Der erste Einkauf – Oder: Warum es hier so schön ist

Die erste Nacht in Stavanger war trotz Campingplatz ruhig und erholsam. Um 9h weckt uns die Sonne, sie versucht es schon seit mehr als fünf Stunde. Aber wir schlafen wie zwei Steine. Nach dem Zähneputzen versuche ich mich mal wieder mit der kleinen Dusche in unserem tollen Reisemobil. Das Gefährt hängt seit mehr als zwölf Stunden am 220 Volt-Netz. Ich hoffe, dass es warmes Wasser gibt. Leider Fehlanzeige, aber ich bin danach echt wach! Scheinbar funktioniert der 30 Liter Boiler nur mit Gas. Ich sollte mal die Bedienungsanleitung lesen, aber es gäbe so viel zu lesen. Wir haben zwei dicke Reiseführer und was weiß ich alles dabei. Wann ich das alles lesen soll weiß ich gar nicht so recht. Irgendwie ist es aber auch schön sich ein wenig überraschen zu lassen. Das Gas ist jetzt aufgedreht, vielleicht kann ich gleich mit heißem Wasser spülen.

Nach dem Duschen stelle ich fest, dass die in Hamburg Harburg gebunkerten Lebensmittelvorräte sind weitgehend aufgebraucht sind. Während sich der Junior mit einem Buch im Bett räkelt wandere ich ein wenig am See entlang, schaue den Joggern zu und grinse beim Hinhören in die nordische Verbalkommunikation. Der kleine Laden ist auf der anderen Seite der Hauptstraße die direkt am Campingplatz vorbei führt. Aber es gibt einen Lärmschutzwall und viele Bäume, eigentlich merkt man nichts davon, dass wir hier mitten in einer Großstadt und nicht in einem einsamen Naturschutzgebiet sind. Im Laden riecht es nach frischem Brot. Gleich am Eingang ist eine Theke, dahinter kann man die Bäcker an den Öfen sehen. Ich meditiere ein wenig durch den kleinen Supermarkt. Die Lebensmittel haben hier lustige Namen und ich habe Spaß daran zu erraten was in den Verpackungen wohl sein könnte. Es gibt Eier, Käse, Nudeln, Reis, Nudelsauce, Sauce für den Reis, Brot, Getränke, Süßigkeiten, der kleine Einkaufswagen füllt sich zusehends.

Zurück am Reisemobil gibt es ein echtes Männerfrühstück. Zwischen Spiegelreflexkameras, Notebooks und Stativen essen wir Rührei mit Speck, frisches Brot, Tomaten und gönnen uns als Nachtisch eine Mousse au Chocolat. Dann kurz bloggen und nun überlegen wir wie es heute weiter geht…

Eigentlich ist es hier viel zu schön um hier wieder weg zu fahren 🙂

Bis bald!

Von Grimstad nach Stavanger – Oder: Abseits der Hauptstraßen ist es noch schöner

Nachdem ich mich auf der Jagd nach der perfekten Abendstimmung so kräftig auf die Nase gelegt habe tat während der Nacht der rechte Ellenbogen echt weh. Auch die rechte Hüfte hat es erwischt. Also wurde “links” geschlafen und das ging bis 10h ganz gut 🙂

Dann gab es ein kleines leckeres Frühstück, unsere Vorräte an Roggenbrot, Eiern und Käse sind nun erschöpft. Morgen müssen wir mal wieder was einkaufen. Aber ich habe ja jetzt ein paar Kronen und somit sollte das alles kein Problem darstellen. Nach dem Frühstück ging es erst einmal 50 Meter weiter zum Wasserhahn! Die erste Neubefüllung unseres Frischwassertanks war notwendig. Das war kein Problem, im Stauraum des Reisemobils ist ein langer Gartenschlauch und am Toilettenhäuschen gibt es einen Wasserhahn. Der war geschickter Weise sogar mit einem “Rüssel” versehen auf den unser Gartenschlauch prima passt. Nach ein paar Minuten sind frische 120 Liter Wasser gebunkert. Noch den Schlauch säubern, aufrollen und los geht’s. Huch, wo ist der Zündschlüssel? Mist, ich habe mich ausgesperrt. Der Schlüssel steckt noch im Deckel des Wassertanks und der liegt im Stauraum auf dem Karton mit unseren Einkäufen. Was tun? Yeah, das Auto ist noch offen – Gott sei Dank! Man kann das Bet anheben, dann kommt man von oben an den Stauraum und mit einem langen Arm kann man den Schlüssel angeln, wir sind gerettet!

Los geht es über die winzige Zufahrtsstraße auf die Autobahn in Richtung Stavanger. Man kann nicht viel falsch machen, es geht immer gerade aus und es ist alles gut ausgeschildert. Die Norweger bauen ganz emsig an der Autobahn. Immer wieder befahren wir ganz nagelneue Teilstücke und das Frau NAVIGON ist sichtlich irritiert. Die beste Meldung des Tages gibt es bei Tempo 100 auf einer schnurgeraden Autobahn: “Sie befinden sich in einer Sackgasse, bitte wenden sie!” – Manchmal ist es gut sich nicht auf die Technik zu verlassen 🙂 Aber dafür werden alle Radarfallen mit hoher Präzision angekündigt und derer gibt es hier echt viele!!

Alle 30 Minuten gibt es eine Mautstation, wir halten immer bei “Manual”, da sitzt meist eine nette Dame die unsere Kreditkarte entgegen nimmt. Irgendwie finde ich die Vignetten in der Schweiz und Österreich echt praktischer! Vor der Abfahrt hätten wir uns wahrscheinlich via ADAC diesen Autopass oder wie das Ding heißt organisieren können. Damit könnte man einfach weiterfahren, aber da ich bis kurz vor Abreise noch gearbeitet habe ist mir auch das durchgerutscht. Aber so ist das eben wenn mal als totales Greenhorn ein neues Land erkundet. Das war in den USA so und ist hier nicht anders.

Ach ja, in den USA hatte ich meine liebe Mühe mit den unterschiedlichen Zapfsäulen, dieses Problem setzt sich hier vor. Es scheint sich um eine interkontinentale Zapfsäulenverschwörung zu handeln!! An den meisten Tankstellen kann man mit Kreditkarte zahlen, doch sind die Anweisungen in der Regel ausschließlich in norwegischer Sprache. Man muss da schon gut raten! Teilweise muss man einen PIN eingeben, teilweise nicht. Manchmal bestätigt man mit OK, ab und zu muss man auch auf “Klar” drücken – ist klar – oder?

Wir lassen uns jedenfalls von den Mautstationen nicht abschrecken und fahren einen Kilometer nach dem Anderen auf den Tachometer. Mittlerweile sind es 2.000 Kilometer – das sieht nach einer kräftigen Nachzahlung aus – echt ärgerlich!!

Zwischendurch passieren wir mehrere Mautstationen, einige sind unbesetzt und es gibt nur einen Automaten. Alle nehmen Kreditkarten, doch jeder ist anders. Mal muss man die Karte in einen kurzen schmalen Schlitz stecken, mal muss man sie durch einen langen senkrechten Schlitz ziehen. Alles ist wunderbar beschrieben, auf Norwegisch…

Egal, die Landschaft ist einfach grandios, wir fahren über hohe Brücken, von einem Tunnel in den nächsten, über Flüsse und ganze Fjorde hinweg. Alles ist saftig grün und ein paar Regentropfen begleiten uns immer mal wieder. Dann eine kleine Parkbucht, es regnet. Aber egal, meine D300 ist inzwischen eh total zerschunden, die paar Regentropfen werden sie nicht gleich töten. Später eine weitere Gelegenheit…

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Nachmittags um 17h sind wir ziemlich platt und parken direkt neben einem tollen See der von bewaldeten Bergen umrahmt ist. Traumhaft schön ist es hier, leider donnern ständig die LKWs an uns vorbei und es beginnt dann auch noch stärker zu regnen. Wir verspeisen unsere letzten Fischkonserven und alles was wir noch so im Kühlschrank finden. Gut gesättigt spielen wir ein paar Runden “Mensch ärgere dich nicht” – Ich verliere fast immer – aber ich ärgere mich nicht – es macht dem Junior spaß und das ist es was zählt!

Später regnet es immer schlimmer. Die LKWs sind laut und die Regentropfen hämmern auf die Oberlichter des Reisemobils. Ich kann bei dem Lärm nicht schlafen, außerdem ist es erst 19h. Ein Blick auf die Karte, dann ein wenig an Frau NAVIGON herumgefingert und uns wird klar, es geht über die 42 auf die 44 und dann auf “Landstraßen” nach Stavanger. Es sind nur noch 60 Kilometer – also nix wie los. Nach einigen wenigen Kilometern verlassen wir die Autobahn die hier allerdings nur einspurig ist und eher mit einer Deutschen Bundesstraße vergleichbar ist. Es geht links auf die Straße 42 in Richtung Süden. Die Landschaft ist famos, es ist der totale Wahnsinn, ich bin richtig aus dem Häuschen. Es sieht hier einfach irgendwie unwirklich schön aus, fast wie auf einem dieser kitschigen Phantasy-Poster. Leider kann man mit dem dicken Wohnmobil nirgendwo anhalten. Also gibt es keine Fotos, ich muss die Eindrücke biometrisch aufzeichnen…  

Nach einer halben Stunde sind wir am Meer, was für eine Küstenlandschaft. Ich verstehe immer mehr warum Douglas Adams sich eine Figur namens Slartibartfast ausgedacht hat, die er in seinem Buch “Per Anhalter durch die Galaxis” als Designer der Küste Norwegens vorstellt! Der gute alte Slarti hat die echt ganze Arbeit geleistet, ich bin restlos begeistert. Immer wieder gibt es kleine Buchten, mit verlassenen alten Häusern darin und einen abendlichen Wolkenhimmel wie man ihn sich schöner nicht wünschen kann. Doch ich kann nicht anhalten, links und rechts sind überall Leitplanken und hinter uns fährt ein LKW und eine Schlange hübscher bunter PKWs…

Irgendwann dann doch ein Parkplatz und eine nette kleine Bucht direkt neben uns.

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Dann wieder eine Mautstation – hier??? Wir sind gar nicht auf der Autobahn??? Ok, wo ist der Schalter für “Manual” – hmm – es gibt ihn nicht – wir stehen vor einem Automaten der nur Münzen nimmt. Alles was ich an Münzen habe ist ein 5 NK Stück – das Wechselgeld am Campingplatz. Ich werfe es mal rein, der Automat will weitere 45 NK – das ist ja nicht viel – ich würde es auch gern zahlen – ich habe sie nur leider nicht! Scheine gehen nicht, Kreditkarten auch nicht – Mist! Alles auf Norwegisch – ich drücke den ein oder anderen Knopf, plötzlich wird die Ampel grün – wir fahren los – aber ein ungutes Gefühl bleibt… Ein paar Minuten später wieder eine Mautstation, wir fahren einfach bei “Autopass” durch – die anderen machen das auch und im Zweifel gibt es ein Strafmandat. Ein paar Minuten später wieder eine Mautstation, mich plagt das schlechte Gewissen. Wir nehmen erneut den Münzautomaten. Ich werfe mal ein paar Euronen ein, die passen ihm nicht, schließlich drücke ich den Knopf der beim vorletzten Mal die Ampel grün gemacht hat, klappt hier auch wieder, aber es sieht aus als würden wir fotografiert…

Einige Minuten später sind wir dann in Stavanger. Wir folgen dem Navi, wir haben eine Adresse eingegeben die so klingt als wäre dort der zentrale Campingplatz. Genau diesen sehen wir kurz darauf. Frau NAVIGON will uns 1.1 Km weiter fahren lassen aber wir biegen einfach ab und ignorieren ihren Protest. An der Rezeption eine junge total nette Lady die richtig gut Englisch spricht. Es klappt bestens, wir bezahlen 190 NK für den Stellplatz und weitere 30 NK für das WLAN-Passwort. Das WLAN ist im Haupthaus, es ist WPA-verschlüsselt und das Kennwort ist prekestolen. Ich hoffe sehr, dass hier keine preke gestohlen wird und bin froh, als nach dem Parken des Reisemobils das Notebook tatsächlich eine Internetverbindung herstellen kann.

Während der Papa fleißig BLOGt und seine E-Mails beantwortet schaut sich der Junior MIB II an. Später dann noch Wild Wild West. Urlaub mit dem Papa ist cool, man kann essen was man will, anziehen was man will, schlafen wann man will und sofern es Strom gibt darf man DVDs anschauen so lange man will 🙂 Mein Kind wäre ich gern gewesen…

So, nun aber langsam ins Bettchen – es ist 23h41…

Norwegen 2009 – Oder: Urlaub im Königreich der Gummistiefel

Prolog

Nach den wunderbaren Wochen im Februar und März im Südwesten der USA steht nun eine Reise in den hohen Norden auf dem Programm. Zum Geburtstag gab es im April einen Büchergutschein, der wurde gleich in einen Reiseführer über Norwegen umgesetzt. Und weil es so schön war, noch einen Bildband und noch einen Reiseführer und noch einen Bildband… Daheim beim Anschauen der neuen Lektüre wurde schnell klar, dass ich da einfach ganz dringend mal hin will 🙂 Ein Vater & Sohn Trip wäre mal wieder wunderbar. Kurze Zeit später wurde dann auch zusammen mit dem Sohnemann ein Wohnmobil besichtigt und ohne großartig weiter Ausschau zu halten spontan gebucht.

Damit fingen die ersten Bauchschmerzen an! Im Rahmen der Anzahlung etc. wurde mir klar, dass die Dinge im Leben gibt, die man nicht gleich verstehen soll. Dazu gehören Mobilfunktarife und die Tarife für das Mieten von Wohnmobilen! Zur täglichen Miete kommt noch eine Bereitstellungspauschale hinzu. Dann noch eine Reinigungspauschale falls man das große Ding nach der Reise nicht noch einen ganzen Tag über selbst putzen will. Mietet man bei einer Autovermietung wie beispielsweise SIXT einen PKW hat man mit der Reinigung nichts am Hut. Für mich war ein Wohnmobil bisher nichts anderes als ein SIXT-Fahrzeug – nur ein Großes! Leider ein teurer Irrtum! Zu den erwähnten Pauschalen kommt hinzu, dass bei einer Reisezeit von 14 Tagen “nur” 3500 Kilometer enthalten sind. Jeder weitere Kilometer schlägt dann mit 0,30€ zu buche. Ab dem 15. Tag sind dann alle Kilometer enthalten. Auf meine Anfrage ob ich den Wagen nicht einen Tag länger mieten kann gab es dann die Antwort, dass man das Fahrzeug während der Hauptreisezeit nur wochenweise mieten kann. Also 14 oder 21 oder 28 Tage – usw. Ok, ich würde das Auto für 15 Tage bezahlen, es nach 14 Tagen zurück bringen um im Gegenzug alle Kilometer inklusive zu haben. Auf diese Anfrage hat der kulante Vermieter dann erst gar nicht mehr reagiert. Während ich das hier schreibe sind wir gerade auf einem schönen Campingplatz in Südnorwegen, in der Nähe von Grimstad. Der Weg hierhin war weit, fast 2.000 Kilometer! Würden wir heute umkehren, müssten wir schon 0.30€ * (2000 + 2000 – 3500) = 150€ nachzahlen. Aber wir sind längst noch nicht am Ziel, eigentlich soll es ja hoch bis Bergen gehen. So wie es aussieht werden also bei Abgabe des Wohnmobils mehrere hundert Euro “Strafe” fällig!

Bei SIXT mietet man ein Auto bspw. um 17h und bringt es am nächsten Tag um 17h zurück – das ist dann ein Tag. Bei diesem Wohnmobil ist das anders! Man kann es frühestens um 17h abholen und zwar an einem Freitag! Zurück muss man es um 12h bringen – am Freitag nach 7, 14, 21, 28.. Tagen. Schließlich wird das Fahrzeug ja nahtlos an den Folgemieter übergeben und der will es ja frisch gereinigt übernehmen! Für uns bedeutet das, dass wir eigentlich schon am Donnerstag zurück sein müssen, damit wir es am Freitag rechtzeitig schaffen das ganze Ding wieder leer zu räumen. Töpfe, Tassen, Teller und was man sonst noch alles braucht sind nämlich nicht enthalten. Bettwäsche gibt es auch keine…

Irgendwie war ich am Abholtag also nicht ganz glücklich. Um 16h war ich beim Vermieter und musste erst einmal lernen, dass ich da ein Reisemobil und kein Wohnmobil gemietet habe! Auch musste ich lernen, dass man 650 Euro Kaution zu zahlen hat und zwar in BAR! Die hat man ja jederzeit gerade mal so in der Hosentasche. Mit Mühe und Not kriege ich sie gerade so zusammen. Die Unterweisung in den Gebrauch dieses Reisemobils dauert eine gute Stunde. Mein Auto kann ich auf dem Gelände auch nicht abstellen, aber an der Straße ist ja viel Platz. Leicht angesäuert parke ich mein Auto also an der Hauptstraße und erwäge für das nächste Mal diesen Anbieter aus Köln Wesseling zu kontaktieren. Da sind 15 Tage kein Problem, alle Kilometer sind inklusive, man kann den eigenen PKW auf einem bewachten Gelände abstellen und weitere Nickeligkeiten scheint es nicht zu geben. Auf dem Heimweg schwöre ich mir Besserung. Beim nächsten Mal nicht einfach das erst beste Angebot annehmen, sondern lieber ein wenig schauen was es sonst noch gibt. Aber man lernt aus seinen Fehlern.

Pünktlich um 17h ist dann auch der Sohnemann abmarschbereit. Wir packen alles ein was wir so finden und was wir zu brauchen glauben.

Um 18h30 geht es dann endlich los.

On the road again

Der Ärger über die Fehler beim Anmieten des Reisemobils sind schnell vergessen. Das Ding fährt ganz ordentlich, schaukelt aber kräftig und es knarzt und klappert an allen Ecken und Enden. Endlich auf der Autobahn angekommen wird es langsam ruhiger. Wir fahren in die Nacht hinein, die Laune ist gut, unser Ziel scheint zu Greifen nahe. Auf der A2 dann Ernüchterung. Wir sind nicht die einzigen Urlauber auf dem Weg in den Norden. Es geht nichts mehr. Eine Stunde stehen wir im Stau bis wir endlich an der 1900 Meter entfernten Abfahrt die Stautobahn verlassen können. Danach wird es auch nicht besser, es sind schon andere auf die gleiche Idee gekommen. Es geht im stockenden Schritttempo voran. Das Reisemobil hat keine Automatik, das ganze Anfahren und Bremsen nervt. Schier endlos erscheinende Stunden später sind wir wieder im Spiel, auf der A7 zwischen Hannover und Hamburg. Wir sind so müde, dass wir uns auf einem der etwas größeren Parkplätze niederlassen.

Das Bett ist schnell gebaut und nach einem kleinen Snack geht es dann ins Bett. Wir schlafen erstaunlich gut und erstaunlich lang. Am nächsten Morgen sieht die Welt wieder ganz rosig aus. Wir fahren weiter bis wir wieder im Stau stehen. Wir sind kurz vor Hamburg, es geht wieder nichts mehr. Das nervt total! Wieder runter von der Autobahn, wir kurven mit dem großen Reisemobil durch Hamburg Harburg. Dann links ein LIDL, davor eine freundliche echt große Parkbucht, perfekt! Wir packen das Auto voll mit allem was uns im Laden ins Auge springt. Kurz drauf machen wir noch einmal halt. Ich finde eine Post, kann einen Brief einwerfen der seit Tagen nach einer Briefmarke lechzt und im Karstadt alles einkaufen was wir vergessen haben. Teller, Schälchen, Tassen, Becher und und und… Das Reisemobil ist wie ein edler Picknickkoffer, aber leider ein LEERER. Ausgestattet mit wunderbarem blauen Plastikgeschirr geht es weiter. Irgendwann sind wir wieder auf der Autobahn in Richtung Lübeck. Es wird langsam dunkel und wir beschließen in Grömitz zu übernachten. Da ist es immer wieder schön und es ist nicht weit weg.

Plötzlich sagt das schöne neue NAVIGON mal wieder “Die Route wurde aufgrund der aktuellen Verkehrslage geändert.” Na prima, wir verlassen die Autobahn. Das haben wir schon mehrfach durch exerziert, es klappte immer recht gut. Doch diesmal sind wir Sekunden später schon wieder auf der Autobahn, der gleichen Autobahn, leider in der verkehrten Richtung! Ich verstehe die Welt nicht mehr, sollen wir nun wirklich 34 Kilometer zurückfahren?? Ich werde wütend… Dann nur einige weinige Kilometer später sollen wir erneut die Autobahn verlassen, ich willige ein. Es geht links rechts, links rechts, schließlich sind wir wieder auf der Autobahn, in der richtigen Richtung, nun ein Ausfahrt früher. Ich schüttle innerlich den Kopf bin aber froh, dass es nur ein Exkurs und keine 70 Kilometer Umweg waren wie zunächst befürchtet.

Im Abendlicht erreichen wir Grömitz und finden gleich hinter dem Deich einen Parkplatz. Der kostet 7,50 Euro – in MÜNZEN. Die haben wir nicht, also gibt es je ein Stück Kuchen, einen Cappuccino und ein Malzbier in der Strandbar auf der anderen Seite des Deiches. Danach haben wir Wechselgeld. Am Ende unserer kleinen Strandwanderung fliegt dann ein Rettungshubschrauber über unseren Köpfen ein und landet direkt vor unserer Nase. Im Schwimmbad neben dem Parkplatz hat es sich wohl ein Drama zugetragen. Wir sind froh, dass es uns gut geht und wandern zurück zu unserem Reisemobil.

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Dort angekommen würden wir gern noch ein kleines BLOG schreiben und unsere frischen Bilder anschauen. Doch keine der Kneipen in der Nähe des Parkplatzes hat eine Steckdose – MIST…

Ohne Strom nix los

Das soll noch eine Weile so weitergehen. Bei der Besichtigung des Wohn… sorry Reisemobils wurde mir gesagt, dass es kein Problem wäre abends mit zwei Notebooks einen Photoshop-Kurs für den Junior zu machen. Leider hatte die nette Dame vergessen zu erwähnen, dass man dafür einen externen 220 Volt Anschluss benötigt. Das erklärt auch die Kabeltrommel im Stauraum…

Wir haben vier Fotoausrüstungen und drei Notebooks dabei. Leider fast alles ohne Strom! Genial vorbereit sind wir…

Eines der Ladegeräte für AAA-Akkus läuft auch auf 12 Volt, nur finden tue ich es nicht – grummel…

Das nagelneue NAVIGON funktioniert prima, nur hat das USB-Kabel einen Wackelkontakt! Immer wieder fällt die Stromversorgung aus und das Ding läuft auf Batterie. Ständig fingere ich an diesem doofen Kabel herum. Ich fühle mich an die Geschichte mit der teurer Kaffeemaschine aus dem MediaMarkt erinnert. Warum habe ich ausgerechnet dort auch noch dieses NAVI gekauft?? Hätte ich mir denken könne, dass es wieder ein Problem geben wird…

Wir sind in Dänemark – und schon in Schweden

Nach der Nacht hinterm Deich geht es über wunderbare Straßen unter “Vermeidung von Autobahnen” auf einer “Schönen Route” nach Odense. Die Laune ist gut, das Wetter sehr schön. Plötzlich ist die Straße zu Ende und wir stehen an einem Fährhafen. “Der Straße bitte 23 Kilometer folgen” sagt die nette Frau NAVIGON. Ja welcher Straße denn?? Eine nette dänische Lady nimmt uns die Skrupel, wir dürfen auf die Fähre, solange wir 475 Dänische Kronen zu zahlen breit sind. Sind wir, und es geht sogar mit Kreditkarte! “Bitte folgen Sie dem Straßenverlauf 23 Kilometer…”

Die Überfahrt auf der Fähre ist schön und ich bin eigentlich ganz froh, dass wir etwa 100 Kilometer gespart haben. Wieder am Festland angekommen geht es ganz entspannt weiter in Richtung Stockholm. Irgendwann erreichen wir eine gewaltige Brücke. Am Ende eine Mautstation. Wir werden wieder zur Kasse gebeten. Gut, dass ich eine Kreditkarte habe, das erleichtert vieles. Die Fahrt über diese Brücke war allerdings auch atemberaubend. Eine weile später geht es in einen gewaltigen Tunnel unter dem Meer hindurch, wow. Danach wieder hoch hinaus auf eine weitere atemberaubende Brücke. Danach wieder eine Mautstation, dann sind wir in Schweden!! Juchu, wir sind in Schweden!

Gut gelaunt umrunden wir Malmö und fahren etwa 50 Kilometer später in Richtung Meer. Wir finden einen netten kleinen Parkplatz direkt hinter den Dünen. Unsere dritte Nacht wird langsam zur Routine. Morgens gibt es wieder Rührei auf Graubrot. Dazu einen Banane oder einen Joghurt, ganz lecker und hoffentlich nicht zu ungesund 🙂 Das beste Frühstück der Welt, das es im Quartier 65 in Mainz gibt, vermisse ich trotzdem. Abends mache ich mir eine der beiden Weinflaschen auf die mir Herr Schreeb vor meiner Abreise geschenkt hat. Sie ist köstlich und ich bin froh, dass ich im Gegensatz zur USA-Reise diesmal eine richtiges Weinglas dabei habe!!

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Durch Schweden nach Oslo

Die Fahrt durch Schweden zieht sich fast endlos hin. Wir durchqueren schier endlose Getreidefelder, es geht vorbei an kleinen bunten Holzhäusern. Nach ein paar Stunden wird es langsam bergig, die Landschaft ändert sich. Schließlich sind wir an der Grenze nach Norwegen. Wir haben unsere Ausweise bereit, aber wir werden einfach durch gewunken. So einfach kann das sein…

Etwa 100 Kilometer vor Oslo sehen wir rechts der Autobahn einen schönen kleinen See. Wir nehmen die nächste Ausfahrt und finden einen richtig tollen Rastplatz direkt an diesem See, unsere vierte Nacht – diesmal schon in Norwegen.

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Morgens geht es weiter in Richtung Larvik an der Südküste Norwegens. Wir lassen Oslo einfach links – sorry – rechts liegen. Die Fahrt zieht sich hin wie ein Kaugummi. Die Landschaft ist teilweise grandios, aber wir können nirgendwo anhalten. Die Mautstationen sind fast so zahlreich wie die Radaranlagen. Die Kreditkarte wird schließlich gar nicht mehr verstaut sondern nur in die Hemdtasche gesteckt, man braucht sie eh bald wieder. Vor jeder Radaranlage sagt Frau NAVIGON “Achtung Gefahrenstelle” – sehr praktisch!

In Larvik angekommen finden wir weder eine Bank noch einen Campingplatz. Die Dusche in unserem Reisemobil klappt prima, ebenso die Warmwasseraufbereitung für den täglichen Abwasch. Leider ist der 120 Liter Frischwassertank nun schon fast leer und wir würden auch gern mal die Akkus unserer Notebooks aufladen um unsere ersten Bilder anzuschauen. Auch wären ein paar Nordische Kronen nicht verkehrt…

Endlich ein Campingplatz

Im Reisemobil findet sich ein alter abgewetzter Campingführer. Da finden wir einen Campingplatz der eine ganz nette Beschreibung hat. Der Weg nach “Marivold” ist aber nicht ganz so einfach. Zwischendurch zweifeln wir so sehr, dass wir umkehren. Doch falsch gedacht, der Weg war richtig! Als wir den Campingplatz endlich gefunden haben geht es irgendwann auch ans Bezahlen und das klappt leider weniger gut als an den Tankstellen, Fähren und Mautstationen. Meine Kreditkarten funktionieren hier nicht und außer ein paar Euro habe ich keine weiteren Zahlungsmittel dabei. Die EC Karte geht auch nicht, was tun? Ok, es gibt keine Alternative, mit dem 7 Meter langen Reisemobil zurück oder die abenteuerlich enge Zufahrtsstraße. 8 Kilometer später sind wird dann in Grimstad. Nach einem kurzen Smalltalk in der örtlichen Post habe ich eine Idee wir ein Geldautomat sein könnte, Minibank nennen die das hier. Süß war auch, wie sich die drei durchaus adretten jungen Postladies beraten haben, wie man denn wohl eine Ampel auf Englisch nennt? Ok, die Traffic Lights sind schnell gefunden und kurz drauf habe ich satte 5000 NK (Nordische Kronen) in der Hosentasche – welch ein Reichtum!

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Damit kann ich dann endlich die 295 NK für die Nacht auf dem Campingplatz bezahlen. Für einen EURO gibt es etwa 8,3 NK – diese Nacht ist nicht wirklich billig – aber wir haben endlich Strom für die Notebooks. Während der Papa hier gerade sein BLOG schreibt, schaut sich der Sohn “Superman Returns” an – echter Männerurlaub!

Wir sind auf einer Halbinsel, um uns herum ist nur Wasser und nichts als Wasser. Gleich nach dem Hauptfilm schnappen wir uns unsere Fotoapparate und dann schauen wir mal was es hier so alles zu sehen gibt.

Update am nächsten Morgen

Die Nacht war wieder ruhig und lang. Gut erholt stelle ich fest, dass sich das Pflaster – sorry, der Wundschnellverband am rechten Ellenbogen gelöst hat. Bei der kleinen Abendexkursion war einer der großen Feldbrocken am Meer so glitschig, dass ich mich volle Kanone auf die Klappe gelegt habe. Mit sicher abenteuerlich verzerrtem Gesichtsausdruck und der D300 nebst großem Objektiv auf dem Stativ auf der rechten Schulter rutsche ich einen dicken Felsbrocken herunter. Unten angekommen tut einfach alles weh. Das Bein, die rechte Hüfte, der rechte Arm. Der schöne Kuschelpulli ist total versaut, das rechte Hosenbein komplett mit grünem Schmodder überzogen. Die Gegenlichtblende hat das 1400€ teure Objektiv gerettet, aber dabei hat sie ihr Leben fast gegeben. Sie ist gebrochen, lässt sich aber noch aufsetzen. Gut, dass der Krams versichert ist!

Zurück am Reisemobil wird der Pulli gewaschen, es ist der einzige den ich dabei habe! Das Material nimmt viel Wasser auf, gemeinsam wringen wir bis die Hänge schmerzen und das Ding ist immer noch schwer und nass. Eine Wäscheleine haben wir auch nicht, also wird er wunderbar über den rechten Außenspiegel drapiert.

Im Reisemobil kommt dann das Verbandszeug zum Einsatz das ich daheim noch schnell eingepackt habe – keine dumme Idee!! Wir essen und trinken noch etwas, schauen noch die Fotos an die wir kurz zuvor gemacht haben, dann geht es um etwa 23h ins Bett. Wir sind total erledigt und schlafen wie zwei Steine. Kurz vor dem Einschlafen freue ich mich noch über die schönen Fotos…

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Scenic Flight – Oder: Der Abschied fällt schwer

Gut erholt und ausgeschlafen beginnt mein Tag heute erst um kurz nach acht. Es wird herumgetrödelt was das Zeug hält, schließlich beginnt mein Rundflug erst um 13h – falls das Wetter heute mitspielt! Also kurz in die E-Mails schauen – das geht mal wieder nicht weil der Router wieder streikt. Kurz Gegenprobe mit dem iPOD – der kriegt es auch nicht hin – es liegt also nicht an Windows Vista! Irgendwann klappt es dann doch, scheinbar hat einer der Angestellten die missliche Lage bemerkt und den Router neu gebootet.

Während ich noch in Unterhose herum turne und dabei bin meine Koffer zu packen, bin ich erstaunt welches Maß an Chaos ich in der Lage bin in nur vier Tagen zu verbreiten 🙂 Plötzlich klopft es heftig an der Türe, dann öffnet sie sich auch schon und das Zimmermädchen gibt mir zu verstehen, dass ich mich doch bitte beeilen soll. Es ist schon 9h und sie will endlich das Zimmer aufräumen. “Ok, give me some minutes please!” Sie geht wieder und schüttelt den Kopf, keine Ahnung warum – Die Unterhose ist weitgehend weiß und kommt ohne florale Muster daher und Comics sind auch keine drauf. Diese unseeligen Zeiten sind Gott sei Dank lange vorbei 🙂

Jedenfalls spornt solch ein Kopfschütteln ungemein an. Das möchte man(n) nicht öfter als einmal pro Tag erleben. Also den Turbogang einlegen. 15 Minuten später ist alles im Auto verpackt, es gibt noch einen Kaffee in der Lobby – natürlich aus einem Styropor-Becher! Aber dafür mit Kuhmilch aus einer Gallonenplastikflasche. Natürlich ist das voll das Geplempere und ich muss erst einmal den halben Frühstücksbereich trockenlegen. Diesmal schütteln die Anwesenden nicht den Kopf, sie grinsen von einem Ohr zum anderen. Ein Tag der so beginnt kann nur gut werden!

Nach dem zweiten Kaffe verabschiede ich mich und fahre mal rüber zum Staudamm. Vielleicht komme ich ja runter auf den Damm und kann dort eine paar schöne Fotos machen! Die Reise ist kurz, 10 Minuten später stehe ich wieder bei der Sicherheitskontrolle. Alles neue Gesichter – prima! Ich muss meine Kamera in eine weiße Plastikschale legen – das passt irgendwie gar nicht und mir rutscht ein “Oh, the box is too small!” heraus. Der Sicherheitsbeamte findet das gar nicht witzig und entgegnet mit tiefer bestimmter Stimme “Your camera ist too big!” – Ok, die Fronten wären damit geklärt. Ich greife links in die Weste und angle das Fisheye-Objektiv heraus. Dann in die rechte Innentasche, das 12-24mm Weitwinkel ist dran. Die Blicke verdüstern sich. Dann noch das Portemonnaie und ab durch die Schleuse. Die piepst richtig laut los. –> Leibesvisitation – schon wieder! Ich muss den Gürtel aus der Hose nehmen, den Klick für das GPS abmachen, die Schuhe ausziehen und mein Gürteltäschchen mit den Traveller Cheques und den Kreditkarten ausräumen. Irgendwann glauben sie mir, dass ich nichts böses im Schilde führe und den Damm auch nicht mit meiner Kamera in die Luft sprengen will. Ich darf eintreten! Im Kino gibt es zwei tolle Filme die ich noch nicht kenne und ich bin total beeindruckt welche Leistung die Erbauer dieses Dammes vor mehr als 50 Jahren erbracht haben!

Nach dem zweiten Film ist es ungefähr 10h45 und ich habe noch reichlich Zeit. Der Himmel ist wolkenlos und es gibt nur mäßig viel Wind – wahrscheinlich perfekte Bedingungen für meinen Scenic Flight! Ratlos stehe ich vor dem Aufzug. Kein Knopf zum Drücken nichts. Nur ein Schloss! Es schwant mir, dass man da nicht allein runter darf sondern nur in Begleitung Erwachsener! Eine kurze Frage beim nächsten Security-Employee bestätigt diese Vermutung. Ich muss mich der “Tour” anschließen. Die nächste Tour geht aber erst um 12h15 – das ist zu spät! Also schnell ein paar Knipsbilder an der Mauer der Rückseite des Visitor Centers und ab zum Safeways. Dort angekommen ist es nach Zwölf und der Hunger meldet sich. Die Roastbeef-Sandwiches sind lecker und es gibt auch was zu trinken!

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Nach einem kleinen Spaziergang und einer Auseinandersetzung mit einem mir bislang unbekannten Geldautomaten trudle ich um 12h50 beim Page Airport ein. Ich werde schon erwartet und es gibt ein nettes kleines Schwätzchen. Dann die Frage wo ich denn rumfliegen möchte. Ich habe keine Ahnung! Ok, der Pilot geht mit mir zu einer großen Karte und erklärt mir seinen Vorschlag. Starten, Runde über den Lake Powell, dann den Staudamm anschauen, Horseshoe Bend, Lees Ferry, dann weiter zum Grand Canyon. Hier ein Stück an der südlichen Kante entlang fliegen, nicht alles, der Canyon ist mehrere hundert Kilometer lang! Dann wenden und wieder zurück zum Navajo Mountain, die Rainbow Bridge anschauen und dann noch ein paar alte Häuser die in Höhlen im Fels hinein gebaut sind.

Das klingt nach einem Plan!

Ok, wir gehen raus auf den “Parkplatz” Dort gibt es ein kleine Einweisung, dann wir der Stopper für das Seitenfenster demontiert, damit ich es jederzeit zum Fotografieren öffnen kann. Die Kameras werden klar gemacht! Die Hosentaschenkamera für eine paar kurze Video-Sequenzen, die F5 mit 28-70mm für Dias mit Velvia 50, die F100 mit 60er Macro für Negative mit Ektar 100 und die D300 mit 70-200mm Telezoom. Nach einer kurzen Pflichteinweisung weiß ich, dass ich keine Bratwurst essen darf und was sonst alles nicht erlaubt ist. Der Pilot war früher während seiner Militärzeit in Traben Trabach stationiert. Er spricht ein paar Worte Deutsch. Sein liebstes Wort ist “Schätzchen”. Ich kriege einen speziellen Kopfhörer mit Mikrophon aufgesetzt, damit können wir uns dann über die Gegensprechanlage unterhalten. Der Fotorucksack liegt geöffnet und griffbereit auf den linken Sitz hinter uns. Die D300 auf dem Boden, die F5 habe ich um den Hals und mit der S600 wird gefilmt. Das alles muss einen echt skurrilen Eindruck machen, aber der Pilot lässt sich nichts anmerken! Kurzer Plausch mit dem Tower, ich kann alles mithören. Ich habe sogar einen Steuerknüppel und eigene Pedale. Nur anfangen könnte ich damit nichts!

Dann rollen wir zum Start, der Pilot ist sowas von lässig – das kann man nicht in Worte fassen. Dann wie Wende, ein paar Hebel ziehen und es geht vorwärts, einige Sekunden später sind wir auch schon in der Luft. Der Flug macht Spaß und ich darf das Seitenfenster zum Fotografieren öffnen wann immer ich will, prima! Als wir am Horeshoe Bend vorbei sind  ist der Diafilm in der F5 schon voll. Also versuchen wir es jetzt mal mit der D300 und dem Tele. Das Ding ist nicht wirklich lang, aber in dieser Situation doch zu lang! Das Fenster flattert im Wind und selbst ohne Gegenlichtblende kann man kaum fokussieren weil der Wind so heftig an diesem dicken Rohr arbeitet. Also weg damit und das geliebte 17-55er drangemacht! Das nette Live-View-Feature kann man auch vergessen – ich bräuchte dafür einen 90° Spiegel! Mit dem kurzen Zoomobjektiv bin ich aber gut ausgestattet. Die F5 liegt jetzt hinten, ich habe die F100 und die D300 um den Hals. Bei der Einweisung hat mich der Pilot noch drauf hingewiesen bloß keine Kamera aus dem Fenster zu werfen!

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In der Maschine wird es langsam unerträglich warm. Auch habe ich den Eindruck, dass die Atemluft mit Abgasen angereichert ist. Es riecht echt fies und muffig und beim ständigen Blick durch den Sucher passiert genau das was der Pilot schon vor Tagen vorhergesagt hat “Some people get crazy in their stomach!” Mir wird übel – richtig übel! Wir sind gerade 20 Minuten in der Luft – ich werde gefragt ob wir umkehren sollen – NEIN BLOSS NICHT! GEHT SCHON… Dann nochmal der Hinweis des Piloten, dass oben rechts in der Verkleidung im blauen Umschlag ein Kotztüte steckt! Dann der sagt “Try to avoid it, I will cost you 25 bucks! That’s we pilots life from!” Aha, also lieber nicht kotzen – ich nehme die Tüte trotzdem mal in die Hand und versuche tief durch zu atmen und mich auf den gut sichtbaren Horizont zu konzentrieren. Doch der Pilot zeigt mir ein tolles Ding nach dem anderen. Ich knipse doch wieder drauf los. Danach mit schwitzigen Händen an der Kotztüte festhalten. Solange ich nicht durch den Sucher schaue geht es einigermaßen. Zwischendurch muss ich das Fenster mal ein wenig öffnen, es hat sich schon angemeldet… Aber alles geht gut, irgendwann liegt dann leider die Kotztüte unter dem Sitz und genau in diese Augenblick die Ansage “It’ll get a little bumpy now!” Oh je was mache ich bloß, dann kommen wir an dem kleinen Überhang mit den Häusern darunter vorbei. Ich versuche ein paar Bilder zu machen, es geht aber nicht mehr. Beide springen wir auf den Sitz bei jedem Luftloch ein wenig rauf und runter. Der Pilot zieht seinen Gurt strammer. Mir geht es dreckig ich fingere unter dem Sitz herum, irgendwo muss diese blöde Tüte doch sein. Dann die Frage ob ich alle Fotos habe oder ob er die Runde nochmal drehen soll? “Well, I feel a little seasick – can we fly home to the page airport, please?” “Ya shure!” Ich bin also bald erlöst. Kurz das Fenster öffnen, durchatmen, ein paar Fotos machen, mit dem Brechreitz kämpfen, nach der Tüte fingern, Fenster auf, Knipsen, fingern…. Nach zwei Stunden sind wir wieder am Boden. War das ein Erlebnis! Beim Zusammenpacken meiner Fotosachen ist mir immer noch schlecht.

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Später beim Bezahlen bin ich froh, dass es dort eine kalte Pepsi aus dem Automaten gibt! Der Spaß war nicht billig, aber ich habe drei Filme belichtet und etwa 1100 digitale Knipsbilder gemacht. Ich bin gespannt ob ein oder zwei schöne Bilder darunter sind! Es muss immer ganz schnell gehen, das Flugzeug kann nicht anhalten sonst fällt es runter. Alles ist in Bewegung, es windet wie die Hölle, das Fenster flattert im Wind und die Turbulenzen machen es fast unmöglich die Kamera parallel zum Horizont zu halten. Außerdem ist ständig das rechte Rad oder ein Flügel im Bild!

Nach der Bezahlerei gibt es noch einen netten Plausch, wir tauschen E-Mail-Adressen aus und ich kann auf meinem iPOD kurz die Bilder zeigen die ich in den letzten Wochen in der FC hochgeladen haben. Der Sonnenaufgang über den La Sal Mountains kommt gut an und macht Eindruck. Danach ist meine Stimmung wieder gut! Es war das Erlebnis des Urlaubs! Ohne den Brechreiz wäre es genial gewesen, so war es eine echt coole neue Erfahrung 🙂

Wieder im Auto geht es dann los. Wohin? Keine Ahnung? Las Vegas, Zion? Mal sehen… Um 20h lande ich dann in einem kleinen Motel in Mesquite. Es sind noch zwei Zimmer frei, alle anderen Hotels und Motels bei denen ich es versucht habe waren ausgebucht. Das Zimmer ist nett, riecht aber voll total fies nach Jahrzehnte altem Zigarettenqualm! Echt schwer eklig! Das WLAN-Problem gibt es auch hier. Das Motel hat kein eigenes WLAN. Schließlich finde ich ein WLAN, das wir aber kurz drauf abgeschaltet. So blogge ich erst einmal in Blaue hinein und hoffe, dass ich es irgendwann doch noch veröffentlichen kann. So ganz gelöst ist das mit dem “Überallnetzwerk” noch nicht…

Morgen geht es dann die letzten 100 Kilometer nach Las Vegas, direkt zum Flughafen. Das Geld das ich heute beim Hotel und im Casino gespart habe kann ich dann im Sommerurlaub ausgeben 🙂 Das Zimmer muss bis 11h geräumt sein. Der Flieger geht um 16h50 – ich habe also alle Zeit der Welt! Trotzdem bin ich ein wenig frustig, dass die fünf Wochen so schnell vergangen sind. Ich muss echt noch mal wieder hierher kommen. Vielleicht im Herbst?

Hier die Trackanalyse:

3D Höhenmodell des Rundfluges – das Fähnchen markiert den Airport:

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Im 2D Höhenmodell sieht man in der ersten Hälfte zwischen den beiden Fähnchen das Profil des Fluges. Danach dann ein paar alte Wegpunkte an denen ich mit dem Auto auf dem Weg in Richtung Las Vegas vorbei gekommen bin.

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Ja, da habe ich heute in der Zeit in der das GPS eingeschaltet war ganze 746 Kilometer zurück gelegt. Morgen werde ich das toppen! Die Akkus sind im Ladegerät und ich bin sehr gespannt ob das GPS in der Boing in der Lage ist den kompletten Track nach Hause aufzuzeichnen…

Ok, eine gute Nacht erstmal!

Update vom Flughafen in Las Vegas um 14h45

Hier ist die Diashow!

The day before tomorrow – Oder: “Some people get crazy in the stomach”

Überraschung am Morgen

Endlich mal wieder ein Tag ohne Sunrise-Stress 🙂 Ausschlafen bist der Arzt kommt, dann mit dem Notebook im Bett sitzen und in den E-Mails blättern – perfekt! Und dann die große Überraschung, der Tilman hat mein Foto vom Mesa Arch für die Galerie der Fotocommnity vorgeschlagen! Das freut mich sehr und ich muss gleich mal schauen was da so los ist. Bereits am Morgen haben schon über 600 Mitglieder das Foto angeschaut. Die Meinungen gehen wie immer auseinander, ich bin gespannt wie das Voting ausgeht, morgen oder übermorgen werden wir es wissen 🙂

Endlich wieder Frühstück

Zum Frühstück bin ich diesmal allein bei Denny’s. Es schmeckt ganz gut und ich probiere mal die Variation mit den kleinen Würstchen! Während ich an meinem Kaffee schlürfe, der richtig heiß ist und der samt Milch in einer richtigen Tasse serviert wird, fällt mir auf, dass sogar hier die blauen Kunstledersitzpolster mit hellblauem Klebeband geflickt sind.

Am Airport

Nach dem Frühstück schaue ich mir ein wenig Page an, ganz amerikanisch mit dem Auto bei 5 Meilen pro Stunde 🙂 Nachdem sich die konzentrischen Kreise am Flughafen verdichten stehe ich so um 11h am Schalter und habe einen ausgiebigen Schnack mit einem vielleicht 60 jährigen total netten Piloten. Er ist früher viel für National Geographic geflogen, kennt die Gegend wie seine Westentasche und rät mir am Morgen zu fliegen “It is much smoother in the morning!” Dann lobt er noch sein Flugzeug und ich erkläre ihm, dass ich noch nie mit sowas kleinem geflogen bin. Die Reservierung machen wir dann klar. Morgen um 9h treffen wir uns dann am Page Airport. Ich werde berichten!!

Cottonwood Road

Nach diesem schönen Erlebnis geht es gut gelaunt auf die Cottonwood Road. Dort will ich mir noch die “Narrows” anschauen. Der Weg dorthin ist weit und holprig. Aber ich bin inzwischen so an dieses Auto gewöhnt, es macht mir nichts mehr Angst. Wenn ich an die erste Erkundungsfahrt in Richtung Wave-Trailhead am 23 Februar denke – da bin ich noch wie eine lahme Ente durch die Schlaglöcher gekrochen. Damals habe ich mich gewundert warum mich die anderen Autos alle überholen. Inzwischen überhole ich die neu hinzugekommenen “Anfänger”. Heute war ich auf der üblen Cottonwood Road sicher nicht langsamer als ein Berufspendler aus Gelsenkirchen auf der A430 am Montagmorgen! 🙂

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Die Wanderung im Canyon neben der Straße ist sehr schön, aber nicht überwältigend. Es gibt ein paar schöne Ecken, aber nichts was ein echtes Highlight wäre. Schön war es, nach ein paar hundert Metern gleich die Mieter des roten Geländewagens zu treffen neben dem ich kurz vorher geparkt hatte. Ein Ehepaar aus Banff in Kanada. Sie erzählen, dass sie gern hier her kommen und schon vor mehr als 30 Jahren ihre erste Raftingtour auf dem Colorado River gemacht haben! Alle Achtung – dagegen bin ich mit fast 45 Jahren ein echt junger Hüpfer! Nach gut einer Stunde entspannter Plauderei geht es dann weiter. In den Ohren stecken meine Bose Ohrhörer, in der Weste der iPOD. Der spielt gerade meinen neuesten iTUNES Download von Big & Rich im Repeat-All-Mode. Ist ganz witzig, ich habe meine Urlaubsmusik gefunden! Und hier ein ganz witziger Link zu meiner derzeit präferierten Wandermusik!

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_DSC6639 _DSC6742Als ich am Ende des Canyons angekommen bin finde ich sogar einen Trailhead. Gerade trudeln Peter und seine Frau ein. Sie sind gut im Training, wir schwatzen eine ganze Weile und gehen dann gemeinsam den Weg zurück den ich schon gekommen bin. So kann ich wenigstens nicht verloren gehen! Als wir unsere E-Mail Adressen austauschen wollen hat niemand was zu schreiben dabei. Erst später fällt mir ein, dass ich doch den iPOD in der Tasche gehabt hätte! Irgendwo in diesem verschlungenen Canyon trennen sich dann unsere Wege. Ich mache noch ein paar Fotos und die treten den Rückweg an. Als ich dann im Auto auf dem Rückweg nach Page bin kommen die beiden gerade an ihrem Auto an. Also kurz anhalten und doch noch die E-Mail Adressen austauschen! Es ist schon toll wie unkompliziert die Menschen hier sind. Manch wollen mich gleich adoptieren, so süß finden sie es, dass ein einsamer Wanderer aus der alten Heimat ganz allein hier unterwegs ist um Land und Leute ein wenig kennen zu lernen. Das macht langsam aber sicher richtig Spaß.

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Tipp

Wer kontaktfreudig ist und hier schnell viele Leute kennen lernen möchte, der hängt sich einfach einen Fotoapparat um den Hals, ziehst sich Trekkingklamotten an und setzt sich beispielsweise einfach im Arches Nationalpark oben am Delicate Arch hin. Wenn man dann noch einen Stapel Visitenkarten dabei hat, kennt man am Abend eine Menge neuer Leute! Alternativ kann man sich auch früh morgens an den bekannten Beauty Spots aufhalten – da lernt man dann Fotofreaks aus aller Welt kennen.Ich denke oft an Benedict Yang, den ich am Mesa Arch im Canyonlands NP kennengelernt habe. Er hat mir seine Karte gegeben und sich dafür entschuldigt, dass seine Webseite auf koreanisch ist. Ok, mein BLOG ist leider auch nur in Deutsch verfasst… Er hat dann aber den schönen Satz gesagt “Ok, you can take a look at my pictures. They are a kind of an universal language!” Ist doch nett, Fotografien sind eine “Universelle Sprache”. Das muss ich mir merken!Und damit die Menschen was von meinem BLOG haben, die mein Deutsch nicht verstehen, füge ich jetzt noch ein paar universell verständliche Sprachelemente ein :-)Eines dieser Sprach-Elemente ist beispielsweise dieses hier!

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Das Bild zeigt eine von drei (ehemals vier) Bierflaschen die ich eben aus meinem Kühlschrank geholt habe! Dieses Elektogerät hat es trotz einer fast lächerlichen Stromversorgung geschafft, zwei von vier Bierflaschen fast komplett einzufrieren! Das ist AMERIKA! Heute morgen beim Frühstück war schon die Klimaanlage eingeschaltet. Ich habe beim Frühstück gefroren, das muss man erst einmal nachmachen! Das erste Bier das ich mir eben geöffnet habe war eines der beidem gefrorenen Exemplare.

Das Leserrätsel

Ihr glaubt nicht was passiert ist, die Flasche ist sowas von übergeschäumt… Vielleicht kann mit einer der Leser erklären welcher physikalische Effekt dies bewirkt. Man nimmt also eine Flasche Corona und unterkühlt sie bis sich ein Eiskern gebildet hat, der in einer dünnen Schutzschicht aus noch flüssigem Bier schwimmt. Warum friert Flaschenbier eigentlich von Innen nach Außen ein? Eine zweite Frage! Ok, wenn man die so unterkühlte Bierflasche nun öffnen bilden sich viele kleine Bläschen am Eiskern und der Flasche entweicht dann ein Parfait aus Bierschaum. Warum ist das so?

Tipp für Frauen

Mein Tipp für alle Frauen die hier eine Restaurant aufsuchen wollen: Egal welche Jahreszeit es ist dort immer eiskalt! Also einen Pullover oder ein anderes wärmendes modisches Accessoire mitnehmen – unbedingt!Das war’s heute – “Good night and good luck!”