Teneriffa 12-2013 – Tag 14

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Es ist Freitag der 27. Dezember 2013 – Weihnachten haben wir ohne Stress hinter und gebracht und wir haben ein wenig die Hoffnung, dass es im Loro Parque heute nicht so extrem voll sein wird, schließlich ist es Freitag und es ist eher für den Samstag & Sonntag mit einem sehr großen Andrang zu rechnen. Doch als wir mit unserem Mini-Van viel zu spät gegen 12h mittags dort eintrudeln, sind bereits alle Parkmöglichkeiten ausgeschöpft. Recht weit weg in der Nähe des Maritim-Hotels ist ein Fußballplatz und dort könnte man parken. Als wir dort eintrudeln steht ein Typ in dunkelgrauer Hose mit braunem Pullover wild winkend auf der Straße und weist uns mit seinen Händen den Weg auf den Parkplatz. „Nicht der schon wieder…“ geht es mir durch den Kopf. Den Typen habe ich hier schon mehrfach gesehen und er ist ein selbst ernannter Parkwächter ohne Lizenz oder eine andere Form der Legitimation. Als wir aussteigen kommt er uns auch schon entgegen. Von den Spaniern die vor uns auf den Parkplatz gefahren sind will er zwei Euro, weil wir reiche Deutsche sind will er von uns 5 Euro. Ich bin ja bereit ihm etwas zu geben, denn zu genau habe ich die Geschichte meines Freundes Wolfgang im Ohr der ihm im letzten Jahr nichts gegeben hat und nach dem Besuch des Loro Parque sein Auto mit einem platten Reifen vorfand.

Da ich absolut keine Lust habe später am Abend an unserem Mietwagen eine Rad wechseln zu müssen, gebe ich ihm die 5 Euro. Er dreht sich um und ist weg. Ich rufe ihm hinter her „Hey Senor…“ Er kommt zurück und ich frage ihn nach einer Quittung. Nein, die will er mir nicht geben, aber er wird ein Auge auf unser Auto werfen. Ich will aber eine Quittung!! Er ist genervt und drückt mir die 5 Euro wieder in die Hand. Aber ich will keinen platten Reifen also gebe ich ihm die 5 Euro wieder zurück und frage nochmals nach ein Quittung. Er ist genervt und versichert, dass er auf das Auto aufpassen wird.

Mir wird das Spiel zu blöd und wir gehen einfach weiter. Der einzige vor dem man unseren Mietwagen hier beschützen muss ist meiner Meinung nach eben genau dieser Aufpasser. Insgeheim hoffe ich, dass der Mietwagen nach unserer Rückkehr keinen Plattfuß haben wird…

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Vor dem Loro Parque wird uns dann klar, dass es ziemlich blöd war in Ruhe auszuschlafen und erst so spät hier anzukommen. Die Schlange an den Kassen ist lang und bis ich meine 33,- Euro bezahlen darf dauert es fast 20 Minuten. Meine Sandra ist schneller drin, sie hat ein tolles Kombi-Ticket!

Im Loro Parque ist dann die absolute Hölle los. Alles wäre nicht so schlimm wenn nicht überall Kinder schreien und herumtoben würden. Wenn wir früher mit unseren Eltern im Zoo waren, wurden wir immer wieder ermahnt nicht zu schreien, zu rennen oder herum zu toben – aus Rücksicht auf die Tiere. Aber das Wort Rücksicht kennen moderne Eltern scheinbar nicht mehr und so dürfen Kinder heute einfach überall und jeder Zeit an die Scheiben klopfen die Tiere mit ihren Handys anblitzen und mir ihr Scheiß-Eis an die Hose schmieren und auf die Schuhe tropfen.

Es gibt Tage im Leben, da ist es schwer Kinder als einen Segen und eine Bereicherung für unser aller Leben zu empfinden…

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Meine große Nikon D800E mit allem Zipp & Zapp habe ich heute daheim gelassen. Statt dessen filme und fotografiere ich ausschließlich mit der Nikon 1 V1 und dem Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm. Zwischendurch kommt auch immer mal wieder der 1,7x Teleconverter dazwischen. So kann ich praktisch alles Getier wirklich schön groß abbilden und sogar während ich filme die Szenerie trotz des hellen Umgebungslichts im elektronischen Sucher kontrollieren. Mit der Nikon D800E wäre das kaum möglich. Zwar liefert die D800E eine noch etwas bessere Video-Qualität aber auf dem Display sieht man bei hellem Licht fast nichts und so ist es ohne weiteres spezielles Video-Zubehör manchmal kaum möglich vernünftig damit zu filmen.

Hier sind die kleinen Nikon 1 Kameras echt im Vorteil und aufgrund des kleinen Chips wird mein 70-200mm Telezoom zur 190 – 540mm Telekanone mit Blende 2,8. Nimmt man noch den Teleconverter dazu, so wird es richtig geil und alles mit einer Naheinstellgrenze von 150 cm!!!!

Gegen 17h will ich noch ein wenig bei den Gorillas und Schimpansen filmen. Aber es ist jetzt gar keine gute Zeit mehr. Die Sonne steht jetzt sehr tief und scheint von hinten auf das Glas der Gehege. So sind kaum noch schöne Aufnahmen möglich. Wer im Loro Parque schöne Aufnahmen der Schimpansen machen möchte, der sollte früh am Morgen als erster Gast vor den Toren des Parks stehen und sofort zu den Schimpansen durchmarschieren. So habe ich bislang immer schöne Fotos aufnehmen können. Heute bin ich ziemlich enttäuscht und ärgere mich ziemlich, dass wir nicht um 8h30 ohne Frühstück sofort zum Park gefahren sind.

Als wir gegen 18h an unserem Auto ankommen sind wir müde und ziemlich am Ende. Da freut es mich umso mehr, das an unserem Auto alle Reifen prächtig viel Luft haben und wir uns gleich auf den Heimweg zum Hotel machen können.

Später bei der Sichtung meiner „Beute“ bin ich ganz zufrieden, aber ich hatte nur knapp 5 Stunden und das ist eigentlich viel zu wenig. Außerdem habe ich beim Verlassen des Park vergessen mich für den „Zweiten Besuch“ zu registrieren. Das kostet nur 10,- statt nochmals 33,- Euro und ist ein echt gutes Angebot. Das ist ziemlich ärgerlich, denn ich mag diesen Park wirklich gern. Na, vielleicht besuche ich in den nächsten Tagen noch den Jungle Park (auch als Adler Park bekannt) in der Nähe von Arona im Süden der Insel. Dort gibt es eine sehr coole Flugshow und auch hier könnte die sehr coole Nikon 1 all ihre Stärken voll ausspielen. Na schauen wir mal…

Teneriffa 12-2013 – Tag 13

Der zweite Weihnachtstag beginnt wie alle Tage hier auf der Insel. Der Himmel ist etwas bedeckt und der Wellengang ist ein wenig stärker als sonst. Obwohl das Meer zwar in unmittelbarer Sichtweite aber dennoch etliche hundert Meter entfernt ist, kann ich das Donnern der Wellen hier oben ganz deutlich hören.

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Via Internet habe ich mir eine Trial-Version der Software Sandisk RescuePRO besorgt und damit versucht die defekten Dateien auf Sandras Speicherkarten wieder herzustellen. Nach etlichen Stunden musste ich dann aber feststellen, dass dieses Programm nur Dateien wiederherstellen kann die man versehentlich gelöscht hat. Wer also versehentlich seine Speicherkarte neu formatiert hat und noch keine neuen Bilder darauf abgelegt hat, der kann mit dieser Software die vermeintlich gelöschten Fotos wieder herstellen. Bei einer 32GB großen Speicherkarte dauert das Prozedere fast zwei Stunden. Im Profil des angemeldeten Benutzers wird danach ein Ordner mit dem Namen „Recovered“ angelegt. Dort gibt es Unterorder mit Zeitstempeln für jeden Wiederherstellungslauf. Da es die Trial-Version ist, kann man nur maximal 25 Dateien wiederherstellen. So enthält der Recovered-Ordner nach der langwierigen Aktion nur Dateien, die man ohnehin ganz normal anzeigen und abspielen konnte. Also versuche ich das System auszutricksen und lösche auf der Speicherkarte alle Dateien die wir sowieso schon kopiert haben und die völlig in Ordnung sind. Weitere zwei Stunden später hat das Programm dann aber genau dieses Dateien ein weiteres Mal gefunden. Wiederherstellen kann ich sie jedoch nicht, weil man mit der Trial-Version nur einmalig maximal 25 Dateien retten kann. Also war die mehr als vier Stunden andauernde Prozedur mehr als überflüssig. Wir werden die Speicherkarten mal mit heim nehmen und dort versuchen ob sich die beschädigten Dateien irgendwie reparieren lassen.

Sandra will gleich mit dem Bus in die Stadt fahren und dort endlich einmal das wunderschöne Schwimmbad besuchen das der Kanarische Künstler César Manrique hier im Jahr 1971 gestaltet hat.

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Ich werde mich wohl in meinen OPEL Meriva setzen und wieder einmal mit kompletter Fotoausrüstung samt GoPro auf der Suche nach schönen Motiven durch das Gebirge fahren.

>>Pause<<

Etwa eine Stunde später bin ich endlich startklar, während Sandra in den Bus nach Puerto de la Cruz einsteigt fahre ich mit meinem Mietwagen in Richtung La Esperanza in der Nähe von La Laguna im Norden der Insel. Im Gepäck habe ich so ziemlich alle Fotosachen die ich derzeit hier auf Teneriffa habe. Die Auffahrt zum Teide macht Spaß, unterwegs halte ich kurz an und befestige meine GoPro an der linken hinteren Seitenscheibe. Am Abzweig der in Richtung Südosten nach Güimar hinabführt ist dann die Straße gesperrt – arg… Die Schranken sind geschlossen und es stehen zwei Polizeifahrzeuge davor. Die zwei Autofahrer sind direkt vor mir fuhren stehen direkt vor der Absperrung und diskutieren mit den Polizisten. Ich habe darauf keine Lust, es käme mir sehr wahrscheinlich eh alles spanisch vor 🙂

Also biege ich nach links in Richtung Güimar ab. In diesem Ort gibt es mehrere kleine etwas seltsam anmutende Pyramiden, das Wahrzeichen dieses Ortes. Ich glaube sogar, dass Thor Hayerdahl diese Pyramiden in den 70er Jahren gefunden hat, ich sollte es mal nachschlagen… Oberhalb von Güimar halte ich am Seitenstreifen an und überlege was ich mit dem so jäh unterbrochenen Tag anfangen soll. Weil ich soviel Fotozeugs dabei habe, versuche ich mich an einem kurzen YouTube Video – ob es was geworden ist werden wir im nächsten Jahr sehen 🙂

Ganz witzig ist, dass ständig irgendwelche Autos hinter mir anhalten, die Leute aussteigen und sich wundern warum ich dort halte, wo es dort doch gar nichts außergewöhnliches zu sehen gibt. Ich glaube so beginnt „Schwarmintelligenz“ 🙂

Nachdem ich meine Spielereien abgeschlossen habe geht es hinab zur Süd-Autobahn und dann weiter bis Los Christians. Dort biege ich auf die TF-28 ab und fahre via Arona vorbei am Jungle Park und dem Camel Park über Vilaflor hinauf in die Canadas del Tiede. Die Fahrt ist wirklich schön, aber auch weit und anstrengend. Nach einem Umweg von fast 150 Kilometern bin ich um ca. 17h am südlichen Zipfel der Canadas del Teide. Ich nehme ein paar Fotos auf und filme ein wenig mit der Nikon 1 V1 und meinem kleinen Manfrotto Schwebestativ zu dem ich zuvor ein mein kurzes Video aufgenommen habe. Danach erzähle ich im Auto noch etwas zum Thema „Fotografieren auf Teneriffa“ und mache mich dann auf zu den Los Roques. Leider fehlt mir letztlich ganz genau die Zeit die ich im Auto mit meinem YouTube Video verplempert habe. Statt eines tollen Sonnenuntergangs mit Schattenspiel und allem Drumherum ist die Show schon fast vorbei. Aber egal, ich habe schon so viele tolle Fotos aus dieser Perspektive 🙂 Letztlich schnappe ich mir nochmals die Nikon 1 V1 samt Schwebestativ und nehme noch eine kleine Video-Sequenz auf. Darüber vergesse ich fast die Zeit und als ich wieder am Auto bin ist schon richtig dunkel und wirklich kalt geworden.

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Auf meinem Weg zurück zum Hotel halte ich kurz an und schreibe meiner Sandra eine SMS, dass ich ca. 20h am Hotel sein werde. Sie antwortet sofort und wird mit dem Essen auf mich warten. Es ist sehr cool, dass das jetzt hoch oben in den Canadas funktioniert. Vor etwa drei Jahren hatte man dort oben noch keinen Handy-Empfang. Es ist sehr cool und trägt auch ein Stück weit zur Sicherheit der Wanderer bei, dass man dort jetzt telefonieren kann.

Ich mache mich auf den langen Weg zurück zum Hotel. Nach einigen wenigen Kilometern blockiert  ein Mietwagen mit zwei weißhaarigen Insassen praktisch die Straße. Es ist eng und kurvenreich und man kann im Grunde genommen eigentlich nicht überholen. Quälend langsam schleichen sie den Berg hinunter und stellen mich auf eine enorme Gedultsprobe. Ich bin kurz davor hektisch auf die Hupe zu schlagen als wir an eine etwas längere gerade Straßenpassage kommen. Der Typ im Auto vor mit blinkt rechts und geht vom Gas, also nehme ich mir ein Herz und überhole ihn. Als ich vor ihm bin schaltet der Kerl hinter mir das Fernlicht ein. Entweder peilt er gar nichts mehr oder er will mich ärgern weil ich seiner Meinung nach zu lange zu dicht hinter ihm her gefahren bin. Die Scheinwerfer seines Autos blenden schrecklich und so gebe ich kräftig Gas damit ich schnell weit weg bin und er mich nicht mehr ärgern kann. Während ich so mit eigentlich viel zu hoher Geschwindigkeit den Berg hinab flitze tauchen plötzlich hinter mir die Lichter eines echt großen Autos auf. Das Fahrzeug hat auch die Nebelscheinwerfer eingeschaltet und fährt so dicht auf, dass ich das Gefühl habe, er wolle mich von der Straße schieben. Da ich eigentlich viel zu schnell war habe ich ein echt schlechtes Gewissen und hoffe sehr, dass es nicht die Polizei ist. Für den Fall der Fälle gehe ich etwas vom Gas und fahre nun ganz vorschriftsmäßig. Nach einer Weile kommt wieder eine etwas längere Gerade und da schießt das Auto dann auch an mir vorbei, es ist ein Porsche Cayenne! Darin sitzen ein grobschlächtiger Typ mit Glatze und eine Frau die aussieht als wäre sie auf den Kanaren aufgewachsen. Der Typ tritt jetzt mächtig aufs Gas und da es keine Polizei ist und da er mit seinem schweren „Panzer“ sowieso alles platt machen würde was sich uns  in den Weg stellt, sause ich hemmungslos hinterher. Der Porsche-Fahrer fühlt sich dadurch schwer angespornt und so wird es wirklich sportlich und eigentlich auch ziemlich gefährlich. Aber ich fahre seit mehr als 30 Jahren fast täglich mit dem Auto, ich kenne die Strecke sehr gut und so klebt mein OPEL Meriva Minivan wie eine Zecke an diesem schweinegeilen sauteuren großen fetten SUV. Die Straße ist eng und kurvenreich, es ist dunkel und sicher hat er schweren Stress mit seiner weiblichen Begleitung, der mit großer Sicherheit schwer übel ist. Aber wenn man erst einmal mit dem Pimmelfechten angefangen hat, ist es schwer damit wieder aufzuhören!

Kurz hinter der Forellenzucht erreichen wir bewohntes Gebiet und bei der extrem steilen „Abkürzung“ reißt der Typ ohne zu blinken das Lenkrad herum und jagt fast senkrecht Berg hinab. Eigentlich mag ich diese Straße nicht, aber sie spart brutal viele Kurven und so sause ich hinterher. Die Straße ist so steil, dass selbst im ersten Gang die Motorbremse nicht ausreicht und man eigentlich permanent auf der Bremse stehen muss.

Der Porsche gibt zwischendurch sogar noch Gas und so riecht es nach wenigen Metern mehr als penetrant nach verbrannten Bremsbelägen. Etwa auf der Hälfte der echt langen „Abkürzung“ hält der Porsche rechts an und ich denke, dass er dort wohl wohnen wird. Also fahre ich einfach an diesem großen SUV vorbei und stehe urplötzlich vor einem kleinen gelben Auto das sich in Gegenrichtung den Berg hinauf quält. Es wird eng, sogar echt eng, aber es passt und nun ist mir auch klar warum der Porsche dort oben angehalten hat, bei ihm hätte es nämlich nicht gepasst.

Jetzt ist der Typ aber so richtig angepisst, mit kompletter Festbeleuchtung schiebt er mich regelrecht den steilen Hang hinunter. An einer besonders engen Stelle ist die Straße als Einbahnstraße ausgelegt und man muss entweder links oder rechts um die Häuserblöcke herumfahren. Ich fahre links herum, der Porsche rechts. Irgendetwas scheint ihn dort aber aufgehalten zu haben, denn als ich wieder auf den letzten Metern der „Abkürzung“ bin, ist er endlich weg. Als ich einige Minuten später unten in La Orotava auf die Autobahn auffahre ist er plötzlich wieder hinter mir. Auf dem Beschleunigungsstreifen brüllt der Motor auf und noch bevor die durchgezogene Linie aufgehört hat durchgezogen zu sein, schießt das schwere SUV-Ding links an mir vorbei direkt auf die Überholspur.

Na der Typ hat sich über diesen Mietwagen den er einfach nicht abschütteln konnte heute sicherlich einen Besenstiel in den Hintern geärgert 🙂 Ich bin einige Minuten später am Hotel und muss tatsächlich feststellen, dass ich dort fast 20 Minuten eher als geplant eingetroffen bin. Allerdings habe ich echt schwer feuchte Hände und bevor es zum Essen geht muss ich meine schwitzigen Ralley-Finger erst einmal mit reichlich Seife und kaltem Wasser auf normale Betriebswärme herunter kühlen. Die ganze Heizerei hat dann doch ein wenig an den Nerven gezerrt und ich beschließe mich beim nächsten Mal nicht wieder provozieren zu lassen, hoffentlich klappt es, ich sollte es mir vielleicht zu Sylvester erneut als guten Vorsatz für das neue Jahr durch den Kopf gehen lassen.

Teneriffa 12-2013 – Tag 12

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Nachdem wir Heiligabend so easy und stressfrei überstanden haben starten wir mehr als entspannt in den ersten Weihnachtstag. Wir haben alle Zeit der Welt und genießen nach dem Frühstück wieder die wunderbar warme Morgensonne auf der Terrasse vor dem Speisesaal. Etwas später versuche ich in der Lobby mit meinem kleinen Mac mein Glück und tatsächlich klappt es nach mehreren Tagen endlich wieder mit der Verbindung zum Internet. Es ist zwar extrem langsam, aber es geht… So kann ich die Artikel veröffentlichen die ich schon seit Tagen in Pages vorgeschrieben habe.

Doch beim Versuch einige Fotos bei flickr.com hochzuladen hänge ich wieder ewig lang in der Warteschleife. Parallel habe ich auf meinem Mac ein Terminal-Fenster geöffnet und lasse dort einen „ping www.google.de“ in einer Endlosschleife laufen. So kann ich immer sehen ob ich noch online bin oder ob irgendeine der vielen Komponenten auf dem Weg ins Internet mal wieder eine Pause einlegt. Mit den flickr-Fotos ist es also Essig und ich lade einige wenige Fotos in meinen BLOG hoch. Dort wird bei fast 900 Artikel allerdings langsam der Speicherplatz knapp. Aber es ist Weihachten und ich möchte Euch mit mehr als nur einem Foto an dieser tollen Reise teilhaben lassen. Also sitze ich geschlagene DREI STUNDEN in der Lobby um 12 Fotos in meinen BLOG hochzuladen. Daheim dauert das zwei bis drei Minuten, diese Insel ist denkbar ungeeignet für alle die ihre tägliche Arbeit via Internet erledigen müssen.

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Um 13h15 treffen wir uns mit unseren Freunden Karin & Wolfgang bei der Bar „Pepito“ gegenüber vom Supermercado 2000 in La Paz, dem deutschen Viertel von Puerto de la Cruz. Gemeinsam gehen wir ein paar Meter weiter und landen in einem deutschen Restaurant. Dort treffen wir die ehemalige Wirtin der „Bar La Terazza“ aus dem Viertel Romantica 1 bei Los Realejos wieder. Diese Bar war sehr wunderbar etwas oberhalb vom „Casa de Dios“ gelegen. Doch die ewigen Streitigkeiten mit der Vermieterin und die zwar schöne aber doch eher Insiders bekannte Lage des Restaurants haben letztlich dazu geführt, dass sie und ihr Mann das Restaurant wieder geschlossen haben und ihr Geld jetzt anderswo verdienen. Inzwischen hat auch schon ein weiteres Paar das Handtuch geworfen und so wird die „Bar La Terazza“ aktuell von Spaniern bewirtet. Schauen wir mal wie lange sie dort überleben können…

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Im Restaurant ist heute viel los ist und so ist leider keine Zeit für einen netten Plausch. Stattdessen konzentrieren wir uns auf die Weihnachtskarte. Es gibt ein Zwiebelsuppe, gefolgt von Burgunderbraten mit Rotkohl und Klößen, kein schlechtes Weihnachtsessen wenn man bedenkt, dass wir rein geographisch gesehen in Afrika sind!

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Nach dem Essen machen wir uns auf den Weg zum Plaza del Charco und genießen bei Kaffee und Kochen das lebendige Treiben. Das Thermometer zeigt lässige 21°C und ich bin wirklich froh, dass ich nicht daheim bei Sturm und Regen ausharren muss.

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Als wir zum Abend am Hotel eintrudeln sind wir beide ziemlich platt, auch wenn wir heute nichts aber auch rein gar nichts geleistet haben. Essen und relaxen können echt anstrengend sein. So statten wir dem abendlichen Buffet auch nur eine kurze Visite ab, schauen noch etwas fern und gehen früh ins Bett. So entspannt habe ich Weihnachten selten verbracht!

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Teneriffa 12-2013 – Tag 11

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Nach dem Aufstehen stellt meine Sandra fest, dass viele der Fotos ihrer tollen Delfin-Tour des Vortages zwar als Datei auf der Micro-SD Speicherkarte vorhanden sind, sich aber nicht öffnen lassen. Sie ist enttäuscht und ziemlich frustriert, aber vom Hersteller SanDisk gibt es ein Reparaturprogramm für SD-Karten, vielleicht können wir damit etwas retten. Allerdings bräuchte man dafür einen Zugang zum Internet und der ist seit Tagen ausgefallen. Ich fühle mich an die Reise nach La Palma erinnert, dort haben wir auch einen Internetzugang für zwei Wochen bezahlt und konnten ihn letztlich nur ein paar Stunden lang nutzen.

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Wenn ich mich meinem Notebook auf dem Balkon sitze ist das „FREE TRIAL Twifi La Paz“ in Reichweite, aber die Sendeleistung meines Notebooks reicht nicht für eine „Antwort“. Hätte ich an meinem Notebook eine externe Richtantenne, so könnte ich mich vielleicht mit diesem Netzwerk verbinden, aber wer hat derzeit Equipment auf seinen Reisen schon dabei?

Also geht es zum Frühstück. Der Speisesaal ist heute übervoll, alle Tische sind belegt, es ist ein höllischer Lärm und die Kellner verrichten ihre Arbeit im Laufschritt. Diese Mitarbeiter sind echt zu bewundern, sie haben Stress ohne Ende und sind trotzdem stets freundlich und aufmerksam.

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Schließlich finden wir einen Tisch der gerade leer geworden ist und holen uns schnell neues Besteck und Servietten. Nach dem Frühstück wird sogar auf der Sonnenterrasse noch ein Plätzchen frei und so kann ich bei einem Glas Sekt und einer Tasse Kaffee den Tagesbeginn in vollen Zügen genießen.

Neben mir sitzen zwei ältere Herren. Der eine mit zusammengekniffenen Augen und faltiger Vollglatze, der andere mit schütterem aber nassem strähnigen Haar. Er trägt ein kartiertes Hemd, kurze Hosen und Badeschlappen. Seine schorfigen Füße hat er entspannt gekreuzt. Er spricht ohne Unterlass auf den Glatzkopf ein und erzählt von alten längst vergangenen Zeiten. Sein Gegenüber hat nicht beizusteuern, zu atemberaubend sind die Geschichten. In die wenigen kurzen Pause vermag er nur ein kurzes „Ja Ja“ einzustreuen, dann geht die „Besprechung“ weiter.

Als der Typ mit den schorfigen Füßen einen Schluck Kaffee zu sich nimmt und an seiner Zigarette saugt die bislang ungeachtet zwischen den vom Nikotin gelb verfärbten Fingern vor sich hin gequalmt hat, nutzt der Glatzkopf seine Chance und erzählt wie er als junger Mann oft schon um halb acht bei der Arbeit sein musste und als erste Tätigkeit einen Koksofen zu säubern hatte.

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Eigentlich will ich das alles gar nicht wissen und weil ich inzwischen nicht mehr so gut hören kann gehen diese unwichtigen Konversationen üblicher Weise auch komplett an mir vorbei. Man könnte sagen, sie versinken im Umgebungslärm. Aber diese beiden Kollegen sind wohl aufgrund ihres fortgeschrittenen Lebensalters noch schwerhöriger als ich und dementsprechend laut fällt auch ihre Konversation aus. Nach etwa 15 Minuten wird es mir zu bunt und zu warm ist es mir auch, ich treten den Weg zu unserem Zimmer an.

Dort werfe ich noch einen kurzen Blick auf die fotografische Beute des Vortages und bin wirklich begeistert was die kleine Nikon 1 da geleistet hat. Sicher wäre die Bildqualität mit der Nikon D800E sichtbar besser, aber ich bin trotzdem sehr zufrieden.

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Heute ist der 24. Dezember 2013 – wir haben Heiligabend und der komplette Weihnachtsstress ist spurlos an mir vorübergegangen.

Gegen Mittag entschließen wir uns zu einem kleinen Ausflug nach Taganana im Norden der Insel. Meine große Fotoausrüstung lasse ich heute mal daheim und packe nur die Nikon 1 V1 und drei Objektive ein. Für die gefühlten 100.000 Kurven bis nach Taganana brauchen wir etwa 90 Minuten.  In unserem „Stamm-Restaurant“ gibt es wie jedes Jahr ein leckeres Menü mit mehreren Gängen und einem Zackenbarsch als Höhepunkt.

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Nach dieser opulenten Mahlzeit widmen wir uns dem Roque de las Bodegas, ein sehr markanter Felsen der früher dazu diente die Weinfässer die an Bord der Segelschiffe sollten ins Wasser zu befördern. Die Fässer schwammen dann im Meer und konnten von den Seeleuten mit ihren Ruderbooten zu den großen Segelschiffen gezogen werden. Dort wurden sie schließlich vertäut und mit einem Flaschenzug an Bord gehievt. Dieser Felsen hat schon viel erlebt und manch großer spanischer Eroberer hat hier den Rotwein für die Überfahrt nach Amerika an Bord seines Segelschiffes holen lassen.

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Ich wage zuerst einige Experimente mit dem 6,7-13mm Weitwinkel-Zoom samt B&W ND-1000 Graufilter. Da dies Sonne scheint ist es sogar mit diesem relativ lichtschwachen Objektiv hell genug, so dass sogar der Autofokus funktioniert. Nach einigen Fotos wechsle ich gegen das 1,2/32mm Objektiv und freue mich über das deutlich hellere Sucherbild. Während eine Langzeitbelichtung nach der anderen entsteht fallen mit die Surfer im Wasser neben dem Roque de las Bodegas auf. Ganz hinten auf dem Felsen kann ich zwei Männer sehen die Fotos von den Surfern machen. Plötzlich nimmt der Wellengang zu und die Fotos sehen sicher sehr cool aus. Immer wieder müssen die Surfer vor den Wellen abtauchen um nicht wahllos herum gewirbelt zu werden. Plötzlich kommt eine wirklich große Welle, bricht sich am Fuße des Felsen und schwappt viele Meter hoch um sich über die beiden Fotografen zu ergießen. Diese reißen Instinktiv die Arme hoch aber sind dennoch in Sekundenschnelle komplett durchnässt. Mit nassen Haaren, Hemden und Hosen laufen sie lachend ein paar Minuten später an mir vorbei. In ihrem Auto haben sie ein Handtuch und ich kann zuschauen wie sie ihre Fotoapparate trocken legen. Auf dem nächsten Foto kann man sie erkennen, einfach anklicken und im großen Format anschauen 🙂

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Da der Felsen jetzt frei ist versuche ich mein Glück. Zunächst habe ich noch das 1,2/32mm an meiner Nikon 1 V1 doch damit sind die Surfer nur kleine Punkte inmitten der des aufgewühlten Meeres. Also suche ich mir eine ruhige Ecke und montiere das Nikon AF-S VR 10-100 PD an meine Nikon 1. Dieses Objektiv entspricht einem 270mm Teleobjektiv im 35mm Kleinbildformat und so kann ich die Surfer schon etwas größer abbilden. Einer der Jungs sieht aus wie der große Bruder von Moritz Bleibtreu und währen er immer wieder in die Wellen schwimmt grinst er mich aus dem Wasser an. Doch die Wellen sind eher mau und die Fotos nicht so richtig spannend. Um für den richtigen Augenblick besser gewappnet zu sein stelle ich an der Nikon 1 den Verschluss auf „Elektronisch High“ und kann jetzt zwischen 10, 30 und 60 Bildern pro Sekunde wählen. Ich entscheide mich für 10 Bilder pro Sekunde, denn dabei funktioniert noch der Autofokus zwischen den Bildern. Bei höheren Bildraten werden alle Fotos mit der Fokussierung des ersten Bildes aufgenommen. Und ganz ehrlich, 10 Bilder pro Sekunde im vollen RAW-Format sind völlig ok.

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Während ich auf bessere Wellen warte treiben die Jungs relativ weit weg von mir unten im Wasser.  Der schmale Weg auf dem Roque de las Bodegas ist im hinteren Drittel pitschnass, es ist genau die Stelle an der sich die beiden Jungs vor etwa einer halben Stunde eine kräftige Dusche eingefangen haben. Um näher an die Surfer heranzukommen vertraue ich auf meinen Schutzengel und wage mich bis an das Ende des Weges vor. Nun bin ich mit den Surfern fast auf Augenhöhe und weil sich fast genau gegenüber die Sonne anschickt langsam unterzugehen, ist das Spiel aus Licht, Schatten und weißen Schaumkronen wirklich schön.

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Nachdem ich eine ganze Weile gewartet habe frischt endlich der Wind etwas auf und es gibt einige höhere Wellen. Überall um mich herum rauscht und klatscht es gegen den Felsen und ich konzentriere mich auf die Junge mit ihren kleine Surfboards. Bild um Bild entsteht bis es plötzlich hinter mir einen riesigen Schlag tut und ich höre wie sich ein paar hundert Liter Meerwasser anschicken ein wenig durch die Luft geschleudert zu werden. Und ich liege gar nicht falsch, denn nur Bruchteile von Sekunden später haben die Wassermoleküle ihren kurzen Höhenflug schon wieder beendet und müssen sich der Anziehungskraft von Mutter Erde geschlagen geben. Dummerweise stehe ich mitten in ihrer Flugbahn und weil sie nicht mehr ausweichen können schlagen sie sich mehr oder weniger widerwillig auf mir nieder. Ich kann mich gerade noch schützend über meine Kamera beugen, als ich spüre wie mich das Wasser auf der Rückseite komplett erwischt. Kamera nass, Haare nass, Fototasche nass, Hose nasse, Füße bass, Hemd nass, Ansgar nass – igitt…

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Sandra hat sich das Schauspiel aus sicherer Entfernung angeschaut und reicht mir ein Handtuch, sie ist immer so gut vorbereitet… Es ist ja nur Wasser denke ich mir und lege zunächst meine Kamera samt des wertvollen Objektivs trocken. Danach bin ich an der Reihe. Meine schwarze Fleece-Jacke ist so nass, dass ich sie auswringen kann. Trockene Anziehsachen habe ich nicht dabei und so findet unsere Fotosession ein ziemlich abruptes Ende. Auf den Autositz legen wir eines der Handtücher und während wir die Heimfahrt antreten fühlt es sich an, als hätte ich in die Hose gemacht. Nach einigen wenigen Kilometern beginnen die Fenster unseres Mietwagens von innen zu beschlagen, dass ich die Ursache bin ist eigentlich klar, aber die Klimaanlage kann für freie Sicht sorgen. Kurz hinter dem Tunnel entscheiden wir uns für den kurzen Abstieg hinunter nach Santa Cruz, der Hauptstadt von Teneriffa. Diese Straße ist deutlich besser ausgebaut und wir sparen uns locker 10 Kilometer enge kurvenreiche Wegstrecke.

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Etwas überhalb des Meers treffen wir bei San Andrés auf bewohntes Gebiet und sind kurz danach auf der großen Hauptstraße die am Hafen von Santa Cruz entlangführt. Draußen vor dem Hafen warten große Frachtschiffe darauf entladen zu werden. Im Hafen liegen zwei majestätische Kreuzfahrtschiffe, eines ist die AIDA Vista. Im Licht der Abendsonne sieht das alles echt malerisch aus und auch das wunderschöne Gebäude der Oper wäre einen Fotostop wert. Aber mein Rücken ist ganz kalt und dem Hintern geht es auch nicht viel besser. Auf einem Plakat kann ich lesen, dass hier aktuell die „Los Miserables“ gespielt werden. Irgendetwas ist da falsch geschrieben denke ich nicht und schon sind wir auf der Autobahn…

Zurück am Hotel geht es unter die warme Dusche, danach wird die Beute des Tages gesichtet. Eigentlich bin ich ganz zufrieden und das letzte Bild der Serie ist auch ganz witzig, hier kann man die Freunde der Wassermoleküle sehen die an meinem Rücken angelandet sind. Kein aufregendes Foto, aber ein witziger Zeitzeuge.

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Während im Fernsehen ein Indiana Jones nach dem anderen läuft sitzen wir gemütlich auf dem Sofa, trinken einen leckeren Rotwein aus dem Ort neben an und freuen uns über einen heiligen Abend ohne Stress, Zank und Streit. So kann man sogar Weihnachten aushalten, da lässt es sich sogar fast verschmerzen, dass der blöde Internet-Zugang des Hotels immer noch nicht funktioniert 🙂

Teneriffa 12-2013 – Tag 10

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Heute ist für meine Sandra der Tag der Tage! Heute geht es zum Delfin Watching und darauf freut sie sich schon fast ein Jahr lang. Um 11h wird sie hier mit einem Auto abgeholt, dann geht es in den Süden und dann von Playa de las Americas mit einem Boot zur Spielwiese der Delfine draußen auf dem Meer. Die Delfine kennen das inzwischen sehr gut und einige genießen es in den Wellen die von den starken Motoren der Boote erzeugt werden zu surfen.

Einige Delfine sind inzwischen sehr zutraulich und kommen direkt an die Boote heran. Angefüttert werden sie indes nicht, denn dies ist streng verboten und wer seine Lizenz behalten will ermahnt seine Gäste den Delfinen nichts ins Wasser zu werfen. Berücksichtigt man den durchschnittlichen Touristen IQ, so würden anderenfalls sicherlich Berge von Brot, Obst und Bonbons bei den Delfinen im Meer landen. Einige Delfine folgen inzwischen den Booten in eine kleine Bucht und dort können ganz Unerschrockene zu den Tieren ins Wasser steigen.

Nach dem Frühstück steigt bei meiner Sandra die Nervosität spürbar. Sie packt ihren neuen Rucksack und bittet mich ein Backup ihrer Speicherkarten zu machen. Ich selbst achte penibel darauf JEDEN ABEND den Inhalt meiner Speicherkarten auf meine externe Festplatte zu kopieren.  Nachdem alles kopiert ist lösche die Dateien von den Speicherkarten. Oft habe ich für den Notfall eine zweite externe Festplatte dabei und lege hier eine Sicherheitskopie ab. Bislang sind mit nur EINMAL Daten verloren gegangen. Das war im Jahr 2011 in der Nähe von Big Sur am der Westküste der USA. Damals habe ich von mehreren Speicherkarten den Inhalt in einen Ordner auf meiner externen Festplatte kopiert. Bei der zweiten Speicherkarte hat mein Mac mich damals „gefragt“ ob er das vorhandene Objekt namens „DCIM“ ersetzen oder den Kopiervorgang abbrechen soll. Ich war es von meinen Windows-Computern gewohnt hier einfach auf „Ja“ zu klicken, denn bei Windows wird der Inhalt des neuen Ordners dem bestehenden hinzugefügt.

Inzwischen kann man in diesen Situationen auf dem Mac auf „Beide Ordner behalten“ klicken, damals ging das noch nicht und es wurde der vorhandene Ordner gelöscht und mit dem neuen Ordner ersetzt. So waren plötzlich fast alle Bilder eines Tages verloren. Damals habe ich mich schwer geärgert und bin am nächsten Tag noch einmal zurück gefahren um alles erneut zu fotografieren. Doch ein Foto ist fast immer eine einzigartige Momentaufnahme die sich meist nicht wiederholen lässt. So bin ich damals mit vielen neuen und vor allem besseren Fotos zurück gekehrt. Ein echter Verlust war es also nicht, aber ich habe vor allem daraus gelernt noch sorgfältiger bei der Datensicherung vorzugehen. Daher kann ich es auch nicht haben, wenn ich bei der abendlichen Datensicherung angesprochen werden und zwischen durch mal schnell dieses oder jenes erledigen soll. Denn dann geht meist etwas schief weil man nach dem Abendessen oder einer anderen eingeschobenen „Nebentätigkeit“ nicht mehr so genau weiß was schon alles gesichert ist, was man löschen kann und was eben noch „einzigartig“ ist.

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In den Tagen die wir hier auf der Insel sind hat meine Sandra noch gar keine Daten gesichert. Heute ist daher „Holland in Not“ denn für die Delfin-Tour braucht sie Platz auf ihren Speicherkarten.  So drückt sie mir zwei Stunden bevor es los geht eine kleine Sammlung unterschiedlichster Speicherkarten in die Hand. Es ist ein kleiner Zoo, Micro-SD in Adaptern, normale SD-Karten, 8-GB, 16-GB, 32-GB, es ist alles dabei. Ihre neue externe 1TB Festplatte mit USB-3.0 ist noch leer und so schnappe ich mir meinen neuen Mac und schiebe alles auf die leere Festplatte. Weil wir nicht wissen was auf welcher Karte ist, lege ich dort einen Ordner „Unsortiert“ an und erstelle für jede Speicherkarte einen Unterordner mit schönen Namen wie „Micro-SD 8GB SanDisk – Buenavista“. Beim Kopieren der Daten fällt auf, dass die Lesegeschwindigkeit stark variiert. Bei einigen Karten kann 1GB in rund 60s kopiert werden, bei anderen Karten dauert ein vergleichbarer Vorgang bis zu 180s lang.

Es fällt auch auf, dass meine neuen 64GB großen 400x CF-Karten mit Ultra-DMA (Direct Memory Access) im Vergleich einfach rasend schnell sind. Hier kann ich 1GB in ca. 20s auf eine externe Festplatte mit USB 3.0 kopieren. Das ist sehr cool wenn man nach einer ausgedehnten Session die Datensintfluten der Nikon D800E sichern möchte. Gestern habe ich im Jardín Botáninco wirklich viele Video-Sequenzen aufgezeichnet und so sind fast 40GB zusammen gekommen. Dieser Datenwust lies sich relativ schnell in Sicherheit bringen. In den Zeiten meiner Nikon D100 wäre dies via USB 1.1 eine abendfüllende Veranstaltung geworden!!

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Hier im Hotel klappt es mit dem Zugang zum Internet heute mal wieder überhaupt nicht. Gestern ging es kurzzeitig aber spät am Abend war zwar das WLAN erreichbar, aber die Webseite für die Autorisierung lies sich nicht öffnen. Heute ist es das gleiche Spiel, eben habe ich unten an der Rezeption nachgefragt was den los ist und ob man nicht irgendetwas tun könne damit es mit dem Zugang zum Internet wieder klappt. Die nette Dame an der Rezeption hat mir daraufhin gesagt, der Router sei schon wieder einmal kaputt und sie habe den Servicetechniker angerufen. Dieser sollte schon vor einer Stunde hier sein. Ich solle mich bitte noch etwas gedulden…

Wirklich verstehen tue ich das alles nicht mehr, meine heimische Fritzbox läuft seit Jahren ohne Probleme und ich kann mich nicht einmal daran erinnern, wann ich sie zuletzt neu starten musste. Aber hier auf Teneriffa ist man mit diesem leidigen Thema seit Jahren konfrontiert. Ganz gleich wo man ist, der Internet-Zugang ist ein Trauerspiel. Meist klappt es via Smartphone und HSPDA sehr gut, aber mit einem deutschen Vertrag ist genau das eben unglaublich teuer.

Wer mit dem Gedanken spielt hier her zuziehen und hier zu leben und dafür einen schnellen Zugang zum Internet braucht, der sollte sich vorher unbedingt schlau machen was wo geht und was eben nicht. Sicher ist es eine gute Idee vor der Unterzeichnung eines Mietvertrages mal einen Plausch mit den zukünftigen Nachbarn zu halten. Wer in La Laguna wohnt wird es beispielsweise etwas einfacher haben. Dort sollen 6 MBit/s möglich sein, aber hier draußen „auf dem Lande“ gibt es oftmals nur sehr alte Telefonleitungen die keine flotten Datenraten ermöglichen. Während in deutschen Großstädten mittlerweile 100 MBit/s möglich sind geht es hier in der Nähe von Afrika doch eher „gemütlich“ zu…

Gegen 12h gebe ich alle Versuche einen Artikel zu publizieren auf und beschäftige mich ein wenig mit meiner Fotoausrüstung. Irgendwie kann ich den vierten Akku für meine D800E nicht finden. Eigentlich bin mich mir sicher, dass ich vier Akkus dabei habe. Aber ein Exemplar scheint sich so gut zu verstecken, dass ich es einfach nicht finden kann. Bei der Spielerei fällt mir auf, dass die Nikon 1 V1 bei einem EN-EL15 Akku im Display anzeigt, dieser Akku wäre verbraucht und könnte nicht mehr verwendet werden. Tatsächlich zeigt die Akku-Diagnose sowohl der D800E als auch der Nikon 1 V1 an, dass dieser Akku sich in Stufe 4 befinde, was auch immer das heißen mag… Stufe 4 ist jedenfalls nicht gut, das heißt, dass der Akku kaum noch Kapazität hat und nicht mehr lange durchhalten wird. Die D800E funktioniert noch damit, aber meine Nikon 1 V1 lehnt ihn kategorisch ab. Also packe ich gegen 13h meine Sachen und fahre rüber zum Alcmapo La Villa. Dort gibt es einen kleinen Fotoladen, vielleicht hat der einen Akku für meine Kamera(s). Der Weg zum Einkaufszentrum ist schnell und problemlos, einen Akku gibt es in dem kleine Fotoladen freilich nicht. Mir kommt in den Sinn es mal bei Visanta in der Innenstadt zu versuchen. Das ist der einzige Laden in Puerto dem man wirklich vertrauen kann. Die unzähligen kleinen Foto und Elektronik Läden an der Promenade sollte man eher meiden wenn man nicht von A bis Z über’s Ohr gehauen werden will.

Also beschließe ich im Parkhaus unter dem Alcampo mein Auto zur Ausfahrt nach Santa Cruz zu lenken. Allerdings erweist sich das als großer Fehler, als ein echt großer Fehler! Es ist der letzte Tag vor Weihnachten und es ist einfach die Hölle los. Nichts geht mehr, bis zur Autobahn brauche ich fast eine halbe Stunde obwohl es nur ein paar hundert Meter sind. Als ich schließlich etwas oberhalb von Puerto de la Cruz bin, ist der Blick auf die Bucht am Playa Martianez sehr schön und ich halte meinen OPEL Meriva instinktiv am rechten Seitenstreifen an. Schnell raus und ein paar Fotos machen. Dabei staune ich nicht schlecht, als ich plötzlich vor dem Auto meines Freundes Wolfgang stehe, die Welt ist hier wirklich klein. Ich schreibe ihm gleich mal eine SMS, aber es kommt keine Antwort. Ok, ich will auch nicht stören also mache ich noch ein paar Fotos. Schließlich bin ich schon etliche hundert Meter den Berg hinab in Richtung Innenstadt gelaufen. Warum also umkehren und das Auto holen, wenn man in der Stadt eh keinen Parkplatz findet? Also geht es zu Fuß weiter. Am Strand angekommen filme ich ein wenig die Surfer und mache mich dann auf den Weg zu einer der beiden Visanta Niederlassungen. Dort werde ich tatsächlich sofort fündig, es gibt sogar zwei Akkus! Es sind keine Original-Akkus, aber der Verkäufer versichert mir, dass sie problemlos in meinen Kameras funktionieren. Wir machen die Probe aufs Exempel, schließlich habe ich meine Nikon 1 V1 dabei. Und siehe da, die Akku-Diagnose erkennt diese Batterie und zeigt sie mit „0“ an, also „Neu“ statt „4“ wie „Alt“. Der Akku hat sogar noch 43% seiner Ladung – perfekt er ist gekauft!

Beim Preis muss ich ein wenig schlucken, denn diese Akkus sind nur wenig billiger als die Original-Akkus von Nikon. Satte 75,- Euro für zwei EN-EL15 Akkus, wahrscheinlich wären sie via amazon.de in Deutschland billiger gewesen. Aber egal, die Dinger funktionieren und ich will hier in den nächsten Wochen noch viel fotografieren!

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Mit den beiden Akkus in der Fototasche geht es ein wenig durch die Stadt. Ein paar Meter weiter finde ich einen Typen der sich komplett mit goldener Farbe angemalt hat und eine grinsende Statue gibt. Mal sitzt er auch einem unsichtbaren Stuhl, mal grinst er und freut sich wenn man ihm ein paar Euros in seine kleine goldene Konservendose wirft. Mir kommt die Idee ihn mit meinem ND-1000 zu fotografieren. Schnell ist das Nikon AF-S 1,2/32mm an die Nikon 1 V1 montiert. Jetzt noch der Filter-Adapter von 40,5 auf 77mm und schon passt mein B&W ND-1000 Graufilter! Später werde ich ganz erstaunt über die Farbwiedergabe sein. Bislang habe ich diesen Filter an der Nikon 1V1 noch nicht benutzt und ich bin überrascht wie gut diese Kamera sich mit diesem Filter schlägt!

Etwas unterhalb der Promenade ist eine kleine betonierte Fläche von der aus man einen schönen Blick auf das Meer hat. Dort stelle ich mein kleines Stativ auf und schraube die Nikon 1 V1 oben drauf. Mit dem ML-L3 Infrarot-Auslöser kann ich sie nun perfekt erschütterungsfrei auslösen. Und so entsteht Bild um Bild. Plötzlich fällt mir der tolle Abendhimmel über der Stadt auf. Schnell wechsle ich das 1,2/32mm geben das 6,7-13mm Weitwinkel-Zoom. Doch diese Objektiv ist deutlich weniger lichtstark und so zeigt die Kamera in Kombination mit dem ND-1000 Filter auf dem rückwärtigen Display praktisch gar nichts mehr an. Auch der Autofokus funktioniert nicht. Aber man kann diese Kamera auch ganz prima manuell fokussieren. Und bei Blende 8 ist aufgrund der kurzen Brennweite die Tiefenschärfe so gewaltig, dass ohnehin alles scharf abgebildet wird.

Ich gehe etwas zur Seite und direkt vor mir ist ein großer Lava-Felsen im Wasser an dem sich ganz wunderbar das Wasser bricht. Gelegentlich rollt vom Meer eine kräftige Welle heran und überspült diesen Kameraden komplett. Das sieht bei etwas längeren Belichtungszeiten richtig geil aus. Als es für den ND-1000 zu dunkel ist, tausche ich den Filter gegen einen „normalen“ Grauverlaufsfilter. Damit sieht der Himmel jetzt so richtig krass kitschig aus und die dunklen Felsen haben noch etwas Zeichnung. Bild um Bild entsteht und ich bin richtig aus dem Häuschen weil sie auf dem Display der Nikon 1 so supergut aussehen.

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Später im Hotel halten diese Fotos dann tatsächlich was das Display schon versprach. Ich bin total glücklich mit der fotografischen Beute dieses recht ungeplanten Tages. Gegen 20h ist dann auch meine Sandra von ihrer Tour zurück. Sie hat rund hundert Delfine und alle möglichen anderen Fische gesehen. Sie ist müde aber überglücklich. Schnell schauen wir uns einige ihrer Fotos auf dem Display ihrer Nikon D5100 an. Und ich bin beeindruckt was das Sportprogramm dieser Kamera heute wieder geleistet hat!! Allerdings hat meine Sandra die ersten und wichtigen Fotos mit einer 32GB großen Micro-SD Karte und einem Karten-Adapter aufgenommen. Irgendwann hat die Kamera nicht mehr ausgelöst und nur noch Fehler gemeldet. Ob diese Fotos nun alle verloren sind, werden wir morgen sehen. Aber selbst wenn, der Tag war auch ohne fotografische Ausbeute für sie wirklich gelungen.

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Nun haben wir 22h30 und der Tag war lang und meine Füße schmerzen. Ich bin viel in der Stadt herumgelaufen und habe stundenlang neben meiner kleinen Kamera gestanden und auf die perfekte Welle gewartet. Der Internet-Zugang des Hotels funktioniert noch immer nicht, es ist ein Trauerspiel. Also gehe ich jetzt mal ins Bett und versuche mich ein wenig auf das Weihnachtsfest einzustimmen, das laut Kalender morgen vor der Türe stehen soll, glauben kann ich es ja nicht so wirklich…