Die große Osterrunde im Detail

Während der Wochen in den USA habe ich immer wieder sehnsüchtig den relaxten Bikern auf ihren dicken Harleys hinterher geschaut. Nun ist es soweit, die große Osterrunde kann beginnen!

Einfach Anklicken für die grosse Darstellung

Es ist Karfreitag, wir schlafen aus und versuchen unsere schlaffen Körper mit einem großen starken Kaffee in den „Fahrmodus“ zu versetzen. Es klappt und  um kurz nach 9h sind wir abfahrbereit. Die Mopeds sind ein wenig staubig, sie haben mehrere Monate einsam im dunklen Keller gestanden. Eine Woche zuvor haben wir gemeinsam mit meinem Sohnemann eine kleine erste Frühlingsrunde gedreht. Das war alles noch ganz entspannt, heute wird es dann ernst. Wir wollen nach Luxembourg, dort übernachten und dann weiter in den Süden solange der Hintern es aushält. Irgendwo bei Strasbourg wollen wir eine zweite Nacht verbringen und dann auf verschlungenen Pfaden heim nach Bonn fahren. Drei Tage sollen es werden, drei Tage Bikerspaß bis der Arzt kommt. Mal sehen was draus wird…

Es geht auf der B9 am Rhein entlang. Das Thermometer steht bei etwa 17°C. Die ungefütterte Lederkombi gibt die Temperaturen ziemlich ungefiltert nach innen weiter. Es ist nicht gerade warm, aber das soll sich noch ändern! Kurz hinter Remagen geht es nach Westen in Richtung Altenar. Auf Höhe der Römer-Villa bei Ahrweiler schließen wir uns unfreiwillig einer Truppe von etwa 20 Moptorradfahrern an. Die Truppe ist so groß, sie würden gar nicht bemerken wenn sie ihr Schlusslicht verlören. Das würde mir keinen Spaß machen. Wir schlängeln uns im Schneckentempo an der Ahr entlang. Das Wetter ist toll, die Strecke großartig aber die Karawane macht mir keinen Spaß. An einem der vielen Lokale kommt dann alles endgültig ins Stocken. Als wir die Anführer der Karawane sehen können wird mir vieles klarer, es sind zwei echte dicke behäbige Typen die jeweils ein Gespann lenken. Echte Anführer 🙂

Als wir sie passieren sind wir froh, dass es endlich zügig weiter geht.  Am Café Fahrtwind machen wir unsere erste Pause. Wir haben richtigen Kohldampf und freuen uns auf ein leckeres Frühstück. Als dann die Qual der Wahl ansteht entscheide ich mich spontan für ein Stück Apfelkuchen. Es ist kurz nach 11h – eine gute Zeit für ein Stück Kuchen 🙂 Sandra möchte ein belegtes Brötchen. Der Chef verkauft mir für 1,70€ eine „Schmier-Genehmigung“. Das ist ein Teller mit einem kleinen Kassenzettel. Ich gebe ihn Sandra und sie hat damit die Genehmigung sich ein Brötchen zu „schmieren“. Zunächst ist sie noch verwundert, aber später kommt sie mir einem breiten Grinsen und einem Teller voller Käse und anderen guten Zutaten zurück. Ihre erste „Schmier-Genehmigung“ war überaus positiv!

Eine halbe Stunde später geht es weiter. Ich gebe meinem TomTom Urba-Rider als Ziel „Trier“ an, als Routenführungsoption wähle ich „Kurvenreiche Strecke“. Wir lassen uns mal überraschen. Und das was dann passiert ist eine wirkliche Überraschung, den die Wege die das TomTom vorschlägt sind wirklich schön. Es geht über verwunschene einsame Landstraßen, durch Wälder und Täler, es ist einfach wunderschön.

Als wir in Trier ankommen ist es früher Nachmittag. Der Hintern gebinnt langsam weh zu tun und wir sind froh, als wir an der großen Basilika einen netten Italiener finden bei dem wir unter einem Sonnenschirm ein paar leckere Nudeln essen können. Das tut wirklich gut und als wir auf der anschließenden kleinen Stadtbesichtigung noch eine Eisdiele finden ist der Tag schon fast perfekt. Nach dem Eis geht es zurück zu den Mopeds. Ich gebe als nächstes Ziel Luxembourg ein, diesmal die „Schnellste Route“. Wir fahren los und nach den ersten Kurven haben wir uns auch schon irgendwie mitten in Trier verhaspelt. Ich wünsche mir eine nach Norden ausgerichtete Ansicht der Karte im TomTom. Da wüßte ich wenigstens wohin wir fahren. So habe ich nur den Kompass und der zeigt immer nach Norden. Wir wollen aber nach Süd-Westen. Wohin zeigt dann wohl die kleine Kompaß-Nadel?? Schließlich finden wir die Autobahn, alles ist wird gut – immer!

In Luxembourg ist dann die Hölle los. Es ist 30°C heiß, mir steht das Wasser in den Stiefeln. Wir halten kurz an um ein etwas besseres Ziel als „Stadtmitte“ in das TomTom eintippen zu können. Ich schaue mal nach den „POIs in der Nähe“ und finde das Hotel Bristol. Das hatte ich mir vor einigen Tagen schon via HRS angeschaut. Es ist relativ preiswert und machte auf den HRS-Seiten einen netten Eindruck. Es geht weiter, das TomTom lotst uns in Richtung Bahnhof. Auf der breiten mehrspurigen Straße ist die Hölle los. Busse so weit das Auge reicht, kleine Mopeds, Roller, Cabrios und ganz ganz viele „normale“ Autos. Alle schwitzen vor sich hin und sind schwer angenervt. Als wir am Hotel ankommen bin ich wirklich erleichtert. Auch Sandras Schmerzgrenze ist zu 100% erreicht. Eine Reservierung haben wir nicht und ich bin froh und dankbar, dass noch ein letztes Doppelzimmer frei ist. Es ist in der 3. Etage und kostet 75,-€ inkl. Frühstück. Als wir das Zimmer dann sehen sind wir wirklich ernüchtert. Das Bristol ist eine ziemliche Absteige. Der Blick in den Hinterhof wäre super für alle Gäste die sich mit Selbstmordgedanken tragen. Die Duschkabine ist so undicht, dass man beim Duschen das gesamte Bad flutet.

Aus dem Wasserhahn kommt nur ein schmales Rinnsal, dafür ist der Abfluß verstopft. Direkt neben der Toilette ist ein großer Halter für Toilettenpapier angeschraubt. Leider genau so, dass man nur schräg auf der Schüssel sitzen kann. Aber dafür ist er defekt und das sicherlich verzweifelte Zimmermädchen hat das Toilettenpapier oben drauf gestellt. Na ja, es ist ja nur für eine Nacht…

Wir machen uns ein wenig frisch und dann geht es in die eigentliche Innenstadt. Das ist in Luxembourg nicht ganz einfach, denn diese Stadt verteilt sich über mehrere Hügel die mit einigen wunderschönen Brücken untereinander verbunden sind. Wir landen im „Café Francais„, dort gibt es Spargel und Steaks. Das tut gut nach diesem langen anstrengenden heißen Tag. Zurück am Hotel sind wir uns unsicher wo wir die Mopeds abstellen sollen. Direkt vor einer Kneipe ist eine Parkplatz frei. Aber als Sandra ihren Helm abnimmt wird sie gleich von einem offensichtlich angetrunkenen Barbesucher angemacht. Ob dieser Platz so glücklich ist?

Wir parken die Mopeds trotzdem dort und trinken im kleinen Bistro neben dem Bristol ein recht gutes Glas Rotwein. Während wir den Tag Revue passieren lassen werden wir dann doch unruhig. Als der Wein ausgetrunken ist, parken wir die Mopeds dann doch etwa einhundert Meter weiter die Straße hinauf. Dort sind keine Geschäfte und hoffentlich auch keine betrunkenen Barbesucher die einfach mal zwei Mopeds mit deutschen Kennzeichen um schubsen…

Die Nacht ist warm und unruhig. Das Bett ist unbequem und irgendwie zu kurz. Hinten schauen meine Füße heraus und oben stoße ich ständig mit den Händen an ein Stück Holz. Sandra ist am nächsten Morgen nicht sehr glücklich wegen meiner nächtlichen „Klopferei“… Aber beim recht guten Frühstück ist das alles dann schnell wieder vergessen. Wir satteln unsere Bikes und es geht weiter in Richtung Süden. Ich gebe beim TomTom einfach mal Straßbourg ein – „Schnellste Route“. Wir wollen Luxembourg ohne Streß so schnell wie möglich verlassen. Das klappt auch ganz gut. Etwa 30 Kilometer weiter südlich sieht die Landschaft dann ganz nett aus und ich biege einfach mal von der Autobahn ab. Das TomTom schimpft und rechnet ständig neu, aber es ist mir egal. Die Sonne scheint und ich kann mich leicht an den Schatten der Bäume und Leitpfosten orientieren. Es ist etwa 10h die Sonnen kommt von rechs, also fahren wir nach Süden, das ist ganz einfach!

Es geht vorbei an saftig grüßen Wiesen und fast kitschig gelben Rapsfeldern. Am Horizont sehen wir die Kühltürme eines Atomkraftwerks. Wasserdampf steigt auf und bildet schöne Formationen am Himmel. Hier wird gerade der Strom produziert der in Deutschland nach der Abschaltung der ersten Atomkraftwerke fehlt. Fast malerisch mutet das an… Während wir eine der Starkstromtrassen kreuzen kann ich die vom Atomstrom ionisierte Luft regelrecht schmecken. Französische Kraftwerke haben keinen Atomstromfilter, das kann man hier ganz deutlich spüren. Unterhalb der Stromtrassen haben die Tachionen – die nur im Atomstrom vorkommen – die einst üppige Vegetation häßlich braun eingefärbt. Jeder Atomkraftgegner wäre entzückt angesichts der deutlich sichtbaren Beweise für das zerstörerische Werk des Atomstroms!

Wir fahren weiter und ich bin überlege welche Strahlendosis wir inmitten dieser wunderbaren Landschaft gerade abbekommen. Mir kommen Bilder von krebskranken Arbeitern aus afrikanischen Uranminen in den Sinn. Ich muss an die radioaktiv belasteten Abwässer denken die von der Wiederaufbereitungsanlage in La Hague einfach in die Nordsee eingeleitet werden. Es kommt mir in den Sinn, dass ein Atomkraftwerk die Energie die in den verwendeten Brennstoffen steckt nur zu etwa 1% in elektrische Energie umwandelt. 99% sind strahlende Verluste und Abwärme über die sich der Fischbestand der angrenzenden Gewässer sicher nur im Winter freuen kann. Vor meinem geistigen Auge sehe ich Autos mit sauberem Elektroantrieb deren Batterien die mit sauberem Atomstrom aufgeladen werden, ich stelle mir die stolzen umweltbewußten Besitzer vor und komme zum Schluß, dass nur Sparen eine wirkliche Alternative zum Atomstrom ist.

Mit schlechtem Gewissen schaue ich auf den Bordcomputer meiner BMW. Dort kann ich lesen, dass sie seit dem letzten Reset im Schnitt 4.9 Liter Superplus auf 100 Kilometern verbraucht hat – wieviel Kilogramm CO² das wohl sein mögen? Wir könnten auch mit einem Moped fahren, aber das fühlt sich an wie ein Ferrari mit Anhänger. Wir fahren weiter und nach etwa 100 Kilometern und endlos vielen Kurven ist das schlechte Gewissen dann auch wieder Geschichte – vorerst!

Irgendwann brauchen unsere Mopeds frischen Sprit. Das TomTom kennt eine Tankstelle in 5,5km Entfernung. Dort angekommen ist es ein komplizierter Flopp. Man kann nur mit einer Karte tanken, nur was für eine Karte?? Ich versuche es mit der Kreditkarte und der EC-Karte. Es steht nur für mich unverständliches Zeugs auf dem durchaus großen Display. Au Backe, das ist echt schwierig hier! Ich wünsche mir die Tankstellen in Arizona herbei. Einfach die Kreditkarte einstecken, rausziehen, tanken, weiterfahren… Wir steuern die nächste Tankstelle an, das TomTom ist da sehr hilfreich. Und hier gibt es tatsächlich einen echten Menschen in einem kleinen Häuschen. Wir können tanken, ich reiche 50 Euro durch einen kleinen Schlitz und bekomme etwa 8 Euro zurück. Der Sprit ist hier nicht wirklich billiger als daheim in Deutschland.

Am frühen Nachmittag erreichen wir ein wunderbares Tal. Die Straße ist großartig und die Kurven schier endlos. Das TomTom „sagt“, dass erst in 22 Kilometern der nächste Abzweig ist, das läßt mich hoffen, dass es noch lange so weiter geht. Und ich werde nicht enttäuscht! Hinter mir läßt Sandra auf der weißen K1200 verdächtig oft die „Beine baumeln“. Es sieht im Rückspiegel so aus, als bräuchte sie eine Pause. Und da ist auch schon ein Platz gefunden. Sie erzählt mir, dass sie die ganze Zeit über das Gefühl hat, als wenn wir hier schon einmal gewesen wären. Ich kann das kaum glauben, schließlich ist Frankreich wirklich groß und wir sind ziemlich „drauf los“ gefahren. Als es dann weiter geht finden wir kurz drauf eine tolle Gastwirtschaft die von Bikern aus Frankreich, der Schweiz und Deutschland frequentiert wird. Es gibt leckeres Essen und ein paar „Beweisfotos“.

Als es wieder los geht habe ich ein paar Kurven später ein „Déjà-vue“. Vor zwei Jahren auf der Tour mit meinem Bruder Florian waren wir genau hier – nur sind wir aus der anderen Richtung gekommen. Ich erkenne die Stelle an der wir uns kurz vertan haben und wenden mussten. Mir kommt in den Sinn wie Sandra damals ein Problem hatte ihre schwere YZF auf der abschüssigen Straße zu wenden. Es gibt Zufälle im Leben, die sind wirklich cool!

Während der Pause habe ich dem TomTom „gesagt“, dass wir nach Offenburg wollen. Es ist halbwegs nah und wir wollen wieder nach Deutschland. Es geht vorbei an Strasbourg, wir kreuzen den Rhein und sind kurz drauf auch schon mitten in der Fußgängerzone von Offenburg. Auf der linken Seite ist das Hotel Sonne. Ich frage einfach mal und es gibt noch ein letztes Doppelzimmer. Warum bekomme ich eigentlich immer genau das letzte Zimmer? Diesmal ist es ein Zimmer mit Waschbecken. Dusche und WC sind auf dem Gang. Aber es kostet nur 63,- € – da nimmt man das schon einmal in Kauf. Und es ist ein Frühstück im Preis enthalten. Und wir können die Mopeds kostenlos in der großen Garage abstellen. Das Hotel heißt „Sonne“ und es ist wirklich schön. Das Haus blickt auf eine 650 jährige Tradition zurück. Hier haben schon Menschen gewohnt, als es in Amerika noch Büffel gab und Indianer nicht wussten, dass es weiße Männer gibt. Krass eigentlich…

Wir beziehen unser neues Zuhause und machen uns ein wenig frisch. Danach geht es gleich wieder los, wir besuchen die beste Eisdiele von Offenburg und die ist wirklich gut! Später gibt es Spargel mit Kräuterpfannkuchen, Salzkartoffeln und gekochtem Schinken. Das Leben kann so schön sein! Da alles auf der Welt einen Ausgleich braucht haben wir im Gegenzug ein knarrendes Bett. Jedesmal wenn ich mich herum drehe wird Sandra wach, was für eine Nacht…

Am Morgen ist die Pein bei einem wunderbaren Frühstück dann wenigstens für mich schnell wieder vergessen. Wir packen, verabschieden uns von der wirklich netten Wirtsfamilie und sind schon wieder unterwegs. Es geht über die Autobahn A5 nach Norden. Hier reiht sich eine Großbaustelle an die Andere, aber es ist noch wenig los und wir kommen gut voran. Bei Heidelberg dann ein kurzer Regenguss. Die warmen Tage haben viel Dunst in den Himmel transportiert. Wir fahren den Gewitterwolken davon bis uns das Hinterteil so sehr weh tut, dass wir einfach eine Pause brauchen.

Es geht weiter, unser Ziel ist das Wispertal. Im letzten Jahr hat mir Ex-Kollege Oliver dieses schöne Tal gezeigt. Leider lag damals schon viel Laub auf der Straße und es war nasskalt. Heute ist es großartig. Sandra fährt vor und se macht mir Spaß zu sehen wie sie voller Spaß die große K1200 durch die Kurven schwingt.

Nach einer kleinen Pause an der „Laukenmühle“ geht es weiter. Wir fahren auf der B42 am Rhein entlang. Das Wetter ist großartig, vergessen sind die Gewitterwolken über Heidelberg. Nicht vergessen sind aber die Schmerzen im Hinterteil. Als sie fast unerträglich werden machen wir einen Stopp an der Erpeler Ley.

Im Licht der Abendsonne laufen wir am Ostersonntag wieder daheim in Bonn ein. Als die Mopeds geparkt und abgesattelt sind liegen wir müde und verschwitzt auf dem Bett – was für eine coole Tour! Wirklich schön ist danach die lange ausgiebige heiße Dusche. Anschließend kramen wir in der DVD Sammlung und finden tatsächlich einen Klassiker den Sandra noch nicht kennt – „Pulp Fiction“ – nicht ganz passend zu Ostern aber doch ganz unterhaltsam…

Am Ostermontag sind wir dann immer noch ziemlich gezeichnet von den vielen Stunden im „Sattel“. Der Kühlschrank ist erschreckend leer und so fahren wir kurzerhand mit der blauen BMW zum Café Fahrtwind – denn dort gibt es ja die „Schmier-Genehmigung“ 🙂 Auf dem Rückweg nehmen wir einen kleinen Umweg durch die Berge und genießen noch ein wenig die Sonne in historischen Ahrweiler.

Später daheim heißt es dann aufräumen, Wäsche waschen, Wohnung putzen, Sperrmüll hinaus stellen und und und… Morgen sind wir dann schon wieder unterwegs. Sandra fährt nach Norden, ich nach Süden, bis zum nächsten Wochenende…

Alle Fotos sind übrigens mit der 99,- € Hosentaschenkamera (Nikon S3000) gemacht…

Zion Sunset Time Lapse

Ein Sonnenuntergang im Zion Canyon und das im Zeitraffer, das hatte ich schon ganz lange mal vor. An einem der letzten Tage ist es dann endlich so weit. Morgens geht es von Tuba City nach Page. Das Auto wird gewaschen und schon einmal ein wenig auf die Rückgabe in Las Vegas vorbereitet. Später treffe ich mich mit Angenie und Peter zum Essen beim Mexikaner gegenüber vom Safeways in Page. Leider gibt es dort drei Mexikaner, aber wir finden uns dennoch! Das Essen ist super und wir unterhalten uns noch eine ganze Weile über das was man hier alles machen kann. Angenie und Peter wohnen in der Nähe des Yellowstone Nationalparks und da muss ich irgendwann auch mal hin. Aber derzeit liegt dort noch hoher Schnee. Vielleicht mal im September oder so, mal sehen…

Am Nachmittag machen wir uns dann auf den Weg. Während ich noch kurz via HTC Handy in meine Mails schaue – das Rodeway Inn hat eine WLAN (das password ist password) fahren Angenie und Peter schon einmal mit ihrem großen Toyota los. Auf der Ladefläche ist eine Art Wohnkabine montiert und es hängen zwei Mountainbikes hinten am Auto. Diese beiden Amerikaner sind sportlich und gut im Training. Ganz anders als ich. Sie sind ein gutes Beispiel dafür, dass man nicht alle Menschen über einen Kamm scheren kann. Es gibt natürlich in Amerika viele dicke Leute, aber es gibt auch das totale Gegenteil – eigentlich ist es dort nicht anders als bei uns daheim in Deutschland 🙂

Da ich etwas später losgefahren bin, überraschst es mich umso mehr, als plötzlich das Auto von Angenie und Peter vor mir auftaucht. Ich überhole nicht und als die zwei dann zur Cottonwood-Road abbiegen kann ich sehen wie mir Angenie auf der Fahrerseite zuwinkt. Die beiden sind wirklich großartig!

Es geht weiter zum Bryce Canyon. Dort angekommen steht die Sonne schon sehr tief, aber es ist noch gerade rechtzeitig für ein paar Filmaufnahmen der Felsgipfel die im letzten Licht der Abendsonne leuchten. Interessant ist, dass sie unterschiedlich hoch sind und daher der Reihe nach zur „Nachtruhe“ übergehen. Für mich ist es relativ einfach, die kleine Nikon P7000 stelle ich einfach auf mein kleines Reisestativ und lasse sie jeweils etwa 20 Minuten lang die Felsgipfel filmen. Als der eine Fels im Schatten ist, richte ich sie kurz auf den nächsten aus und weiter geht es. Während die P7000 filmt mache ich mit der D2x ein Foto nach dem anderen. Zwischendurch laufe ich hin und her, hole andere Objektive, mal die D300 und dann auch noch kurz die F80 – ein paar Dias wären schon schön!

Dabei muss ich nur aufpassen, dass ich nicht vor der P7000 herlaufe und sie auch nicht umkippe, schließlich steht das Stativ am Rande des Virgin Rivers im fließenden Wasser!

Erst Tage später komme ich dann dazu mit iMovie auf dem Mac ein Video zu erstellen, dass ich mir so ähnlich immer vorgestellt habe. Schöner wären jetzt noch pfeilschnell dahinziehende Wolken, aber man kann nicht alles haben und ich hatte nur diesen einen Abend. Vielleicht beim nächsten Mal…

Der Zeitraffereffekt ist mit iMovie ganz einfach herzustellen. Man importiert die Film-Clips, selektiert das was man haben möchte und zieht es mit der Maus auf die „Timeline“. Danach kann man es noch beliebig kürzen, anderen Ton unterlegen, es stabilisieren oder eben die Geschwindigkeit erhöhen, jeder einzelne Teil abgespielt wird. Via Schieberegler sind ist eine Geschwindigkeit von 800% – also 8-fach einstellbar. Ich habe ein wenig herum probiert und festgestellt, dass iMovie auch werte wie 2000% akzeptiert – also 20-fache Geschwindigkeit. Das ist dann wirklich cool und man kann dann sehr schön sehen wie die Sonne über die Berggipfel hinweg streicht. Großartig!

Hier ist es nun, mein lang ersehntes Zeitraffer-Video des Sonnenuntergangs im Zion Canyon:

Fraport Arrival

Hier habe ich noch ein kleines wirklich stark gekürztes Video des Fluges von Las Vegas nach Frankfurt. Es ist mit der kleinen Nikon P7000 aufgenommen. Einzelne Filmschnipsel habe ich mit iMovie „beschleunigt“, damit es nicht so langweilig wird.

Die ersten Stunden im Büro waren gar nicht schlimm und das Abendessen mit den Kollegen hat wie immer großen Spaß gemacht.

So sah es dann hier nach der Ankunft aus:

Hier noch ein paar Fotos die ich unterwegs vom Platz 6A aus mit der kleinen Nikon P7000 gemacht habe.

Das „geometrische“ Las Vegas…

Gegenverkehr – richtig schnell!!!

Ankunft in Frankfurt.

Unsere Maschine.

Und ein „echter“ Jumbo 🙂

So, nun versuche ich mal mein Jet-Lag auszuschlafen 🙂 Gute Nacht!

 

 

Leaving Las Vegas

Das Zimmer 219 im Comfort Inn ist im Erdgeschoss. Die Fenster sind mit Schrauben fixiert, vielleicht aus Angst vor Einbrechern. So ist es ohne Klimaanlage heiß und stickig, mit Klimaanlage unerträglich laut. Einen Tod muss man also sterben, ich entscheide mich gegen den Krach. Als ich am nächsten Morgen aufwache ist es 7h – Arizona Time – habe ich gestern bei der Anreise nochmals geprüft!!

Im Bett mit den Mac auf den Beinen schaue ich in meine E-Mails und kann nun auch endlich mal eine neues YouTube-Video veröffentlichen. Diesmal ist es das Video, dass ich am White Mesa-Arch gemacht habe.

Dieses Video ist dann auch schnell in den zugehörigen Post eingebunden. Danach versuche ich mich mal an dem kleinen Coffe-Maker. Nach einer Weile riecht es sehr gut nach frischem Kaffee. Ich packe also einen dieser seltsamen Styropor-Becher aus und will mir einen Kaffee einschenken, aber was ist denn das? Die Kanne ist fast leer! Hm? Ich schaue mal in den Wassertank, er ist auch leer, wo ist der Kaffee hin? Ein nicht ganz ernst gemeinter Blick auf den Boden bringe auch keinen Hinweis auf den Verbleib des Kaffees. Wo ist er? Kurz nachdenken, dann finde ich ihn er ist genau dort, wo eigentlich nur der Kaffeefilter sein sollte. Der Beutel mit dem Kaffee schwimmt oben drauf. Was ist denn das? Dann verstehe ich das Problem. Scheinbar hat jemand mal die passende Kaffeekanne zerbrochen und es wurde eine neue Kanne in die Maschine gestellt. Diese ist aber etwa einen Zentimeter zu niedrig um das Ventil unterhalb des Kaffeefilters zu öffnen. Der Trick besteht nun darin, die Kaffeekanne anzuheben und gegen das Ventil zu pressen. Nun läuft der Kaffee in die Kanne und zusammen mit ein wenig Coffe-Creamer schmeckt er gar nicht schlecht.

Eigentlich könnte ich ja unten im Hotel ein kleines Frühstück bekommen, aber dafür müsste ich mich komplett anziehen und vor 9h dort sein. Egal, ich gehe gleich ein letztes Mal hinüber zum Denny’s und stelle mir meinen eigenen „Grand-Slam“ zusammen. Eier, Würstchen, English-Muffin, Fruits – das ist immer wieder lecker!

Der Koffer ist schnell gepackt. Fast die Hälfte der Wäsche ist noch sauber und riecht auch no so. Diese Guest-Laundrys sind massiv praktisch! Es geht unter die Dusche. Das ist hier jedes mal ein kleines Abenteuer. Dieser Duschkopf hat eigentlich die Möglichkeit 4 unterschiedliche Varianten zu wählen. Aber es haben schon Generationen unverständiger Gäste daran herum gedreht, das Wasser kommt einfach nur irgendwie heraus. Man wird nass! Ok, viel mehr will ich ja gar nicht 🙂

Beim Waschen der Haare fallen mir massiv viele Beulen am Kopf und im Nacken auf. Am Hole in the Rock waren diverse kleine fiese Moskitos und die haben sich in meinen verschwitzten Haaren offensichtlich wirklich wohl gefühlt. Am linken Arm haben sie mich auch erwischt, was für eine Beule. Na ja, ich habe Systral dabei und nach der Behandlung sind die Haare schmierig und die Tube fast leer. Egal, das spart Gewicht 🙂

Mit dem Kaffee in der Hand wird der BLOG aktualisiert während der Mac im Hintergrund das Hochgeschwindigkeits-Video des gestrigen Tages an YouTube überträgt. 139 MB sind es und es soll 17 Minuten dauern. Da ist also noch Zeit um den Fotorucksack zu checken und für eine ausgeglichenes Gewichtsverhältnis der Gepäckstücke zu sorgen. Die F80 und zwei Objektive müssen im Koffer mitreisen. Damit ihnen nach Möglichkeit nichts „zustößt“ packe ich die F80 OHNE Objektiv, dafür mit Gehäusedeckel in meine blaue Fleece-Mütze. Die Objektive werden in dicken (sauberen!!) Wollsocken verstaut. Alles zusammen in die Mitte des Koffers. Das Stativ demontiere ich heute mal nicht. Es passt auch Quer in de den Koffer. Vielleicht ist das auch keine schlechte Idee, so wird dieser doch sehr labbrige Koffer ein wenig stabilisiert.

Alles was noch an Seife, Shampoo, Duschgel, Äpfeln usw. da ist lasse ich hier neben der Mülltonne stehen.

Das Taschenmesser welches mit vielleicht am Blue Canyon vor dem verschlossenen Tahoe das Leben gerettet oder zumindest einige echt wirklich unangenehme „Erfahrungen“ erspart hat kommt UNBEDINGT in den Koffer. Dann ist da noch ein Feuerzeug, das MUSS hier bleiben. Seit einiger Zeit dürfen Feuerzeuge nicht mehr mit ins Flugzeug!

Mein Abschleppseil (für alle Fälle, besser ist das) kommt auch in den Koffer. Die dicken Wanderschuhe habe ich nicht oft gebraucht, ich werde sie gleich aus dem Auto holen, dann anziehen und die Trekking-Schuhe in den Koffer packen. Ja dann wäre eigentlich alles gesagt oder besser geschrieben. Ein wenig wehmütig bin ich schon. Die Zeit hier war so lang, dass ich schon Probleme habe alles aufzuzählen wenn mich jemand fragt wo ich überall war – und das wird man hier oft gefragt! Andererseits gäbe es noch so viel zu sehen. Ich bin täglich an irgendwelchen Gebirgen vorbei gefahren die ich gern mal erkunden würde. Colorado, New Mexico, Wyoming… Der Grand Canyon und und und… All das muss warten bis zum nächsten Mal.

Das Fotografen wie Tom Till und Michael Fatali hier so geniale Fotos in ihren Galerien haben liegt zum einen daran, dass sie ihr Handwerk beherrschen. Zum Anderen liegt es aber auch daran, dass sie eben hier leben. Ich möchte nicht wissen wie oft Tom Till zur False Kiva gewandert ist bis er DAS Foto dieser tolle Höhle geschossen hat! Sucht man über die Google-Bilder such nach „Tom Till False Kiva“ findet man alle Fotos die von den „üblichen Verdächtigen“ dort gemacht wurden. Alle versuchen sich an diesem Motiv, aber meiner Meinung nach ist das „Original“ von Tom Till bislang ungeschlagen.

Ähnlich ist es mit vielen anderen Fotos. Überhaupt ist es interessant wie viele Amateure ständig versuchen perfekte Bilder der „Ikonen“ mit ihrer eigenen Kamera zu kopieren. Eigentlich ist es schon fast eine Verletzung des Urheberechtes, andererseits ist es eigentlich langweilig. Ok, ich neige ja auch dazu. Warum sonst habe ich die False Kiva, Golden Gate und so weiter fotografiert? Es ist eben alles schon einmal fotografiert worden, aber eben nicht von jedem!

Sehr interessant waren in diesem Zusammenhang die langen Gespräche mit Allan Vasenius. „I dont’t need to take pictures just to show I was there!“ In diesem Satz liegt viel Wahrheit. Vielleicht ist er mit seinen 70 Jahren so entspannt, weil er aufgehört hat ständig zu versuchen die Fotos der großen Meister zu kopieren. Er macht sein eigenes Ding. Allan plant seine Fotos und überlegt wie er ein Bild erstellen kann „that works“. Sicher wird er am Ende des Tages oft ganz ohne Fotos zurück kehren, aber nur so kann etwas wirklich neues entstehen. Das ist genau das, was Tom Till und die anderen Ikonen des „Business“ machen. „They don’t need to take pictures just to show they were there!“

Ich werde das künftig auch mal versuchen, auch wenn es ungleich schwieriger ist damit jeden Tag wenigstens ein halbwegs nettes Foto zu haben, dass man in seinem BLOG zeigen kann. Aber vielleicht sind es ja dann die Geschichten der Suche nach dem „Perfect Shot“ die ihre Leser finden?

Ok, nach all diesen vielleicht langweiligen aber hoffentlich nicht überflüssigen Gedanken ist auch mein Video des Tages bereit um es anzuschauen 🙂

Ich packe jetzt ein und mache mich auf den Weg.

Wie würde es Allan Vasenius sagen: „Tschuess“

Hole in the rock

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Nach dem frühen Aufstehen und dem zeitlich ganz leicht verpassten Sonnenaufgang am Bryce Canyon geht es kurz zum Best Western in der Nähe des Visitor Centers. Hier gibt es sein schnelles WLAN und ich kann kurz in meine Mails schauen und meinen BLOG aktualisieren. Danach geht es weiter nach Escalante. Ich mag diesen kleinen verschlafenen Ort und ich hoffe dort in dem kleinen Saloon den ich so mag ein wirklich gutes Frühstück zu bekommen. Der Weg nach Escalante ist wirklich schön. Der Highway 12 hat viel zu bieten und im sanften Licht der Morgensonne sieht die Landschaft um mich herum wirklich reizvoll aus.

In Escalante angekommen hat das Restaurant dann geschlossen, was für ein Frust. Ich fahre ein paar Meter zurück zur Circle D Eastery – auch geschlossen. Alle anderen Restaurants und das sind nicht viele, haben auch geschlossen. Also gehe ich kurz in den „Supermarkt“ und kaufe ein paar Äpfel, Kekse und etwas zu Trinken. Ach ja, zwei Yoghurts finde ich auch noch, ein Brot und etwas Aufschnitt ist auch da!

Es gibt nach Nordosten zur „Hole in the Rock Road“. Als ich am Devils Garden ankomme ist es wunderbar sonnig und ich genieße mein kleines Picknick mit Blick auf die witzigen kleinen Zwerge die dort überall herumstehen. Nach diesem sehr entspannten und darüber hinaus sehr preiswerten Outdoor-Meal mache ich eine kleine Foto-Runde mit meiner kleinen Nikon P7000. Dieses kleine Ding ist hier ganz in seinem Element. Überall gibt es Löcher uns schmale Spalten, mit einer „normalen“ Kamera würde man da oft nur schwer oder gar nicht in der Lage seine eine wirklich ungewöhnliche Perspektive auf dieses schon oft fotografierte Areal zu finden.

Der Schließmechanismus des Objektives der kleinen Nikon ist inzwischen so voller Staub und Sand, dass er sich nur noch einige wenige Millimeter öffnet. Jedes mal wenn ich die Kamera ausschalte und er sich schließt, was komischer Weise immer noch toll funktioniert, muss ich ihn anschließend mit den Fingerspitzen wieder aufschieben. Dabei berühre ich dann doch immer mal wieder das kleine Objektiv und hinterlasse fiese Fingerabdrücke. Hier ist es dann sehr hilfreich ein hundertfach gewaschenes sauberes Taschentuch dabei zu haben!

Nach der kleinen Fotosession überlege ich wie es weiter gehen soll. Die meisten Highlights in der Umgebung die ich kenne habe ich schon gesehen. Little Egypt soll eine schwierig zu fahrende Strecke sein. Vom Broken Bow Arch habe ich die Koordinaten nicht auf dem GPS, aber ich war ja auch schon einmal dort. Der Dance-Hall-Rock könnte ein Ziel sein. Im Hinterland dieses roten Felsbrocken gibt es viel zu entdecken. Hm, ich bin unschlüssig und fahre einfach mal los. Das ist irgendwie genau die Freiheit über die ich mit am Vortag mit Peter und Angenie unterhalten habe. Später am Abend finde ich übrigens eine SMS von Angenie. Sich haben an der Old Sheffield Road gecampt und sind zum Escalante Volcano gewandert. Sie sind also eigentlich nur ein paar Meilen entfernt, aber das erfahre ich leider erst viel zu spät.

Während ich die anfangs noch wirklich gut ausgebaute HITRR befahre entschließe ich mich, sie bis zum Ende durchzufahren. Das GPS sagt mir, dass es etwa 65 Kilometer sind – LUFTLINIE – das kann in der realen Welt etwas weiter sein. Ist es dann auch. Statt nach 60 Minuten treffe ich etwa drei Stunden später dort ein. Unterwegs kommen erstaunlich viele Autos entgegen. Es ist sogar ein geländegängiger Bus dabei. Im Vorbeifahren kann ich noch etwa von Area-Shuttle lesen.

Ich genieße die Fahrt und während die Straße immer schlechter wird scheint mir die Sonne immer stärker ins Gesicht. Morgens am Bryce war es eisig kalt, nun sind es schon entspannte 25°C – super. Die Straße geht ziemlich krass von einem Hügel zum nächsten Hügel. Oft kann man erst auf der Kuppe sehen ob man vielleicht Gegenverkehrt hat. einige der Cattle-Guards haben eine seitliche Umfahrung. Als mal wieder ein Cattle Guard vor mir liegt nehme ich einfach mal eine dieser kleinen Umfahrungen. Als ich auf der Höhe dieses Kuhgatters bin fährt mir dann eine krasser Schreck in die Glieder. Ein Motocross-Fahrer kommt mir in atemberaubenden Tempo entgegen. Er war hinter der Kuppe vollständig unsichtbar und er hat mich sicher auch nicht gesehen. Während er das Cattle-Guard passiert hebt sein Motorrad ab und er fliegt gut zwei Meter weit durch die Luft. Wäre ich nicht auf der Umfahrung, es hätte sehr wahrscheinlich einen wirklich schweren Unfall gegeben. Ich bin geschockt, halte kurz an und sehe nur noch seine Staubfahne im Rückspiegel. Ob ihm wohl bewusst ist, dass er gerade um Haaresbreite seinem vorzeitigen Tod entgangen ist?

Ich fahre langsam weiter. Kurz drauf erkenne ich warum der Biker so in „Eile“ war, er fährt ein Rennen und wird von zwei anderen Bikern verfolgt. Biker 2 sehe ich recht früh und er mich auch, ich kann in Ruhe abbremsen und rechts ran fahren. Brumm, da ist er schon vorbei. Ich fahre weiter und sehe dann in einer Senke Biker Nr. 3. Aber er sieht mich nicht. Ich bin ob auf der Kuppe und er fährt gerade abwärts in eine Spitzkehre hinein. Als er mich dann sieht, tritt er vor Schreck so krass auf die Bremse, dass das Hinterrad ausbricht und er führ einen Augenblick quer auf mich zu driftet. Aber er kann den Sturz noch abwenden und aus dem Motorengeräusch glaube ich entnehmen zu können, dass er ziemlich stark vom Gas geht während er in einer Staubwolke verschwindet.

Ich fahre weiter und bin sehr darauf bedacht, dass nicht noch jemand frontal in mein Auto kracht. Ich habe da sicher gute Karten, der Tahoe ist ein kleiner Panzer, aber es muss trotzdem nicht sein. Die letzten 10 Kilometer zum Hole in the Rock werden dann echt richtig lang. Statt der Luftlinie geht es in Schlangenlinien rauf und runter, über Felsbrocken und durch Sand. Das ist echt ein Abenteuer hier. Am Ziel angekommen stehen dort sogar ein paar Autos, damit hatte ich nicht gerechnet. Ich steige aus und sage hallo.

Es sind Mormonen aus Central-Utah, sie nutzen die letzten Tage des Spring-Breaks um den Weg zum „Hole in the rock“ zu erkunden. Im Sommer wollen sie mit einer größeren Gruppe Jugendlicher diesen Ort besuchen, der für sie fast ein Heiligtum darstellt. Einer der „Mormons“ erzählt mir, dass sein Ur-Ur-Großvater durch genau diesen Felsspalt kam um sich in Utah nieder zu lassen. Ich will los ein paar Fotos machen. Er gibt mir ein „This is remarkable“ mit auf den Weg. Ich mache ein paar Fotos mit meiner kleinen Nikon P7000. Aber die Lichtverhältnisse sind schwierig. Da müsste vielleicht doch eine „richtige“ Kamera her, ich gehe mal zurück. Mit der D300 auf dem Stativ, einem 12-24mm Weitwinkel und einem Fisheye in der Jackentasche wage ich einen weiteren Anlauf. Es sind inzwischen viele Menschen hier, alle wagen die Klettertour hinab zum Glenn Canyon durch den ihre Vorfahren hierher gekommen sind.

Es ist sogar ein Paar mit einem Hund dabei. Der Hund hat vor den krassen Stufen Angst und will nicht weiter. Die zwei versuchen ihn hinunter zu heben aber er will nicht und so wagen sie später einen neuen Versuch. Als ich von meiner zweiten Fotorunde zurück bin meldet sich der Hunger. Während ich einen Apfel schäle werde ich eingeladen doch am Barbeque teilzunehmen. Das ist das Schöne hier in Amerika, die Menschen sind einfach allesamt supernett, jedenfalls die die ich hier kennen gelernt habe. Es gibt sicher auch Andere – aber die möchte ich lieber nicht kennen lernen. Ich denke, die würden auch nicht zum Hole in the rock fahren!

Der Hamburger ist wirklich gut und es ist schon witzig was diese Leute alles dabei haben. Es gibt sogar Eis für die Getränke, das ist Amerika! Es ist richtig nett und ich habe kann mich mal wieder mit einigen „Einheimischen“ unterhalten und schauen was meine Englischkenntnisse so hergeben. Leonard Aste, ein Zahnarzt aus Manti Utah hat sogar Vorfahren in der Schweiz. Ich lerne ein neues Wort „Relatives“ – das sind die wohl die Verwandten. Groß-Cousins und Groß-Cousinen. Er will sie bald mal besuchen und vielleicht schafft er ja einen Abstecher nach Bonn.

Ich wäre wirklich gern für ein paar Tage sein Tourguide.

Hi Len, if you read this my friend:

I would be very proud to be your german tour guide for a couple of days once you visit germany!

Hier habe ich noch ein Foto von Len und seinen Freunden – Len trägt das bunte Hemd.

Hier ist seine Webseite der G3 Foundattion die ihm sicher sehr am Herzen liegt.

http://www.g3foundation.org

Als die Sonnte tiefer steht machen sie sich auf den Weg und ich wage eine dritte kleine Fotosession. Diesmal mache ich ein paar Fotos vom rechten Rand dieser krassen Schlucht. Während ich so fotografiere fällt mir auf, dass ich als kleiner Schatten auf der linken Felswand zu sehen bin. Also gibt es ein paar witzige Verrenkungen, es sieht aus als würde ein Schatten den Felsen hinauf wandern. Das gefällt mir 🙂

In der Felsspalte gibt es dann noch ein langes Gespräch mit einer Frau die auf ihre „Cowboys“ wartet wie sie sie nennt. Um etwa 17h mache ich mich dann auf den Rückweg. Dieser ist länger und anstrengender als erwartet. Als ich endlich am Bryce Resort eintreffe ist es stockfinster und ich bin mit den Nerven ziemlich am Ende. Vielleicht ist es doch ganz gut bald wieder daheim zu sein und nicht mehr den ganzen Tag über Off-Road-Straße zu hoppeln.

Am Morgen werde ich dann irgendwann wach, das Handy ist ausgeschaltet. Ich habe sicher wieder vergessen die Copilot-Software zu stoppen. Dieses Programm beschäftigt das Telefon so sehr, dass es den Akku in kurzer Zeit leer saugt. Ein Blick auf die Uhr, es ist kurz nach 8h – Arizona Time. Ich habe also noch zwei Stunden bis zum Check-Out. Es geht erst einmal in aller Ruhe unter die Dusche, tut das gut. Der Tag steckt mir in den Knochen, ich habe Kopfweh und mir ist nicht wirklich gut. Als ich dabei bin meine Sachen zusammen zu packen klopft auch schon das Zimmermädchen. Das ist allerdings ein ausgewachsener Kerl von etwa 50 Jahren. Auch das ist Amerika, das ist „Sexual Equality“ 🙂

Als alles eingepackt ist checke ich kurz aus, bekomme meine Rechnung und fahre um die Ecke zum Best Wester. Im Auto schreibe ich dann all das hier und werde es gleich mal publizieren. Danach geht es dann nach Mesquite. Je nach dem wie ich mich fühle später zum Sonnenuntergang zum „Hoblins Playground“ und danach weiter nach Las Vegas.

Update in Las Vegas um 18h30

Nun bin ich in Las Vegas und ich bin ziemlich erledigt. Die Fahrt war doch anstrengend und ich habe höllisches Kopfweh. Am Bryce Canyon waren es heute morgen bei Abreise etwa 8°C, hier in Las Vegas sind es 33°C und ich bin über 2.000 Meter weiter „unten“. Das merkt man irgendwie schon. Den Abstecher zu „Hoblins Playground“ habe ich mir für das nächste Jahr aufgehoben. Es ist heute dermaßen stürmisch, das wäre keine Freude gewesen. Als ich am Abzweig zum Valley of Fire vorbeigefahren bin hatten wir dort einen lokalen Sandsturm. Das war wirklich heftig, was da alles durch die Luft geflogen ist…

Die Ankunft ins Las Vegas war etwa um 16h. Kurz die Koffer auspacken und dann rüber zu Denny’s – ich war der einzige Gast. Es gab South-Western Steak Burrito – lecker! Hier im Quality-Inn habe ich diesmal Zimmer 219, das ist viel kleiner, hat kleinen Kühlschrank, keine Mikrowelle, keinen Schreibtisch, ich hoffe es ist im Gegenzug nicht teuerer als das Zimmer über der klappernden Türe das Sandra und ich vor ihrer Abreise am vorletzten Wochenende hatten. Nach dem Preis zu fragen habe ich nämlich total vergessen…

Hier habe ich noch ein Foto das zeigt, wie ich heute morgen den oberen Teil dieses Artikels geschrieben habe – Extreme-Blogging…

Hier habe ich noch ein paar Bilder zur gestrigen Route:

Auf diesem Bild sieht man sehr schön den Navajo Mountain und die letzten holprigen Kilometer:

Die zugehörige KMZ-Datei habe ich hier abgelegt. Einfach downloaden und dann selbst mit Google-Earth aus allen Richtungen anschauen oder mal den Flugsimulator starten!!

Update am 12. April 2011:

Nun ist auch meine Video des Tages online:

 

Hier habe ich noch eine der Luftaufnahmen aus dem Jahr 2009: