Wer noch nie ein Video erstellt hat das knapp 30 Minuten dauert und halbwegs „Hand & Fuß“ hat, der wird kaum ermessen können wie viel Arbeit es bereitet eine vier Wochen dauernde abenteuerliche sehr freie Reise umfassend in einem Video zu dokumentieren. Eine Reportage zu erstellen die auch bei einer Spielzeit von mehr als 5 Minuten nicht langweilig wird, die viele Informationen transportiert, die mit gut verständlichem Ton daherkommt und bei der die Schnitte zum Rhythmus der Musik passen, das ist eine echte Herausforderung. Neben dem Bildmaterial das man natürlich während der Reise einsammeln muss, braucht es noch eine geeignete Ausstattung mit Computern, riesigen Festplatten, Mikrofonen und vor allem mit ZEIT mit ganz viel ZEIT. Tag für Tag wühlt man sich später durch viele tausend Fotos und hunderte von Gigabytes mit Video-Material, schreibt Texte, probiert GEMA-freie Musik aus, und ist einfach nur froh wenn man sein Video endlich veröffentlichen kann.
Mein aktuelles Video-Projekt sieht so aus wie im folgenden Screenshot. Wer diesen genau anschaut sieht sofort aus wie vielen kleinen Schnipseln der vierte Teil meiner USA-Reportage besteht. Dabei ist jeder kleine Schnipsel „handverlesen“, ich habe bei jedem Schnipsel über Anfang und Ende nachgedacht, überlegt ob es einen harten Schnitt oder eine weiche Überblendung geben soll. Ich habe Stunden damit verbracht nach Musik und Soundeffekten zu suchen. Und als die Musik und Video-Clips zusammen gefügt waren, habe ich an jedem Anfang eines Clips und jedem Ende versucht ihn so zu trimmen, dass er mit der untermalenden Musik harmoniert.
Es mich jetzt wieder einen Monat lang fast jeden freien Abend gekostet den vierten Teil von „Wieder eine Reise ins Ungewisse zu erstellen“.
Das „Original“ von 2011
Als ich vor ein paar Jahren meinen Film „Reise ins Ungewisse“ erstellt habe, betrug der Zeitaufwand verteilt über 14 Tage hinweg etwa 160 Stunden. Ich konnte mir dies nur leisten, weil ich damals ziemlich erkältet daheim herumgesessen habe. Ich war nicht krank genug um nur im Bett zu liegen aber auch nicht gesund genug um zur Arbeit zu gehen. Also habe ich mit warm eingepackt mit viel heißem Tee an meinen Windows Computer gesetzt und mit der Arbeit an diesem Video begonnen. Damals habe ich noch MAGIX Video Deluxe benutzt. Diese Software hatte ich mir kurz zuvor offiziell gekauft und sie war mehr als fehlerhaft. Immer wieder ist sie ausgestiegen und fast täglich gab es Updates zum Download. Irgendwann lief es dann halbwegs stabil und dann gab es eine neue kostenpflichtige Version und das Leid begann von Neuem. Wer sich mit dem Schnitt längerer Videos in 1080p Qualität beschäftigt, bringt seinen Computer schnell an seine Grenzen. So habe ich meinen Windows-Computer mehrfach aufgerüstet und mit schnelleren größeren Festplatten bestückt. Nach einigen wenigen Installationen von MAGIX Video Deluxe verweigerte dann das Installationsprogramm seinen Dienst. Ich hatte die Software zu oft installiert und „zu meinem Schutz“ konnte ich sie nicht erneut installieren. FUCK, so ein Mist! Ich habe E-Mails an den MAGIX Support geschrieben die nicht beantwortet wurden, ich habe ausdauernd die Dudelmusik in der Warteschleife der MAGIX Hotline ertragen, aber beim Hersteller hat man sich nicht gerührt. Bis heute habe ich eine offiziell gekaufte Version von MAGIX Video Deluxe die ich nicht mehr installieren kann, zu „meinem eigenen Schutz“ wohlgemerkt!
Ungeachtet dessen schickt man mir von MAGIX regelmäßig Werbemails und nette Prospekte mit der Post. Alle drei Monate gibt es neuere schnellere und viel bessere Versionen von MAGIX Video Deluxe die nur noch für ein paar Tage zum Preis von 59,- Euro gekauft werden können. Schon zweimal habe ich einen dieser Prospekte mit der Post zurückgeschickt und in einem Begleitbrief darum gebeten, dass endlich irgend jemand meine offiziell gekaufte Lizenznummer freischaltet, damit ich diese Software wieder installieren kann. Aber es kam wie erwartet keine Antwort.
Letztlich habe ich dann für etwa 150 Euro via App-Store die Apple Software Final-Cut-Pro-X für mein MacBook Pro gekauft. Diese Videoschnittsystem läuft stabiler als MAGIX Video Deluxe es jemals tat und ich habe bislang ALLE, wirklich ALLE Updates kostenlos erhalten!!
MAGIX Video Deluxe ist daher für mich echt gestorben und ich bin mehr als enttäuscht, vom Support des Herstellers!
Ungeachtet dessen habe ich es geschafft mittels MAGIX Video Deluxe die „Mutter meiner Reisedokumentationen“ fertigzustellen
Von diesem Video habe ich später noch eine zweite Version erstellt, denn bei der ersten Variante musste ich ständig husten weil ich so erkältet war. Immer wieder musste ich meine Moderation wiederholen bis es endlich halbwegs gut gepasst hat. Beide Versionen zusammen sind inzwischen mehr als 40.000 mal angeschaut worden und mir persönlich gefällt irgendwie die erste Fassung noch immer am Besten.
Vor diesem Hintergrund habe ich an praktisch jedem Tag den ich im Mai in den USA verbracht habe daran gedacht wie ich Fotos und Filmmaterial für eine neue, umfassendere und bessere Reisedokumentation erstellen kann. Meine Sandra hat oft mit dem Kopf geschüttelt, wenn ich mal wieder nachts unterwegs war statt einfach nur die Reise zu genießen. Aber ich war während der Reise wie ein „Getriebener“, der nicht ohne brauchbares Material heimkehren wollte. Schließlich habe ich diese Reise im wesentlichen unternommen um eine hoffentlich gut gemachte Reportage daraus entwicklen zu können. Ich habe für mehrere tausend Euro Foto-Equipment angeschafft, die gesamte Reise geplant und finanziert. Ich konnte einen Monat lang nicht arbeiten und damit auf keinen einzigen Cent verdienen. Da ich freiberuflich arbeite bekomme ich natürlich kein Urlaubsgeld und so schlägt jeder Reisetag doppelt hart zu Buche.
Umso frustrierender ist es dann, wenn man nach all der Arbeit ein neues Video endlich veröffentlichen kann und es schon nach nur EINER MINUTE eine negative Bewertung erhalten hat, es also noch nicht einmal angeschaut wurde! Manchmal ist es echt ärgerlich, dass bei YouTube jeder noch so kleine kleine Furz einfach voten kann wie er will und das vollständig anonym. Zugleich ist es frustrierend, wenn beispielsweise das Video aus dem Jahr 2011 rund 40.000 mal angeschaut wurde, aber nur 214 YouTube eine positive Bewertung abgegeben haben. Der Content ist kostenlos und unter Einsatz von viel Zeit und Mühe entstanden, doch im Jahr 2014 wird all das nicht mehr wertgeschätzt sondern einfach nur anonym konsumiert und dann wahrscheinlich gleich auch wieder vergessen…
Die Dokumentation USA 2014
Ungeachtet dessen habe ich beschlossen mich nicht frustrieren zu lassen und mit meinen Videos weiterzumachen. Ich tue dies für die Leser dieses BLOGs und zu einem großen Teil auch für mich selbst. So kann ich mich immer mal wieder vor dem Fernseher zurücklehnen und via Apple-TV oder über die eingebaute YouTube-App eines dieser Videos anschauen und die eine oder andere tolle Reise noch einmal erleben, das ist auch was wert 🙂
Hier sind nun die vier bislang fertig gestellten Teile in chronologischer Reihenfolge.
Fazit
Die Reise ist noch nicht zu Ende!! Als ich mit der Arbeit an Teil 1 begann dachte ich, dass ich mit zwei oder drei Teilen auskommen werde. Aber nun sieht es so aus, als wenn draus insgesamt FÜNF Folgen entstehen werden. Dort wo Teil 4 aufhört geht es noch eine ganze Woche weiter und dies werde ich im nächsten Jahr aufarbeiten und damit diese Serie abschließen. Als krönenden Abschluss habe ich mir noch einen kompletten „Directors-Cut“ vorgenommen. Dieser hat dann eine Laufzeit von rund 90 Minuten und ich bin sehr gespannt darauf ob ich das wirklich auf die Beine gestellt bekomme. Aber in ein paar Tagen geht es erstmal für vier Wochen nach Teneriffa, auf „MEINE INSEL“. Ich habe Urlaub echt nötig denn derzeit ist es mit dem Husten schon fast wieder so schlimm wie damals als ich meine allererste USA-Reportage erstellt habe. Aber die gute Luft auf Teneriffa sollte helfen das endlich auszukurieren.
Auch im letzten Dezember war ich eine ganze Weile auf Teneriffa und ich habe dort auch sehr viel gefilmt und fotografiert. Wegen der Arbeit an „Wieder eine Reise ins Ungewisse“ habe ich es ein ganzes Jahr lang nicht geschafft aus diesem Material ein Video zu erstellen. Aber vielleicht gibt es zu Ostern dann ein „Kombi-Paket mit dem Filmmaterial aus zwei Jahren, schauen wir mal…
Als Nikon das neue 1er System vorgestellt hat, ist dies irgendwie weitgehend an mir vorbei gegangen. Damals war ich gerade voll auf dem FX-Trip, nichts konnte groß und schwer genug sein, warum also eine Kamera mit einem kleinen Chip im CX Format kaufen?
Doch als ich eine Weile später zum ersten Mal eine schwarze Nikon 1 V1 in Händen hielt keimte dann doch die Neugierde in mir auf. Nach und nach habe ich dieses sehr eigenständige und neuartige Kamerasystem für mich entdeckt und erobert. Nun ein paar Jahre später habe ich alle Objektive die Nikon für dieses System anbietet. Ich habe eine Nikon 1 V1 die inzwischen auf Infrarot 700nm umgebaut ist, ich habe eine Nikon 1 J2, eine 1 V2 und seit einigen Wochen auch die 1 V3.
Eigentlich wollte ich die Nikon 1 V3 nicht kaufen, weil sie einfach zu teuer ist. Klar hat diese Kamera einige tolle Features, aber einige wichtige Features hat sie eben nicht, diese wurden meiner Meinung nach gezielt weggelassen um teurere ertragreichere Kameras nicht auszustechen. Es gibt einiges was an dieser wirklich total nervt. Dazu gehört beispielsweise, dass ich weder das GPS noch das zusätzliche Blitzlicht nutzen kann wenn der elektronische Sucher montiert ist. Es nervt, dass ich den Handgriff komplett abschrauben muss wenn ich die Batterie wechseln will. Bei meiner Olympus OM-D E-M10 habe ich auch einen zusätzlichen Handgriff, dieser ist aber mit einem pfiffigen Schnellverschluss versehen und ist eben so blitzschnell ab- wie wieder anmontiert. Warum kriegt man sowas bei Nikon nicht hin?
Dass ich diese Kamera dann doch gekauft habe lag an einem extrem guten Angebot des Nikon Service-Point München. Dort hat man via eBay ein Vorführmodell in neuwertigem zustand inkl. Sucher, Handgriff und 10-30mm PD Objektiv zum Preis von 700 Euro angeboten. Das ist meiner Meinung nach genau der Preis den diese Kamera auch wert ist. Der Listenpreis in Höhe von 1249,- Euro ist meiner Meinung nach angesichts der fehlenden Features und der unglaublich schlechten „Play Memories“ WiFi-App für iOS und Android einfach nicht zu rechtfertigen. Grund Nummer 2 diese Kamera zu kaufen war, dass mit dem neuen 1 Nikkor 70-300mm ein kompaktes, ausreichend lichtstarkes Teleobjektiv auf dem Markt ist. Dieses Objektiv schlägt zwar mit 1049,- Euro ein kräftiges Loch in die Portokasse, aber man erhält im Gegenzug ein Objektiv, dass viel weniger als ein 28-70mm FX Zoom wiegt und einer FX Brennweite von 189-810mm entspricht, das ist schlichtweg einzigartig!
Angesichts der exorbitant hohen Preise für einige der Nikon 1 Objektive ist es total unverständlich, dass man häufig die wichtigen und sinnvollen Streulichtblenden separat erwerben muss. Beim 70-300mm ist zum Preis von rund 1.050,- Euro eine Steulichblende enthalten, das sollte bei allen Objektive so sein!
Um Gegensatz zu ALLEN Nikon Objektiven die sich via FT-1 Adapter an die Nikon 1 anschließen lassen, wird der sehr gute Autofokus der Nikon 1 nur mit diesem Telezoom vollständig unterstützt. Damit sind in Verbindung mit der rasanten Serienbildgschwindigkeit der Nikon 1 extrem schnelle „Verfolgungsjagden“ wie diese hier möglich, ein echtes Alleinstellungsmerkmal dieses Systems!
Auch nervt es mich total, dass die Kamera sich nicht merkt ob der Augensensor abgeschaltet ist oder nicht. Nutzt man die Kamera auf einem Stativ, hat das Display im Winkel von ca 45° abgekappt und will mit dem Finger auf den eigentlich sehr guten Touch-Display einen Fokuspunkt setzen, so schlägt der als Voreinstellung aktive Augensensor immer wieder zu. Das Display schaltet sich ab und man sieht nichts mehr, arg… Selbst wenn man nah an der Kamera steht schaltet sich das Display immer mal wieder ab. Jedes mal muss man seitlich den Knopf am eigentlich extrem guten elektronischen Sucher drücken um dieses Verhalten der Kamera zu ändern. Sie merkt sich die ISO-Einstellung, oder die Serienbildgschwindigkeit, warum nicht auch ob der Augensensor aktiv ist oder nicht?
Zur Ehrenrettung der Nikon 1 V3 sollte man erwähnen, dass sich andere Systemkameras mit Augensensor leider genauso verhalten. Aber das ist für mich kein Grund es nicht besser zu machen.
Gleiches gilt für den Selbstauslöser! Bei meiner Panasonic GH3, GX7, GM1, oder der Olympus OM-D E-M10, EM5 und EM1 kann ich eine Auslöseverzögerung einstellen. Das wirkt wie ein Selbstauslöser, aber die Kameras merken sich diese Einstellung. So kann man die Kamera auch ohne Infrarot-Auslöser in Verbindung mit einem Stativ erschütterungsfrei auslösen. Warum kann die Nikon 1 das nicht?
Aber genug geschimpft… Vor einigen Tagen hatte ich die Gelegenheit ein paar Stunden bei wirklich bedecktem Himmel im Opel Zoo in Kronberg im Taunus zu fotografieren und zu filmen. Dabei ist das folgende kurze Video entstanden. Ich habe dabei fast ausschließlich mit dem neuen 1 Nikkor AF-S VR G ED 4,5-5,6/70-300mm gefilmt.
Mit dem 1 Nikkor 70-300mm im Opel Zoo
Ein paar Tage später war ich am Wochenende mit meiner Nikon 1 und einige Objektiven unterwegs. Die Wartezeit auf den Sonnenuntergang habe ich genutzt um ganz spontan in meinem Auto mit dem HTC ONE (M8) dieses Video aufzunehmen.
Fotopraxis mit der Nikon 1 V3
Nur ein paar Tage später habe ich zusammen mit meiner Sandra unseren Freund Mirko Mochetti in seinem Café Fahrtwind in Hönningen in der Eifel besucht. Das Wetter war schön und unsere Mädels haben sich spontan bereit erklärt die Gäste des Cafés zu versorgen, so dass wir zum Sonnenuntergang noch eine halbe Stunde fliegen konnten. Im Kofferraum meines Autos hatte ich noch die Fotoausrüstung vom vorherigen Video. Da es im Cockpit der Aerosol Dynamic WT9 sehr beengt zugeht, habe ich das wunderbar kompakte AF-S VR 10-100mm (entspricht 27-270mm im FX-Format) an meine Nikon 1 V3 montiert und ausschließlich mit diesem Objektiv spontan das folgende Video gefilmt.
Sunset Flight mit 10-100mm (non PD)
Das 10-100mm ist nicht besonders lichtstark und so musste die ISO-Automatik meiner Nikon 1 V3 bei den letzten Sequenzen, die etwa 60 Minuten nach Sonnenuntergang gefilmt wurden, einfach alles geben. Teilweises hat die Kamera bis zu ISO-3200 einstellen müssen, was man im Video auch ganz deutlich sehen kann. Hier wäre bspw. eine Nikon D750 ganz klar im Vorteil, weil sie statt 1/100s 1/25s als längste Belichtungszeit im Video-Modus ermöglicht. Statt mit ISO 3200 hätte also eine Nikon D750 mit lässigen ISO 800 filmen können…
Das folgende Foto habe ich mit dem 10-100mm bei 10mm Brennweite und vollständig geöffneter Blende aufgenommen. Die Vignettierung habe ich bei der RAW-Konvertierung hinzugefügt. Das Klappdisplay der Nikon 1 V3 erlaubt herrlich tiefe Perspektiven ohne, dass man sich umständlich verrenken muss, das ist wirklich toll!
Hier ist noch ein Bild das am ausgestreckten Arm entstanden ist, dazu habe ich das Display im Winkel von 90° nach unten geklappt.
Zusammenfassung
Wer sich auf eine Nikon 1 V3 einlässt muss wirklich tief in die Tasche greifen und sich mit fehlenden Features und teilweise nervigem Verhalten der Kamera abplagen. Aber dennoch kann diese Kamera viel Spaß machen. Das liegt im wesentlichen daran, dass sie wunderbar leicht und kompakt ist. Der Look der Bilder erinnert stark an das analoge Zeitalter. Die Fotos sehen so aus wie ein sehr gutes 35mm Dia, das mit einem herausragend guten Scanner digitalisiert wurde. Der Dynamik-Umfang der Nikon 1 V3 ist deutlich geringer als bspw. bei der Nikon D750 oder D800, aber er ist im Grunde genommen noch groß genug. Hier habe ich ein Beispielfoto das ich aus zwei Bilder mit 1.0 EV Unterschied aufgenommen habe. Dass ich dabei ein Stativ benutzt habe sollte klar sein… Via DRI-Technik habe ich diese beiden RAW-Bilder zu diesem sehr kontrastreichen Gegenlicht-Foto verarbeiten können. Es ist alles drin, keine zugelaufenen dunklen Bildbereiche und keine ausgefressenen Lichter. So sollte es sein und so ist es mit der Nikon 1 V3 trotz des kleines Chips und der winzigen Pixel auch machbar!
Das fehlende BKT-Feauture, also die automatische Erstellung von Belichtungsreihen kann man umgehen, in dem man die Nikon 1 V3 auf einem stabilen Stativ positioniert, alles auf M wie Manuell stellt und dann eine Belichtungsreihe aufnimmt, bei der man mit dem hinteren Wählrad die Belichtungszeiten variiert. Ist das Stativ stabil genug und das Motiv statisch genug, so sind Fotos wie dieses hier gar kein Problem.
Ausblick
Alles in allem bin ich mit der Nikon 1 V3 ziemlich happy und ich werde sie im Dezember für vier Wochen mit nach Teneriffa nehmen. Für nächtliche Aufnahmen der Milchstraße wird aber zusätzlich die Nikon D800E samt AF-S 2,8/14-24mm in den Rucksack wandern. Und für den „einfachen Fotoalltag“ werde ich diesmal die Olympus OM-D E-M1 einpacken. Sie ein paar Tagen habe ich einen sehr coolen Filterhalter für das Panasonic 7-14mm Extremweitwinkel, sowie einige passende Grau- und Verlaufsfilter. Schon heute freue ich mich sehr darauf mit dieser Kamera an den Stränden von Teneriffa schöne Abendstimmungen bei langen Belichtungszeiten einzufangen. Ab dem 12. Dezember wird es hier und bei flickr.com viele neue Fotos zu sehen geben.
Das Nikon 1 System hat es mir trotz aller Einschränkungen irgendwie angetan. Auch wenn an den Kameras zum vollen Glück noch einiges fehlt und viele sinnvolle Features von den Nikon Marketing-Strategen gestrichen wurden, um die teureren Spiegelreflexkameras zu „schützen“, so macht es dennoch Spaß mit diesen Kameras zu fotografieren. Lange bevor die Nikon 1 V3 angekündigt wurde habe ich überlegt was ich mir von einer Nikon 1 V3 wünschen würde.
Auf meiner Wunschliste standen unter anderem diese Punkte:
Hochauflösender Sucher wie bei Olympus OM-D E-M1
7-fach Bracketing für HDR-Bilder (Wie Nikon P7000)
Stabiler Batteriegriff wie bei Olympus OM-D E-M1
Eingebautes WLAN mit Android/iOS App wie von Panasonic oder Olympus
Eingebautes GPS
Eingang für externes Mikrofon
Ausgang für Kopfhörer
Gleiche Batterie wie Nikon 1 V3 (oder D800 etc.)
HD-Video mit 24/25/30/60/120/400 Bildern pro Sekunde
2-3 User-Settings
Klappdisplay wie Panasonic GH-3 oder GH-4
Touchdisplay wie GH3/GH4
Schneller Speicher für 100 RAW-Bilder bei 20 B/s
Frei definierbare Funktionstasten wie bei Panasonic GH3 oder Olympus E-M1 etc.
Videos alternativ über Auslöser statt den zu kleinen roten Knopf starten
Ein „richtiger“ Blitzschuh!!!
1/25 Sekunde als längste Belichtungszeit im Video-Modus
Da man sich bei Nikon mit der Veröffentlichung der Nikon 1 V3 wirklich viel Zeit gelassen hat, habe ich mir irgendwann eine Olympus OM-D E-M1, Panasonic GH3 und andere MFT-Kameras wie beispielsweise die niedliche Panasonic GM-1 gekauft. Zu einem Zeitpunkt zu dem ich schon gar nicht mehr mit der Vorstellung der Nikon 1 V3 gerechnet habe, kam sie dann doch noch und sogar mit einem neuen leistungsstarken Teleobjektiv!
Der erste Blick in die Liste der Features war dann auch gleich eine herbe Enttäuschung. Statt mit 24 und 25 Bildern liegt die niedrigste Framerate für Videos bei 30 B/s. Eine Kombination mit vorhandenen Kameras die mit 24 B/s (Nikon D7000) oder 25 B/s bzw. 50 B/s filmen (Panasonic HC-X909) ist also nicht problemlos möglich. Statt eines vernünftigen Blitzschuhs gibt es den von den Vorgängern bekannten spezifischen Anschluss für Zubehör des Nikon 1 Systems. Zwar kann man hier jetzt einen elektronischen Sucher einschieben, der sich qualitativ mit dem Sucher der Olympus OM-D E-M1 oder der Fuji X-T1 messen kann, aber dieser Sucher sitzt wacklig und lässt sich nicht vernünftig befestigen. In den letzten Tagen ist er mir trotz aller Sorgfalt zigmal hingefallen und es ist ein Wunder, dass er noch funktioniert.
Will man diesen zweifellos herausragenden Sucher benutzen, so kann man sich den kleinen GPS-Stöpsel in die Haare schmieren. Auch ein externes Mikrofon lässt sich nicht anschließen und auch ein zusätzliches Blitzlicht lässt sich nicht nutzen wenn der Sucher aufgesteckt ist. Statt dessen muss man mit einem winzigen „Zwergen-Blitzlicht“ belohnt, das diesen Namen eigentlich gar nicht verdient. Das ist alles mehr als ärgerlich, statt dieses winzigen Blitzes hätte ich mir einen „vernünftigen Blitzschuh“ mehr als sehnlichst gewünscht…
In der Hoffnung, dass man sich bei Nikon bequemt hat die für Android und iOS lieferbare APP auf einen Stand zu bringen den es bspw. bei Olympus und Panasonic seit langer Zeit gibt, verharrt die verfügbare APP beim minimalistischen Funktionsumfang der ersten Version. Das ist mehr als enttäuschend! Mit der dieser APP lässt sich über ein Tablet oder ein Smartfon einfach nichts ausrichten. Man kann ein Foto auslösen und auf der Kamera vorhandene Bilder per WiFi Netzwerk auf sein Telefon kopieren, das war der Funktionsumfang!! Was soll dieser Bockmist? Eine Weltfirma wie Nikon sollte das besser können, die deutlich kleineren Wettbewerber können es ja auch!
Einen zusätzlichen Griff gibt es nun, aber diesen muss man jedes mal abschrauben um die winzige Batterie zu wechseln. Wenigstens hat man nicht schon wieder ein neues Format erfunden sondern das Format beibehalten, das bspw. mit der Nikon 1 J2 eingeführt wurde. Lieber wäre mir der Akku der Nikon 1 V1 gewesen, oder wenigstens ein gut erreichbares Akku-Fach in einem etwas größeren Batteriegriff, aber auch hier „Fehlanzeige“ 😦 Leicht erreichbare User-Settings für den blitzschnellen Wechsel aller Einstellungen gibt es auch nicht. Auf den Ausgang für einen Kopfhörer um den Ton bei Video-Aufnahmen kontrollieren zu können gibt es ebenfalls nicht. Das Display kann man inzwischen klappen aber nicht schwenken. YouTube-Videos von sich selbst kann man mit der Kamera also immer noch nicht vernünftig aufnehmen…
Die Nikon 1 V3 kann mit bis zu 60 B/s fotografieren. Das ist echt extremst rasend schnell, aber was nutzt das wenn nach etwa einer halben Sekunde der schnelle interne Kameraspeicher voll ist und man ewig warten muss bis alle Bilder auf die jetzt winzig kleinen fummeligen Micro-SD Karten übertragen wurden? Mir wäre lieber die Kamera würde „nur“ mit 10 Bildern pro Sekunde fotografieren, dafür aber DAUERHAFT bis die Speicherkarte voll oder der Akku leer ist! So sind die 60 B/s leider nicht viel mehr als ein Marketing-Gag.
Die Funktionstasten kann man nun in gewissen Grenzen definieren, aber Olympus und Panasonic haben hier eindeutig die Nase vorn! Und statt mit dem großen gut erreichbaren Auslöser muss man Videos entweder über den Fn3 Knopf des optionalen Griffes oder dem schlecht erreichbaren „roten Knopf“ starten. Das ist MIST! Bei der Videoaufzeichnung nervt ebenfalls, dass bei jedem Clip der Ton stets erst nach einer kleinen Verzögerung aufgezeichnet wird. Will man unschöne Aussetzer vermeiden, so muss man beim Schnitt bei JEDEM CLIP am Anfang und Ende ein wenig was abschneiden. Dieses Problem haben andere Hersteller auch, aber deren Kameras sind teilweise um Welten billiger zu haben. Bei einem „Nikon Premium-Produkt“ hätte ich mehr erhofft!!
Doch genug geschimpft, kommen wir zu den guten Seiten der neuen Nikon 1 V3. Gleich am ersten Tag habe ich in der Bonner Innenstadt beim Brunnen vor dem Sterntor dieses kleine erste Testvideo aufgenommen.
Ein paar Tage später ist mir beim Fotografieren der Burg Sooneck ein kleiner Brunnen aufgefallen. Dort habe ich mit dem brandneuen Nikkor AF-S G ED VR 4,5-5,6/70-300mm dieses kleine Testvideo aufgenommen.
Am letzten Sonntag ging es dann mit der gleichen Kombination für eine Stunde in den Bonner Rheinauen-Park. Diesmal hatte ich ein Stativ dabei und habe fast ausschließlich mit dem neuen 70-300mm Teleobjektiv gefilmt. Dieses Objektiv entspricht wegen des kleinen Chips der Nikon 1 V3 einem 189-810mm Teleobjektiv. Zwar ist es zu einem Preis von über 1.000 Euro nicht gerade billig, aber die Bildqualität ist gut und das Objektiv ist wunderbar kompakt und leicht. Allerdings nervt auch hier die drehbare Verriegelung. Immer wieder passiert es so, das man den angenehm breiten Zooring in der Hand hält und versehentlich den winzigen Verriegelungsknopf drückt. Dreht man nun etwas über die kurze 70mm Brennweite hinaus, so schaltet man damit die Kamera ab. Besonders in Momenten bei denen es auch jede Sekunde ankommt ist das mehr als ärgerlich. Warum braucht dieses teure Objektiv diesen überflüssigen Mechanismus, wenn die Nikon 1 V3 doch einen sehr schönen Ein/Aus-Schalter hat?
Am vorletzten Wochenende war Gelegenheit die neue Kamera im Wildpark Hellenthal zu testen. Dort war ich von der Bildqualität wirklich sehr angetan. Auch funktioniert das Auslösen und fokussieren via Touch-Display nun wirklich gut. So wurden auch einige der Fotos dieses Tages bei flickr ein echter Hit. Hier habe ich eines der Fotos aus dieser Session, einfach mal via flickr.com im Format 1920px öffnen. Das ist gar nicht schlecht!!
Hier habe ich kleines Beispiel zusammen montiert das einen Adler zeigt der von einem Baum in Richtung seines Falkner startet. Es ist schon sehr beeindruckend wie die Nikon 1 hier den Fokus halbwegs gut nachgeführt und den kompletten Bewegungsablauf aufzeichnen kann. Doch man sollte sich solche Sequenzen nicht immer erhoffen. Auch wenn der Autofokus vergleichsweise schnell ist, sind praktisch alle Vögel schneller. Sobald ein Adler oder was auch immer sich nicht mehr parallel zur Kamera sondern darauf zu bewegt, ist auch schnell Schluss mit lustig. Auch hätte ich mir einen vernünftigen fest gekoppelten Fokusring gewünscht… Das elektronische Pendant funktioniert zwar vergleichsweise gut, aber meiner Meinung nach bei einem Objektiv der 1.000 Euro Klasse eben nicht gut genug! Ärgerlich ist auch hier, das man kaum in der Lage ist das Objektiv manuell vernünftig auf „Unendlich“ zu fokussieren.
Dieses Foto unbedingt via flickr in der Original-Größe (Pfeil unten rechts auf der flickr-Webseite) anschauen!
Zum Abschluss habe ich hier noch ein Fotos das ich vor ein paar Tagen auf dem Weg von Bonn nach Mainz auf einem Parkplatz oberhalb von Cochem an der Mosel aufgenommen habe. Das Bild zeigt die Reichsburg und ich habe es mit dem billigen Nikkor AF-S VR 30-110mm im RAW-Modus aufgenommen. Ich finde, auch hier spricht die Bildqualität für sich!
Fazit
Mir macht das Fotografieren mit der Nikon 1 V3 Spaß, auch wenn ich viele Features vermisse. Toll sind die Qualität der Fotos und Videos, wirklich schlecht ist der wackelige Halt des überragenden elektronischen Suchers. Lehnt man sich zurück und analysiert in aller Ruhe was man bei der Nikon 1 V3 für sein Geld erhält, so ist das Fazit leider mehr als mager. Zusammen mit dem neuen Nikkor AF-S VR 10-30mm PD Zoom, dem elektronischen Sucher und dem zusätzlichen Handgriff kostet die Nikon 1 V3 satte 1249,- Euro. Zu diesem Preis bekommt man schon eine Panasonic GH3 mit einem hochwertigen Objektiv und etwas Zubehör. Für ein paar Euro mehr ist auch eine Olympus OM-D E-M1 drin, oder alternativ die hervorragende Fuji X-T1. Hätte ich meine Nikon 1 V3 nicht im kompletten Set bei eBay für 700,- Euro abgeschossen, ich hätte sie nicht gekauft. Sie leistet kaum mehr als die Nikon 1 V2 und hinkt bezüglich der Features wie Bracketing, Video-Framerates und WiFi-APP gegenüber den Konkurrenten deutlich hinterher.
Was für die Nikon 1 spricht ist die Möglichkeit mittels des FT-1 Adapters erwachsene „Männer-Teleobjektive“ zu adaptieren und so beispielsweise aus dem gewaltigen Nikkor AF-S VR 4/200-400mm ein grandioses 540 – 1080mm Supertele mit Blende 4 zu machen.
Positiv aufgefallen ist mir, dass vor der RAW-Konvertierung zunächst hoffnungslos überstrahlt wirkende Bildbereiche doch noch Zeichnung enthielten. Bedingt durch den kleinen Chip mit den extrem winzigen Pixeln ist der Dynamik-Bereich der Nikon 1 V3 sehr viel kleiner als beispielsweise bei einer Nikon D800. Aber in der Praxis erweist er sich als groß genug um unter brauchbaren Lichtverhältnissen an gute Ergebnisse zu kommen.
Alle die gern nachts fotografieren, werden trotzdem an der Nikon 1 V3 keine Freude haben. Hier ist beispielsweise die Olympus OM-D E-M1 mit der 2.0er Firmware deutlich im Vorteil. Bei der Olympus kann man im Modus „Live-Comp“ miterleben wie bei Langzeitbelichtungen die Bilder entstehen und dann wenn man es für richtig hält den Belichtungsvorgang durch ein zweites Betätigen des Auslösers beenden. Dies wäre ein Feature das auch der Nikon 1 V3 gut zu Gesicht stehen würde. Allerdings habe ich keine Hoffnung, dass die Nikon-Entwickler für solche sinnvollen Features jemals grünes Licht bekommen werden…
Die hohen Bildraten von 40 und 60 B/s sind meiner Meinung nach Augenwischerei, denn in der Praxis behindern sie oft eher als das sie einen Nutzen haben. Wer mit 60 B/s fotografiert und einen etwas zu nervösen Auslesefinger hat, der wird alle entscheidenden Momente verpassen weil seine Nikon 1 V3 genau dann wenn man es nicht gebrauchen kann mit dem Übertragen der Fotos auf die Speicherkarte beschäftigt sein wird. Mit 10 oder 20 B/s kommt man auch mit der Nikon 1 V3 ganz gut durchs Leben, mehr braucht man im normalen Fotoalltag für nichts!
Was mich bei Videoaufnahmen massiv stört ist die Tatsache, dass die längste Belichtungszeit auf 1/100s festgelegt ist. Beispielsweise mit meiner Nikon D800E kann ich bei 25 B/s bei einer Belichtungszeit von maximal 1/25 s filmen. Unter schwierigen Lichtbedingungen bei denen die Nikon D800E noch mit ISO-800 auskommt, muss die Nikon 1 schon auf ISO-3200 gehen um bei gleicher Blende die gleiche Belichtung erzielen zu können. Das ist eine schwere Einschränkung für alle die beispielsweise gern YouTube-Videos etc. aufnehmen. Wer bei der Aufnahme nicht für richtig viel Licht sorgen kann, der wird sich später über total verrauschte Video-Clips ärgern müssen.
Weiterhin gibt es viele kleine Details die mich stören. So ist es zunächst toll, dass der elektronische Sucher einen Augensensor hat und man diesen auch deaktivieren kann. Aber diese Einstellung wird nicht gespeichert. Schaltet man die Kamera (versehentlich) aus und wieder ein, so ist der Augensensor immer wieder aktiv. Wer seine Kamera auf einem Stativ verwendet und sie über das Display bedienen möchte wird sich so immer wieder über diesen Sensor ärgern, weil er jedes mal wenn man ihm zu nahe kommt das Display abschaltet. So ist immer wieder ein Druck auf den seitlich am wackligen Sucher angebrachten Knopf notwendig um den Augensensor zu deaktivieren, das nervt zumindest mich total.
Gut gefällt mir, dass man die „Bildkontrolle“ via Menü-Option deaktivieren kann. Bei vielen anderen Systemkameras geht das nicht und dies ist besonders wenn es schnell gehen soll oft extrem hinderlich. Wer mit 20 Bildern pro Sekunde beim Sport fotografiert, der will nicht jedes mal wenn er den Auslöser loslässt die zuletzt fotografierten Fotos anschauen!! Hier ist es toll, dass der Sucher der Nikon 1 V3 sich dann nicht umschaltet und man das Geschehen weiter verfolgen kann.
Die Verarbeitung der Nikon 1 V3 ist sehr gut und sie fühlt sich hochwertig an. Die Einschaltzeit ist angenehm kurz und der Autofokus arbeitet im Vergleich zu anderen Systemkameras schnell und mit brauchbarer Trefferquote. Dennoch muss man die Hoffnung begraben, bei schnell bewegten Objekten nur scharfe Fotos zu erzielen. Je nachdem wie gut sich ein Motiv vom Hintergrund abhebt, ist der Ausschuss teilweise exorbitant hoch. Im schnellen Modus ist es weniger gezieltes Fotografieren als eher ein wilder herumfuchteln und hoffen auf die perfekte Fotografie. Diese sind mit der Nikon 1 V3 zweifellos möglich, aber wer eine Olympus OM-D E-M1 wirklich beherrscht wird mit einer ähnlichen Trefferquote und weniger Ausschuss nach Hause kommen. Jeder der mit einer Nikon 1 V3 fotografiert sollte daher unbedingt die Verwendung des AF-L Buttons üben. Damit kann man zur rechten Zeit Autofokus und/oder Belichtung speichern. Wer also bei einer Adler-Flugshow wirklich scharfe Bilder haben will, der beobachtet auf welchen Bahnen sich die Tiere bewegen, fokussiert auf eine Stelle die ihm gefällt, betätigt den AF-L Knopf und verfolgt dann die Tiere bis sie sich hoffentlich genau dort befinden wo man sie haben möchte. Diese Technik funktioniert nicht nur bei der Nikon 1 V3, man sollte sie erlernen und wird damit beim Autorennen und ähnlichen Veranstaltungen eine deutlich höhere Trefferquote erzielen als wenn man sich auf den meistens doch noch viel zu langsam arbeitenden Autofokus verläßt.
Zum neuen Nikkor AF-S 10-30mm PD Zoom gibt es nicht viel zu sagen. Das Ding ist winzig, macht was es soll und liefert gute Ergebnisse. Der automatische Verschluss vor der Frontlinse ist praktisch aber nicht sonderlich stabil. Eine Möglichkeit um einen Polfilter oder ähnliches zu verwenden gibt es wegen des fehlenden Filtergewindes leider nicht. Der Motorzoom ist im Gegensatz zu den Pendants von Olympus oder Panasonic für Videofilmer nicht zu gebrauchen. Bei diesem Objektiv hat man einen Endlos-Zoomring, eine Steuerung der Geschwindigkeit mit der das Objektiv seine Brennweite verändert ist damit leider nicht möglich. Jedem Videofilmer sei daher das teure, große und schwere Nikkor AF-S VR 10-100mm PD Zoom ans Herz gelegt.
Top oder Flop?
Wer noch keine Kamera besitzt und keine Nikon-Objektive sein eigen nennen darf, dem würde ich vom Kauf der Nikon 1 V3 abraten. Das mag hart klingen, aber beispielsweise eine Olympus OM-D E-M1 ist einfach die bessere Kamera. Einzig wenn es auf jedes Gramm Gewicht ankommt und man ein wirklich langes Teleobjektiv für Fotosafaris sucht, hat die Nikon 1 V3 in Verbindung mit dem neuen 70-300mm die Nase vorn weil aktuell für das Micro-Four-Thirds System kein vergleichbares Objektiv verfügbar ist. Wer sich für eine Nikon 1 V3 entscheidet muss sehr tief in die Tasche greifen und bekommt für sein Geld eine sehr spezielle Kamera die viel Spaß machen kann, der aber wichtige Features fehlen und die im Gegenzug mit unsinnigem Mist wie 4-Sek Video, Best-Moment-Capture und anderem Krams „aufgerüstet“ wurde, den kein ernsthaft fotografierender Menschen jemals nutzen wird. Statt dieser praxisfremden Gimmiks hätte ich mir Bracketing und User-Settings wie bei einer Nikon P7000 oder D7000 gewünscht.
Aber was nicht ist kann ja noch werden, vielleicht schafft man es bei Nikon im Jahr 2018 eine Nikon 1 V4 auf den Markt zu bringen die endlich überflüssigen Ballast vermissen lässt und statt dessen mit sinnvollen Features aufgewertet wird.
Mit dem Siegeszug der Digitalfotografie konnten sich die Kamera-Hersteller über viele Jahre hinweg über stetig steigende Umsatzzahlen freuen. Doch diese fetten Jahre sind inzwischen vorbei. Der Markt ist gesättigt, in fast jedem Haushalt schlummert eine moderne digitale Kamera und wartet auf Motive die oft über Monate hinweg nicht kommen wollen. Viele potentielle Kunden verwenden ihre teure Kamera nur im Urlaub und interessieren sich ansonsten nicht weiter für die Superlative welche die Kamerahersteller immer wieder durch ihre Marketing-Abteilungen an die Presse weiterleiten lassen.
Vor diesem Hintergrund war die Photokina 2014 ein von vielen Herstellern mit Spannung erwartetes Event. Ob die Erwartungen erfüllt wurden und welche Tops und welche Flops es gab wollen wir uns hier kurz anschauen.
Meine Liste ist natürlich nicht vollständig und von meinen persönlichen Vorlieben geprägt. In den letzten Tagen habe ich lange hin und her überlegt ob ich überhaupt etwas zur Photokina schreiben soll. Dann hatte ich die Idee eine „Liste der Innovationen“ hochzuladen, die nichts als eine schwarze Bitmap enthalten sollte. Aber ganz so schlimm war es dann ja doch nicht…
Nikon D750
Nun ist sie da, aber braucht die Welt diese Kamera wirklich? Mit der D750 schiebt Nikon eine weitere Vollformatkamera in die Lücke zwischen D610 und D810.
Technisch ist sie auf dem aktuellsten Nivea, sie kann alles was man sich nur wünschen kann, sie ist schnell, hochwertig verarbeitet, fühlt sich gut an und liefert tadellose Ergebnisse. Preislich ist sie knapp unterhalb der D800 angesiedelt und es gibt neben Wifi endlich ein schwenkbares Display. Bei Olympus, Panasonic & Co gibt es dieses Features schon seit Jahren und hier hat Nikon endlich etwas nachgeliefert was längst überfällig war. Allerdings wird man angesichts der Nikon APPs für iOS und Android am neuen Wifi-Feature nur wenig Freude haben. Das können die Wettbewerber beispielsweise bei Panasonic und Olympus bislang eindeutig besser. Hier sollte Nikon schnellstens nachbessern!
Bei der D750 hat Nikon im wesentlichen Detailarbeit geleistet, wirkliche Innovationen sucht man vergeblich. Wem das Erlebnis des Fotografierens mit einem etwas größeren griffigen Kamerakorpus gleichgültig ist, der wird mit einer Nikon D600 oder D610 zum deutlich niedrigeren Preis die gleichen Ergebnisse erzielen.
Der Korpus der Kamera besteht aus robustem Magnesium, eine Innovation ist es nicht, aber es ist eben kein billiges Polycarbonat…
Die Detailarbeit macht sich bei den Video-Modi bemerkbar. Wer allerdings auf Support für 4K Videos gehofft hat wird enttäuscht sein. Was es bei der Panasonic GH4 schon seit Monaten gibt, sucht man bei der deutlich teureren Nikon D750 vergeblich. Aber die Framerates erlauben endlich die Flexibilität die man sich in einem Setup mit mehreren Kameras wünscht. Ich ärgere mich immer wieder, dass die Olympus OM-D EM-1 zum Preis von 1.500 Euro für den Korpus lediglich mit 30 B/s in 1080p filmen kann. Wo ist das Problem der Kamera auch 25 und 24 Bilder pro Sekunde beizubringen? Beim Videoschnitt ist es immer wieder mehr als ätzend wenn man einen Film aus Sequenzen zusammenstellen muss die mit unterschiedlichen Framerates aufgenommen wurden.
Bei ruhigen Szenen ist es kein Problem aber sobald Objekte gefilmt werden die sich mit kontinuierlicher Geschwindigkeit bewegen gibt es im fertigen Film bei unterschiedlichen Bildraten eine sehr unangenehmes Rucken. Der Grund ist so einleuchtend wie einfach. Zwar können moderne Schnittprogramme mit allen Arten von Framerates umgehen, aber sie lassen sich eben nicht so einfach konvertieren. Fügt man eine Sequenz die mit 30 B/S aufgenommen wurde in ein Videoprojekt ein das auf 25 B/s basiert, so müssen einzelne Frames/Bilder ausgelassen werden. Dass das Ergebnis nicht mehr flüssig läuft ist klar. Fügt man einen Clip mit 24 B/s in ein Projekt ein das auf 30 B/s basiert so müssen einzelne Bilder mehrfach angezeigt werden um von 24 auf 30 B/s zu kommen. Das Ergebnis ist in den meisten Fällen nur wenig zufriedenstellend.
Aus diesem Grund ist es keine wirklich gute Idee Clips aus einer Nikon D7000 (24 B/s) mit Clips aus einer Olympus OM-D EM-1 (30 B/s) zu mischen. Kommt noch eine Kamera wie die Panasonic GM1 hinzu, die fest mit 25 B/s filmt, wird es nicht besser… Ich habe nur wenig Verständnis für diese Politik der Kamerahersteller. Wenn man einer Kamera für 1500 Euro einen Video-Modus spendiert, dann sollte der Anwender auch zwischen 24, 25 und 30 B/s wählen können. Wenn eine Kamera wie die D750 darüber hinaus 50 und 60 B/s im Angebot hat, so ist das mehr als begrüßenswert für alle die mal eine schöne Zeitlupe in ihr Videomaterial integrieren möchten. Hier hat endlich mal jemand mitgedacht…
Das schwenkbare Display der D750 ist recht praktisch sobald Motive aus ungewöhnlichen Positionen fotografiert werden sollen. Das Problem dabei, man kann dieses Feature nur im Live-View Modus nutzen und ist dann auf die Arbeit mit dem langsamen Kontrast-basieren Autofokus angewiesen. Eine Freude ist das nicht und auch hier sind Systemkameras wie beispielsweise eine Olympus OM-D EM-1 deutlich im Vorteil!
Alles in allem ist die Nikon D750 eine grundsolide Vollformatkamera die alles kann was man als sich als Foto-Amateur wünschen kann. Die Bildqualität ist exzellent und das erprobte durchdachte Bedienkonzept noch immer wegweisend.
Einen echten Meilenstein wie bei der Nikon D2x oder der D3 hat Nikon mit der D750 aber nicht abgeliefert. Nichts an dieser Kamera ist schlecht, aber es ist eben auch nichts revolutionär. Und genau das wird das Problem sein. Warum soll man diese Kamera kaufen wenn man beispielsweise schon eine D700 hat?
Panasonic CM1
In den letzten Jahren haben Mobiltelefone schrittweise das Fotografieren und Filmen gelernt. In den Känguru-Chroniken wurde schon vor längerer Zeit ein Witz gemacht in dem das Känguru eine Kamera erfand mit der man auch telefonieren kann. Diesen Witz hat man bei Panasonic ernst genommen und mit der CM1 ist in einigen Wochen zum Preis eines iPhone 6 mit 128GB ein Android basiertes Smartphone mit revolutionär guter Kamera verfügbar. Wer von seiner kleinen Bridgekamera allerdings ein Zoom-Objektiv gewöhnt ist wird auch hier enttäuscht sein. Panasonic hat hier eine ganz ordentliches Weitwinkel verbaut, ein Objektiv das einem 28mm Kleinbild-Weitwinkel entspricht. Das ist ganz nett, aber auch nicht revolutionär.
Lytro Illum V2
Die neue Lichtfeldkamera aus dem Hause Lytro ist nun endlich verfügbar. Vom Spielzeug-Flair des ersten Modells ist nichts geblieben. Die neue Lytro Ilum V2 sieht fast aus wie eine „normale Kamera“ und das ist auch gut so 🙂
In diesem Video wird sehr schön erklärt was an der Lytro Illum so besonders ist.
Diese Kamera ist aus meiner Sicht die einzige echte Innovation der diesjährigen Photokina in der Sparte der Kameras. Es ist dem Hersteller nur zu wünschen, dass dieses sehr ungewöhnliche Konzept gut aufgenommen wird. Spannend finde ich, dass es den Lytro Desktop nun auch für OS-X gibt und dass man damit kleine Film-Clips exportieren kann. So lassen sich die ungewöhnlichen Fotografien beispielsweise in ein YouTube-Video integrieren. Ein Konzept mit viel Potential von dem wir hoffentlich noch viel zu hören und zu sehen bekommen werden!!
JOBO GYROpod SP-1 und MD-1
In meiner Jugend kannte ich den Hersteller JOBO eher als Lieferanten von Filmentwicklungsdosen mit poppig roten Plastikdeckeln. Mit dem Niedergang der traditionellen Fotografie hat man bei JOBO reagiert und war in den letzten Jahren stets auf der Suche nach Nischen im prall gefüllten Fotoangebot. Nach den innovativen Gorilla-Pods gibt es nun die echt saucoolen GYROpod Stative. Die Dinger sind nicht ganz preiswert aber ein Knaller in Form und Funktion. Auf ein solches Gadget haben Amateurfilmer in aller Welt lange gewartet. Damit wird ein iPhone oder eine kleine Panasonic GM1 zur (fast) perfekten Steady-Cam.
Leider ist die etwas größere Ausführung für „erwachsene“ Kameras mit einem Listenpreis von rund 700 Euro nicht ganz preiswert ausgefallen. Aber angesichts dessen was hier an Hightech drin steckt ist dieser Preis durchaus angemessen. Wem beim Filmen das Hantieren mit dem sperrigen Stativ auf den Geist geht, der liegt mit dem GYROpod MD-1 künftig genau richtig!
Dieses System ist für mich der heimliche Star der Photokina 2014, es ist innovativ und bislang einzigartig – so sollten Produkte sein die auf einer Messe wie der Photokina vorgestellt werden.
Top oder Flop?
Meiner Meinung nach war die Photokina 2014 eher ein Flop. Der Markt ist mehr als übersättigt und echte Innovation ist auch in diesem Jahr absolute Mangelware.
Vor ein paar Tagen hat sich meine Sandra eine Tour mit einem Schiff zur Rainbow Bridge gewünscht. Diese konnte man auch problemlos online buchen. Die erste Tour startet um 7:30 an der Wahweap Marina die etwa auf halbem Weg zwischen Page und Bigwater gelegen ist. Das Areal ist ein National Park, daher muss man entweder 15$ Eintritt zahlen oder sich mit einer Jahreskarte (Annual National Park Pass) zum Preis von 80$ „bewaffnen“.
Die Rainbow Bridge ist weltweit die größte freitragende natürliche Brücke und ein Heiligtum der hier lebenden Indianer. Erreichbar ist sie zu Fuß wenn man bereit ist eine mindestens zweitägige Wanderung auf sich zu nehmen. Wer wandern möchte lässt sich am besten von einem Shuttle-Service zum Trailhead beim Navajo Mountain bringen, wandert zur Rainbow Bridge und kehrt 2-3 Tage später mit dem Boot zurück. Alternativ kann man auch hin und zurück wandern, was aber sehr anstrengend ist und man auch Gefahr läuft, dass bei der Rückkehr das Auto auf dem Parkplatz beim Navajo Mountain komplett geplündert wurde. Dies kommt nicht selten vor, weil klar ist, dass jeder der hier aufbricht frühestens nach zwei Tagen zurückkehrt. Genug Zeit um Reifen, Benzin und sonstige Dinge von einem Auto abzumontieren oder abzusaugen.
Wer es einfacher haben möchte, er bucht für 125$ pro Nase eine komplette Tour mit einem Boot. In der Eingangshalle des Lake Powell Resorts gibt es die Tickets. Wer nicht vorbestellt hat kann auch dort direkt mit Kreditkarte etc. bezahlen. In der Wartezeit bis das Boot startklar ist kann man in der Lounge kostenlos das freie WiFi benutzen, es gibt einen Kiosk mit Kaffee, Tee und kalten Getränken. Wer mag kann für den Ausflug auch Sandwiches kaufen.
Da die Rainbow Bridge sehr weit entfernt ist, dauern An- und Abreise jeweils etwa 3 Stunden. Der Aufenthalt bei der Rainbow Bridge beträgt 1,5 Stunden wovon jeweils ca. 30 Minuten für die Wanderung hin und zurück zu veranschlagen sind. Wer dort fotografieren will hat also ca. 30 Minuten um seine Bilder aufzunehmen!!
Weil es heute teilweise ganz entsetzlich heiß war und uns die Sonne völlig gnadenlos das Hirn gebraten hat, will ich heute mal keine lange Geschichte erzählen sondern einfach nur ein paar Fotos die Geschichte des Tages für sich sprechen lassen. Wer die Bilder in höherer Auflösung anschauen möchte, der kann sie einfach anklicken. Dann gelangt man zu flickr.com, wo man sie auch als Diashow ansehen kann.
Morgen geht es weiter in Richtung Las Vegas und am 30. Mai dann wieder zurück nach Deutschland.