Nikon D300 – Infrarote Landschaftsfotografie

Nikon D300 - Infrared 830nm - Infrarot

(Für mehr Spaß beim Anschauen sind die meisten Fotos 1920 Pixel breit oder hoch. Einfach anklicken…)

Wer meinen BLOG in den letzten Monaten verfolgt hat der weiß bereits, dass ich meine wunderbare Nikon D300 Anfang des Jahre für einen Infrarot-Umbau „geopfert“ habe. Dabei wurde die Kamera komplett zerlegt. Das AA-Filter (Anita-Aliasing-Filter) wurde vom Chip entfernt und durch ein gleichgroßes Stückchen „Glas“ ersetzt. Aber dieses Glas hat es in sich, es wurde durch Zugabe verschiedener Chemikalien in die Glas-Schmelze eingefärbt und lässt nun nur noch einen sehr schmalen Bereich des sichtbaren Lichtes passieren. Dieser Bereich liegt bei einer Wellenlänge von etwa 830nm (Nanometer). In diesem Bereich ist der Chip der D300 gerade noch so zu gebrauchen. Wäre die Wellenlänge noch länger, so könnte die D300 es nicht mehr „sehen“ – wäre also praktisch blind und damit unbrauchbar.

Bedingt durch das sehr schmale „Band“ sind die Fotos die man mit dieser Kamera jetzt aufnimmt nahezu monochrom. Stellt man den Weißabgleich der Kamera auf „Tageslicht“ so haben die Fotos eine intensiv violette Färbung. Um unmittelbar nach einem Foto abschätzen zu können wie das Ergebnis aussehen könnte, habe ich im Menü der D300 den Schwarz-Weiss-Modus aktiviert und den Kontrast auf das Maximum eingestellt.

Der Autofokus der D300 wird durch den IR-Filter nicht beeinflußt und wurde im Rahmen des Umbaus entsprechend der größeren Wellenlänge etwas korrigiert. Leider ist es ist nicht möglich den Belichtungsmesser entsprechend zu korrigieren. Es braucht also ein wenig Erfahrung bis man seine Fotos korrekt belichtet hat. Auch sollte man unbedingt im 14-Bit RAW-Modus fotografieren, nur so hat man alle Optionen um später aus den Bilddateien das herausholen zu können was auch wirklich darin steckt. Mit dieser Kamera nur JPG-Datei zu knipsen wäre ein Verbrechen!

Da man den Infrarot-Filter nach dem Umbau IN der Kamera hat, muss man keinen Filter mehr vor das Objektiv schrauben. Dadurch kann diese Kamera wie eine ganz normale Spiegelreflexkamera benutzt werden, das Sucherbild ist unverändert klar und hell. Die Empfindlichkeit des Chips für das Lichtspektrum um 830nm reicht aus um bei ISO-200 und Blende 8 an hellen Tagen mit ca. 1/250s ohne Stativ aus der Hand fotografieren zu können. Es ist also kein Vergleich zum nervigen Gefummel mit einem Infrarot-Filter der VOR dem Objektiv sitzt.

Im ersten Foto weiter oben seht Ihr ein Motiv das ich am Sommer irgendwo zwischen Westerwald und Taunus während der Fahrt mit geöffnetem Dach aufgenommen habe. Einfach so, freihändig ohne durch den Sucher schauen zu können. Einfach die Kamera greifen, mit dem rechten Zeigefinger einschalten, aus dem Auto halten und abdrücken. Mit allen anderen Kameras wären solche Infrarot-Aufnahmen absolut undenkbar.

Nikon D300 - Infrared 830nm - Infrarot

Sehr cool sehen Sommerlandschaften bei Sonnenschein aus, wenn es noch einige nette Wolken gibt. Das kalte Blau des Himmels wird dunkel oder sogar schwarz dargestellt. Alles was rot oder gelb ist wird nahezu weiß abgebildet. Die Blätter der Bäume erscheinen je nach Intensität des Sonnenlichts hellgrau bis weiß. Dadurch erhalten „echte“ Infrarot-Fotos einen Look der sich mit keinem Bildbearbeitungsprogramm in gleicher Weise erzielen läßt.

Nikon D300 - Infrared 830nm - Infrarot

Hier nun einige Beispielfotos die ich am letzten Freitag nach der Arbeit auf dem Heimweg aufgenommen habe. Während sich die Sommerurlauber auf der A3 das Gezeter ihrer verschwitzten unzufriedenen Familienmitglieder anhören mussten, habe ich mich für die wunderbare B42 entschieden. Ich bin also rechtsrheinisch von Mainz nach Bonn gefahren. Als am späten Nachmittag die Sonne tief stand war ich auf dem Loreley-Felsen und konnte bei satten 33°C einige Fotos für Euch aufnehmen. Leute, es war heiß wie die Hölle und der Schweiß brannte in den Augen. Aber meine D300 hat das problemlos weggesteckt und einfach schöne Fotos gemacht.

Nikon D300 - Infrared 830nm - Infrarot

Hier seht Ihr jetzt die andere Richtung, also ein Blick nach Süden. Beim vorherigen Foto und folgenden Foto stand die Sonne also seitlich. Das ist nach meinen Erfahrungen immer sehr vorteilhaft, nicht nur in der Infrarot-Fotografie. Durch die Verlagerung des Lichtspektrums funktioniert die Vergütung der Objektive nicht mehr. Dieses Vergütung besteht aus mehreren auf die Linsen aufgedampften Metallschichten die jeweils so dick sind wie die halbe Wellenlänge des Lichtspektrums dessen Reflektionen sie vermeiden sollen. Das Prinzip basiert auf der Auslöschung der Lichtstrahlen in Verbindung mit einer Totalreflektion an der Oberseite der Linsen und der Unterseite der metallischen Vergütungsschicht. Für ein reinrassiges Infrarot-Objektiv bräuchte man nur eine einfache Metallschicht die diese müsste so ca. 415 Nano-Meter dick sein.

Leider gibt es derart vergütete Objektive meines Wissens für das Nikon-Bajonett leider nicht. Wer also mit einer derart umgebauten Kamera direkt in die Sonne fotografiert muss mit heftigen Lichtreflexen an den Linsenoberflächen innerhalb seiner Objektive rechnen.

Im Zweifel kann man diese „Eigenart“ für eine kreative Bildgestaltung wie im folgenden Foto nutzen. Meist wird man aber bessere Bilder erzielen wenn man die Sonne im Rücken hat oder sie im einem Winkel von ca. 90° seitlich auf das Motiv einfällt.

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Bei der Bildgestaltung gelten natürlich die gleichen Regeln wie für „normale“ Fotos auch. Der Horizont sollte im oberen oder unteren Drittel des Bildes liegen. Die für das Bild wichtigen Objekte sollten auf einem der vier Schnittpunkte angeordnet sein die sich ergeben, wenn man sein Foto in Gedanken mit vier Linien in 9 gleichgroße Flächen aufteilt. Wenn man es drüber hinaus noch schafft dem Bild eine sichtbaren Vordergrund-, Motiv- und Hintergrund-Ebene zu verleihen ist man auf einem guten Weg zu einem interessanten Foto.

Nikon D300 - Infrared 830nm - Infrarot

Ein guter Freund hat mit mal gesagt ich solle immer darauf achten, dass „etwas rotes“ auf jedem Fotos zu sehen sein solle. Im nächsten Foto ist ein kleiner Junge mit einem roten Pullover der fröhlich zwischen den Bäumen tobt zu sehen. Im infraroten Lichtspektrum geht die Farbe seines Pullovers leider verloren 😦

Nikon D300 - Infrared 830nm - Infrarot

Hier ein sehr schöner Blick hinab in das Rheintal. Ich habe eine Weile gewartet bis ich ein Schiff in das Foto integrieren konnte, das den Rhein aufwärts fährt. So werden die Dimensionen des Tals sehr schön verdeutlicht. Dieses riesige Schiff wirkt aus der Ferne im der Weite des Rheintals nur noch wie ein kleines Streichholz im Wasser.

Nikon D300 - Infrared 830nm - Infrarot

Am letzten Sonntag habe ich das Wetter für eine ausgiebige etwa 300 Kilometer lange Cabrio-Tour genutzt. Die D300 lag für etwa sechs stunden in der prallen Sonne neben mir auf dem Beifahrersitz und ich habe immer wieder aus dem fahrenden Auto fotografiert. Hier ein Foto das sehr gut gelungen ist. Man sieht hier zwei uralte aber sehr schön renovierte Trecker. Im Bild ist unten links eine leichte Bewegungsunschärfe zu erkennen. Sehr gut gefällt mit der Verlauf der linken Fahrbahnmarkierung die genau in der unteren linken Bildecke „ausläuft“. Als Gegenpart machen die Zipfel der Bäume auf der linken Seite den gleichen schönen Schwung nach oben.

Nikon D300 - Infrared 830nm - Infrarot

Im nächsten Foto sieht man sehr schön, dass die roten Rücklichter meines Autos hellgrau abgebildet werden.

Nikon D300 - Infrared 830nm - Infrarot

Hier noch ein Foto das auf einer sehr steilen kleinen Nebenstraße entstanden ist. Auch hier ist das „bildwichtige Motiv“ im unteren rechten Drittel des Bildes angeordnet. Die Straße führt in Form einer Diagonale zu diesem Objekt, das Auge wird fast wie von ganz allein dorthin gelenkt wo es verweilen soll.

Nikon D300 - Infrared 830nm - Infrarot

Bei der Aufnahme aus niedrigen Perspektiven kommen oft ungewöhnliche Fotos zustande. Im nächsten Foto weist einfach alles nach oben und das Laub der Bäume ergibt in Verbindung mit dem Licht der Sonne fast ein „Kathedrale aus Licht“.

Nikon D300 - Infrared 830nm - Infrarot

Nikon D300 - Infrared 830nm - Infrarot

Hier nun ein Foto das heute auf dem Heimweg entstanden ist. Auf der Rheinhessen-Straße sah ich vor mir diese Wolkenformation. Es sieht fast aus als wäre weit vor mir etwas explodiert. Ich habe bei der erst besten Gelegenheit rechts angehalten, bin ein paar Schritte in ein Feld gelaufen und habe bei diesem Foto versucht nicht nur die Wolkenformation einzufangen, sondern ihr auch eine „Basis“ zu geben. Der Horizont ist auch hier wieder im unteren Drittel des Bildes angesiedelt.

Was hier wirklich gut aussieht hängt vom Einzelfall ab. Ich habe mir angewöhnt einfach mehrere Fotos aufzunehmen und später zu entscheiden was mir davon am besten gefällt. Womit wir schon beim nächsten Tipp wären. Besorgt Euch einfach ein paar große Speicherkarten und arbeitet an Euren Motiven. Nicht nur schnell ein Foto knipsen und gleich weiter hasten. Oft ist es besser erst einmal die Gegend auf sich wirken zu lassen. Geht ein wenig herum, schaut Euch um. Geht in die Hocke, achtet auf die Geräusche und den Stand der Sonne. Fotografiert zuerst „im Kopf“ und danach mit der Kamera. Schießt von jedem Motiv eine Serie von vielleicht 20 Bildern. Wechselt dabei auch in das Hochformat, viele Motive sehen an der Wand im Hochformat einfach richtig gut aus!

Nikon D300 - Infrared 830nm - Infrarot

Durch das eng begrenzte Lichtspektrum ist die D300 fast blind für UV-Strahlung. Damit kann sie durch Dunst ein wenig „hindurch sehen“, so dass sich Infrarot-Fotos oft durch eine außergewöhnliche „Klarheit“ auszeichnen. Schaut Euch im nächsten Foto mal den Mond an. Diese Foto habe ich heute Morgen um kurz vor 6h aufgenommen. Die Sonne war gerade aufgegangen und stand in meinem Rücken. Es sieht fast aus wie eine Fotomontage, ist es aber nicht!!

Nikon D300 - Infrared 830nm - Infrarot

Kurz nach diesem Foto habe ich mich um 180° gedreht und meine D300 voll in die aufgehende Sonne gerichtet. Die oben angesprochenen Reflexionen sind deutlich sichtbar. Man kann sie etwas verringern indem man das Objektiv nicht zu stark abblendet. Durch die Verwendung des RAW-Modus hatte dieses Foto so enorme Reserven, dass man tatsächlich noch die im Schatten liegende Seite meines Autos deutlich erkennen kann.

Nikon D300 - Infrared 830nm - Infrarot

Hier ein Foto das gestern kurz nach Sonnenaufgang ganz in der Nähe entstanden ist. Hier kam das Sonnenlicht von rechts und betont so die Wolkenfront am linken Bildrand sehr schön. Da die Kamera durch den Dunst „hindurch sehen“ kann, wird sogar der Regenschauer in der Bildmitte deutlich sichtbar.

Nikon D300 - Infrared 830nm - Infrarot

Nikon D300 - Infrared 830nm - Infrarot

Nikon D300 - Infrared 830nm - Infrarot

Nikon D300 - Infrared 830nm - Infrarot

Hier noch ein spontanes Experiment. Am Ortseingang von Mainz Hechtsheim ist das Gartencenter Fuchs gelegen. Das Wappentier ist ein Fuchs der aus einer Mischung aus Draht und Pflanzen besteht. Ich habe hier versucht das Auge dieses Fuchses ein wenig aufleuchten zu lassen. So wirklich hat es leider nicht funktioniert, die Position für dieses Motiv ist im Winter besser weil die Sonne dann viel weiter rechts aufgeht und man diese Bildidee dadurch sehr viel schöner umsetzen kann. Auch sieht man hier wieder die Reflektionen und man sieht auch sehr deutlich, dass der Kontrastumfang der D300 selbst im 14-Bit RAW-Modus hier an seine Grenzen stößt.

Nikon D300 - Infrared 830nm - Infrarot

Jetzt noch einige Beispielfotos der letzten Tage.

Nikon D300 - Infrared 830nm - Infrarot

Nikon D300 - Infrared 830nm - Infrarot

Nikon D300 - Infrared 830nm - Infrarot

Nikon D300 - Infrared 830nm - Infrarot

Fazit

Die Fotografie im deutlich roten Spektrum des sichtbaren Lichts kann Landschaftsfotografien eine schier unglaubliche Dynamik verleihen. Wolken die man mit bloßem Auge als „nett“ empfindet werden plötzlich zu bedrohlichen Monstern. Auch hier gilt die alte Regel „Schlechtes Wetter ist gutes Wetter für schöne Fotos!“

Ab und zu fragen mich meine Leser welche Tipp ich ihnen für gute Fotos geben kann. Ich antworte dann meist, dass es einen sehr elementaren einfachen Tipp gibt:

  • Arsch hoch und raus aus der Bude!!!

In der Landschaftsfotografie ist dies der wichtigste Tipp von allen! Zuhause oder im heimischen Garten wird man nur wenige interessante Motive finden. Wer schöne Landschaften fotografieren will muss reisen und sollte Spaß daran haben viel unterwegs zu sein. Eine Kamera gehört dann (fast) immer ins Gepäck. Auch wenn es nur ein Handy ist, selbst damit lassen sich ansprechende Fotos aufnehmen, sofern man die eingebaute Kamera beherrscht!

Bei uns in Deutschland sind Frühling, Sommer und Herbst die besten Jahreszeiten für die Infrarot-Fotografie. Im Winter bei Schnee und Eis kann diese Spielart der Fotografie ihre besonderen Stärken nicht wirklich ausspielen. Hier habe ich ein Foto das ich im letzten Dezember kurz vor Heiligabend auf Teneriffa mit der D300 aufgenommen habe. Man sieht, es geht auch im Winter, aber nur weit weg von unserer kalten nassen Heimat 🙂

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Schöne Infrarot-Fotos lassen sich aber nicht nur mit einer speziell umgebauten Kamera aufnehmen. In diesem Artikel findet Ihr eine Reihe von Fotos die ich mit einer Nikon D800E und einem HAMA Infrarot-Filter (720 Nanometer) aufgenommen habe.

Richtig viele Infos zum Thema „Infrarot“ finden sich über die Schlagwort-Wolke auf der rechten Seite. Klickt hier einfach mal auf Infrarot und schon könnt Ihr Euch durch wirklich viele Fotos und Artikel rund um dieses spannende Thema wühlen.

La Palma – Tag 15

Die letzte Nacht schlafen wir beide kaum. Unruhig rollen wir uns im Bett hin und her und warten darauf, dass der Wecker endlich klingelt. Eigentlich haben wir keinen „richtigen“ Wecker, es sind unsere Handys die uns schließlich um 6h am Morgen dazu auffordern die Nasszelle zu konsultieren und uns abreisefertig zu machen.

Ohne Frühstück geht es auf die Reise, wir wollen nicht zu spät sein und heimlich treibt uns der Wunsch vielleicht einen Sitzplatz am Notausgang zu ergattern. Bei Air Berlin kann man bis zu 48h im voraus via Internet eine Sitzplatzreservierung ausführen. Das klappt bei uns natürlich nicht, weil der Internetzugang des Hotels ausgefallen ist. Unseren Mietwagen stellen wir in der ersten Etage des Parkhauses unter dem Terminal ab. Es ist alles gut beschildert und leicht zu finden. Die Mietwagen werden im „hinteren“ Teil des Parkhauses im Abschnitt F abgegeben. Ins Terminal gelangt man über mehrere Aufzüge, der CICAR-Schalter ist nicht weit und der Mitarbeiter nimmt den Schlüssel dankend entgegen. Dass ich ihm mitteilen kann, dass das Auto auf Parkplatz F-028 steht vereinfacht die Sache und zaubert ein Lächeln in sein Gesicht.

Der Flughafen von La Palma ist zwar sehr modern aber er ist auch ein eher kleiner Provinzflughafen. Es gibt insgesamt 24 Schalter für den Check in. An diesem Tag startet nur eine Handvoll Maschinen in Richtung „Europa“. Ansonsten kann man nahezu stündlich mit einer kleinen Propellermaschine beispielsweise nach Teneriffa fliegen. Für unseren Check-In ist Schalter Nr. 20 vorgesehen. Als wir dort eintreffen sind wir die ersten Fluggäste. Sandra saust schnell zurück und organisiert und zwei leckere sehr knusprige belegte Baguette-Brötchen. So stehen wir uns etwa zwei Stunden lang die Beine in den Bauch und können ein wenig mit den anderen Gästen unsere Urlaubsimpressionen austauschen.

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Als es schließlich an den Check-In geht werde ich gefragt: „Fenster oder Gang?“ Es klingt ein wenig so als wären es die einzigen deutschen Worte die diese Junge Dame relativ häufig verwendet. Ich entgegne ihr „Zwei Sitzplätze am Notausgang wären toll, falls Sie noch welche haben.“ Sie schaut mich nicht an und tippt irgendetwas. Aus einem Drucker neben ihr schieben sich zwei Tickets. Diese reißt sie durch und wirft sie in den Papierkorb neben ihr. Dann tippt sie wieder, es kommen zwei neue Tickets, auf einem steht Gate 8 auf dem anderen Gate 4. Auf dem Ticket mit Gate 8 steht mein Name. Sie nimmt das Ticket und übermalt die 8 mit einer 4, dazu murmelt sie etwas das ich überhaupt nicht verstehen kann und weist mit der rechten Hand auf die Rolltreppen. Ok, scheinbar sind wir eingecheckt…

Eine Etage höher versuche ich kurz zu ergründen wie man diese trichterförmigen Edelstahlbecken auf der Herrentoilette benutzen könnte. Aber bevor etwas daneben geht breche ich lieber ab und versuche es 4500 Kilometer lang durchzuhalten. Später am Flughafen in Düsseldorf ist dann alles recht vertraut, sauberes weißes Porzellan mit einer Toilettenbrille die man klappen kann, das kenne ich und das funktioniert sehr gut. Wie es mit diesen Edelstahltrichtern klappen soll wird mir wohl ein Rätsel bleiben. Insgeheim mag ich auch niemanden fragen wie man diese Dinger korrekt benutzt, ist ja schon irgendwie auch eine etwas peinliche „Angelegenheit“…

Das Entern des Flugzeugs geschieht in mehreren Wellen. Wir müssen mal hier mal da warten und dürfen schließlich während neben an die Propeller der Binter-Air Maschine ihren Ruhezustand suchen bei ohrenbetäubendem Lärm „unseren“ Airbus A321 über die vordere Treppe besteigen.

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Mein Handgepäck ist wieder recht „umfangreich“. An der rechten Schulter hängt eine Fototasche mit Nikon 1V1 und Panasonic Video-Kamera. Zusätzlich habe ich eine warme Fleece-Jacke und eine Gore-TEX Jacke damit „verschlungen“. An der linken Schulter hängt die Notebook-Tasche, außen dran baumelt mein BOSE Quit Compfort 15 Kopfhörer. In der rechten Hand habe ich einen kleinen Hartschalenkoffer in dem meine komplette Fotoausrüstung samt Fotorucksack verstaut ist. Normalerweise ist das eine tolle Lösung, denn so kann man die schwere Fotoausrüstung sehr einfach über den Flughafen rollen. Aber hier muss ich immer wieder Treppen hinauf und hinab, da ist der ganze Krempel schon ziemlich lästig.

Im Flugzeug dann die nächste „Hürde“, ich muss durch den schmalen Gang und versuche die bereits dort sitzenden Rollstuhlfahrer nicht mit dem Notebook k.o. zu schlagen. Alles gar nicht so einfach und ich beneide meine Sandra insgeheim darum, dass sie mit nur einer Kamera und zwei Objektiven so glücklich ist und nur einen kleinen Fotorucksack bewegen muss…

Einen Augenblick später stellen wir dann fest, dass die Dame beim Check-In mich überhaupt nicht verstanden hat. Aus meinem Satz hat sie wahrscheinlich nur das Wort „notausGANG“ akustisch herausfiltern können und uns am Gang positioniert. Der Flieger ist nicht ganz ausverkauft und drei Reihen hinter uns sitzt ein einsamer Mann allein auf zwei herrlich großen Sitzen gleich neben dem Notausgang. Während wir uns in die Sitzreihe zwängen und auf unseren Fensterplatz „Besitzer“ warten beschließe ich beim nächsten Mal rechtzeitig zu reservieren oder auf Englisch nach einem Platz am Notausgang zu fragen…

Der Flug ist langweilig und problemlos. Auf dem iPad schaue ich mir ein zweites Mal „PI – Schiffbruch mit Tiger“ an. Dieser Film ist einfach so gut, den muss man sich zweimal anschauen. Als wir in Düsseldorf landen muss ich mein Handgepäck wieder umgekehrt aus dem Flieger schaffen. Während ich hier und da anecke und alles zum Bus hinüber schleppe schwöre ich mir bei der nächsten Reise weniger viele Fotosachen mitzunehmen. Wahrscheinlich wird es wieder nicht klappen, aber meinen Vorsatz für das neue Jahr habe ich noch frei…

Eine halbe Stunde später stehen wir dann in der Nähe des Düsseldorfer ICE-Bahhofs vor meinem völlig zugeschissenen Auto. Au Backe ist das eklig, ich habe unter einer Laterne geparkt und dort oben haben sich 14 Tage lang immens viele Tauben getroffen die wie ich nicht wissen wie man einen Edelstahltricher benutzt, aber eine völlig andere Strategie zur Lösung dieser Problemstellung entwickelt haben…

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Auf meinem Smartphone habe ich eine kleine „Stau-APP“. Diese verheißt uns wenig Gutes, eigentlich ist rund um Düsseldorf und Köln die Hölle los. Es ist Freitagnachmittag und sowohl die Holländer als auch ein deutsches Bundesland scheinen die Sommerferien eingeläutet zu haben. Weil alle Autobahnen dicht sind irren wir ein wenig durch Düsseldorf. Ich versuche mich in Richtung Westen zu halten, nur weg von der A3. Als wir eine Tankstelle mit einer Waschanlage sehen biegen wir spontan ab und während mehrere recht teure Waschgänge versuchen das Auto zu säubern, vertilgen wir eine Stück Pizza und einen ganz brauchbaren Tankstellen-Burger. Am Ende der Waschgänge ist es etwas besser, aber da werde ich nochmals mit einem Hochdruckreiniger und einer großen Portion Lackreiniger ran müssen. Nun ist mir auch klar warum in der komplett zugeparkten Straße ausgerechnet dieser eine Parkplatz noch frei war…

Die Heimreise dauert wegen des Verkehrschaos fast drei Stunden und als wir endlich die Koffer abgestellt und die Füße hochgelegt haben, sind wir echt froh diesen Tag heil überstanden zu haben.

Am nächsten Tag kann Sandra ihr Auto abholen, es hat zwei Wochen lang in der Werkstatt gestanden und jetzt sollte das Klappdach auch in einer Waschanlage dicht sein. Mein weißes Mädchenmotorrad ist auch wieder heil. Allerdings ist die Reparatur mit fast 1.500 Euro echt teuer. Es ist schon spannend, dass man für etwa 10.000 Euro eine komplettes Motorrad wie beispielsweise diese schwarze Schönheit kaufen kann und dann allein eine kleine Pumpe am ABS-System mit 10% des Gesamtwertes zu veranschlagen ist…

Aber es ist müßig sich darüber zu ärgern, schließlich will man sich ja beim Fahren mit einem solchen Geschoß auf die Bremsen verlassen können.

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Nachdem alle Rechnungen bezahlt sind geht zurück nach Hause. Nach einer ausgiebigen Wasch-Session mit einem sehr gut funktionierenden Hochdruckreiniger satteln wir später daheim mein „Männermotorrad“ und fahren gemeinsam zur Werkstatt. Dort steigt Sandra auf mein „Mädchenmotorrad“ um und als krönenden Abschluss unserer Reise geht es in die Eifel zum Café Fahrtwind. Dort gibt es wieder leckere Erdbeer-Schiffchen die man sich einfach auf keinen Fall entgehen lassen sollte!

Fazit

La Palma ist eine wirklich schöne Insel, aber um sie wirklich zu erleben muss man sie erwandern. Dazu braucht man eine leichte Fotoausrüstung und eine echte Portion Fitness. Außerdem sollte man nach Möglichkeit eine etwas kühlere Jahreszeit aussuchen. Das Teneguía Princess ist eine wirklich schöne gut geführte Anlage, aber es ist recht abseits weit im Süden gelegen. Um den fotografisch reizvollen Norden zu erkunden ist dieses Hotel völlig falsch, denn die Straßen sind eng und kurvenreich. Eine Autobahn gibt es nicht und so wird jede Anfahrt zu einem attraktiven Wanderziel im Norden der Insel zu einer echten Strapaze. Wer sich im Teneguía Princess einbucht sollte auf La Palma eher einen entspannten Badeurlaub an einem der schönen Pools verbringen wollen.

Allerdings hat auch der Süden der Insel einige schöne Ecken zu bieten. Bei klarem Himmel kann man bereits etwas abseits vom Hotel bei klarem Himmel sehr viele Sterne sehen, noch besser ist es oben beim Observatorium auf etwa 2400 Metern über dem Meer. Wer nächtliche Zeitrafferfotografie mag, der ist dort oben genau richtig. Allerdings sind die Straßen teilweise sehr schmal und wegen fehlender Sicherungsmaßnahmen in der Dunkelheit sehr gefährlich. Dort nachts mit einem Auto einen Abhang hinab zu stürzen kann schnell tödlich enden und man sollte sich das Terrain unbedingt zuvor bei Tageslicht anschauen und ggfs. ein GPS als visuelle Unterstützung für eine nächtliche Fahrt hinab zum Meer verwenden.

Mein Garmin Colorado 300 habe ich mit der Openstreet-Map bestückt. Das Kartenmaterial für La Palma ist gut und sehr detailliert. Enge Spitzkehren und potentiell gefährliche Abschnitte kann man hier schnell erkennen und es erleichtert meiner Meinung nach die sichere Fahrt durch die engen kurvenreichen Straßen sehr. So gibt es keine überraschend enge Spitzkehre mehr, damit ist es ein wertvoller Beitrag zur Fahrsicherheit auf den krassen Straßen im Hochgebirge.

Im übrigen ist eine Reise nach La Palma sehr unproblematisch. Spezielle Impfungen sind nicht notwendig, man kann alles in Euro bezahlen, fast alle Restaurants haben mehrsprachige Karten und viele Bewohner sprechen zumindest ein wenig Englisch. Das Stromnetz funktioniert so wie bei uns in Deutschland, Adapter oder ähnliches sind nicht notwendig. Allerdings kann es sehr praktisch sein eine Steckdosenleiste einzupacken. In unserem Hotelzimmer gab es nur eine freie Steckdose. Ich hatte einen kleinen „1 auf 3“ Adapter für schmale Eurostecker dabei. Das war wirklich nützlich wenn abends mehrere Akkus aufgeladen werden sollen und vielleicht noch ein iPad oder ein Notebook versorgt werden muss.

Sonnencreme mit einem hohen Lichtschutzfaktor ist besonders im Gebirge ein „Muss“. Eine Kopfbedeckung, langärmelige Hemden und eine gute Sonnenbrille erleichtern das Leben unter der sengenden Sonne zusätzlich. Wer wandern will sollte man unbedingt Wanderstöcke mitnehmen. Es gibt schöne Wanderstöcke aus Kohlefasern die gefedert und sehr leicht sind. Außerdem kann man sie mit einigen wenigen Handgriffen zusammenschieben, so dass sie ein geringes Packmaß haben.

Im Hotel gab es für 3,50 Euro eine sehr detaillierte Straßenkarte. Diese war wirklich extrem hilfreich bei der Planung der Tagesziele und ist immer eine gute Ergänzung zu einem GPS.

Im kleinen Hotelladen bekommt man alles was man für den täglichen Bedarf benötigt. Allerdings zahlt man hier einen kräftigen Zuschlag, viel preiswerter sind die kleinen Supermärkte die es überall gibt.

Mit großen Einkaufszentren oder Vergnügungsparks kann La Palma nicht locken. Im Vergleich zu Teneriffa oder Gran Canaria geht es hier alles etwas ruhiger zu. Diese Insel ist eher etwas für Individualisten als für übliche Pauschalreisende. Die all-inclusive Angebote der wenigen großen Hotels ermöglichen unkomplizierten Zugang zu flüssigen und festen Lebensmitteln. Aber die Insel hat viele schöne gemütliche Restaurants zu bieten. Die überall ausliegenden kostenlosen Gastronomie-Führer liefern hier wertvolle Tipps und sind sehr hilfreich für alle Erholungsuchenden die mehr wollen als Einheitsessen vom Buffet und billige Drinks von der Bar am Pool.

La Palma – Tag 13

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Am nächsten Morgen spüre ich alle Knochen. Zwar habe ich mein Bett etwas umgerüstet und schlafe seit drei Tagen AUF der Wolldecke die ich zwischen Laken und Matratze platziert habe, aber dennoch tut mir alles weh. Auf dem ersten Weg ins Bad fühlen sich Beine und Füße noch ganz unbeweglich an, ich bin noch gar nicht wach…

Später nach dem Frühstück entschließt sich Sandra erstmals allein mit unserem Mietwagen zum Laden für Handwerkskunst weit oben in Los Canarios hinauf zu fahren. Ich gebe ihr noch eine kurze Beschreibung mit auf den Weg, so dass sie unser Auto auch findet. Derweil sichte ich meine Beute des Vorabends und freue mich schon sehr darauf bei korrekten Lichtverhältnissen an einem kalibrierten Monitor die besten Fotos auszusuchen und dann in aller Ruhe auszuarbeiten.

(Die Fotos aus der Nikon D800E sind auf 1920 Pixel Seitenlänge verkleinert, einfach anklicken)

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Gegen 13h ist Sandra zurück und hat lauter Tüten dabei. Sie hat etwas zu trinken gekauft. Das ist oben im Supermarkt alles mehr als 50% billiger als im Laden hier in der Hotelanlage. Die Fahrt mit dem kleinen Diesel hat gut geklappt und sie ist ganz überrascht mit wie viel Kraft dieses Auto die Berge hinaufzieht. Drehmomentstarke Dieselmotoren sind auf dieser Insel auf der es eigentlich fast nur auf und ab geht wirklich genau in ihrem Element. Hier zählen weniger die Endgeschwindigkeit als vielmehr Kraft und Durchzugsvermögen. Wer also vor der Wahl steht hier einen Benziner oder einen Diesel zu mieten, ich würde hier zu einem Diesel raten!

Aktuell kostet ein Liter Diesel hier etwa 1,06 Euro/Liter, man ist mit einem Diesel also nicht nur recht preiswert unterwegs, die Autos haben auch eine große Reichweite, was beim weniger dichten Tankstellennetz auf der Insel darüber hinaus sehr praktisch ist.

Daran einen BLOG-Artikel zu veröffentlichen ist aktuell leider nicht zu denken. Es gab am Morgen mehrere kurze Stromausfälle und nun funktioniert der WLAN-Accesspoint aus irgendeinem Grund nicht mehr. Ich habe jetzt für 19 Euro Internet-Guthaben gekauft und kann es nicht nutzen weil es kein WLAN gibt 😦

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Ich versuche mich nicht weiter darüber zu ärgern und während Sandra mit dem Teleobjektiv Jagd nach Libellen und Eidechsen macht, streife mich mit der Nikon D800E auf dem BILORA-Stativ durch die Anlage.

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An der D800E ist das Rokinon 3,5/24mm Shift & Tilt Objektiv, das ich vor ein paar Wochen in den USA bestellt habe. Vor ein paar Tagen habe ich es erstmals abends am Strand des kleinen Fischerdörfchens im Süden der Insel ausprobiert. Heute will ich mal einige Testfotos machen bei denen es darauf ankommt, dass alle vertikalen Linien so gerade und senkrecht wie möglich sind. Am kleinen Wasserfall kann ich ein kleines Demo-Video drehen das zeigt wie sich der Unterschied zwischen einer Belichtungszeit von 1/500s und 1/25s auf das Video auswirkt. Bei vollständig geöffneter Blende lässt sich mit dem Shift-Objektiv ein ausgeprägter „Miniatur-Effekt“ erzielen.

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Sehr praktisch ist auch, dass man das Rokinon-Objektiv in zwei Ebenen um 90° drehen kann. So ist auch ein „senkrechter“ Miniatur-Effekt in Verbindung mit dem Querformat möglich!

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Aber da die Blende geöffnet ist, kann auch viel mir Licht auf den Chip fallen. Dadurch muss die Kamera jedes Bild des Videos sehr kurz belichten. Im Ergebnis werden die Tropfen des Wasserfalls 25-mal pro Sekunde knackscharf „eingefroren“ was im Endergebnis aber nicht wirklich schön aussieht. Blendet man das Objektiv langsam ab, so zieht die D800E die Belichtung sehr schön nach. Irgendwann bin ich bei Blende 22 angekommen. Die Blende ist jetzt vollkommen geschlossen und es kommt kaum noch Licht am Chip an. Die D800E belichtet jetzt jedes Einzelbild mit 1/25s. Bei dieser recht langen Belichtungszeit ergibt sich ein schöner „Fließ-Effekt“. Die einzelnen Wassertropfen bewegen sich während der 1/25s und produzieren so bei jedem Einzelbild eine ganz leichte Bewegungsunschärfe. Das Ergebnis sieht deutlich besser aus als bei vollständig geöffneter Blende. Aber nun ist der auch der „Miniatur-Effekt“ verschwunden, die Tiefenschärfe ist bei Blende 22 so groß, das trotz des leicht nach unten gekippten Objektives alle Bildbereiche scharf abgebildet werden.

Was lernen wir daraus? Ganz einfach, wer flüssige Bewegungen in seinen Videos habe möchte, der sollte versuchen die Einzelbilder relativ lang zu belichten. Optimal ist in der Regel die Hälfte der Bildwiederholfrequenz. Also bei 25 Bildern/s wären das 1/50s Belichtungszeit, bei 30 Bildern/s analog dazu 1/60s.

Will man mit dem Shift & Tilt Objektiv lange belichten UND einen Miniatur-Effekt haben, so braucht man einen passenden neutralen Graufilter mit einem 82mm Filtergewinde. Nachmöglichkeit hat man diese Filter gleich in unterschiedlichen Dichte-Werten. Also 2x, 4x, 8x, 10x usw. Damit kann dann unter fast allen Bedingungen die optimale Belichtungszeit je Einzelbild erzielt werden. Allerdings sind diese Filter wegen des großen Filterdurchmessers nicht ganz billig!

Ach übrigens, wer auf die Idee kommt bei einem Video mit 25 Bildern/s jedes Einzelbild beispielsweise 1/8s zu belichten (um einen noch stärkeren Fließeffekt zu erzielen), der hat in Mathe nicht aufgepasst und sollte nochmals die Schulbank drücken 🙂

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Alle Demo-Videos zu diesem Objektiv werde ich hier posten sobald ich wieder eine vernünftige Internet-Anbindung habe. Dann gibt es einzelne Bilder aus als Original-RAW-Datei für alle die genauer hinsehen möchten, was das Rokinon-Objektiv an der Nikon D800E leistet. Hier habe ich noch einige Beispielbilder für Euch, bei denen ich versucht habe eine perspektivisch korrekte Darstellung zu erzielen. Es gibt hier also ganz bewusst keinen „Miniatur-Effekt“!

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Am späten Nachmittag starten wir einen neuen Anlauf und hoffen, dass wir heute bei der Bodaga „Casa del Volcán“ mehr Glück haben. Als wir dort einige Minuten nach 18h eintreffen ist die Eingangstüre einladend weit geöffnet.

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Unseren Mietwagen können wir sehr gut auf der breiten Zufahrtsstraße zum Volcan San Antonio abstellen. In der Bodega finden wir ein sehr einladendes Ambiente und eine überaus zuvorkommenden und netten Inhaber vor. Ein Tisch direkt am Fenster mit Blick auf den zur Bodega gehörenden Weinberg ist frei. Ein paar Minuten später haben wir von der sehr gut sortierten Karte den filetierten Barsch mit Kanarischen Schrumpelkartoffeln und einem kleinen Salat bestellt. Als Vorspeise gibt es einen typischen Kichererbsenseintopf (Garbanzas). Dieser Eintopf schmeckt uns wirklich gut und Sandra hat ihn daheim in Deutschland schon oft für uns zubereitet. Man könnte also sagen, dass wir uns mit Garbanzas auskennen und daher sehr gespannt sind was wir hier bekommen. Und was soll ich schreiben, diese Garbanzas sind wirklich ganz ausgezeichnet. Besser können wir das selbst nicht, es schmeckt einfach  ganz exzellent.

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Auch der Fisch ist wirklich großartig aber ganz besonders schmeckt und der Wein aus eigenem Anbau. Es ist ein sehr milder fruchtiger Weißwein, fast keine Säure und einfach nur richtig gut! Ein wirklich zauberhafter Weißwein den man daheim in Deutschland in dieser Qualität nur sehr schwer bekommen wird.

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Spannend ist auch, dass es diesen außergewöhnlichen Wein in einer kleinen 0,5l Flasche gibt! Das ist nicht zuviel und passt gut zu einem Essen für zwei Personen. Zum Nachtisch gibt es für Sandra noch ein leckeres kleines Schnäpschen und für mich einen exquisiten Barraquito mit „Kanarischen Vitaminen“ 🙂

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Auf dem Rückweg überlege ich ob ich heute noch einmal zur Location des Vortages fahren soll. Aber heute gibt es keine Wolken, es ist einfach trüb und die Sicht ist wirklich schlecht. Außerdem sind es fast 28°C und die Luftfeuchtigkeit ist hoch. Ich beschließe daher mich mit den Fotos des Vortages zu begnügen und mich seelisch auf die Abreise einzustellen.

Morgen werden wir noch einen sehr ruhigen Tag auf dieser tollen Insel verbringen. Für das Wochenende wird hier eine echte Hitzewelle erwartet. Vielleicht ist es ganz gut, dass wir dann schon ein leckeres Kaltgetränk in einem deutschen Biergarten genießen können.

La Palma ist eine wirklich großartige schöne Insel. Es gibt unerwartet viel zu sehen, aber die echten Highlights muss man erwandern. Und genau das ist hier wirklich anspruchsvoll. Heute morgen hat im Hotel eine TUI-Mitarbeiterin über die Möglichkeiten hier zu wandern informiert. Und dabei kam immer wieder die Sprache auf den Gesundheitszustand. Büroschlaffis wie meine Sandra und ich sollten hier gar nicht erst an einer großen Wanderung versuchen. Erst gestern hat Sandra ein abgekämpftes Paar getroffen die sich über die Wanderung des Tages unterhalten haben. Er war völlig fertig und als sie ihm gesagt hat, es seien doch nur 5 Kilometer gewesen, da sagte er spontan „Es kommt mir aber vor als wären wir 15 Kilometer weit gelaufen!“

Man sollte sich hier also nicht überschätzen. Und nun ist uns auch klar warum die alten Leute mit Pflegestufe 3 alle nach Teneriffa fliegen, während man hier auf La Palma nur die fitten Power-Rentner antrifft. Es wäre spannend zu wissen zu welcher Gruppe wir uns einst zählen werden.

La Palma – Tag 12 Reloaded

In meinem letzten Artikel habe ich geschrieben, dass wir planen vielleicht den Vulkan „San Antonio“ zu besuchen. Irgendwie kam dann doch alles anders und wir haben ihn schon wieder achtlos beiseite liegen lassen. Am Vortag hat Sandra sich in einem kleinen Laden für „Handwerkskunst“ ein paar schöne Kleidungsstücke gekauft. Und wie das bei Mädchen so ist, da gibt es noch mehr! Und das lässt ihr einfach keine Ruhe 🙂 Als wir an dem kleinen Laden ankommen ist es etwa 13h und der Laden hat geschlossen – Mittagspause! Also fahren wir weiter in Richtung Los Llanos, heute wollen wir mal den viel gepriesenen Italiener besuchen.

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Neulich waren wir ja schon dort, hatten dann aber ausgerechnet am Sonntag den Ruhetag erwischt. Kurz vor dem Ortsausgang halte ich kurz rechts an um meine GoPro Actioncam auf der Windschutzscheibe zu positionieren. Danach geht es über den von mir präferierten Teil der LP-2 in Richtung Los Llanos. Das Wetter ist für die Jahreszeit eigentlich zu kühl und heute ist der Himmel bewölkt. Das merkt man besonders hoch oben auf der Ringstraße die uns auf etwa 750 Metern Höhe nach Norden führt. Wir sind ganz knapp unterhalb der Wolken und das Spiel aus Sonnenlicht und Nebel sieht wirklich gut aus. Endlich kann ich das mal mit meiner GoPro einfangen.

Als wir in Los Llanos eintreffen hat sich der Nebel gelichtet. Die Sonne scheint bei lässigen 25°C und uns geht es richtig gut.

Die Einfahrt zum Restaurant ist etwas „ungewöhnlich“. Es geht auf einer kleinen „selbstgebauten“ Betonpiste extrem steil bergauf bis wir nach ein paar Metern am Parkplatz sind. Dort stehen schon einige Autos und als wir das Restaurant betreten ist es dort schon recht gut besucht. Aber die Terrasse ist noch leer und nach einem kurzen Nicken der Kellnerin dürfen wir dort Platz nehmen.

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Die Aussicht ist grandios, wir sehen die Berge und das Meer, hier kann man wirklich weit schauen. Aber zunächst schauen wir mal in die Speisekarte. Sie ist auf spanisch und deutsch, es gibt allerlei Gerichte die für ein italienisches Restaurant typisch sind. Wir entscheiden uns beide für ein Steak. Diesmal ist es wirklich ein Rindersteak, Sandra bestellt die Variante mit Knoblauch, ich entscheide mich für das Pfeffersteak.

Dazu gibt es kaltes Bier aus einem eisgekühlten Bierkrug. Beim ersten Zug kommt mir eine kleine Eisscholle aus gefrorenem Bier vom Grund des Kruges entgegen – cool!

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Nach dem Essen gibt es noch eine Portion Erdbeeren mit Sahne (Frecas con Nata) – lecker!!!

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Nach einer kleinen Fotosession mit der Nikon 1 geht es zurück zum Hotel. Diesmal ganz ohne GoPro und anderen „Kinderkrams“ 🙂 Auf halbem Weg mitten in den Bergen meldet sich dann die Sahne welche in großen Mengen die Erdbeeren umgab. Hui, ich habe echte Bauchkrämpfe und hier kann man weder anhalten, noch ist hier irgendwo eine Toilette in Sicht. So schnell es geht sausen wir zum Hotel. Schnell parken und dann los, bis zum Zimmer schaffe ich es nicht mehr und bin wirklich froh, dass es an der Bar neben der Rezeption eine wunderbar saubere und geräumige Toilette gibt – ich bin gerettet!! Das ist noch einmal gut gegangen – uffff…

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Zurück im Zimmer muss ich mit ein wenig erholen, in meinem Bauch gluckst und grummelt es. So etwa zwei bis drei Stunden später bin ich wieder fit. Meine Fotosachen sind noch im Auto, also schnappe ich mir den Autoschlüssel und los geht es erneut zu der kleinen Bucht die etwa 1.500 Meter nördlich des Hotels gelegen ist. Dort verheißt ein Hinweisschild wenig gutes: „Playa Closed“

Ich sondiere kurz die Lage und entscheide dann, dass man selbst oben von der Klippe noch einen tollen Blick auf Strand und Meer hat. Also geht es voll bepackt wie ein Lastesel  zur abendlichen Fotosession. Mit dabei habe ich die Nikon D800E, vier „erwachsene“ Objektive, die Nikon D300, die Panasonic HC-X909 Videokamera und zwei Stative. Diese beiden Stative werden sich beim Aufstieg später noch als äußerst hilfreich erweisen!

Wie bei der Bucht nebenan gibt es auch hier eine Treppe die von der Klippe etwa 30 bis 40 Meter hinab an den Strand führt. Diese Treppe ist allerdings deutlich älter und am Ende der Treppe wird mir dann auch klar warum dieser Strand aktuell eigentlich geschlossen ist.  Der letzte Teil der Treppe, so etwa 20 Stufen sind komplett weggebrochen und liegen in einem Winkel von etwa 45° einige Meter von ihrer ursprünglichen Stelle entfernt. Voll bepackt mit Fotorucksack, Kameratasche und zwei Stativen ist es fast ein Ding der Unmöglichkeit hier herunter zu kommen. Aber dann findet ich eine Stelle an der ich auf dem Hosenboden auf einem Betonvorsprung sitzen kann. Dort ziehe ich beide Stative komplett aus und benutze sie als Stützen um den etwa einen Meter hohen Absatz zu nehmen. Dort ist alles voller Staub und Geröll und ich muss schwer aufpassen mich dort nicht auf die Nase zu legen.

Am Strand angekommen bin ich dort vollkommen allein – super!! Als Erstes stelle ich die Videokamera auf das kleine Stativ. An der Kamera ist der Filteradapter von 49 auf 52mm angeschraubt und darin steckt ein Polfilter. In den Polfilter schraube ich den Filterhalter für meine Cokin-Filter. Danach wird der Filter mit einem neutral grauen Verlauf eingeschoben. Nun kann ich alles drehen, den Polfilter und den Cokin-Filter. Außerdem lässt sich der Cokin-Filter im Gegensatz zum Vortag nun herauf und herab schieben. So gelingt dann eine schöne Videosequenz dieses tollen Sonnenuntergangs am schwarzen Lavastrand.

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Nach einigen Einstellungen schalte ich die Videokamera in den Zeitraffermodus – alle 10s nimmt sie jetzt ein Bild auf. Später habe ich eine schöne Sonnenuntergangssequenz die etwa 10s dauert und die sich scher schön als letzte Einstellung für meinen Reisebericht eignen wird, super!

Während die Videokamera sich tapfer gegen Wind und Wetter wehrt und eifrig ein Bild nach dem anderen aufnimmt bin ich mit dem größeren neuen BILORA XedriLux white und der Nikon D800E unterwegs. Auf der linken Seite der Bucht gibt es einen Durchbruch in der schwarzen Felsenklippe. Dahinter baden zwei Jungs mit kleinen Surfboards im recht ruhigen Meer. Es ist wieder Ebbe und so ist der Durchbruch unter der Klippe recht gut erreichbar. Allerdings sind die Felsen schwer glitschig und man muss gut aufpassen hier nicht zu stürzen. Das könnte üble Folgen haben, denn man muss hier auf dicken glitschigen Steinen balancieren, wer hier abrutscht hat sich schnell einen Fuß verstaucht oder gar gebrochen. Damit dann die vielen Treppenstufen hinauf zu klettern, das wäre nicht wirklich witzig! Also Vorsicht!!

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Die Sonnen hat den ganzen Tag über die schwarzen Lavawände und den schwarzen Lavastrand aufgeheizt. Durch die unmittelbare Nähe zum Meer ist es unerträglich heiß und schwül. Nach kurzer Zeit habe ich meine Kleidung komplett durchgeschwitzt und das Wasser tropft mit von der Stirn. Es ist wirklich nicht witzig und es fällt schwer sich immer wieder zu bücken und hinter die Kamera zu kauern. Bei Belichtungszeiten von bis zu 30s muss man still und regungslos hinter der Kamera verharren und den Kabelauslöser ruhig in der Hand halten, keine einfache Aufgabe! Aber es entsteht eine Belichtungsreihe nach der Anderen und insgeheim freue ich mich schon darauf meine „Beute“ zu sichten.

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Die fast euphorische Stimmung wird allerdings jäh unterbrochen als mich ein Stein an der Schulter trifft. Er ist vielleicht so groß wie eine Wallnuss und hat meine Schulter dort getroffen wo sie durch den dicken breiten Gurt meines Fotorucksacks geschützt ist, aber es tut trotzdem höllisch weh. Hätte ich diesen Stein auf den Kopf bekommen, so hätte es wohl zu einer Platzwunde geführt.

Es wird mir direkt unterhalb der Klippe zu gefährlich und ich deute diesen Stein als Hinweis der Götter, mich dort schnellstens zu verziehen. Bislang habe ich alle Fotos des Abends mit dem Nikon AF-S VR 4/16-35mm aufgenommen, nun versuche ich mich mal mit dem Nikon AF-D 2.8/10,5mm Objektiv. Eigentlich ist es ja für das kleinere DX-Format gerechnet, aber an der D800E bleiben trotzdem noch satte 18 Megapixel übrig, man kann das Ding also wirklich gut einsetzen. Die Kamera habe ich so eingestellt, dass sie DX-Objektive automatisch erkennt. Im Sucher sieht man zwar „nur die Hälfte“ aber wenn man das echt coole Liveview-Feature verwendet, kann man auf dem rückwärtigen Display der Kamera sehr schön sehen was man fotografieren wird. Richtig cool sehen viele Einstellungen dann aus, wenn die Kamera mit diesem Objektiv sehr nah am Boden ist. Aber dann muss man sich immer wieder hinter der Kamera ganz ganz klein machen und das ist echt anstrengend wenn man mit den Füßen im Wasser steht und noch einen schweren Fotorucksack auf den Schultern hat. Aber ich will nicht klagen, andere Menschen besuchen Fitness-Studios – ich gehe eben ab und zu mal fotografieren :–)

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Während ich so vor mich hin fotografiere vergesse ich die Welt um mich herum. Als ich irgendwann zur Treppe an der Klippen schaue, kann ich sie kaum noch sehen, es ist fast dunkel. Auch meine Panasonic Videokamera kann ich nur noch schemenhaft erkennen. Ich mache mich also auf den Rückweg, doch da fällt mir eine kleine Höhle am Fuß der schwarzen Felsenklippe auf. Am Eingang hat jemand ein paar größere Steine aufgeschichtet, so dass es wie eine kleine Mauer ausschaut. Instinktiv muss ich an meine Besuche bei der False Kiva im Canyonlands Nationalpark in Utah denken.

Der Unterschied ist, dass man in der False Kiva ganz bequem stehen kann, diese kleine schwarze Lava-Höhle ist nur etwa 1,5 Meter hoch und wird nach hinten immer enger. An der D800E ist noch das kleine 10,5mm Fisheye montiert. Damit kann ich den Strand, die Felsen draußen im Meer UND den kompletten Rand der Höhle abbilden. Der Liveview der D800E kommt langsam an seine Grenzen, im Display sieht man das was man „fotografiert“ nur noch schemenhaft. Bei Belichtungszeiten zwischen 15 und 30s entstehen aber tatsächlich Fotos auf denen man das Meer noch schön erkennen kann. Nur ist der Eingang zur Höhle nur ein schwarzer Rand, mehr nicht. Ich überlege kurz und dann habe ich eine Idee. Die D800E hat doch ein eingebautes kleines Blitzlicht mit Leitzahl 12. Das sollte ausreichen um dieses Höhle etwas aufzuhellen. Doch die ersten Testbilder sehen ziemlich komisch aus. Das Problem ist der enge Winkel in dem das Blitzlicht arbeitet. Es ist für die Nutzung leichter Weitwinkelobjektive gedacht, nicht für ein extremes Fisheye! So leuchtet das Blitzlicht nur den mittleren Teil des Bildes aus und dementsprechend sind die Ergebnisse mehr als unbefriedigend. Doch dann habe ich die wirklich zündende Idee. In meiner Hosentasche habe ich ein kleines weißes Stofftaschentuch. Derartige kleine Tücher habe ich fast immer dabei, sie sind sehr hilfreich wenn man mal einen Filter trockenlegen oder eine Frontlinse putzen muss.

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Als ein Teil des Taschentuchs um das kleine Blitzlicht geschlungen ist, wird das Licht so schön gestreut, dass auch der Rand der Höhle „etwas abbekommt“.

Einige Bilder später ist es fast stockfinster und ich muss abbrechen auch wenn ich noch gern weitermachen würde. Vorsichtig taste ich mich aus der Höhle heraus, nun nicht den Kopf stoßen! Meine Videokamera kann ich allerdings nicht mehr sehen. Sie muss aber da draußen irgendwo stehen. Es dauert nicht lange und sie ist gefunden, ich bin einfach meinen Fußspuren an diesem einsamen Strand gefolgt – geht doch!

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Nun kommt die größte Herausforderung des Abends, ich muss wieder hinauf auf diese Treppe und das erweist sich als gar nicht so einfach. Nach zwei vergeblichen Anläufen schaffe ich es dann an einer etwas anderen Stelle hinauf auf den Rest der Treppe. Meine beiden Stative sind dabei eine große Hilfe. Ohne sie hätte ich wohl auf allen Vieren auf den Treppenabsatz hinauf klettern müssen.

Endlich oben am Auto angekommen bin ich so ziemlich am Ende meiner Kräfte angelangt. Meine Hose und mein Hemd sind so nass, dass man sie auswringen könnte. Zwischen den Füßen und meinen Trekking-Sandalen haben sich lauter kleine Steine eingenistet, ich bin echt fertig. Schnell die Fotosachen verstauen und dann einen Schluck Wasser. Das Wasser war den ganzen Tag im Auto und es ist lauwarm, aber ich bin trotzdem dankbar dieses Wasser trinken zu können.

Zurück am Hotel gibt es überhaupt keine Parkplätze mehr. Die Leute parken einfach überall, auf durchgezogenen Linien, auf Sperrflächen, ganz egal, Hauptsache es ist nah am Hotel. Als Zeichen meines stillen Protestes fahre ich noch etwa 100 Meter weiter und stelle meinen Mietwagen als EINZIGES Fahrzeug auf dem leeren Parkplatz ab. Nun muss ich zwar ein paar Meter laufen, aber das wird mir nicht schaden, ich habe eh meist zu wenig Bewegung.

Als ich in unserem Zimmer ankomme ist Sandra schon fast eingeschlafen. Es geht nur schnell unter die Dusche und dann ab ins Bett. Meine stinkenden Sandalen und die verschwitzen Anziehsachen lasse ich einfach in der Badewanne liegen und schließe die Tür des Badezimmers mit aller Sorgfalt.

Endlich im Bett kann ich dann doch nicht schlafen. Mein Puls ist noch immer bei 120 und ich würde mir am Liebsten sofort die Fotos anschauen. Aber es ist schon sehr spät und Sandra möchte gern schlafen. Schließlich erinnere ich mich an alte Zeiten als ich Abends immer mit einem Kopfhörer Musik gehört habe. Meine Kopfhörer ist gleich neben mir in der Schublade und mein Telefon auch. Auf dem Telefon gibt es viele hundert Alben und mehrere tausend Songs. Ich höre mich noch ein wenig durch diese große transportable Mediathek bis ich irgendwann dann doch so müde bin, dass ich mit einem letzten Reflex den Kopfhörer ausschalte und das Handy beiseite lege.

Was für ein Tag….

La Palma – Tag 12

Als ich am Vortag meinen BLOG veröffentlich habe, kommt auch schon meine liebe Sandra um die Ecke. Sie war erfolgreich und hat sich etwas zum Anziehen und natürlich ein Paar schicke neue Schuhe gekauft. Gemeinsam wollen wir den Abend fern der All-Inclusive Gäste in einem einheimischen Restaurant verbringen. Es geht hinauf zum Vulkan San Antonio. Etwa 100 Meter vor dem Visitor-Center ist auf der linken Seite eine sehr einladend wirkende Bodega. Als wir dort eintreffen müssen wir leider feststellen, dass wir den Ruhetag erwischt haben! Also drehen wir um und fahren noch ein paar Spitzkehren weiter den Berg hinauf. Oben im kleinen Örtchen Los Canarios gibt es einen Wegweiser der uns zu einem sehr gemütlichen kleinen Restaurant führt.

Wir sind die einzigen Gäste, das kommt mir etwas komisch vor, aber dann gibt es ein kaltes Radler (Cerveza con Seven-Up) und schon bin ich im Urlaubsmodus 🙂

Sandra bestellt sich ein Steak mit einem kleinen Salat, ich entscheide mich für den Fisch des Tages mit handgeschnittenen Kartoffeln aus der Fritteuse. Mein Fisch ist ganz ok, wenngleich auch nicht gerade Weltspitze, aber mir schmeckt es. Sandra knabbert relativ langsam und lustlos an ihrem Steak herum. Als ich frage was damit los ist erfahren ich, dass es wohl irgendein Missverständnis gegeben hat. Sie hatte mit einem Rindersteak gerechnet. Auf dem Teller liegt aber ein Stück Schweinefleisch. Sie kann damit dann aber doch ganz gut leben. Wir gehören nicht zu den Gästen die sich den Chef kommen lassen und eine Welle machen die ganze Dörfer wegspülen könnte.

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Nach dem Essen gibt es noch einen kleinen kanarischen Espresso mit aufgeschäumter Milch (Café Cortado). Für Sandra würden wir gern einen Ramazotti bestellen, aber die Kellnerin kennt das nicht. Wir versuchen es mit einem „Hierbas“, auf Teneriffa bekommt man dann meist einen kleinen Schnaps der ein wenig an einen süßen Grappa erinnert. Hier versteht man unter „Hierbas“ aber eher einen Kräuterlikör. Die Kellnerin hat auch sofort einen Jägermeister zur Hand. Aber den mag Sandra nicht. Wie erklären wir nur was wir wollen? Ich versuche es mit „Un hierbas similar a grappa?“ Sie flitzt kurz weg und bringt mir kurz darauf meinen Café Cortado und Sandra einen doppelten Grappa in einem Gläschen das ein wenig an ein zu klein geratenes Sektglas erinnert. Ich darf mal kurz kosten, es ist ein Grappa und er ist echt gut!

Bei Sandra hinterlässt dieser große Schnaps dann aber schnell ziemliche Spuren. Im Bauch wird es warm und im Kopf beginnt sich alles zu drehen. Sie ist ein wenig angetrunken, hicks… Also setze ich sie unten am Hotel ab und fahre etwa 1000 Meter vom Hotel in Richtung Norden durch die angrenzenden Bananenplantagen. Dort gibt es eine kleine „Bude“ mit tollem Blick auf das Meer. Als ich dort eintreffe rattert dort ein kleiner Stromgenerator und es sind recht viele Jugendliche dort die den beginnenden Sonnenuntergang bei einem Bier genießen. Als ich starklar bin fällt mir eine Treppe auf die nach rechts abzweigt. Ich schaue mir das genauer an und bin ziemlich überrascht, dass es hier einen tollen Abstieg zu einem kleinen einsamen schwarzen Strand gibt, großartig!

Unten am Strand bin ich schließlich allein in einer kleinen Bucht, umgeben von dunklem Basalt und viel viel schwarzem Lava-Sand und Lava-Kies. Vor mir stimmt die Sonne ein tolles Schauspiel an und den Blick nach Westen versüßen mir einige respektable Lava-Formationen die wunderbar aus dem Meer herausragen. Meine tolle neue Timex Armbanduhr verrät mir, dass wir gerade wieder einmal Ebbe haben. Das ist für Fotos am Strand mit Sonnenuntergang meist ideal, weil man dann auf dem flach abfallenden Strand fotografieren kann.

Leider habe ich nur die kleine Nikon 1V1 und die Panasonic HC-X909 Videokamera dabei. Es sind zwar tolle Geräte aber für wirklich eindrucksvolle Aufnahmen bei krassem Gegenlicht oder in der Stunde nach dem Sonnenuntergang eher weniger gut geeignet. Trotzdem nehme ich einige Video-Sequenzen auf bis mir die Idee kommt, endlich mal den Verlaufsfilter vor die Panasonic Videokamera zu schrauben. Dieser Filter ist zur Hälfte klar und zur anderen Hälfte dunkelbraun, man nennt das auch „Tabak“. Den Filter kann ich drehen und wenn man die braune Hälfte nach oben dreht, so bekommt der Abendhimmel eine bedrohliche fast surreale Wirkung. Ein wenig schade ist, dass der Übergang von klar nach getönt genau in der Mitte des Filter ist. So muss man ein wenig mit der Aufnahmeposition spielen bis das Ergebnis gut aussieht. Hier ist der Einsatz der quadratischen Cokin-Filter oft einacher. Man schraubt den Filterhalter an die Kamera und kann dann bist zu drei Filter einschieben und in der Höhe kombinieren. Allerdings muss man dabei auch bedenken, dass jede Filterscheibe die Bildqualität ein wenig verringert. Daher ist mein Tipp, irgendwelche Filter nicht grundsätzlich zu benutzen sondern nur dann wenn sie sinnvoll sind oder schöne Effekte ermöglichen.

Während die Panasonic-Kamera ein wenig vor sich hin filmt baue ich meine Nikon 1V1 und das zweite Stativ auf. Als ich die  Kamera einschalte muss ich leider feststellen, dass ich die Speicherkarte im Hotelzimmer vergessen habe. Alle Reservekarten sind im großen Fotorucksack und der ist auch im Hotel. Ich versuche das gelassen hinzunehmen, man kann eh nicht mit zwei Kameras gleichzeitig fotografieren. Also wechsle ich die Speicherkarte immer mal zwischen Videokamera und Fotoapparat. Gern würde ich ja auch mal den Verlaufsfilter an die Nikon 1 setzen, aber sie hat ein 40,5mm Filtergewinde. Mein Verlaufsfilter hat 52mm, die Panasonic hat 49mm. Wie passt das alles zusammen? Ganz einfach, mit Filteradaptern. Solch ein Exemplar habe ich auf die Panasonic aufgeschraubt, 49 -> 52mm – damit passen fast alle Filter die ich für meinen guten alten manuellen Nikon Objektive habe. Auch die Streulichtblenden usw. kann ich verwenden, das ist sehr praktisch. Für die Nikon 1 habe ich auch einen Adapter von 40,5 auf 52mm, aber ihr habt es sicher schon erraten, ich weiß mal wieder nicht wo er ist…

Die Video-Sequenzen sehen auf dem Klappdisplay der Panasonic richtig gut aus. Später im Hotel bin ich aber doch etwas enttäuscht. Filmt man mit dieser Kamera direkt in dei Sonne so ist das einfach zu krass. Zwar ist die Sonne ein korrekter heller runder Punkt, aber rund herum machen sich komische orangefarbene Farbsäume breit, das sieht nicht wirklich gut aus. Hier ist der kleine Sensor der Kamera deutlich überfordert. Vielleicht würde es helfen einen zusätzlichen Polfilter oder einen dichten Graufilter zu verwenden. Aber wenn man mehrere runde Filter aufeinander schraubt werden sie spätestens ab dem zweiten Filter im Bild sichtbar. Es gibt dann runde schwarze Ecken und die will man lieber nicht haben. Man kann sich ein wenig behelfen indem man die Kamera nicht ganz auf Weitwinkel sondern etwas auf „Tele“ einstellt. Dann ist der Blickwinkel enger und die Ränder sind dann weg. Aber damit bekommt man oft das was man filmen möchte nicht mehr in voller Breite zu sehen.

Helfen könnte hier ein weiterer Filteradapter bspw. von 52 auf 77mm. So etwas habe ich sogar dabei und ich weiss sogar wo er ist! Auch habe ich 77er Polfilter, Graufilter und Grauverlaufsfilter mit auf die Insel genommen. Aber während ich da unten ganz allein am Strand stehe sind sie natürlich im Hotelzimmer!

Leute da hilft nur EINES – ich muss da noch einmal hin!

Nachdem die Show vorbei ist steige ich die Treppenstufen wieder hinauf und laufe mal bis zur Spitze dieses Aussichtspunktes. Dort staune ich nicht schlecht, als ich neben „meiner“ Bucht eine zweite Bucht entdecke! Und diese Bucht ist sogar noch viel cooler denn da sind die tollen Lavafelsen direkt davor! Hier wäre es ein Fest einen tollen Sonnenuntergang zu fotografieren. Und auch hier scheint es eine Treppe zu geben die etwa 30 Meter von der Klippe hinunter zum Strand führt. Das werde ich mir mal anschauen, aber nun geht es erst einmal zurück zum Hotel.

Als ich dort eintreffe läuft gerade „Déjà Vu“ im ZDF. Ein seltsamer Streifen mit einem Denzel Washington der vier Tage in die Vergangenheit schauen kann. Es geht darum einen Terroranschlag aufzuklären oder gar zu vereiteln. Es ist schon eine krude Geschichte aus der Tony Scott versucht einen passablen Actionstreifen zu zimmern. Sogar  Val Kilmer ist mit am Set, aber wirklich überzeugen kann mich das alles nicht. Während ich meine Fotos sichte höre ich nur die pathetische Filmmusik und die vielen Soundeffekte. Ich habe den Eindruck, dass man hier versucht hat mit knalligen Soundeffekten den recht sinnfreien Plot aufzumotzen. Da ist es kein Fehler wegzuschauen und sich auf die „fotografische Beute“ zu konzentrieren.

Hier bin ich besonders auf die Fotos aus der Nikon 1V1 gespannt. Aber die Fotos sind weniger gut als erhofft. Auf dem kleinen Monitor der Nikon 1 sah das alles noch toll aus, aber wenn man sich die dunklen Bildbereiche mal genauer anschaut, dann haben sie oft keine Zeichnung oder sind sogar total verpixelt. Wenn man die Bilder kräftig überbelichtet, so werden bei den im Gegenlicht liegenden dunklen Lavafelsen Strukturen sichtbar. Allerdings ist dann der Himmel nun noch ein großer ausgefranster weißer Fleck. Das kann die Nikon D800 viel besser. Der Grund ist der kleine Chip im CX-Format den die Nikon Ingenieure für die Nikon 1 Serie konstruiert haben. Dieser kleine Chip macht war das gesamte System schön klein und handlich, aber die Bildqualität kann in Grenzsituationen mit „erwachsenen“ Kameras in keiner Weise mithalten. Aber wen wundert es, dass eine kleine Kamera die mit Objektiv 279,- Euro gekostet hat nicht die gleichen Fotos liefert wie eine Nikon D800E die mit einem guten Objektiv schnell bei 5.000 Euro liegt?

Hier zwei Beispielfotos aus der Nikon 1V1 – jeweils 1000 Pixel breit oder hoch.

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Beim nächsten Foto sah das Wasser nicht wirklich schön aus, also habe ich es mit Photoshop ein wenig „glatt gebügelt“ 🙂

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Hier auf La Palma ist es jetzt gleich 12h am Mittag. Sandra und ich werden gleich  aufbrechen und uns vielleicht den Vulkan „San Antonio“ anschauen und danach ggfs. einen zweiten Anlauf in der kleinen Bodega neben dem Visitor-Center wagen. Ok, schauen wir einfach mal was passiert 🙂