Nikon D800E – 300mm Teleobjektive im Vergleich

Schaut man sich die Liste der Teleobjektive an bei Nikon innerhalb der letzten 50 Jahre konstruiert wurden so wird schnell klar, dass dies eine heimliche Leidenschaft der Nikon-Ingenieure sein muss. Nikon Kameras werden von vielen Profis eingesetzt und diese Profis sind oft bei Sportveranstaltungen oder dort wo es Promis zu sehen gibt unterwegs. Eine ganz andere Fotografen-Spezies ist weltweit unterwegs und lauert auf das ultimative Tierfoto. All diesen Fotografen gibt Nikon seit vielen Jahren zu teils exorbitanten Preisen hervorragende Teleobjektive an die Hand.

Geht man an einem schönen sonnigen Tag mal in einen Zoo, so sieht man viele Amateure mit ihren “langen Tüten” zwischen den Gehegen umherstreifen, auch sie sind auf der Suche nach dem ultimativen Tierfoto. Die Mehrzahl der Fotoamateure träumt insgeheim vom einem ultimativen Teleobjektiv so wie sie es in den Nachrichten auf den Stativen der Profis zu sehen bekommen. Doch wirklich leisten können sich das nur wenige. Erst vor einigen Tagen hat Nikon ein neues 800mm Supertele vorgestellt, dieses dicke Ding wird soviel kosten wie ein Kleinwagen. Außerdem wird es schwer sein wie ein Stück Blei und man wird damit auf allen Flugreisen ein Problem wegen der Größe und des Gewichts dieses Objektivs haben.

Welche Teleobjektive an der D800 bzw. der D800E was können, was sie wiegen und kosten, das will ich heute ein wenig ausloten.

Beginnen wir mit einem Nikon AF-S VR 4/200-400mm. Dieses Ding kostet runde 6.500 Euro und liegt damit an der Obergrenze dessen was ein “normaler” Fotoamateuer investieren kann. Dieses Telezoom ist nicht nur teuer, es ist auch groß und schwer. Bei meinen letzten Reisen hatte ich mit diesem Monstrum regelmäßig Probleme mit dem Handgepäck. Aber, es liefert auch geniale Ergebnisse und der 2-fach Zoombereich gibt einem die in der Tierfotografie oft notwendige Flexibilität. In Verbindung mit den Video-Features ist es an der D7000 oder auch der D800E gibt, ist es ein tolles Gerät für die Beobachtung von Tieren. Gelegentlich verwende ich es auch mit dem Nikon TC17-E II Teleconverter. Damit funktioniert der Autofokus noch, das Sucherbild ist ausreichend hell und der Vergrößerungsfaktor gewaltig. Nutzt man es mit einer DX-Kamera hat man ein halbwegs bezahlbares und transportables Supertele mit dem man sich nirgendwo zu schämen braucht :-)

Hier eines meiner Beispielvideos.

Zurück zu meiner kleinen Testreihe, so sieht dieses Telefobjektiv an der D800E aus. Ein echt “dicker Brummer”, gell?

Nikon D800E & Nikon AF_S VR 4/200-400mm

Wenn die enormen Abmessungen und das Gewicht des großen Teleobjektivs nicht “tragbar” sind, nehme ich in der Regel das Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm und den 1.7er Teleconverter mit. Damit hat man ein kompaktes relativ lichtstarkes Objektiv mit sehr guten Abbildungseigenschaften. Diese Kombination ist neu für etwa 2.300 Euro zu haben.

Nikon D800E & Nikon AF_S VR 2.8/70-200mm / Nikon TC17-E II

Auf dem Gebrauchtmarkt bekommt man mit ein wenig Glück für etwa 1.000 Euro das schon recht betagte Nikon AF-D VR 80-400mm. Der 1.7er Teleconverter funktioniert mit diesem Objektiv allerdings nicht und es hat keinen AF-S Motor, also keinen eingebauten Ultraschallantrieb für den Autofokus. Das Fokussieren muss also ein Motor in der Kamera übernehmen. Viele preiswerte Nikon DSLR-Modelle verfügen inzwischen nicht mehr über diesen Motor, so dass man genau hinschauen muss, ob dieses Objektiv für die eigene Kamera geeignet ist oder nicht.

Nikon D800E & Nikon AF-D VR 80-400mm

Wer noch weniger Geld hat, der bekommt für etwa 150 Euro auf dem Gebrauchtmarkt Objektive wie das Nikon AiS 5.6/100-300mm zu kaufen. Es ist ein Schiebezoom mit sehr brauchbarer Abbildungsqualität. Es ist recht leicht und sehr kompakt. Damit könnte es für all jene interessant sein, die ein Teleobjektiv weniger für die Tier- als vielmehr für die Landschaftsfotografie suchen. Wer Landschaften fotografiert muss oft lange Wanderungen über weite Distanzen zurücklegen um zur ultimativen Fotolocation zu gelangen. Mit einem kleinen leichten Teleobjektiv wie diesem hier, fallen solche Wanderungen spürbar leichter aus.

Nikon D800E & Nikon AiS 5.6/100-300mm

Ok, schauen wir uns an was diese Objektive leisten. Ich habe hier eine Testreihe für Euch und jeweils von der größten Blende bis Blende 22 ein kleines Testchart im Format DIN A3 abfotografiert, dass ich mit einem EPSON STYLUS PRO R2880 auf Fotopapier gedruckt habe. Das Papier hat leider keine perfekt matte Oberfläche, daher reflektiert bei einigen Bildern die Oberfläche das einfallende Tageslicht. Alle Bilder sind bei etwa 300 Brennweite entstanden. Die D800E stand auf einem Stativ und wurde mit der Spiegelvorauslösung so erschütterungsfrei wie irgend möglich ausgelöst.

Versuchsaufbau

Mein Versuchsaufbau sah etwa so aus. Damit Ihr einen Eindruck von der Größe des Testcharts bekommt, habe ich mal einen einfachen Gliedermaßstab davor gestellt.  Das Testchart ist mit Tesafilm an einem alten Karton befestigt und diesen habe ich auf ein Regal gestellt um das Testchart ablichten zu können.

Liste der Testbilder

Hier habe ich Euch die konvertierten Testbilder in voller Auflösung bereitgestellt. Wer ein Original-RAW-Bild haben möchte, der muss sich einfach melden. Aber, diese Dateien sind pro Stück etwa 45MB groß!! Um die Bilder in der vollen Größe zu öffnen, einfach auf die Links klicken. Sie sollten in neuen Fenstern oder neuen TABs geöffnet werden. Damit kann man sie dann sehr einfach miteinander vergleichen.

  1. Nikon AF-S VR 4/200-400mm
    1. Blende 4
    2. Blende 5.6
    3. Blende 8
    4. Blende 11
    5. Blende 16
    6. Blende 22
  2. Nikon AF-D VR 5.6/80-400mm
    1. Blende 5.6
    2. Blende 8
    3. Blende 11
    4. Blende 16
    5. Blende 22
  3. Nikon AiS 5.6/100-300mm
    1. Blende 5.6
    2. Blende 8
    3. Blende 11
    4. Blende 16
    5. Blende 22
  4. Nikon AF-S VR 2.8/70-200mm & TC17-E II
    1. Blende  5.6
    2. Blende 8
    3. Blende 11
    4. Blende 16
    5. Blende 22

Diskussion der Bildergebnisse

Schaut man sich die Bilder an so fällt schnell auf, dass alle Objektive bei vollständig geöffneter Blende eine sichtbare Vignettierung zeigen. Blendet man die Objektive um 2-3 Stufen ab, so verschwindet die Vignettierung fast vollständig und die Abbildungsqualität erreicht das Maximum. Bei Blende 16 und Blende 22 ist keine Zunahme der Abbildungsqualität mehr erkennbar. Ganz im Gegenteil, nun kommen die Beugungseffekte an den Blendenlamellen ins Spiel und die Abbildungsqualität nimmt sogar ab!

Schauen wir einmal ins “Zentrum” der vier Testkandidaten bei offener Blende.

Nikon D800E - 300mm - Shaprness Comparison

Der gleiche Ausschnitt bei Blende 11

Nikon D800E - 300mm - Shaprness Comparison

Nun die obere linke Ecke bei Blende 11

Nikon D800E - 300mm - Shaprness Comparison

Auch wenn die Testumgebung sicher nicht perfekt und die Ausleuchtung verbesserungswürdig ist, so zeigt diese Gegenüberstellung doch die exorbitant gute Bildqualität des Nikon AF-S VR 4/200-400mm Objektivs. Die Bilder sind sehr scharf und man kann fast die Papierfasern erkennen. Im Vergleich fallen die drei anderen Objektive sichtbar ab. Beim AF-D 80-400mm hat man den Eindruck, dass dieses Objetkiv den krassen Chip der D800E einfach nicht mehr adäquat mit Bildmaterial versorgen kann.

Trotz Teleconverter liefert das AF-S VR 2.8/70-200mm noch brauchbare Ergebnisse. Ohne Teleconverter wäre es auf dem Niveau des 200-400mm Objektivs. Das uralte billige 100-300mm Schiebezoom schlägt sich gar nicht so schlecht. Wenn man bedenkt, dass man es auf dem Gebrauchtmarkt sehr sehr preiswert kaufen kann, ist es durchaus eine Empfehlung wert, wenn das Geld für eine der teuren Linsen nicht ausreicht.

Die Hersteller Tamron, Sigma und Tokina haben ebenfalls sehr brauchbare Objektive im Angebot. Welches Objektiv nun perfekt ist, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Wer einen guten Fotohändler in der Nähe hat sollte fragen, ob er die 2-3 Objektive die er in der engeren Auswahl hat für ein paar Stunden ausleihen kann um sich eine eigene Meinung zu bilden.

In meinem Shop findet ihr ggfs. ein Testchart im Format 60x90cm. Es ist richtig matt, spiegelt also nicht wie diese kleine “Testvariante” und weil es auch viel größer ist, spielt die Struktur des Papiers bei der Diskussion der Bildergebnisse eine untergeordnete Rolle. Allerdings braucht man für den Test eines Teleobjektives mit einem großen Testchart auch wirklich viel Platz! Ich hatte ihn heute nicht, daher habe ich mein kleines DIN A3 Testchart verwendet. Will man bei 60x90cm ein 400mm Teleobjektiv testen, so sollte man einen Raum haben der etwa 8 – 10 Meter breit oder lang ist. Notfalls kann man auch in den Garten ausweichen und das Testchart beispielsweise an die Hauswand hängen. :-)

Hier der Link zum Testchart in meinem Shop.

5 Gedanken zu “Nikon D800E – 300mm Teleobjektive im Vergleich

  1. Jopi

    Danke für den test!
    Frage: wie sehen die Bilder der 70-200 Kombi aus, wenn man das Bild in etwa des Konverters croppt.. Ich denk, dass dies besser wäre…oder?

    LG. Hans

  2. Wolfgang Ott

    Erst einmal vielen Dank für die umfangreichen Testberichte.

    Frage: Gibt es für die Vogelfotografie zur Nikon D800 ein Objektiv mit sehr guter Qualität (Widergabe auch feiner Details im Gefieder), das wegen der häufig großen Entfernung zu den Vögeln mindestens 400 mm (eventuell ein Objektiv mit weniger Brennweite in Kombination mit einem Konverter) haben sollte – und nicht allzu schwer ist? Oder ist dies die oft zitierte eierlegende Wollmilchsau, die es ja nicht gibt?

    Viele Grüße Wolfgang

    1. Hi Wolfgang, jedes wirklich gute Teleobjektiv ist teuer und wenn es die Leistung der D800 auch noch ausreizen soll, dann scheidet jedes halbwegs billige Zoom-Objektiv von Sigma, Tamron oder Tokina eigentlich schon aus. Ich habe mir vor einer Weile das Nikon AF-S VR 4/200-400 und den Nikon 1,7-fach Telekopierter gekauft. Zusammen waren das fast 7.000 Euro. Wirklich benutzt habe ich es nur sehr selten weil es einfach groß und schwer ist. Auf Reisen ist es mir auch zu unhandlich, so steht das gute Stück nur noch in der Ecke. Für Vögel usw. verwende ich nur noch meine Nikon 1 V3 mit dem 1NIKKOR 70-300mm. Das entspricht wegen des kleinen Chips der Nikon 1 einem 810mm Teleobjektiv mit Blende 5,6. Das muss man für das Vollformat erstmal herstellen… Mit der Bezahlung ist es dann das nächste Problem… Jeder der nicht professionell fotografiert und nur mal im Zoo ein paar Vögel ablichtet, schießt bei der D800 fast mit jedem Teleobjektiv über das Ziel hinaus. Das was wirklich gut ist kostet, je nachdem ob man es neu oder gebraucht kauft, schnell zwischen 5.000 und 20.000 Euro.

      Sowas ist für fast jeden Amateur ziemlicher Unsinn. Ich würde lieber zu einem kleineren Chip raten und beispielsweise mit der Nikon D7200 und dem neuen 80-400mm fotografieren. Daran kann man keinen Nikon-Telekonverter benutzen, aber wegen des Croo-Faktors hat man einen Blickwinkel wie bei einem 120-600mm Objektiv und damit kann man schon was reißen. Die D7200 hat auch noch Reserven für den einen oder anderen Ausschnitt.

      In den letzten Jahren haben mich immer wieder Fans der Nikon D800 angeschrieben, weil sie ein billiges gutes Teleobjektiv gesucht haben. Leider gibt es das nicht. Entweder es ist exzellent, dann ist es groß und teuer oder es ist tbillig und so “la la”, dann braucht man aber keine Kamera mit 36 Megapixeln…

      Schau mal bei flickr diesen Adler an:
      Fish Eagle Portrait - Nikon 1 V3 & AF-S VR 70-300mm

      Der ist mit der Nikon 1 V3 und dem 1Nikkor 70-300 geknipst. Noch billiger aber ohne RAW-Modus kommt noch die Nikon P900 daher. Da hast Du für 600 Euro einen 83-fachen Zoom. Zwar bringt das Ding keine Top-Leistungen, aber für den engagierten Amateur liefert es durchaus ansprechende Ergebnisse. Ist halte das für sinnvoller als 20.000 Euro für ein Teleobjektiv auszugeben. Lieber eine preiswerte gute Kamera mit kleinem Chip kaufen und vom gesparten Geld eine Safari nach Südafrika buchen. Das bringt mehr Spaß als pleite mit der teuren Linse daheim Zeitungen zu fotografieren und die Bilder in der 200% Ansicht nach Farbsäumen abzusuchen :-)

      Viele Grüße,
      Ansgar

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