Pimmelfechten auf der Autobahn

Es ist Donnerstag, mein letzter Arbeitstag vor dem Urlaub. Der Wecker geht um 6h58 – Fotografen brauchen einen geregelten Tagesablauf! Danach gibt es zum letzten Mal für sehr lange Zeit das beste Frühstück der Welt. Um 8h30 die letzte Massage bei Herrn Birkenstock, dann rüber ins Büro. Dort warten die letzten Fehlermeldungen, dies uns das funktioniert noch nicht so wie es sich die Fachseite wünscht. Aber im großen und ganzen sind sie zufrieden und ich bin von Panik weit entfernt.

Um 14h30 gibt es noch eine Abschiedsrunde bei den Kolleginnen und Kollegen, dann ab zum Auto und los zum Kofferpacken nach Bonn. Bereits in Mainz ist es kalt und ungemütlich, es schneit ein wenig. Auf der Autobahn geht es dementsprechend zäh voran. Auf der Höhe von Bingen dann ein schwarzer Passat Kombi aus Stuttgart hinter mir. Am Steuer ein echt dicker Typ um die 50 mit Glatze und weißem Oberhemd, daneben einer der aussieht wie sein kleiner Azubi. Im Rückspiegel erinnern sie mich an Stan Laurel und Oliver Hardy – Dick & Doof. „Oliver“ fährt so dicht auf, dass ich die Scheinwerfer nicht mehr sehen kann, nur noch seine wirklich breite schwitzige Stirn. Aber wo soll ich hin, überall sind Autos, vor mir, neben mir, da kann man nicht überholen! Außerdem fahren wir fast 100 Km/h und mehr ist laut Lichtzeichenanlage auch gar nicht erlaubt. Dann wird die Autobahn dreispurig, wir dürfen 130 Km/h schnell fahren. Der Typ nervt total, ich gebe Gas. 440 Nm zerren an den Rädern, die Dieselrakete schiebt sich vorwärts, der Passat wird im Rückspiegel kleiner.

Kurz darauf klebt „Oliver“ wieder am Stoßfänger, auch jetzt ist um mich herum alles voll und es setzt auch noch ein LKW zum Überholen an. „Oliver“ fährt links, dann rechts, fuchtelt mit den Händen. Ein Stück weiter hat der LKW sich wieder ganz rechts eingefädelt und „Oliver“ fährt auf die mittlere Spur auf meine Höhe. Als ist es registriere und hinüber schaue, sehe ich „Dick und Doof“ wie sie Faxen machen und sich aufregen weil sie nicht rechts überholen können. Dann kleben sie wieder wie ein Wohnanhänger am Kofferraum. Wäre da eine Anhängerkupplung, ich könnte sie einhaken.

Ein Stück weiter wird es dann dreispurig, die LKWs ziehen nach rechts, ein paar Autos vor mit fahren auf die Mitte. Völlig unvermittelt setzt der Dicke zum Stunt seines Lebens an. Er überholt mich rechts zwischen dem linken und dem mittleren Fahrstreifen. Als er aus dem toten Winkel in den Spiegeln sichtbar wird schießt mir das Adrenalin in den Kopf, jetzt bloß keine Faxen machen, sonst bringt dieses dumme Schwein uns alle ins Grab. Ich gehe vom Gas und fahre soweit an die Leitplanke wie möglich. Der Typ in dem 3er Coupé neben mir ist starr vor Entsetzen und reißt das Ruder nach rechts. Hinter ihm erschrickt sich ein LKW-Fahrer und sein Lastzug sieht im Rückspiegel aus wie ein Chinesischer Drache zum Sylvesterfest. Alle reagieren devensiv und der Dicke rammt nun fast meinen Vordermann. Lichtupe, Blinker, das volle Programm. Der macht erschrocken Platz und der Typ im 3er Coupé neben mir hat erneut ein panisches P in den Augen. Was für ein Idiot. Auf den nächsten Kilometern krallt sich der Idiot dann das nächste Opfer.

Fabian würde jetzt sagen: „Es gibt Leute die sind do blöd, muss man einfach mal richtig vermöbeln weil die es sonst einfach nicht kapieren.“

Auf meinem Rücksitz liegt noch die neue Nikon P7000. Eigentlich hatte ich auf Sonneschein und verschneite Weinberge bei der Lorelei spekuliert. Doch jetzt kann ich den Idioten ein wenig filmen. So nah dass man das Kennzeichen lesen kann geht es leider nicht, denn nun ist der Opel den er fast weggekegelt hat total aufgebracht und versucht seinerseits dem Speckwanst im Passat zu zeigen, dass er die dickeren Eier hat. Was für ein Pimmelfechten, ob Frauen das auch so machen würden?

Als die Kamera abgeschaltet auf dem Beifahrersitz liegt überhole ich einen Abschleppwagen, darauf ein schwarzer Passat Kombi, gleiches Modell, aber rundherum total ruiniert. Es klebt noch Gras und Matsch an den zerbrochenen Alufelgen. Ich schaue es mir an und bin einfach nur froh dass Stan und Oli uns nicht alle ins Krankenhaus oder sonstwo hin gebracht haben. Viel gebracht hat es nicht, ein paar Kilometer später biegen sie in Richtung Bacharach ab…

So wie hier kann man sich „Oliver“ vorstellen:

Daheim in Bonn ist die Stadt ein einziger Stau und es ist neblich und nasskalt.

Als ich endlich heil daheim bin freue ich mich auf ein kaltes Bier! beim Öffnen der Haustüre dann die große Überraschung, die Maler waren da und ich habe vergessen meine große Drachenpalme aus dem Hausflur zu holen. Das Ding stand den Malern sicher voll im Weg. Da sie noch nicht fertig sind schnappe ich mir den echt großen Topf samt Untersetzer und schleppe ihn ins Wohnzimmer. Irgendwas an meiner Hose ist plötzlich nass, dann kann ich sehen warum. Beim letzten kräftigen Gießen ist bestimmt ein Liter Wasser unten aus dem Topf herausgelaufen und hat sich im Untersetzer gesammelt. Nun ist das Wasser auf meiner Hose und dem Boden im Wohnzimmer – na prima!

Nachdem alles aufgewischt ist, beginnen die Reisevorbereitungen. Auf dem Kopierer liegen noch die falschen Dollars. Ich säble sie mit dem Cutter auseinander und bestücke mein „Falschgeld-Portemonnaie“ mit kopierten 100 Dollar-Noten und ein paar kleinen echten Scheinen. In die Fächer stecke ich eine abgelaufene Kreditkarte und ein paar alte Kundenkarten von Sixt und Europcar. Sieht gar nicht schlecht aus. Im Fall der Fälle wäre bei einem Überfall ein aufgeregter Dieb sicher zufrieden mit dieser Beute. Ich beschließe diese fast wertlose Geldbörse in den Koffer zu packen, man weiß nie wofür sie mal gut sein kann…

Dann werden die ganzen Tickets und Reservierungsunterlagen sortiert. Vom ESTA-Antrag mache ich eine Kopie, schneide die Registrierungsnummer aus und klebe sie ganz hinten in meinen Reisepass. So kann sie nicht verloren gehen und mehr als diese Nummer braucht man eigentlich nicht. Jedenfalls können die Grenzbeamten in den USA damit immer wieder auf mein elektronisches Visum zugreifen.

Dann wird der neue Koffer aus dem Abstellkämmerchen geholt, er ist wirklich größer als mein normaler „Beraterkoffer“ und wiegt zudem fast nichts. Wenn da die erlaubten 23 Kilo drin sind, sollte das für 5 Wochen ok sein. Auf den letzten Reisen haben wir ja gelernt, dass es in fast allen Motels eine Waschmaschine und einen Wäschetrockner gibt. Wir wollen Kleidung für etwa 8-10 Tage einpacken. Das sollte völlig ausreichen. Dazu ein paar warme Sachen die man gut kombinieren kann. Je nach Hitze oder Kälte sollten wir damit gewappnet sein.

Um 19h17 ist dann dieser kleine Artikel fertig. Nun geht es auf die Suche nach allem was ich mir in den letzten Tagen auf meine „Checkliste“ geschrieben habe…

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