La Palma – Tag 7

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Es ist Halbzeit, wir ächzen unter der gnadenlosen Sonne und daheim in Deutschland zieht eine Gewitterfront nach der Anderen durchs Land – verrückte Welt. Nach den vielen Stunden die ich gestern Auto gefahren bin, wollte ich heute mal kurz hoch zu den beiden Vulkanen die hier direkt um die Ecke sind. Aber dann brannte uns beim Frühstück schon so sehr die Sonne auf den Kopf, dass wir jetzt einfach nur in der kühlen riesig großen Lobby sitzen und ein wenig im Web surfen. Irgendwo im Hintergrund dudelt „Bar Lounge Classics 7“ oder vielleicht auch 8 oder 9 – das klingt eh alles gleich. Das Stöbern im Web klappt am Morgen noch ziemlich gut, später am Abend sind hier viele Kids die mit Smartphone oder iPad alle gleichzeitig versuchen das coolste YouTube-Video zu finden. Dann ist hier voll die tote Internet-Hose angesagt, dann geht einfach nichts mehr. Also muss man die Zeiten nutzen in denen die Kids ihren „Morgenstreit“ mit Papa und Mama ausfechten…

In den letzten Tagen war es alles herrlich ruhig und es waren nicht übermäßig viele Gäste hier. Aber jetzt beginnt das 600-Betten Hotel aus allen Nähten zu platzen. Schon am Morgen auf dem Weg zum Frühstück (heute mal wieder draußen mit Blick auf das Meer) waren 75% der Liegen mit Handtüchern reserviert. Um 9h war es beim Langschläfer-Frühstück noch ganz übersichtlich, aber 30 Minuten später waren alle Plätze besetzt. Als ich gestern um kurz vor Mitternacht bei angenehmen 25°C meinen letzten Artikel gepostet habe, saßen nicht weit weg acht jugendliche Briten. Au Backe haben die einen Zauber veranstaltet. So ein Kichern und Gegröhle habt ihr im Leben noch nicht gehört, es sei denn, ihr habt schon mal den Ballermann auf Mallorca besucht…

Da trifft es sich gut, dass unser Hotelzimmer weit abgelegen ist, da hört man diese betrunkenen Jugendlichen nicht mehr und das ist auch gut so.

Gegen Mittag entschließen wir uns zu einer kleinen Tour nach El Remo. Das ist eigentlich gar nicht weit weg, ja schon fast zum Greifen nahe, aber dazwischen liegen ein paar hundert Meter Steilküste. Also muss man einen gewaltigen Umweg fahren, der mit etwa 60 Minuten Fahrzeit verbunden ist.

Später am Nachmittag habe ich ein wenig die Bananenplantage etwas nördlich unseres Hotels erkundet. Von dort aus hat man mit einem Teleobjektiv einen echt guten Blick rüber nach El Remo und man kann die kleinen wirklich authentischen Fischbuden dort unten am Meer sogar sehen. Dass die Fahrt mit dem Auto so lange dauert ist allerdings recht erstaunlich.

Am Mirador El Time haben wir vor ein paar Tagen ein kleines Gratis-Magazin gefunden. Dort sind viele schöne Restaurants auf dieser Insel verzeichnet. Gleich mittendrin findet sich das El Calamar. Wir machen uns gegen 12h auf die Reise und treffen um kurz nach 13h dort ein. Den Weg den Berg hinab habe ich mit meiner kleinen GoPro gefilmt und so werden wir von den Jugendlichen unten bei den Fischbuden ganz schön argwöhnisch beäugt. Unser Auto parken wir gleich neben der Fischbude. Unter den kleinen roten Sonnenschirmen sitzt man direkt am Meer. Nur ein paar Lavabrocken trennen uns und das Wasser. Es riecht ein wenig nach Meer, aber nicht aufdringlich. Es gibt leckeres kaltes Bier und frischen Fisch. Danach einen Barraquito, das Leben kann so schön sein 🙂

(Alle Fotos sind wie immer 1000 Pixel breit, einfach anklicken)

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Nach dem Essen laufen wir ein wenig am Strand herum und fotografieren alles was uns vor die Objektive kommt. Gegen 17h sind wir dann wieder am Hotel. Sandra will ein wenig im kühlen Zimmer liegen und ein Buch lesen das sie sich an der Rezeption ausgeliehen hat. Irgendeine Liebesgeschichte aus der alten Ritterzeit, nicht ganz mein Fall, aber sie verschlingt es regelrecht.

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Während Sandra liest fahre ich mit der D800E und der D300 in die „nördlichen Plantagen“. Das klingt fast ein wenig nach Jack Harper, ist aber viel weniger spektakulär. Aber es gibt ein paar schöne Ausblicke gen Nord-Westen. Unter der Steilküste sind einige nette Lava-Felsen im Meer. Die würden sich vor der Kulisse eines gewaltigen Sonnenunterganges sehr gut machen. Dann noch einen 8x Graufilter und eine hübsch lange Belichtungszeit, schnell wäre ein famoses Kitschbildchen geschossen.

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Auf einen Sonnenuntergang der nicht wieder genauso langweilig wie an den letzten Tagen ist mag ich heute aber nicht mehr hoffen. Warum habe ich eigentlich ein Tilt & Shift Objektiv dabei? Egal, geben wir der Sonne und den Wolken eine Chance, vielleicht klappt es ja morgen mit einem herrlich kitschigen Sonnenuntergang. Statt auf einen vielleicht ganz akzeptablen Sonnenuntergang zu lauern, hängen wir lieber im gekühlten Zimmer ab. Sandra liest in ihrem Ritter-Liebesroman und ich schaue mir die letzten Folgen von „Parenthood“ auf meinen Notebook an.

Irgendwann schaue ich kurz hoch und bin völlig überrascht,  dass sich ein paar niedliche kleine Wolken auf das Meer hinausgewagt haben. Aber jetzt ist es für schöne Fotos etwa 30 Minuten zu spät. Bis ich alles zusammen gepackt und mit dem Auto los gefahren bin ist das Schauspiel längst vorbei. Wirklich schade, da hat der Himmel endlich mal ein tolles Schauspiel zu bieten und ich verpasse die besten Minuten. Aber vielleicht kappt es ja „am achten Tag„. Das klingt übrigens wie eine Sequel der Schöpfungsgeschichte von Time Warner mit Liam Neeson und weiteren Göttern. Tatsächlich aber ist es ein sehr cooler belgischer Spielfilm über eine Freundschaft zwischen zwei Männern von denen einer das Down-Syndrom hat. Unbedingt mal anschauen, ggfs. in deutscher Synchronfassung 🙂

La Palma – Tag 5

Als wir am Morgen auf dem Weg zum Frühstück sind ereignet sich am Himmel etwas höchst bemerkenswertes. Wir sehen Wolken, endlich die heiß ersehnten fotogenen Urlaubswolken. Einen kurzen Augenblick überlege ich ob ich schnell zurück ins Zimmer soll um schon einmal einen Fotoapparat klar zu machen, aber der Hunger siegt. Während wir mit Blick auf das Meer frühstücken erwacht der Tag so richtig. Bei mir verhält es sich leider irgendwie umgekehrt. Nach dem Frühstück bin ich noch genauso müde wie zuvor, aber doch gewillt ein paar schöne Fotomotive zu suchen bei denen die überaus fotogenen Morgenwolken die Sahne auf den Fotos sein könnten.

Als wir das Restaurant verlassen muss ich dann zu meinem Entsetzen feststellen, dass es keine Wolken mehr gibt. Sie sind einfach weg, scheinbar hat die Sonne sie verdunsten lassen, oder der Wind hat sie hinfort geweht. Ich komme mir ein wenig vor wie Leonardo di Caprio in seiner Rolle als Howard Hughes. Insgeheim denke ich mir „Warum sieht das so scheiße aus? Wolken das ist es, wir brauchen Wolken!!!“ Doch im Film muss danach die gesamte Crew viele Monate warten bis sie ihre Fliegerschlacht vor einem hübsch locker bewölktem Fotohimmel drehen können. Mir schwant nichts gutes, wenn wir Pech haben wird es hier noch wochenlang keine Wolken geben und damit sind alle Motivvorstellungen die ich beim Reiseantritt im Kopf hatte nur noch Makulatur. Aber warten wir es mal ab, ändern kann ich es ja eh nicht…

Den Rest des Tages versuche ich am Pool zu verbringen. Aber immer wenn ich gerade eingeschlafen bin weckt mich irgendwas. Entweder hat Sandra Hunger oder ich werde hinterlistig mit kalten feuchten Wassertropfen bespritzt. Es ist grauenhaft und ich wünsche mit endlich wieder zurück im Büro sein zu dürfen. Endlich wieder normaaaale Leute!

Gegen 15h wird es unerträglich, ich muss weg von diesen Menschen die gerade alle im Urlaubsmodus sind. Die Hitze geht mir auf den Keks und ich freue mich darauf die Klimaanlage im Zimmer auf 110% zu stellen und mir auf dem Notebook ein paar Folgen von Parenthood anschauen zu können.

So vergeht der Tag ohne ein einziges Foto und am Ende werde ich mich gerädert fühlen, Kopfweh haben und völlig urlaubsreif sein.

Doch dann kommt alles anders…

Während wir beim Abendessen hoch oben über den Bananenplantagen auf das Meer hinaus schauen ziehen plötzlich zaghaft einige kleine Wolken vorüber. Vielleicht sind es die Wolken die wir schon am Morgen gesehen haben. Es könnte sein, möglicherweise haben sie sich hinter dem Sonnenschein versteckt, wer weiß das schon… Ist ja auch egal, denn nun sind sie endlich da die lang erwarteten dekorativen Fotowolken. Da heißt es nichts wie los und das Fotogerät startklar machen. Sandra schnappt sich ihre Nikon D5100 und ich greife mir die auf Infrarot 830nm umgebaute Nikon D300. An die D300 setze ich schnell eines meiner Lieblingsobjektive, das supergute AF-S VR 16-85mm. Mit halb vollem Akku und frisch formatierter 16GB Speicherkarte geht es auch Motivsuche in unserer Hotelanlage. Eigentlich könnte man auch schnell zum kleinen Strand etwas weiter südlich fahren. Aber ich habe schon etwas Bier getrunken und vielleicht sind wird dann zu spät. Während die Sonne immer tiefer steht schieße ich viele viele Fotos dieser großen Hotelanlage. Gekniet, gebückt, stets darauf bedacht Symmetrien und Spiegelungen und diagonale Linien einzufangen.

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Erster Praxisttest mit Rokinon 3,5/24mm Shift & Tilt

Kurz bevor die Sonne komplett verschwindet geht es im Laufschritt zurück zu unserem Zimmer. In Windeseile wird das nagelneue noch nicht wirklich ausprobierte Rokinon 3,5/24mm Shift & Tilt Objektiv an meine Nikon D800E montiert. Schnell noch das neue Bilora-Stativ darunter geschraubt, der Kabelauslöser eingesteckt und schon geht es wieder los. Die 64GB UDMA-Speicherkarte wird unterwegs formatiert.

Die kleine Runde die ich am ersten Abend mit meiner kleinen Nikon 1V1 hier gedreht habe kommt mir jetzt zugute. Steht man unter Zeitdruck weil etwas geschieht was aus Superman nicht aufhalten könnte, so ist es mehr als praktisch wenn jeder Handgriff sitzt und man genau weiß wo man sein Stativ aufstellen möchte.

Während ich zu „meiner Location“ haste muss ich daran denken wie ich im Jahr 2009 mitten in der Nacht aufgestanden bin um am Dead Horse Point in Utah einen grandiosen Sonnenaufgang über dem Canyonlands Nationalpark zu fotografieren. Damals wußte ich nicht genau wohin und statt schöne Fotos zu machen, bin ich damals auf der Suche nach dem „besten Punkt“ verschwitzt durch die Gegend geirrt und habe das weshalb ich so früh aufgestanden war im wesentlichen verpasst.

Heute passiert mir das nicht, jetzt sitzt jeder Handgriff, denn ich habe mir dem neuen Rokinon Shift & Tilt Objektiv schon einige „Trockenübungen“ absolviert.

Mit der D800E nehme ich Belichtungsreihen zu je 5 Bildern auf, als Unterschied zwischen den Bildern stelle ich eine Blende (1.0 EV) ein. Außerdem wird der RAW-Modus aktiviert (was sonst) und die Spiegelvorauslösung eingeschaltet. Am Objektiv wähle ich Blende 11. Die Belichtungsautomatik wird abgeschaltet, ich stelle zunächst 1/250s und ISO-100 ein. Ein paar Minuten später dann 1/125s, später 1/60s und schließlich 1/15s. Um diese Werte „herum“ produziert das Bracketing dann jeweils zwei über- und zwei unterbelichtete Bilder. Später öffne ich dann jeweils alle 5 Bilder einer ausgewählten Belichtungsreihe gleichzeitig in Photoshop CS6. Das korrekt belichtete Foto korrigiere ich so, dass es mir gefällt. Den Chip der D800E habe ich am Morgen noch geputzt, aber es ist trotzdem ein einzelner kleiner Krümel zu sehen. Dieser lässt sich aber mit dem RAW-Konverter sehr einfach entfernen. Alle Einstellungen werden danach auf die restlichen 4 Bilder übertragen. Nun werden alle 5 Bilder „richtig“ geöffnet und als JPG-Dateien mit niedrigster Komprimierung gespeichert und geschlossen.

Nun kommt die HDR-Verarbeitung, dazu werden alle 5 JPG-Dateien wieder geöffnet und zwar über File -> Automate -> Merge to HDR pro. Photoshop erzeugt nun automatisch ein bereits sehr ansprechendes HDR-Bild. Anschließend wird an den vielen Reglern so lange geschoben bis mir das Ergebnis gefällt.

Hier habe ich nun mein erstes HDR für Euch, das ich mit dem Rokinon 3,5/24mm Shift & Tilt und der Nikon D800E aufgenommen habe. Die Bilddatei habe ich auf 1920 Pixel Seitenlänge verkleinert. Wer mag kann sie sich ja als Hintergrundbild auf seinem Computer einrichten und sich fortan auf seine eigene Reise nach La Palma freuen 🙂

Nikon D800E - Rokinon 3.5/24mm Shift & Tilt

So geht dann ein Tag dann doch noch relativ euphorisch zu Ende, der so ganz anders begonnen hatte. Letztlich war es heute auf La Palma wieder richtig schön. Langsam aber sicher haben die Insel und ich begonnen uns miteinander anzufreunden. Na schauen wir mal was daraus noch wird…

La Palma – Tag 4

Wie an den Tagen zuvor schlafen wir nicht wirklich gut, die Umgebung ist ungewohnt und es ist uns beiden einfach alles viel zu warm. Mit eingeschalteter Klimaanlage gibt es am nächsten Morgen Kopfschmerzen, ohne Klimaanlage ist es stickig und warm, mit geöffneter Balkontüre blenden die Lampen der Beleuchtung des Gehweges vor unserem Zimmer. Kurzum, wir sind zwei richtig deutsche Miesepeter 🙂

Nach dem ausgiebigen Frühstück brechen wir dann aber doch auf in Richtung Los Llanos. Diesmal sind wieder alle Kameras dabei, das volle Programm. Und die kleine GoPro HD Hero 1080 klebt seitlich am Auto. Eigentlich wollen wir über die westliche Flanke hoch zum Observatorium fahren. Kurz hinter Los Llanos müssen wir dazu eine recht beeindruckende Schlucht durchqueren. Doch in Los Llanos holt uns das ein was hier hier bislang eher vermisst haben, dort gibt es städtisches Leben! Und es gibt natürlich Verkehrschaos und selbiges bricht so unerwartet über uns herein, dass wir irgendwann in einem etwas ranzigen Stadtteil landen. Wir sind total falsch, statt den Barranco zu durchqueren, sind wir  deutlich überhalb zwischen ziemlich heruntergekommenen Häusern in einer engen Gasse. Da hilft nichts, nun muss das GPS doch noch ran… Gefühlte 5 Minuten später klebt mein Garmin Colorado 300 an der Frontscheibe. Und einige Minuten später hat es von Königswinter bei Bonn auch schon den Weg nach Los Llanos gefunden!!! Mit Unterstützung durch das GPS geht es recht zügig weiter. Wir fahren immer weiter auf der LP1 in Richtung Norden. An einer Gabelung geht es rechts ab auf etwas abenteuerlichen Pfaden bis hinauf zum Observatorium. Dort staunen wir nicht schlecht, dass es dort einen Schlagbaum gibt und dass ein Schild gleich daneben verkündet, dass hier gegen 20h am Abend Schluss ist! Danach gehören diese eindrucksvollen Hügel den Wissenschaftlern und Sternguckern und die wollen keine „Lichtverschmutzung“ durch Autoscheinwerfer – kann man ja auch verstehen….

Am Roque de los Muchachos auf etwa 2.400 Metern angekommen, finden wir einen kleinen Parkplatz. Die Sonne brennt mit satten 30°C auf unsere Hirne nieder. Da ist es gut, dass ich mir vor der Abreise noch schnell ein witziges kleines weißes Hütchen gekauft habe.

Mit der auf Infrarot 830nm umgebauten Nikon D300 erkunde ich etwas die Gegend rund um diesen tollen Aussichtspunkt. Es gibt sogar noch zwei weitere Aussichtspunkte. Die Wege sind sehr gut befestigt und es macht wirklich Spaß hier oben auf Motivsuche zu gehen. Auch kann ich endlich einmal so richtig von oben in die Caldera de Taburiente hineinschauen. Wer dies tut versteht sofort, warum es dort an vielen Stellen auf der Landkarte weder Straßen noch Wanderwege gibt. Diese Caldera ist ein gewaltiges Loch das über die Jahrtausende hinweg von Wind und Wetter ausgespült wurde. Früher war hier mal ein mächtiger Vulkan, übrig geblieben sind jedoch nur schroffe Felswände mit interessanten Details. Für Geologen sollte das ein echtes Eldorado sein.

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Nach einigen Fotos mit dem Nikon AF-D 2.8/10,5mm tausche ich es gegen das supergute AF-S VR 16-85mm. Und weiter geht es…

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In der Ferne kann man Teneriffa und den Pico del Teide sehen. Mit der D800E geht er fast völlig im Dunst unter, aber die Infrarot-Kamera arbeitet hier erstaunlich viele Details heraus!

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Nach meiner infraroten Fotosession geht es zurück zum Auto. Endlich wird auch die tolle Nikon D800E mal ausgepackt. Ein kleines wackliges altes Stativ habe ich auch im Kofferraum. An der D800E ist das famose AF-S 2.8/24-70mm. Ich schraube noch schnell einen Polfilter daran und schon geht es los. Immer wieder stelle ich die D800E hier und da auf und laufe anschließend daran vorbei. So entstehen einige kleine Video-Schnipsel die ich nach der Reise gern in meinem Reise-Video verarbeiten möchte. Später werde ich feststellen, dass ich davon eigentlich nichts werde verwenden können, weil ich in den letzten Monaten einfach entsetzlich dick geworden bin. All das Kantinenfutter und die doppelten morgentlichen Schoko-Croissants haben deutlich sichtbare Spuren hinterlassen und das sieht einfach nur schrecklich aus… Viele Fotos entstehen allerdings auch nicht, denn das schöne AF-S VR 2.8/70-200 ist noch im Kofferraum unseres Mietwagens und ich mag einfach nicht ständig hin und her laufen um der Reihe nach unterschiedliche Objektive zu holen. Wie einfach ist das doch das Leben mit der kleinen süßen Nikon 1V1…

Je mehr ich damit fotografiere umso mehr verfluche ich das Gewicht der D800E mit allen Objektiven und weiterem Schnickschnack. Ok, sie erzeugt drastisch gutes Bildmaterial bei 3,6-facher Auflösung im Vergleich zur Nikon 1V1. Aber mal ganz ehrlich, brauchen tut man diese gewaltigen Bilddateien nur in den seltensten Fällen. Fotografiert man intensiv mit der D800 bzw. der D800E so ist die Bewältigung der enormen Datenmengen die diese Kameras produzieren eine echte Herausforderung. Und in den meisten Fällen, wird man die erzielbare Bildqualität gar nicht brauchen.

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Ich selbst präsentiere den überwiegenden Teil meiner Fotos ausschließlich im Internet. Gelegentlich verkauft sich mal ein Foto in einem Format, für das man 12 Megapixel oder mehr benötigt. Aber das sind echte Ausnahmen. Für mich selbst habe ich schon lange keine großen Prints mehr angefertigt, denn inzwischen sind einfach alle Wände zugepflastert, so dass da einfach kein Platz für neues extrem hochauflösendes Bildmaterial mehr ist.

Nach der Heimkehr werde ich mir wohl noch ein oder zwei weitere Objektive für die Nikon 1V1 kaufen und mich auf den nächsten Fototouren am geringen Gewicht und der trotzdem brauchbaren Qualität dieses Kamerasystems erfreuen. Vielleicht dürfen dann auch mal wieder die tolle Nikon Fm3a oder eine Hasselblad in den Fotorucksack. Im heimischen Kühlschrank liegt ja noch soooo viel Filmmaterial 🙂

Nach etwa zwei Stunden ist unsere Fotosesssion beendet. Nicht weil wir alles fotografiert hätten, sondern weil es wegen der Hitze und der Sonneneinstrahlung einfach nicht mehr geht. Eine Stunde länger und wir beide hätten an allen unbedeckten Hautpartien einen Sonnenbrand der sich gewaschen hat. Hier oben sollte man viel Sonnencreme verwenden und sie ordentlich dick auftragen.

Für den Rückweg wählen wir die LP2 die uns hinab nach Santa Cruz im Osten der Insel führt. Zwischendurch lade ich mit dem 12-Volt Adapter, der eigentlich für das Garmin GPS gedacht ist, die schlappe Batterie in meiner GoPro wieder etwas auf. Nach ca. 30 Minuten ist die GoPro dann relativ fit und schafft es tatsächlich fast den kompletten Heimweg zu filmen. Am Ende des Tages werde ich mehr als 28 Gigabyte Videomaterial mit der GoPro eingesammelt haben. Dazu etwa 300 Infrarot-Fotos aus der D300. Zusätzlich noch etwa 30 Fotos aus der D800E und einige Video-Sequenzen die ich mit der D800E und der Panasonic HC-X909 aufgenommen habe.

Zurück im Hotel bin ich ziemlich erledigt und kann mir nur schwer vorstellen eine solche Mördertour gleich am nächsten Tag erneut zu starten. Auch muss ich sagen, dass der Süden der Insel im Vergleich zur „Mitte“ und dem „Norden“ aus fotografischer Sicht eher langweilig ist. Doch um die guten Motive im Norden der Insel zu finden ist eine tägliche Anreise von unserem Hotel eine echte Strapaze. Sollten wir diese schöne Insel irgendwann ein weiteres Mal besuchen, so werden wir uns vielleicht ein anderes Hotel aussuchen, das für Exkursionen zu den guten Foto-Locations günstiger gelegen ist.

Auf Teneriffa ist das eigentlich kein Ding, dort kann man fast überall wohnen und ist in der Regel relativ schnell dort wo man gut fotografieren kann. Im Unterschied zu La Palma wird dies auf Teneriffa aber durch den sehr gut ausgebauten Autobahnring möglich. Hier auf La Palma gehen die Uhren hingegen gründlich anders. Wer hier vom äußersten Süden in den fotografisch reizvolleren Norden der Insel will, der muss sich auf eine lange kräftezehrende Tour mit vielen hundert Kurven einstellen!

Auch ist der Hochsommer wohl keine wirklich geeignete Jahreszeit für schöne Fotos. Der Himmel ist meist langweilig blau, es ist heiß und schöne Sonnenaufgänge und Untergänge sind eher der Ausnahme.

So werden wir wohl in ein paar Tagen mit schwarz verkohlten Nasenspitzen und einer sehr überschaubaren fotografischen Ausbeute zurück kehren. Aber vielleicht sind wir im Gegenzug perfekt erholt und total relaxt – schauen wir mal. Morgen werden wir wohl einen faulen Tag am Pool verbringen und nicht wieder acht Stunden mit dem Auto durch nicht enden wollende Kurven fahren.

Nikon 1 V1 – Erste Testbilder

In meinem letzten Artikel habe ich ja schon erwähnt, dass ich seit zwei Tagen auch mit einer Nikon 1 V1 fotografieren kann. Kurz nach der Vorstellung dieser Kamera haben mich immer wieder YouTube-Abonnenten und BLOG-Leser gefragt, ob ich nicht auch mal ein Video oder einen Artikel zur Nikon 1 erstellen kann. Trotz mehrerer Anfragen war ein Testexemplar leider nicht zu bekommen. Und angesichts des anfangs noch sehr hohen Preises habe ich den Kauf dieser Kamera nicht in Erwägung gezogen.

Vor ein paar Tagen konnte ich sie im Bonner Cityfotocenter mal genauer unter die Lupe nehmen. Aber der Kaufpreis von 359,- Euro hat mich immer noch nicht überzeugt. Am Pfingstsonntag fiel mit dann ein Angebot bei amazon.de ins Auge. Für nur 270,- Euro gab es da eine Nikon 1 V1 mit 10-30mm Zoom-Objektiv. Die Kamera war ein praktisch unbenutztes Vorführexemplar, neuwertig und mit allem Zubehör, das war mir dann eine 1-Click Bestellung wert. Der Verkäufer hat sie noch am Pfingstmontag via Packstation versendet. Zwei Tage später habe ich eine DHL-Benachrichtigung erhalten, super – dachte ich…

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Am nächsten Tag war ich dann bei meiner Postfiliale in der Nähe von Mainz um das neue Schmuckstück abzuholen. Aber es war nicht dort. Ziemlich gefrustet und leicht verärgert bin ich am nächsten Tag ein zweites Mal zu dieser Postfiliale gefahren. Dort wurde ich mit den Worten empfangen „Ich habe ihr Päckchen nicht , wenn ich hier wäre hätte ich schon angerufen!“ „Können Sie nicht noch einmal schauen ob es nicht doch hier ist?“ „Nein das werde ich nicht, es ist nicht hier, wenn ich ihnen das sagen können sie mir das auch glauben!!!“ Sie wurde langsam zickig, ich auch… „Und was kann ich jetzt tun, gibt es ein Formular das ich ausfüllen muss?“ „Nein, sie können bei der Hotline anrufen, die Sendungsnummer haben sie ja!“ „Ok, jetzt soll ich versuchen diese Hotline zu erreichen und stundenlang in einer bescheuerten Warteschleife darauf warten, dass mir gesagt wird, dass mein Paket hier bei ihnen ist? Ist es das was ich jetzt tun soll?“ „Mehr kann ich auch nicht tun!“

Total verärgert bin ich kurz darauf mit meinem Auto unterwegs zu meiner kleinen Mainzer Wohnung. Ein wenig habe ich die Hoffnung, dass einer der Nachbarn doch dieses Paket angenommen haben könnte. Laut DHL-Sendungsverfolgung sollte mein Paket aber bei der Postfiliale auf mich warten…

Fast angekommen, sehe ich einen DHL-Transporter wie er mir entgegen kommt. Schnell wende ich und nehme die „Verfolgung“ auf. Der Transporter fährt zur Postfiliale in der ich schon mehrfach war und in dem mein Paket ja nicht sein kann. Auf dem Parkplatz schnappe ich mir den sehr netten Fahrer, zeige ihm meinen Benachrichtigungsschein und frage ihn was denn schief gegangen sein kann. Er durchsucht seinen Wagen, leider vergeblich. Er hat das Paket ausliefern wollen, daran kann er sich noch erinnern. Ich bitte ihn nochmals seine Kollegin zu bitten nach meinem Paket zu suchen. Leider wieder vergeblich, sie fertigt auch ihn wie einen kleinen Schuljungen ab. Der Fahrer rät mir mit allen Nachbarn zu sprechen, vielleicht hat es ein Nachbar entgegengenommen, nachdem er den Benachrichtigungszettel eingeworfen hat. „Das passiert ab und zu…“

Also fahre ich wieder zurück zu meiner kleinen Wohnung, als ich gerade aussteigen will klingelt mein Telefon. „Hallo, wir haben ihr Paket gefunden…“ verkündet mir da eine etwas kleinlaute weibliche Stimme. Also wieder rein ins Auto und wieder zurück. Dort kommt mir schon der DHL-Bote mit einem recht großen Paket unter dem Arm entgegen. Ihr war es wohl zu peinlich…

Gestern konnte ich dann endlich einen ersten kleinen Test mit der neuen Nikon 1 V1 unternehmen.

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Die Nikon 1 V1 und ihre „kleine Schwester“ die Nikon 1 J1, sind mit einem neu entwickelten CMOS-Bildsensor ausgestattet, der auf einer Grundfläche von 13,2 mm x 8,8 mm (Nikon bezeichnet dies als CX-Format) 10,1 Megapixel auflöst und eine Lichtempfindlichkeit zwischen ISO 100 und ISO 3.200 abdeckt (Boost bis ISO 6.400). Beide Kameras können Fotos sowohl im JPEG- als auch im RAW-Format aufnehmen. Im Serienbildmodus ist die Bildfolge ähnlich schnell wie bei einer Nikon D4.

Der neue Bildsensor verfügt über ein integriertes Hybrid-Autofokussystem mit extrem vielen Fokusmessfeldern: Bei Motiven in Bewegung aktiviert das System den Phasenerkennungs-AF mit 73 Messfeldern, bei unbeweglichen Motiven oder wenig Licht den Autofokus mit Kontrasterkennung und 135 Fokusmessfeldern. Ebenfalls neu ist Bildprozessor vom Typ Expeed 3, der über zwei Engines verfügt und Bilddaten mit bis zu 600 Megapixeln pro Sekunde verarbeiten kann. Damit gehören diese unscheinbaren Kameras zu den schnellsten Kameras der Welt! Nikon verspricht bis zu 60 Bilder pro Sekunde bei voller Auflösung. Videos können in Full HD aufgezeichnet werden. Während des Filmens können parallel Fotos in voller Auflösung aufgenommen werden, das ist richtig cool!!

Die Konstrukteure haben sich für diese neue Kamerageneration ein neues Sensorformat mit dem Namen CX ausgedacht. Das auch gern als Vollformat bezeichnete Format des Sensors bspw. der Nikon D800 ist so groß wie ein Diapositiv, dass man schon 1959 mit der Nikon F aufnehmen konnte. Sogenannte DX-Sensoren sind etwa halb so groß. Das CX-Format ist nochmals deutlich kleiner.

In der Wikipedia gibt es eine schöne Grafik welche die unterschiedlichen Chipgrößen sehr schön darstellt.

Sensorgrößen im Vergleich

Schauen wir mal die Größe von FX und CX im Vergleich an.

  • Nikon D800 – 35,9 mm × 24 mm = 861,6 qmm
  • Nikon 1 – 13,2 mm × 8,8 mm = 116,16 qmm

Rechnen wir mal nach: 861,6 / 116,16 = 7,417

Das Ergebnis ist schon krass, der Chip der Nikon 800 ist fast 7,5 fach größer als der Chip der Nikon 1. Schauen wir mal was das für die Anzahl der Pixel bedeutet.

  • Nikon D800 – 7.360 × 4.912 = 36.152.320 Pixel
  • Nikon 1V1 – 3.872 × 2.592 = 10.036.224 Pixel

Das sind dann:

  • Nikon D800 – 36.152.320 / 861,6 = 41.960 Pixel pro Quadratmillimeter
  • Nikon 1V1 – 10.036.224 / 116,16 = 86.400 Pixel pro Quadratmillimeter

Damit ist die Packungsdichte der Pixel bei der Nikon 1V1 um den Faktor 2,059 höher als beim bereits extrem dicht gepackten Chip der Nikon D800.

Haben viele Objektive bereits an der D800 (und noch viel mehr bei der D800E) Probleme diesen extrem hochauflösenden Chip wirklich auszureizen, so wird es bei einem Chip mit der doppelten theoretischen Auflösung so richtig eng. Ohne die allerbesten Objektive lassen sich mit diesen relativ kleinen Chips keine Bilder erzielen bei denen die Netto-Dateigröße annähernd der theoretisch möglichen Dateigröße entspricht.

Aber schauen wir mal wie sich die kleine Nikon bei den ersten Testbildern schlägt. Hier habe ich ein Testbild, das ich auf 1920 Pixel Kantenlänge verkleinert habe. Klickt es mal an und schaut kritisch drüber. Ich finde das Ergebnis ganz ansprechend und mehr braucht man für eine elektronische Präsentation aktuell eigentlich nicht.

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Schauen wir uns die obere Ecke genauer an. Hier zeigt das 10-30mm Zoom-Objektiv eine ganz leichte Chromatische Aberration – also Farbsäume an kontrastreichen Bildelementen.

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Weiter hin zur Bildmitte sind sie kaum noch sichtbar, jedoch ist ein leichtes Bildrauschen erkennbar. Aber es hält sich durchaus im Rahmen und sieht auch nicht fies aus.

Wer sich schon mit dem Scannen von Dias oder Negativen beschäftigt hat, der kennt den Effekt, dass man mit steigender Auflösung des Scanners irgendwann in Regionen kommt, in denen man die einzelnen Filmkörner immer besser hervorhebt, aber letztlich kein besseres Gesamtergebnis zu erzielen vermag. An dieser Stelle lernt man das Filmkorn zu hassen oder es zu akzeptieren. Ein Film besteht eben aus vielen winzigen Partikeln die mit Licht interagieren und bei der Entwicklung ihre Farbe bekommen. Schaut man ein traditionelles Stück Filmmaterial unter dem Mikroskop an, so gibt es keine stufenlosen Farb- und Helligkeitsverläufe. Alles was wir im Mikroskop sehen sind unterschiedliche helle Farbpartikel. Nur in ihrer Summe und mit einem gewissen Abstand betrachtet wird daraus ein Foto mit Farben und Helligkeitsverläufen.

Grundsätzlich ist es vollkommen korrekt, wenn ein digital aufgenommenes Foto ähnliche Strukturen aufweist, wie man sie von traditionellen Fotos kennt. Wer vom Chip einer Digitalkamera Bilder erwartet die keinerlei Korn aufweisen, der hat sich wahrscheinlich nie mit der traditionellen Fotografie beschäftigt und ist vielleicht auch nicht in der Lage ein Bild mit gewissem Abstand zu betrachten. Wer mit der Nase unmittelbar vor einem Monet oder Van Gogh herumschleicht, der wird dort Risse in der Farbe finden und die Strukturen von Pinsel, Farbe und Leinwand erkennen. Für mich ist nichts schlimmes daran, aber in vielen Fotografie-Foren wird dieser Effekt verteufelt. Viele Bilder werden inzwischen weniger nach Aussage und Inhalt beurteilt als vielmehr nach technischer Perfektion.

Wer diese Perfektion sucht, dem muss aber klar sein, dass sie bei einer Kamera die etwa 300 Euro kostet kaum erreichbar ist. Angesichts des Preises der Nikon 1 V1 geht für mich die Bildqualität mehr als in Ordnung.

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Hier habe ich einen 100% Bildausschnitt der mehr Struktur aufweist. Hier sehen wir, dass das kleine preiswerte Objektiv den extrem dicht gepackten Chip der Nikon 1 V1 tatsächlich weitgehend auszureizen vermag.

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Hier ein Foto das ich freihändig bei vollständig geöffneter Blende mit ISO-200 aufgenommen habe. Schaut man sich die Kopfzeile der Speisekarte an, so ist die Schrift fast noch erkennbar. Insgesamt ist die Abbildungsqualität überraschend harmonisch und detailreich. (Bild anklicken und in der 1000er Auflösung anschauen!!)

Nikon_1V1_Testimage_05_Available_Light

Den kleinen Pixel des Chips der Nikon 1 V1 habe ich keinen wirklich hohen Dynamikumfang zugetraut. Aber tatsächlich schlägt sich dieser kleine Chip recht tapfer und vermag selbst krasse Helligkeitsunterschiede recht gut abzubilden. Überraschend selten sind helle Lichter völlig ausgefressen und dunkle Bildbereiche einfach nur noch schwarz.

Nikon_1V1_Testimage_06_Dynamic_Range

Um extreme Helligkeitsunterschiede in den kleinen Farbraum einer JPG-Datei pressen zu können, haben sich die Nikon Software-Ingenieure schon vor einigen Jahren das sogenannte „Delithing“ ausgedacht. Es funktioniert ähnlich wie ein Tonemapping. Helle Bildbereiche werden etwas abgedunkelt und dunkle Bereiche etwas aufgehellt. Das Ergebnis ist oft ein etwas homogenerer Bildeindruck.

Hier habe ich für Euch ein Bild als „Original-JPG“ einer RAW-Datei gegenübergestellt die ich mit Photoshop CS-6 konvertiert habe. Achtet mal auf die Unterseite der Bäume rechts im Bild. Diese sind im JPG sehr schön dargestellt. Alles in allem erstellt die Nikon 1 V1 überraschend gute JPG-Dateien. Selbst mit einer aufwändigen RAW-Entwicklung wird man hier nur selten noch bessere Bildergebnisse erzielen.

Nikon_1V1_Delithing_vs_RAW

Auf der Suche nach bösen Moiré-Mustern habe ich diverse kleinteilige Fassaden aus unterschiedlichen Perspektiven fotografiert. Aber die Moiré-Muster halten sich in Grenzen. Im folgenden Bild habe ich es geschafft ein sichtbares Moiré-Muster zu erzeugen. Normalerweise wird man solche Effekte aber nicht sehen.

Nikon_1V1_Testimage_03_Moiree

Kameras mit extrem kleinen Chips wird nicht zu unrecht vorgeworfen, dass die Bildgestaltung aufgrund der großen Tiefenschärfe eingeschränkt wird. Freunde selektiver Schärfe haben es mit kleinen Chips und den damit zwangsläufig verbundenen kurzen Brennweiten der Objektive, tatsächlich nicht so leicht. Aber es geht, wie das folgende Bild beweist. Wer mit einer CX-Kameras mit selektiver Schärfe arbeiten möchte, der muss versuchen die bildwichtigen Motivelemente möglichst nah an die Kamera zu holen. Ist der Hintergrund dann etwas weiter weg, so ist sogar mit der Nikon 1 V1 eine brauchbare Hintergrundunschärfe realisierbar.

Nikon_1V1_Testimage_02

Die Nikon 1 V1 bietet einen einzigartige Aufnahmemodus. Diese Kamera kann (wenn man es will) gleich 5 Bilder machen wenn man einmal den Auslöser drückt. Die Software kann bei der JPG-Entwicklung Gesichter erkennen und dann automatisch ein Bild auswählen, auf dem möglichst viele Gesichter lächeln und möglichst wenige Augen geschlossen sind.

Hier habe ich dieses Feature an einem Motiv ausprobiert in dem niemand lächelt. Tatsächlich hat die Kamera das zweite Bild dieser Serie als das „Beste Bild“ vorgeschlagen. Wie dieses Ergebnis erzielt wurde ist mir allerdings unklar 🙂 Aus den 5 Einzelbildern habe ich hier für Euch eine kleine Montage erstellt. Hier könnt Ihr sehen wie schnell diese Kamera einen Zug ablichten kann der mit etwa 100 km/h an mit vorbei gebraust kam.

Nikon_1V1_Speedtest

Beim Überqueren des Bahnübergangs habe ich noch ein schnelles Testbild aus dem Handgelenk schießen können. Dieses Foto habe ich hier in voller Originalgröße eingebunden. Einfach anklicken und in einem neuen Tab öffnen 🙂

Nikon_1V1_Testimage_01

Fazit

Die Nikon 1 V1 fühlt sich überraschend gut an. Das Gehäuse ist hochwertig verarbeitet, der elektronische Sucher liefert ein tolles helles Bild, dass man fast mit dem Sucherbild der Nikon D7100 oder ähnlichen Kameras vergleichen kann. Die Bildqualität kann nicht mit der Nikon D800E konkurrieren, aber das habe ich auch nicht erwartet. Die Bildfolge ist hoch und sehr gut gefällt mir, dass diese Kamera das gleiche Akku-System wie die Nikon D7000, D7100 oder auch die D800 verwendet.

In den nächsten Tagen wird die Nikon 1 V1 zeigen können was sie im Video-Modus zu bieten hat. Außerdem wird es einen Bericht über die Erfahrungen mit dem FT-1 Bajonett-Adapter geben. Dieser Adapter ermöglicht den Anschluss „normaler“ moderner AF-S Objektive an die Nikon 1. Sehr gespannt bin ich auf die Bildergebnisse mit dem Nikon AF-S VR 4/200-400mm.

Bedingt durch das neue CX-Format ist die Diagonale des Chips um den Faktor 2.7 kleiner als beim FX-Format. (Siehe hierzu auch: Satz des Pythagoras) Aus einem 400mm Teleobjektiv wird mit dem FT-1 Adapter an der Nikon 1 V1 ein sagenhaftes 1080mm Objektiv!

Es bleibt also spannend. Wenn Ihr besondere Testbilder sehen wollt oder Fragen habt, dann schreibt das einfach weiter unten in die Kommentare oder schickt mir eine E-Mail: Ansgar.Hillebrand@googlemail.com

Nikon D800E – Fazit nach dem ersten Jahr

Nikon D800E - Nikon AF-S VR 4/16-35mm

Als Nikon im Vorfeld der CES in Las Vegas im Februar 2012 die neue Nikon D4 und die D800 bzw. D800E ankündigte hat dies die Nikon-Welt ziemlich durchgerüttelt. Die Nikon D4 ist mit 11 Bildern/Sekunde DIE pfeilschnelle Maschine für alle Sportfotografen dieser Welt. Nie zuvor hat es eine derart schnelle digitale Spiegelreflexkamera gegeben. Mit der D4 entgeht einem geübten Sportfotografen nun praktisch (fast) nichts mehr.

Im Vergleich zur D4 sind die 4 Bilder/Sekunde der D800/D800E eher „gemächlich“ – aber diese Kamera hat andere Qualitäten. Befürchtungen, dass die Dynamik des neuen Chips  aufgrund der winzigen Pixel sichtbar gering ausfallen könnte, haben sich nicht bestätigt. Und die ISO-Performance liegt auf dem Niveau der bereits sehr guten Nikon D700. Verkleinert man die Bilder aus der D800 auf das Format der Fotos die man mit einer D700 machen kann, so hat die D800 bei der ISO-Performance sogar die Nase vorn.

Haben anfangs noch viele Fotografen, die mit sündhaft teuren Mittelformatkameras arbeiten, die Nase über die neue D800 bzw. D800E gerümpft, so nehmen viele von ihnen diese neue Kamera inzwischen sehr ernst. Zwar kann auch die D800E trotz aller Innovation nicht mit einem 10-fach teureren Mittelformat-Rückteil mithalten, aber für die allermeisten Produktionen liefert sie genau die Auflösung die für einen überaus detailreichen hochwertigen Fine-Art-Print im Format bis etwa 150x100cm notwendig ist.

Selbst der international renommierte Fotograf Tom Till aus Moab in Utah lässt inzwischen seine Großformat-Kamera daheim und geht mit einer Nikon D800E und einigen Objektiven auf Fototour.

Ich selbst habe meine Nikon D800E im Februar 2012 im Bonner Cityfotocenter bestellt und musste tatsächlich bis zum Juni 2012 warten, bis das gute Stück endlich lieferbar war. Wer es noch nicht kennt, der kann in diesem Video sehen, welche Freude mir der „Tag der Abholung“ dieser tollen neuen Kamera gemacht hat.

Sehr cool war es, als ich am letzten Samstag wieder einmal im Bonner Cityfotocenter stand und plötzlich einer der anderen Kunden zu mir sagte „Hallo, Du kennst mich nicht, aber ich kenne Dich!“. So habe ich Dominic aus St. Augustin kennengelernt. Er hatte das Video gesehen, das ich oben verknüpft habe und war im Cityfotocenter um sich mal eine Nikon D800 „live“ anzuschauen. Leider war kein Exemplar vorrätig, denn angesichts der harten Konkurrenz von amazon, ebay & Co. macht es in Verbindung mit dem rasanten Preisverfall für die meisten Fotogeräte keinen Sinn sie „auf Halde“ zu kaufen. Dominic muss sich also ein „Ansichtsexemplar“ erst bestellen. Aber was soll ich sagen, ich musste ja auch viele Monate warten 🙂

Heute ist der 24. Mai 2013 und ich habe diese Kamera jetzt fast ein Jahr lang viel intensiv genutzt. Und wie lautet mein Urteil?

Die Nikon D800E ist für mich die „ultimative Fotografiermaschine“. Nie zuvor hatte ich eine Kamera in der Hand deren Software und Bedienung so durchdacht und so praxisnah ist. Die Verarbeitungsqualität ist über alle Zweifel erhaben und die Bildqualität lässt meiner Meinung nach keine Wünsche offen. Diese Kamera ist einfach gut und macht echt viel Spaß!

Wenn mich jemand fragt welche Kamera ich ihm empfehlen würde, dann kommt meist sehr schnell das Gespräch auf die D800 bzw. die D800E. Diese Kameras kann ich uneingeschränkt jedem Fotofan empfehlen, der mit 4 Bildern/Sekunde leben kann. Wer eine schnelle Kamera braucht, der ist im preiswerten Segment mit der Nikon D7000 bzw. der neueren Nikon D7100 sehr gut bedient. Wenn es „unbedingt Vollformat sein soll“, dann sind auch die D600 und auch die ältere D700 wirklich großartige Kameras. Die absolute Powermaschine für Action und hohe ISO-Werte ist jedoch weiterhin die Nikon D4. Aber diese Kamera ist eben auch extrem teuer und Hand auf’s Herz – für die meisten Fotoamateure ziemlich „Over the top“.

Womit wir beim wichtigsten Thema sind. Nicht jeder Fotoamateur braucht eine reinrassige Profikamera. Die wenigsten Amateure fotografieren ständig bei Kunstlicht ein Basketballspiel mit ISO 6400 und wer muss schon einen Redakteur oder Galeristen tagtäglich mit atemberaubenden  Fine-Art-Prints beglücken?

Alle jene die damit klarkommen mit einer „kleinen Amateurkamera“ durch die Gegend zu wandern können überlegen, ob sie nicht einen preiswerteren Kamerakorpus erwerben und das gesparte Geld in sinnvolles Zubehör investieren. Dann ist noch die Frage DX oder FX zu klären. Schaut man sie die Bildqualität der Nikon D7100 genau an, so lässt auch diese Kamera praktisch keine Wünsche offen. Sie kann alles was man sich wünschen kann und das zu einem sehr moderaten Preis. Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist die Preisdifferenz zwischen DX und FX Objektiven. Zum Preis einer Nikon D4 mit EINEM AF-S 2.8/24-70mm bekommt man eine Nikon D7100 mit perfekten Objektiven zwischen 8 und 400 Millimetern Brennweise, dazu mehrere SB-910, Softboxen, Stative, Fotorucksäcke und ein schönes Notebook ist auch noch drin… Würde man all das in Profiqualität inkl. einer D4 erwerben, so kostet diese Fotoausrüstung schnell bis zu 20.000 Euro und mehr.

Besonders für Fotoamateure die gerade in dieses Thema einsteigen ist eine gute DX-Ausstattung meiner Meinung nach mehr als sinnvoll. Mit dem gesparten Geld kann man Workshops bezahlen, sich in Fotostudios einmieten, Models engagieren, schöne Fotoreisen machen und letztlich die besseren Fotos schießen. Für alle die nicht gerade im Geld schwimmen ist eine komplette teure Profiausrüstung aufgrund der finanziellen Belastung eher ein Fluch als ein Segen – meine Meinung.

Während der Zeit in der ich der Lieferung meiner Nikon D800E entgegen gefiebert habe hatte ich die Hoffnung, dass diese neue Kamera „mein Leben verändern wird“. Heute fast ein Jahr später muss ich sagen, dass ich die Erwartungen an diese neue Kamera überbewertet habe. Mein Leben ist auch mit der D800E eigentlich genauso wie zuvor. Meine Fotos sind nicht wirklich anders oder besser geworden und der Spaß am Fotografieren verharrt auf dem gleichen (hohen) Niveau. Klar ist die D800E eine „Überkamera“ aber kann ich ihr Potential wirklich ausschöpfen?

Damit ich mich mit meiner Nikon D800E so richtig austoben kann, habe ich ein neues Notebook gekauft, dann noch etliche neue externe Festplatten um die gewaltigen Datenmengen speichern zu können. Außerdem neue größere stabile Stative, neue Objektive, das alles war echt kostspielig und spätestens seit dem Kauf der Fuji X100 bleibt diese teure schwere Ausrüstung immer wieder daheim zurück, während ich mich mit einem 23mm Objektiv und einem Chip im APS-C Format vergnüge.

Wenn Ihr also gerade so drauf sein solltet wie ich vor einem Jahr:

Bleibt ruhig und lasst Euch von der tollen Werbung nicht verrückt machen! Gute Fotos entstehen seit fast 200 Jahren und diese Bilder entstehen weniger in einer Kamera, als vielmehr in einem kreativen Kopf. 

Die Bildqualität der D800E

Für all jene die ich jetzt noch nicht verschreckt habe, gibt es nun einige Testfotos aus meiner D800E in voller Auflösung – einfach die Vorschaubilder anklicken (und warten bis die 10MB großen Bilder geladen werden…).

Nikon D800E - Example - Beispiel - Nikon AiS 2.8/55mm

Nikon D800E - Example - Beispiel - Nikon AiS 2.8/55mm

Nikon D800E - Example - Beispiel - Nikon AiS 2.8/55mm

Nikon D800E - Example - Beispiel - Nikon AiS 2.8/55mm

Nikon D800E - Example - Beispiel - Nikon AiS 2.8/55mm

Nikon D800E - Example - Beispiel - Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm

Nikon D800E - Example - Beispiel - Nikon AiS 2.8/55mm

Nikon D800E - Example - Beispiel - Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm

Nikon D800E - Example - Beispiel - Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm

Nikon D800E - Example - Beispiel - Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm

Hier eine „Videokostprobe“ aus meiner Nikon D800E. Das Intro stammt aus einem HTC Desire HD Smartphone, die Szenen im Schmetterlingsgarten und bei der Paisaje Lunar habe ich mit der D800E gefilmt. Alles andere ist mit einer Panasonic HC-X909 gefilmt oder mit einer auf Infrarot 830nm umgebauten Nikon D300 fotografiert.

Fazit

Die Nikon D800E ist derzeit kaum zu schlagen. Abgesehen von der Serienbild-Geschwindigkeit, kann sie alles was man sich wünschen kann.

Doch trotz allem hat diese Kamera mein Leben viel weniger geändert als erwartet. In den 11 Monaten die ich diese Kamera benutzen durfte, habe ich wieder Spaß an der Benutzung billiger einfacher „Knipskisten“ gewonnen. Statt die „Überkamera“ einzupacken war oft die wunderbare Fuji X100 in einer sehr kleinen Fototasche. Machmal waren sogar meine geniale Nikon Fm3a oder die schnuckelige Nikon FA dabei. Aktuell freue ich mich auf eine ausgiebige Fototour mit meiner neuen Nikon F6!!!

Halten wir fest:

Für gute Fotos braucht man nicht unbedingt eine Nikon D800E. Aber wenn man eine hat, dann kann man damit wirklich gute Fotos machen. Doch diese Fotos entstehen nicht allein wegen der tollen Kamera, sondern genau dann wenn gutes Licht, interessante Motive und kluge Köpfe zueinander finden.

Ach ja, seit heute habe ich übrigens auch eine Nikon 1 🙂

Das Buch zum großen Fotoabenteuer

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