Kritisch gesehen – Snow White and the Huntsman

In meiner Kindheit habe ich Märchenfilme geliebt. Meist kamen sie hübsch artig daher und stammten meist aus tschechischen Filmfabriken. Während der letzten 40 Jahre hat sich aber auch dieses Genre weiterentwickelt. So kamen allein in diesem Jahr vier sehr verschiedene Adaptionen des Märchens „Schneewittchen“ in unsere Kinos.

Mit „Snow White and the Huntsman“ ist ein visuell faszinierender fulminanter Genremix gelungen. Mit einem Budget von 180.000.000 US-Dollar produziert, spielte dieser Film bislang bereits mehr als 400.000.000 US-Dollar ein. Und das meiner Meinung nach völlig zurecht. Zwar kommt einem die erzählte Geschichte hier und da immer wieder bekannt vor, aber wunderschöne Drehorte und aufwändig hergestellte „CGI-Kulissen“ lassen dies schnell wieder vergessen. Untermalt wird der Streifen von einem gewaltigen Soundtrack aus der Feder von James Newton Howard, einem bereits 1951 geborenen „Schwergewicht“ der Filmmusikszene. Unzählige Soundtracks, darunter „The Six Sense“ oder „Hidalgo“ gehen auf sein Konto.

Wer moderne Märchen Filme in der Ästhetik von „Krieg der Götter“ oder „Thor“ mag, der ist hier sehr gut aufgehoben, nicht zuletzt wegen des beeindruckenden Staraufgebotes.

Aktuell ist dieser Streifen bei amazon.de auf Blu-Ray ab 14,90 Euro erhältlich und ist damit mein Filmtipp der Woche!

Kritisch gesehen – Headhunters

Der nur 1.68 große Roger Brown ist ein moderner Headhunter. Er sucht im Auftrag großer Konzerne nach neuen Führungskräften für gut dotierte Managerpositionen. Doch der kleine Roger ist ein eitler Kotzbrocken der über seine Verhältnisse lebt. Während der Vorgespräche horcht er die mitunter gut situierten Kandidaten aus um dann während ihrer Vorstellungsgespräche ihre Wohnungen auszurauben. Auf dieser Basis entwickelt sich ein spannender Thriller mit vielen Wendungen und Hollywood untypischen Charakteren.

Dieser Krimi hat mir so gut gefallen, dass er mein Filmtip für eines der kommenden verregneten Wochenenden ist 🙂

Bei amazon.de ist der Film auf Blu-Ray derzeit ab 9,79 Euro zu haben.

Kritisch gesehen – Catch .44 – Der ganz große Coup

Wer kennt es nicht, man steht zwischen all den Regalen mit Blu-Rays und DVDs und ist auf der Suche nach einem spannenden interessanten neuen Film für einen der nächsten Abende. Letztlich steht man an der Kasse und hat einen kleinen Stapel nett verpackter Filme unter dem Arm. Die Kasse zeigt schnell über 100 Euro, man bezahlt und denkt sich dabei „Mist, jetzt habe ich wieder lauter Filme gekauft von denen ich gar nichts weiss! Na hoffentlich…“

Ok, vielleicht geht es Euch ja nicht so, aber falls doch, hilft Euch meine Rubrik „Kritisch gesehen“ vielleicht einige Nieten im Regal stehen zu lassen und Euer Geld für den Kauf der neuen Nikon D600 zu sparen 🙂

Heute möchte ich Euch mit „Catch .44“ einen Film vorstellen den ich schon vor einigen Wochen auf Blu-Ray gekauft habe. Er war in Vergessenheit geraten und gestern hätte ich ihn beinahe via iTunes für 4,99 Euro ausgeliehen! Heute fiel er mit dann in die Hände, also schnell ein Bier aus dem Kühlschrank holen, ein paar Salzstangen und los kann es gehen mit Bruce Willis und Forest Whitaker. Zwei wirklich tolle Schauspieler die ich sehr gern mag. Dazu gibt es noch einige wirklich gute Nebendarsteller die sogar schon kleine Rollen bei Produktionen wie „Herr der Ringe“ absolviert haben. Wenn Bruce Willis mitspielt, dann dürfen ein paar hübsche weibliche Darstellerinnen auch nicht fehlen. Am längsten überlebt in diesem Streifen die mir bislang nicht bekannte schwedisch-kanadische Schauspielerin Malin Åkerman.

Malin Akerman (Quelle: Wikipedia)

Während ich den Film anschaue kommt er mir vor wie eine Mischung aus „Pulp-Fiction“ und „Desperate Housewives“. Er ist schon irgendwie cool gemacht, die Schnitte und Rückblenden verschleiern die Zusammenhänge der Geschichte zunächst und man erkennt erst nach und nach wie alles zusammen gehört. Das kennt man bereits aus Pulp-Fiction und die vielen langen Dialoge kommen einem auch seltsam vertraut vor. Doch sie sind verglichen mit Pulp-Fiction irgendwie weniger komisch und weniger ideenreich. Ganz nett die kleine Szene in der die drei Mädels im Auto streiten ob sie eine Kassette mit Musik aus den 80er hören wollen. Eine Kassette mit Musik von „Bruce Willis“ – ja genau „Bruce Willis“ – dem Bruce Willis der hier auf herrlich lakonische Art und Weise den abgehalfterten Drogenbaron gibt. Das ist ganz witzig, kann den Film aber nicht über seine Längen retten. In der ersten Hälfte des Films erinnert Oskar-Preisträger Forest Whitaker (Idi Amin in „Der letzte König von Schottland“) an den Profikiller aus „No Country For Old Men“ der Coen Brüder um später zum leicht trottelig wirkenden liebeskranken Bodyguard zu verkommen, schade!

Der Film plätschert vor sich hin und ich überlege, ob er vielleicht doch von Quentin Tarantino geschrieben oder produziert sein könnte. Hm, irgendwie erinnert alles an altbekannte „Coole Gangsterfilme“ aus seiner Feder. Aber die Klasse von Filmen wie diesen hier mag sich einfach nicht einstellen.

Nach weniger als 90 Minuten geht schließlich ein durchaus gut gemachter und unterhaltsamer Gansterfilm zu Ende. Ein Film mit einer überschaubaren Handlung, einigen eher unnötigen Rückblenden , sehr wenigen unterschiedlichen Sets, krassen plötzlichen Gewaltausbrüchen und einer ordentlichen Portion Kunstblut nebst gut gemachten sparsamen CGI-Effekten. Am Ende kommt es wie es kommen muss, es wird ja auch schon in der zweiten Szene verraten…

Fazit:

Fans des Genres werden diesen Streifen „mögen“ aber nicht „feiern“. Er ist durchaus als geeigneter Zeitvertreib für einen lakonisch stillen Männerabend mit einigen Flaschen Bier geeignet – mehr aber auch nicht. Statt zu versuchen die Werke des großen Vorbilds Quentin Tarantino zu kopieren, hätte Autor und Regisseur Aaron Harvey gut daran getan sich etwas neues und eigenständiges zu überlegen. So bleibt „Catch .44“ kaum mehr als eine Hommage an große Vorbilder die zu ihrer Zeit neu und beeindruckend waren, eine Kopie von Filmen die das Kino des 20. Jahrhunderts verändert haben. Leider nicht mehr aber auch nicht weniger.

Kritisch gesehen – Battleship

Via iTunes gibt es seit kurzem den US-Spielfilm „Battleship“ zum Preis von 4,99 Euro auf dem Apple-TV zu sehen. Fans romantischer Komödien und anspruchsvollen Autorenkinos werden sich hier angewidert abwenden. Wer aber einen Mix aus „Transformers“, „Alarmstufe Rot“ und „Die Hard“ mag, der wird mit diesem Streifen recht gut bedient sein. Natürlich darf eine große Tüte Popkorn nicht fehlen wenn Außerirdische die Erde angreifen und die besten Helden der US-Navy die seit vielen Jahren nur noch als Museum dienende USS-Missouri mal eben schnell wieder flott machen um damit final die Welt zu retten.

Dieses alte Schlachtschiff wurde bereits 1944 in Gang gesetzt und zuletzt 1991 im Golf-Krieg eingesetzt. Auf dem Weg zur „letzten Ruhestätte“ bei Hawaii wurden im Jahr 1992 dort noch einige Szenen des Actionstreifens „Alarmstufe Rot“ mit Steven Segal gedreht. Unvergessen sein Spruch „Ich bin hier nur der Koch!“

Seit 1999 wird die USS-Missouri als Museum genutzt. Fahrbereit ist es ganz sicher nicht mehr, aber das schien die Drehbuchautoren dieses kruden Action-Streifens nicht weiter zu stören und damit es so richtig schön patriotisch wird, gibt es eine Horde von Kriegsveteranen die dieses historische Monstrum mal eben schnell wieder auf Trab bringen. Ok ok, schließlich gilt es die Welt vor den bösen Aliens zu retten. Sehr cool der Spruch eines alten Veteranen zur „Quoten-Soldatin“: „Na Schätzchen, bist Du bereit mit den großen Jungs zu spielen?“

Diese Quoten-Soldatin wird übrigens von Pop-Sternchen Rihanna verkörpert!

Das alles ist herrlich flacher Action-Humor den die großen Jungs im Kino so sehr lieben. Einfach zwei Stunden lang das Hirn abschalten, in der Popkorn-Tüte rascheln und an der Bierflasche nuckeln. Zwischendurch ein „Boah eh“ ausstoßen wie es nur beim Sylvester-Feuerwerk lauter zu hören ist. Irgendwie muss man für solche Filme geboren sein oder einen leichten genetisch bedingten Defekt mitbringen. Aber wenn man dieses Genre mag, dann ist man mit „Battleship“ sehr gut bedient.

Nach dem Nachspann gibt es auch noch ein kleines nettes „überaschendes Ende“. Wie hat Steven Spielberg mal gesagt: „Ein Gruselfilm ist nur dann gut, wenn der Grusel nach dem Film mit nach Hause geht!“ bei „Battleship“ haben sich die Drehbuchautoren ein nettes und unerwartetes Bonbon für all die tapferen „Kino-Sitzenbleiber“ ausgedacht, sehr schön wie hier der „Grusel mit nach Hause geht“!

Die Redaktion von Filmstarts.de hat diesem Streifen 3 von 5 Sternen gegeben. Ich denke, dass diese Wertung dem Streifen nicht gerecht wird. Wer dieses Genre mag, dem wird der Film 5 Sterne wert sein. Wer es nicht mag, der wird eher einen oder gar keinen Stern vergeben. Es ist einer dieser Streifen die auf den Geschmack von Teenager und solchen die es immer bleiben werden zugeschnitten sind. Das gab es bei „Independence Day“ und anderen Streifen in ähnlich starker Ausprägung bereits oft zu sehen.

Die Klasse von „District 9“ erreicht „Battleship“ bei weitem nicht. Aber darum geht es auch gar nicht, schließlich hat hier wie bereits bei Transformers 1,2 und 3 der Spielzeughersteller HASBRO kräftig mitgemischt. Es geht darum den Kids den Kauf neuer Spielzeuge einzuimpfen und die HASBRO Produkte in buntem hippem Kino-Licht erstrahlen zu lassen.

Dass Stars wie Liam Neeson eine kleine Nebenrolle übernehmen rettet den Streifen darüber hinaus nicht wirklich. Ein amüsantes Action-Feuerwerk für große Jungs bleibt es hingegen dennoch!

Kritisch gesehen – Haywire von Steven Soderberg

Regisseur Steven Soderberg ist vielen Zuschauern sicher als „Macher“ so intelligenter Filme wie „Out of Sight“, „Erin Brockovich“ und „Ocean’s Eleven“ bekannt. Mit Haywire hat liefert er nun einen gradlinigen Thriller ab bei dem, ähnlich wie bei Erin Brockovich, ein starke Frau die Hauptrolle über nimmt. Die Liste seiner Stars ist lang und liest sich wie ein Who-Is-Who des zeitgenössischen Kinos:

  • Ewan McGregor: Kenneth
  • Michael Douglas: Coblenz
  • Michael Fassbender: Paul
  • Channing Tatum: Aaron
  • Antonio Banderas: Rodrigo
  • Mathieu Kassovitz: Studer
  • Bill Paxton: Mallory´s Vater
  • Michael Angarano: Scott

Und zwischen all diesen Stars dann ein völlig unbekanntes neues Gesicht, Gina Carano alias Mallory Kane. Eine Martial Arts Kämpferin die nicht nur so tut, sondern es wirklich drauf hat. Einige Szenen des Films habe ich mir mehrfach angeschaut weil ich kaum glauben konnte, dass diese Frau das alles selbst macht. Immer wieder habe ich mich gefragt „Wo ist das Double, wer ist ein Stuntman und wer nicht?“ Doch sie spielt die Mehrzahl der Szenen wirklich selbst und das mit einem grandiosen Drive den man selten so im Kino gesehen hat. Dagegen wirken die Kampfszenen aus „Alias die Agentin“ ein Stückchen „Sesamstraße für Action-Fans“.

Soviel des Lobes, die Geschichte ist ansonsten relativ schlicht und dennoch ebenso vielschichtig erzählt wie zunächst schwer verständlich. Eigentlich geht es nur darum einen unbequemen Dissidenten auf geschickte Art und Weise los zu werden und seinen Tod jemand anderem in die Schuhe zu schieben, den man ebenfalls loswerden möchte. Doch auf dieser simplen Grundlage konstruiert Steven Soderberg dann doch einen spannenden ungewöhnlichen atmosphärischen Thriller. Seine Machart ist nicht revolutionär, bietet aber dennoch viele neue spannende Elemente. Toll choreographierte harte Actionsequenzen und wirklich coole Verfolgungsjagden wie in „French Connection II“ oder „Rocknrolla“.

Alles in allem ist Haywire ein Film der die Coolness von „Ocean’s Eleven“ mit der Action aus „The Bourne Identity“ zu einem neuen ruhigen aber keineswegs langweiligen Genremix verknüpft. Mir hat er gefallen und ich würde ihn jedem Fans von „Collateral“ und „Mister Brooks“ empfehlen.

Wer einen ungewöhnlichen Krimi für einen lauen Sommerabend sucht, der ist mit Haywire sehr gut bedient.