La Palma – Tag 1

Es ist mitten in der Nacht und als die Türe zu meiner Wohnung mit einem satten „Klack“ ins Schloss fällt wird mir klar, der Schlüssel steckt von innen und wir haben keine Chance sie von außen schnell und ohne Probleme zu öffnen. Es ist 3h am Morgen und wir wollen mit unserem Gepäck zum Düsseldorfer Flughafen. Keine drei Stunden später wollen wir mit einem Airbus A321 nach Santa Cruz auf La Palma fliegen. Als mit der Ernst der Lage klar wird kommt Panik auf. Gott sei Dank habe ich mein Handy in der Hosentasche und kann damit einen Schlüsseldienst rufen. Aber es ist 3h am Morgen und es dauert über eine Stunde bis der Mann vom Notdienst eintrifft. Die Türe ist schnell geöffnet, er hat das total drauf, aber der Schließzylinder ist jetzt hin und so vergehen wertvolle Minuten. Als wir endlich auf der Autobahn sind haben wir kaum noch 90 Minuten bis zum Take-Off unserer Maschine. Mit Vollgas fliegen wir über die A3 nach Norden, unser Ziel ist Düsseldorf. In einer Zone in der nur 120 km/h erlaubt sind zeigt die Tachonadel satte 230 km/h. Das ist viel zu schnell, aber wir wollen unseren Flieger nicht verpassen. Plötzlich tauchen im Rückspiegel zwei Lichter auf. Mit konstantem Abstand fahren sie hinter uns her, ich ahne nichts gutes und als ich vom Gas gehe, schaltet das Fahrzeug hinter mir ein Blaulicht ein. Dann leuchtet ein Schriftzug auf „Bitte folgen“ – Oh nein nicht das jetzt auch noch…

Kurz hinter Solingen darf ich mir auf dem Beifahrersitz eines dunkelblauen 5er BMW ein Video anschauen auf dem meine Freundin Sandra und ich in meiner schwarzen Dieselrakete zu sehen sind. Wir waren für mehr als 15s fast doppelt so schnell wie erlaubt, damit ist der Führerschein eindeutig SOFORT weg. So ein Mist hätte ich doch nur die Haustüre nicht so unüberlegt und voreilig ins Schloss fallen lassen, Mist Mist Mist…

Um Weiterfahren zu können muss, müssen meine Freundin Sandra und ich die Sitzplätze tauschen. Es gibt Tage, die sind wie verhext. Als wir am Flughafen eintreffen ist die Schlange fast unendlich lang. Während wir uns böse Kommentare anhören müssen, versuchen uns langsam etwas weiter vor zu mogeln. Endlich am Schalter 165 angekommen sind wir beide fix und fertig und es macht sich in meinem Gesicht ein Ausdruck des Entsetzens breit als wir erfahren müssen, dass unser Flugzeug seit einigen wenigen Sekunden in der Luft ist.

Wir sind die totalen Loser und ich habe es völlig vergeigt, Mist Mist Mist…

Als ich wach werde bin ich schweiß gebadet und kann die Welt nicht mehr verstehen. Der Wecker zeigt 2h24 und er wird in 6 Minuten klingeln. Es war alles nur ein Traum, ein echt fieser echt übler langer Traum voller überraschend realer Details. Nichts was nicht schon einmal passiert wäre aber es ist uns heute noch nicht passiert. Es war nur Traum, Gott sei Dank!

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Etwas später versuche ich unter der Dusche einen klaren Kopf zu bekommen. Ich fühle mich aber auch nach gefühlten 500 Litern Wasser noch müde und ausgezehrt. Ein prüfender Blick auf die Uhr im Bad verrät, wir haben noch fast drei Stunden bis zum Abflug.

Der Weg zum Flughafen ist sehr introvertiert. Beim Verlassen der Wohnung habe ich penibel drauf geachtet alles richtig zu machen. Wo man auf der Autobahn 80 km/h fahren darf fahre ich 80 km/h. Der Traum war so real, ich halte mich an die Regeln, nur so habe ich ein gutes Gefühl. Als wir mein Auto am ICE-Bahnhof in Düsseldorf abstellen beginnt es zu regnen. So geht das jetzt schon eine ganze Weile. Der Winter war lang kalt und dunkel, das Frühjahr meist total verregnet. Und an den wenigen sonnigen Tagen war es unerträglich heiß oder drückend schwül.

Beim Check-In ist wie in meinem Traum eine lange Schlange, aber Air Berlin hat gefühlte 20 Schalter geöffnet und so geht es zügig voran. Mein Koffer ist nicht ganz voll, normalerweise hat er genau 20 Kilogramm, heute sind es nur 18,25 Kg. Auch Sandras Koffer wiegt etwas weniger als 20 Kg. Als wir dann erfahren, dass bei Air Berlin 23 Kilogramm erlaubt sind, staunen wir nicht schlecht. Sandra hätte also locker noch ein Stativ mitnehmen können. Und in meinem Koffer hätte noch das eine oder andere Objektiv seinen Platz gefunden. Aber man muss das auch alles immer durch die Gegend schleppen und so sind wir ganz froh, dass wir nur  die (hoffentlich) wichtigen Dinge eingepackt haben und uns nicht mit (hoffentlich) überflüssigem Krams abschleppen müssen.

Als unser Airbus A321 mit Ziel La Palma pünktlich abhebt fällt mir ein Stein vom Herzen. Wir haben es geschafft, nun fliegen wir der Sonne entgegen. Zwei Wochen lang blauer Himmel 28°C, Meer, Berge und kaltes Bier, was für eine bezaubernde Perspektive. Im Flugzeug versuche ich so gut es geht noch ein wenig zu schlafen. Immer wieder ertappe ich mich dabei wie ich mit schlaff herab hängendem Unterkiefer die Flugbegleiter belustige. Mehrmals ist mein Schnarchen so laut, dass ich selbst davon wach werde. Das geht gar nicht, mehr als gar nicht, es geht überhaupt nicht!

Also krame ich mein iPad heraus, stöpsle meinen BOSE Quit Comforf 15 Kopfhörer ein und schaue mir ein paar Folge von „Parenthood“ an. Mit Beginn der dritten Folge stupst Sandra mich dann an, wir sind im Landeanflug. Hey das war doch ganz entspannt und ich da wir so früh beim Check-In waren, konnten wir sogar auf zwei XL-Seats direkt am Notausgang sitzen. Herz was willst Du mehr.

Der Flughafen von La Palma ist ein kleiner Provinzflughafen, aber alles ist trotzdem sehr modern. Zwischen all dem Sichtbeton ficht Sandra am Gepäckband den üblichen Kampf mit den rücksichtslosen anderen Fluggästen aus. Aber sie gewinnt auch heute und als ich gerade am Schalter von CICAR die Schlüssel zu unserem Mietwagen entgegen nehme steht sie schon mit einem Trolly und allen Koffern neben mir. Hier auf La Palma ist alles sehr steil und der Flughafen ist auf einem winzigen Zipfel dieser Insel angesiedelt. Das Parkhaus ist unter dem Terminal und so dauert es eine Weile bis wir unseren Mietwagen gefunden haben. Es ist wieder ein Opel Astra, diesmal ein Diesel. Auf dem Tacho stehen etwa 46.000 Kilometer. In Deutschland hätte man ihn längst gegen ein neues Exemplar ausgetauscht. Aber auf den Kanaren sind die Preise für Mietwagen deutlich geringer und damit auch die Erlöse aus der Vermietung. Für 14 Tage inkl. aller Kilometer und Versicherungen etc. kostet dieses Auto gerade einmal 261,23 Euro, das ist nicht schlecht. Und unser Opel ist in ganz ordentlichem Zustand, überhaupt ist CICAR ein Autovermieter mit dem ich noch nie schlechte Erfahrungen gemacht habe. Allerdings sollte man wissen, dass man beim AirBerlin-Partner Europcar gegen Vorlage der Bordkarte hier auf La Palma 15% Rabatt auf einen Mietwagen bekommt. Man müsste mal genau nachrechnen welcher Vermieter letztlich billiger ist.

Bei CICAR versucht jedenfalls niemand den Kunden unnötige zusätzliche Versicherungen aufzuschwatzen. Das kenne ich von Alamo in Las Vegas ganz anders! Und es gibt hier auch keinen Stress mit den Tankfüllungen. So wie der vorherige Kunde das Auto abgegeben hat, so übernimmt man es, nur eben frisch geputzt. Bei unserem Opel ist der Tank kurz vor der Reserve. Das ist aber kein Problem, es ist im Mietvertrag so vermerkt und ich kann ihn so wieder abgeben. Die Tankstelle ist gleich am Ausgang der Tiefgarage. Beim zweiten Anlauf stehe ich dann auch vor der richtigen Zapfsäule. Diesel heißt hier „Gasoil“ – das muss man wissen! Und hier kostet ein Liter Diesel gerade mal 1,09 Euro. Die erste Tankfüllung kostet somit knapp 50 Euro und der Tankwart freut sich über ein kleines Trinkgeld.

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Unsere Reise beginnt, im Radio läuft nur komisches Zeug, aber dieser Opel hat auch wieder einen USB-Anschluss. Das trifft sich gut, denn am Vorabend habe ich einen USB-Stick mit 16 GB fetziger Musik betankt, damit werden wir uns 14 Tage lang vorzüglich beschallen können. Außerdem habe ich für den Fall der Fälle eine CD mit fast 100 Songs im MP3 Format gebrannt. Im April auf Teneriffa hatte unser fast identischer Opel Astra keinen USB-Anschluss. Damals mussten wir erst ein paar CD-Rohlinge kaufen und auf Sandras Notebook eine Musik-CD brennen. Nach dem Umbau meines 17“ MacBooks habe ich dort leider keinen DVD-Brenner mehr, er wurde durch eine 1TB große Festplatte ersetzt die sich meine Daten mit einer 256GB großen SSD teilt.

Den Weg zum Hotel habe ich mir vorab bei Google-Maps angeschaut. Wie auch auf Teneriffa war Google hier sehr emsig und man kann fast alle Straßen der Insel in Google-Maps sogar via Streetview anschauen. Im Gegensatz zu Deutschland sind hier übrigens die allerwenigsten Fassaden „getarnt“. Die Kanarios sind im Punkto „Datenschutz“ scheinbar nicht so sensibel wie deutsche Hausbesitzer. Wie dem auch sei, diese „Vorab-Tour“ war mehr als praktisch. So hatte ich schon einen sehr guten Eindruck dieser Insel und etwa 30 Minuten später finden wir unser Hotel ganz ohne GPS und anderen neumodischen Schnickschnack. Sehr cool ist es, als wir an einem Abzweig vorbei kommen den ich von Google Streetview kenne. Hier muss ein Wegweiser sein der zu unserem Hotel dem Teneguia Princess weist. Aber vor den Schildern parkt ein großer Transporter, in Deutschland hätte man ihn längst abgeschleppt. Hier wagen wir einen etwas umständlichen Blick und siehe da, die Wegweiser sind noch genau so wie man sie für Google-Streetview fotografiert hat.

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Über eine kurvenreiche Straße geht es hinab zum riesigen Hotelkomplex. Dieses Hotel ist so gewaltig, dass man es schon von weit oben sehen kann. Es gibt mehrere Pools, Restaurants, Geschäfte und insgesamt etwa 600 Zimmer. Damit bietet dieses Hotel Platz für weit mehr als 1.000 Gäste.

Beim Check-In geht es sehr freundlich und zügig zu. Es gibt zwei Restaurants für das Frühstück. Eines für „normale“ Schläfer und eines für uns Langschläfer – supercool! Der Mietsafe kostet 2,- Euro am Tag, die 28,- Euro kann ich bar bezahlen. Der Schlüssel für den Safe ist unsere Zimmerkarte. Sie muss nur schnell entsprechend codiert werden. In der Lobby gibt es ein WLAN. 24h kosten 6 Euro – das kennen wir schon vom Las Aguilas auf Teneriffa. Allerdings gibt es keine WLAN-Verbindung in den Zimmern. Dazu ist die Leitung zu „dünn“ und die Anlage zu weit verzweigt. Wer also seine E-Mails abrufen will, der muss sich mit seinem Notebook in die toll gestaltete Lounge setzen. Für mich ist das kein Problem, allerdings hat Sandra ein Notebook ohne Akku dabei, weil dieser vor ein paar Wochen endgültig seinen Geist aufgegeben hat. Aber es gibt Steckdosen!

Einige Internet-PCs gibt es auch, aber hier kosten 10 Minuten Internet 1,- Euro! Gleich daneben sind zwei große Flachbildschirme und jeweils zwei XBox Controller. Hier können Kids ein Motorrad-Rennen ausfechten. Es gibt auch Billard-Tische, ein Spiel kostet allerdings 2,- Euro. Unser Zimmer ist etwas abgelegen im EG mit Blick auf eine Wiese, Palme und einige Häuserdächer. Das Meer kann man nicht so wirklich sehen, einen kleinen Zipfel sieht man schon, aber meine Hoffnungen hier Abend für Abend tolle Sonnenuntergänge mit vielen Zeitraffer-Aufnahmen festzuhalten muss ich mir leider abschminken. Die Reise kostet 2.127,- Euro, wir haben ein Doppelzimmer Typ 1 und Halbpension. Was genau sich hinter „Typ 1“ verbirgt war mir bei der Buchung nicht ganz klar. Sicher hätte man es irgendwo im Kleingedruckten nachlesen können, aber wir haben sehr kurzfristig gebucht und waren froh überhaupt so kurzfristig eine Reise nach La Palma zu bekommen die einen Non-Stop Flug und ein ordentliches Hotel enthält.

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Die Hotelanlage ist sehr weitläufig, es ist schon fast eine kleine Stadt. Nachdem wir unsere Koffer ausgepackt haben erkunden wir die Anlage und landen in einer netten kleinen Pizzeria direkt am Pool. Die Pizza ist ganz ordentlich, wenngleich auch keine kulinarische Offenbarung. Aber mir schmeckt es und das große kalte Cerveza schmeckt dazu richtig gut. Nach der Pizza und einem zweiten Glas Bier bin ich ein wenig angetrunken und so fällt mir unser kleiner Spaziergang unerwartet schwerer als gedacht. An der Bar im Loungebereich ruhen wir uns etwas aus. Sandra bestellt sich einen Bailey‘s und ich ordere einen „Barraquito con Vitaminas Canarias“. Der Barkeeper versteht nicht sofort was ich meine, aber dann grinst er breit – „Si, con Vitaminas Canarias!!!“ Die Kaffeeköstlichkeit die er danach für mich zaubert gehört zum Besten was ich jemals getrunken habe. Erst kommt dicke süße Milch in ein großes Teeglas. Darauf kommt ein Kanarischer Likör, die Vitamine und weil sie sooo gesund sind, ist er nicht kleinlich damit. Anschließend lässt er gekonnt einen Espresso aus frisch gemahlenem Kaffee darauf laufen. Er hält einen Löffel dazwischen, so dass sich die Schichten kaum vermengen. Unten weiß, dann heller Likör, dann schwarzer Kaffee. Danach wird eine Haube aus frisch aufgeschäumter Milch darauf gesetzt. Es folgen drei kleine Kaffeebohnen und ein großes Stück von einer frischen Limette. Als Krönung erhält mein Barraquito ein „Stäubchen“ aus Zimt und Zucker. Dieses Heißgetränk ist der Hammer!!

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Aber die Vitamine hinterlassen Spuren! Keine 30 Minuten später liege ich in unserem Zimmer auf dem Bett. Während die Klimaanlage läuft mache ich ein kleines Schläfchen. Sandra tummelt sich derweil draußen im Pool. Im Schatten sind es 28°C mir ist das zur Mittagszeit einfach viel zu warm und ich bin froh, dass wir eine recht leise und unauffällig arbeitende Klimaanlage in unserem Zimmer haben.

Als ich nach meinem Schläfchen wieder halbwegs klar im Kopf bin reicht mir Sandra von der Wiese vor unserer kleinen Terrasse eine Flasche mit kaltem Mineralwasser und ein leckeres Eis rüber. Sie ist ein Schatz!! Das tut gut und das Eis schmeckt wie ein Magnum Mandel, es steht zwar nicht Lagnese drauf, aber es ist genauso lecker wie daheim!

So kann man es sich hier wirklich gut gehen lassen.

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Während ich etwas später diese Zeilen schreibe bin ich mehr als froh, dass mein nächtlicher Traum nur ein Albtraum war und dass die Wirklichkeit so viel schöner ist 🙂

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Um 19h geht es zum Abendessen in das große Gebäude mit den beiden Türmchen. Der Speisesaal ist groß und etwas verwinkelt. Es gibt mehrere Balkone und kleine Nischen in denen man etwas für sich ist und nicht wie auf dem Präsentierteller speisen muss. Uns gefällt das sehr gut und an Qualität und Vielfalt der Speisen am Buffet gibt es auch nichts auszusetzen. Auch das Personal ist überall freundlich und zuvorkommend. Die Kellner sprechen teilweise ein wenig Deutsch. Wenn es auf Deutsch nicht geht, so hilft die englische Sprache weiter. Wer hier zwei Gläser Weißwein, ein stilles Wasser und andere Dinge auf Spanisch bestellen kann, bekommt vom Personal einen heimlichen Pluspunkt. In den letzten Jahren habe ich immer wieder in Hotelbewertungen gelesen, dass sich Gäste beschweren, dass das Personal kein Deutsch spricht. Für diese Dinge habe ich wenig Verständnis und es ist mehr als überheblich zu erwarten, dass wir Leute aus Deutschland auf der ganzen Welt in unserer Muttersprache hofiert werden. Der eine oder andere Leser mag jetzt denken „Aber ich kann doch kein Spanisch, warum soll ich das jetzt lernen?“ Das ist auch ok, aber wer ein fremdes Land bereist kann sich auch ein wenig Mühe geben und sich zumindest einige wenige Vokabeln in sein Hirn hämmern. Wir Deutsche freuen uns ja auch wenn wir am Eingang zum Canyonlands National Park gefragt werden: „Are you from germany?“ Wir darauf antworten: „Yes, we are germans!“ Um dann ein freundliches „Guten Morgen, herzlich willkommen!“ entgegnet bekommen. Ich tippe ganz schwer darauf, dass es den meisten Menschen die nicht aus Deutschland kommen ganz genau so geht. Also Leute, schnappt Euch einen Reiseführer oder ein anderes passendes Medium und lernt ein paar Sätze aus der Heimatsprache Eures Reiseziels. Das hilft und stimmt die Menschen die Ihr besucht sichtbar fröhlich 🙂

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Ziemlich vollgestopft machen wir uns nach dem Essen daran die weitläufige Hotelanlage zu erkunden. Während die Sonne untergeht zücke ich immer wieder meine wunderschöne kleine Nikon 1V1. Dieses kleine Kamera ist mir in den letzten Wochen sehr ans Herz gewachsen und seit ich sie habe, bleibt die große schwere Nikon D800E mit all dem Schnickschnack meist daheim. Auch heute ist sie noch im Fotokoffer im Hotelzimmer. Aber keine Sorge, das fette Ding wird in den nächsten Tagen sicher noch zum Einsatz kommen und auch die auf Infrarot 830nm umgebaute Nikon D300 samt AF-S VR 16-85mm leistet der D800E derzeit Gesellschaft. Und wenn es gut läuft, wird es nach der Reise auch ein kleines YouTube-Video geben. Ganz heimlich freue ich mich sogar schon sehr darauf diese Reise beim Videoschnitt ein zweites Mal zu erleben und die Eindrücke via YouTube mit Euch teilen zu können.

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Ok Leute, das war der erste Tag. Während die Klimaanlage hier lässig vor sich hin läuft werde ich jetzt mal die Augen schließen und mich von den echt guten Mojitos zu jeweils 4,90 Euro erholen, die ich eben an der Cocktailbar zu mir genommen habe. Gute Nacht 🙂

Nikon 1 V1 – HDR Fotos mit Trick 17

Grundsätzlich hätte das Konzept der Nikon 1 das Potential den „kleinen“ digitalen Spiegelreflexkameras aus dem Hause Nikon das Wasser abzugraben. Damit das nicht passiert, haben die „Software-Chefs“ den Programmierern offenbar einige Beschränkungen auferlegt, so dass sie mehrere tolle Features der „erwachsenen Kameras“ nicht einbauen durften. Das ist an einigen Stellen mehr als ärgerlich, zumal das Nikon 1 System nicht ganz preiswert ist. Neben vielen kleinen Beschränkungen vermisse ich an der Nikon 1 V1 besonders die Belichtungsreihen – auch Bracketing genannt.

Sogar der Nikon P7000 und ihren Nachfolgern wurde ein 5-fach Bracketing mit variabler „Schrittweite“ spendiert. Dass man dieses coole Feature bei der Konzeption der Nikon 1 ausgelassen hat ist wirklich ärgerlich.

Aber mit einem kleinen Trick und etwas Fingerspitzengefühl, kann man auch mit der Nikon 1 sehr schöne HDR Fotos erstellen.

Der Trick besteht darin, die Kamera auf ein möglichst stabiles Stativ zu stellen, sie mit dem ML-L3 Infrarot-Auslöser zu bedienen und bei mehreren „identischen“ Fotos die Belichtungszeiten ganz vorsichtig zu variieren. Dabei darf man natürlich die Kamera möglichst gar nicht bewegen. Das ist die Herausforderung!!

Zwar bietet die Nikon 1 die Möglichkeit eine Belichtungskorrektur über das rückwärtige Wählrad vorzunehmen, aber dazu muss man drücken und drehen. Das macht es sehr schwer beispielsweise 9 Fotos zu erstellen die perfekt deckungsgleich sind. Aber es gibt einen einfacheren Weg!!

Hier die Schritte in Kurzform:

  1. Kamera auf stabiles Stativ montieren
  2. Via Menü RAW-Modus, ISO-100 und Zeitautomatik einstellen
  3. Bildausschnitt wählen und VR abschalten
  4. Automatisch fokussieren, dann AF abschalten -> MF
  5. Blende über Wählrad fest vorwählen. (Möglichst 8 oder 11)
  6. Über „Wippe“ oben rechts ca. 1/2000s einstellen
  7. Erstes Foto mit ML-L3 auslösen
  8. „Wippe“ zweimal vorsichtig nach unten drücken
  9. Nächstes Foto aufnehmen
  10. Schritte 8-9 so oft wiederholen bis auf dem Display ein leicht überbelichtetes Foto zu sehen ist.

Nikon 1V1 - HDR

So lässt sich eine Belichtungsreihe erstellen die sich hinter der Nikon D800 nicht verstecken muss! Fotografiert man direkt in die Sonne, so kann man bei 1/4000s und Blende 1 mit ISO-100 starten. Als einziger Parameter wird die Belichtungszeit verlängert. Blende und damit Schärfe usw. bleiben gleich! Der VR sollte unbedingt abgeschaltet werden, da das bewegliche Linsensystem den Bildausschnitt minimal verändern kann.

Die besten HDR-Bilder gelingen bei kurzen Brennweiten, da hier allerkleinste Verschiebungen durch das Betätigen der „Wippe“ nur wenig auffallen. Ein HDR mit 100mm Brennweite (umgerechnet also 270mm im Kleinbild-Format) ist so nicht ohne weiteres möglich. Mit einem extrem stabilen Stativ kann das auch klappen, aber das benötigt sehr viel Fingerspitzengefühl!! Die besten Ergebnisse erzielt man irgendwo zwischen 10 und 20mm Brennweite! Natürlich kann man auch das neue 6,7-13mm Weitwinkel-Zoom oder die 18,5mm Festbrennweite benutzen…

Hier nun einige Belichtungsreihen die ich in der letzten Woche mit der Nikon 1 V1 bei Mettenheim am Rhein etwas südlich von Mainz aufgenommen habe.

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Bei der Aufbereitung meiner kleinen Test-Fotosession musste ich feststellen, dass bei mehreren Belichtungsreihen nicht alle Bilder perfekt deckungsgleich waren. Die Ursache ist im Untergrund zu suchen auf dem ich mein Stativ aufgestellt habe. Auf weichem Boden oder Gras funktioniert das Verfahren nicht immer so wie man es sich wünscht. Achtet also darauf, dass Euer Stativ wirklich gut steht und dass der Kugelkopf usw. korrekt fest justiert ist!

Wenn doch mal etwas „verunglückt ist“, so kann man die Belichtungsreihe „retten“ indem man alle Bilder in Photoshop in mehreren Ebenen übereinander legt. Dann schaltet man der Reihe nach jeweils die Hintergrundebene und ein der anderen Ebenen ein. Die jeweils einzelne obere Ebene stellt man auf ca. 50% Deckkraft und verschiebt dann das Bild pixelweise bis es perfekt mit der durchschimmernden Hintergrundebene zusammen passt. Dann stellt man die Deckkraft wieder auf 100% und speichert alles zusammen als JPG-Datei für die spätere HDR-Verarbeitung. Das macht man mit alles Bildern des „Ebenen-Stapels“ bis alle Teile der Belichtungsreihe perfekt passen.

Bei diesem Verfahren muss man allerdings noch berücksichtigen, dass durch das Verschieben schmale Ränder entstehen, an denen keine Bildinformationen sind und die Hintergrundebene ggfs. zu 100% sichtbar ist. Hier hilft es, wenn man nachdem man den Ebenen-Stapel in Photoshop aufgebaut hat, über die Drop-Funktion alle Bilder ganz ganz leicht an allen vier Seiten beschneidet. Alternativ kann man dies natürlich auch beim „fertigen“ HDR machen.

Hier nun ein Beispiel aus der oben gezeigten Session. Den Weißabgleich habe ich ganz bewusst falsch gewählt um die unwirkliche Färbung des Himmels zu erzielen. Früher hätte man einen Cokin-Filter mit violettem Verlauf verwendet, heute man man das mit dem Weißabgleich 🙂

HDR mit Nikon 1 V1

Hier nun ein Beispiel bei dem ich direkt in die Sonne fotografiert habe. Auffällig ist die sehr gute optische Qualität des 10-30mm Kit-Objektivs. Trotz der extremen Gegenlichtsituation sind fast keine „Lensflares“ also Reflektionen an den Oberflächen der Linsen zu sehen.

HDR mit Nikon 1 V1

Die Bilder 4570 bis 4578 habe ich mit Photoshop CS6 zu einem HDR verarbeitet. Alternativ könnte man auch Photomatix Pro oder ähnliche Programme benutzen.

Hier das fertige Bild mit 1920 Pixeln Seitenlänge – einfach anklicken…

HDR mit Nikon 1 V1 - Sample - Beispiel

Nicht alle Lichtsituationen erfordern eine Belichtungsreihe und einen aufwändigen Workflow wie diesen hier. Oft reicht es auch völlig aus, wenn man zwei identische aber unterschiedlich belichtete Fotos in zwei Ebenen übereinander legt und dann mit einem sehr weichen Pinsel oder einem Lasso mit sehr weicher Auswahlkante aus jeder Ebene das „nimmt“ was man braucht.

Hier ein Beispielfoto, das ich aus nur zwei Einzelbildern der oben verwendeten Belichtungsreihe zusammengefügt habe. Auch hier habe ich spasseshalber einen falschen Weißabgleich gewählt 🙂

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Weitere Infos zum Thema HDR findet ihr in diesen Artikeln

Nikon 1 V1 – Fotografieren nicht knipsen

Nach den heißen Tagen ziehen seit gestern Stürme und Unwetter durch das Land. Für Landschaftsfotografie ist dies eine sehr lohnenswerte Zeit. Der Himmel ist nicht einfach nur langweilig blau sondern hält immer wieder neue Lichtspiele bereit, die mitunter von Minute zu Minute wechseln. Weil das Wetter schön ist, geht es am späten Morgen mit dem Cabrio und der wunderbaren kleinen Nikon 1 V1 über die B9 am Rhein entlang. Immer wieder nerven Touristen die mit offenem Mund und weniger als der Hälfte der erlaubten Höchstgeschwindigkeit die Straßen blockieren. Wenn sie endlich anhalten um ein Foto zu knipsen, kann man kurz durchatmen und hängt einige Augenblicke später hinter der nächsten Sight-Seeing-Blockade…

Da helfen nur starke Nerven, oder man tut es ihnen gleich und hält selbst immer mal hier und dort an, um das eine oder andere Foto zu schießen. Ganz witzig ist es dabei die Touristen zu beobachten. Oft zählen weniger das Motiv und das fertige Foto als viel mehr die Bequemlichkeit. Man hält dort an wo es sich anbietet, steigt kurz aus, zückt die Kamera und ist schon wieder weg. Die Fotos bei solchen Stopps entstehen sehen dann meist aus wie dieses hier: (Alle Bilder sind 1000 Pixel breit oder hoch, einfach anklicken)

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Das Foto ist korrekt belichtet und scharf ist es auch. Wer eine solches Foto seiner Oma zeigt wird dort viel Lob ernten und eine Geschichte aus der Zeit zu hören bekommen, als die Oma selbst mal dort war. Würde man nur einige wenige Schritte auf das Motiv zugehen und ein paar schöne Objekte für die Vordergrundgestaltung suchen, so muss die Burg nicht einmal scharf abgebildet sein um ein Foto zu erhalten das keines der üblichen „Knipsbilder“ ist.

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Eine andere Variante der Bildgestaltung wäre es, abzuwarten bis sich eine interessante Wolkenformation gebildet hat. Hier haben wir eine Wolke die mich an Norwegen erinnert, direkt über unserem Fotomotiv. Damit die Farben schön knallig werden, verwenden wir einen Polarisationsfilter und stellen an der Kamera den RAW-Modus ein. Später kann mit einem passenden RAW-Konvertierungsprogramm alles aus seinem Foto herausholen und wird nicht selten erstaunt sein was selbst eine einfach kleine Kamera wie die Nikon 1 V1 zu bieten hat! Wer noch abwartet bis das Motiv nicht mehr im Schatten einer Wolke ist, wird übrigens zusätzlich belohnt 🙂

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Viele Motive sehen auch sehr schön aus, wenn man sein Foto im Portrait-Format aufnimmt. Im folgenden Beispiel habe ich zusätzlich einen Grauverlaufsfilter verwendet um den oberen Bildbereich etwas abzudunkeln und die Farbe des Weinbergs unterhalb der Burg zu betonen.

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Fahren wir weiter zur nächsten Burg, hier am Mittelrhein gibt es ja reichlich davon…

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Statt das kleine Örtchen unterhalb der Burg mit auf das Foto zu nehmen, habe ich hier die aufsteigende Kante des „Bergrückens“ als Diagonale in das Bild integriert. Alles ist auf das Notwendigste reduziert und die schweren Wolken am linken Bildrand sehen aus, als würde es sie auch gleich nach rechts schieben. Wieder habe ich darauf gewartet, dass die Weinberge schön im Licht liegen. Geduld wird in der Landschaftsfotografie belohnt – fast immer!

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Doch der Rhein hat hier noch eine weitere Attraktion zu bieten. Für dieses Foto bin ich die Uferstraße etwas hinaufgelaufen und schon ergeben beide Objekte einen ganz passablen Bildaufbau.

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Etwas weiter die nächste Burg. Der kleine Chip der Nikon 1 macht es leicht mit Teleobjektiven zu fotografieren. Aber das ist hier gar nicht notwendig, das „serienmäßige“ 10-30mm Objektiv leistet hier gute Dienste. In das 40,5mm Filtergewinde habe ich einen Polfilter geschraubt. Er war wirklich preiswert und verrichtet seine Arbeit ganz ordentlich. Im nächsten Foto dann wieder ein „Hochformat“, das sieht angesichts der schönen Wolkenformation auch hier gar nicht schlecht aus.

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Auf Höhe der Lorelei treffen wir auf die nächste Burg. Auch hier ist der Ausschnitt so gewählt, dass die Burg das Bildgeschehen bestimmt und die gewaltigen Wolken verleihen dem Foto seinen besonderen Reiz.

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Viele Motive sehen auch in Schwarz-Weiß sehr gut aus. Hier habe ich jetzt ein Foto bei dem ich mir ein paar Sträuche am Ufer gesucht habe die ein ausgeprägtes V bilden. Das Hauptmotiv habe ich oberhalb des V positioniert. Das gegenüberliegende Rheinufer bildet das „Fundament“ des Bildaufbaus und ist daher weit unten im Bild positioniert, so wie es sich für ein Fundament gehört 🙂

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Mit ein wenig Beschnitt lässt sich die gesamte Szenerie auch in ein Motiv für eine Panorama-Postkarte verwandeln, die man am Kiosk auf der anderen Straßenseite neben dem Bratwurststand kaufen könnte.

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Fazit

Hirn und Geduld tragen oft mehr zu schönen Bildern bei als eine teure Kamera. Meine kleine Nikon 1 V1 ist für nur 279,- Euro ein wirklich schöner Begleiter für die Reise. Der 1900 mAh starke EN-EL15 Akku bietet viel Reserve für lange Fototouren. Sehr praktisch ist es, wenn man zusätzlich mit einer „erwachsenen“ Kamera wie einer Nikon D7000 oder einer Nikon D800 unterwegs ist. Endlich hat man mal einen Akku der in mehreren Kameras ein gute Figur macht, darauf habe ich lange gewartet.

Die Bildqualität der Nikon 1 V1 ist für ein paar Erinnerungsfotos wirklich mehr als ausreichend. Die 10 Megapixel bieten sogar noch Reserven für die eine oder andere Ausschnittsvergrößerung. Wer eine leistungsstarke unkomplizierte Kamera für eine Reise sucht und im Anschluss seine Fotos auf dem heimischen Fernseher anschaut, ein Fotobuch machen lässt oder einzelne Fotos im Format bis 60x90cm ausdrucken lässt der ist mit der Nikon 1 V1 sehr gut bedient.

Das kleine 10-30mm Objektiv ist kein klassischer „Superzoom“ – aber dafür kann es mit sehr guter Abbildungsqualität punkten. Im Gegensatz zu vielen anderen Kameras hat es den Vorteil, dass sich das 40,5mm Filtergewinde mit einem Polfilter oder Grauverlaufsfiltern usw. bestücken lässt. Das ist wirklich praktisch und in Verbindung mit einem oder mehreren Filteradaptern wie 40,5 -> 52mm und 52 -> 77mm kann man so ziemlich alle Filter an der Nikon 1 V1 nutzen, die man vielleicht schon zusammen mit den „großen“ Kameras in der Fototasche hat. Außerdem sind die kleinen Filter wirklich außerordentlich preiswert zu haben!

Doch wo viel Licht ist, das ist auch Schatten. Ein Nachteil der Nikon 1 V1 ist, dass es keine Belichtungsreihen gibt. Aber mit einem kleinen Trick gelingen trotzdem schöne HDR-Fotos. Wie das geht, das zeige ich Euch im nächsten Artikel 🙂

Nikon 1 V1 – DX-Objektive mit FT-1 Adapter benutzen

Nikon 1 V1 - FT-1 - Nikkor AF-S VR 18-200mm

Eines der herausragendsten Merkmale in der Geschichte von Nikon Spiegelreflexkameras ist das bereits im Jahr 1959 konstruierte Bajonett der Nikon-F. Diese legendäre erste Spiegelreflexkamera hat dem Bajonett-System ihren Namen vererbt – seit mehr als 50 Jahren verwenden Fotografen in aller Welt Objektive mit einem Anschluss für das Nikon F-Bajonett. Nikon hat diese ursprüngliche Konstruktion immer weiter verfeinert, dabei aber stets um Features wie Autofokus-Übertragung und elektrische Kontakte ergänzt. Das ursprüngliche Konzept wurde also niemals komplett über den Haufen geworfen. Mit einigen Einschränkungen können daher Objektive für das Nikon F-Bajonett bis heute an vielen Nikon Spiegelreflexkameras genutzt werden.

Mit der Vorstellung der Nikon 1 hat man jedoch mit dieser Tradition gebrochen. Um die Kamera klein und kompakt zu halten, wurde neben dem neuen CX-Chipformat auch eine neue Generation von Objektiven mit einem neuen Bajonett eingeführt. Doch Nikon wäre nicht Nikon wenn es nicht ein Möglichkeit zur Adaption älterer Objektive an dieses neue Bajonett geben würde. Der Adapter mit dem schönen Namen FT-1 ist allerdings nicht ganz preiswert. Canon bietet für seine neuen Spiegellosen Systemkameras einen ähnlichen Adapter an, nur ist er bei Canon mehr als 100 Euro preiswerter!

Der Nikon FT-1 spielt mit einem Listenpreis von mehr als 250 Euro eigentlich eher in der Oberliga, als im Amateur-Segment. Dieser Preis ist aus meiner Perspektive mehr als ärgerlich, eröffnet sich doch mit diesem Adapter für alle Besitzer „erwachsener“ Nikon-Objektive eine völlig neue Welt. Bedingt durch die kleinen Abmessungen des neuen CX-Chips ist die Diagonale des Chips um den Faktor 2,7 kleiner als bei einem herkömmlichen Kleinbild-Dia (24 x 36mm). Damit wird sofort aus jedem kleinen 100mm Teleobjektiv ein lichtstarkes 270mm Supertele.

(Alle Bilder sind 1000 Pixel breit oder hoch – einfach anklicken)

Nikon 1 V1 - FT-1 - Nikkor AF-S VR 18-200mm

Aber mutiert mein Nikon AF-S VR 18-200mm „Deppenzoom“ mit dem FT-1 Adapter an der Nikon 1 V1 wirklich zu einem leistungsfähigen Superteleobjektiv? Nach den verregneten Tagen der letzten Wochen scheint heute endlich mal wieder ein wenig die Sonne. Das Auto meiner Freundin ist seit einer Weile hier in Bonn in einer Werkstatt und damit sie nicht immer mit dem Zug unterwegs sein muss, habe ich ihr meine Dieselrakete ausgeliehen. Nach der ersten Woche mit dem ungewohnt großen Auto mit Automatikgetriebe usw. hat meine Sandra sich aber an dieses Auto gewöhnt. Aber nun ist auch der Tank leer und bevor sie am Sonntagmorgen nach dem Frühstück die Heimreise antreten kann braucht das Auto frische Energie.

Gemeinsam geht es also zur Tankstelle um die Ecke. Gestern hat der Liter Diesel dort noch 134,9 Eurocent gekostet. Wir haben spekuliert, dass der Preis heute etwas niedriger sein könnte. Aber weit gefehlt, nach dem langen Wochenende trifft sich halb Deutschland heute wieder zum kollektiven Staustehen auf der Autobahn und da kann man den Sprit ja ruhig etwas teurer machen, denn eine echte Alternative haben viele Autofahrer heute nicht. Wir staunen nicht schlecht, dass der Preis für einen Liter Diesel über Nacht von 134,9 Eurocent auf 141,9 Eurocent geklettert ist. Das Leben ist eine einzige Abzocke, egal ob an der Tankstelle oder beim FT-1 Adapter. Damit werden wir uns wohl abfinden müssen.

Da mir der FT-1 Adapter viel zu teuer erschien, habe ich mir eine billige Version via amazon.de aus China kommen lassen. Das Ding kostet 29,90 Euro und ist wirklich toll verarbeitet. Alles passt prima, die Objektive sitzen fest und spielfrei an der Nikon 1. Leider hat aber eben diese billige Version keine Kontakte die eine Kommunikation zwischen Kamera und CPU im Objektiv ermöglichen. Ganz gleich was man auch anstellt, mit dem billigen FT-1-Nachbau aus China funktioniert an der Nikon 1 fast nichts. Im manuellen Modus kann man an der Kamera die Belichtungszeit einstellen, die Blende muss am Objektiv variiert werden. Eine Hilfe für die Fokussierung gibt es nicht, man kann nicht einmal das Live-Bild auf dem Display vergrößern.

Kurzum, der billige China-Nachbau des FT-1 ist für Arbeiten im Makrobereich und Experimente mit ungewöhnlichen Objektiven wie Lensbaby & Co. ganz brauchbar, einen „echten“ FT-1 kann er aber nicht ersetzen!

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Nachdem wir gemeinsam meine Dieselrakete vollgetankt und uns verabschiedet haben, macht sich Sandra auf den Heimweg. Ich blicke ihr ein wenig wehmütig an der Tankstelle hinterher und hebe instinktiv die schnellste Kamera im westlichen Universum. Klickediklick und schon hat diese Nikon 1 Fotos gemacht bevor ich überhaupt daran gedacht habe zu fotografieren. Ok, so verspricht es die Werbung! In der Realität habe ich versehentlich einen „Bewegten Schnappschuss“ aufgenommen, weil ich mal wieder mit meinen dicken Fingern an dem kleinen Modus-Rädchen gedreht habe, das oben rechts an der Rückseite der Nikon 1 angebracht ist. Die ganze Werbung ist also eher Unsinn! Keine Kamera schießt Fotos bevor man daran denkt zu fotografieren und ein wirklich gutes Foto entsteht auch nicht „zufällig“, nur weil die Kamera schon mal losknipst… Slogans wie „Verpassen Sie keinen Moment“ sind also eher Blödsinn…

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Auch mit der Nikon 1 V1 muss man sich darum kümmern, dass die Kamera korrekt eingestellt ist, der Bildausschnitt passt, korrekt scharf gestellt ist und die Belichtung stimmt. Alles andere sind flache Werbeslogans. Was mich an der Nikon 1 V1 wirklich stört, sind aber eben genau diese „Features“. Ich will keine bewegten Schnappschüsse machen und ich will nicht „das beste Foto“ von der Kamera aussuchen lassen! Doch immer wieder verdrehe ich versehentlich dieses Einstellrad und schon habe ich die entscheidende Situation wieder einmal verpasst.

Nachdem Sandra hinter der nächsten Kurve verschwunden ist nehme ich mir einen Augenblick um alle Einstellungen der Nikon 1 V1 zu checken. Danach mache ich mich zu Fuß auf den Weg nach Hause. Vorbei an der HARIBO-Zentrale und der Sportanlage Wasserland bin ich mit meiner winzigen Kamera und dem 540mm Supertele (200mm x 2,7) auf der Suche nach Motiven.

Am neu gestalteten Eingangsbereich der HARIBO-Zentrale kann ich gleich ein erstes Testfoto aufnehmen. Und siehe da, wie erwartet gibt es hier praktisch keinerlei Verzeichnung. Bedingt durch den kleinen CX-Sensor verwendet man mit dem FT-1 Adapter nur die „dicke Mitte“ der großen Objektive. Chromatische Aberration und andere Abbildungsfehler treten hier kaum auf. Ein Vorteil den auch Besitzer von „Crop-Kameras“ zu schätzen wissen, die mit Objektiven wie dem Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm fotografieren. Während bei der Nikon D800 mit diesem Objektiv eine leichte Randunschärfe sichtbar wird, ist es an einer Nikon D7100 und ähnlichen Kameras ein perfektes Telezoom-Objektiv.

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Einen Polfilter habe ich heute leider nicht dabei, aber auch so macht der freundlich grinsende Goldbär Lust auf einen Besuch der Konzernzentrale.

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Ein Blick nach oben und schon treffen harte Kontraste aufeinander. Aber dank der Reserven die der RAW-Modus auch bei einem kleinen CX-Sensor in sich birgt, sind die dunklen Bildbereich klar strukturiert und die hellen Wolken nicht „ausgefressen“. Das klappt auch mit diesem langen Zoomobjektiv sehr gut.

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Sehr praktisch ist hier der lange Zoombereich. Der Chip der Nikon 1 ist ohne Objektiv völlig schutzlos den Staubpartikeln dieser Welt ausgeliefert. Ständiges Wechseln unterschiedlicher Objektiv in freier Natur ist hier also eher ein „Husarenstück“ als ein sinnvoller Vorgang. Daher bin ich ganz froh, dass ich mit dem 11-fachen Zoombereich viel Flexibilität habe.

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Echte Weitwinkel-Perspektiven darf man sich von einem via FT-1 adaptierten DX-Zoom an der Nikon 1 nicht erwarten. Diese Kombination ist eher etwas für Telefans, hier geht es mehr um witzige Details als um schier unendlich weite Landschaften…

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Der Zaun des HARBIO-Werkes lässt sich schön in die Komposition einzelner Details integrieren. Im folgenden Foto ergibt sich durch Zaun und Hecke am unteren Bildrand ein schöner Helligkeitsverlauf. Trotz der langen Brennweite sind die Bildergebnisse selbst bei 200 bzw. umgerechneten 540mm recht akzeptabel. Wichtig ist auch hier statt der Superautomatik den Kopf einzuschalten. Für wirklich scharf Fotos muss auch das 18-200mm im Telebereich um 2-3 Stufen abgeblendet werden. Damit kommt man schnell in Bereiche in denen man die Kamera wegen der langen Belichtungszeiten nicht mehr ruhig halten kann. Hier hilft also ggfs. die ISO-Automatik. Aber wie fast immer, sind sowohl die ISO-Automatik als auch ein aktivierter VR nur ein schlechter Ersatz für ein gutes Stativ!!

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Hier der Klassiker – HAns RIgel BOnn -> HARIBO – dieser Schriftzug ziert noch heute das Dach einer der ersten Betriebssporthallen auf deutschem Grund und Boden!

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Gleich gegenüber steht ein uralter Citroen 2CV – eine Ente! Beim Blick in das „Cockpit“ bin ich überrascht wie sehr der Besitzer dieses alte Fahrzeug gegen potentielle Autodiebe gesichert hat. Ohne eine ISO-Automatik könnte man Fotos wie dieses nicht freihändig realisieren. Und auch wenn ich die ISO-Automatik nicht mag und sie von vielen anderen Fotografen regelrecht verteufelt wird, manchmal ist sie tatsächlich sehr hilfreich 🙂

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Noch ein Blick auf die bunte Fassade der Erich-Kästner-Grundschule auf der anderen Straßenseite und schon geht es wieder weiter…

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Hier habe ich einen Vergleich 18mm (x 2,7) versus 200mm (x 2,7). Man sieht ganz deutlich welche enormen Reserven der große Zoombereich des Nikon AF-s VR 18-200mm in sich birgt.

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Vom Rand des Spielfeldes habe ich ein paar Minuten die Freizeitfußballer durch den elektronischen Sucher der Nikon 1 V1 verfolgt. An der Kamera habe ich den „Brust-Mode“ mit irre schnellen 30 Bildern pro Sekunde eingestellt. Die Kamera kann sogar noch mehr, selbst 60 Bilder/s sind möglich. Aber bei meinen ersten Tests musste ich feststellen, dass die Verarbeitung der gewaltigen Datenmengen diese kleine Kamera schnell für einige Minuten außer Gefecht setzt sobald der schnelle interne Speicher voll ist und das Bildmaterial auf die deutlich langsameren SD-Karten ausgelagert werden muss.

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Mit sagenhaften 30 Bildern pro Sekunde sollte man keinen Moment verpassen, denkt man sich so. Ich verpasse ihn trotzdem, denn immer wieder passiert es mir, dass ich mit meinen dicken Fingern irgendwelche Kameraparameter versehentlich verstelle. Diese Kamera ist wirklich klein und das ist manchmal auch ihr großer Vorteil. Aber wenn es um Action bspw. bei einem Fußballspiel geht, so kann sie eine Nikon D4 in keiner Weise ersetzen. Auch wenn man beim Lesen der Werbung zunächst denkt – Wahnsinn, 60 Bilder/s – Hammer!! Das alles ist Makulatur sobald der Kamerapuffer voll ist. Auch ist es mehr als störend, dass die Kamera grundsätzlich jedes Foto kurz im elektronischen Sucher oder auf dem rückwärtigen Display anzeigt. Man kann es nicht abschalten und das nervt total. Kaum hat man ein Foto gemacht und war einen Tick zu früh, kann man nicht auslösen weil die Kamera das Bildergebnis anzeigt.

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In der Werbung zur Nikon 1 V1 wird immer wieder der sagenhafte neue Autofokus hervorgehoben. Der ist auch wirklich toll, solange man nicht mit dem Nikon FT-1 Adapter fotografiert! Denn mit diesem Adapter funktioniert nur noch ein einziges zentrales Autofokusmessfeld. Man kommt sich vor wie mit einer Nikon F4 in den 90er Jahren. Wenn man sich daran gewöhnt hat, kann man damit auch tolle Fotos schießen. Aber es ist ein „ungerechte Kastration“ eines grundsätzlich guten Kamerakonzeptes. Bringt man die Kamera dann noch in den schnellen Burst-Mode, so wird die ISO-Automatik für den Bereich 100-3200 aktiviert. Ein Shiften der Programmautomatik oder ähnliche Einflussnahme auf die Kombination von Blende oder Zeit ist nicht mehr möglich. Ok, die Nikon 1 ist jetzt „sauschnell“ aber sie macht auch was sie will. Wenigstens lässt sich noch der RAW-Modus nutzen. So kann man leichte Fehlbelichtungen später in gewissen Grenzen korrigieren.

Ich hatte mir allerdings wirklich mehr erhofft. Auf der Rückseite der Nikon 1 V1 gibt es einen kleinen Knopf mit der Aufschrift [F]. Dieser Knopf ermöglicht den schnellen Zugriff auf viele Parameter. So kann man beispielsweise schnell zwischen dem mechanischen und elektronischen Verschluss umschalten. Aber die echte Bildfolgezahl kann man nur über das Menü einstellen. Das ist total inkonsequent und betrifft alle Kamerafunktionen deren Umschaltung der „[F] Knopf“ erlaubt. So sehr ich auch hinter den Produkten dieser Marke stehe, so sehr geht es mir jedoch auf den Keks, dass scheinbar aus Marketinggründen tolle Konzepte immer wieder fies zusammengestrichen werden. Die Nikon P7100 hat einen deutlich kleineren Sensor, rauscht mehr und ist bei hohen ISO-Werten der Nikon 1 V1 deutlich unterlegen. Aber die P7100 beherrscht einen eingebauten HDR-Modus und kann für „externes HDR“ bis Belichtungsreihen mit bis zu 5 Bildern aufnehmen. Außerdem sind Mehrfachbelichtungen möglich die bei der P7100 in Verbindung mit hohen ISO-Werten das Rauschverhalten der Kamera bei statischen Motiven ganz sichtbar verbessern können.

Die Marketingstrategen haben all diese sinnvollen tollen Features bei der Nikon 1 V1 einfach wegdefiniert. Der Prospekt liest sich noch toll und die Werbesports sind aufwändig produziert. Aber was diese tolle Kamera leider alles nicht kann, das erkennt man erst wenn man sie für teures Geld gekauft hat (oder regelmäßig meinen BLOG liest) 🙂

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Doch genug gemeckert, in Verbindung mit dem AF-S VR 18-200mm ist trotz des kleinen Sensors der Nikon 1 die Arbeit mit selektiver Schärfe kein Problem. Es muss einfach genügend Abstand zwischen den bildwichtigen Inhalten sein. Dann kann man wie im  folgenden Bild die Zielscheibe im Vordergrund sehr schön mit dem unscharfen Bogenschützen im Hintergrund „erklären“.

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Fazit

Der FT-1 Adapter ist eine mehr als sinnvolle Ergänzung für alle Besitzer die ein Nikon 1 und eine Reihe „erwachsener“ Objektive besitzen. Leider ist dieses Zubehörteil viel zu teuer und die passiven Nachbauten aus China relativ nutzlos. Ärgerlich ist die ständige Beschneidung vieler Funktionen dieser eigentlich sehr guten durchdachten Kamera. Dass der Autofokus mit DX oder FX Objektiven nur eingeschränkt arbeitet ist dabei nur ein Aspekt. Auch andere Kamerafunktionen arbeiten mit dem FT-1 nicht vollständig oder eben gar nicht!

Mir fehlt die Möglichkeit einzelne Bedienelemente gegen unbeabsichtigte Verstellung zu schützen, also zu verriegeln. Dies konnte schon vor vielen Jahren ein Nikon F80, warum baut man das nicht mehr ein?

Dass mit der Nikon 1 grundsätzlich weder Mehrfachbelichtungen noch Belichtungsreihen (für HDR) möglich sind ist für mich unverständlich und ärgerlich. Statt den ohnehin winzigen Chip mit zusätzlichen unnötigen 4.000.000 Pixeln zu bestücken, hätte man diese mehr als wichtigen Features bei der neueren Nikon 1 V2 integrieren sollen…

Dass Videos nur mit 1080/60i bzw. 1080/30p oder 720/24p aufgenommen werden können empfinde ich ebenfalls als ärgerlich. Jeder der diese Kamera als Ergänzung zu anderen Kameras nutzen möchte unterliegt dadurch nicht notwendigen Einschränkungen, die bei der Videobearbeitung nur mühsam ausgeglichen werden können.

Nikon 1 V1 – Time-Lapse-Videos erstellen

Nikon 1 V1 - Nikkor AF-S VR 18-200mm - FT-1 Adapter

Mit fast 250,- Euro ist der Nikon FT-1 Adapter fast so teuer wie eine komplette Nikon 1 V1. Aber mit diesem Adapter können moderne AF-S Objektive an der Nikon 1 V1 mit leichten Einschränkungen genutzt werden. Gestern habe ich die Probe aufs Exempel gemacht und mit der Nikon 1 V1 und dem Nikon AF-S VR 18-200mm einige Testfotos und Zeitraffer-Sequenzen aufgenommen.

Daraus habe ich für Euch ein kleines Video erstellt. Damit sich nicht wieder alle möglichen YouTuber über ein Video in deutscher Sprache beschweren, habe ich das Video und alle Texteinblendungen in Englisch gehalten. Mein kleiner Mac hat allerdings ein deutsches OS-X, somit sind einige Screenshots eben auch auf Deutsch. Ich hoffe die Zuschauer aus den USA usw. werden mir dies nachsehen 🙂

Noch ein paar Hinweise zur Technik. Das Nikon AF-S VR 18-200mm ist besonders im Tele-Bereich, also bei 200mm Brennweite, nicht so scharf wie es sich viele Fotofans wünschen würden. Blendet man es aber auf Blende 8 oder gar Blende 11 ab, so lassen sich damit recht brauchbare Ergebnisse erzielen und man hat zugleich ein leistungsstarkes Supertele, das einer FX-Brennweite von satten 540mm entspricht!

Besonders bei Zeitraffer-Videos lassen sich so recht coole Effekte erzielen, weil man selbst weit entfernte Motive damit sehr einfach und halbwegs preiswert extrem groß abbilden kann. Dass man dafür ein stabiles Stativ braucht, dass erklärt sich wohl von selbst. Ansonsten fokussiert man auf das was man ablichten möchte und schaltet danach am Objektiv den Autofokus ab. Den VR kann man auch gleich abschalten, den braucht man nicht. Im Menü der Nikon 1 V1 wählt man anschließend seine Settings so aus wie es einem gefällt. Im oben verknüpften Beispiel habe ich als Fotomodus „Standard“ ausgewählt und dabei die Schärfe und Sättigung auf +1 gestellt. Danach habe ich das Delithing aktiviert und den kleinsten JPG-Modus eingestellt. Mehr braucht man für ein Zeitraffervideo ohnehin nicht. Danach startet man eine Intervall-Aufnahme mit bspw. 999 Bildern und einem Zeitintervall von 10 Sekunden. Das Display kann man nach dem Start der Bilderserie getrost abschalten. Das spart Strom und dank des großen Akkus, der bspw. auch in der Nikon D7000 oder D800 verwendet wird, nimmt die kleine Nikon 1 V1 hunderte Fotos mit nur einer Batterieladung auf.

Wer etwas faul ist, der kann alternativ die kleine Kamera auch einfach jeweils 20 Minuten am Stück filmen lassen und die Videosequenzen danach mit seiner Video-Bearbeitungssoftware beliebig beschleunigen.

Das hat aber zwei Nachteile:

  1. Es können nur 20 Minuten pro Sequenz aufgenommen werden.
  2. Bei wenig Licht wird das Bildrauschen im Videomodus sehr störend sichtbar.

Wer es ganz perfekt machen will, der kann auch im RAW-Modus arbeiten und in Verbindung mit Adobe Lightroom und der Software LRTimelapse von Gunther Wegner selbst das letzte Quäntchen „Flicker“ aus seinen Videos heraus rechnen lassen, aber das ist oft gar nicht notwendig.

Die Arbeit mit Einzelbildern und der erhöhte Aufwand für die Nachbearbeitung haben mehrere Vorteile:

  1. Sehr lange Zeiträume zwischen den Einzelbildern
  2. Sehr lange Gesamtzeiträume
  3. Gute Bildqualität auch bei wenig Licht
  4. Wahlweise JPG oder RAW-Modus
  5. Deflickering bspw. mit LRTimelapse möglich
  6. Sichtbar bessere Qualität und Auflösung

In der Mac-Welt gibt im App-Store zum Preis von 4,49 Euro es ein kleines Programm mit dem sich schöne Zeitraffervideos aus hunderten oder tausenden von Einzelbildern sehr einfach und schnell erstellen lassen. Das Programm heißt einfach „Time-Lapse“ und man sieht es auch im oben verknüpften Beispielvideo.

Das Schöne an der Nikon 1 V1 ist ihr überaus kompaktes Format. Wer seine Zeitraffer-Videos mit sanften Fahrten auf einem teuren „Slider“ aufwerten will, der wird sich über das geringe Gewicht und die lange Laufzeit des Akkus sehr freuen.

Wenn Ihr Fragen habt, könnt Ihr mir gern eine E-Mail schicken oder die Kommentarfunktion hier im BLOG verwenden.