Teneriffa 2012 – Tag 5

Driving Sideways

Und auch dieser Tag beginnt wie alle Tage hier beginnen. Die Sonne geht auf, es ist halbwegs warm, am Himmel hängen draußen über dem Meer ein paar nette bunte Wolken, so muss es im Paradies sein 🙂 Nach dem Frühstück packen wir unsere Sachen und statten Tomy und Sylvia auf der Finca San Juan einen kurzen Besuch ab. Dort werden wir mit diesen Worten empfangen: „Na, Ihr zwei könnt auch nicht ohne uns gell?“ Momente wie dieser machen für mich die Reisen nach Teneriffa aus. Klar könnte man auch nach La Gomera, Gran Canaria oder zu einer der vielen anderen schönen Inseln fliegen. Aber hier auf Teneriffa haben wir inzwischen Freunde gefunden und hier fühlen wir uns schon fast wie zuhause. Man kann schlecht in Worte fassen was es ist was mich hier so fasziniert. Dadurch, dass ich mich hier mittlerweile so gut auskenne gibt es praktisch keinen Urlaubsstress. Bei anderen Urlaubszielen muss man sich stets neu orientieren, schauen wie was geht, wo man was findet. Das hat auch seinen Reiz, aber es kann auch ein wenig aufreibend und anstrengend sein. Wenn ich einfach nur meine Ruhe haben will und gleichzeitig den fiesen nasskalten Tagen in der Heimat entkommen möchte, dann bin ich hier genau richtig.

Und „abfotografiert“ ist diese Insel noch lange nicht 🙂

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Heute geht es nach der kurzen Stippvisite bei Tomy und Sylvia über kleine verwinkelte Straßen in Richtung Süd-Westen. Unser Ziel ist der „Trailhead“ unterhalb des „kleinen Gala“. Von dort hat man eine großartige Sicht auf den Teide, wenn es nicht neblig ist! Und heute ist es leider wieder einmal echt neblig. Das scheinen die letzten Ausläufer des Tiefdruckgebietes zu sein, dass in den letzten Wochen hier so krasse Niederschläge mit sich gebracht hat.

Sandra ist es zu kalt und sie bleibt mit ihrem Kindle im Auto zurück. Ich wandere mit der D800E, mehreren Objektiven und meinem großen BENRO Carbon-Stativ den Weg zum kleinen Gala hinauf. Immer wieder halte ich an und mache ein paar Fotos. Viele Bilder mit Infrarot-Filter. Das klappt besonders mit dem Nikon AF-S VR 4/16-35mm recht gut. Das Filtergewinde an diesem Objektiv ist fest mit dem Gehäuse verbunden und man berührt das eigentliche Objektiv-System nicht wenn man den Infrarot-Filter aufschraubt. Man kann also in Ruhe ohne den Filter sein Motiv wählen, korrekt scharf stellen und dann den Filter aufschrauben. Den Autofokus schaltet man zwischendurch auch noch ab und dann gelingen bei ISO-100, Blende 11 und 30 Sekunden (!!!) Belichtungszeit sehr ungewöhnliche Schwarzweiß-Fotos.

Irgendwann sind die Wolken und der Nebel so dicht, dass ich kaum noch meine Füße erkennen kann. Das hilft bei der Erkenntnis, dass es heute mit tollen Fotos wohl nichts mehr werden wird – wieder einmal. Etwas frustriert geht es den Berg hinab zum Auto in dem Sandra schon sehnsüchtig auf mich wartet. Wir haben Hunger! Kein Problem, ein paar hundert Meter weiter ist ein nettes Restaurant in dem ich schon mehrmals war. Dort gibt es leckeres Kaninchen mit original kanarischen Schrumpel-Kartoffeln (Papas Arugadas), frisches Brot und ein Töpfchen Aioli – lecker!

Auf dem Rückweg nehmen wir eine noch kleinere Seitenstraße. Sandra kriegt zwischendurch ein wenig die Krise, diese Straßen sind echt eng und vor allem extrem kurvenreich. Im Auto philosophieren wir woran das liegen könnte. Mir kommt es vor als wären die Orte durch die wir fahren in einer Zeit entstanden, als es hier noch keine Autos gab. Für ein paar Esel und Pferde sind die Straßen damals sicher breit genug gewesen. Dann kamen die Autos und die Touristen. Viele Bewohner der kleinen Bergdörfer müssen nur kurz stolpern und schon stehen sie nicht mehr im Wohnzimmer sondern mitten auf der Straße. Bei uns wäre das kaum denkbar, hier ist es völlig normal.

Daheim im Hotel gibt es wieder Naseband & Co – K11 nennt man das wohl. Danach kommt die nächste Sendung mit der 11 – Alarm für Cobra 11. Dann der Transporter, dieser Krams nimmt einfach nie ein Ende. Aber ich muss nicht hinschauen und auch nicht hinhören. Ich kümmere mich um meine Fotos und Videos und schreibe für Euch diesen kleinen Artikel. Der WLAN Empfang hier oben kommt und geht. Je nach dem wie und wo man sitzt klappt es mal und dann wieder nicht. Also geht es jetzt noch schnell runter in die Lobby, da geht es recht gut.

Einige Bilder des Tages hänge ich Euch auch noch an. Die Video-Sequenzen gibt es dann im Januar als Teil meines nächsten „großen Videoprojektes“ zu sehen.

Hier einige „echte“ Infrarot-Aufnahmen. Durch die lange Belichtungszeit von 30 Sekunden sind die Wolken krass verwischt. Ein Effekt der mir sehr gut gefällt. Eigentlich ist die D800E nicht wirklich gut für der Infrarot-Fotografie geeignet. Der eingebaute Infrarot-Sperrfilter wirkt sich in der Regel eher störend aus. Mit aufgeschraubtem Infrarot-Filter funktioniert an dieser Kamera nichts mehr was elektronisch oder automatisch ist. Man muss den Filter ständig ab- und wieder anschrauben, das nervt total. Bei meiner kleinen Fuji X100 ist das grundlegend anders. Und wenn ich Chaot den blöden Filter-Adapterring nicht verschusselt hätte, könnte ich mit ihr hier im infraroten Bereich knipsen was das Zeug hält. So muss es mit der sperrigen D800E gehen. Aber die Ergebnisse sind wirklich überzeugend und entschädigen so für den Frust bei ihrer Erstellung.

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Hier nun ein HDR-Foto das ich in ein Schwarz-Weißbild konvertiert habe – sieht auch gut aus – gell? Nur die Wolken sind eben gar nicht verwischt…

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Hier nochmals ein „echtes“ Infrarot-Foto. Wer genau hinsieht kann die Spitze des höchsten Berges der Spanier zwischen all den Wolken erkennen…

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Und zum Abschluss noch einmal das identische Motiv. Diese beiden Fotos sind sehr unterschiedlich und zeigen sehr schön wie krass sich heute die Lichtverhältnisse innerhalb von nur wenigen Augenblicken immer wieder geändert haben.

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Morgen ist schon Freitag, die Zeit vergeht hier scheinbar schneller als daheim. Kaum ist man wirklich angekommen, da muss man schon fast wieder los. Manchmal beneide ich die rüstigen Rentner die hier in ihren komischen kurzen Hosen mit weißen Tennissocken in Sandalen etwas ungelenk herum laufen. Sie haben es wirklich gut, es ist fast immer angenehm warm. Das Meer reguliert die Temperaturen und die salzhaltige Luft ist wie Balsam für meine Bronchien.

Manchmal wenn ich hier bin muss ich an die Insel aus der Fernsehserie „Lost“ denken. Dort stürzt ein Flugzeug auf einer einsamen Insel ab die magische Kräfte hat. Kranke werden schnell wieder gesund, Lahme können wieder laufen. Ok, ganz so ist es nicht, aber es geht eindeutig in diese Richtung 🙂

Teneriffa 2012 – Tag 4

Faulenzen im Hotel

Nachdem die fotografische Ausbeute der kleinen Expedition ins Anaga-Gebirge wider Erwarten gar nicht so schlecht ausgefallen ist, beschließe ich nach dem Frühstück es heute ganz ruhig angehen zu lassen. In der Lobby klappt es mit dem WLAN recht gut. Also publiziere ich dort meinen BLOG-Artikel des Vortages. Danach werden noch ein paar E-Mails beantwortet und ein wenig die Kollegen via Facebook geärgert. Sie sitzen im kalten Deutschland in ihren Büros und müssen schlaue Sachen programmieren während ich hier in Afrika faulenzen kann 🙂 Ok ok, ganz ernst gemeint sind meine kleinen Sticheleien nicht, schließlich war ich das ganze Jahr über durchgehend im Büro und genieße nun abgesehen von den wenigen Tagen in der Schweiz die ersten Urlaubstage.

Während ich mich mit meinem Notebook beschäftige, fällt einem der anderen Gäste mein wahrscheinlich zufrieden grinsender Gesichtsausdruck auf. Er selbst ist alles andere als zufrieden denn auch er hat Probleme mit der WLAN-Verbindung. Wir kommen ins Gespräch und verabreden uns prompt zum gemeinsamen Abendessen auf der Finca San Juan am kommenden Samstag. Vorgestern haben wir dort mit Chefkoch Tomy klar gemacht, dass er für uns ein leckeres Gericht mit mehreren Gängen bereitet. Die Krönung soll ein Rehrücken sein, wenn er ihn irgendwo in guter Qualität kaufen kann. Falls nicht gibt es Wildschwein oder Hirsch, warten wir es mal ab…

Zur Auflockerung des Textes habe ich hier für Euch ein paar Archivbilder eingefügt 🙂 (Alle Bilder wie immer 1000 Pixel breit oder hoch, ggfs. in separatem TAB öffnen)

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Während wir quatschen und quatschen ist meine Freundin Sandra schon eine ganz Weile allein in der Stadt unterwegs. Sie ist zu Fuß den Berg hinabgelaufen und jetzt schon seit mehreren Stunden unterwegs. Irgendwie tut es mir leid, da sind wir zusammen im Urlaub und es geht dann doch jeder seine eigenen Wege. Also rufe ich sie mal an und siehe da, sie sitzt glücklich und zufrieden am Plaza de Charco. Eine halbe Stunde später hole ich sie unten am Playa Chardín ab. Gemeinsam geht es zum Restaurant „Bar La Terazza“ nahe der Siedlung „Romantica II“ in Los Realejos. Meine Lieblingsruine das „Casa de Dios“ oder auch „Hamilton Haus“ liegt etwas unterhalb und so können wir einen kleinen Nachmittagssnack mit einigen netten Video-Sequenzen kombinieren 🙂

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Am Restaurant angekommen ist es tatsächlich geöffnet, Ruhetag ist am Montag. Wir sind nicht schlecht erstaunt als wir feststellen, dass die Betreiber vor etwa 10 Wochen gewechselt haben. Die Lage ist gut und die Aussicht ein Traum, aber es ist eben „Los Realejos“. Wer kennt das schon und verirrt sich hier hin außer ein paar eingefleischten Teneriffa-Fans? Mir zeigt dies, dass es nicht so einfach ist hier zu leben und vor allem zu „überleben“. Wer eine dicke Rente hat und hierher vor dem fiesen deutschen Winter fliehen kann, für den ist das alles kein Problem. Aber die Menschen die ich in den vielen Jahren die ich nun immer wieder diese Insel besuche kennen lernen durfte haben es nicht leicht. Auf Teneriffa ist niemand der ruft „Hey die Deutschen sind da, endlich!!“ Das ruft wirklich niemand und wer drauf hofft hier ein leichtes tolles Leben zu führen und es mit ein paar Wandertagen mit rüstigen reichen Rentnern finanzieren zu können, der wird sehr schnell desillusioniert wieder abreisen. Auf Teneriffa zu leben und hier mit ehrlicher Arbeit sein Geld zu verdienen ist viel schwieriger als man sich das denkt. Lang ist die Liste der Deutschen die hier ihr Glück gesucht haben und letztlich gescheitert sind. Wer hier leben und arbeiten will der muss sich auf kleine Löhne, sparsame Rentner, eine hohe Arbeitslosigkeit und ein einfaches Leben ohne „Saus und Braus“ einstellen.

Wer hier glaubt mit einem kleinen Restaurant gut über die Runden zu kommen, der muss viel bieten. Neben gutem Essen und perfektem Service muss man sehr gut Spanisch sprechen, einen ausgeprägten Sinn für‘s Geschäft haben und sich mit den örtlichen Gegebenheiten arrangieren. Wer hier unauffällig ist kann hier gut Leben. Deutschen Zuwanderern die hier mit pfiffigen Ideen Geschäfte ankurbeln die bestehende einheimische Geschäfte alt aussehen lassen, werden früher oder später mit der Brandschutz-Versicherung klären müssen wie und warum das so gut laufende Geschäft nieder gebrannt ist. Keine Seltenheit und leider die traurige Wahrheit.

Nach unserer kleinen Video-Session am Casa de Dios geht es zurück zum Hotel. Während Sandra die müden Füße kühlt bin ich mit meiner Video-Kamera draußen auf dem Hügel vor dem Hotel. Der Sonnenuntergang bringt die Wolken zum Leuchten, dass es eine Freude ist. Leider sind wir im Norden der Insel und so bekommt man hier bei Zimmern mit Meerblick weder einen Sonnenaufgang noch einen Sonnenuntergang zu sehen. Was man sieht sie die „Ausläufer“ dieser kostenlosen alltäglichen Showveranstaltung. Meist muss man sich mit dem bunt gefärbten Wolkenhimmel zufrieden geben. Will man einen echt „geilen Sonnenuntergang“ fotografieren, so braucht man neben Glück auch einen geeigneten Standort. Den findet man bspw. in Mesa del Mar oder im Gebiet beim Punta de de Teno. Auch oben im Gebirge gibt es viele Stellen für einzigartige abendliche Fotos, sehr gut ist auch die Gegend rund um Teno Alto geeignet.

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Alle Frühaufsteher sind an der östlichen Küste gut bedient. Wer wie wir immer im grünen Norden der Insel wohnt muss noch früher aufstehen und beispielsweise hoch auf den Pico del Teide, zum kleinen Gala oder ins Anaga-Gebirge fahren. Meist ist man eine Stunde und länger unterwegs. So sollte man sich am Vortag alles anschauen und genau wohin es denn gehen soll.

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In den nächsten drei Tagen haben wir Neumond. Das heißt, dass der nächtliche Himmel sehr dunkel sein wird. Dies sind gute Bedingungen für Fotos der Milchstraße. Mein aktueller Plan ist, in den nächsten 2-3 Tagen zu nächtlicher Stunde hoch oben in 2.500 Metern Höhe mit meiner Nikon D7000 und dem 10,5mm Fisheye einige Zeitraffer-Aufnahmen zu fotografieren. Ich bin sehr gespannt darauf wie sich der Himmel zeigen wird und ob die Wettergötter Mitleid mit mir haben und alle Wolken nach Tunesien oder sonst wohin schieben werden. Aber warten wir es mal ab, Ihr bekommt es hier zu sehen 🙂

Hier noch ein kleiner Vorgeschmack mit Bildern die während der letzten Reisen hoch oben im Gebirge entstanden sind.

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Teneriffa 2012 – Tag 3

Expedition ins Anagagebirge

Es ist der dritte Tag auf „meiner Insel“ und heute will ich endlich mal etwas fotografieren. Nach dem Frühstück geht es mit unserem Mietwagen in Richtung Norden. Mein Ziel ist das Anagagebirge. Teneriffa besteht aus drei Vulkanen die im Laufe der Jahrtausende zusammen gewachsen sind: Anaga, Teno und Teide

Der Anaga ist der älteste dieser drei Vulkane und wie beim Teno, der der zweitälteste Vulkan ist, sieht man keinen Krater mehr. Nach vielen tausend Jahren hat der Anaga eine wundersame Bergwelt hinterlassen die recht einzigartig ist. An den schroffen Felsabhängen wächst der Nebelwald. Das klingt nach Elfen und Herr der Ringe ist aber ein treffender Name, denn hier gibt es komischer Weise ziemlich oft ziemlich viel ziemlich dichten Nebel. Dieser Nebel war bereits in den 70er Jahren die Ursache der größten Flugzeugkatastrophe aller Zeiten und er treibt sein Unwesen auf dieser Insel bis heute. Die Pflanzen des Nebelwaldes beziehen den Großteil der benötigten Wassermenge aus den durchziehenden Nebelschwaden. Vieles was hier wächst kennt man von daheim nicht, man nennt das auch „endemisch“. Nie zuvor habe ich auch derart riesige Löwenzahn-Pflanzen gesehen wie hier. Daheim in meinem kleinen Mainzer Garten sind die Blätter des ungeliebten Löwenzahns etwa 10 bis 20 Zentimeter lang. Im Anaga-Gebirge können diese Blätter schon mal einen Meter und länger sein.

Von Puerto de La Cruz aus erreicht man das Anaga-Gebirge indem man die Autobahn in Richtung Santa Cruz nimmt. Auf der Höhe der Stadt La Laguna biegt man nicht nach rechts zum Flughafen ab, sondern nimmt im Kreisverkehr unterhalb der Autobahn die Straße nach Norden, Las Mercedes ist das Zauberwort!

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Nach einigen kurzen Fotostopps lande ich schließlich wieder einmal am überragend schönen Aussichtspunkt Pico del Ingles. Hier habe ich im Jahr 2005 schon einmal eine wirklich kalte aber dafür sternenklare Nacht verbracht. Damals habe ich immer mal wieder gedacht „Was wenn jetzt eine Truppe betrunkener gewaltbereiter Kids hier auftaucht und mich so richtig in die Mangel nimmt?“ Die Kids kamen nicht, vielleicht gibt es sie auch gar nicht und wenn, dann treiben sie ihr Unwesen sicher eher in der Inselhauptstadt Santa Cruz. Hier erreicht seit der Finanzkrise die Jugendarbeitslosigkeit ein Rekordhoch nach dem anderen. Als ich heute am Pico del Ingels eintreffe steht dort ein Polizeiauto und zwei Polizisten überwachen das Kommen und Gehen. Als ich meine GoPro von der Windschutzscheibe montiere entlockt ihnen das ein müdes Lächeln. „Schon wieder so ein Vollhorn!“ scheinen sie auf Spanisch zu denken. Mir soll es egal sein, ich habe ein paar schöne „Fahrsequenzen“ aufgenommen.

(Hinweis: Alle Bilder sind 1000 Pixel breit oder hoch. Ggfs. einfach in neuen Tab öffnen)

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Meine D800E kostet zusammen mit dem AF-S 2.8/24-70mm runde 5.000 Euro. Sie liegt auf dem Beifahrersitz und ich lasse sie einfach mal dort liegen. Sie wird ja kompetent bewacht. Andernfalls hätte ich sie mir um den Hals gehängt oder sie gut geschützt vor neugierigen Blicken im Kofferraum verstaut. Das Licht ist relativ fies und der Nebelwald macht heute seinem Namen mal wieder alle Ehre. Also filme ich nur ein wenig mit meiner kleinen Panasonic HC-X909 und mache mich aus dem Staub als wenig später ungelogen DREI Busse voller Touristen eintreffen…

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Während die Touristen den Abzweig nach Taganana nehmen werden, um sich dort mit leckerem Fisch abfüttern zu lassen, führt mich mein Weg vorbei an der überaus einsam gelegenen Jugendherberge immer weiter in Richtung Norden. Schließlich habe ich den Parkplatz erreicht an dem ich meine kleine Wanderung hinauf zu einem famosen Aussichtspunkt mitten im Nebelwald starten will. Der Weg dort hinauf ist nach den intensiven Regenfällen der vergangenen beiden Wochen nass und glitschig. Meine neuen Joggingschuhe finden hier keinen rechten Halt und ich muss immer wieder aufpassen, dass es mit nicht von den Füßen reißt. Mit dem langen BENRO Stativ an meinem Rucksack und dem großen Kugelkopf obendrauf bleibe ich an engen Passagen, an denen man unter einigen umgeknickten Bäumen hindurch muss, immer wieder hängen. Es ist ein komisches Gefühl wenn man sich allein im Nebelwald glaubt und plötzlich ein toter Baum rücklings nach einem greift und versucht sich den schweren Fotorucksack unter den Nagel (oder die Rinde?) zu reißen. Zwischendurch stelle ich immer mal wieder die Panasonic Kamera auf das kleine Manfrotto Carbonstativ und filme mich selbst wie ich durch den Nebelwald stapfe. Einen Kameramann oder eine Kamerafrau habe ich ja leider nicht dabei, alles was ich filme muss ich ganz allein filmen. Ob sich draus später daheim in Deutschland ein netter Film schneiden lässt, das bleibt noch abzuwarten.

Da ich weder Drehbuch, noch Beleuchter, Tontechniker, Scriptgirl oder etwas anderes habe, halte ich es einfach mit Brad Ratner. Kennt diesen Regisseur überhaupt jemand? Der gute Brad hat schon als kleiner Junge witzige Trickfilme erstellt bei denen er die Stop-Motion-Technik verwendet hat, also die gute alte deutsche „Einzelbildschaltung“. Als Kind nannte er seine Filmfirma „Rat-Productions“ und in seinem „Logo“ hat er damals immer mal wieder eine Ratte integriert. Warum erzähle ich Euch das eigentlich? Ach ja, ich halte es bei meiner Filmerei so wie er. Brad Ratner hat mal in einem Interview gesagt, dass es ihm am Set oft schwer fällt zu entscheiden welcher Take brauchbar ist und welcher nicht. In seinen Filmen lässt der seine Schauspieler daher viele Szenen wieder und wieder durchspielen. Erst viel später im Schneideraum wird dann entschieden welche Szene verwendet wird und welche nicht. So ähnlich mache ich es hier auch. Ich nehme einfach alles auf was mir vor die Kameralinse kommt. Alles in der Hoffnung, später Material für einen Film zu haben der zu visualisieren vermag was mir im Kopf herum geht und der dennoch jugendfrei ist 🙂

Doch zurück zu meiner Wanderung. Der Aussichtspunkt ist leicht zu finden, vor allem wenn man ein GPS dabei hat und dort der entsprechende Wegpunkt bereits aus dem Vorjahr markiert ist! Als ich dort oben eintreffe bin ich zunächst vollkommen allein. Aber dann gesellt sich ein nettes deutsches Pärchen hinzu. Er kommt aus Hamm und sie ist in Selm aufgewachsen. Auch wenn mein Freund Fabian nicht zugegen ist, ich beantworte die Frage woher ich denn komme wieder einmal mit meinem Standardsatz: „Ich komme aus den Tropen!“ Rainer würde sich leicht angewidert abwenden, die es noch nicht kennen fragen auch heute wieder ungläubig „Aus den Tropen?“ „Ja klar, aus den Tropen: BotTROP, WalTROP, CastTOP, HönTROP…“ – „Da bin ich bei wech!“ …würde einer der „normalen“ Menschen entgegnen der zwischen Rhein und Ruhr aufgewachsen ist. Wir plauschen nett und schließlich kommt was kommen muss, das Erinnerungsfoto! Ich fotografiere die Zwei gleich aus mehreren Perspektiven, mal im Hoch- mal im Querformat – besser ist das – Brad Ratner hätte es auch so gemacht!

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Als die zwei den Heimweg antreten bin ich noch zwei Stunden vom Sonnenuntergang entfernt. Laut GPS soll er um 18:06 stattfinden, wie vertreibe ich mir nur die lange Zeit? Auf der Spitze des Berges haben fleißige Arbeiter schon vor vielen Jahren eine etwa einen Meter hohe und ca. 30 cm dicke Säule betoniert. Ganz oben sind drei kleine runde Platten eingelassen. Jede Platte hat eine V-förmige Kerbe, alle drei weisen auf den Mittelpunkt Säule. Mich beschleicht der Verdacht, dass hier gelegentlich der eine oder andere Vermessungstechniker hinauf marschiert. Beim Film 2012 von Roland Emmerich haben wir ja gelernt, dass ich im Falle der schockartigen Erwärmung des Erdkernes die Kontinente ziemlich rasch verschieben können. Ob dies ein Beobachtungsposten für den Kontinentaldrift sein könnte? Egal, der Film ist ziemlicher Blödsinn und die Erde wird sich auch durch fiese Mikrowellenstrahlung der Sonne nicht in den nächsten Jahren schlagartig erwärmen. Aber der Nebel der ist real und der verhindert die Sicht in die Ferne. Immer wieder reißt der Nebel kurz auf und so kann ich schnell das eine oder andere Infrarot-Foto und mehrere HDR-Bilder schießen. Aber es ist alles weit weg von dem was ich mir gewünscht habe. Kurz vor Sonnenuntergang zieht dann der „Nebel des Grauens“ auf. Eine echt miese trübe Suppe ist das. Die Sonne ist zwischenzeitlich gar nicht mehr zu sehen und das satte 950 Meter über dem Meer! Und mit dem feuchten Nebel kommt dann auch die Kälte, ich habe nur ein dünnes Hemd mit kurzen Ärmeln dabei. Die warme Jacke liegt unten im Auto. Hier ist nichts mehr zu holen und so mache ich mich an den Abstieg. Nach wenigen Metern stoße ich fast mit einem anderen Wanderer zusammen. Er filmt seinen Aufstieg, ich meinen Abstieg, wir müssen kichern. Und stolpern auf dem engen Weg fast über unsere eigenen Füße. Im Wald ist es jetzt düster und feucht. Der Weg ist noch rutschiger als beim Aufstieg. Ich habe die Panasonic an meinem kleinen Stativ befestigt und sie um 90° nach oben gedreht. Nun kann ich das Stativ an einem ausgeklappten Bein halten und die Kamera schwebt in Kniehöhe über dem Waldboden. Vielleicht sieht das später cool aus, vielleicht hätte Brad Junior das auch so gemacht?

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Wieder greifen die Bäume nach meinem großen Stativ und es fällt schwer nicht bei jedem zweiten Schritt auf den Hintern zu fallen. Bis es dann doch passiert. Ohne eine Vorwarnung rutschen die Sohlen der neuen Sportschuhe über den matschigen abschüssigen Waldboden. Hintern und Fotorucksack haben zeitgleichen Bodenkontakt, der Kugelkopf schlägt mir gegen den Hinterkopf und die Finger der rechten Hand werden fies im Stativ eingeklemmt. Alles keine gute Idee, vielleicht hätte ich das Stativ als Ersatz für einen Wanderstab nutzen sollen? Ich rapple mich leicht stöhnend wieder hoch und bin jetzt etwas vorsichtiger.

Als ich am Auto eintreffe bin ich froh, dass noch alles Scheiben heil sind. Diese einsam geparkten „gut versicherten Touristenautos“ werden gern mal ausgeräumt, auch auf Teneriffa. Während ich meine Sachen im Auto verstaue muss ich an meine kleine Rutschpartie denken. Und es kommt mir in den Sinn vielleicht ein wunderbares Video mit dem Titel „Epic Fail im Nebelwald“ bei YouTube hochzuladen. Man darf sich nicht zu ernst nehmen…

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Der Heimweg dauert länger als befürchtet. Kurve reiht sich an Kurve, schier endlos lang. Als ich am Mirador de las Mercedes eintreffe ist die Sonne weg und die Insel hat sich unter einer dichten Wolkendecke versteckt. Die Entscheidung den Heimweg anzutreten war korrekt. Dort oben wäre nichts mehr zu holen gewesen und ohne Taschenlampe den rutschigen Weg hinab zu laufen, hätte sich nur in  begrenzten Maße als erquicklich erwiesen.

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Im Hotel angekommen sitzt Sandra eingewickelt in eine dicke Decke auf dem Sofa und schaut bei SAT1 die Serie K11 oder etwas ähnliches. Ich kann das alles nicht auseinander halten. Abendessen gibt es für mich nicht mehr, es stehen noch ein paar Kekse auf dem Tisch. So gegen 22h liege ich im Bett und lasse den Tag noch einmal Revue passieren. Diese Insel ist schon cool. Auch wenn sie an vielen Stellen dicht besiedelt ist, es gibt auch hier die einsamen schönen Ecken. Zwischen all den Hotels und Supermärkten findet man immer wieder einsame herrlich ruhige Orte. Man darf nur eines nicht tun, man darf sich nicht mit einem Bus von einem „Highlight“ zum Nächsten kutschieren lassen. Kurz raus, das knipsen was alle knipsen, rein in den Bus und weiter. Das macht keinen Spaß und es fällt mir immer wieder schwer zu verstehen warum so viele Leute diese Touren buchen. Entweder sind sie zu knauserig für einen Mietwagen, nicht gut zu Fuß oder sie sind einfach nur zu bequem um sich eines Reiseführers, einer Karte, Google-Earth oder einer der vielen anderen Medien zu bedienen die helfen eine unbekannte Insel auf eigene Faust zu erforschen. Ob diese Touristen eigentlich wissen was sie verpassen?

Teneriffa 2012 – Tag 2

Ein Tag ganz ohne Fotos

Der Internetzugang in unserem Hotel (Las Aguilas) ist eine ziemliche Katastrophe. Da habe ich jetzt für 20 Euro für 7 Tage Internet bezahlt und es will einfach nicht klappen. Egal ob ich es mit dem iPad, dem MacBook oder dem Windows 7 Notebook meiner Freundin versuche. Mein Mac zeigt mit die volle Feldstärke des WLAN Funknetzwerkes an, aber ganz gleich wie ich auch versuche eine Verbindung herzustellen, es schlägt immer wieder fehl. Gestern Abend unten in der Lobby hat es mal kurz geklappt, ich konnte sehen, dass da etwa 20 neue E-Mails in meinem Postfach waren. Aber beim Versuch sie zu lesen war es dann auch schon wieder vorbei mit der ganzen Herrlichkeit. Später habe ich dann in unserem Zimmer in der 5. Etage über mein HTC Telefon einen WLAN-Hotspot erstellt und meinen Artikel zum ersten Tag vom Mac aus über das Telefon publiziert. Als ich später auf dem Telefon nachgeschaut habe welche Datenmenge wirklich übertragen wurde, habe ich fast einen Schrecken bekommen. 12 MB wurden in nur wenigen Minuten übertragen. Ein MB kostet bei meinem aktuellen Vertrag 49 Cent. Damit kosten 12 MB etwa 6 Euro.

So habe ich heute vor dem Frühstück auf den Check meiner ungelesenen E-Mails via Telefon verzichtet und mich statt dessen auf unsere Freizeit konzentriert – schließlich sind wir ja nicht hier um uns hier zu ärgern 🙂

Beim Frühstück dann die angenehme Überraschung, dass sich seit unserem letzten Aufenthalt nicht nur das Abendessen deutlich verbessert hat. Auch das Frühstück ist deutlich reichhaltiger und die Auswahl an Wurst, Käse, Obst, Brot usw. lässt nun keine Wünsche offen. Hier sollte jetzt für jeden etwas dabei sein! Und es gibt zwei neue Kaffeeautomaten. Nun schmeckt hier sogar der Kaffee, es ist fast wie im Paradies!

Las Aguilas - Puerto de la Cruz - Tenerife

Als wird uns kaum noch bewegen können, manövrieren wir unsere Körper ziemlich träge und ungeschickt in den kleinen Aufzug. Oben im Zimmer angekommen planen wir kurz den Tag. Etwas später sind wir beim LIDL gleich unten um die Ecke. Dieser Supermarkt existiert hier erst seit kurzer Zeit und er war lange ein Politikum auf dieser kleinen Insel. Aber die Menschen scheinen diesen Discounter gut angenommen zu haben. Das Angebot steht der deutschen Auswahl in nichts nach. Wer hier eine Ferienwohnung mietet, kann sich hier preiswert mit allem versorgen was man braucht um Spaß am Überleben zu haben.

Vom LIDL aus geht es zum gegenüber gelegenen Einkaufszentrum, in den AlCampo. Dort kaufe ich einen 16GB USA-Stick für das Autoradio in unserem Mietwagen. Der Stick kostet nur 7,99 Euro und es passt da echt viel Musik drauf. So sollte es uns in den kommenden Tagen hier nicht langweilig werden.

Zwar könnte ich auch von meinem Handy die Musik via Audiokabel einspeisen. Ich habe solch ein Kabel sogar dabei, aber das 12Volt Autoladekabel habe ich daheim vergessen und die Halterung für die Windschutzscheibe ebenfalls. Überhaupt habe ich vieles von dem vergessen was ich gern mitgenommen hätte.

Eigentlich hatte ich mir gewünscht mit der genialen kleinen Fuji X100 ein paar eindrucksvolle Infrarot-Aufnahmen zu machen. Aber den Filteradapter habe ich irgendwie verlegt und findet ihn aktuell einfach nicht. Ohne diesen Pfennig-Artikel kann ich den Infrarot-Filter nicht an der X100 befestigen und damit ist der Grund für die „Mitnahme“ entfallen. Sie liegt nun daheim im Bankschließfach 😦

Aber es musste noch weitere Dinge daheim bleiben. So leisten meine Hasselblad-Kameras, die D700, die D300, die Mamiya, die Rolleiflex und vor allem mein heiß und innig geliebtes Teleobjektiv Nikon AF-S VR 4/200-400mm der kleinen Fuji X100 Gesellschaft im dunklen sicheren Schließfach.

Während der letzten Jahre habe ich immer wieder festgestellt, dass man auf Reisen eh nicht mit vielen Kameras gleichzeitig fotografieren kann. Und wenn man nicht allein reist klappt das mit dem „extremen Fotografieren“ meist eh nicht. In der Regel ist der Begleitung zu kalt, sie hat Hunger, muss mal wohin oder findet es einfach langweilig stundenlang den Sonnenuntergang anzuschauen.

Berücksichtigt man all das, so fällt es relativ leicht das Equipment auf das zusammenzustreichen was notwendig und halbwegs sinnvoll ist. Letztlich wird es trotz allem eh wieder viel zu viel sein 🙂

In diesem Jahr habe ich folgendes dabei:

  • Panasonic Full-HD Videokamera
  • Nikon D800E
  • Nikon D7000 (Reserve)
  • Nikon SB-28DX (Werde ich wohl eh nicht brauchen)
  • Nikon AF-D 2.8/10,5 – Für Zeitrafferaufnahmen des Sternenhimmels mit der D7000
  • Nikon AF-S VR 4/16-35
  • Nikon AF-S 2.8/24-70
  • Nikon AF-D VR 80-400
  • Nikon AF-S 1.4/50 (Für available light, mal sehen ob das was wird…)
  • Nikon AF-S VR 18-55 für D7000
  • SAMYANG 2.8/15mm Weitwinkel für D800E
  • Kabelauslöser für D800E
  • B&W Polfilter 77mm
  • B&W Grauverlaufsfilter 77mm
  • HAMA IR-72 Infrarotfilter 77mm
  • Filteradapter 52-77mm
  • Benro Carbon Stativ mit FLM-Centerball 38FT
  • Manfrotto Carbonstativ mit Manfrotto Kugelkopf
  • Lowe Pro Mini Trecker AW Fotorucksack
  • GoPro HD HERO 1080
  • Eieruhr mit GoPro Fuß für Zeitraffer-Schwenks
  • Sensorswabs & Eclipse Reinigungsfluid

So das war es dann auch schon, eigentlich eine recht übersichtliche Ausrüstung, oder? Ok ok, es ist viel zu viel – ich gebe es ja zu! Allein mit der Nikon D7000 und dem AF-S VR 18-200mm wäre ich wahrscheinlich ausreichend gerüstet. Aber ich hätte sicher ständig das Gefühl im Ernstfall etwas zu verpassen. Und schließlich möchte ich Euch im Januar 2013 schöne neue Beispielfotos und Videosequenzen aus der Nikon D800E präsentieren. Dies ist schließlich das eigentliche Ziel der Reise 🙂

Zurück zum AlCampo… Dort wird die vergessene Sonnenbrille „ersetzt“ und es gibt auch noch ein Paar bequeme Sportschuhe. Alles in allem haben wir etwa 20 Euro für „Badezimmerartikel“ ausgegeben. Statt Haarspray, Rasierschaum, Shampoo und Duschgel im Flugzeug zu transportieren haben wir es hier preiswert eingekauft.

Die vergessene Sonnenbrille hat 15 Euro gekostet und die Nike-Sportschuhe gab es für 44,50 Euro. Im Vergleich zu heimischen Supermärkten sind die Preise hier meiner Meinung nach etwas moderater.

Sehr preiswert war die erste Tankfüllung. Ein Liter Super 95 ist hier aktuell für 1,07 Euro zu haben. Tanken muss man nicht selbst und im Preis ist die fachgerechte Reinigung von Windschutzscheibe und Rückspiegeln enthalten. Ein paar Euro Trinkgeld sollte man angesichts dieser guten Serviceleistungen mit einrechnen.

Mit frisch gefülltem Tank geht es dann weiter zu „unserer“ Finca oberhalb von San Juan de la Rambla. Den Eigentümer Jo Schlichting treffen wir leider nicht an, aber Tomy und Sylvia sind da. Als wir eintreffen geben ein paar Gäste geben gerade ihre Bestellungen auf. Wir gesellen uns dazu und freuen uns über Garbanzas, Salat, Aioli mit Brot und ein leckeres frisch gezapftes Bier mit Sprite, das man selbst hier in Afrika als „Radler“ kennt. Es ist kalt, frisch und soooo lecker!

Finca San Juan - Tenerife

Nach einem Ramazotti und einer kleinen süßen Nachspeise verabschieden wir uns und düsen heim noch schnell zum Aussichtspunkt „El Mazape“ oberhalb des Barranco Ruiz. Hier hat man einen fantastische Sicht in diese raue unwegsame Schlucht. Oberhalb in den Bergen sind einige Häuser zu sehen die sehr typisch für die Kanaren kunterbunt angestrichen sind. Die Aussicht dort oben muss grandios sein, aber die Siedlung liegt so hoch, dass die Wolken bereits die Dächer der Häuser zu berühren scheinen. Wer dort oben wohnt wird viele Tage des Jahres bei Kälte und Nebel in seinen 4 Wänden sitzen. Manchmal fällt es hier schwer zu verstehen warum es immer wieder Häuser an schwer zugänglichen entlegenen Teilen dieser tollen Insel gibt.

Zurück am Hotel erstelle ich einen kleinen „Testschwenk“ mit meiner kleinen GoPro und der Eieruhr. Die Eieruhr ist an der Unterseite magnetisch und so haftet sie ganz großartig am Balkongeländer. Ich ziehe sie auf 30 Minuten auf und stelle die GoPro so ein, dass sie 1 Bild/Sekunde aufnimmt. Nach einer Stunde sind zwei Kameraschwenks mit insgesamt etwa 3500 Bildern aufgezeichnet. Diese kopiere ich schnell mit einem Cardreader auf die zweite Festplatte in meinem MacBook. Anschließend werden die Bilder in Final Cut Pro X importiert. Danach markiere ich sie alle und ziehe sie in das Storyboard. Nochmals werden sie alle markiert, dann zu einem Clip zusammen gefasst. Anschließend verwende ich die Retime-Funktion um die beiden aufgezeichneten Kameraschwenks auf etwa 20 Sekunden zusammen zu schieben. Danach wird das Format von 4:3 auf 16:9 angepasst. Das ganze wird dann im Apple ProRes Format exportiert was echt schnell geht weil nichts komprimiert und hin und her gerechnet werden muss. Für den Upload bei YouTube wird noch schnell eine kräftig komprimierte Kurzfassung erstellt 🙂

Am Ende des Tages sitze ich mit meiner Freundin Sandra auf dem Sofa. Während ich diesen Artikel schreibe, läuft im Fernsehen K11. Alles ist sehr entspannt und fast ein wenig wie zuhause, nur ohne Schneematsch und kalte Füße. Statt dessen gibt es Knoblauch,Tapas und leckeren Rotwein. Wenn das kein guter Tausch ist…

Und später unten in der Lobby klappt es dann auch mit dem Internet 🙂

Teneriffa 2012 – Tag 1

Anreise mit Hindernissen

Als wir am morgen aufstehen verheißt der erste Blick nach draußen nur wenig gutes. Mein Auto ist fast 20cm hoch mit Schnee bedeckt und es schneit weiter. Der Gedanke bereits am Abend bei einem Glas Rotwein in der Hotelbar auf Teneriffa zu sitzen tröstet mich über das Deutsche Winterelend hinweg…

Die Koffer haben wir schon am Vorabend fertig gepackt vor der Türe abgestellt, so kann es nach einer Tasse Kaffee gleich losgehen. Doch vor den Start meiner Dieselrakete habe die Götter den Schneeschieber gestellt. Aber es dauert nicht lange, da habe ich mich auch schon durch das kalte flockige Weiß hindurch gekämpft. Etwas später auf der Autobahn ist dann ein ziemliches Chaos. Es ist Sonntag, es ist relativ früh am Tag und geräumt ist so gut wie gar nichts. Bis zum Flughafen in Düsseldorf sind es 96 Kilometer, die legen wir bei Tempo 60-80 auf einer festgefahrenen Schneedecke oder in gut sichtbaren Spurrillen zurück. Statt den Flughafen direkt anzusteuern fahre ich zum ICE-Bahnhof. Dort setze ich meine Freundin Sandra und all unser Gepäck in der warmen Wartehalle ab. Danach parke ich mein Auto auf einem alte bekannten öffentlich Parkplatz gleich gegenüber des Gebäudes in dem ich im Jahr 2006 und 2007 eine Weile gearbeitet habe. Nach einem kurzen Fußmarsch bin ich dann wieder am ICE-Bahnhof. Die Schwebebahn bringt uns zielsicher zum Terminal B. Der Check-In für unseren Flug DE7480 mit Condor ist am Schalter 257-261.

Vorab habe ich mich per SMS Dienst informiert ob der Flieger pünktlich startet. Das ist für ePlus Kunden ganz einfach. Man schickt einfach eine SMS mit dem Inhalt „FLUG DUS DE7480“ an die ePlus SMS-Servicenummer 1001. Sekunden später piepst das Telefon und man erhält eine SMS-Bestätigung des Fluges, der Schalter für den Check-In und des Gates für den Abflug. Super!

Von der Haltestelle der Schwebebahn zum Schaltet 261 ist es ein weiter Weg. Wir müssen mit all unserem Gepäck einmal komplett durch den ganzen Düsseldorfer Flughafen laufen und das neue Terminal ist wirklich groß! Der Check-In klappt Problemlos, wir haben die Plätze 34E und 34F – ich darf am Fenster sitzen! Das ist prima, so kann ich ein paar Fotos mit dem Handy schießen.

Der Weg zum Gate 44 ist dann ein echter Irrweg, es geht rauf und runter, links, rechts, Treppe hoch, rechts, links, zwei Treppen hinunter, irgendwann sind wir schließlich doch angekommen. Eine kurze Inspektion der Toiletten ergibt, sie sind etwa so sauber wie Am Flughafen Köln-Bonn, und zugleich in deutlich besserem Zustand als am Flughafen Frankfurt. Nur frage ich mich wer diese Toiletten an die Wand geschraubt hat. Die Oberkante ist etwa 40 cm oberhalb der nüchternen weißen Bodenfliesen…

Als wir am Gate eintreffen ist dort schon echt was los und dabei dachte ich wir wären viel zu früh… Ich hocke mich noch eine Weile auf den Boden, Sitzplätze gibt es keine mehr. Nach etwa 30 Minuten beginnt dann das Boarding. Als ich kurz vor dem Mitarbeiter stehe der gleich meine Bordkarte abreißen will fällt mir ein älterer Mann mit sehr kurzen grauen Haaren auf. Er schaut nicht gut aus, er wankt und hält sich nur mit Mühe an ein Fenster gelehnt aufrecht. Plötzlich springt einer der Fahrgäste aus der Schlange auf in zu „Er kippt, er kippt…“ ruft er uns schon sackt der alte Mann ihm in die helfenden Arme. Mein Flugdienst-Mitarbeiter bemerkt von alle dem zunächst nichts. Er reißt meine Karte ab, wünscht mir einen guten Flug und die unruhige Rentnerschar hinter mir schiebt mich schon in Richtung Shuttle-Bus. Vom Bus aus können wir dann beobachten wie sich um den alten Mann eine Menschentraube bildet. Einige Minuten später trifft dann schon ein Krankenwagen ein.

Im Flieger heißt es lange zu warten. Was ist wohl mit dem älteren Herrn, ob es ihm gut geht? Nach etwa 30 Minuten wissen wir es dann, es geht ihm besser, zwei Sanitäter liefern ihn in unserem Flugzeug ab. Teneriffa ist echt die Insel der Rentner und viele der Fluggäste sind wahrscheinlich gesundheitlich gar nicht mehr in der Lage diese Reise wirklich auf sich zu nehmen. Aber sie tun es dennoch. Aber sie sind nicht das Problem. Als Hauptproblem stellt sich ein hyperaktiver etwa 5 Jahre alter Junge heraus. Seine Eltern lassen ihn gewähren und lesen ihrem kleinen Prinzen jeden noch so winzigen Wunsch von den Lippen ab. Ob sein Name Tobias ist? Ok, nennen wir ihn Tobias – das passt sehr schön zum gleichnamigen Sketch der Comedy-Truppe „Badesalz“.

Dieser Tobias wird während des kompletten Fluges ständig gegen meinen Sitz treten, wild herum schreien, knötern und seine kleinen Gliedmaßen wieder so recken, dass mir fast die Cola aus dem Becher schwappt.

Langsam beginnt sich Kinderhass in ungeahnten Dimensionen in mir auszubreiten und mir kommt das Bild von Arnold Schwarzenegger als Kindergarten-Cop in den Sinn. Kennt Ihr diesen Film? Ich meine die Stelle in der dieser fiese kleine Junge ständig gegen den Sitz von Arnold Schwarzenegger tritt. Irgendwann nimmt er einen Bleistift in die Hand, dreht sich damit zu dem kleinen Jungen herum, hält ihm den Bleistift vor die Nase und sagt die Worte „Wenn Du das noch einmal machst, dann mache ich das hier mit Dir!“ Danach bricht der den Bleistift mit einer einfachen Daumenbewegung in zwei Teile. Eine grandiose Idee des Drehbuchautors. Ich habe heute leider keinen Bleistift zur Hand…

Das Geschrei steckt weitere Kinder im Flieger an. Ein kleines Mädchen kreischt immer wieder Auuuuuaaaahhhh Auuuuuuuahhhhhhh…. Keine Ahnung was ihr weh tut, wahrscheinlich sind es die überstrapazierten Stimmbänder… Als es endlich losgeht und ich einige Minuten später meine BOSE Quiet Comfort Kopfhörer endlich aufsetzen kann, ist die Welt halbwegs im Lot. Wenn nicht Tobias immer wieder gegen meinen Sitz treten würde. Können diese bescheuerten Eltern ihr Kind nicht mal zähmen und ihm sagen was man in einem Flugzeug macht und was nicht?

Nach etwa 5 Stunden ist die Tortur dann endlich überstanden. Ich bin dankbar und glücklich, dass ich mein iPad dabei hatte und mehrere neue Folgen der 5. Staffel von Breaking Bad anschauen konnte. So ist die Zeit relativ schnell vergangen.

Ab Flughafen TFS (Tenerife-Sur) klappt alles wie am Schnürchen. Während sich Sandra um die Koffer kümmert organisiere ich uns bei Cicar einen Mietwagen, einen „neuen“ Opel Astra. Als wir am Parkplatz 36 eintreffen ist das Auto zwar sauber und halbwegs neu, aber mehrfach beschädigt. Keine Seite ich ohne Dellen und Schrammen. Ein „Nachbar“ der sich eben am Schalter grandios vorgedrängelt hat sagt nur „Das ist doch scheißegal, die Karren sind doch eh alle Vollkasko-Versichert!“ Mir ist es nicht egal, den in der Regel hat man ein „Risiko“ sprich eine Selbstbeteiligung und ich will nicht für die Schäden anderer einspringen müssen. Aber die kleine Cicar „Bude“ ist mal wieder nicht besetzt und ich habe auch keine Lust zurück zum Flughafen zu laufen um mir ein lapidaren „It‘s okay, it‘s okay…“ wie  im letzten Jahr anzuhören. Also geht es los, vollgetankt ist er auch nicht, laut Cicar soll er halbvoll sein, es ist jedoch eher ein Viertel als eine Hälfte. Wir sind rein geographisch gesehen in Afrika, das merkt man sehr schnell bei den Mietwagen.

Die Fahrt zu unserem Hotel fahre ich fast wie im Schlaf, so gut kenne ich diese „meine“ Insel inzwischen. Es sind etwa 100 Kilometer und als wir am Hotel Las Aguilas in Puerto de la Cruz eintrudeln ist es schon dunkel. Der Mitarbeiter an der Rezeption spricht ein sehr gutes gepflegtes Deutsch und erklärt uns alles. Auch wenn es noch notwendig wäre, denn es ist schon mein fünfter oder sechster Aufenthalt in diesem recht schönen Hotel.

Die letzten Jahre haben meine Freundin Sandra und ich auf der Finca-San-Juan verbracht. Doch in diesem Jahr ist uns ein recht preiswertes Angebot via Opodo ins Auge gesprungen. Via Neckermann-Reisen hat die gesamte Reise inkl. Flug, Hotel und Frühstück etwa 1.600 Euro gekostet. Ähnlich viel hatten wir im letzten Jahr allein auf der Finca für unser kleines „Eigenheim“ bezahlt. Vom Flug und den Kosten für die Verpflegung ganz zu schweigen. So gesehen ist diese Reise wirklich preiswert!

Nach dem Auspacken unserer Koffer geht es in das Hotel-Restaurant. Ich hatte es in kleiner guten Erinnerung, daher haben wir nur „Übernachtung mit Frühstück“ gebucht. Aber was das abendlich Buffet dann zu bieten hat überrascht uns wirklich. Alles was wir probieren schmeckt sehr gut und es gibt auch einen Flasche mit leckerem Rotwein. So kann der Urlaub beginnen!

Frustrierend sind dann aber die ersten Versuche mein MacBook in der 5. Etage in das WLAN des Hotel einzuhängen. Ich habe für 7 Tage bezahlt, 20,- Euro kostet das. Es wird auch ein WiFi Netzwerk mit dem verheißungsvollen Namen „Las Aguilas WiFi“ angezeigt. Aber der Connect klappt einfach nicht. Erst unten in der Lobby klappt es dann. Doch die Verbindung ist quälend langsam und die ersten Fotos des Tages habe ich oben auf dem Zimmer auf meinem Telefon.

Aber egal, Ihr habt vielleicht auch mal Spaß an einem Post in dem es nur was zu lesen gibt, oder?

Sobald ich schöne Bilder habe versuche ich sie hier für Euch zu zeigen. Jetzt geht es aber erst einmal unter die Dusche und dann ins Bettchen. Es war ein langer anstrengender Tag. Was der kleine Tobias jetzt wohl macht? Ober er die Sprungfestigkeit der Matratzen in einer kleinen Ferienwohnung testet, ein paar Gläser umwirft und seinen total verständnisvollen Eltern den letzten Nerv raubt? Ich werde es wahrscheinlich nie erfahren und das ist sicher auch besser so…

Gute Nacht 🙂