt einem die Tränen in die Augen. Im Spiegel sehe ich Sandra, sie lässt die Zwillingsturbine auch fliegen und das macht sie sonst eigentlich NIE! Dann geht es auch schon rechts ab nach Stieldorf. Der VW biegt auch ab. Die Straße ist von den vielen Treckern – es ist wieder Jauche-Saison – stark verschmutzt. Sandra fährt vorsichtig – besser ist das – der mittelalte Typ in seiner überdimensionierten Familienkutsche hat hohen Blutdruck und fährt Sandra fast auf dem Hinterreifen. Ich schaue mit das Spiel im Rückspiegel an und bin kurz davor anzuhalten, die Straße zu blockieren und ihn zu fragen was der Blödsinn soll. Aber dann kommt schon der Abzweig nach Bonn. Der Typ rollt seinen Dieselpanzer neben uns und staunt nicht schlecht als er begreift, dass der Typ auf dem weißen Motorrad kein Typ ist! Die Ampel wird rot, wir haben wieder unseren Frieden, besser ist das!

Ein paar hundert Meter oberhalb von T-Mobile geht es dann auf stark abschüssiger Straße links auf das Stückchen Autobahn das über den Rhein bis zum Posttower führt. Der Asphalt ist wellig wie die Hölle und ich bremse fast bis zur Schrittgeschwindigkeit runter. Das Moped holpert im zweiten Gang um die Kurve und ich bin froh, dass wir nicht zu schnell waren! Sandra ist kurz hinter mir, sie hat den 1. Gang eingelegt (eigentlich wäre der zweite besser gewesen) und als sie die Bodenwellen nimmt ruckt sie so am Gas, dass es ihr Angst und Bange wird. Diese weiße Turbine kann ganz schön giftig werden .Daheim berichtet sie mir später von den Schrecksekunden des Tages…

Auf dem Rhein zischt plötzlich eine winkende Sandra an mir vorbei. Sie hat gute Laune, das Drama des letzten Wochenendes ist vergessen, ihr geht es gut und sie hat Spaß in den Backen!

Als die Zwillinge schließlich in der Garage stehen sind wir beide ziemlich platt. Aber es liegt eine wirklich schöne Tour hinter uns.

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Hier gibt es den Track als GPX-Datei zum Download.

Hier das Höhenprofil:

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Hier habe ich aus dem Track noch eine KMZ-Datei für die Ansicht mit Google Earth erstellt.

So sieht das dann aus:

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Männerspaß – Oder: Auf der Suche nach der optimalen Route

Freitagmorgen, die Sonne scheint und ich kann es kaum abwarten mich auf mein neues blaues Moped zu schwingen. Meine große Schwester feiert am nächsten Tag ihren 50. Geburtstag und da will ich hin – auf Umwegen – auf wirklich schönen Umwegen!! Also schnell alles zusammen packen und um 9h starte ich das 163 PS starke silberne Monster. Ein Lächeln zieht mir flüchtig übers Gesicht, dann geht es los. Am neuen Schnitzer Superbike-Lenker hat einer der beiden Söhne des durchaus empfehlenswerten Motorradhauses Senger in Rüsselsheim die Halterung für mein TomTom Rider montiert.

Am Vortag habe ich spät abends versucht eine schöne Route zu planen. Mit der Software TomTom-Home geht das irgendwie eigentlich so gar nicht. Ich habe mir das Programm Tyre eines holländischen (denke ich doch, oder?) Programmierers installiert. Diese Software nutzt intern Google-Maps für die Anzeige der Routen und deren Berechnung. Nach einer Weile konnte ich eine Route zusammen gestellt und auf mein TomTom Rider kopieren. Am Freitag wollte ich sie dann ausprobieren.

Es geht also raus aus der Garage und nach ein paar Metern hat das TomTom auch schon ausgerechnet wo es denn ist und wo es lang gehen soll. Es ist ein ziemliches Gegurke, aber ich folge mal den Anweisungen weil ich wissen will wie gut die Route wirklich ist. In Bonn Beuel merke ich dann, dass ich mein zweites GPS, das Garmin Colorado 300 gar nicht eingeschaltet habe. Damit möchte ich die Route aufzeichnen. Also kurz anhalten und einschalten das gute Stück. Es ist weit gereist, war schon zweimal mit mir in den USA und mehrfach auf den Kanaren. Ein Schramme hat es auf dem Display, aber ansonsten sieht es noch gut aus. Es geht weiter über eine Bundesstraße in Richtung Siegburg. Irgendwann verpasse ich einen Abzweig und das Rider lotst mit gnadenlos quer durch die Innenstadt, das macht keinen Spaß. Überhaupt ist es sowas von voll auf den Straßen, es macht eigentlich gar keinen Spaß hier mit dem Moped zu fahren.

Das Thermometer des Bordcomputers zeigt 16,5° – ich schalte die beheizten Griffe ein –  Stufe 2 muss es schon sein 🙂 Es geht vorwärts, wenn auch mühsam. Irgendwann im bergischen Land endlich mal kein Schleicher vor mir, es gibt ein paar Kurven, ich glaube es ist das Hoffnungstal – oder ein Teil davon. Die Laune bessert sich, aber in gleichem Maße macht sich der Hunger bemerkbar. Nach etwa zwei Stunden ist rechts am Wegesrand ein kleiner Bäcker, ich halte an und frage ob ich ein kleines frühstück haben kann. Was übersehen habe, es gibt ein Angebot auf einer Tafel “Kleines Frühstück 6,90€” – ich will aber einen Kaffee mit Milch und zwei belegte Brötchen. Es geht ziemlich witzig zu bist wir alle verstehen was ich meine.

Das Frühstück ist gut und es geht wieder aufs Moped. Auf dem TomTom Rider habe ich vor zwei Jahren ein Paket mit Biker-Treffs D-A-CH installiert. Ich schaue mal nach, 43 Km sind es bis zum Café Hubraum. Das klingt gut, gehört habe ich schon davon, gewesen bin ich dort noch nicht. Es geht weiter, die Sonne kommt heraus und das Thermometer kletter auf etwa 20 Grad – super! Irgendwann stehe ich auf einer breiten schnurgerade zweispurigen Straße. Neben mit hält ein Audi R8 – wow – ein Lamborghini aus Ingolstadt. Drin sitzt ein schmieriger Typ und ich überlege ob er vielleicht ein Inkasso Büro betreibt oder Mitglied eines Geldwäscherings ist. Die Ampel wird gelb, dann grün. Reifen quietschen, der R8 setzt sich brüllend und qualmend in Bewegung. Mein Moped geht auch vorwärts und wie sie vorwärts geht! Ein paar hundert Meter weiter wird es mir zu blöd und zu gefährlich. In 8 Sekunden von 0 auf 200 ist ja ganz witzig – aber damit ist es dann auch gut. Ich lasse ihn ziehen bevor noch ein Unfall passiert den wir beide nicht wollen. Als ich später am Café Hubraum ankomme steht dort genau EIN Motorrad. Will ich das? Egal, den Motor wieder starten und los…

Es geht kreuz und quer an Wuppertal vorbei, Schilder weisen nach Solingen, die Straßen sind voll und das durchschnittliche Tempo ist mit etwa 29 Km/h entsprechend niedrig. Dann plötzlich die B235 – die Straße meiner Jugend. Was bin ich mit 16 auf dieser Straße hin und her gefahren. Sie führt direkt an meiner Heimatstadt Waltrop vorbei. Ich bin aber in der Nähe von Bochum. Die Uni habe ich noch wieder erkannt. Während ich über die Universitätsstraße fahre kommt mir die Zeit in den Sinn als meine damalige Freundin hier noch Jura studiert hat. Über 20 Jahre ist das jetzt her und die Uni sieht noch genauso fies aus wie damals. Egal ich bin auf der B235!! Das ist meine private Route 66 – doch erkenne ich etwas wieder? Fehlanzeige! Ich fahre mitten durch Castrop Rauxel und komme mir vor wie auf einem anderen Planeten. Nichts aber auch gar nichts erkenne ich hier.

Dann ein Hinweisschild nach Ickern. Da hat sie damals gewohnt, mehr als 7 Jahre bin ich fast jeden Tag dort gewesen. Aber erkenne ich irgendwas, Fehlanzeige – immer wieder. Dann endlich nach einer Linkskurve eine bekannte Straße. Nun ist es nicht mehr Weit bis nach Waltrop. Mir kommen die witzigen Nachmittage in den Sinn die wir hier in der Nähe in der Küche gesessen und Mensch ärgere Dich nicht gespielt haben. Mit der ganzen Familie, das waren wirklich schöne Zeiten. Während die umgenutzten Zechenanlagen an mir vorbeiziehen überlege ich wie es ihnen jetzt wohl gehen mag. Andrea, Markus, Edith und Ernst – na vielleicht sehe ich sie ja bald mal wieder. Alle 20 Jahre sollte man sich treffen 🙂

Dann das Ortseingangschild – ich bin in Waltrop. Ich kreuze die Straße die zur Autobahn nach Dortmund Mengede führt und fahre über den guten alten “Holperweg”. Keine Ahnung wie er wirklich heißt – wir nannten ihn nur den “Holperweg” – es könnte die Altenbruchstraße sein – aber ist ja auch egal… Am Ende links, dann rechts, rechts und ich stehe bei der Mama vor verschlossener Türe. Ok, ich bin nicht angemeldet und es ist jetzt 14h. Hinter mir liegen 5 Stunden Landstraße, Stau und ungläubiges Staunen. Aber dann öffnet meine kleine Nichte die Haustüre, die Oma ist auch da – prima!

Um 15h30 geht es dann weiter nach Marl. Eigentlich muss ich nur dem Straßenverlauf folgen. In Marl ist dann auch der Tank leer und es gibt ein Schwätzchen mit der Dame an der Tankstelle. Um 16h30 ist Sandra dann auch da. Kurz ausruhen, etwas trinken, dann ab zur Garage, ihr Moped abstauben und los zum Drögen Pütt – ihrem päferierten Biker Treff. Es ist nur der Udo da, ein Kumpel aus alten Zeiten. Aber die Curry Wurst ist fast so gut wie am Bikertreff neulich am Biggesee. Als wir mit hereinbrechender Dunkelheit zurück sind habe ich fast 12 Stunden auf dem neuen blauen Moped gesessen. Was für ein Tag. Mir tut alles weh und ich bin so froh, dass ich jetzt liegen kann.

Am Samstag dann ein gemütliches Frühstück, dann umziehen und ab zur Garage. Es geht los über die A43 in Richtung Dülmen. Dann runter von der Autobahn und auf verschlungenen Wegen nach Coesfeld. Schön ist es hier! In Coesfeld finden wir ein Hotel mit einen schönen Vorplatz. Wir sitzen unter Sonnenschirmen. Es gibt Kartoffelsuppe mit Lachs, Sandra hat sich für die hausgemachten Rösti mit Tomaten und Champignons entschieden. Ich fingere an meinem Garmin Colorado herum. Die Batterien sind fast leer, es ist ja nun auch schon der zweite Tag! Aber man darf die Hoffnung nicht aufgeben, vielleicht halten sie ja noch bis nach Hause durch?

Von Coesfeld geht es in Richtung Westen. Irgendwann muss Sandra dann ihre YPSE nachtanken. Sie kennt sich dort aus, das ist ihre Hausstrecke, also fährt sie jetzt mal vor. Ich habe es immer noch nicht geschafft dem TomTom Rider ohne große Umwege mal eine wirklich schöne Route abzuringen. Sandra schafft es ganz ohne Navi 🙂 Eine halbe Stunde später sind wir wieder am Dröge Pütt. Diesmal ist der Bikertreff gut besucht. Udo ist auch wieder da, der hat einfach kein Zuhause wenn die Sonne scheint. Wir trinken Kaffee und quatschen mit den anderen Bikern. Als ein Typ mit einer voll verchromten superlauten Knatterharley auftaucht kommen die Gespräche zum Thema “Mit dem Moped durch die USA”. Was für ein Abenteuer! Sandra kommt ins Schwärmen, unsere letzte USA-Reise hat sie anhaltend beeindruckt. Wieder daheim heißt es schnell umziehen und dann ab zum 50. Geburtstag.

Die Party ist cool, meine Schwester hat eine geniale Band engagiert. Gegen Mitternacht verabschieden wir uns, was für ein Tag.

Sonntagmorgen, ich bin ziemlich zerdrückt von der Geburtstagsfeier am Vorabend. Sandra geht es nicht besser, wir kommen langsam in die Jahre 🙂 Aber Zahnbürste und Kaffee sind auch an diesem Morgen gute Waffen gegen den schweren Kopf. Ein Blick nach draußen, das Wetter sieht recht gut aus. Ich habe Lust auf eine Mopedtour. Über die Autobahnen A43, A44 und A45 nach Lüdenscheid. Dann kreuz und quer durch das Sauerland, dann via Siegburg & Co. nach Bonn. Dort kurz das Moped umpacken und dann weiter zur Arbeit in Richtung Mainz. Nach dem Frühstück geht es wieder ab zur Garage, dann bei Recklinghausen auf die A43 in Richtung Wuppertal. Kurz vor Bochum dann ein Stau auf der Autobahn. Überall Polizei und Notarztfahrzeuge. Rechts neben er Leitplanke stehen Ärzte und Sanitäter um einen abgedeckten Körper herum. 50 Meter weiter steht ein KPW auf dem Seitenstreifen, davor ein Paar mit Tränen in den Augen. Was da wohl passiert ist? Ich habe einen Kloß im Hals und es geht langsamer als zuvor weiter in Richtung Lüdenscheid. Bei Lüdenscheid-Nord verlassen wir die Autobahn und biegen ein paar Meter weiter in eine winzig kleine Straße ab, wow was ist das schön hier. Es geht kreuz und quer durch das Sauerland, ich bin richtig glücklich.

Irgendwann müssen wir dann tanken. Es gibt einen heißen Kaffee und einen Plausch mit zwei Ducati-Fahrern aus Duisburg. Ich versuche mal die alte Strategie “Lobe das Moped eines Bikers und er wird sich freudig mit Dir unterhalten.” Es klappt auch diesmal. Die zwei sind ein wenig verdutzt als ich auf sie zugehe und ihnen sage, dass sie da zwei echt coole Mopeds haben. Sie sind erstaunt und bedanken sich sogar für das Kompliment 🙂 Dann erzählen sie von den Problemen die sie mit der Sitzhaltung und den knallharten Sitzbänken haben. Beiden tut der Hintern weh und beide sind ganz ehrlich, sie freuen sich auf das weiche Sofa daheim. Mopedfahr’n ist halt nix für Weicheier 🙂

Sandra kontrolliert die Luft auf dem nagelneuen Hinterreifen. 1,6 Bar statt 2,8 – Hui – deshalb fuhr sie so “komisch”. Wie geht denn das? Der Reifen ist erst ein paar Tage alt! Es geht wieder los. Kurz nach Ortsausgang geht es links ab, die Straße ist ein Traum. Ich drehe so richtig am Hahn und die Lampen von Sandras YPPSE werden schnell kleiner. Dann eine kleine Kreuzung, ich fahre gerade aus weiter´, kann aber Sandras Licht nicht mehr sehen. Ich gehe vom Gas und rolle mit Schrittgeschwindigkeit die schmale Straße herunter. Dann kommt eine kleine Kurve, ich kann nichts mehr im Spiegel sehen und halte an. Ich warte aber sie kommt nicht. Ich mache mir Sorgen und versuche das 240KG schwere Moped samt der vollen Koffer zu wenden. Schließlich stehe ich quer auf der Straße und werde von einem Idioten in einem schwarzen Audi A4-Variant angehupt. Super, das Vorderrad steht in der Wiese und ich kriege die Kiste nicht zurück geschoben. Statt auszusteigen und mir zu helfen drückt der Affe auf die Hupe, das kann ich gerade gut gebrauchen 😐 Ich ziehe am Lenker was das Zeug hält und dann rollt sie doch zurück. Noch mal hin und her, die Straße ist abschüssig und super eng. Schließlich stehe ich in Gegenrichtung in der Wiese und der Idiot fährt mit quietschenden Reifen an mit vorbei. Der dicke Hinterreifen dreht auf dem glitschigen Untergrund durch. Ich lasse das fette Ding ein wenig zurückrollen und kriege sie dann mit ein bisschen Glück wieder auf die asphaltierte Fahrbahn – super! Nun schnell zurück, Sandra ist immer noch nicht da! Ich mache mir jetzt echt Sorgen! Dann sehe ich sie, sie lehnt an ihrer YPPSE und weint. Ich halte an und frage was los ist. Sie ist fertig mit dem Nerven. Die Party war zu lang und zu laut, der Kopf tut weh, sie ist durchgefroren und hat Schüttelfrost. Mist, ich fingere an meinem TomTom Rider herum. Zurück zu ihr nach Marl sind es 160 Kilometer. Wie kriege ich sie jetzt nach Hause? Ich rede ihr zu wie einem kranken Pferd und nach einer Weile geht es wieder. Wir fahren nur noch Hauptstraßen und wollen so schnell wie möglich zur Autobahn. Nach etwa 30 Minuten kreuzen wir die A4. Wir halten kurz an, verabschieden uns dann dann geht es auf die Autobahn. Beim Kreuz Gremberg will ich auf die A3 in Richtung Bonn und Sandra möchte in Richtung Oberhausen weiterfahren. Doch dann der Schock, die A3 ist in Richtung Oberhausen gesperrt – SCHEISSE – sagt man zwar nicht aber das ist genau das was ich denke. Es ist 15h30 und überall hieß es, dass die Autobahn ab 16h gesperrt wird. Was soll das?

Wir haben keine Wahl, Sandra begleitet mich in Richtung Süden. Es geht am Heumarer Kreuz in Richtung Aachen auf die A4. Hinter der Rodenkirchner Autobahnbrücke steht dann ein Schild auf dem Mehrzweckstreifen – STAU – Au Mist – Sandra geht es nicht gut und dann das noch. Ich überlege was ich machen soll. Dann kommt die Ausfahrt Bayenthal – Sandra überholt und winkt mich rechts raus. Ok, sie will bis Köln West fahren und dann über die A1 nach Hause. Ok, ich zweige ab zur A555 und fahre mit gemischten Gefühlen nach Bonn weiter.

Auf der A555 dann ein kurzer Geschwindigkeitstest, das neue Moped läuft spielend 240Km/h und es geht noch was. Aber nur beim Moped! Bei mir geht da nix mehr und nach einigen Sekunden drehe ich den Hahn freiwillig wieder zu. 120 sind ganz komfortabel, 140 sind ok, alles andere macht mir keinen Spaß, das ist einfach zu laut und zu zugig um es längere Strecken durchzuhalten.

In Bonn angekommen gibt es schnell einen Kaffee. Dann die Klamotten für die neue Woche zusammen packen und 60 Minuten später bin ich wieder auf dem Moped. Diesmal will ich dem TomTom Rider endlich eine schöne Route entlocken. Ich gebe als Ziel Mainz ein und als Profil “Autobahnen vermeiden”. Das TomTom rechnet die B9 am Rhein entlang aus. Das kenne ich schon zu gut, das ist schön aber nach mehreren Jahren wird es langweilig. Also drücke ich auf “Alternative berechnen”, das ist die Route zwischen Rhein und A3 – die kenne ich auch schon. Also erneut “Alternative berechnen”, kenne ich auch schon, nochmal, nochmal, hey das sieht gut aus!

Es geht los. Über Wachtberg geht es in Richtung Eifel. Viele Straßen kommen mir bekannt vor, aber vieles ist auch neu und schön. Die Sonne scheint es sind fast 25°C – ich schwebe fast mit dem Moped über den Asphalt. So muss sich Merkur der “Geflügelte Bote” im altgriechischen Universum gefühlt haben. Ich räubere durch die Kurven und genieße die wundervolle Landschaft. Dann ein Stau! Es ist ein kleiner Ort und es geht auch schon weiter. Dann sehe ich die Polizei, Krankenwagen und ein Auto das fern ab der Straße auf dem Dach mitten im Feld liegt. Alle Türen sind geöffnet, der Kofferraum ist auch, überall liegt was auf dem Feld herum. Wieder eine Nase die nicht begreift, dass man sich NACH den Runden auf dem Nürburgring lieber wieder an die Verkehrsregeln halten sollte!

Es geht schließlich weiter, ich bin aber nachdenklicher als zuvor! Dann komme ich runter an die Mosel, wie schon ist das denn? Es geht über eine Brücke und dann sehe ich links die Burg bei Alken – wunderbar! http://www.alken.de

Kurz nach der Ortschaft geht es links den Berg hinauf, dann Serpentinen, Weinberge, Wald, großartig. Endlich eine schöne Route – Trotz TomTom Rider – oder vielleicht gerade deshalb? Dann kreuze ich die Hunsrückhöhenstraße. Eigentlich würde man hier jetzt recht abbiegen – aber das TomTom will weiter gerade aus. In diese schmale Straße? Egal, ich fahre mal weiter. Und das lohnt sich! Es geht eng und kurvig durch den Wald, fast 10 Kilometer sind das – toll! Mein Herz schlägt schneller und ich bin glücklich mit dem neuen Moped. Schließlich bin ich am Ortseingang von Boppard und habe ein Déjà vu. Hier bin ich schon X-mal vorbei gefahren, aber auf die Idee hier mal abzubiegen bin ich noch nicht gekommen. Es geht nun auf der B9 am Rhein entlang. Nach all den Kurven bin ich schon ziemlich fertig. Ich sitze nun seit fast 7 Stunden auf dem Moped. Also B9 bis Bingen, dann Autobahn bis Mainz und da gleich ins Bett. Was für ein Tag…

MoDiMi sind lang mit vielen Überstunden, aber ich kriege auch viel geschafft. Es ist Donnerstagmittag und ich will eigentlich los. Um 14h30 bin ich dann soweit, es geht ab in Richtung Bonn – WOCHENENDE!

Als ich das Moped gesattelt habe beginnt es zu regnen – oh nein – es hat doch schon drei Tage lang geregnet – muss das jetzt sein? Ich überlege kurz ob ich mir 100 Meter die Straße runter bei Louis eine billige Regenkombi kaufen soll – ach egal – ich bin nicht aus Zucker! Es geht auf die A60 in Richtung Bingen. Schnell weg aus dem Regen hier – und der Plan geht auf! Bei Bingen dann auf die A61, bei Stromberg dann runter. Die Verlängerung der Hunsrückhöhenstraße ist mein Weg und mein Ziel zugleich. Dann bei Buchholz biege ich rechts ab in Richtung Boppard. Das habe ich mit eine Stunde zuvor noch im Appartement auf dem iPad angesehen.

Quizfrage – wie findet man mit dem TomTom Rider eine schöne Route?

Antwort:

Indem man sich vorher eine gute Karte anschaut und überlegt wo es schön sein könnte. Das prägt man sich dann ein und fährt einfach dort entlang. Das TomTom Rider ist hier eher ein Begleiter der die Spitzkehren voraussagt 🙂 Es geht also doch!

Mit der K1200r von Boppard nach Alken

In einer Lichtung kann ich hinab ins Rheintal sehen. Dicke schwere Wolken hängen am Himmel und verheißen nichts gutes. Ich beschließe das Rheintal noch ein wenig zu meiden… In Boppard angekommen nehme ich am Ortsausgang also gleich wieder die Straße vom Sonntag – zurück in die Zukunft – sorry an die Mosel. Der Spaß ist grenzenlos, ich bin allein, die Straße ist trocken und die K1200r nimmt die Kurven im 3. und 4. Gang – das rockt! Zwischendurch halte ich an und knipse mit dem N95 ein paar Erinnerungsbildchen.

Kurz vor Alken ist dann ein Kombi vor mir. COC – der kommt aus Cochem – heißa – der kennt den Weg – ich habe Mühe dran zu bleiben! Dann steigt er kurz vor einer Spitzkehre voll – aber wirklich voll in die Eisen. Ich habe echt Mühe meine BMW nicht in seinem Kofferraum zu parken. Warum diese Aktion??? Dann sehe ich es auch, in der Spitzkehre hat sich ein Bus aus Holland fest gefahren. Er rangiert vor zurück vor zurück vor zurück, dann ist er “frei” und für uns geht es weiter. Der Busfahrer schwitzt und bedankt sich winkend. Ich halte ein paar Kurven später an und knipse die Burg bei Alken. Schön ist sie!

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Es geht runter an die Mosel, vorbei an Alken, dann über die Brücke auf das “Bonner Ufer”, kurz danach links ab in Richtung Ochtendung. Zunächst führt mich mein Weg ein wenig durch die Eifel, später runter nach Andernach. Ich habe HUNGER und das nicht zu knapp, schließich habe ich das Essen in der “Kantine des Grauens” heute mal wieder sausen lassen – besser ist das! Bei Bad Breisig gibt es dann eine Portion Suvlaki bei einem kleinen griechischen Restaurant. Die Tochter des Wirts kommt auch dazu. Und der Bruder und die Mutter. Es wird diskutiert ob zuerst Mathe oder Deutsch auf dem Programm stehen. Die Mutter entscheidet “Mathe” – also esse ich zwei Spieße mit jeweils 8 Stückchen Schweinefleisch, das macht 16 Stückchen zu je 50 Kalorien, das macht dick – hä – irgendwas ist falsch gerechnet? Egal, ich muss 6,90 Euro bezahlen und habe gerade 10 Euro in der Hand. Ich will nicht mehr rechnen und sage “War lecker, stimmt so!” Er guckt verdutzt und lächelt dann ganz nett. “Auf Wiedersehen, gute Fahrt, passen Sie auf sich auf! „Auf Wiedersehen, gute Fahrt, gute Fahrt, auf wiederseh…”

Am Ortsausgang fällt mir auf, dass ich mein Garmin Colorado nach dem Griechen nicht wieder eingeschaltet habe, wie will ich da den Track aufzeichnen? Also halten, aus der Jacke fingern und einschalten. Daheim werde ich später sehen, dass es sich beim Start aufgehängt und NICHTS aufgezeichnet hat – ab Bad Breisig!! Aber das ist auch nicht weiter schlimm, von da bis Bonn ist es eh ganz einfach.

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Daheim angekommen wird die weiße K1200 begrüßt und ihr neues Brüderchen daneben geparkt. Dann wird erst einmal die Hütte gelüftet und es gibt gaaanz viel zu trinken und einen Geburtstagsanruf bei der Mama – 76 Jahre wird sie heute!

Hallo Mama, wenn Du das hier irgendwann mal lesen solltest: HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH NOCHMALS 🙂

So sieht die “Route der Woche” aus. Wer es im Detail anschauen möchte findet sie Tour Bonn-Mainz-Bonn im GPX-Format.

Hier ist das GPX zur Tour Bonn-Waltrop-Marl-Lüdenscheid-Bonn..

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Es ist fast 23h – jetzt aber ab ins Bett – morgen steht ein Besuch beim Steuerverbrater auf dem Programm – danach die Hütte aufräumen, es gibt nach mehr als einem Jahr immer noch ein paar Umzugskartons die NICHT ausgepackt sind. Danach eine Mopedtour? Alternative berechnen? 3-5 mal? Schöne Route? Gute Nacht!

Hier ist die Diashow des Tages – auf genommen mit dem Nokia N95.

Moped fahr’n – Oder: Nasse Füße werden wieder trocken

Was kann es schöneres geben als morgens um kurz vor sechs zärtlich wachgeküsst zu werden? Ein Tag der SO anfängt muss gut werden!

Also Kaffee, Dusche, Klamotten für die Woche zusammenpacken, Lüften, Heizung abstellen, Licht aus, dann dieses Geräusch – in den Schrebergärten gegenüber zwitschern die Vögel – es wird Frühling! Kann man bei diesem Wetter mit mit gutem Gewissen mit dem Auto zur Arbeit fahren? Eigentlich nicht…

Also schnell alles umpacken, Mopedhose an, Stiefel an, Nierengurt, Halstuch, Jacke, Handschuhe schnappen, Helm schnappen, Auto in die Garage, Moped für die Türe, Koffer einpacken, um 6h30 geht es los!

Die Straßen sind noch nass, es hat die Nacht über geregnet. Das Thermometer am Moped zeigt 14,5°C – die beheizten Griffe sind prima 🙂

Ich fahre auf der B9 nach Koblenz. Immer wieder nervt ein schwer übergewichtiger Typ in seinem schwarzen Combi. Im Spiegel sieht er aus wie jemand den seine Frau nicht mehr liebt, den seine Kinder verachten, der das alles weiß und es jeden Morgen mit dem Gaspedal zu kompensieren versucht. Lichthupe, Blinker, dicht auffahren, so ein Idiot. Rechts wird es frei, ich fahre brav rechts rüber und genieße dann den Anblick der kleiner werdenden Scheinwerfer im Rückspiegel – 230 Kilo und 163 PS – das kann er nicht mithalten. Dann vor mir ein Clio, fährt ganz brav 130, ich dahinter, dann kommt wieder der Combi. Der Clio fährt rechts, ich auch und der Combi wird im Rückspiegel wieder kleiner. Irgendwann ist er ganz weg – wo weiß ich nicht – jedenfalls hat er mich nicht umgefahren – besser ist das!

Kurz nach Koblenz trübt es sich ein und es beginnt zu regnen. In Bacharach gießt es wie aus Eimern. Aber da ist diese Aral-Tankstelle. 1999 war ich mit meiner Freundin 14 Tage mit dem Moped in Norditalien. Auf dem Hinweg ging es immer nur den Rhein entlang. Unser erster Zwischenstopp war damals genau an dieser Tankstelle. Seit dieser Zeit halte ich dort gern an, denn es ist fast der halbe Weg nach Mainz. Es gibt ein frisches Brötchen und leckeren Kaffee. Als ich gehe hinterlasse ich eine große Pfütze in der Tanke – das Leben ist hart!

Der Regen hat sich verzogen, es geht weiter geradeaus. Die Lorelei umfahre ich ganz allein, kein Gegenverkehr, nichts. Dann wieder ein Combi, diesmal ein Opel, Silber, der Fahrer könnte der Gleiche sein… Gleiches Spiel, dann kommt die Baustellenampel – ROT – Vor dem ersten Auto ist ne Menge Platz. Die 20 Autos dazwischen wird er niemals überholen können – ich habe wieder meine Ruhe. Moped fahr’n is wie wenze fliechs…

moped

Bei Bingen geht es auf die Autobahn. Mal richtig Gas geben. Um 4. Gang auf 180, dann den 5. dann den 6. – das Moped schiebt von 180 auf 220 wie mein Auto von 20 auf 60 – das ist einfach nur cool. Doch bevor es mit den Schädel von den Schultern reißt ist da schon wieder ein Speedlimit – 130 – später 100, dann der Tunnel, die gesperrte Ausfahrt, ein kleiner Umweg – ich bin da.

Schnell umziehen und an die Arbeit.

Während ich schlaue Sachen zu programmieren versuche trocknen die Socken neben der Heizung. Die Jacke hängt am Stuhl und die Hose trocknet über dem Besucherstuhl. Ist alles gar kein Problem! Nur mein UMTS-Modem habe ich daheim vergessen. Abends BLOGGEN wird nichts – Schade!

Nach Feierabend wieder umziehen und rauf aufs Moped. Zwei Straßen weiter ist ein ALDI – Hm – Da gab es neulich ein UMTS Modem – fahren wir doch mal hin. Das Modem gibt es noch, sieht gut aus und kostet 49,90 Euro. Dazu ein Starterset für 12 Euro – damit sollte ich ins Internet kommen 🙂 Mit dem Moped geht es am Rhein entlang nach Oppenheim, beim Mac Donalds gibt’s einen Riesenburger mit Kringelfritten. Schmeckt nicht wirklich gut, macht aber satt! Dann weiter am Rheinentlang. Kurz hinter Oppenheim rechts ab und dann kreuz und quer durch die Weinberg, das Leben ist schön und die Füße sind trocken!

burger

Also die Sonne untergeht wird das Moped kurz in der Waschanlage geputzt und dann geht es ab nach “Haus”.

Dann der Versuch das tolle neue UMTS-Modem zum Laufen zu bringen. Die SIM-Karte rein und in den Compi. Treiber werden installiert, dann kann ich das Setup für 64-Bit System starten. Soweit so gut. Nach ein paar Minuten scheint alles fertig zu sein, aber es funktioniert nichts. Da wird kein Netz gefunden – Mist das hatte ich erwartet. Ich ärgere mich still vor mich hin. Der vergessene UMTS-Stöpsel ist von Vodafone, der klappt prima, fast überall, schnell und zuverlässig. Ich ärgere mich über diese “ePlus-Gurke”. Nichts geht, ich versuche es mal am Notebook, da klappt es auch nicht. Plötzlich findet das Notebook das WLAN von neben an. Dann ist es wieder weg, dann wieder da, dann wieder weg… Ich stöpsle mal den WLAN-Stick an den PC. Mit ein wenig herum probieren klappt dann tatsächlich der Connect zum Hotel nebenan per WLAN – wer hätte das gedacht!

umts-stick wahnsinn

Ich google ein wenig nach der Fehlermeldung und es sieht so aus als müsste man die Karte zunächst einmal freischalten. Ist ja witzig, da kauft man sich ein Modem damit man ins Internet kann und bevor man damit ins Internet kann muss man ins Internet um es freizuschalten. Klingt alles total logisch… Aber ich habe ja ein WLAN- Warum eigentlich noch der Stöpsel? Wieder fast 62 Euro verschenkt? Na mal sehen, morgen ist auch noch ein Tag…

Hier ist es jetzt 2:32 und das Bett ruft “Schlaf in mir” – wer könnte da schon wiederstehen – jedenfalls zu dieser Uhrzeit?

Ciao! 🙂

Widdada – Oder: Warum ich um 06:07 schon wach bin

Es ist 5h30 und das Aufstehen schmerzt in den Gliedern. Vielleicht sind es aber auch die Nachwehen der Wanderung am Guerges-Steig – keine Ahnung – es tut weh und ich komme kaum die Treppe runter ins Bad. Die Dusche bringt wieder Leben in die alten Knochen. Dann heißt es Koffer packen und alles zum Auto schleppen. Ich gebe mir Mühe und rolle den Koffer nicht über die Holzdielen, die anderen Hotelgäste schlafen noch. Die Rezeption im San Roque ist rund um die Uhr besetzt und so kann ich auch gleich alles bezahlen. Der Spaß war nicht billig. 230 Euro pro Nacht plus Minibar – ich muss tief durchatmen – eigentlich wusste ich es ja, aber irgendwie hatte ich es verdrängt. Wenn man bedenkt was die vier Tage auf der Finca San Juan gekostet haben, beim nächsten Mal einfach rechtzeitig buchen und bei Caro und Jo auf der Finca das süße Leben genießen. So schön das San Roque auch ist, mit dem gesparten Geld kann man eine zweite Reise finanzieren!

Aber egal, es gibt sogar Frühstück und das schon um 7h30 in der Frühe – prima! Nach dem Frühstück kurz die Zähne putzen, noch einen kurzen Blick in alle Schränke und Schubladen werfen, noch einmal ganz kurz den Rietveld-Stuhl ‘besitzen’ und dann ab ins Auto.

Rietveld_Chair San-Roque-1000px

Im Auto läuft die selbstgebrannte MP3-CD, die Sonne scheint schon früh am Morgen, es sind 17°C und die Laune ist ein wenig wehmütig aber doch ganz gut. Es geht los! Bis La Matanza läuft alles wunderbar, dann gibt es einen Stau und der dauert fast eine Stunde. Es ist Zeit genug aber ich werde doch unruhig. Wenn man genau weiß wann das Flugzeug startet und NICHT weiß wie lange der Stau noch dauert ist das echt uncool!

Am Flughafen angekommen lese ich als erstes, dass das Flugzeug verspätet ist. Na prima, die Sorgen waren vollkommen grundlos – außerdem wäre trotz Stau noch Zeit genug. Am Schalter geht es sofort los. In den letzten Jahren war es eine elende Warterei, heute ist schon alles geöffnet und nach weniger als 5 Minuten ist der Check-In beendet – cool! Definitiv cool!

Dann eine echt lange Schlange bei der Sicherheitskontrolle. Filme raus, Notebook raus, Gürtel raus, Geldbörse raus, Handy raus, Navi raus, Autoschlüssel raus… Hä? Autoschlüssel??? Mist, ich habe total vergessen den Schlüssel bei Cicar abzugeben. Nun stehe ich mitten in der Sicherheitszone – uncool – definitiv uncool!

Kurz drauf ist der Check erledigt, niemand nimmt eine Feinstaubprobe und niemand fragt sich ob die Hasselblad SWC und der Drahtauslöser vielleicht eine Zündvorrichtung sein könnten – in Frankfurt war das anders! Was mache ich mit dem Schlüssel? Da stehen ein paar Polizistinnen herum. Sie sind total nett. Sie erklären mir, dass ich alle Zeit der Welt habe. Ich bin eingecheckt und “The plane won’t leave without you!” Das ist wiederrum cool – ich habe MACHT – ich habe das Flugzeug und alle unfreundlichen Mitreisenden in der Hand – ICH KANN DEN FLUG VERZÖGERN!! Genial! Später erfahre ich dann, dass in Frankfurt jemand von genau dieser Macht gebrauch gemacht hat. Der Flieger hat auf dem Hinweg sein Zeitfenster für den Abflug verpasst und ist daher mit einer Stunde Verspätung auf Teneriffa gelandet. Macht ist blöd!

Egal, ich kann rückwärts durch die Sicherheitskontrolle. Treppen runter, einmal quer durch das Terminal, bei Cicar lege ich den Schlüssel auf den Tresen und werde nur nett angegrinst. Gracias! De Nada! Wieder die Treppe hoch und nochmal beim Sicherheitscheck anstellen. Gürtel raus, Geldbörse raus, Uhr ab… nach 10 Minuten ist es zum zweiten Mal erledigt. Ich bin jetzt sowas von keinem Risiko mehr und trotz allem immer noch pünktlich!

Nach einer Stunde endloser Warterei – Macht ist blöd – endlich im Flieger. Ein XL-Seat am Notausgang – kann man via Internet buchen – kostet 20 Euro pro Strecke! Aber es lohnt sich!

Der Pilot gibt mächtig Gas! irgendwann liegen rechts unter uns verschneite Berge. Während der Abspann von Slumdog Millionaire läuft krame ich mein Garmin raus und schalte es mal ein. Es findet sogar mehrere Satelliten und hat eine Genauigkeit von 18m – cool! Ich kann sehen dass wir gerade über Luzern sind. Rechts unten ist die Rigi – Mama I’m coming home….

Ich setze einen Wegpunkt! Der ist definitiv cool – ein Wegpunkt in 10068 Metern Höhe!! Wer hat das schon? Hier mal einen Geocache ablegen und dann zuschauen wie sie unten am Boden verwirrt durch die Gegend stolpern. Müsste allerdings ein echt leichter Geocache sein. Und man müsst ihn irgendwie in der Luft verankern damit der Wind ihn nicht hinfort weht. Hm… Besser wir lassen das!

In Frankfurt geht alles reibungslos. Ab ins Taxi und nach Mainz. Im Quartier 65 gibt es ein Glas Sekt – ich bin wieder daheim!

Danach eine Pizza im La Rustica – definitiv eine der besten Pizzen die man sich denken kann und für mich gerade richtig – Pizza Popeye!! Dazu ein Rotwein – so kann die Reise enden. Vor dem La Rustica sitzen noch zwei total nette Arbeitskollegen. Ich bin echt wieder zuhause!

Um 11h geht das Licht aus – und um 6h bin ich schon wieder wach. ZEITVERSCHIEBUNG! Mit Schrecken denke ich an die nächste Reise, aber davon erzähle ich später! Jetzt gehe ich erst einmal unter die Dusche und dann gibt es im Quartier 65 das wirklich BESTE FRÜHSTÜCK DER WELT.

Hier ein kleiner Vorgeschmack – das Bild hat mir Marcus im letzten Jahr über sein tolles iPhone geschickt – Muchas gracias!!

frühstück-quartier65

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Über Ostern gibt es dann eine Tour mit dem neuen Moped – das wird definitiv echt cool! Gerade habe ich ein Handyknipsbild von der letzten Mopedtour nach Bad Düben unter den Fingern. Das da bin ich – der Bagger ist supercool!

Das geniale am neuen Moped ist, dass die Frauen da echt drauf stehen – oder sitzen – und das ist wiederum massiv cool! 🙂

BMW_K1200R_Sport

Ok, veröffentlichen, duschen, frühstücken, arbeiten…

Ciao…

Ok, einen hab ich noch… Oder zwei?

Das Video hier ist auch ganz witzig…

Und noch einen….

Da lacht das Bikerherz 🙂