Teneriffa 2012 – Tag 5

Driving Sideways

Und auch dieser Tag beginnt wie alle Tage hier beginnen. Die Sonne geht auf, es ist halbwegs warm, am Himmel hängen draußen über dem Meer ein paar nette bunte Wolken, so muss es im Paradies sein 🙂 Nach dem Frühstück packen wir unsere Sachen und statten Tomy und Sylvia auf der Finca San Juan einen kurzen Besuch ab. Dort werden wir mit diesen Worten empfangen: „Na, Ihr zwei könnt auch nicht ohne uns gell?“ Momente wie dieser machen für mich die Reisen nach Teneriffa aus. Klar könnte man auch nach La Gomera, Gran Canaria oder zu einer der vielen anderen schönen Inseln fliegen. Aber hier auf Teneriffa haben wir inzwischen Freunde gefunden und hier fühlen wir uns schon fast wie zuhause. Man kann schlecht in Worte fassen was es ist was mich hier so fasziniert. Dadurch, dass ich mich hier mittlerweile so gut auskenne gibt es praktisch keinen Urlaubsstress. Bei anderen Urlaubszielen muss man sich stets neu orientieren, schauen wie was geht, wo man was findet. Das hat auch seinen Reiz, aber es kann auch ein wenig aufreibend und anstrengend sein. Wenn ich einfach nur meine Ruhe haben will und gleichzeitig den fiesen nasskalten Tagen in der Heimat entkommen möchte, dann bin ich hier genau richtig.

Und „abfotografiert“ ist diese Insel noch lange nicht 🙂

(Alle Bilder 1000 Pixel breit oder hoch – einfach in neuem Tab öffnen)

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Heute geht es nach der kurzen Stippvisite bei Tomy und Sylvia über kleine verwinkelte Straßen in Richtung Süd-Westen. Unser Ziel ist der „Trailhead“ unterhalb des „kleinen Gala“. Von dort hat man eine großartige Sicht auf den Teide, wenn es nicht neblig ist! Und heute ist es leider wieder einmal echt neblig. Das scheinen die letzten Ausläufer des Tiefdruckgebietes zu sein, dass in den letzten Wochen hier so krasse Niederschläge mit sich gebracht hat.

Sandra ist es zu kalt und sie bleibt mit ihrem Kindle im Auto zurück. Ich wandere mit der D800E, mehreren Objektiven und meinem großen BENRO Carbon-Stativ den Weg zum kleinen Gala hinauf. Immer wieder halte ich an und mache ein paar Fotos. Viele Bilder mit Infrarot-Filter. Das klappt besonders mit dem Nikon AF-S VR 4/16-35mm recht gut. Das Filtergewinde an diesem Objektiv ist fest mit dem Gehäuse verbunden und man berührt das eigentliche Objektiv-System nicht wenn man den Infrarot-Filter aufschraubt. Man kann also in Ruhe ohne den Filter sein Motiv wählen, korrekt scharf stellen und dann den Filter aufschrauben. Den Autofokus schaltet man zwischendurch auch noch ab und dann gelingen bei ISO-100, Blende 11 und 30 Sekunden (!!!) Belichtungszeit sehr ungewöhnliche Schwarzweiß-Fotos.

Irgendwann sind die Wolken und der Nebel so dicht, dass ich kaum noch meine Füße erkennen kann. Das hilft bei der Erkenntnis, dass es heute mit tollen Fotos wohl nichts mehr werden wird – wieder einmal. Etwas frustriert geht es den Berg hinab zum Auto in dem Sandra schon sehnsüchtig auf mich wartet. Wir haben Hunger! Kein Problem, ein paar hundert Meter weiter ist ein nettes Restaurant in dem ich schon mehrmals war. Dort gibt es leckeres Kaninchen mit original kanarischen Schrumpel-Kartoffeln (Papas Arugadas), frisches Brot und ein Töpfchen Aioli – lecker!

Auf dem Rückweg nehmen wir eine noch kleinere Seitenstraße. Sandra kriegt zwischendurch ein wenig die Krise, diese Straßen sind echt eng und vor allem extrem kurvenreich. Im Auto philosophieren wir woran das liegen könnte. Mir kommt es vor als wären die Orte durch die wir fahren in einer Zeit entstanden, als es hier noch keine Autos gab. Für ein paar Esel und Pferde sind die Straßen damals sicher breit genug gewesen. Dann kamen die Autos und die Touristen. Viele Bewohner der kleinen Bergdörfer müssen nur kurz stolpern und schon stehen sie nicht mehr im Wohnzimmer sondern mitten auf der Straße. Bei uns wäre das kaum denkbar, hier ist es völlig normal.

Daheim im Hotel gibt es wieder Naseband & Co – K11 nennt man das wohl. Danach kommt die nächste Sendung mit der 11 – Alarm für Cobra 11. Dann der Transporter, dieser Krams nimmt einfach nie ein Ende. Aber ich muss nicht hinschauen und auch nicht hinhören. Ich kümmere mich um meine Fotos und Videos und schreibe für Euch diesen kleinen Artikel. Der WLAN Empfang hier oben kommt und geht. Je nach dem wie und wo man sitzt klappt es mal und dann wieder nicht. Also geht es jetzt noch schnell runter in die Lobby, da geht es recht gut.

Einige Bilder des Tages hänge ich Euch auch noch an. Die Video-Sequenzen gibt es dann im Januar als Teil meines nächsten „großen Videoprojektes“ zu sehen.

Hier einige „echte“ Infrarot-Aufnahmen. Durch die lange Belichtungszeit von 30 Sekunden sind die Wolken krass verwischt. Ein Effekt der mir sehr gut gefällt. Eigentlich ist die D800E nicht wirklich gut für der Infrarot-Fotografie geeignet. Der eingebaute Infrarot-Sperrfilter wirkt sich in der Regel eher störend aus. Mit aufgeschraubtem Infrarot-Filter funktioniert an dieser Kamera nichts mehr was elektronisch oder automatisch ist. Man muss den Filter ständig ab- und wieder anschrauben, das nervt total. Bei meiner kleinen Fuji X100 ist das grundlegend anders. Und wenn ich Chaot den blöden Filter-Adapterring nicht verschusselt hätte, könnte ich mit ihr hier im infraroten Bereich knipsen was das Zeug hält. So muss es mit der sperrigen D800E gehen. Aber die Ergebnisse sind wirklich überzeugend und entschädigen so für den Frust bei ihrer Erstellung.

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Hier nun ein HDR-Foto das ich in ein Schwarz-Weißbild konvertiert habe – sieht auch gut aus – gell? Nur die Wolken sind eben gar nicht verwischt…

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Hier nochmals ein „echtes“ Infrarot-Foto. Wer genau hinsieht kann die Spitze des höchsten Berges der Spanier zwischen all den Wolken erkennen…

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Und zum Abschluss noch einmal das identische Motiv. Diese beiden Fotos sind sehr unterschiedlich und zeigen sehr schön wie krass sich heute die Lichtverhältnisse innerhalb von nur wenigen Augenblicken immer wieder geändert haben.

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Morgen ist schon Freitag, die Zeit vergeht hier scheinbar schneller als daheim. Kaum ist man wirklich angekommen, da muss man schon fast wieder los. Manchmal beneide ich die rüstigen Rentner die hier in ihren komischen kurzen Hosen mit weißen Tennissocken in Sandalen etwas ungelenk herum laufen. Sie haben es wirklich gut, es ist fast immer angenehm warm. Das Meer reguliert die Temperaturen und die salzhaltige Luft ist wie Balsam für meine Bronchien.

Manchmal wenn ich hier bin muss ich an die Insel aus der Fernsehserie „Lost“ denken. Dort stürzt ein Flugzeug auf einer einsamen Insel ab die magische Kräfte hat. Kranke werden schnell wieder gesund, Lahme können wieder laufen. Ok, ganz so ist es nicht, aber es geht eindeutig in diese Richtung 🙂

Infrarot-Fotografie mit der Nikon D700

Es ist Samstag und die Sonne lacht. Gleich nach dem Frühstück sitzen wir schon in Sandras neuem Cabrio und genießen das Leben. Nach einem kurzen Zwischenstopp bei der Bonner Peugeot Niederlassung (->Wo ist der Schlüssel für das Felgenschloss?) geht es über die Autobahn weiter in Richtung Siegburg. Kurz vor Hennef verlassen wir die Autobahn und fahren ein wenig auf der Wahnbachtalstraße. Ich schaue auf dem HTC Desire HD via google Maps nach dem Weg. Ich habe im Hinterkopf, dass es hier in der Nähe das „Sieg-Wehr“ geben müsste. Nach ein paar Minuten haben wir es dann auch schon gefunden. Schnell das Auto parken und das Dach schließen – ein Vogel hat es schon gesehen!!

Alle Fotos haben 1000 Pixel Seitenbreite – einfach anklicken um diese größere Darstellung zu öffnen!

Auf eine outdoor Fototour ist Sandra nicht vorbereitet. Die Schuhe sind unpassend und die fetzig rote Jacke und die schwarze Hose sind an diesem tollen Spätsommertag definitiv zu warm. An der D700 habe ich ein altes Nikkor AiS 2.0/105mm – ein perfektes Portrait-Objektiv mit wirklich tollem Bokeh (Hintergrundunschärfe).

Dann kommt ein 8x Graufilter vor die Linse. Aber es ist trotz allem viel zu hell für „normale“ Fotos mit Bewegungsunschärfe innerhalb der vom Wehr herabstürzenden Wassermassen.

Außerdem steht die Sonne hoch und das Licht ist richtig fies. Diese „Schüsse“ kann man eigentlich gleich wieder löschen. Ich setze mal ein anderes altes Nikkor AiS 4/200mm an das Bajonett der D700 und schraube den Graufilter samt aller Filteradapter an dieses Objektiv.

Damit bekommt man annähernd den „Wisch-Effekt“ hin den ich mir vorstelle. Ich warte eine Weile ab und dann haben tatsächlich alle drei Wildgänse den Kopf erhoben 🙂

Aber die Farben sind blass und das Licht wird immer fieser. Aber wie wäre es denn mit ein paar Infrarot-Aufnahmen? Ich krame mal mein altes Nikkor AiS 2.0/35mm und meinen HAMA INFRARED R-72 aus dem Fotorucksack. Mit ein paar Adapterringen passt dieser nicht ganz billige Filter an (fast) alle Objektive die dabei habe. Lediglich mein Sigma 17-35mm hat einen Filterdurchmesser von 82mm – das ist wirklich riesig und fast jeder Filter bewirkt hier auch krasse Abschattungen der Bildecken. Also lassen wir dieses Ding mal außen vor! Gern hätte ich vorort mit der D7000 ein paar Fotos der D700 mit den diversen Filtern geknipst, aber Sandra hat nur eine SD-Karte dabei und diese ist irgendwie kaputt. Nach genau 70 Bildern läßt sich alles was danach kommt nicht mehr öffnen. Also weg mit dem Ding… Ich bin insgeheim ganz froh, dass ich in der D1x, D2x, D300 und D700 die guten alten großen CF-Karten verwenden kann. Die sind deutlich robuster und ich hatte noch NIE irgendein Problem damit! Die fummeligen kleinen SD Karten sind mir auch schon mehrfach kaputt gegangen. Meist bricht bei intensiver Nutzung irgendwann das dünne Plastikgehäuse auseinander.

Daher habe ich hier zwei „indoor“ Fotos der D700 mit dem 2.0/35mm und dem Infrarot-Filter die ich eben für Euch mit der D7000 und einem Nikon SB-800 gemacht habe. Mit dem SB-800 habe ich einfach nach oben gegen die weiße Decke geblitzt. Man sieht hier sehr schön, dass dieser IR-Filter fast schwarz ist. Ist er vor dem Objektiv, sieht man nichts aber auch gar nichts durch den Sucher. Auch der Live-View funktioniert damit NICHT!

Da hilft also nur eines, man komponiert mit der Kamera auf dem Stativ in aller Ruhe sein Motiv und schraubt dann den IR-Filter vor das Objektiv. Die Blichtungszeiten liegen bei ISO-100 und Blende 8 bei etwa 20 bis 30 Sekunden und das am hellichten Tage!!

Auf dem Display der D700 zeigen sich recht blasse nicht wirklich spektakulär wirkende rotstichige Bilder wie dieses hier:

Aber man darf sich davon nicht entmutigen lassen und sollte parallel IMMER ein RAW-Bild aufzeichnen. Bei der RAW-Konvertierung wird später am Computer erstaunliches sichtbar werden!

Kontraste und Bewegungsunschärfe sind wirklich spektakulär! Dadurch, dass nur langwelliges (rotes) Licht den Filter passieren kann, gibt es keinerlei wahrnehmbare Abbildungsfehler in den Bildecken (Chromatische Aberation). Hat man alles richtig gemacht, sind die Bilder dadurch wirklich „knackscharf“.

Nach den IR-Bilder kommt dann die Wide-V Pinhole mit Blende f/216 vor die D700. Mit diesem Ding funktioniert der Live-View relativ gut und man kann in Ruhe sein Bild komponieren. Die Belichtungszeit liegt bei ISO-100 und hellem Tageslicht bei etwa 2 Sekunden. Die Bewegungsunschärfe ist toll, der Retrofaktor auch, das Ergebnis wirkt fast wie ein Gemälde und das ganz ohne Tricksereien mit einer Bildbearbeitungs-Software!

Danach wird das LOREO LENS IN A CAP Plastikobjektiv an die D700 gesetzt und es gibt ein paar vergleichende „Retro-Fotos“ wie dieses hier. Die Kontraste sind blass und die Bildränder sanft abgeschattet, ich mag dieses kleine runde Ding!

Danach geht es auf die Terrasse der Ruderclubs oberhalb des Wehrs und es gibt etwas kaltes zu trinken und vor allem gibt es SCHATTEN unter einem Sonnenschirm!

Hier habe ich noch ein „Out-Out-The-Cam“ JPG, also ein Foto das die Kamera so geliefert hat wie es ist, ich habe es lediglich verkleinert um Speicherplatz in meinem BLOG zu sparen. Das Foto ist mit einem Sigma AF 2.8-3.5/17-35mm gemacht. (ISO-200, F/9, 1/320s, -0.7 EV)

Abgesehen von leichten Abschattungen der Bildecken bei offener Blende ist dieses preiswerte relativ billig wirkende Objektiv an der D700 gar nicht so verkehrt. Man muss also immer einen schweren „Knüppel“ mit sich herum schleppen um schöne Weitwinkel-Fotos mit extremer Tiefenschärfe zu erzielen.

Anschließend geht es nach Ingersau zur Pfannkuchenmühle – super! Den Rest des Tages verbringen wir mit einer famosen OOT (Oben Ohne Tour) durch das Bergische Land. Was für ein Tag 🙂

Die Bilder in diesem kleinen Artikel zeigen, dass man sich ein Motiv durch die geeignete Wahl des Standpunktes und des Objektives „erarbeiten“ muss. Für mich sind die beiden hier gezeigten IR-Fotos der Knaller schlechthin. So gut wie mit diesem Filter und diesem Objektiv ließ sich dieses spröde Motiv mit „normalen“ Mitteln nicht abbilden.