Teneriffa 12-2013 – Tag 4

Last Daylight @ Pico del Teide - Nikon D800E

Noch ziemlich verschlafen geht es am vierten Tag zum Frühstück. Ich habe meinen neuen SONY HDR-MV1 dabei und nehme damit beim Frühstück ein wenig der Atmosphäre des Speisesaals auf. Nur Ton ohne Video, da sollte sich niemand beschweren können und später kann ich es vielleicht geschickt in mein nächstes Reisevideo integrieren. Zurück in unserem Zimmer höre ich mir das Ergebnis über Kopfhörer an und bin völlig erstaunt wie genial doch die Soundqualität dieses kleinen Gerätes ist. Man hört wie rechts an der Türe zur Terrasse gerüttelt wird, weiter hinten klappert jemand mit den Tellern, die Gäste am Nachbartisch unterhalten sich über ihre gesundheitlichen Probleme. So machen Audio-Aufnahmen wirklich Spaß.

Um 10h30 laufen wir bei Karin und Wolfgang ein. Unsere Frauen wollen oben im Gebirge ausgiebig walken gehen, so richtig mit Wanderstöcken usw. Wolfgang und ich beschließen wieder etwas „vernünftiges“ zu tun und fahren mit meinem Mini-Van in die Nähe von Candelaria auf der anderen Seite der Insel. Dort haben Karin und Wolfgang vor einigen Monaten ein kleines Dörfchen entdeckt das wirklich niedlich ist. Etwas oberhalb des Ortes steht ein großer Dieselgenerator für die Stromversorgung des Ortes. Das deutet darauf hin, dass hier alles illegal gebaut wurde und dass der Ort daher nicht an das öffentlich Stromnetz angeschlossen wird. Dementsprechend sieht es in diesem Örtchen auch aus, die Häuser sind zum Teil reichlich heruntergekommen und die Stürme des letzten Monats haben schwere Schäden hinterlassen. Aber das kleine Dorf hat dennoch seinen Charme.

Hier wäre es sicher lohnenswert zum Sonnenaufgang auf Motivsuche zu gehen. Ich habe wieder meine Nikon 1V1 dabei. Es ist gerade das 6,7-13mm Weitwinkel montiert, ich lasse alles wie es ist und schraube die Kamera auf mein kleines Manfrotto Schwebestativ. Es ist noch ziemlich neu und ich bin auf die Ergebnisse sehr gespannt. Daheim in Deutschland habe ich auch ein „richtiges“ Schwebestativ, aber das ist für Kameras mit ca. 3 Kilo „Lebendgewicht“ ausgelegt und für die leichte Nikon 1 eher nicht zu gebrauchen. Außerdem hätte es damit nur Ärger bezüglich des Gewichts unserer Gepäckstücke gegeben. Also habe ich es daheim gelassen und versuche mich jetzt mit dem relativ leichten Pendant von Manfrotto. Als wir uns später die Ergebnisse anschauen wackelt es trotz allem noch recht kräftig. Das liegt daran, dass ich ich das Stativ noch korrekt ausbalanciert habe. Der untere Teil des Stativs lässt sich öffnen und dort findet man dann mehrere Metallplatte die als Gegengewicht zur Kamera fungieren. Damit das Stativ im Gleichgewicht ist muss ich zwei dieser Platten entfernen. Danach ist es aber relativ aufwändig das System so auszubalancieren, dass die Kamera gerade ist und weder nach oben oder unten kippt. Weil es einfach nicht gelingen will lege ich schließlich wieder eine Metallplatte zurück in das „Gegengewicht“. Jetzt „schwebt“ die Kamera zwar nicht mehr so wie sie soll, es ist mehr ein langsames taumeln, aber ich kann sie kontrollieren und das ist mir gerade wichtiger.

Als wir uns später auf Wolfgangs Computer die kurzen Video-Clips anschauen, sieht man diese taumelnden Bewegungen des Stativs noch ganz deutlich, aber es ist auch sichtbar besser als ganz ohne dieses einfach Schwebestativ. Letztlich ist dieses System ein ganz ordentlicher Kompromiss der auf Reisen recht gute Dienste leistet. Gern würde ich für Euch einen kurzen Test-Clip hochladen, aber die Internet-Anbindung des Hotels gibt das leider nicht her. Hier muss ich Euch also auf den Januar 2014 vertrösten 😦 Nach unser Besichtigung des kleinen Fischerortes geht es weiter zum neuen Teil der Promenade von Candelaria. Hier gibt es eine feine Eisdiele und wir schaffen es tatsächlich uns mit unseren äußerst rudimentären Kenntnissen der spanischen Sprache zwei leckere große Eisbecher zu bestellen. Die Dinger sind der Hammer und ich bin total verzückt. Mit Blick auf das Meer sitzen wir bei etwa 23°C im Schatten und essen ein Eis und dies am 17. Dezember 2013 – das Leben kann so schön sein…

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Während wir unser Eis genießen kommt ein kleiner Lieferwagen. Die Lieferzone ist komplett voll geparkt, also stellt er sich halb auf die Straße und halb auf den Gehweg. Er kramt hinten im Auto herum und läuft dann mit irgendwelchen Tüten hin und her. Es schaut aus als würde der Obst für die Eisdiele anliefern. Zwischen durch kommt das eine oder andere Auto vorbei. Die Fahrer gehen vom Gas, machen einen langen Hals und fahren vorsichtig an diesem Hindernis vorbei. Plötzlich ist da auch ein Fahrzeug der lokalen Polizei. Sie halten, schauen und stellen ihr Auto ein paar Meter weiter ab. Nach dem Aussteigen rücken sie ihre Uniformen zurecht und schauen sich an welche Autos hier im Parkverbot abgestellt sind. Zuerst wird der Lieferant gebeten sein Fahrzeug weg zu stellen. Dann kommt ein kleiner dicker Mann mit Glatze aus der Pizzeria nebenan und fährt nach einem kurzen Wortwechsel mit den Polizisten sein Auto weg.

Nach etwa 10 Minuten ist nur noch ein schwarzer Audi TT übrig. Er steht mitten in der Ladezonen eines Kreisverkehrs und das Armaturenbrett ist sogar mit einem Sonnenschutz abgedeckt. Einer der Polizisten fühlt mit der Hand ob die Motorhaube warm ist. Das wäre ein Indiz dafür, dass das Auto erst seit ein paar Minuten dort steht. Aber die Haube ist kalt und ein Fahrer ist nicht in Sicht. Das wird jetzt also ziemlich teuer. Die untere Schallgrenze für Verkehrsverstöße liegt hier inzwischen bei 100,- Euro. Die Polizisten notieren sich das Kennzeichen und klemmen wenig später einen kleinen gelben Zettel hinter den Scheibenwischer. Kurz nachdem sie verschwunden sind füllt sich die Ladezone dann auch schon wieder mit neuen Autos. Eigentlich könnte man sich als Polizist hier im Verborgenen aufhalten und hätte ein echte Gelddruckmaschine. Aber die Polizei auf Teneriffa scheint aktuell doch relativ entspannt zu sein.

Als wir am Nachmittag wieder bei Karin und Wolfgang eintrudeln sind unsere Mädels auch schon im Anflug. Als sie gut gelaunt eintreffen ist es kurz vor 15h und beiden knurrt der Magen. Wir verabschieden uns und steuern wieder einmal das schöne Monasterio in Los Relejos an. Im Innenhof des etwas höher gelegenen Restaurants finden wir ein schönes Plätzchen. Als ich von der Herrentoilette zurück bin steht schon ein Bier auf dem Tisch und ein Kellner fragt mich was ich denn essen möchte. Eigentlich bin ich noch relativ zufrieden denn der Eisbecher war riesig und so habe ich mir auch noch keine Gedanken gemacht was ich denn schon wieder essen möchte. Also schlage ich die Karte auf und nehme das erstbeste was mir in den Sinn kommt. Etwa 10 Minuten später wird mir dann ein halber Meter hausgemachte Bratwurst mit Zwiebeln und ein Teller mit handgeschnittenen frittierten Kartoffeln serviert. Uff, das ist eine echte Männerportion! Sandra bestellt sich das Fisch-Filet „Monasterio“ und los geht’s… Ich schaffe von der total leckeren Bratwurst weniger als die Hälfte und als Sandra sich nach dem Fischfilet über die Bratwurst hermacht bin ich ganz froh, weil es dann nicht ganz so peinlich ausschaut und wir nicht die halbe Portion zurück gehen lassen müssen. Unser Essen kostet übrigens etwa 30,- Euro, in der Eisdiele habe ich für die Eisbecher und zwei Kaffee 18,- Euro bezahlt.

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Als wir im Hotel eintreffen ist es schon 16h und eigentlich bin ich ziemlich müde. Aber der Schnee oben am Pico del Teide wird sich nicht mehr lange halten und heute ist der erste Tag nach den schweren Stürmen an dem die Straße von La Orotava hinauf zum den Canadas del Teide wieder geöffnet ist.

Also raffe ich etwas hastig so gut es geht alles zusammen und mache mich gegen 16h30 auf den Weg hinauf ins Gebirge. Mit dabei habe ich die Nikon D800E, vier Objektive von 15 – 200mm, die Nikon D300-IR und die Nikon 1 V1 nebst Zubehör. Außerdem zwei Stative und meinen SONY HDR-MV1. Speicherkarten, Akkus, Kabelauslöser, es sollte alles vollständig sein. Unten am Hotel stehe ich dann im allabendlichen Monsterstau. Die paar Meter bis zur Autobahn kosten mich fast 30 Minuten. Eigentlich habe ich schon fast keine Lust mehr mir oben am Teide den Hintern abzufrieren und überlege ernsthaft wieder umzukehren. Aber dann ist es doch geschafft.

In La Orotava geht es wieder quälend langsam vorwärts. Mein OPEL Meriva hat keine richtige Handbremse mehr, das geht inzwischen alles elektrisch. Grundsätzlich ist das ja nicht verkehrt aber wenn man 15 Minuten lang an eine steilen Straße im Stau steht und immer wieder anfahren und nach zwei Metern bremsen muss ist das wirklich nervtötend. Oberhalb von La Orotava geht es nervtötend weiter. Erst ist vor mit ein alter Geländewagen der mit Tempo 30 den Berg hinauf zuckelt und mich in gewaltige Rußwolken hüllt. Als dieses Ding endlich weg ist versperrt ein rostiger LKW die freie Fahrt. Ich schaue immer mal wieder auf die Uhr, es ist etwa 17h30 und in 30 Minuten beginnt das schöne Schauspiel oben in den Bergen. Da biegt der LKW nach rechts ab, endlich geht es vorwärts… Doch einige hundert Meter weiter ist da ein undefinierbarer kleiner Traktor mit einer Ladefläche. Er zuckelt extrem langsam den Berg hinauf. Ich nehme mir ein Herz und will ihn überholen, also runter schalten, blinken und los… Als ich fast auf seiner Höhe bin biegt das Ding urplötzlich hart nach links ab und steht praktisch quer vor mir. Ich hacke hart in die Bremse und bin nach einer kurzen Schrecksekunde froh, dass nichts passiert ist. Der Trecker hat nicht geblinkt und nicht gebremst, nichts, einfach nur ein Ruck nach links… Wahrscheinlich konnte der Fahrer mich gar nicht sehen und ich mag mir gar nicht vorstellen was bspw. einem Motorradfahrer beim Versuch mal schnell auf der linken Seite an uns vorbeizuschiessen passiert wäre…

Pico del Teide & Los Roques - Nikon D800E

Als ich oben in den Canadas del Teide eintreffe ist es schon deutlich nach 18h. Auf der nördlichen Seite ist der majestätische Vulkan noch komplett verschneit, aber dort schein nie die Sonne hin und dort nutzt der Schnee aus fotografischer Sicht daher nur wenig. Auf der Straße durch die Canadas versperren dann wieder überwältigte Touristen den Weg. Sie sitzen mit offenem Mund in ihren Mietwagen und vergessen dabei auf das Gaspedal zu treten, das nervt total. Im Auto vor mit sitzen drei Personen. Das Auto hält immer wieder kurz an in der Mensch auf der Rücksitzbank hält sein Smartphone aus dem Fenster um ein Foto zu machen. Kurz darauf setzt sich das Auto dann wieder in Bewegung, leider muss der Fahrer erstmal das gerade entstandene Handy-Foto begutachten und kann sich daher erst nach quälend langen Wartezeiten wieder auf den Verkehr konzentrieren.

Schließlich sind alle Touristen auf einen der Parkplätze abgebogen und ich habe freie Fahrt. Außen an meinem Mini-Van hängt jetzt meine GoPro und filmt die Szenerie. Weit links neben der Straße sieht man den verschneiten Kraterrand im letzten Licht der Abendsonne. Ich hoffe nur, dass es nicht zu spät ist und dass die kleine GoPro mehr als nur fieses ISO-Rauschen aufzeichnet. Kurz hinter den Los Roques sehe ich dann unten in der Tiefebene einen kleinen See und drei Fotografen mit ihren Stativen. Ich bin wie elektrisiert, zuletzt habe ich hier oben vor etwa vier Jahren nach einem großen Sturm einen kleinen See gesehen. Schnell parke ich mein Auto auf dem Seitenstreifen und raffe hastig meine Sachen zusammen. Die Sonne ist schon fast untergegangen und der verschneite Pico del Teide leuchtet in wunderbarstem Abendrot. Während ich zwischen Sträuchern und Felsbrocken durch den tiefen Sand haste fällt mir auf, dass ich mein warmen Wanderstiefel daheim im Hotel vergessen habe. Alles was ich an den Füßen trage sind zwei dünne Turnschuhe, eher unpassend für eine nächtliche Fotosession.

Pico del Teide Reflections #1 - Nikon D800E

Als ich etwa zwei Stunden zuvor am Hotel gestartet bin, zeigte das Thermometer in meinem Mietwagen noch satte 28°C, jetzt sind es nur noch 5°C und die Tendenz ist fallend weil die Sonne gerade eine Pause einlegt. Es ist also bitterkalt und ich habe nicht nur meine Wanderschuhe sondern auch mein Halstuch und meine warme Mütze vergessen. Außerdem habe ich den total versauten Chip meiner D800E noch immer nicht gereinigt und ich frage mich ob ich überhaupt einen Akku in der Kamera habe?

Pico del Teide - Guajara - The Moon - Nikon D800E

An diesem phantastischen kleinen See angekommen baue ich hastig mein Stativ auf, ich bin spät dran und die Show ist eigentlich schon fast vorüber. Als ich endlich meine D800E starklar habe schaffe ich es nicht das Bracketing (BKT) zu aktivieren. Überhaupt verhält sich die Kamera komisch irgendwie anders als gewohnt. Egal ich will noch ein paar schnelle Schüssen landen. Also korrigiere ich den Belichtungsmesser hin und her und schaffe es noch einige Fotos dieses famosen seltenen Schauspiels aufzunehmen. Wäre ich nur 30 Minuten eher losgefahren und wäre ich nur besser vorbereitet gewesen, es die fotografische Beute wäre sicher sichtbar fetter ausgefallen 😦

Transient Lake @ Canadas del Teide - Nikon D800E

Als die Show vorbei ist will ich mich auf den Heimweg machen. Es ist bitterkalt und ich habe nasse Füße weil ich mit meinen leichten Turnschuhen im feuchten Sand direkt am See gestanden habe. Doch die drei anderen Fotografen gehen auch noch nicht. Also schaue ich mich ein wenig um und finde immer wieder neue Perspektiven. Die Kraterwand der Canadas del Teide ist irgendwie mystisch angeleuchtet und schein in einen leichten Nebel gehüllt zu sein. Ich frage mich was das wohl ist? Aber egal, es sieht echt gut aus! Von der anderen Seite des kleinen Sees spiegelt sich die mystisch beleuchtete Kraterwand in der Wasseroberfläche. Inzwischen ist es auch nicht mehr so windig wie kurz vor Sonnenuntergang und die Wasseroberfläche ist jetzt relativ glatt.

Das Nikon AF-S 2.8/24-70mm tausche ich jetzt gegen das SAMYANG 2.8/14mm und variiere die Höhe meines Stativs. Hier machen 50cm einen großen Unterschied. Etwas näher ans Wasser, wieder etwas weiter weg, die Kamera noch tiefer, alles hat Auswirkungen auf die Spiegelungen in der Wasseroberfläche. Als ich irgendwann auf die Uhr schaue ist es schon fast 20h. Inzwischen bin ich völlig durchgefroren. Unter meiner relativ warmen Trekking-Jacke habe ich leider nur ein dünnes Sommerhemd, den den Tag über war es ja auch sommerlich warm. Doch jetzt kriecht die Kälte in alle Ritzen. Auch war es gar nicht einfach den Reißverschluss meiner inzwischen fast 10 Jahre alten Trekking-Jacke zu schließen. Ganz am Anfang klemmt er einfach wie die Hölle und ich konnte meine Jacke erst nach vielen Anläufen schließen. Das muss ich mir vor der nächsten Fotosession unbedingt genauer anschauen.

Während ich überlege ob ich zurück zum Hotel fahren soll geschieht dann ein beeindruckendes Naturschauspiel. Hinter dem Guajara, einem der mehre hundert Meter hohen Berge der Kraterwand, geht ein gleißend heller Vollmond auf. Es ist als würde jemand eine irre große Taschenlampe einschalten. Plötzlich ist alles in ein unwirkliches Licht gehüllt. Und mir ist jetzt auch klar wie die unwirkliche Beleuchtung der Kraterwand etwa 30 Minuten zuvor zustanden kam, es war der für uns noch nicht sichtbare Vollmond!

Sombrero & Venus - Nikon D800E

Wieder bin ich wie elektrisiert und laufe schnell auf die andere Seite des kleinen Sees der von Stunde zu Stunde kleiner wird. Mit dem 14mm Objektiv bekommt man sowohl den verschneiten Pico del Teide aus auch den Vollmond und seine Spiegelung in der Wasseroberfläche auf ein Bild. Ich bin verzückt und schieße eine Bild nach dem anderen. Inzwischen habe ich auch die Ursache für das seltsame Verhalten meiner D800E entdeckt. Ich hatte wohl einige Wochen zuvor den eingebauten HDR-Modus ausprobiert. Ist der HDR-Modus aktiv kann man keine Belichtungsreihen aufnehmen!

Irgendwann komme ich dann mit den drei andere Fotografen ins Gespräch. Es sind drei Freunde aus Gran Canaria die sich immer wieder treffen und sich gezielt einzelne Motive vornehmen. Sie recherchieren im Internet nach den guten Foto-Locations, warten auf das richtige Wetter und ziehen dann gemeinsam los. Einer der drei zeigt mir auf seinem Smartphone einige der Fotos die er während der letzten Jahre aufgenommen hat und ich bin wie aus dem Häuschen. Diese drei Canarios sind wirklich begeisterte fortgeschrittene Fotoamateure. Was sie machen sind nicht nur Fotos, bei ihnen ist jedes Bild ein durchdachtes sauber komponiertes Kunstwerk. Ich bin wirklich schwer beeindruckt. Mittlerweile ist es etwa 21h und ich zittere vor Kälte. Die drei Canarios verabschieden sich, sie wollen noch bei den Los Roques einige Fotos aufnehmen.

Zurück im Auto versuche ich langsam wieder aufzutauen. Mir kommt in den Sinn doch schnell einen neuen Teil für „Ansgars kleine Fotoschule“ mit meinem SONY HDR-MV1 aufzunehmen. Nach einer kurzen Testsequenz wird klar, dass die Innenraumbeleuchtung meines OPELs ganz ok ist und ein halbwegs brauchbares Video ermöglicht. Also erzähle ich etwas 20 Minuten lang was mir zum Thema „Nachts fotografieren“ in den Sinn kommt. Wirklich überlegt und strukturiert ist es leider nicht, es ist mehr eine Momentaufnahme, authentisch und durchgefroren. Der zentrale Bestandteil dieses kurzen Videos ist „Leute bereitet euch besser vor als ich! Nehmt warme Kleidung mit und überlegt euch gut was ihr eigentlich fotografieren wollt!“ Als ich mit meinem Video fertig bin mache ich mich auf die Rückreise, ich wende mein Auto und los geht die Fahrt. 5 Minuten später bin ich bei den Los Roques und kann meine drei Freunde mit ihren Kopflampen und Laserpointern sehen. Instinktiv reiße ich das Lenkrad herum und mache mich auch daran nicht einige Fotos vom „Finger Gottes“ mit dem verschneiten Pico del Teide im Hintergrund im Licht des klaren Vollmonds aufzunehmen. Immer wieder komme ich mit Victor und seinen Freunden ins Gespräch, wir zeigen uns unsere „Beute“, erzählen was von Objektiven und haben trotz der Kälte unseren Spaß.

Roque Chinchado & El Teide - Nikon D800E

Auf dem Display meiner D800E sehen die Fotos fast aus als wären sie bei Tageslicht aufgenommen. Nur sind die Farben ungleich intensiver und man kann am Himmel einzelne Sterne erkennen! Unsere gemeinsame Fotosession dauert bis 23h. Die Szenerie ist irgendwie gespenstisch und es kommen immer wieder warm eingepackte Leute die sich diese unwirkliche Szenerie ohne einen Fotoapparat in Ruhe anschauen. Es sieht aus als ließen sie alles auf sich wirken um die Fotos dann gespeichert in ihrem Kopf mit heim zu nehmen. Während ich mit Victor die Vorzüge einer Nikon D300 erläutere krame ich schließlich meine D300 heraus die ich mir auf Infrarot 830nm habe umbauen lassen. Nur zum Spaß und um Victor zu zeigen wir es ausschaut nehme ich noch ein Foto des „Finger Gottes“ (Roque Cinchado)

Roque Chinchado & El Teide - Nikon D300 - Infrared 830nm

Nach dem ich mich von Victor und seinen Freunden verabschiedet habe mache ich mich auf die lange einsame Fahrt hinab zum Hotel. Die Heizung steht auf Maximum und das Gebläse schaufelt ordentlich warme Luft in den Innenraum. Aber die Luft ist dadurch auch stickig und trocken. Die unendlich vielen Kurven im fahlen Licht der Scheinwerfer machen mich langsam aber sicher fertig. Mir wird so richtig übel, ich muss ein Fenster öffnen sonst halte ich es nicht aus. Immer wieder überlege ich ob ich anhalten und etwas frische Luft schnappen soll, aber das Thermometer zeigt inzwischen nur noch 2°C ich fühle mich wie ein großer Eiszapfen. Es hilft alles nichts, ich muss die Zähne zusammenbeißen und langsam aber sicher den Berg hinabrollen.

Als ich am Hotel eintreffe ist es fast 1h in der Nacht. Mit letzter Kraft schleiche ich voll beladen wie ein Packesel durch das Foyer. Der Nachtportier grüßt freundlich und grinst nur als er mit mich meinen mit Schlamm verschmierten Schuhen, Hose und Stativ an sich vorbei schleichen sieht. Im Zimmer angekommen brennt noch etwas Licht. Meine Sandra schläft längst. Im Kühlschrank ist eine neue Flasche Ramazotti, meine Sandra ist ein Engel. Einen Schluck später beginnt mein Magen sich zu beruhigen. Eigentlich würde ich jetzt gern heiß baden oder duschen. Aber es läuft kaum Wasser aus dem Hahn. Oh je denke ich und putze mir nur schnell die Zähne. Nach einer kurzen traumlosen Nacht weckt mich meine Sandra an nächsten Morgen gegen 7h30. Sie will mit Karin reiten gehen und wir müssen zeitig zum Frühstück. Im Bad bin ich noch wie benommen und aus dem Wasserhahn tröpfelt es nur. Mit ungewaschenen Haaren sitze ich eine Weile später halbtot beim Frühstück. Sandra ist schon ganz aufgekratzt und freut sich auf den Ausritt in das Gebirge oberhalb von La Orotava. Ich selbst hänge noch ziemlich in den Seilen. Zurück auf dem Zimmer beschließen wir dann, dass Sandra sich mal darin versucht unseren OPEL Meriva selbst zu steuern und ich den Rest des Tages gemütlich allein im Hotel verbringe.

Teneriffa 12-2013 – Tag 3

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Es ist Montag und wir sind schon wieder den dritten Tag auf „meiner“ Insel – die Zeit vergeht hier einfach immer wieder viel zu schnell… Morgens um 10h30 bin ich mit meinem Freund Wolfgang und einigen anderen „Residenten“ bei „Pepito“ verabredet. Das ist eine kleine Bar in La Paz, dem deutschen Viertel von Puerto de la Cruz. Die Bar wird von zwei deutschen Frauen geführt die ihre Gäste mit Vornamen kennen. Der eine oder andere Gast wird da auch schon mal mit „Mein Lieber“ angesprochen, alles ist sehr persönlich und wirklich nett. Nachdem sich meine Sandra verabschiedet hat um ein wenig die Geschäfte von La Paz zu erkunden, bekomme ich auch schon einen leckeren mehrschichtigen Barraquito mit Likör serviert. Es ist ein kleines Kunstwerk, mehrere Schichten Milch, Likör, Kaffee, Milchschaum, eigentlich viel zu schade um es umzurühren und dann zu trinken…

Beim Kaffee lerne ich Peter aus Deutschland kennen. Er ist mit einem VW Bus des Typs T5 hier. Seine Anreise war lang und er hat sich ein paar Wochen Zeit gelassen. Peter wird die nächsten vier Monate hier verbringen und dann langsam aber sicher über Portugal, Spanien, Frankreich und vielleicht auch die Schweiz wieder zurück nach Deutschland fahren. Das ist schon cool und ich wünschte ich könnte das irgendwann auch mal machen. Einfach an den ersten kalten Herbsttagen alles zusammenpacken und mit einem kleinen Camping-Mobil fast 5000 Kilometer immer nur in Richtung Süden fahren – ein Traum!!

Gegen Mittag zerstreut sich unsere kleine Runde, ich wandere zurück zu meinem Mini-Van und fahre auf kleinen Nebenstraßen zurück zum Hotel. Zwischendurch gibt es noch einen kurzen Fotostopp mit meiner Nikon 1 V1. Die große schwere Nikon D800E habe ich noch immer nicht ausgepackt und auch meine Infrarot-Kamera ist bislang ungenutzt. Die kleine Nikon 1V1 macht mir einfach so großen Spaß, eigentlich brauche ich die anderen Kameras nicht wirklich…

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Zurück im Hotel sichte ich meine Beute und spiele noch ein wenig mit der Nikon 1 herum. In meinem Koffer habe ich einen kleinen selbstgebauten Nodalpunkt-Adapter gefunden. Diesen montiere ich auf das große SIRUI Stativ und schraube meine Nikon 1 V1 mit dem 6,7-13mm Weitwinkel im Hochformat daran. Mit meinem ML-L3 Infrarot-Auslöser kann ich die Kamera erschütterungsfrei auslösen und so entstehen schließlich zwei Panorama-Aufnahmen von Schlafzimmer und Wohnzimmer. Aus den Einzelbildern sind mit Autopano-Pro schnell zwei wirklich riesige Panorama-Fotos erstellt. Selbst als JPG-Datei sind sie noch weit über 100 MB groß und es wäre spannend sie mal auf ein schönes langes Stück Papier zu drucken 🙂

Stitched Panorama

Stitched Panorama

Kaum bin ich mit meinen Panorama-Fotos fertig, da öffnet sich auch schon die Tür und meine Sandra ist wieder da. Sie war nun etliche Stunden allein zu Fuß in der Stadt unterwegs und ist danach mit der kostenlosen „Bimmelbahn“ zum Loro Parque gefahren. Dort hat sie sich in ein Taxi gesetzt und ist für kleines Geld wieder hinauf zum Hotel gefahren.

Nach einer kleinen Verschnaufpause melden sich unsere Mägen und wir beschließen nochmals kurz hinunter nach La Paz zu fahren, dort eine Flasche Ramazotti zu kaufen und dann im alten Kloster, dem Monasterio in Los Realejos, ein vorzeitiges Abendessen „einzunehmen“. Als wir im Auto sitzen ist es etwa 16h und auf den Straßen ist die Hölle los. Der Weg hinab nach La Paz geht noch halbwegs zügig von statten, aber der Weg zum Monasterio ist die Hölle. Die Insel ist derzeit so voll, dass um 17h einfach gar nichts mehr geht. Ich frage mich ob in den Autos lauter Kanarios sitzen die von der Arbeit kommen oder ob es Touristen sind die auf dem Rückweg zu ihren Hotel sind. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beidem. Der kurze Weg zum Monasterio zieht sich jedenfalls hin wie ein Kaugummi, so etwas habe ich hier noch nicht erlebt. Eigentlich konnte man hier bislang immer ganz gut mit dem Auto von A nach B fahren. Aber derzeit scheint die Insel kurz vor dem Verkehrskollaps zu stehen.

Im Monasterio begrüßt uns mit einem fröhlichen Lächeln wieder „unser Oberkellner“. Er sieht noch immer aus wie der jüngere Bruder von Julio Iglesias und begrüßt uns freudig. Es sind die kurzen Momente wie dieser, die mich immer wieder nach Teneriffa ziehen. Die Menschen sind freundlich und entspannt und es ist einfach schön im Hotel, an der Kasse im Supermarkt oder dem Restaurant um die Ecke auf Menschen zu treffen die man kennt und die sich freuen wenn man alljährlich kurz vor Weihnachten „wieder da ist“. Auf der Speisekarte lachen uns heute zwei Filet-Steaks an, medium gegrillt schmecken sie wirklich gut. Eigentlich könnten wir auch im Hotel essen, aber dort gibt es eben keine Steaks. Unser Göttermahl runden wir mit einem Espresso und einem Ramazotti ab und fühlen uns danach so richtig gut. Der ganze Spaß kostet 48,- Euro. Das ist nicht billig aber auch nicht so teuer wie in Deutschland und die wunderschöne historische Location gibt es in Deutschland eben auch nicht.

Der Rückweg zum Hotel klappt dann wieder reibungslos, die Rush-Hour ist vorbei. In den kommenden Tagen werden wir versuchen die Zeit zwischen 16 und 18h mit dem Auto zu meiden. Meine Nikon 1 samt Stativ und Zubehör habe ich den Rest des Tages nicht mehr benutzt. Eigentlich wollte ich noch ein paar schöne Fotos der Gebäude des Klosters zur blauen Stunde aufnehmen, aber nach dem Essen ist es doch etwas kühl und ich habe nur ein dünnes Hemd mit kurzen Ärmeln an. Das Thermometer im Auto zeigt 18°C, tagsüber hatten wir etwa 23°C, unten in Puerto de la Cruz hat Sandra sogar ein Thermometer gefunden das satte 30°C zu melden wußte.

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Nachdem es viele Monate auf Teneriffa gar nicht geregnet hat, war der November von Regen und Sturm geprägt. Bis zu unserer Ankunft war es relativ kühl und unbeständig, so dass wir uns über Temperaturen die tagsüber deutlich über 20°C liegen wirklich freuen können. Abends wird es aber doch etwas kühler und man sollte sich für die Zeit nach 18h einen Pullover oder eine leichte Jacke mitnehmen. Ich werde das in den kommenden Tagen beherzigen und hoffentlich noch viele schöne Fotos zur blauen Stunde aufnehmen können.

Der Pico del Teide ist derzeit weiß eingeschneit und es wäre ein Traum dort oben zu fotografieren. Aber die Auffahrten sind teilweise noch immer gesperrt. Wer vom Norden über La Esperanza hinauf will wird derzeit irgendwann auf halber Strecke an einer Absperrung umkehren müssen. Weil hier praktisch niemand Winterreifen auf dem Auto hat wurden in den letzten Tagen die Straßen hoch zum Teide kurzerhand zu einer enorm langen „Einbahnstraße“ umfunktioniert. Ohne Gegenverkehr  ist es eben deutlich ungefährlicher die mehr als 2.000 Meter Höhenunterschied hinauf in die Canadas del Teide zu überwinden. Wer derzeit den Teide im Schnee sehen will muss von Süden hinauf ins Gebirge fahren und den „Abstieg“ über La Orotava wagen. So sehr es mich auch reizt meinen liebsten Berg im Schnee zu sehen, ich werde mich wohl noch ein paar Tage gedulden bis die Straßen geräumt und problemlos befahrbar sind. Mit ein wenig Glück ist der Gipfel des Teide auch dann noch mit fotogenem Schnee bedeckt. Spannend fand ich übrigens auch die Geschichte von den Wanderern die für zwei Tage oben im Gebirge in der Schutzhütte kurz unterhalb des Gipfels im Sturm eingeschneit waren. Dort zwei Tage lang ohne Heizung, Essen und Trinken festzusitzen ist sicher nicht wirklich witzig. So gesehen ist unsere schlechte Internet-Anbindung ein echtes Luxusproblem 🙂

Teneriffa 12-2013 – Tag 2

Es ist der zweite Tag unserer Weihnachtsreise nach Teneriffa. Nach dem Frühstück packen wir unsere Sachen und machen uns zu Fuß auf den Weg zum Puerto Palace. Dort wollen wir uns um 13h mit unseren Freunden Karin und Wolfgang treffen und gemeinsam das Thailändische Restaurant besuchen.

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Sandra und ich nehmen den Fußweg hinab in die Stadt. Zwischendurch halten wir immer mal wieder an, Sandra macht ihre ersten Gehversuche mit meiner Nikon AW-100 und ich fotografiere ausschließlich mit der Nikon 1V1 und dem genial guten Nikkor 1,2/32mm. Alles ganz rudimentär, alles ganz easy und Spaß haben wir trotzdem.

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Unterhalb des Hotels biegen wir nach links ab und gehen ein Stück an der Straße entlang, nach etwa 200 Metern können wir ann nach rechts in den Parque Taoro abbiegen. Dieser Park wurde ursprünglich mal für das Grand Hotel Taoro angelegt. Es gab dort ein Spielkasino und die wohlhabenden Touristen flanierten hier etwas abseits des städtischen Trubels durch die schönen Parkanlagen. Leider ist das Hotel inzwischen geschlossen und ein Casino gibt es dort auch nicht mehr. Der Park wurde in den letzten Jahren ein wenig aufgepeppt, doch man sieht ihm an, dass es auch hier an finanziellen Mitteln fehlt. Dennoch hat dieser alte Park ein gewisses Flair und es macht trotz allem Spaß dort entlang zu spazieren. Weil der Weg nicht wirklich weit ist und wir ganz gut zu Fuß sind treffen wir natürlich viel zu früh beim Puerto Palace ein. Direkt unterhalb des Puerto Palace ist ein breiter bepflanzter Grünstreifen mit vielen Parkbänken.

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Die Sonne scheint und der Himmel ist blau, also lassen wir uns dort nieder um auf Karin und Wolfgang zu warten. Nach 10 Minuten stöhnen wir unter der Hitze, meine tolle TIMEX Intelligent Quartz-Tide-Temp habe ich abgelegt und das eingebaute Thermometer zeigt uns, dass es 25°C im Schatten neben mir sind. Wir grinsen uns an und denken daran, dass es in Deutschland in den letzten Wochen nur geregnet und gestürmt hat.

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Weitere 10 Minuten später wird es uns dann doch zu warm und wir verziehen uns in den Schatten. Karin und Wolfgang sind dann auch um 13h zur Stelle und es gibt einen Plausch zum Wetter und den Neuigkeiten von der Insel.

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Der Sturm hat sich scheinbar auf eines der Rechenzentren ausgewirkt, jedenfalls ist bei den meisten Menschen aktuell die Internet-Anbindung extrem langsam. Das merkt man auch hier im Hotel. Zwar klappt es ganz gut mit der WiFi-Verbindung auf dem Zimmer, aber ich kann trotzdem die vielen Fragen die in den letzten Tagen via Facebook & Co. eingetrudelt sind nicht wirklich beantworten weil es bis zu 5 Minuten dauert bist sich überhaupt mal eine Webseite öffnet. Allein für die Veröffentlichung eines kleines Artikels und das Einbinden einiger weniger kleiner Fotos bin ich fast eine Stunde beschäftigt. Dabei ist dann der Artikel natürlich in Pages vorgeschrieben und die Bilder sind schon bereit für den Upload. Es ist einfach die Wartezeit bis sich im Browser irgendetwas rührt. Spaß ist etwas anderes…

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Aber ich spüre am Ende des ersten Tages schon, wie es mit mir gesundheitlich langsam wieder bergauf geht. Diese Insel erinnert mich manchmal an die Insel aus der Fernsehserie „Lost“. Dort konnten Lahme auch wieder laufen, Krankheiten und Wunden heilten schnell und die Erklärung war der Drehbuchautoren war stets „Es ist eben die Insel!“. So geht es mir hier auch, erklären kann ich es nicht, aber ich fühle mich hier deutlich gesünder als im nasskalten Deutschland. Grundsätzlich wäre es sogar toll mal ein paar Wochen von hier aus zu arbeiten, aber das wird wegen der gruseligen Internet-Anbindungen noch für viele Jahre ein Wunschtraum bleiben. Daheim in Deutschland sind in den Ballungsgebieten bis zu 100 MBit/s machbar, hier auf Teneriffa sind viele Bewohner froh, wenn sie eine Leitung mit 0,384 MBit/s. Bei uns in Deutschland wird es auf dem Land als „DSL-Light“ von der Telekom verkauft. Allerdings lässt sich der magentafarbene Riese dieses „Produkt“ genauso teuer bezahlen wie eine „richtige“ Leitung mit 1 MBit/s. Man bekommt knapp ein Drittel einer Leistung zum 100% des Preises, aber das ist eben die Deutsche Telekom… Kurzum, alle die sich in Deutschland über das schlechte Wetter ärgern sollten sich über ihre schnellen Internet-Anschlüsse freuen, wenn Sie denn einen haben 🙂

Nach unserem ausgedehnten Mittagessen geht es zurück in den Parque Taoro, dort gibt es ein schönes kleines Garten-Café. Beim obligatorischen Baraquito mit „Kanarischen Vitaminen“ lassen wir es uns dort gut gehen. Während unsere Frauen sabbeln was das Zeug hält und wir zwischendurch nur die Namen einzelner Pferde aus dem Kanarischen Reitstall „Mamio Verde“ aufschnappen, philosophieren wird über die Vorzüge kleiner leichter Kameras und neue Fotoziele in den USA. Später bringen Karin und Wolfgang uns mit dem Auto hoch zum Hotel und als wir oben eintreffen bin ich wirklich dankbar, dass ich den steilen Weg nicht zu Fuß hinauf musste. Die gerade erst überstandene Lungenentzündung hat noch ihre Spuren hinterlassen. Eigentlich habe ich den ganzen Tag über nicht viel gemacht und bin trotzdem ziemlich am Ende.

Im Hotelzimmer angekommen schnappe ich mir die kleine Nikon 1 V1 und setze das geniale 6,7-13mm Weitwinkel an diese Kamera. Das ist die perfekte Kombination für schöne Fotos unseres luxuriösen Appartements.

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Nach einer kleinen Pause geht es um 20h zum Abendessen. Dort ist es zur fortgeschrittenen Stunde etwas ruhiger und ich freue mich über knusprig gebratene Filets vom Seehecht und andere Leckereien.

Wolfgang hat mir erzählt, dass der Tourismus auf den Kanaren in den letzten Monaten wieder kräftig angezogen hat und dass die meisten Hotels aktuell vollständig ausgebucht sind. Auch ist es schwierig am Flughafen einen Mietwagen zu bekommen. Die Ursache liegt auf der Hand, nach Griechenland wollen viele Deutsche aktuell nicht reisen weil sie nicht als „Spar-Nazis“ beschimpft werden wollen. In Ägypten erscheint die Lage zu unsicher, so bleibt für viele Anbeter der äquatornahen Wintersonne nur eine der Kanarischen Inseln. Und weil Teneriffa die größte Insel mit der besten Infrastruktur ist, kommen aktuell einfach sehr viele Urlauber hier hin. Es wäre ja zu hoffen, dass sich dieser Ansturm auch langfristig positiv auf die finanzielle Lage der Insel auswirkt. Aber zu spüren ist davon aktuell noch nichts. Die Jugendarbeitslosigkeit ist nach wie vor auf ungesund hohem Niveau und Gelder der EU und der spanischen Regierung fließen nur noch in geringem Umfang. So wurde der Bau des Süd-Westlichen Autobahnrings im letzten Jahr einfach mittendrin abgebrochen. Viele Tunnel sind schon fast fertig, es gibt schon einzelne Autobahnzufahrten und -abfahrten, aber trotzdem ruht einfach alles. Die Arbeiter wurden abgezogen und teilweise wurden nicht einmal die Baumaschinen weggefahren, viele Baustellen sehen aus wie Geisterbaustellen die  niemals fertig werden. Na schauen wir mal wie es in 10 Jahren aussieht, vielleicht hat sich das Blatt dann gewendet. Den Menschen auf dieser Insel wäre es zu wünschen.

Teneriffa 12-2013 – Tag 1

Es ist der Abend vor der Abreise nach Teneriffa, noch einmal schlafen und dann am Samstag ganz entspannt um 11h25 mit Germanwings nach Teneriffa fliegen. Für das Abendprogramm haben wir uns via Apple TV den Film „Pacific Rim“ ausgesucht. Es ist ein ziemlicher Action-Kracher und die Bilder sind beeindruckend. Alles wirkt als könnte es real sein, wenn da nicht diese gewaltigen Roboter und die Monster aus der Unterwelt wären. Noch heute erinnere ich mich an meinen ersten Kinofilm. Es war „Godzilla“ und damals gab es in meiner Heimatstadt noch ein winziges Kino. Die Vorstellung war am Sonntagnachmittag nach der Kirche und das Kino war so voll, dass einige Zuschauer auf Cola-Kisten sitzen mussten. Das ist fast 40 Jahre her und seit dem hat sich vieles verändert. Die kleinen städtischen Kinos gibt es nicht mehr und die etwas unbeholfen dahin wackelnden Monster sind auch ausgestorben. Damals wurden die Filme noch mit Stop-Animation produziert. Die Kamera stand still und die Monster auch. Es gab Animateure die den Figuren Leben einhauchten und nach jeder kleinen Bewegung wurde ein neues Bild gemacht. Da diesen Bildern jegliche Bewegungsunschärfe fehlte wirkte der Gang der Monster so herrlich unnatürlich. Aber irgendwie haben wir uns als Kinder trotzdem gegruselt.

Doch diese Zeiten sind schon lange vorbei, heute werden die Monster am Computer modelliert und wirklich gefilmt wird auch nichts mehr. Der gesamte Film „Pacific Rim“ ist einer völlig digitalisierten Welt entsprungen und das Ergebnis ist rein visuell betrachtet atemberaubend.

Über die Story kann man sich streiten, da hat sich nicht wirklich viel verändert, bei der Filmmusik eigentlich auch nicht. Das konnte man vor 40 Jahren schon fast so gut wie heute. Allerdings hat sich der Stil der Filmmusik mehr als verändert. Und während ich versuche die letzten Stunden bis zum Abflug etwas zu schlafen gehen mir die cineastischen Ohrwürmer des Films durch den Kopf. Die Musik zu Pacific Rim stammt aus der gleichen Feder wie die Titelmusik zur HBO Serie „Game of Thrones“ und sie ist ähnlich eingängig.

Als wir am Morgen wach werden ist meine Sandra ziemlich gerädert. Ich habe wieder einmal geschnarcht was das Zeug hält und fühle mich selbst keinen Deut besser. Es gibt frischen Kaffee und eine der letzten Portionen meines starken Antibiotikums das mir helfen soll die Folgen einer fiesen Lungenentzündung zu überwinden. Unsere Koffer stehen fertig gepackt vor der Haustüre. Gegen 9h wählen wir die 555 555 und einige Augenblicke später ist auch schon ein Taxi zur Stelle. Am Vorabend habe ich geschaut was es kosten würde mein Auto für drei Wochen am Kölner Flughafen abzustellen und dabei festgestellt, dass ein Taxi deutlich billiger ist. Die Anfahrt zum Flughafen klappt ganz problemlos. Zwar hat der Wetterbericht gefährlichen Eisregen angekündigt, aber davon ist in Bonn nichts zu spüren, es regnet einfach nur in Strömen. Überhaupt scheint dieser Flughafen in den kalten Wintermonaten weniger stark mit Schnee und Eis zu kämpfen zu haben als Düsseldorf oder Frankfurt. In den letzten Jahren waren von diesen Flughäfen am Tag unserer Abreise nach Teneriffa immer wieder gruselige Dinge in den Nachrichten zu hören. Von Köln Bonn sprach hingegen meist niemand.

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Als wir am Flughafen eintreffen müssen wir an einem der Schalter von German Wings einchecken. Diese sind zwar gut besucht aber wir müssen nur einige Minuten warten. Sandras Koffer wiegt exakt 20 Kilogramm, mein inzwischen ziemlich zerschundener Koffer kommt auf 18,5 Kilogramm. Das ist ganz ok, was niemand sehen kann ist das Gewicht meines kleinen Kabinen-Trolleys. Es ist ein kleiner Hartschalenkoffer und darin habe ich meinen vergammelten alten Fotorucksack. Wirklich viel ist dort eigentlich nicht verstaut, ich habe eine Nikon D800E, eine D300 (Infrarot 830nm) und 5 Objektive dabei. Dazu Polfilter, Grauverlaufsfilter, Funkauslöser, eben alles was man so braucht. Stativ und Ladegeräte habe ich in meinem großen Koffer untergebracht und trotzdem bringt es mein Fotokoffer auf mehr als 15 Kilogramm! Einen „Kulturbeutel“ im klassischen Sinn habe ich nicht. Im Koffer gibt es weder Shampoo noch einen Rasierer oder ähnliches. Unser Hotel ist ganz in der Nähe eines großen Supermarktes gelegen und der hat sogar sonntags geöffnet. Nach unserer Ankunft im Hotel wird uns der erste Weg zu diesem „Alcampo Villa“ führen. Dort gibt es für kleines Geld alles was wir für den täglichen Bedarf benötigen. Außerdem hat das Hotel eine Waschmaschine und einen Wäschetrockner. Daher habe ich nur eine Handvoll Hemden, Unterwäsche, Hosen und Socken dabei. Im Zweifel kann ich im Alcampo für kleines Geld noch ein paar T-Shirts kaufen, einer der großen Vorzüge dieser Insel. Auf El Hierro, La Palma oder La Gomera sähe das etwas anders aus.

In der Sicherheitskontrolle wartet das Personal schon auf die ersten Fluggäste. Während alle zum Schalter in der Mitte strömen ruft uns ein etwas gelangweilter aber durchaus gut gelaunter Mitarbeiter an seine Kontrollstation. Notebook, iPad, Handy, alles muss raus, aber die Kontrolle verläuft schnell und mehr als problemlos. Während in Frankfurt oder Düsseldorf gelegentlich meine gesamte Fotoausrüstung gecheckt und Feinstaubproben genommen wurden, ist sie in meinem kleinen Rollenkoffer quasi „Incognito“ unterwegs und geht ohne alle Probleme durch den Sicherheitscheck – super!

Als wir am Gate C70 eintreffen ist es eigentlich noch viel zu früh. Aber wie pflegt mein Freund Walter in diesen Situationen zu sagen: „Better safe than sorry“. So ist noch Zeit für ein wirklich leckeres frisches belegten Baguette und ich kann auch noch diese Einleitung zu meinem neuen Reisebericht schreiben 🙂

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Im Flugzeug herrscht eine Mischung aus altem Schweiß und verschiedenen zu dick aufgetragenen billigen Parfum-Sorten. Aber der Flieger ist längst nicht voll besetzt und so können Sandra und ich hinter einander sitzen und so beide aus dem Fenster schauen. Neben mir ist alles frei und so habe ich königlich viel Platz, so kann das Fliegen sogar mit German Wings Spaß machen. Der Flug indes ist etwas für Fortgeschrittene. Es holpert was das Zeug hält, wir müssen mitten durch ein ausgedehnte Zone mit schweren Turbulenzen. Aber der Rückenwind hat auch etwas Gutes, wir werden rund 30 Minuten vor der geplanten Zeit auf Teneriffa eintreffen. Im Flugzeug bittet indes der Flugkapitän immer wieder darum die Waschräume nicht aufzusuchen. Als nach einer kleinen ruhigen Phase neue Turbulenzen auftreten ist meine Sandra gerade in einem der Waschräume und es hebt sie fast von der Toilette hoch. Als sie endlich wieder draußen ist, sieht sie um die Nase herum ganz grün aus, so schere Turbulenzen hat sie noch nicht erlebt. Ich kenne das von den vielen Flügen ganz gut und mache mir keine weiteren Sorgen. Dieser Airbus A320 kann viel mehr ab, er sollte sogar einem erwachsenen Gewitter standhalten und dass die Flügel kräftig hin und her wackeln ist genau richtig, denn sonst würde das Flugzeug auseinander brechen. Es ist also ein Grund zur Panik gegeben!

Nach rund vier Stunden Flugzeit taucht der verschneite Gipfel des höchsten Berges der Spanier über den Wolken auf, gleich sind wir zuhause…

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Die Landung in Teneriffa fällt indes relativ heftig aus, es herrschen kräftige Querwinde und es gibt ganz ordentliche Windböen. Aber der Pilot bringt uns sicher auf den Boden und ich muss grinsen als andere Fluggäste lautstark überlegen ob der Pilot vielleicht betrunken sein könnte weil er das Flugzeug bei der Landung so hat wackeln lassen…

Während sich meine Sandra um die Koffer kümmert besorge ich uns wieder bei CICAR (www.cicar.com) einen Mietwagen. Das geht blitzschnell, denn die anderen Mietwagenkunden stehen bei den anderen überregional bekannten Autovermietern. Statt des im Internet ausgesuchten Ford Focus bekomme ich allerdings einen Opel Meriva, einen ausgewachsenen Minivan. Als wir an diesem Auto eintreffen bin ich überrascht wie groß er doch ist. Er hat ein paar Schrammen, aber das nehmen die Vermieter hier auf den Kanaren nicht so genau. Das Auto kommt gerade aus der Waschanlage und ist sogar von innen halbwegs sauber. Auf dem Tacho stehen fast 74.000 Kilometer, da hätte ein deutsches Unternehmen dieses Auto längst ausgemustert. Aber hey, rein geographisch gesehen sind wir hier in Afrika und eigentlich muss man froh sein, dass man hier überhaupt für etwa 350,- Euro für drei Wochen solch ein großes Auto mieten kann.

Am Mietwagen ist der Tank komplett leer, da trifft es sich gut, dass gleich am Flughafen eine Tankstelle ist. Der Tankwart ist sehr nett und für 46 Euro bekommen wir 44 Liter Super 95. Das ist mir sogar ein kleines Trinkgeld wert, so dass unsere erste Tankfüllung genau 50 Euro kostet.

Manch einer mag jetzt aufschreien „Was soll denn das, nicht einmal voll getankt das Auto?“ Klar denke ich mir das auch, aber andererseits gibt es so auch keine Abzocke beim Sprit. Ich hole das Auto leer ab und gebe es leer zurück, das ist mehr als fair!

Auf inzwischen alt bekannten Wegen geht es mit dem Mini-Van zum Hotel. Die Fahrt dauert etwa 90 Minuten und ich bin etwas enttäuscht, dass wir unterwegs keine Möglichkeit finden einen meiner USB-Sticks in das Radio einzustecken. Aber das ist kein Beinbruch, dann werden wir uns eben ein paar CD-Rohlinge kaufen und uns einiges der mitgebrachten Musik auf CD brennen. So wird es uns während der kommenden Wochen nicht langweilig werden.

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Am Hotel angekommen werden wir schon erwartet, der Check-In geht schnell, wir bestellen uns zwei zusätzliche Wolldecken, zwei zusätzliche Kopfkissen, zwei Tücher für den Pool und einen Schlüsselfür den Safe. Dann noch 7 x 24h Internet für 20 Euro und los geht es in die zweite Etage. Wir haben Zimmer 212, das ist ganz am Ende des Flurs und hinter der Tür verbirgt sich eine Suite die noch größer ist als das was wir schon kennen. Die Zimmer sind wirklich schön groß, es gibt viele Fenster und wir haben zwei getrennte Balkone. Das ist echt cool, wenn mal einer von uns morgens eher wach wird, kann er sich raus setzen und den Morgen genießen ohne den Langschläfer zu stören. Zwar sind die Flachbild-Fernseher in diesem Hotel noch nicht angekommen, aber das kleine „Röhrending“ empfängt mehrere deutsche Fernsehsender, was will man mehr.

Um 18h30 wandern wir zum Abendessen, im großen Saal ist es mehr als voll. Die Mitarbeiter haben sogar die Türen zum großen Festsaal nebenan geöffnet. So verteilen sich die vielen Gäste ganz ordentlich und die Speisen am Buffet werden auch ständig nachgelegt. Es gibt gegrillten Fisch, Paella und vieles mehr. Ich entscheide mir für eine unter kulinarischen Aspekten zumindest „ungewöhnliche“ Mischung aus Reis, Paella, Gemüse, Spanferkel und Spinat. Dazu gibt es ein großes Bier und zum Nachtisch frisches Obst mit Nusseis. So kann man es aushalten!

Das Personal hat seit unserem letzten Besuch im April stark gewechselt, es gibt zwar noch einige bekannte Gesichter, aber die Mehrzahl der Angestellten scheint neu dabei zu sein. Auch sind wir von der Qualität der Speisen mehr als überrascht. Bei meinem ersten Aufenthalt im Jahr 2006 war das Abendessen eher mäßig, so dass ich in den folgenden Jahren immer nur Übernachtung mit Frühstück gebucht habe. Im letzten Jahr haben wir dann erstmals Halbpension gebucht und waren überrascht, dass mit dem neuen Personal eine guter frischer Wind durch die Küche geweht ist. Rein gefühlsmäßig konnte die ohnehin schon gute Qualität nochmals gesteigert werden. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir es hier in den kommenden Wochen sehr gut aushalten werden.

Nach dem Essen geht es noch kurz an die Bar. Sandra bestellt sich einen Caipirinha und für mich gibt es einen leckeren Baraquito mit den obligatorischen „Vitaminas Canarias“ 🙂

So gestärkt kann die Nacht beginnen. Wir schlafen tief und fest und sind am nächsten Morgen wunderbar ausgeruht und bereit für eine neue Schlacht an der Futterkrippe.

Auch beim Frühstück ist es wieder ziemlich voll, das Hotel ist ausgebucht. Während sich Sandra um Kaffee kümmert und einen Sitzplatz ergattert schaufele ich mir einen Teller voll mit Baked Beans, Bacon, Spiegelei, grünen Bohnen, gebackenen Tomaten, ein Festmahl. Während ich mich an den vielen leckeren Dingen erfreue denke ich an die vielen Jahre die ich tagtäglich im besten Hotel der Welt, im Quartier 65 in Mainz frühstücken durfte. Ganze fünf Jahre lang gab es dort erlesene Köstlichkeiten, gemessen daran ist dieses Frühstück natürlich nur zweite Wahl. Aber es schmeckt mir trotzdem. Während ich im Quartier 65 meist allein oder in kleiner Runde gefrühstückt habe – das Hotel hat nur 6 Zimmer – sind heute geschätzte 300 weitere Gäste anwesend. Uns gegenüber sitzt ein Typ um die 50 mit seiner Mutter. Er hat eine Halbglatze, braunes T-Shirt, kurze braune Trekking Hose, haarige Beine, halbhohe braune Socken, brauche Sportschuhe. Er scheint sich ausschließlich von Apfelsinen zu ernähren. Es gibt sie in rauen Mengen und sie schmecken wunderbar. Während ich mich über einen kleinen Stapel Pancakes mir vier unterschiedlichen Sorten Marmelade hermache schaue ich fasziniert zu wie er mit chirurgischem Geschickt einen mittleren Berg aus Apfelsinen nach und nach seziert. Die Hälften werden zunächst mit der Gabel fixiert, dann in Drittel – also eigentlich Sechstel – geteilt und danach wird das Fruchtfleisch mit gekonnten Schnitten von der Schale getrennt. Seine Mama schaut wortlos zu, ist auch ok denn an allen anderen Tischen wird mehr als lautstark geredet. Als ihr Sohn einen Stapel mit etlichen Apfelsinen verzehrt hat, staune ich nicht schlecht als er aufsteht und mit einer neuerlichen großen Portion Apfelsinen zurückkehrt. Während er mit der Sezierung der Südfrüchte fortfährt, frage ich mich welches Mittel gegen Sodbrennen er wohl täglich einnimmt?

Schließlich kann ich mich von dieser ungewöhnlichen Show losreißen, mir zwei Gläser mit gepresstem Apfelsinensaft holen und die ersten Sonnenstrahlen auf der schönen Terrasse vor dem Speisesaal genießen. Es ist der 15. Dezember und pünktlich um 9h kommt die Sonne hinter dem etwa 2.000 Meter hohen Felsrücken der Insel hervor. So kann man es aushalten. Während wir die Sonne genießen können wir zuhören wie sich drei deutsche Miesepeter über das schlechte Wetter beschweren. Da sind sie extra aus Deutschland hierher gekommen und jetzt ist es am Morgen nur knapp 20°C warm – zum Teufel mit ihnen – es gibt Menschen denen kann man einfach nichts recht machen.

Herr Prof. Dr. Alexander von Humboldt und seine Gattin sind auch in diesem Jahr wieder zugegen. Eigentlich heißt er sicher anders, aber er benimmt sich genau SO! Weißes langes Haar mit gebräunter Platte in der Mitte, langer grauer Bart, Brille, Pullover lässig um die Schultern gelegt, hochnäsiger Blick, mit pfauengleichem Gang stolziert er zwischen den anderen Gästen umher und schleppt einen voll beladenen Teller nach dem anderen heran. Die zwei saßen auch schon im letzten Jahr immer ganz abseits des ordinären Volkes auf der morgendlichen Sonnenterrasse. Ich kann mir das Grinsen nicht verkneifen als er den vierten voll beladenen Teller heranschleppt. Die zwei stapeln das Essen vor sich als gäbe es kein morgen und schieben es dann langsam aber kontinuierlich schweigend in sich hinein. Nicht einmal ein „Aaaaaach waaaat issss daaaat herrrrrlich Marleeeeene“ entweicht dem Gehege ihrer Zähne, still schaufeln sie Eiweiß und Kohlehydrate in ihre sicher gut trainierten Mägen.

So gegen 9h30 haben wir genug gesehen und machen uns auf den Weg in unser Zimmer. Die Zimmermädchen sind schon unterwegs, sie haben heute sicher einen langen Tag, denn das Hotel ist komplett ausgebucht. Von einer Wirtschaftskrise ist hier derzeit nichts zu spüren. Erst vorgestern wurde in den Nachrichten gemeldet, dass die Iren es mit unglaublichen Einsparungen und Kürzungen bei Sozialleistungen, Renten und vielen anderen staatlichen Ausgaben geschafft haben langsam wieder auf die Beine zu kommen. Angesichts der Belegung dieses Hotels kommt mir in den Sinn, dass ja vielleicht auch bald mit Spanien wieder bergauf gehen könnte. Nach einer Krise sieht es hier oberflächlich gesehen jedenfalls nicht mehr aus. Aber warten wir mal ab was unsere Freunde die hier auf der Insel leben zu erzählen haben.

Teneriffa 12-2013 – Reisevorbereitungen

Delicate Lovers - Nikon D300

Seit mein Vater vor vielen Jahren kurz vor Weihnachten überraschend verstorben ist, befällt mich in den letzten Dezembertagen immer wieder eine eher depressive Weihnachtsstimmung. Vor ein paar Jahren habe ich daher beschlossen dieser Zeit aus dem Weg zu gehen und einfach die kritische Zeit auf Teneriffa zu verbringen. Weihnachten unter Palmen gehört seitdem für mich zu einem stressfreien Jahresabschluss einfach dazu!!

Die letzten Tage habe ich mir einer Lungenentzündung im Bett verbraucht und aktuell bin ich noch immer nicht so wirklich belastbar. Kaum ist der Müll im Container hinter dem Haus ringe ich nach Luft und werde von meinem Körper daran erinnert, dass etwas noch nicht stimmt. Zwar hat mir ein schweres Antibiotikum geholfen  die Krankheit zu überleben, doch die Luft am Meer wird einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, im nächsten Jahr wieder fit zu sein.

Vielleicht kann es im nächsten Frühjahr dann auch mal wieder für ein paar Tage in den Süd-Westen der USA gehen? Während der vergangenen Tage habe ich viel Zeit im Bett verbracht und weil ich eh nichts tun konnte habe ich mir externe Festplatten mit alten Fotos vorgenommen. Dabei sind einige fast vergessene Fotos auf das Display gehuscht. Beispielsweise das Foto weiter oben. Es ist im Jahr 2010 im Arches Nationalpark entstanden. Die meisten Fotofans waren schon mit ihren Kopflampen auf dem Weg hinab zum Parkplatz, aber ich habe noch ein wenig ausgeharrt weil die Stimmung so großartig war und ich den Delicate Arch noch im Mondlicht fotografieren wollte. Nicht weit weg war ein junges Paar die sich irgendwann unter den Delicate Arch gelegt und ihn von unten fotografiert haben. Danach sind sie eine Weile liegen geblieben und haben dort herum geknutscht, eine sehr schöne Szenerie. So entstand mein Foto „Delicate Lovers“.

Hier habe ich noch ein Foto der gleichen Reise gefunden. Das kleine Mädchen war ihren Eltern ausgebüchst und in der „Window-Section“ im Arches Nationalpark direkt vor meine Kamera geklettert. Ich war ihr wirklich dankbar weil sie die unglaubliche Größe dieses natürlichen Gesteinsbogens sehr schön greifbar macht.

Lonesome Girl @ Window Section - Nikon D2x

Doch eine Reise in die USA ist derzeit noch Zukunftsmusik. Meine Koffer sind gepackt und morgen geht es in den Weinachtsurlaub nach Teneriffa, wieder einmal 🙂 Ich selbst bin sehr gern dort und ich freue mich derzeit sehr auf die vielen Fotomotive die ich schon seit Wochen in meinem Kopf mit mir herumtrage.

Blue Hour #1 - Nikon D700

Das größte Problem ist auch in diesem Jahr das Gepäck. Was darf mit was muss daheim bleiben. So habe ich in diesem Jahr die Panasonic Video-Kamera ausgemustert. Auch die kleine Nikon 1J2 muss daheim bleiben. Meine D800E muss ohne Batteriegriff reisen, auf mein GPS habe ich verzichtet. Statt eines Navigation-Systems reist eine Autoscheibenhalterung für mein Smartphone mit. Für das FX Format habe ich ich drei Objektive eingepackt: 4/16-35, 2.8/24-70 und 2.8/70-200 samt 1.7x Teleconverter – das muss reichen!

Meine Infrarotkamera muss mit dem 2.8/10,5mm Fishexe und dem AF-S VR 16-85mm Objektiv auskommen. Außerdem sind die Nikon 1V1 sowie die Nikon 1V2 dabei. Es gibt ein großes SIRUI Carbon Stativ und ein kleines billiges altes DÖRR Reisestativ mit winzigem Gitzo Kugelkopf. Dazu ein paar Reservebatterien, Ladegeräte, Sensor-Swabs, Eclipse Reinigungsfluid und und und… Schon ist das Handgepäck eigentlich wieder viel zu schwer und der Koffer ganz hart an der Grenze von 20 Kilogramm.

Wenn ich wieder daheim bin werde ich wahrscheinlich einzelne Dinge kaum benutzt haben, aber das ist mein Schicksal. Vielleicht werde ich im nächsten Jahr mal ganz ohne FX-Kamera verreisen, einfach nur mit zwei kleinen Nikon 1 Kameras? Wenn bis daheim die Nikon 1 V3 auf dem Markt ist könnte man darüber nachdenken… Aber wie ich mich kenne, will ich die geniale Nikon D800E dann doch wieder dabei haben…

Weniger ist manchmal mehr, aber Hand auf’s Herz, wer von Euch bringt es fertig seine beste Kamera daheim zu lassen und n
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