La Palma – Tag 8

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Und auch der achte Tag beginnt wie die Tage zuvor. Allerdings sind inzwischen noch mehr Gäste angereist und die Hotelanlage platzt bald aus allen Nähten. Während wir beim Frühstück das Meer nur mit einem Auge beobachten, registriert das andere Auge das Treiben der Gäste an Pools und Sonnenliegen. Kaum ein seltsames Paar das nicht seine Handtücher oder irgendwelche anderen Accessoires verwendet um „IHREN“ Platz an einem der vielen Pools zu reservieren. Das ist eine Unart die schon etwas nerven kann. Es gibt durchaus Hotels bei denen dies untersagt ist und alle herrenlosen Badetücher früh am Morgen einfach eingesammelt werden. Wer glaubt sich damit dennoch eine Liege reservieren zu können, der muss für ein neues Badetuch an der Rezeption die „Hosen runterlassen“ und sich als „illegaler Liegen-Reservierer“ outen. Mir würde es gut gefallen wenn diese vielen „sehr speziellen Gäste“ mit einem entsprechenden „Fluch“ belegt würden. Aber hier lässt man sie gewähren. Manche kommen total verschlafen aus den Zimmern, legen nur das bescheuerte Badetuch auf „IHRE“ beknackte Liege und watscheln dann wieder ungewaschen zurück in ihre Zimmer. „IHRE“ Liege lassen sie während der nächsten Stunden dann meist ungenutzt. Da fasst man sich echt an den Kopf und fragt sich was das soll?

Ein anderes Thema ist „All-Inclusive“. Eigentlich mag ich das auch nicht, denn vielerorts graben die großen Hotels mit ihren „All-Inclusive“ Angeboten den umliegenden kleinen Bars und Restaurants das Wasser ab. Das ist auch der Grund warum wir auch ich auch bei dieser Reise nur Halb-Pension gebucht haben. Ein weiterer ganz persönlicher Grund ist meine Abscheu während der gesamten Reise immer und überall diese blöden blauen „All-Inclusive“ Markierungsarmbänder tragen zu müssen. Da sträubt sich in mir einfach alles, diese Dinger finde ich „voll scheiße“ – sorry…

Aber hier gibt es nicht wirklich viele Restaurants in der Umgebung. Bis in den nächsten Ort fährt man etwa eine Viertelstunde lang in Serpentinen den Berg hinauf. Um die Fischerbuden von gestern zu besuchen ist man sogar mehr als eine Stunde unterwegs.

Beim Check-In hat sich die nette Dame zunächst etwas vertan und uns zwei dieser blauen Einweg-Plastikarmbändchen auf den Tresen gelegt. Ich war echt verdutzt, ich konnte mir gar nicht vorstellen das gebucht zu haben. Hatte ich auch nicht, ihr war es dann peinlich und statt dessen haben wir jetzt diese kleine braune Pappkarte mit unseren Namen und der Zimmernummer. Außerdem ist dort groß und breit „Halbpension“ zu lesen.

Diese Karte ist ganz praktisch, aber bezahlen müssen wir trotzdem alles was wir damit zu Essen oder zu Trinken bestellen. Und wenn wir zum Abend gemeinsam mit den „Blau-Bändern“ essen wollen, dann müssen wir uns am Eingang des Restaurants registrieren, eine Quittung in dreifacher Ausfertigung vorab unterschreiben und dürfen uns erst danach einen Tisch aussuchen. Dort müssen wir warten bis ein Kellner Zeit für uns hat. Er schreibt anschließend unsere Getränke-Bestellung auf alle drei Zettel und nimmt zwei davon mit. Den blauen Zettel (warum ist der eigentlich blau?) dürfen wir zur Kontrolle behalten. Sobald wir unsere Getränke haben, dürfen wir aufstehen und uns etwas zu Essen holen. Während dieser Prozedur latschen die „Blau-Bänder“ meist kreuz und quer an uns vorbei. Sie schenken sich Bier und Wein nach belieben ein und können tun und lassen was sie wollen. Das ist alles ein wenig komisch.

Und rückblickend muss ich leider sagen, dass diese blauen Bändchen hier gar nicht so blöd sind wie sie aussehen. Das Hotel liegt am Ende der Welt und man kann auch als „All-Inclusive“ Reisender das eine oder andere Mittagessen mal in einem urigen kleinen Kanarischen Restaurant zu sich nehmen.

Daher mein Tipp an Euch:
Wenn ihr mit dem Gedanken spielt im gleichen Hotel ein paar Tage zu verbringen, dann solltet ihr ernsthaft über All-Inclusive nachdenken. Zwar widerspricht dieser Rat all meinen Prinzipien, ist aber dennoch das einfachste was man hier machen kann.

Als „einfache Halb-Pensionäre“ überlegen wir natürlich auch heute wieder wo wir ein Mittagessen her bekommen. Wir haben ein kleines Italienisches Restaurant im Auge, etwas oberhalb von Los Llanos mit einer tollen Aussicht auf Berge und Meer. Doch als wir kurz vor Los Llanos wieder einmal an dieser sehr einladend wirkenden Bodega vorbeifahren, trete ich instinktiv auf die Bremse. Auf dem Parkplatz ist noch was frei und wenige Minuten später sitzen wir in einem urigen Weinkeller der schon seit mehr als 40 Jahren das Restaurant Bodegon Tamanca beherbergt. Die Kellner sind allesamt total auf Zack und super freundlich. Das Essen schmeckt auch wirklich gut. Ich bestelle mir mein erstes „La Palma Steak“ und bin mit der Qualität wirklich mehr als glücklich!

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Weil die Kellner so nett sind, ist das meiner Freundin Sandra fünf Euro Trinkgeld wert. Und siehe da, der smarte Kellner zeigt uns sogar das gesamte Restaurant, schaltet Licht für uns ein und öffnet und tatsächlich den Keller in dem die gewaltigen Weinfässer stehen. Wir dürfen fotografieren soviel wir wollen und sollen nur später die Türe schließen. Während wir das Restaurant verlassen muss ich an die „Blau-Bänder“ denken die geizig an all ihren pauschal bezahlten Cocktails nuckeln, sie werden diese tolle Bodega wahrscheinlich niemals finden…

Nach dem Essen geht es weiter durch Los Llanos hinab in den Barranco de Taburiente und dann weiter in Richtung Nord-Westen. Unser Ziel ist ein kleiner Aussichtspunkt am nordwestlichen Zipfel der Insel.

Tipp für Leserinnen:

Nordwesten ist links oben auf der Karte wenn Norden ebenfalls oben ist! Norden ist dann oben wenn man die Ortsnamen lesen kann! Osten ist dann übrigens rechts 🙂

Unterwegs halten wir immer mal wieder an, die Landschaft ist einfach wunderbar.

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Der Weg zu diesem Aussichtspunkt ist etwas abenteuerlich und Sandra ist auf dem Beifahrersitz merkwürdig still. Als wir dort eintreffen ist sie aber angesichts der tollen Aussicht wieder recht entspannt. Überhaupt ist sie eine sehr gute belastbare Beifahrerin. Mir würde als Beifahrer hier ständig übel. Auf dieser Insel gibt es nur sehr wenige Straßen die länger als 200 Meter OHNE eine Kurve auskommen.

Während Sandra lieber oben am fest gemauerten Aussichtspunkt bleibt, klettere ich ein wenig den Abhang hinunter. Mit meinen Trekking-Sandalen ist es nicht ganz einfach auf dem losen Geröll nicht zu stürzen. Das könnte schnell passieren und wäre wirklich übel. Ich habe keine Lust mit Hautabschürfungen oder einem Gipsarm den Rest der Reise zu bestreiten! Hilfreich ist bei dieser etwas unsicheren Kletterei das „kleine Fotogepäck“. Statt der großen Kameras mit den schweren Objektiven habe ich nur die kleine Nikon 1V1 und meine Panasonic HC-X909 Videokamera dabei.

Hier habe ich einen Vergleich der Bildqualität Nikon versus Panasonic für Euch. Die beiden ersten Fotos habe ich mit der Nikon 1V1 und dem serienmäßigen 10-30mm Objektiv aufgenommen. Eine starke Telebrennweite ist das nicht gerade, hier hat die Panasonic Videokamera eindeutig sehr viel mehr zu bieten. Aber die Bildqualität ist längst nicht so gut wie bei der Nikon 1V1. Aber das ist kein Problem solange man beide Kameras dabei hat. Mit der Nikon wird geknipst und mit der Panasonic wird „gefilmt“ – wenn man das heutzutage überhaupt noch so nennen darf…

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Gegen 17h machen wir uns auf den Rückweg zum Hotel. Nach ein paar Kilometern zweigt links die LP111 ab. Diese Straße sieht sowohl auf der Karte als auch auf dem GPS nach einer kleinen Abkürzung aus. Allerdings ist die Nutzung für LKW mit mehr als 8t verboten. Das lässt auf eine niedliche kleine enge Straße schließen. Meine Sandra wird diesmal nicht groß gefragt, ich biege einfach instinktiv auf diese Straße ab. Jetzt sind wir schon zweimal daran vorbei gefahren, nun will ich sie mal ausprobieren und das soll sich nicht als Fehler erweisen!

Die Straßenführung hier auf La Palma ist mehr als einfach, im Grunde genommen gibt es nur eine Ringstraße und zwei Querstraßen – fertig! Die Ringstraße heißt im Norden (also OBEN) LP1 und im Süden (also UNTEN) LP2. Die südliche Querverbindung ist die LP3, die „darüber“ die LP4. Will man zum Observatorium muss man die LP4 nehmen. Will man schnell von Los Llanos nach Santa Cruz hin- oder wieder zurück, so nimmt man die LP3.

Alle anderen Straßen sind kleinere Nebenstraßen und zum Teil nur einspurig ausgebaut. Wenn sie einspurig sind, dann gibt es immer wieder kleine Ausweichflächen. Das funktioniert in der Regel ziemlich gut, verursacht bei meiner Freundin trotzdem regelmäßig feuchte Hände. „Und was machst Du wenn uns jetzt jemand entgegen kommt?“ Diesen Satz höre ich seit Jahren immer wieder und so ist es auch mit der LP111. Während die Ringstraße meist auf einer Höhe von ca. 600 – 800 Metern oberhalb es Meeresspiegels verläuft, schraubt sich die verwunschene kleine kurvenreiche LP111 schnell auf über 1.250 Meter hinauf. Die Aussicht ist immer wieder grandios und man fährt etwa 13 Kilometer lang durch mystische Wälder und passiert einsame kleine Weinberge. Diese Straße ist mein Tipp für alle die nicht zu geizig sind sich hier wenigstens für ein paar Tage einen PKW zu mieten.

Als wir von der LP111 wieder zurück auf der LP1 sind, geht es recht zügig zurück zum Hotel. Als wir dort eintreffen ist es schon fast 20h. Die Sonne steht tief und wir finden tatsächlich sofort einen freien Platz unter den vielen anderen Gästen. Nach einem sehr entspannten Abendessen möchte Sandra noch etwas im Web surfen. Als ich vor dem Hotel den Stand der Sonne und die Farbe der kleinen Wolke über mir sehe, entschließe ich mich spontan es endlich einmal ernsthaft mit einer kleinen abendlichen Fotosession zu versuchen. Schnell geht es ins Hotelzimmer, die famose Nikon D800E wird starklar gemacht. Der Rucksack wird etwas „ausgemistet“ damit ich ihn auch tragen kann. Darin bleiben das AF-S VR 4/16-35mm, das AF-S 2.8/24-70 und das neue Rokinon 3.5/24mm Shift & Tilt Objektiv. Am Ende des Tages werde ich nur das 24-70 und das 16-35 benutzt haben, aber so ist das eben, man hat viele Bilder im Kopf schleppt allerhand Krempel mit sich herum und benutzt letztlich doch immer wieder nur ein oder zwei Objektive.

Als ich am Auto eintreffe muss leider feststellen, dass ich den „richtigen“ Sonnenuntergang schon verpasst habe – MIST!!!

Aber: Wie an fast allen Tagen zuvor war auch dieser Sonnenuntergang echt langweilig. Blauer Himmel und ein kleines schmales Wolkenband am Horizont – schwupps ist die Sonne weg und fertig. Das ist echt langweilig, für einen gewaltigen wirklich fotogenen Sonnenuntergang braucht man eine lockere Wolkendecke und einen freien Horizont. Ganz kurz bevor die Sonne komplett verschwunden ist, kann sie dann noch ihre letzte tiefrot gefärbten Strahlen auf die Unterseite der Wolken werfen. Diese beginnen dann in den tollsten Farben zu leuchten. Solche Momente sind für viele Landschaftsfotografen meist sehr wertvoll und man kann sie nicht kalkulieren, sondern nur erhoffen. Sind sie endlich „da“ so muss man bereit sein und es muss jeder Handgriff sitzen. Leider tut er das bei vielen Amateurfotografen oft mehr als überhaupt nicht. Ich erinnere mich noch gut als ich im Jahr 2009 mitten in der Nach aufgestanden bin um einen perfekten Sonnenaufgang am Mesa-Arch im Canyonlands Nationalpark zu fotografieren. Damals war ich nicht allein und die währen die „Profis“ schweigend Bild um Bild aufnahmen gab es gleich neben mir eine hitzige Diskussion wie denn das Objektiv zu wechseln sei, warum der Autofokus jetzt wieder nicht funktioniert und warum alle Bilder „viel zu hell sind“. Letztlich gab es eine handfeste Ehekrise, denn er hatte alle wichtigen schönen Momente verpasst und beide waren früh aufgestanden um ohne ein einziges schönes Foto zurückzukehren.

Daher kann ich nur raten, spielt wann immer es geht mit neuem Equipment herum. Fotografiert die Katze des Nachbarn oder die Blumen bei der Oma. Egal was ihr auch fotografiert, versucht es gut zu machen und merkt Euch alle Handgriffe. Nur so ist man im richtigen Augenblick bereit und schnell genug für das perfekte Foto!

Hier habe ich jetzt noch ein paar Fotos die ich am Abend mit der D800E aufgenommen habe. Die Fotos sind etwa eine Stunde NACH Sonnenuntergang entstanden, also zur „Blauen Stunde“. Das erste Foto zeigt sehr schön warum wir Fotofans diese Stunde so nennen 🙂 Man beachte auch den Schattenwurf, er ist extrem weich weil es fast kein Licht mehr gab. Dieses Foto habe ich satte 45 Sekunden lang belichtet!

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Hier noch eine Variante mit bewusst falsch einstelltem Weißabgleich.

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La Palma – Tag 7

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Es ist Halbzeit, wir ächzen unter der gnadenlosen Sonne und daheim in Deutschland zieht eine Gewitterfront nach der Anderen durchs Land – verrückte Welt. Nach den vielen Stunden die ich gestern Auto gefahren bin, wollte ich heute mal kurz hoch zu den beiden Vulkanen die hier direkt um die Ecke sind. Aber dann brannte uns beim Frühstück schon so sehr die Sonne auf den Kopf, dass wir jetzt einfach nur in der kühlen riesig großen Lobby sitzen und ein wenig im Web surfen. Irgendwo im Hintergrund dudelt „Bar Lounge Classics 7“ oder vielleicht auch 8 oder 9 – das klingt eh alles gleich. Das Stöbern im Web klappt am Morgen noch ziemlich gut, später am Abend sind hier viele Kids die mit Smartphone oder iPad alle gleichzeitig versuchen das coolste YouTube-Video zu finden. Dann ist hier voll die tote Internet-Hose angesagt, dann geht einfach nichts mehr. Also muss man die Zeiten nutzen in denen die Kids ihren „Morgenstreit“ mit Papa und Mama ausfechten…

In den letzten Tagen war es alles herrlich ruhig und es waren nicht übermäßig viele Gäste hier. Aber jetzt beginnt das 600-Betten Hotel aus allen Nähten zu platzen. Schon am Morgen auf dem Weg zum Frühstück (heute mal wieder draußen mit Blick auf das Meer) waren 75% der Liegen mit Handtüchern reserviert. Um 9h war es beim Langschläfer-Frühstück noch ganz übersichtlich, aber 30 Minuten später waren alle Plätze besetzt. Als ich gestern um kurz vor Mitternacht bei angenehmen 25°C meinen letzten Artikel gepostet habe, saßen nicht weit weg acht jugendliche Briten. Au Backe haben die einen Zauber veranstaltet. So ein Kichern und Gegröhle habt ihr im Leben noch nicht gehört, es sei denn, ihr habt schon mal den Ballermann auf Mallorca besucht…

Da trifft es sich gut, dass unser Hotelzimmer weit abgelegen ist, da hört man diese betrunkenen Jugendlichen nicht mehr und das ist auch gut so.

Gegen Mittag entschließen wir uns zu einer kleinen Tour nach El Remo. Das ist eigentlich gar nicht weit weg, ja schon fast zum Greifen nahe, aber dazwischen liegen ein paar hundert Meter Steilküste. Also muss man einen gewaltigen Umweg fahren, der mit etwa 60 Minuten Fahrzeit verbunden ist.

Später am Nachmittag habe ich ein wenig die Bananenplantage etwas nördlich unseres Hotels erkundet. Von dort aus hat man mit einem Teleobjektiv einen echt guten Blick rüber nach El Remo und man kann die kleinen wirklich authentischen Fischbuden dort unten am Meer sogar sehen. Dass die Fahrt mit dem Auto so lange dauert ist allerdings recht erstaunlich.

Am Mirador El Time haben wir vor ein paar Tagen ein kleines Gratis-Magazin gefunden. Dort sind viele schöne Restaurants auf dieser Insel verzeichnet. Gleich mittendrin findet sich das El Calamar. Wir machen uns gegen 12h auf die Reise und treffen um kurz nach 13h dort ein. Den Weg den Berg hinab habe ich mit meiner kleinen GoPro gefilmt und so werden wir von den Jugendlichen unten bei den Fischbuden ganz schön argwöhnisch beäugt. Unser Auto parken wir gleich neben der Fischbude. Unter den kleinen roten Sonnenschirmen sitzt man direkt am Meer. Nur ein paar Lavabrocken trennen uns und das Wasser. Es riecht ein wenig nach Meer, aber nicht aufdringlich. Es gibt leckeres kaltes Bier und frischen Fisch. Danach einen Barraquito, das Leben kann so schön sein 🙂

(Alle Fotos sind wie immer 1000 Pixel breit, einfach anklicken)

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Nach dem Essen laufen wir ein wenig am Strand herum und fotografieren alles was uns vor die Objektive kommt. Gegen 17h sind wir dann wieder am Hotel. Sandra will ein wenig im kühlen Zimmer liegen und ein Buch lesen das sie sich an der Rezeption ausgeliehen hat. Irgendeine Liebesgeschichte aus der alten Ritterzeit, nicht ganz mein Fall, aber sie verschlingt es regelrecht.

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Während Sandra liest fahre ich mit der D800E und der D300 in die „nördlichen Plantagen“. Das klingt fast ein wenig nach Jack Harper, ist aber viel weniger spektakulär. Aber es gibt ein paar schöne Ausblicke gen Nord-Westen. Unter der Steilküste sind einige nette Lava-Felsen im Meer. Die würden sich vor der Kulisse eines gewaltigen Sonnenunterganges sehr gut machen. Dann noch einen 8x Graufilter und eine hübsch lange Belichtungszeit, schnell wäre ein famoses Kitschbildchen geschossen.

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Auf einen Sonnenuntergang der nicht wieder genauso langweilig wie an den letzten Tagen ist mag ich heute aber nicht mehr hoffen. Warum habe ich eigentlich ein Tilt & Shift Objektiv dabei? Egal, geben wir der Sonne und den Wolken eine Chance, vielleicht klappt es ja morgen mit einem herrlich kitschigen Sonnenuntergang. Statt auf einen vielleicht ganz akzeptablen Sonnenuntergang zu lauern, hängen wir lieber im gekühlten Zimmer ab. Sandra liest in ihrem Ritter-Liebesroman und ich schaue mir die letzten Folgen von „Parenthood“ auf meinen Notebook an.

Irgendwann schaue ich kurz hoch und bin völlig überrascht,  dass sich ein paar niedliche kleine Wolken auf das Meer hinausgewagt haben. Aber jetzt ist es für schöne Fotos etwa 30 Minuten zu spät. Bis ich alles zusammen gepackt und mit dem Auto los gefahren bin ist das Schauspiel längst vorbei. Wirklich schade, da hat der Himmel endlich mal ein tolles Schauspiel zu bieten und ich verpasse die besten Minuten. Aber vielleicht kappt es ja „am achten Tag„. Das klingt übrigens wie eine Sequel der Schöpfungsgeschichte von Time Warner mit Liam Neeson und weiteren Göttern. Tatsächlich aber ist es ein sehr cooler belgischer Spielfilm über eine Freundschaft zwischen zwei Männern von denen einer das Down-Syndrom hat. Unbedingt mal anschauen, ggfs. in deutscher Synchronfassung 🙂

La Palma – Tag 6

Beim Check-In haben wir am letzten Freitag eine kleine Pappkarte bekommen, die wir beide unterschreiben mussten. Dies ist unser „Hausausweis“. Egal wann und wo, wir legen diese kleine Pappkarte vor und bekommen Hamburger, Pizza, Bier, Ramazotti, also praktisch alles was man für eine gesunde ausgewogene Ernährung benötigt. Am ersten Tag habe ich einige kleine Rechnungen mit Bargeld beglichen und meist Unverständnis geerntet. Unsere kleine Pappkarte ist in dieser Hotelanlage das perfekte universelle Zahlungsmittel. Klar wird das „dicke Ende“ zum Schluss kommen, denn wird abgerechnet. Aber bis dahin brauchen wir nichts anderes als diese kleine niedliche  braun/beige farbige Pappkarte – sehr praktisch!

Da wir unser richtiges Geld eh nicht brauchen, liegen natürlich unsere Geldbörsen gut verschlossen im Zimmersafe, ist klar – oder?

Am Vortag sind wirklich viele neue Gäste angereist, entsprechend voll ist nun plötzlich der Frühstücksraum und entsprechend sparsam fällt unser Frühstück aus. Irgendwann gegen Mittag sind wir dann endlich mit unserem Mietwagen unterwegs. Unser Tagesziel ist die vollständige Umrundung der Insel. Kurz hinter dem Hotel biegen wir wie am zweiten Tag nach rechts ab und durchqueren ein junges Lavageld das erst 1971 beim Ausbruch des Teneguía entstanden ist. Zwischendurch halten wir kurz an und ich montiere meine kleine GoPro HERO HD 1080 an das rechte hintere Seitenfenster. So schaut die Kamera sehr schön über die Lavafelder hinüber auf das weite blaue Meer. Am Horizont treibt ein kleines weißes Segelboot, es sieht aus als wäre es extra für dieses Video dorthin drapiert worden.

Nach den ersten Kilometern fällt mein Blick auf die Tankanzeige. Der Tank ist noch fast voll, aber in meinem Kopf läuft plötzlich eine Art „Checkliste“ ab:

  • Wie lange reicht der Sprit
  • Wann müssen wir tanken
  • Wo können wir tanken
  • Wie kann ich das bezahlen

Und genau beim letzten Punkt meiner virtuellen Checkliste macht es dann „Klick“. So ein Mist, wir haben zwar die tolle kleine beige/braune Pappkarte dabei, aber damit werden sie uns an allen Tankstellen auf dieser Insel heftig auslachen. Dar langen Rede kurzer Sinn, wir sind komplett zahlungsunfähig. Sandra hat 10 Euro dabei, ich nicht einen einzigen Euro-Cent – Mist!

Als die Schrecksekunde überwunden ist wird klar, wir müssen zurück ins Hotel und uns die finanziellen Mittel aneignen die heute unser Überleben sichern werden! Da die Landschaft gerade so beeindruckend ist und die GoPro so schön montiert ist, fahren wir aber einfach weiter. Nachdem wir den südlichen Zipfel der Insel umrundet haben, machen wir uns an den Aufstieg zur Hauptstraße. Dort biegen wir aber nicht wie geplant nach Norden ab, sondern machen uns auf den Weg zurück zum Hotel. Insgesamt müssen wir zweimal etwa 800 Höhenmeter überwinden und gefühlte 40 Kilometer zurück legen. Das wäre alles nicht nötig gewesen, wenn ich meine Gedanken besser beisammen gehabt hätte.

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Aber, abgesehen von meiner Geldbörse sind die D800E, die D300, Ersatz-Akkus, Reserve-Speicherkarten, zwei Stative, Polfilter, Grauverlaufsfilter, Kabelauslöser, Fisheye, Lensbaby, Telezoom, Weitwinkelzoom, Standardzoom, zwei Stative eine GoPro und so weiter sind mit von der Partie. Eigentlich habe ich an echt viele Dinge gedacht, vom Autoschlüssel, der Sonnencreme, der Straßenkarte, dem GPS, dem Handy und der Sonnenbrille gar nicht erst zu reden… Aber ausgerechnet das Geld habe ich vergessen…

Letztlich starten wir unsere „Rundreise“ etwa eine Stunde später. Aber das soll uns nicht aufhalten! Unsere Route führt uns wieder hinab in die Hauptstadt Santa Cruz. Hier ist uns einiges schon etwas vertraut und langsam beginnen wir uns hier heimisch zu fühlen. Am Ortsausgang geht es diesmal aber nicht gleich hoch ins Gebirge. Statt dessen folgen wir stetig der LP1 in Richtung Norden. Diese Straße ist wirklich schön, trotz der vielen Baustellen. Wir schlängeln uns im 2. und 3. Gang durch niedlich kleine Orte und meistern einige wirklich sehenswerte Schluchten. Die steilen Hänge sind stark bewaldet und erinnern mich sehr an das Anaga-Gebirge auf Teneriffa. Allerdings hat das Anaga-Gebirge nicht so viele mystische Schluchten zu bieten. Wegen der unendlich vielen Kurven wechselt ständig die Himmelsrichtung in die wir schauen. Alles sieht immer wieder anders aus und mehrfach kommt mir in den Sinn, dass man hier sehr gut eine Eröffnungsszene für einen neuen Teil von Jurassic Park drehen könnte. Kurz vor einem Tunnel muss ich kurz anhalten, zu schön ragt dort ein einzelner Baum von einem Felsvorsprung in die Schlucht hinein.

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Am nordöstlichen Zipfel der Insel halten wir an einem der vielen Restaurants an und lassen es uns auf der Terrasse gut gehen. Es gibt Seezunge mit Kanarischen Schrumpelkartoffeln (Papas Arrugadas), Mojo-Sauce, Salat und einem kalten Shandy (Bier mit Sprite). Alles zusammen kostet für zwei Personen knapp über 21,- Euro. Auf dieser Insel kann man es sich für relativ kleines Geld ziemlich gut gehen lassen.

Die Umrundung der Insel kostet wirklich viel Zeit und ist auf Dauer kräftezehrend. Nach mehreren Stunden kann ich einfach keine Kruven mehr sehen und so bin ich froh, dass wir am Mirador „El Time“ (oberhalb des Barranco de Taburiente) eine kleine Pause machen können. Es gibt einen Barraquito und als ich ihn mit Vitaminas Canarias gestelle grinst der Keller wirklich breit und ruft kurz drauf seiner Kollegin zu: „Un barraquito completo por favor“ 🙂

Ich nutze die Gelegenheit für ein paar Infrarotfotos. Sehr schön ist der Blick auf Los Llanos, der heimlichen Hauptstadt der Insel. Auch Tazacorte können wir sehen. Aber der Fernblick ist von wenig fotogenem Dunst getrübt, man(n) kann nicht alles haben…

Zurück am Hotel muss ich feststellen, dass ich ausschließlich die D300 mit dem 16-85mm Objektiv benutzt habe. Den gesamten anderen Krams hätte ich auch im Hotelsafe lassen können und statt dessen meine Geldbörse beim ersten Anlauf einpacken können…

Am Mirador „El Time“ haben wir einen kleinen Restaurant-Führer gefunden. Dort sind einige Tipps die wirklich vielversprechend erscheinen. Einiges davon werde ich für Euch erkunden und das Ergebnis und ein paar Fotos dann hier posten, versprochen!

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Die Aussicht auf diesem Mirador ist einfach grandios!

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Hier sieht man hinab in den Barranco de Taburiente. Zwischen den allgegenwärtigen Bananen-Plantagen windet sich eine gut ausgebaute Straße an den Rändern der Schlucht hinab und wieder hinauf. Ein wahres Eldorado für jeden ambitionierten Motorradfahrer!!

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Hier sehen wir die „Hauptstraße“ von Los Llanos. Ist schon krass wie diese Straße wirklich bolzengerade nach Osten weist.

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Hier noch ein etwas diesiger Blick nach Süden. Ganz rechts außen am Ende dort wo Insel und Meer zu verschmelzen scheinen, dort liegt unser Hotel.

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Am Ende des Tages muss ich feststellen, dass in Ägypten eine neue Revolution den amtierenden Präsidenten zu Fall gebracht hat. Und im Restaurant finden wir erstmals KEINEN freien Tisch an dem wir unser Abendessen zu uns nehmen könnten. Holländer, Engländer, Belgier, Spanier, Deutsche, Ägypter, alle scheinen derzeit Sommerferien zu haben. Der Lärm ist grauenhaft und um 20h sieht das Buffet schon aus als wäre eine Horde außerirdischer Schaben darüber hergefallen. Leider ist niemand hier der uns schnell mal „Blitzdingsen“ könnte und so freuen wir uns umso mehr darauf in ein paar Tagen daheim in Deutschland endlich wieder „normaaaaale Leute“ zu sehen (Zitat: Tom Gerhard)

Vielleicht sollte ich noch kurz vom Temperaturgefälle berichten: Hoch oben im Nordosten der Insel hatten wir lässige 20°C. Im Süden waren es um 19h noch immer satte 28°C. Wer also Wärme mag, der sollte für seine Reise nach La Palma den Süden wählen. Auch das hat diese Insel mit Teneriffa gemeinsam 🙂

Rundreise-La-Palma

La Palma – Tag 5

Als wir am Morgen auf dem Weg zum Frühstück sind ereignet sich am Himmel etwas höchst bemerkenswertes. Wir sehen Wolken, endlich die heiß ersehnten fotogenen Urlaubswolken. Einen kurzen Augenblick überlege ich ob ich schnell zurück ins Zimmer soll um schon einmal einen Fotoapparat klar zu machen, aber der Hunger siegt. Während wir mit Blick auf das Meer frühstücken erwacht der Tag so richtig. Bei mir verhält es sich leider irgendwie umgekehrt. Nach dem Frühstück bin ich noch genauso müde wie zuvor, aber doch gewillt ein paar schöne Fotomotive zu suchen bei denen die überaus fotogenen Morgenwolken die Sahne auf den Fotos sein könnten.

Als wir das Restaurant verlassen muss ich dann zu meinem Entsetzen feststellen, dass es keine Wolken mehr gibt. Sie sind einfach weg, scheinbar hat die Sonne sie verdunsten lassen, oder der Wind hat sie hinfort geweht. Ich komme mir ein wenig vor wie Leonardo di Caprio in seiner Rolle als Howard Hughes. Insgeheim denke ich mir „Warum sieht das so scheiße aus? Wolken das ist es, wir brauchen Wolken!!!“ Doch im Film muss danach die gesamte Crew viele Monate warten bis sie ihre Fliegerschlacht vor einem hübsch locker bewölktem Fotohimmel drehen können. Mir schwant nichts gutes, wenn wir Pech haben wird es hier noch wochenlang keine Wolken geben und damit sind alle Motivvorstellungen die ich beim Reiseantritt im Kopf hatte nur noch Makulatur. Aber warten wir es mal ab, ändern kann ich es ja eh nicht…

Den Rest des Tages versuche ich am Pool zu verbringen. Aber immer wenn ich gerade eingeschlafen bin weckt mich irgendwas. Entweder hat Sandra Hunger oder ich werde hinterlistig mit kalten feuchten Wassertropfen bespritzt. Es ist grauenhaft und ich wünsche mit endlich wieder zurück im Büro sein zu dürfen. Endlich wieder normaaaale Leute!

Gegen 15h wird es unerträglich, ich muss weg von diesen Menschen die gerade alle im Urlaubsmodus sind. Die Hitze geht mir auf den Keks und ich freue mich darauf die Klimaanlage im Zimmer auf 110% zu stellen und mir auf dem Notebook ein paar Folgen von Parenthood anschauen zu können.

So vergeht der Tag ohne ein einziges Foto und am Ende werde ich mich gerädert fühlen, Kopfweh haben und völlig urlaubsreif sein.

Doch dann kommt alles anders…

Während wir beim Abendessen hoch oben über den Bananenplantagen auf das Meer hinaus schauen ziehen plötzlich zaghaft einige kleine Wolken vorüber. Vielleicht sind es die Wolken die wir schon am Morgen gesehen haben. Es könnte sein, möglicherweise haben sie sich hinter dem Sonnenschein versteckt, wer weiß das schon… Ist ja auch egal, denn nun sind sie endlich da die lang erwarteten dekorativen Fotowolken. Da heißt es nichts wie los und das Fotogerät startklar machen. Sandra schnappt sich ihre Nikon D5100 und ich greife mir die auf Infrarot 830nm umgebaute Nikon D300. An die D300 setze ich schnell eines meiner Lieblingsobjektive, das supergute AF-S VR 16-85mm. Mit halb vollem Akku und frisch formatierter 16GB Speicherkarte geht es auch Motivsuche in unserer Hotelanlage. Eigentlich könnte man auch schnell zum kleinen Strand etwas weiter südlich fahren. Aber ich habe schon etwas Bier getrunken und vielleicht sind wird dann zu spät. Während die Sonne immer tiefer steht schieße ich viele viele Fotos dieser großen Hotelanlage. Gekniet, gebückt, stets darauf bedacht Symmetrien und Spiegelungen und diagonale Linien einzufangen.

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Erster Praxisttest mit Rokinon 3,5/24mm Shift & Tilt

Kurz bevor die Sonne komplett verschwindet geht es im Laufschritt zurück zu unserem Zimmer. In Windeseile wird das nagelneue noch nicht wirklich ausprobierte Rokinon 3,5/24mm Shift & Tilt Objektiv an meine Nikon D800E montiert. Schnell noch das neue Bilora-Stativ darunter geschraubt, der Kabelauslöser eingesteckt und schon geht es wieder los. Die 64GB UDMA-Speicherkarte wird unterwegs formatiert.

Die kleine Runde die ich am ersten Abend mit meiner kleinen Nikon 1V1 hier gedreht habe kommt mir jetzt zugute. Steht man unter Zeitdruck weil etwas geschieht was aus Superman nicht aufhalten könnte, so ist es mehr als praktisch wenn jeder Handgriff sitzt und man genau weiß wo man sein Stativ aufstellen möchte.

Während ich zu „meiner Location“ haste muss ich daran denken wie ich im Jahr 2009 mitten in der Nacht aufgestanden bin um am Dead Horse Point in Utah einen grandiosen Sonnenaufgang über dem Canyonlands Nationalpark zu fotografieren. Damals wußte ich nicht genau wohin und statt schöne Fotos zu machen, bin ich damals auf der Suche nach dem „besten Punkt“ verschwitzt durch die Gegend geirrt und habe das weshalb ich so früh aufgestanden war im wesentlichen verpasst.

Heute passiert mir das nicht, jetzt sitzt jeder Handgriff, denn ich habe mir dem neuen Rokinon Shift & Tilt Objektiv schon einige „Trockenübungen“ absolviert.

Mit der D800E nehme ich Belichtungsreihen zu je 5 Bildern auf, als Unterschied zwischen den Bildern stelle ich eine Blende (1.0 EV) ein. Außerdem wird der RAW-Modus aktiviert (was sonst) und die Spiegelvorauslösung eingeschaltet. Am Objektiv wähle ich Blende 11. Die Belichtungsautomatik wird abgeschaltet, ich stelle zunächst 1/250s und ISO-100 ein. Ein paar Minuten später dann 1/125s, später 1/60s und schließlich 1/15s. Um diese Werte „herum“ produziert das Bracketing dann jeweils zwei über- und zwei unterbelichtete Bilder. Später öffne ich dann jeweils alle 5 Bilder einer ausgewählten Belichtungsreihe gleichzeitig in Photoshop CS6. Das korrekt belichtete Foto korrigiere ich so, dass es mir gefällt. Den Chip der D800E habe ich am Morgen noch geputzt, aber es ist trotzdem ein einzelner kleiner Krümel zu sehen. Dieser lässt sich aber mit dem RAW-Konverter sehr einfach entfernen. Alle Einstellungen werden danach auf die restlichen 4 Bilder übertragen. Nun werden alle 5 Bilder „richtig“ geöffnet und als JPG-Dateien mit niedrigster Komprimierung gespeichert und geschlossen.

Nun kommt die HDR-Verarbeitung, dazu werden alle 5 JPG-Dateien wieder geöffnet und zwar über File -> Automate -> Merge to HDR pro. Photoshop erzeugt nun automatisch ein bereits sehr ansprechendes HDR-Bild. Anschließend wird an den vielen Reglern so lange geschoben bis mir das Ergebnis gefällt.

Hier habe ich nun mein erstes HDR für Euch, das ich mit dem Rokinon 3,5/24mm Shift & Tilt und der Nikon D800E aufgenommen habe. Die Bilddatei habe ich auf 1920 Pixel Seitenlänge verkleinert. Wer mag kann sie sich ja als Hintergrundbild auf seinem Computer einrichten und sich fortan auf seine eigene Reise nach La Palma freuen 🙂

Nikon D800E - Rokinon 3.5/24mm Shift & Tilt

So geht dann ein Tag dann doch noch relativ euphorisch zu Ende, der so ganz anders begonnen hatte. Letztlich war es heute auf La Palma wieder richtig schön. Langsam aber sicher haben die Insel und ich begonnen uns miteinander anzufreunden. Na schauen wir mal was daraus noch wird…

La Palma – Tag 4

Wie an den Tagen zuvor schlafen wir nicht wirklich gut, die Umgebung ist ungewohnt und es ist uns beiden einfach alles viel zu warm. Mit eingeschalteter Klimaanlage gibt es am nächsten Morgen Kopfschmerzen, ohne Klimaanlage ist es stickig und warm, mit geöffneter Balkontüre blenden die Lampen der Beleuchtung des Gehweges vor unserem Zimmer. Kurzum, wir sind zwei richtig deutsche Miesepeter 🙂

Nach dem ausgiebigen Frühstück brechen wir dann aber doch auf in Richtung Los Llanos. Diesmal sind wieder alle Kameras dabei, das volle Programm. Und die kleine GoPro HD Hero 1080 klebt seitlich am Auto. Eigentlich wollen wir über die westliche Flanke hoch zum Observatorium fahren. Kurz hinter Los Llanos müssen wir dazu eine recht beeindruckende Schlucht durchqueren. Doch in Los Llanos holt uns das ein was hier hier bislang eher vermisst haben, dort gibt es städtisches Leben! Und es gibt natürlich Verkehrschaos und selbiges bricht so unerwartet über uns herein, dass wir irgendwann in einem etwas ranzigen Stadtteil landen. Wir sind total falsch, statt den Barranco zu durchqueren, sind wir  deutlich überhalb zwischen ziemlich heruntergekommenen Häusern in einer engen Gasse. Da hilft nichts, nun muss das GPS doch noch ran… Gefühlte 5 Minuten später klebt mein Garmin Colorado 300 an der Frontscheibe. Und einige Minuten später hat es von Königswinter bei Bonn auch schon den Weg nach Los Llanos gefunden!!! Mit Unterstützung durch das GPS geht es recht zügig weiter. Wir fahren immer weiter auf der LP1 in Richtung Norden. An einer Gabelung geht es rechts ab auf etwas abenteuerlichen Pfaden bis hinauf zum Observatorium. Dort staunen wir nicht schlecht, dass es dort einen Schlagbaum gibt und dass ein Schild gleich daneben verkündet, dass hier gegen 20h am Abend Schluss ist! Danach gehören diese eindrucksvollen Hügel den Wissenschaftlern und Sternguckern und die wollen keine „Lichtverschmutzung“ durch Autoscheinwerfer – kann man ja auch verstehen….

Am Roque de los Muchachos auf etwa 2.400 Metern angekommen, finden wir einen kleinen Parkplatz. Die Sonne brennt mit satten 30°C auf unsere Hirne nieder. Da ist es gut, dass ich mir vor der Abreise noch schnell ein witziges kleines weißes Hütchen gekauft habe.

Mit der auf Infrarot 830nm umgebauten Nikon D300 erkunde ich etwas die Gegend rund um diesen tollen Aussichtspunkt. Es gibt sogar noch zwei weitere Aussichtspunkte. Die Wege sind sehr gut befestigt und es macht wirklich Spaß hier oben auf Motivsuche zu gehen. Auch kann ich endlich einmal so richtig von oben in die Caldera de Taburiente hineinschauen. Wer dies tut versteht sofort, warum es dort an vielen Stellen auf der Landkarte weder Straßen noch Wanderwege gibt. Diese Caldera ist ein gewaltiges Loch das über die Jahrtausende hinweg von Wind und Wetter ausgespült wurde. Früher war hier mal ein mächtiger Vulkan, übrig geblieben sind jedoch nur schroffe Felswände mit interessanten Details. Für Geologen sollte das ein echtes Eldorado sein.

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Nach einigen Fotos mit dem Nikon AF-D 2.8/10,5mm tausche ich es gegen das supergute AF-S VR 16-85mm. Und weiter geht es…

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In der Ferne kann man Teneriffa und den Pico del Teide sehen. Mit der D800E geht er fast völlig im Dunst unter, aber die Infrarot-Kamera arbeitet hier erstaunlich viele Details heraus!

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Nach meiner infraroten Fotosession geht es zurück zum Auto. Endlich wird auch die tolle Nikon D800E mal ausgepackt. Ein kleines wackliges altes Stativ habe ich auch im Kofferraum. An der D800E ist das famose AF-S 2.8/24-70mm. Ich schraube noch schnell einen Polfilter daran und schon geht es los. Immer wieder stelle ich die D800E hier und da auf und laufe anschließend daran vorbei. So entstehen einige kleine Video-Schnipsel die ich nach der Reise gern in meinem Reise-Video verarbeiten möchte. Später werde ich feststellen, dass ich davon eigentlich nichts werde verwenden können, weil ich in den letzten Monaten einfach entsetzlich dick geworden bin. All das Kantinenfutter und die doppelten morgentlichen Schoko-Croissants haben deutlich sichtbare Spuren hinterlassen und das sieht einfach nur schrecklich aus… Viele Fotos entstehen allerdings auch nicht, denn das schöne AF-S VR 2.8/70-200 ist noch im Kofferraum unseres Mietwagens und ich mag einfach nicht ständig hin und her laufen um der Reihe nach unterschiedliche Objektive zu holen. Wie einfach ist das doch das Leben mit der kleinen süßen Nikon 1V1…

Je mehr ich damit fotografiere umso mehr verfluche ich das Gewicht der D800E mit allen Objektiven und weiterem Schnickschnack. Ok, sie erzeugt drastisch gutes Bildmaterial bei 3,6-facher Auflösung im Vergleich zur Nikon 1V1. Aber mal ganz ehrlich, brauchen tut man diese gewaltigen Bilddateien nur in den seltensten Fällen. Fotografiert man intensiv mit der D800 bzw. der D800E so ist die Bewältigung der enormen Datenmengen die diese Kameras produzieren eine echte Herausforderung. Und in den meisten Fällen, wird man die erzielbare Bildqualität gar nicht brauchen.

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Ich selbst präsentiere den überwiegenden Teil meiner Fotos ausschließlich im Internet. Gelegentlich verkauft sich mal ein Foto in einem Format, für das man 12 Megapixel oder mehr benötigt. Aber das sind echte Ausnahmen. Für mich selbst habe ich schon lange keine großen Prints mehr angefertigt, denn inzwischen sind einfach alle Wände zugepflastert, so dass da einfach kein Platz für neues extrem hochauflösendes Bildmaterial mehr ist.

Nach der Heimkehr werde ich mir wohl noch ein oder zwei weitere Objektive für die Nikon 1V1 kaufen und mich auf den nächsten Fototouren am geringen Gewicht und der trotzdem brauchbaren Qualität dieses Kamerasystems erfreuen. Vielleicht dürfen dann auch mal wieder die tolle Nikon Fm3a oder eine Hasselblad in den Fotorucksack. Im heimischen Kühlschrank liegt ja noch soooo viel Filmmaterial 🙂

Nach etwa zwei Stunden ist unsere Fotosesssion beendet. Nicht weil wir alles fotografiert hätten, sondern weil es wegen der Hitze und der Sonneneinstrahlung einfach nicht mehr geht. Eine Stunde länger und wir beide hätten an allen unbedeckten Hautpartien einen Sonnenbrand der sich gewaschen hat. Hier oben sollte man viel Sonnencreme verwenden und sie ordentlich dick auftragen.

Für den Rückweg wählen wir die LP2 die uns hinab nach Santa Cruz im Osten der Insel führt. Zwischendurch lade ich mit dem 12-Volt Adapter, der eigentlich für das Garmin GPS gedacht ist, die schlappe Batterie in meiner GoPro wieder etwas auf. Nach ca. 30 Minuten ist die GoPro dann relativ fit und schafft es tatsächlich fast den kompletten Heimweg zu filmen. Am Ende des Tages werde ich mehr als 28 Gigabyte Videomaterial mit der GoPro eingesammelt haben. Dazu etwa 300 Infrarot-Fotos aus der D300. Zusätzlich noch etwa 30 Fotos aus der D800E und einige Video-Sequenzen die ich mit der D800E und der Panasonic HC-X909 aufgenommen habe.

Zurück im Hotel bin ich ziemlich erledigt und kann mir nur schwer vorstellen eine solche Mördertour gleich am nächsten Tag erneut zu starten. Auch muss ich sagen, dass der Süden der Insel im Vergleich zur „Mitte“ und dem „Norden“ aus fotografischer Sicht eher langweilig ist. Doch um die guten Motive im Norden der Insel zu finden ist eine tägliche Anreise von unserem Hotel eine echte Strapaze. Sollten wir diese schöne Insel irgendwann ein weiteres Mal besuchen, so werden wir uns vielleicht ein anderes Hotel aussuchen, das für Exkursionen zu den guten Foto-Locations günstiger gelegen ist.

Auf Teneriffa ist das eigentlich kein Ding, dort kann man fast überall wohnen und ist in der Regel relativ schnell dort wo man gut fotografieren kann. Im Unterschied zu La Palma wird dies auf Teneriffa aber durch den sehr gut ausgebauten Autobahnring möglich. Hier auf La Palma gehen die Uhren hingegen gründlich anders. Wer hier vom äußersten Süden in den fotografisch reizvolleren Norden der Insel will, der muss sich auf eine lange kräftezehrende Tour mit vielen hundert Kurven einstellen!

Auch ist der Hochsommer wohl keine wirklich geeignete Jahreszeit für schöne Fotos. Der Himmel ist meist langweilig blau, es ist heiß und schöne Sonnenaufgänge und Untergänge sind eher der Ausnahme.

So werden wir wohl in ein paar Tagen mit schwarz verkohlten Nasenspitzen und einer sehr überschaubaren fotografischen Ausbeute zurück kehren. Aber vielleicht sind wir im Gegenzug perfekt erholt und total relaxt – schauen wir mal. Morgen werden wir wohl einen faulen Tag am Pool verbringen und nicht wieder acht Stunden mit dem Auto durch nicht enden wollende Kurven fahren.