Nikon D300 – Die ersten Infrarotfotos

Dass ich meine meine frisch auf Infrarot 830nm umgebaute Nikon D300 abholen konnte, ist jetzt schon ein paar Tage her. Wegen der vielen Arbeit und des schlechten Wetters ist es bislang auch nur bei einigen ersten Testfotos meines Ceran-Kochfeldes geblieben. Heute sollte sich das endlich ändern!

Nachdem meine kleine Mainzer Wohnung aufgeräumt und ein wenig geputzt war ging es gegen Mittag los in Richtung Bonn. Auf dem Beifahrersitz lag endlich mal wieder ein Fotorucksack. Im Rucksack meine Nikon D300 die jetzt statt des Anti-Aliasing-Filters einen Infrarotfilter hat, der langwelliges Licht ab einer Wellenlänge von etwa 830 Nanometern passieren lässt. So „richtig Infrarot“ ist das natürlich noch nicht – aber es ist mit dem vergleichbar was man früher sehr aufwändig mit Infrarot-Filmmaterial fotografieren konnte.

Das Wetter ist recht freundlich und das Thermometer zeigt lässige 17 °C. Mit geöffnetem Dach geht es mit meinem kleinen Zweisitzer über die B42 am Rhein entlang. Kurz hinter Rüdesheim kommt dann der Binger Mäuseturm in Sicht. Ganz in der Nähe ist ein Parkplatz und so kann ich die ersten Fotos aufnehmen. An der Nikon D300 ist seit dem IR-Umbau das famose Nikon AF-S 2.8/17-55mm Zoom-Objektiv montiert. Dieses Objektiv eignet sich für die Infrarot-Fotografie wirklich sehr gut. Und es ist verblüffend wie viel Licht der Chip meiner D300 trotz des sehr dichten Infrarotfilters doch noch konsumieren kann. Bei ISO-200 kann ich mit Blende 5,6 und 1/125s frei aus der Hand fotografieren – das ist wirklich beeindruckend!

Mit meiner D800E und einem auf das Objektiv geschraubten IR720 muss ich bei ISO 200 und Blende 5,6 an Tagen wie diesem (um mal eine Zitat der Toten Hosen zu verwenden) etwa 15 – 30 Sekunden lang belichten! Der Komfortgewinn durch den nun direkt vor dem Chip der Kamera befindlichen IR-Filter ist ganz außerordentlich. In vielen Situationen kann man sogar den Belichtungsmesser verwenden. Meist muss man ihn an die aktuelle Lichtsituation anpassen indem man ihn mit der +/- Taste „kalibriert“. Danach kann man den Ausschnitt ändern und der Belichtungsmesser übernimmt den Rest. Heute muss ich den Belichtungsmesser um +2 EV korrigieren. Dass das überhaupt notwendig ist liegt daran, dass der Chip der D300 jetzt praktisch farbenblind ist, aber der Belichtungsmesser leider nicht! Damit der Belichtungsmesser verlässliche Werte liefert die zur nun geänderten Empfindlichkeit des Sensors passen, müsste man auch den Belichtungsmesser mit einem identischen Infrarot-Filter bestücken. Das klappt aber leider nicht, weil bei allen Versuchen die gläserne Abdeckung des Belichtungsmessers zu entfernen diese bisher stets zerstört wurden!

Wer seine Kamera also im „Hard-Core-Verfahren“ auf Infrarot umrüsten lässt, der muss damit leben, dass die Belichtungsmessung gelegentlich mal ganz kräftig daneben liegt. Aber mit ein wenig Übung und der Nutzung des +/- Korrekturknopfes bekommt man auch das in den Griff.

Hier mein erstes Testfoto mit dem Nikkor AF-S 2.8/17-55mm… (Alle Fotos sind 1000 Pixel breit – einfach in neuem TAB öffnen…)

Nikon D300 - Infrared - Infrarot - 830nm

Da man den Binger Mäuseturm hier nur im Hintergrund erahnen kann, nun ein Vergleichsbild das mit dem Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm entstanden ist. Ein Stativ hatte ich zwar dabei, aber es war heute nicht notwendig und das ist der eigentliche Knaller an diesem Kameraumbau!

Nikon D300 - Infrared - Infrarot - 830nm

Hier sehen wir den Binger Mäuseturm nun etwas größer. Die Sonne schien zwischendurch mal ganz kurz zwischen den Wolken hindurch und prompt sehen die blattlosen Bäume rechts neben diesem witzigen Bauwerk sofort ganz nett aus.

Nikon D300 - Infrared - Infrarot - 830nm

Auf der gegenüberliegenden Rheinseite ist rechts oben zwischen den Weinreben eine sehr schöne alte Burgruine. Hier habe ich mal ein Foto das ich mit Snappseed aus einem RAW-Bild erstellt habe. Es muss also nicht immer Photoshop oder Nikon Capture NX sein – das billige kleine Snapseed liefert sehr oft wirklich tolle Ergebnisse.

Und weiter geht die Reise. Entlang des Rheinufers reiht sich eine schöne alte Burg an die Nächste. Nicht umsonst ist dieser Teil des Rheins schon vor vielen Jahren zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt worden. Immer wieder halte ich kurz an und schieße mit meiner D300 und dem 2.8/70-200mm Telezoom ein Foto nach dem anderen. Und bereits bei der Sichtung der Ergebnisse im Auto wird mir klar, dass dieser Umbau letztlich doch eine gute Aktion war!

Nikon D300 - Infrared - Infrarot - 830nm

Nikon D300 - Infrared - Infrarot - 830nm

Nikon D300 - Infrared - Infrarot - 830nm

Nikon D300 - Infrared - Infrarot - 830nm

Nikon D300 - Infrared - Infrarot - 830nm

Nikon D300 - Infrared - Infrarot - 830nm

Als ich Bonn erreiche scheint das diffuse Sonnenlicht sehr schön auf das Siebengebirge. Kurz vor Bad Godesberg kann man die B42 nach rechts verlassen und dann gleich vom Straßenrand aus einige wirklich schöne Blicke auf das Siebengebirge erheischen.

Hier habe ich nun drei Fotos des frisch restaurierten „Schloss Drachenfels“ für Euch. Dieses tolle Gebäude ist gar nicht so alt wie es ausschaut. Es wurde von einem Bonner Bürger erbaut nachdem er an der Pariser Börse zu Geld gekommen war. Es war mehr ein protziges Ego-Bauwerk als ein Heim für sich und seine Familie. Wirklich bewohnt hat er es indes nie und erst viele Jahre nach dem zweiten Weltkrieg hat der skurrile Millionär Paul Spinat dieses Gebäude mit Leben erfüllt. Legendär waren seine Play-Back-Konzerte an der Pfeifenorgel und sein goldfarbener Rolls-Royce! Diese Nobelkarosse war das Markenzeichen des 1989 verstorbenen Textilfabrikanten, der das Schloss 1971 zum Preis von 500 000 Mark gekauft und anschließend vor dem endgültigen Verfall gerettet hatte.

Nikon D300 - Infrared - Infrarot - 830nm

Schaut man sich diese beiden Fotos an, so fällt auf, dass eigentlich nichts auffällt. Man kann die Infrarot-Fotos aus der umgebauten D300 sowohl mit Nikon Capture NX als auch mit Photoshop CS 5 und dem integrierten Adobe Camera RAW entwickeln. Egal wie, die Ergebnisse können sich sehen lassen!

Nikon D300 - Infrared - Infrarot - 830nm

Nikon D300 - Infrared - Infrarot - 830nm

Fazit:

Der Umbau meiner mittlerweile ziemlich abgegriffenen Nikon D300 war mit 529,- Euro nicht ganz preiswert, aber scheinbar doch jeden Euro-Cent wert! Ich bin wirklich begeistert von den Ergebnissen und der enormen Geschwindigkeit mit der ich nun recht abgefahrene Schwarz-Weiß-Bilder erstellen kann. Mit der Nikon D800E hätten die Fotos eine höhere Auflösung, aber ich müsste jedes Mal ein Stativ aufstellen und es würde mich immer wieder mehrere Minuten  kosten auch nur ein Bild korrekt zu fokussieren und zu belichten.

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass beim Umbau eine Korrektur des Autofokussystems durchgeführt wurde. Was genau dort gemacht wurde ist aber eher ein Betriebsgeheimnis. Aber egal, letztlich zählt das Ergebnis und damit bin ich für heute sehr zufrieden.

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